Montag, 30. September 2024

Hinter den Mauern der Ozean [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Dieses Buch gehört zu denen, die mit mir nach Kreta reisen durften. Und ja, natürlich war für diese Entscheidung ausschlaggebend, ob der Buchtitel irgendwas mit dem Meer zu tun hat, auch hier wieder. Wer will mich davon abhalten?

In diesem Buch geht es um Lola, eine von nur fünf verbliebenen Einwohnern Berlins.  Die anderen sind Friedrich, Alexander, Wilhelm und Else und zusammen sind sie die Ewigen. Alexander, Wilhelm und Else und das auf ewig – auch wenn keiner von ihnen unsterblich ist. Stattdessen wird jede dieser Personen von einem Kind mit gleichem Aussehen und gleicher Persönlichkeit ersetzt, sobald die Person Zeichen von Alter oder Krankheit zu zeigen beginnt. Durch diesen Kreislauf soll das Wissen der Alten bewahrt werden. Doch nicht alle sind mit diesem Verlauf zufrieden – und vor allem Friedrich beginnt schon bald im Buch damit, nach einem Ausweg zu suchen. Die Ähnlichkeiten zu Geschichten von der Flucht aus der DDR sind da wohl nicht nur mir aufgefallen. Die große Mauer, die einen Teil Berlins von der Außenwelt abtrennt... Da klingelt doch was... Und wie auch bei Fluchtgeschichten stellt sich auch hier bald die Frage: Kommt die Gefahr für die Fünf wirklich (nur) von außen oder doch auch aus den eigenen Reihen? Und sind die Mauern am Rande Berlins wirklich dazu da, das Meer draußen zu halten – oder sie drinnen?

Der Autorin ist hier eine sehr ruhige Dystopie gelungen. Ihr Schreibstil ist poetisch und voll mit intertextuellen Referenzen. So finden sich hier Zitate aus Liedern und Märchen sowie aus der Bibel, die geschickt in den Gesamttext eingeflochten werden.

Am Ende des Romans bleiben viele Fragen offen – die aber vielleicht auch gar nicht beantwortet werden sollten. Denn so muss jede Person die Lücken selbst füllen – und während es für mich klar ist, dass die Ewigen Klone sind, die Übersetzer vielleicht eine weit fortgeschrittene Künstliche Intelligenz und das Meer am Stadtrand Berlins das Ergebnis einer Klimakatastrophe, werden andere Leser*innen wohl ganz andere Erklärungen für all das Ungewöhnliche in diesem Buch finden. Und es wäre super spannend, diese unterschiedlichen Erklärungen zu hören und zu diskutieren - falls ihr diesen Roman also ebenfalls gelesen habt, lasst mir gerne eine Nachricht da, was ihr da so reininterpretiert habt!

Mein Fazit? Ein spannendes Roman-Experiment!


Montag, 23. September 2024

So erziehst du deinen Menschen. Empfehlungen einer Hauskatze

Autorin: Barbara Capponi
Erschienen am 13.3.2024
Im Wunderraum Verlag
ISBN: 9783442317387
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Was Ihre Katze schon immer wissen wollte - wertvolle Ratschläge für die Erziehung des Dosenöffners.

Ein vergnüglicher Ratgeber, der Katzen zeigt, wie sie den richtigen Menschen finden und für ihre Bedürfnisse abrichten können.

Wir Katzen sind die mit Abstand beliebtesten Haustiere, allein im letzten Jahr residierten wir in mehr als 17 Millionen deutschen Haushalten. Zeit für einen Ratgeber, in dem katze erfährt, wie sie den perfekten Menschen finden und ganz nach ihren Bedürfnissen abrichten kann. Von der Raffinesse, einen Menschen zu verführen, bis zur hohen Kunst der ultimativen Intensivierung der Beziehung durch kurzzeitige Unauffindbarkeit gibt es viel Wissenswertes für das perfekte Zusammenleben mit dem Dosenöffner. Denn ist der Mensch gut erzogen, kann er ein nützlicher Begleiter sein."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Uff, die Rezension zu diesem Buch habe ich jetzt länger vor mir hergeschoben. Vor allem, weil ich mich Anfang diesen Sommers nach langer Krankheit von meiner Katzendame verabschieden musste. Deswegen war ich jetzt die längste Zeit einfach echt nicht in der Stimmung dazu, irgendwas zum Thema zu schreiben. Und dann war der Punkt erreicht, an dem ich mich sogar erfolgreich davon überzeugt habe, dass ich diese Rezension schon geschrieben habe. Könnt ihr euch denken, wie überrascht ich war, als ich bemerkt habe, dass ich weder auf Reado, noch auf Goodreads die Rezension gespeichert habe - und sie auch nicht auf diesem Blog finden konnte. Ups. Also musste ich meine Notizen zum Buch nochmal hervorkramen und darf euch jetzt die Rezension zu "So erziehst du deinen Menschen" präsentieren.

In diesem Ratgeber wird aus Sicht der Katze alles erklärt, was man über das Zusammenleben mit einem Menschen wissen will. Das beginnt bei der Auswahl des richtigen Dosenöffners... ähm, Menschen. Weiter gehts mit der Erziehung, denn ein falsch erzogener Mensch ist kein angenehmer Zeitgenosse. Und natürlich wird uns auch erklärt, was denn einen Menschen für so einen tollen Gefährten für Katzen macht - von der Fähigkeit, die Thunfischdose zu öffnen mal abgesehen. Ergänzt werden alle Kapitel auch durch Geschichten über besondere Katzen und ihre Menschen.

Dieser Ratgeber ist humorvoll, super lustig und fesselnd. Der Schreibstil hatte mich sofort und sorgte dafür, dass ich dann recht schnell mit dem Buch durch war.

Das Buch ist schön gestaltet. Hier finden wir auch Illustrationen, die ich für gut gelungen halte und die mir dieses Buch noch sympathischer machten. Das ist mit einer der Gründe warum ich dieses Buch auch für ein großartiges Geschenk halte - nicht vergessen, in drei Monaten ist schon wieder Weihnachten. (Ja, das musste ich gerade selber nochmal nachschauen. Draußen hat es über 20 Grad - das kann doch gar nicht sein!)

Mein Fazit? Ein Must-Read für alle Katzeneltern!

Mittwoch, 18. September 2024

Wandelblut. Der Blutschwur

Autorin: Janis Nebel
Erschienen am 31.07.2024
Im Selbstverlag
ISBN: 9783759230577
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"»Manche Fesseln bestehen nicht aus Eisen oder Seilen. Sie sind gewoben aus Versprechen und Hoffnungen, aus Sehnsüchten und Ängsten.« Neri fürchtet nichts mehr, als in die Gewalt der Menschen zu geraten, denn Wesen wie sie werden gejagt und getötet. Nun ist es dem Fürsten von Aheelia gelungen, sie gefangen zu nehmen. Doch statt sie zu töten, macht er ihr ein unerwartetes Angebot. Neri muss erkennen, dass die größte Gefahr vielleicht nicht von ihm ausgeht, sondern von ihr selbst. Mit Neris Gefangennahme ist auch Mitjas schlimmste Angst wahr geworden. Das Land steht am Rande eines Krieges, und er ist gezwungen, Partei zu ergreifen. Um Neri zu retten, muss er ein riskantes Doppelspiel betreiben, bei dem weit mehr als nur sein Leben auf dem Spiel steht. "Der Blutschwur" ist Band 3 der vierteiligen Wandelblut-Saga. Tauche ein in eine fesselnde und emotional tiefgründige Geschichte über einen jungen Mann, der um seine Freiheit kämpft, und eine Gestaltwandlerin, die ihre Identität verbirgt. Zwei verlorene Seelen, ein gemeinsames Schicksal. Die Wandelblut-Saga verknüpft eine dunkle mittelalterliche Fantasywelt mit Coming-of-age-Elementen und einer Liebesgeschichte, die die Tropes "slow burn" und "forbidden love" bedient. Für Leser ab 16 Jahren."
Quelle: Lovelybooks.de

Meine Meinung:
So, endlich durfte ich Anfang August den dritten Band dieser Reihe auf meinen eReader laden. Und jetzt geht das Warten schon wieder von vorne los! *Seufz* Sollte das der erste Band der Reihe sein, den ich auf meinem Blog seht: Ihr findet auf meiner Seite auch die Rezension zu Teil 1 und Teil 2. Einfach auf den jeweiligen Teil klicken, dann solltet ihr sofort hinkommen!
Und, wie das natürlich immer ist, wenn man den dritten Teil einer Reihe rezensiert: Es herrscht hier Spoilergefahr für die ersten beiden Bücher. Kapiert? Sehr gut, dann kann ich ja anfangen!

In diesem Band finden wir sowohl Neri als auch Mitja in nicht unbedingt angenehmen Situationen wieder. Neri wurde durch Nikolaj, den Fürsten Aheelias, gefangen genommen und ist in ihrer Vogelform in einen Käfig gesperrt. Mitja wiederum muss so tun als hätte er die letzten Monate nicht zusammen mit Neri verbracht. Denn wie wir alle wissen: Der Fürst hat die letzten Wochen und Monate nach Neri gesucht, dass die also die ganze Zeit bei Mitja gewohnt hat, kommt also garantiert nicht so gut an. Doch wie sollen es die beiden schaffen, doch noch ein Happy End zu bekommen? Und dabei möglichst am Leben zu bleiben? Und wie entwickeln sich die Spannungen zwischen Aheelia und dem Rest Königreichs wohl weiter, die ja schon in den letzten beiden Teilen sichtbar wurden?

Hier spitzt sich die Handlung so richtig zu. Kennt ihr das Konzept der Heldenreise von Joseph Campbell? Hier gibt es den Zeitpunkt der großen Krise, wo alles verloren scheint und der Leserin vorgegaukelt wird, dass die Geschichte nicht gut kann - und ich habe das Gefühl, dass dieses Buch sich im Handlungsstrang in etwa an dieser Stelle abspielt. Wer also erwartet, dass dieser Teil happy ist: Nope, falsche Adresse! Dafür merken wir hier vor allem auf Mitjas Seite, wie viel Neri ihm inzwischen bedeutet und wie sehr es ihn belastet, die Beziehung zu ihr verleugnen zu müssen - doch er muss so tun, als würde er sie nicht kennen, sonst bringt er das Leben von ihnen beiden in Gefahr. Und auch auf Neris Seite merken wir ähnliches: Sie ist super verletzt von Mitjas Verhalten und fühlt sich verraten. Und diese Mischung sorgt dafür, dass die Spannung zwischen den beiden aufrecht bleibt - auch, wenn die beiden direkt in der Handlung eher weniger Kontakt zueinander haben.

Eines muss ich euch sagen: Die letzte Hälfte des Buches habe ich in einer Sitzung verschlungen. Die letzten 200 Seiten sind einfach runtergegangen wie eine gute Tasse Tee an einem Wintertag. I was hooked! Mir egal, dass das unter der Woche war und ich am nächsten Tag arbeiten musste. Mir egal, dass ich am nächsten Tag komplett gerädert und mit Augenringen bis zum Boden auftauchte. Das war es wert. Umso geschockter war ich dann vom Ende des Buches. Ich saß im Bett und konnte einfach gar nicht mehr fassen, was ich da gerade gelesen habe.

Mein Fazit? Genial! Vielleicht sogar der bisher beste Teil der Reihe!