Freitag, 20. September 2019

Das Flüstern

Autor: Andreas Brandhorst
Erschienen am 5.08.2019
Im Piper Verlag
ISBN: 9783492061018
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zum Autoren:
"Kaufmann, Übersetzer, Literat: Andreas Brandhorst wurde im Mai 1956 in Sielhorst bei Rahden geboren und schloss nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Industriekaufmann ab. Nur wenig später ist es ihm gelungen, als erfolgreicher Fantasy- und Science-Fiction-Autor Karriere zu machen. Neben der Schriftstellerei ist Brandhorst auch als Übersetzter tätig. Als solcher hat er unter anderem die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett ins Deutsche übertragen. Der Autor lebt heute in Norditalien."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der achtjährige Nikolas überlebt wie durch ein Wunder einen schweren Verkehrsunfall, bei dem seine Eltern ums Leben kommen. Er müsse einen Schutzengel gehabt haben, sagen die Retter. Und als er eine geheimnisvolle, wispernde Stimme hört, glaubt Nikolas selbst bald daran, dass da jemand, oder etwas, ist, um ihn zu beschützen. Er gerät an ein mysteriöses Institut in der Schweiz, in dem Kinder mit besonderen Begabungen erforscht werden. Da lernt er die junge Sonja kennen und gemeinsam schmieden sie Fluchtpläne. Doch als die Forscher den unsichtbaren Begleiter Nikolas mit aller Macht ins Licht zwingen wollen, kommt es zur Katastrophe. Und Nikolas muss sich einer furchtbaren Wahrheit stellen ..."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Diese Rezension schiebe ich jetzt seit zwei Wochen vor mir her. Bevor ich auf Urlaub war, musste ich meinen Rucksack packen und das neue Studententicket besorgen und meinen Stundenplan erstellen und und und. Dann war ich auf Urlaub und, wie erwartet, hab ich da natürlich nicht Rezensionen geschrieben, sondern Städte erkundet. Und jetzt bin ich wieder daheim und schiebe die Rezi schon wieder vor mir her: Der Rucksack muss ja wieder ausgepackt werden und eine Tasse Tee wäre super und wie bin ich jetzt auf Youtube gelandet, wo ich mir einen Podcast ansehe, in dem zwei Ärzte über Psychologie reden? Aber: Immerhin ist Blogger in meinem Browser geöffnet und ich tippe! Also, versuchen wirs einfach mal!

In diesem Buch geht es um Nikolas. Wir begleiten ihn durch sein gesamtes Leben. Nikolas ist ein sehr spannender und verwirrender Charakter. Im Buch wird er immer wieder als autistisch bezeichnet, aber gleichzeitig wird immer betont, dass sich die Ärzte da nicht so sicher sind. Was auf jeden Fall wichtig ist, ist, dass Nikolas Probleme hat, Menschen zu verstehen und alles anders wahrnimmt, als viele andere das tun würden. Dazu kommt noch, dass er Synästhesie hat. Für alle, die davon noch nie etwas gehört haben: Bei einer Synästhesie sind die Sinne eines Menschen verknüpft. Nikolas sieht Farben, wenn er einen Menschen sprechen hört. Dadurch lernt er unter anderem, die Intention von seinen Mitmenschen zu entschlüsseln. Das fand ich super spannend und total gut dargestellt. Meist schaffte der Autor es auch, dass diese besondere Wahrnehmungen nachvollziehbar wurden.
Nikolas scheint fast unsterblich zu sein. Der Grund dafür, ist sein "Schutzengel". Dieser taucht immer dann auf, wenn Nikolas in großer Gefahr ist. Meist endet das dann in einem Blutbad. Und nein, das war kein Spoiler, denn das wird schon innerhalb der ersten paar Seiten erwähnt. Ich wusste nicht so wirklich, was ich von diesem Schutzengel halten soll. Auf der einen Seite war ich mir zumindest zu Beginn sehr sicher, dass das halt einfach die Wunschvorstellung eines kleinen Jungen ist, der alles verloren hat und sich in seiner neuen Umgebung nicht zurechtfinden kann. Auf der anderen Seite hat der Schutzengel durchaus reale Auswirkungen, die ich mir so nicht erklären konnte. Bis zum Ende nicht.

Insgesamt spielen paranomale Fähigkeiten eine wichtige Rolle. Der Schutzengel, Wahrsager, Leute, die Dinge allein mit ihren Gedanken anzünden können. All das spielt eine Rolle. Stellenweise war das wirklich sehr, sehr spannend, an anderen Stellen war es aber schon fast zu viel. Gerade, weil viele Stellen sehr realistisch beschrieben wurden, war dann der Kontrast sehr stark. Auf der einen Seite sind da eben durchaus realistische Themen: Autismus, Synästhesie, die Mafia und und und. Und auf der anderen Seite eben das Übernatürliche. Ich persönlich muss sagen, dass mir die Beschreibung der realistischen Themen um einiges besser gefallen haben, als die Beschreibung des Übernatürlichen.

Den Schreibstil fand ich super. Den fand ich echt gelungen. Wie oben erwähnt, fand ich vor allem die Beschreibung der realistischen Themen sehr gut und sehr spannend. Wirklich schwache Stellen, gab es nicht.

Mein Fazit? Lesenswert und spannend. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben!

Samstag, 7. September 2019

Wunder und so: Falls ich dich küsse

Autorin: Mara Andeck
Erschienen am 31.07.2019
Im Boje Verlag
ISBN: 9783414825483
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zur Autorin:
"Die deutsche Autorin und Journalistin Mara Andeck wurde 1967 in Freiburg geboren und ist in Tübingen aufgewachsen. Im Anschluss an ihr Abitur absolvierte sie ein Studium der Biologie und Journalistik in Dortmund, ehe sie ein Volontariat beim WDR in Köln ablegte. Seitdem ist Mara Andeck als Wissenschaftsjournalistin und Autorin tätig. Sie lebt gemeinsam mit Mann, Töchtern und Hund in einem kleinen Dorf bei Stuttgart."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Vor der 15-jährigen Lou liegt eine Reise mit einem wahren Traumschiff. Die Galatea ist nämlich ähnlich eingerichtet wie einst die Titanic. Hier gibt es noch glitzernde Kronleuchter, Seide und Samt. Bedient wird man von Butlern, und beim Dinner trägt man Abendkleid und Frack. Doch kaum an Bord, spürt Lou eine seltsame Verbindung zu einem geheimnisvollen Jungen. Er kommt ihr vertraut vor, obwohl sie ihn gar nicht kennt. Kann es sein, dass zwischen den beiden eine uralte Verbindung besteht?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite war die Idee echt gut und das Buch war gar nicht mal so kitschig, wie das Cover vermuten lässt. Auf der anderen Seite gab es aber Dinge, die mich echt gestört haben.

Beginnen wir mit der Buchgestaltung. Das Cover war mir fast eine Spur zu viel Kitsch. Ein riesiges rosa Herz, die Titanic... Aber immerhin noch nicht genug, um mich vollkommen davon abzubringen, dieses Buch lesen zu wollen. Dafür entschieden habe ich mich aufgrund der "uralten Verbindung" im Klappentext. Immerhin hört sich das doch total spannend an, nicht? Ihr wisst ja, ich hab eine totale Schwäche für diese Art von Ankündigung, da muss ich sofort mehr wissen!
Am Anfang jedes Kapitels standen Sprüche. Die haben mich genervt, denn sie störten meinen Lesefluss und reduzierten die Spannung. Oftmals passten sie gar nicht mal so richtig dazu. Es waren einfach solche Sprüche, wie man sie auf Postkarten oder auf Instagram findet.

[Spoiler]
Wenn ihr dieses Buch kaufen wollt, weil ihr wissen wollt, was es mit der seltsamen Verbindung auf sich hat: Tut es nicht. Das wird nämlich bis zum Ende nicht aufgelöst, war von der Handlung her eher zweitrangig und wirkte ziemlich....nennen wir es mal bemüht. Lou als etwas Besonderes darzustellen, stand so im Vordergrund, dass die Verbindung, wenn man es denn so nennen will, einfach nur lächerlich wirkte. Gleiches gilt für ihre Déjà-vus. Heißt das, dass ich auch etwas Besonderes bin? Weil ich wie 50-90% aller Menschen schon mal ein Déjà-vu hatte? Was kommt als nächstes? Da wäre mir lieber gewesen, die Déjà-vus und die seltsame Verbindung komplett wegzulassen.
[Spoiler Ende]

Der Schreibstil war in Ordnung. Er wirkte genau so, wie viele Jugendliche reden würden. Halt ohne Dialekt und auf Hochdeutsch. Einfach sehr alltäglich. Stellenweise fast etwas zu sehr, aber das ist Geschmackssache und sicher auch altersabhängig. Mit meinen zwanzig Jahren bin ich sicher nicht mehr die Hauptzielgruppe.

Aus der Geschichte hätte man eigentlich auch einen Thriller machen können. Ohne Probleme, ohne große Änderungen. Man hätte nur die Sache mit den Fotos mehr in den Vordergrund rücken müssen und die "geheimnisvolle Verbindung" streichen müssen. Das hätte ich ziemlich cool gefunden. Aber so, wie das Buch im Moment ist, halte ich es leider nur für mittelmäßig.

Freitag, 6. September 2019

Der Kinderflüsterer

Autor: Alex North
Erschienen am 29.07.2019
Im Blanvalet Verlag
ISBN: 9783764507107
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Inspiriert vom Sohn: Alex North, geboren in Leeds, ist ein britischer Schriftsteller. Er studierte Philosophie und fing nach seinem Abschluss an, an der Fakultät für Sozialpolitik und Soziologie zu arbeiten.
Sein Debüt als Autor gab er dann mit seinem Roman „Der Kinderflüsterer“. Auf die Idee brachte ihn sein kleiner Sohn, der einmal sagte, er wolle mit einem „Jungen im Boden“ spielen. Der Autor lebt heute zusammen mit seiner Familie in Leeds."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Sein Flüstern hinterlässt eine tödliche Spur ... »Lesen auf eigene Gefahr!« A. J. Finn


Nach dem plötzlichen Tod seiner geliebten Frau will Tom Kennedy mit seinem kleinen Sohn Jake neu anfangen. Ein neuer Start, ein neues Haus, eine neue Stadt – Featherbank. Doch der beschauliche Ort hat eine düstere Vergangenheit. Vor zwanzig Jahren wurden in Featherbank fünf Kinder entführt und getötet. Der Mörder wurde unter dem Namen "Kinderflüsterer" bekannt und schließlich gefasst.
Die alten Geschichten interessieren Tom und Jake nicht. Als jedoch ein kleiner Junge verschwindet, machen Gerüchte die Runde, dass der Täter von damals einen Komplizen gehabt habe. Und Jake beginnt, sich merkwürdig zu benehmen. Er sagt, er höre ein Flüstern an seinem Fenster …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Das war ziemlich, ziemlich gut! Dieses Buch hat mich nachts wachgehalten und ja, das mein ich wirklich so. Ich habe gelesen und gelesen und plötzlich war es Mitternacht und ich wollte eigentlich schon vor zwei Stunden schlafen. Meine Augen brannten, in meinem Kopf drehte sich schon alles, meine Katze war kurz davor Amok zu laufen. Aber ich musste einfach weiter lesen. Irgendwann bin ich dann wieder aufgewacht und hatte einen Abdruck von meinem eReader auf der Wange. Nun gut. Ich denke, dass das auch schon irgendwie ein Qualitätsmerkmal ist.

Tom mochte ich. Er ist Autor und Vollzeitvater. Er ist ziemlich gestresst und besorgt, denn irgendwie läuft nichts so, wie es soll. Das neue Haus ist seltsam, er vermisst seine Frau und sein Sohn spricht mit Leuten, die gar nicht da sind. Kein Wunder, dass er das Flüstern vor dem Fenster nicht sofort ernst nimmt!
Jake tat mir total leid. Er ist sechs Jahre alt und hat für sein Alter schon viel zu viel mitgemacht. Er hat seine Mutter verloren, streitet viel mit seinem Vater und niemand nimmt ihn wirklich ernst. Dabei ist er für sein Alter schon sehr, sehr reif. Das sah man auch an seinem Ausdruck und seinem Wortschatz. Natürlich blieb alles immer kindlich, aber man merkte auch, dass sein Vater mit ihm wie mit einem kleinen Erwachsenen redet.
Pete tat mir leid. Er ist Polizist und ebenfalls eine der Hauptfiguren. Er ist trockener Alkoholiker. Durch den Alkohol hat er alles verloren, das ihm je wichtig war - allem voran seine Familie. Seine Kapitel taten wirklich weh. "Das verlierst du, wenn du trinkst." Das war sein Lieblingssatz, mit dem er sich ständig davon abhielt, wieder zur Flasche zu greifen. Total einprägsam, total schmerzhaft, total gut geschrieben.
Und dann ist da noch der Täter. Der Kerl hat echt eine Schraube locker, aber wen überrascht das schon? Auch seine Sicht ist total gut geschrieben und einfach nur verstörend. Mehr traue ich mich gar nicht über ihn zu sagen, denn sonst müsste ich eine Spoiler-Warunung aussprechen.

Die Geschichte war total spannend. Zu Beginn hatte ich einige Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen, aber es hat sich gelohnt, dass ich weitergelesen habe. Und nach den ersten fünfzig Seiten wurde dieses Buch richtig, richtig gut! Dann habe ich mich auch an den Schreibstil gewöhnt.

Mein Fazit? Total lesenswert, zumindest nach den ersten paar Seiten.