Donnerstag, 31. Dezember 2020

Das war 2020!

Quelle: Mira B.


 Hey ihr Lieben!

Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Und was für ein Jahr das war! 2020 war für mich wohl eines der schwierigsten Jahre, die ich in meinem bisherigen Leben erlebt habe. Plötzlich war für mich nichts mehr so, wie ich es kannte. Die Universität befand sich plötzlich in meiner Wohnung, die Arbeit ebenfalls und auch ein ziemlich großer Teil meiner Freizeit. Zu Beginn sogar meine gesamte Freizeit, denn sobald die ersten fünf Fälle in Österreich bekannt wurden, landete ich auch schon in Quarantäne. Gesund bin ich Gott sei Dank bis heute geblieben! Freunde oder Verwandte treffen? Das war über sehr weite Teile dieses Jahres ein No-Go! Du willst doch nicht dafür verantwortlich sein, dass deine Freunde auf der Intensivstation landen oder sogar sterben, oder? Plötzlich wurde ich mir des Einflusses bewusst, den ich selbst durch kleinste Handlungen auf meine Umwelt habe. Und das machte mich extrem vorsichtig. Lieber einmal zu oft testen lassen. Lieber einmal zu oft die Maske tragen. Lieber einmal seltener Freunde und Verwandte treffen. Lieber einmal zu oft daheim bleiben. Was ihr vielleicht auch in meinen Rezensionen gemerkt habt, ist die Tatsache, dass ich überhaupt keine Toleranz mehr für Menschen haben, die das ganz anders sehen als ich. Nach fast einem Jahr ist es doch nicht zu viel verlangt, die Pandemie ernst zu nehmen, oder? Oder mit der Maske Mund und Nase zu bedecken und nicht nur eines von beiden? Anscheinend doch, wenn ich daran denke, wie oft ich darüber diskutieren muss, aber okay. Ich gehe davon aus, dass ihr LeserInnen die Pandemie ähnlich seht wie ich. Sonst hättet ihr den Blog wohl schon seit März nicht mehr besucht.

Aber hey! Auch mein Leben bestand dieses Jahr nicht nur aus Desinfektionsmasken und Babyelefanten. Ich habe das zum Beispiel das Radfahren für mich entdeckt, habe einen Job an der Universität ergattert (fügt hier bitte begeistertes Kreischen ein!) und mit meiner Bachelorarbeit begonnen. Außerdem habe ich hammermäßig viel gelesen. 

Letztes Neujahr habe ich mir vorgenommen, in diesem Jahr 75 Bücher zu lesen. Auch hier hat mir Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin hatte ich ja jetzt mehr Zeit zum Lesen und es wurde sogar von mir erwartet, dass ich daheim bleibe. Also eigentlich die ideale Ausgangssituation für einen Bücherwurm wie mich! Ich habe dieses Jahr 181 Bücher geschafft oder etwas mehr als 50.700 Seiten. Mein stärkster Lesemonat war der April. Da habe ich 24 Bücher verschlungen oder 6.798 Seiten. Das sind 226 pro Tag. Nein, ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. Das wird wohl auf ewig ein Geheimnis bleiben.

Das kürzeste "Buch", das ich gelesen habe, war Kafkas Kurzgeschichte "Das Urteil" mit nur 20 Seiten. Ich habe es trotzdem mitgezählt, da ich eine Proseminararbeit darüber schreiben musste und mich daher länger mit diesen 20 Seiten beschäftigt habe, als ich es mit so manchem 500-Seiten-Schinken tun würde. Meine längste Lektüre war "Bildnis einer Dame" von Henry James mit 789 Seiten. Die meisten Bücher hatten aber eine humanere Länge: im Durchschnitt waren es 280 Seiten. Meine durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

Das Buch, das die meisten anderen Nutzer auf Goodreads im gleichen Jahr wie ich gelesen haben, war "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald. Das haben anscheinend ganze 5.355.448 Leute gelesen, was ich persönlich eine ziemlich beeindruckende Zahl finde. Am "unbeliebtesten" war der Lektüreschlüssel zu Franz Kafkas "Das Urteil". Das hat nur eine einzige weitere Person 2020 gelesen und ich kann mir gut vorstellen, dass diese Person im selben Seminar wie ich gesessen ist.

Das älteste Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe, war "Medea" von Seneca. Dieses Drama stammt ungefähr aus dem Jahr 50 nach Christus Geburt. Euch kommt diese Aussage irgendwie bekannt vor? Gut möglich, immerhin habe ich dieses Buch auch schon letztes Jahr als das älteste genannt. Da ich aber die Seminararbeit dazu erst im Januar abgegeben habe, musste ich dieses Drama auch 2020 nochmal lesen.

Einen kleinen Einblick in meine Buchauswahl seht ihr im Bild oben. Natürlich sind das nicht alle Bücher, denn ich habe auch sehr viele eBooks gelesen. Und ein paar Bücher fehlen, da ich sie verliehen oder verschenkt habe. Ich habe aber symbolisch meinen Reader dazugelegt und meine Kopfhörer, da ich in der Zwischenzeit regelmäßig auch Hörbücher höre. Das ist auch so eine Neuerung von 2020. Ich habe das Hörbuch hören wieder neu für mich entdeckt! Als Kind habe ich die ganze Bücherei meiner Stadt durchgehört, hab aber damit aufgehört, als ich älter wurde. Es kam mir einfach nicht erwachsen genug vor - und das obwohl meine Stadtbücherei Hörbücher für wirklich jede Altersgruppe und jeden Geschmack hatte. Im Herbst habe ich dann ein Skoobe-Abo für ein halbes Jahr gewonnen - und konnte mich dadurch wieder langsam an Hörbücher herantasten, ohne das Gefühl haben zu müssen, dass ich mich vor irgendjemandem rechtfertigen muss. 

Die Qualität der Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe, hatte wie immer eine unglaubliche Spannweite. Acht Bücher habe ich abgebrochen, bei vielen anderen habe ich überlegt abzubrechen und ein ganzer Haufen war leider nur mittelmäßig. Ich habe diese Jahr mit Kritik wirklich nicht gespart. Allerdings hatte ich auch einen ganzen Haufen Highlights, dich mit vier Sternen oder mehr bewertet habe. Und an 23 Bücher habe ich sogar den Approved-Stempel verliehen! Und die könnt ihr unten sehen. Solltet ihr zu einem Buch mehr Infos haben wollen, klickt einfach auf das Cover, dann landet ihr direkt bei der Rezension!




Jetzt aber weiter zum nächsten Thema: Wie wird es denn jetzt im neuen Jahr weitergehen?

Nun, ich weiß es nicht. Das ist von so unendlich vielen Faktoren abhängig! Zum Beispiel davon, wie schnell ich die Corona-Impfung bekomme. Denn sobald diese Gefahr gebannt ist, könnte ich mal wieder zu Veranstaltungen wie Diskussionsrunden, Poetry-Slams und Lesungen gehen und damit endlich den Vorsatz in die Tat umsetzen, den ich im letzten Jahresrückblick ausgesprochen habe. Ich würde eigentlich total gerne mal über sowas berichten - und im letzten Jahr es für mich einfach nicht möglich solche Veranstaltungen zu besuchen, selbst wenn manche Lesungen in meiner Umgebung stattgefunden haben. 

Sobald ich geimpft bin, werde ich auch ziemlich viel Zeit mit meinem Freundeskreis verbringen, endlich mal wieder auf Partys gehen (damit ich mich wieder daran erinnere, warum ich nie auf Partys gehe) und meine gesamte Verwandtschaft treffen. Außerdem sehne ich mich mit ganzem Herzen danach, mal wieder ans Meer zu fahren oder einfach in einen Zug einzusteigen und das Wochenende in einer schönen Stadt zu verbringen. Und ich möchte mal wieder einen Tee in meinem Lieblingskaffee trinken, ohne bei jedem Husten in meiner Umgebung Gänsehaut zu bekommen. Das wird Zeit in Anspruch nehmen.

Dann ist da die Tatsache, dass ich mein Studium in Kürze abschließen werde. Zumindest wenn alles nach Plan verläuft. Ich möchte dann (wenn es die Arbeitsmarktsituation zulässt und ich eine Stelle finde) ein halbes Jahr arbeiten oder ein Praktikum bei einem Lektorat oder in einem Verlagshaus absolvieren bevor ich mit meinem Master in Salzburg beginne. (Falls ihr wisst, wer gerade bezahlte Stellen anbietet: Immer her damit!)

Wie ihr seht, werde ich im nächsten Jahr ziemlich beschäftigt sein. Deswegen setze ich mir lieber ein niedriges Leseziel. Ich denke, dass ich 52 Bücher problemlos schaffen kann. Das ist ein Buch pro Woche, also nicht so viel. 2020 war für mich wirklich anstrengend. Das Bloggen war da immer ein Ausgleich für mich, aber ich glaube, dass ich es nur deswegen geschafft habe, so viele Rezensionen zu veröffentlichen, weil es halt einfach nichts anderes zu tun gab. Wenn dann 2021 endlich wieder mehr los ist, dann werde ich Zeit brauchen, um einen neuen Rhythmus zu finden. Aber keine Angst: Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wenn sich hier was verändert.

Auch habe ich mir vorgenommen, 2021 weniger Rezensionsexemplare anzunehmen. Ich glaube nicht, dass ich das jetzt noch näher erklären muss.

Das wars dann auch schon wieder von meiner Seite aus. Wie siehts bei euch aus? Wie war euer 2020 und was wünscht ihr euch von 2021? Lasst es mich auf jeden Fall wissen und (wenn ihr sowas gestaltet habt) lasst mir auch gerne den Link zu eurem eigenen Jahresrückblick da. Ich freue mich darauf, mit euch zu plaudern!

Alles Liebe und bleibt gesund, 

Eure Mira

Dienstag, 29. Dezember 2020

Girl, Stop Apologizing

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich noch im Spätsommer gekauft, als es noch so richtig schön warm war. Jetzt liegt draußen Schnee und endlich ist mal dieses Buch dran und wird rezensiert.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich es immer spannend finde, zu lesen, was Leute so für deinen persönlichen oder beruflichen Erfolg vorschlagen. Da kann ich mich dann immer gut fühlen, wenn ich etwas eh schon mache und Pläne schmieden, um Ratschläge umzusetzen, die ich persönlich hilfreich finde. 

Was mir an diesem Buch zuallererst aufgefallen ist, war der Schreibstil. Die Autorin ist positiv und versucht uns Leserinnen (ja, hier ausnahmsweise nur die weibliche Form) dazu zu ermutigen, an uns zu glauben und unsere beruflichen Ziele zu verwirklichen. Sie schreibt auf eine Art, die sich anhört, als würde sie vor mir stehen und mich anbrüllen, dass ich mich doch endlich einfach mal trauen soll und meine ganzen Business-Ideen in die Tat umzusetzen. Das war auf jeden Fall mal eine spannende Erfahrung und auch recht motivierend.

Stellenweise hatte ich das Gefühl, als wär sich die Autorin ihrer Privilegien nicht ganz bewusst. Wenn sie zum Beispiel schreibt, dass man jemanden um Hilfe bitten soll wenn man nicht weiterkommt oder überfordert ist, hab ich an Folgendes gedacht: Dass man über seine Probleme sprechen sollte, Freunde um Rat für schwierige Situationen bitten sollte und vielleicht ja mal Freunde oder Familienmitglieder um einen Gefallen bitten könnte. Aber was schlägt Hollis hier vor? Nun, einen Ernährungsberater oder eine Vollzeit-Nanny anstellen, die die Kindererziehung übernimmt, sich professionell schminken lassen, nur Erste-Klasse-Sitze im Flugzeug buchen und so weiter und so weiter. Der Autorin ist schon klar, dass sich das ein großer Teil ihrer LeserInnen ganz sicher nicht leisten kann, oder? Sie versucht das dann auf eine Art darzustellen, die wahrscheinlich nachvollziehbar wirken soll - es aber absolut nicht ist.

Problematisch fand ich auch die Tatsache, dass Hollis es stellenweise fast schon verteufelt, eine Pause zu machen und sich um sich selbst zu kümmern. Klar sollte man sein Bestes geben - aber doch nicht um jeden Preis! Wenn mein Flug (beziehungsweise mein Zug, ich fliege absolut nicht so gern wie Hollis) verspätet ist und ich müde bin, dann nutze ich die Zeit doch nicht, um zu arbeiten! Ich halte mich selbst für einen sehr ehrgeizigen Menschen, aber meine Noten und meine Arbeiten sind es mir nicht wert, meine körperliche und geistige Gesundheit dafür zu zerstören und jede Sekunde meiner Freizeit dafür zu opfern.

Total gestört hat mich auch die Tatsache, dass die Autorin so auf ihr Aussehen und das Aussehen ihrer LeserInnen fokussiert ist. Ich bin nicht übergewichtig - trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Autorin mich und meine Kleidungsgröße 42 als zu dick ansehen würde. Außerdem würde es sie wohl stören, dass ich mich nicht schminke, am liebsten dicke Wollpullover anziehe und gerade eine große Portion Mousse au Chocolat verputze. Versteht ich mich bitte nicht falsch. Wenn Hollis sich gerne schminkt (beziehungsweise schminken lässt), für eine Brustvergrößerung bezahlt, Diäten macht und gerne schön anzieht, dann soll sie das gerne machen. Jeder Mensch soll tun, was ihm oder ihr gut tut. Leben und leben lassen. Aber zum Beispiel jemanden, der oder die bei einer Diät nicht durchhält oder jemanden, der oder die ein Trainingsziel nicht erreicht, als Negativbeispiel zu gebrauchen, finde ich ziemlich daneben.

Mein Fazit? Den Schreibstil fand ich gut, mit dem Inhalt hatte ich aber so meine Probleme.

Sonntag, 27. Dezember 2020

Was uns zu Menschen macht. Eine anthropologische Detektivgeschichte

 Autor: Frank Westerman
Erschienen am 10.11.2020
Im Aufbau Verlag
ISBN: 9783351038267
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zum Autoren: 
"Frank Westerman, geboren 1964 in den Niederlanden, Journalist und Schriftsteller, ist ein Meister der literarischen Reportage. Er studierte Agrarwissenschaften, bevor er als Auslandskorrespondent für zwei große Tageszeitungen aus Russland und Osteuropa berichtete. Seine Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mehr zum Autor unter www.frankwesterman.nl."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Was unterscheidet uns Menschen vom Tier.

In einer Höhle auf einer Insel im indischen Ozean wird 2003 ein fossiler Urmensch gefunden, der kaum einen Meter misst. Um ihn herum liegen Skelette ausgestorbener Tiere: Ratten, so groß wie Hunde, Elefanten so klein wie Ponys. Was sagt diese urzeitliche Welt darüber aus, wer wir sind und woher wir kommen?

In einer faszinierenden Mischung aus Reportage und Essay findet „Meistererzähler“ (DIE ZEIT) Frank Westerman Antworten auf die großen Fragen: Was macht uns zu Menschen? Und tragen wir die Krone der Schöpfung zu Recht?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Uff, das war dann doch ganz anders, als ich es mir vorgestellt und erhofft habe. Als ich den Klappentext und den Titel gelesen habe, hatte ich natürlich sofort eine Idee im Kopf, wie das Buch aussehen könnte. Für mich war ganz klar, dass hier erläutert wird, was alle Menschen gemeinsam haben. Immerhin wird hier ja die Frage aufgeworfen: "Was macht uns zu Menschen?" Auf diese Frage wurde dann leider gar nicht eingegangen oder nur ganz kurz, in ein paar Nebensätzen. 

Die Hauptrolle in diesem Buch spielte "Flo", der Urmensch, der auch der Insel Flores gefunden wurde und im Klappentext beschrieben wird. Eigentlich geht es hier nicht um die heutigen Menschen oder um die Menschheit als Ganzes, sondern wirklich nur um diese Menschenart. Oder um die Frage, ob das überhaupt eine eigene Menschenart ist oder nicht doch eher ein Mensch mit Behinderung, der einer anderen, schon bekannten Art von Urmensch angehört. Für Leute, die Archäologie mögen und spannend finden, ist dieses Buch sicher unheimlich interessant. Für mich war es das aber leider nicht. Klar, ich bin als Kind ebenfalls gerne ins Museum gegangen, um mir dort die Urmenschen und Neandertaler und so anzusehen. Allerdings fand ich schon damals die Knochen weniger interessant als zum Beispiel die Tatsache, dass diese Menschen Bilder an ihre Höhlenwände gemalt haben. Oder die Frage, welche Geschichten man sich wohl damals erzählte oder was die Leute aßen. Und leider konnte sich dieses Interesse auch nicht durch dieses Buch entwickeln.

Ein Problem hatte ich auch mit der Art, wie dieses Buch geschrieben wurde. Von einem Sachbuch - und als solches ist es auf Lovelybooks und Netgalley eingeordnet - erwarte ich mir zumindest bis zum einem gewissen Grad Objektivität. Das hier liest sich aber eher wie das Tagebuch eines Archäologen und Professors. Ich weiß jetzt viel über seine Seminare und Studenten und Reisen, aber über die Frage, was denn jetzt eigentlich den Menschen ausmacht, hab ich nichts Neues erfahren. Auch ein ausführliches Quellenverzeichnis fehlt. Die Auflistung von Literatur am Ende des Buches fand ich dann doch eher unübersichtlich und nicht wirklich hilfreich, weil absolut nicht klar ist, woher welche Information stammt.

Mein Fazit? Leider gar nicht was ich erwartet habe. Schade, aber dieses Buch konnte mich nicht überzeugen.