Sonntag, 19. Juli 2026

Royal Heist

 

Quelle: Verlag

„The Robin Hood“ auf Rachetour!

Darcy ist eine unglaublich talentierte Betrügerin. Mit nur wenigen Requisiten hat sie es bisher geschafft, wirklich jeden hinters Licht zu führen. Mal ist sie Millionenerbin, dann Mitarbeiterin einer Logistikfirma, dann unbedeutende Touristin – und teils geschieht dieser Wechsel innerhalb weniger Minuten. 

Gemeinsam mit ihrem Bruder und den anderen Mitgliedern von „The Robin Hood“ hat sie sich das zum Ziel gemacht, was auch das literarische Vorbild schon getan hat: Sie bestehlen unglaublich reiche Menschen, die unethisch handeln, und geben dieses Geld den Armen. 

Doch nun ist das Ziel zum ersten Mal ein persönliches. Durch die britischen Royals hat Darcy ihre Familie verloren. Jetzt ist sie bereit für die Rache. Um an die Passwörter und Geheimnisse der Royals zu kommen, becirct Darcy Kronprinzen Spencer, der im Moment auf der Suche nach seiner zukünftigen Ehefrau ist. Die Publicity der Royals der letzten Monate war einfach so schlecht, dass sie der Presse unbedingt etwas Positives präsentieren müssen – und was würde sich dafür besser eignen als eine Hochzeit? Doch Darcy hat nicht mit seinem Bruder Tristan gerechnet, der ihr schnell den Kopf verdreht. Wird Darcy es schaffen, ihre Tarnung aufrecht zu halten?

Ein wunderbarer Reihenauftakt, der mich fesseln konnte. Lena Kiefer betrachtet mit viel Fingerspitzengefühl die Innenwelt ihrer Figuren und macht diese so sehr liebenswürdig.

Die Autorin wird den meisten meiner Leser*innen durch ihre vorherigen Veröffentlichungen wohl nicht unbekannt sein und auch dieses Buch sollte seinen Platz in euren Bücherregalen finden.

Ich freue mich auf den nächsten Band der Reihe. Außerdem hoffe ich auf Spin-off-Bücher, damit auch die anderen Royal-Geschwister noch ihre Liebesgeschichte bekommen.

Samstag, 18. Juli 2026

Glutenfrei to Go

Quelle: Verlag

 Wisst ihr, was ich an Gluten am meisten vermisse? Unterwegs sein war so einfach. Kleiner Hunger zwischendurch? Ab in die nächste Bäckerei und ein Weckerl kaufen. Oder ein Pizzaeck oder Kebab. Oder ab ins nächste Kaffeehaus oder Restaurant. Und dort einfach etwas bestellen, auf das ich gerade Lust habe. Vielleicht nicht besonders gesund, aber lecker und sattmachend.

Das geht jetzt nicht mehr. Diese Option ist letztes Jahr einfach weggefallen, von einem Tag auf den anderen. Nicht alle Restaurants haben glutenfreie Optionen aus der Karte und vor allem kleine Snacks kann man vergessen. Und selbst bei scheinbar glutenfreien Optionen aus der Karte, gibt es die Gefahr von Kontamination oder von Fehlern durch Unwissenheit oder Desinteresse des Personals. Oft bleibt nur der Griff zum Proteinriegel – oder zum daheim vorbereiteten Snack. Dass letztere Variante die gesündere ist, muss wohl niemandem erklärt werden. 

Tanja Gruber zeigt in diesem Kochbuch, dass diese kleinen Mahlzeiten für Zwischendurch auch nicht unbedingt komplizierter sein müssen, als sie es mit Gluten wären. Von kleinen Salaten im Glas über Apfel-Müsli-Muffins bis hin zum besten glutenfreien Sandwich-Brot-Rezept, das ich bisher ausprobieren durfte.

Neben den Rezepten finden sich hier auch gute Tipps zur Aufbewahrung und Verpackung, damit das Essen auch nach mehreren Stunden noch lecker schmeckt und nichts austrocknet.

Wer sich glutenfrei ernährt oder betroffene Angehörige hat, für den wird Tanja Gruber kein neuer Name sein. Die Autorin hat neben ihren schönen und sehr hilfreichen Kochbüchern auch einen gut gefüllten Blog mit Rezepten, Tipps und Ideen. Für mich sind ihre Texte seit der ersten Wochen der neuen Ernährung eine sehr hilfreiche Ressource. Ich freue mich, dass dieses neue Kochbuch meine Sammlung ergänzen darf.

Freitag, 17. Juli 2026

Done and Dusted

Quelle: Verlag

Was, wenn dein große Traum geplatzt ist?

    Ihr wisst es vielleicht nicht, aber: Ich war ein großes Pferdemädchen. Alles an diesen Tieren hat mich fasziniert! Sie waren so schön groß, so stark, aber trotzdem so sanft. Deswegen bin ich im Alter von sechs bis zwölf Jahren mehr oder weniger regelmäßig zu meinen Reitstunden gegangen (Mein Lieblingspferd im Stall war Nemo! So ein tolles, tolles Pony!), habe Sachbücher und Romane verschlungen und alles über Pferde gelernt, was man lernen konnte. Ich war davon überzeugt, dass ich irgendwann mein eigenes Pferd besitzen würde, mit dem ich große Ausritte machen würde - wie in allen Pferdefilmen, die ich gesehen hatte. Besonders talentiert im Umgang mit Pferden war ich nicht - deswegen ist es vielleicht auch ganz gut, dass dieser Wunsch nie in Erfüllung gegangen ist.

Um diesen Liebesroman zu verstehen, braucht ihr aber nicht unbedingt Reiterfahrung. Ein paar warme Sommertage ohne Arbeit oder andere Aufgaben reichen völlig!

Emmy Ryder hatte einen Reitunfall. Seitdem hat sie Angst vorm Reiten. Doch das Barrel Racing ist nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihre Karriere. Wie es weitergehen soll, weiß sie aktuell noch nicht. Daher flüchtet sie sich zurück in ihren Heimatort Meadowlark, auf die Ranch ihrer Familie. Dort trifft sie den ehemaligen Unruhestifter Luke Brooks, der seit ihrer gemeinsamen Kindheit mit Emmys Bruder befreundet ist. Heute ist er Barbesitzer und gibt Reitstunden – und ist immer noch in Emmy verliebt. Natürlich bietet er auch Emmy an, ihr wieder in den Sattel zu helfen. Blöd nur, dass er plötzlich viel heißer ist, als Emmy es in Erinnerung hatte… Eine romantische, lustige und spannende Liebesgeschichte!

Ich habe dieses Buch sehr genossen. Die Figuren sind so schön ausgearbeitet und es hat mir wirklich Spaß gemacht, sie näher kennenzulernen. Ich habe auch bereits gesehen, dass es noch weitere Teile dieser Reihe gibt - die werde ich NATÜRLICH auch lesen müssen. 

Überzeugt hat mich dieses Buch aber nicht nur wegen der Pferde. Nein, ich halte auch die Repräsentation von psychischen Problemen für gelungen. Doch trotzdem ist dieses Buch nicht düster oder schwer. Ganz und gar nicht! Dieser Roman hat mir einfach Spaß gemacht!

Daher: Große Leseempfehlung für euch!

Donnerstag, 16. Juli 2026

Heartstopper. Volume 6

 

Quelle: Verlag

Auf Wiedersehen, Charlie und Nick!

Jetzt ist es leider so weit: Der voraussichtlich letzte Band der „Heartstopper“-Reihe ist erschienen. Die Protagonisten werden erwachsen, breiten langsam ihre Flügel aus, beginnen damit, die Welt außerhalb der Schule zu entdecken. Während Charlie sich als neu gewählter Schulsprecher gegen LGBTQ+-Feindlichkeit an seiner Schule engagiert, bewirbt sich Nick bei seiner Traumuniversität. Es geht natürlich um psychische Gesundheit, um Selbstakzeptanz, aber auch um die Angst vor dem Zerbrechen der ersten Jugendliebe – denn ob eine Fernbeziehung wirklich funktionieren kann, da ist sich vor allem Nick nicht ganz so sicher.

Auch das letzte Graphic Novel der Reihe war wieder eine süße und angenehme Lektüre für Zwischendurch. Inhaltlich wurde hier die Zeit etwas gerafft, einzelne Ereignisse standen damit weniger im Vordergrund als bei den vorherigen Büchern. Das ist aber vielleicht sogar eine gute Entscheidung, denn ich fühlte mich dadurch sehr an das Gefühl vor meiner eigenen Matura erinnert: ein ganz normales Schuljahr – und dann, in den letzten Wochen, ist alles plötzlich ganz schnell vorbei.

Vor allem jüngere Leser*innen werden auch mit diesem Band ihre Freude haben. Durch die Netflix-Serie zu "Heartstopper" ja ein regelrechter Hype ausgelöst. Komplett gerechtfertigt, meiner Meinung nach! Ich habe sowohl die Serie als auch die Graphic Novels sehr genossen. Die Reihe ist eine wunderschöne Coming-of-Age-Liebesgeschichte, die sich mit viel Fingerspitzengefühl auch sehr schwierigen Themen widmet. Und ich glaube auch, dass viele Jugendliche sich in diesem Graphic Novels selbst wiederfinden können. Repräsentation ist sehr wichtig - und hier findet ihr Figuren unterschiedlicher Sexualität und unterschiedlicher Gender, alle Figuren sehen unterschiedlich aus und sind auch durch ihr Verhalten einzigartig. Allein diese Repräsentation ist schon so viel wert!

Wenn ihr die Reihe bisher noch nicht gelesen habt, dann lasst das euer Zeichen sein. Lest die Reihe - jetzt ist sie ja abgeschlossen und ihr müsst keine Wartezeiten mehr befürchten. Natürlich hoffe ich aber trotzdem noch auf einen (oder fünf) weitere Teile von "Heartstopper". Träumen darf man doch, oder?

Mittwoch, 15. Juli 2026

Hazelthorn

 

Quelle: Verlag

Geh nicht in den Garten!

Evander ist krank und hat die letzten Jahre in seinem Zimmer verbracht. Sein Leben dreht sich um drei Regeln:

1. Verlasse niemals das Anwesen.

2. Betritt niemals den Garten.

3. Und sei nie wieder allein mit Laurie.


Und seit Laurie vor einigen Jahren versucht hatte, ihn im Garten des Anwesens zu ermorden, hält er sich penibel daran. Bis heute weiß er nicht, was Laurie dazu gebracht haben könnte, ihn so sehr zu hassen, dass er ihn umbringen möchte. Denn eigentlich hat er ihm nie etwas getan. Ganz im Gegenteil: Er bewundert Laurie sehr!

Als Evanders Vormund stirbt, geht das Millionenerbe auf Evander über – und nicht auf Laurie, wie eigentlich erwartet wurde. Doch entgegen allen Erwartungen plant Laurie nicht sofort den nächsten Mordanschlag, sondern möchte Evander dabei helfen, den Mörder seines Vormundes zu finden. Und sie sollten sich beeilen, denn der Garten hat Hunger …

C.G. Drews legt mit "Hazelthorn" nun einen neuen Dark Fantasy Roman für Leser*innen ab 16 Jahren vor. Die hier präsentierte Art des Horrors ähnelt dem Vorgängerbuch »Don’t Let the Forest in«: Botanical Horror, Body Horror, explizite Beschreibungen. Das führte leider dazu, dass in meinem Kopf automatisch der Vergleich losging – und bei diesem schnitt »Don’t Let the Forest in« besser ab. Zwar war auch »Hazelthorn« spannend, doch »Don’t Let the Forest in« schaffte es, glaubwürdigere Beziehungen zu zeichnen und mehr auf die Grautöne der Protagonisten und Nebenfiguren einzugehen. In »Hazelthorn« ist Gut und Böse wiederum sehr klar und eindeutig definiert.

Trotzdem: Ein spannender Horror-Roman für junge Erwachsene. Seid euch nur bitte bewusst, dass die Beschreibungen hier sehr explizit sind.

Dienstag, 14. Juli 2026

Cryptos. Graphic Novel

Quelle: Verlag

Poznanskis Thriller jetzt als Graphic Novel!

In »Cryptos« ist die Welt durch die Klimakrise unbewohnbar geworden. Die Menschheit verbringt daher den größten Teil ihres Lebens in Online-Welten: Märchenwelten, unendlich große Bibliotheken, verlorene Städte wie Venedig, aber auch Welten voll Spannung und Abenteuer. Sogar Gefängnisse finden sich online. Doch plötzlich kommt es in Kerrybrook, einer der friedlichsten Online-Welten, zu einem Verbrechen. Und Jana, die Designerin dieser Online-Welt, beginnt nachzuforschen. Und muss schon bald begreifen, dass der Tod nun auch für sie keine Illusion mehr ist.

Neben der Neuauflage des Romans ist nun kurz vor dem Erscheinen von Band 2 auch eine Adaption als Graphic Novel erschienen. Diese überzeugt vor allem durch die vielen unterschiedlichen Zeichenstile. Mit jeder besuchten Welt ändern sich die Darstellung der Figuren, das Farbschema und so weiter. Ich als Leserin konnte so die Welten von »Cryptos« nochmal ganz neu entdecken.

Natürlich muss hier auf einige Details, auf Dialoge und auf Janas Innensicht verzichtet werden, durch die Illustrationen rücken dafür andere Dinge in den Vordergrund. Die Geschichte ist auch als Graphic Novel durchaus lesenswert und wird wohl vor allem auch jüngere Leser*innen ansprechen oder auch Personen, die normalerweise eher weniger lesen.

Besonders spannend fand ich auch das Nachwort, in dem die Beteiligten erklären, wie man denn eigentlich vorgeht, wenn man einen Roman wie »Cryptos« in ein Graphic Novel verwandeln möchte. Und das alles ganz ohne Künstliche Intelligenz! Das wird auch für jüngere Leser*innen mit unterschiedlichen Leveln an Lesefähigkeit und Sprachverständnis interessant sein und kann Bibliotheken oder Schulen als Aufhänger für verschiedene Veranstaltungen dienen.

Mein Fazit? Eine tolle Ergänzung fürs Bücherregal!

Montag, 13. Juli 2026

The Elements of Baking

 

Quelle: Verlag


Ich mache mich gerne darüber lustig, dass meine Familie dem Ernährungsklischee entspricht, das Boomer gerne auf Facebook teilen. Vegetarier, zuckerarm, laktosefrei, glutenfrei. Jeder braucht was anderes und allein schon ein normales Abendessen wird kompliziert, wenn alle zusammenkommen.

Ganz ehrlich? Als es zu mir hieß, dass es für meine Autoimmunerkrankung gut wäre, wenn ich in Zukunft auf Gluten verzichte, ging für mich eine Welt unter. Ich liebe es, zu backen. Wenn ich gestresst bin, bringt mich das so richtig runter. Und zu Treffen im Freundeskreis Kuchen mitzubringen, ist für mich eine eigene Love Language. UND DAS SOLL JETZT NICHT MEHR GEHEN?

Naja, doch. Ganz ruhig, Mira der Vergangenheit! Du darfst weiter Kuchen backen und essen - du musst dich nur anpassen. Und wie du dich anpasst, lernst du in "The Elements of Baking". Egal ob Blätterteig, Zimtschnecken, eine Pistazientorte, ... Du findest hier Rezepte für jeden Anlass und für jedes Bedürfnis.

Und zusätzlich findet man hier auch verständliche Erklärungen, was auf chemischer Ebene im Teig passiert. So lernst du schnell, wie du deine Lieblingsrezepte für deine Bedürfnisse anpassen kannst. So funktioniert dann auch der Apfelkuchen deiner Oma in glutenfrei. Die Autorin erklärt ganz genau, was wie und in welcher Menge ersetzt werden kann und auf was geachtet werden sollte.

Auch die Gestaltung dieses Buches ist total hochwertig und einfach schön. Ich habe jedes Mal wieder meine Freude, wenn ich dieses Buch in die Hand nehme und etwas daraus nachkoche.

Mein Fazit? Egal, ob ihr selbst auf etwas verzichten müsst/möchtet oder jemand eurer Lieben - hier findet ihr super Rezepte, die super schmecken und immer funktionieren! Ein echter Gamechanger, den ich euch sehr empfehlen kann!

Freitag, 5. Juni 2026

Statt aus dem Fenster zu schauen

 

Quelle: Verlag

Einfach mal ausbrechen und ein paar Hühner kaufen ... wer träumt denn nicht davon? Also ich auf jeden Fall und das dürfte wohl auch der Grund sein, warum in meinem kleinen Hochbeet gerade ein Kürbis vor sich hin wuchert. Ja, darauf bin ich stolz. Auf den Kürbis und auf die einzelne Erdbeere, die daneben wächst. Zählt das schon als Quarter Life Crisis?

Eine schlimmere Krise hat aber Sophie, die Protagonistin dieses Buches. Ihr Leben lang bekommt sie schon gesagt, dass aus ihr mal „etwas“ wird – aber was genau das sein soll, weiß sie bis heute nicht. Stattdessen sitzt sie in einem Praktikum, das sie langweilt, macht ein Studium, das sie nicht interessiert, und lebt in einer WG, in der sie sich nicht wohlfühlt. Während eines weiteren, viel zu langen Tages vor Excel-Tabellen, beschließt sie, auszubrechen. Sie kauft ein Haus – oder die Überreste davon – in der ostdeutschen Provinz um wenige tausend Euro, packt ihre Sachen auf ihr Fahrrad und steigt in den Zug.

Was folgt, ist ein knallbunter Mix aus Überforderung, Angst und Chaos, aber auch Lebensfreude, Erfindergeist und Optimismus. Das Haus hat zwar keinen Strom und ein Loch im Dach – aber wozu gibt es Youtube-Tutorials? Der Garten ist verwildert – also der perfekte Platz für ein Kartoffelfeld und Hühner! Und Handyempfang gibt es auch nicht wirklich – kein Problem, wenn man nur das perfekte Kaffeehaus in der Nähe findet!

In poetischer, bildhafter Sprache und einer ruhigen Atmosphäre erzählt die Autorin von Sophies Erfolgen und Misserfolgen, von kleinen und großen Dramen. Sie lässt ihre Hauptfigur und deren Umfeld an ihrem Verstand zweifeln und immer wieder fast aufgeben, bevor sie sich dann aber doch wieder irgendwie aufrappelt. Und in der Zeit zwischen den Renovierungsaufgaben und in den langen Nächten stellt die Autorin die Frage, was wir denn eigentlich vom Leben wollen – und warum.

Ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt und dazu einlädt, sich damit auf dem Balkon zu verkriechen. Wenn ihr so wie ich aktuell Mitte 20 seid, dann wird euch dieses Buch sehr wahrscheinlich gefallen. Ich habe es auf jeden Fall geliebt!

Samstag, 18. April 2026

Bite the Bride

Quelle: Verlag


Katherine Campbell ist eine von sehr wenigen menschlichen Studentinnen an der Darkthorn Universität – und sie hasst Vampire. Nicht unbedingt ideal an einer Universität, wo es vor Vampiren, Werwölfen und ähnlichen Wesen nur so wimmelt. Doch als sie dann versucht, ein Zauberbuch zu stehlen, ist sie plötzlich auf Vampire angewiesen. Denn sie entfesselt einen gefährlichen Fluch, der nur dadurch im Zaum gehalten werden kann, wenn Chef-Bibliothekar Ethan Hawthorn sie regelmäßig beißt. Und das ist nur mehr in Ehen legal. 

Also werden die beiden blitzschnell verheiratet, ohne Rücksicht auf gegenseitige Sympathien, und ein ständiges Seilziehen beginnt. Kann diese Ehe funktionieren?

Kurze Antwort: Nein! Sollte sie nicht! Dürfte sie nicht! Ich konnte diese Beziehung nicht ausstehen und ich weiß echt nicht, warum zur Hölle diese beiden Figuren ein gemeinsames Happy End bekommen haben. Und ich verstehe beim besten Willen nicht, warum die Beziehung bei allen anderen Figuren, Kreaturen und Mächten SO GUT ankommt, wie sie es in diesem Buch tut.

Katherine Campbell hält sich selbst für sehr intelligent, aber ist trotzdem in jedem Kapitel wieder davon überrascht, dass ihr Handeln Konsequenzen haben könnte. Sie ist ein Mensch ohne irgendwelche magischen Talente - trotzdem überschätzt sie sich selbst immer und immer wieder. Denn wie kann es jemand wagen, ihr zu vorzuschreiben, welche Talente sie hat oder nicht hat? Das wär ja noch schöner!

Und statt dann Verantwortung zu übernehmen, wenn mal wieder etwas schiefgeht, sieht sie sich selbst lieber als Opfer und versucht, gegen Ethan und alle anderen Figuren zu rebellieren, indem sie einfach wirklich unfreundlich zu allen ist. Dabei scheint sie zu vergessen: Schuld an ihrer Situation ist nun mal vor allem sie selbst. Denn wenn sie auch nur einmal kurz nachdenken würde statt nur davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer Menschlichkeit diskriminiert wird, dann würde keine dieser Situationen passieren.

Mitleid braucht man mit Ethan  aber trotzdem nicht zu haben. Immerhin beweist er Seite für Seite wieder, dass er nicht in der Lage dazu ist, sinnvoll zu kommunizieren oder mit seinen Emotionen erwachsen umzugehen. Auch wird er Katherine gegenüber handgreiflich und würgt sie. Aber natürlich findet sie das heiß. Auch sonst war das Thema Consent hier immer wieder ein Problem. Aber auch das findet sie natürlich gut. Meiner Meinung nach ist das einfach nur problematisch, gerade da das hier ein Buch ist, das sich selbst als „witzig“ vermarktet. Auch in Liebesromanen kann und muss toxisches und gewalttätiges Verhalten als solches reflektiert werden. Natürlich, es gibt auch Dark Romance - aber diese wird dann als solche vermarktet. Leser*innen wissen, was sie dort erwartet. Wenn so ein Verhalten aber einfach als gegeben in einer ROM-COM angenommen wird, dann trägt dieses Buch zu einer Normalisierung von Gewalt gegen Frauen bei.

Dieses Buch hätte eine wunderbare RomCom in düsterem Setting werden können. Mich hat das Buch aber leider nicht abgeholt. Daher auch keine Leseempfehlung.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Cultish

 

Quelle: Verlag

Amanda Montell sagt euch vielleicht aktuell noch nicht so viel, ich kenne den Namen aber ohne Übertreibung schon seit mindestens zwei Jahren. Immerhin bin ich Hörerin ihrer Podcasts "Sounds Like a Cult" und "Magical Overthinkers". Und wie ihr, wenn ihr die Autorin googelt, sehen werdet: Zu beiden Podcasts gibt es Bücher. Einerseits eben "Cultish", aber auch "The Age of Magical Overthinking", das ich letztes Jahr gelesen, aber scheinbar nicht rezensiert habe, weil einfach viel zu viel los war. Nur zu ihrem dritten Buch, "Wordslut", ist mir bisher noch kein Podcast untergekommen. Würde ich aber wohl ebenfalls hören, falls er irgendwann auftauchen sollte. 

Wenn ihr ähnlich drauf seid wie ich noch vor ein paar Jahren, dann seid ihr wahrscheinlich überzeugt davon, dass ihr NIE auf einen Kult oder eine sektenhafte Gruppe reinfallen könntet. NIE. Ihr seid viel zu intelligent dafür, zu stabil und natürlich durchschaut ihr Tricks wie Gehirnwäsche (die es übrigens gar nicht gibt, wie man in diesem Buch erfährt) sofort! Natürlich! Aber: Menschen sind Rudeltiere. Wir brauchen Gemeinschaft, um ein glückliches und gesundes Leben führen zu können. Egal ob Fußballverein, Politik oder Religionsgemeinschaft: Menschen gründen Gruppen. In vielen Fällen sind diese Gruppen harmlos. In anderen Fällen weniger. Aber wohl jeder von uns ist Teil von verschiedenen Gruppen. Buchclub. Theatergruppe. Chor. Pen-and-Paper-Rollenspiel-Gruppe. Tanzverein. Kampfsportverein. Um nur ein paar zu nennen, in denen ich Mitglied bin oder in meinem Leben schon Mitglied war. Gruppen gehören dazu und wer zu keiner einzigen Gruppe gehört, führt wohl ein ziemlich einsames Leben. Aber natürlich kann fast jede Gruppe irgendwann auch kippen und extrem werden.

Zusammen mit Amanda Montell tauchen wir in diesem Buch ein in die Welt der Kulte. Sie erzählt fesselnd davon, was einen Kult eigentlich zu einem Kult macht, wie man einen Kult als solchen erkennt und ab wann dieser gefährlich wird. Den Fokus legt die Linguistin dabei natürlich auf die exklusive Sprache, die die Gruppe von Außenstehende abgrenzt. Doch auch für Nicht-Sprachwissenschaftler*innen ist dieses Buch eine interessante Lektüre: Wir begegnen hier Tragödien wie „Jonestown“ oder „Heavens Gate“, beschäftigen uns mit Multi-Level-Marketingstrategien und mit Sporttrends.

Mein Fazit? Ein echtes Must-Read! Und hört euch verdammt nochmal den Podcast der Autorin an!

Montag, 23. Februar 2026

Don't Let The Forest In

 

Quelle: Verlag

Fühlst du das Moos in deinem Bauch…

… und die Pilze hinter deinen Augen?

Die Monster kommen und sie werden dich holen! 


Als Andrew nach dem Sommer wieder an die Wickwood Academy zurückkehrt, ist nichts wie zuvor. Seine Zwillingsschwester ist beleidigt, sein bester Freund Thomas benimmt sich seltsam. Bisher waren sie ein unschlagbares Dreierteam, doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Andrew hat immer Horror-Geschichten geschrieben, Thomas dazu gezeichnet, jetzt weigert sich Thomas, einen Stift auch nur anzufassen. Als Andrew ihm in den verbotenen Wald folgt, erkennt er den Grund: Die Monster sind zum Leben erwacht.

Ein Horrorroman, der mich sofort in seinen schönen und seltsamen Bann gezogen hat. Ich war süchtig, konnte den Roman nicht mehr weglegen. Nein, das meine ich Ernst. Das ist mit einer der Gründe, warum ich Horror eigentlich kaum je lese: Ich fürchte mich ganz enorm, grusele mich mindestens die nächste Woche vor meinem eigenen Schatten (oder hier: vor meinen Zimmerpflanzen), aber MUSS das Buch trotzdem fertig lesen, da mir als Kind von einer Klassenkollegin eingeredet wurde, dass die Angst sonst nicht vergehen kann. Ob da was dran ist? Dafür weiß ich zu wenig über Horror - ich höre mir aber gerne an, was die Expert*innen unter euch darüber zu sagen haben.

Da ich mich ja mit Horror sowieso nicht auskenne, sagte mir bisher auch Botanical Horror nichts. Joa, jetzt weiß ich, dass das was ganz enorm Gruseliges ist, das eventuell damit zu tun hat, dass Pflanzen in dir wachsen. Was für eine schreckliche Vorstellung, die definitiv dafür gesorgt hat, dass ich meine Hauspflanzen jetzt ein bisschen kritischer betrachte. (WEHE, die breiten sich IN MIR aus! NOPE, NOPE, NOPE!!!!)

Wisst ihr, was ich getan habe, sobald ich mit diesem Buch fertig war? Ich habe das Buch als Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder bestellt. Und meiner Schwester danach eingeredet, dass sie dieses Buch auch lesen muss. Denn ja, ich habe mich zu Tode gegruselt, ABER WENN ICH SCHON DARUNTER LEIDEN MUSS, DANN WENIGSTENS NICHT ALLEIN! Wozu hat man denn Geschwister, nicht? 

Auf jeden Fall freue ich mich jetzt schon darauf, mich auch vor den anderen Büchern von C. G. Drews zu gruseln. Ist es eine gute Idee, diese Bücher auch noch zu lesen? Wahrscheinlich nicht. Bin ich gerade in der Laune, gute Entscheidungen zu treffen? HELL NO!

Mein Fazit also? Total spannend, viel zu gruselig für mich. Lest es trotzdem. Und drückt mir die Daumen, dass ich bei den anderen Büchern von C.G. Drew nicht durchdrehe!

Sonntag, 18. Januar 2026

Never Trust Your Fake Husband [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Inzwischen ist es so weit, dass ich mir bei der Arbeit einen gewissen Ruf aufgebaut habe. Nicht nur im Büro, generell bin ich im Bibliothekswesen inzwischen als New Adult-Expertin bekannt und darf mich über Einladungen zu Workshops und Vorträgen freuen. Nicht unbedingt der Ruf, um den ich mich bemüht hätte, aber ich will mich nicht beschweren. Gibt schlimmere Vorträge, die man halten kann. So habe ich meinen Spaß und meine Zuhörer:innen hoffentlich auch.

Einer der Vorteile, der sich daraus ergibt: Im Büro werden Liebesromane oft zuerst mir angeboten. Und manchmal greife ich natürlich auch zu. Hier zum Beispiel, bei "Never Trust Your Fake Husband". Ich liebe Fake Dating und Gedächtnisverlust kenne ich zwar bisher nur aus Fanfiction, aber warum sollte mir das nicht auch in Buchform gefallen?

Als Zoe im winterlichen Paris mitten in der Nacht zu sich kommt, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Nicht mal mehr ihren Namen kann sie uns zu Beginn der Handlung nennen. Alles, was sie weiß: Ein Fremder beugt sich über sie und plötzlich fallen Schüsse. Er rettet sie und sie schaffen es, sich auf eine Flusskreuzfahrt zu schmuggeln. Dort geben sie sich als Ehepaar aus – denn was wäre eine bessere Tarnung, als ein Pärchen auf Hochzeitsreise?

Was sich auf den ersten Blick für mich wie die ideale Lektüre für Zwischendurch anhörte, traf dann leider nicht ganz meinen Geschmack. Leider war der Humor nicht ganz mein Fall und auch mit Zoe, die ich als überdreht und albern empfand, wurde ich nicht warm. 

Sehr gestört haben mich hier aber gewisse "Überlebensstrategien", die in der Realität wohl Agent Jakes frühzeitigen Tod zur Folge hätten. Das Zukleben von tiefen Wunden mit Sekundenkleber zum Beispiel, oder das Rausziehen von Gegenständen, die in tiefen Wunden stecken. Bitte, Leute, beides macht ihr bitte, bitte nicht! Ich weiß nicht, warum sowas immer wieder in Büchern auftaucht und ganz ehrlich: Ich halte sowas für unglaublich gefährlich. Gerade, weil ich das Gefühl hatte, als würde sich dieses Buch an eine jugendliche Zielgruppe richtet. Ich möchte Jugendlichen auf gar keinen Fall Naivität unterstellen, mein jugendliches Ich hätte aber seeeeehr viel geglaubt, einfach nur weil es in Büchern drinstand. 

Mein Fazit? Ich befürchte, dass ich für dieses Buch einfach zu alt war. Als 15-Jährige hätte ich die Geschichte und wohl auch Zoe geliebt, jetzt mit meinen 26 Jahren war ich aber leider kein Fan davon.

Freitag, 16. Januar 2026

Katabasis [Kurzrezension]

Quelle: Verlag
 

Alice Law und Peter Murdoch haben ein Problem: Ihr Doktorvater Jacob Grimes ist verstorben. Ein äußerst unangenehmer Mensch (also wirklich, wirklich grauenhaft), doch das ändert nichts daran, dass er ihr Doktorvater ist. Wie sollen sie denn nun ihr Studium im Fach der analytischen Magie abschließen? Ihnen bleibt nichts anderes übrig: Sie müssen ihren Mentor aus der Unterwelt zurückholen, egal, was es sie kosten wird. Und so machen sie sich auf in die Welt von Dante, T. S. Eliot und Orpheus. Denn "Katabasis" bedeutet so viel wie "Abstieg in die Unterwelt". 

Leser*innen, die wie ich literarisches Vorwissen mitbringen, sind hier ganz klar im Vorteil und werden sich über die vielen Referenzen freuen. Auch hier merkt man der Autorin einfach wieder an, wie viel sie weiß - auf eine gute Art. Doch auch für Leser*innen ohne literaturwissenschaftlichen Hintergrund ist die Geschichte verständlich und spannend. Getestet an meinem Bruder, der sich zumindest nicht über die literarischen Anspielungen beschwert hat.

Einziger Wermutstropfen: Leider lösen sich die Buchstaben auf dem Cover bereits nach kurzer Lesezeit auf. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass dieses Buch wieder mal ein Rezensionsexemplar ist, das ich aus dem Büro mitgenommen habe. Ich hoffe es, immerhin ist dieser Roman jetzt nicht gerade das günstigste Buch, das ich bisher in den Buchläden gesehen habe. Teuer genug, dass man eigentlich davon ausgehen können müsste, dass das Cover nicht nach der zweiten Lektüre zerbröselt.

Trotzdem: Klare Leseempfehlung! Aber vielleicht eher als eBook oder als Leihbuch aus eurer Bibliothek. Zumindest solange, bis ich herausgefunden habe, ob die schlechte Qualität des Schutzumschlages ein Mira-Problem oder ein Buch-Problem ist.

Samstag, 10. Januar 2026

Erebos 3 [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dass ich mich nochmal über einen Erebos-Band freuen darf - damit hatte ich eigentlich schon nach Band 1 (meine allererste Rezension auf diesem Blog! Lang ists her!! Fast 13 Jahre!) nicht gerechnet. Dann vor ein paar Jahre die große Überraschung: Es kommt ein Band 2! Das war noch vor Covid, dazu habe ich dann eine Lesung mit Frau Poznanski in Innsbruck besucht und war dort unglaublich starstruck. Ich habe keinen Satz rausgebracht, als ich endlich dafür an der Reihe war, mein Buch signieren zu lassen.
Und dann im Sommer 2025 wieder die Überraschung: "Erebos 3" tauchte in meinem Büro auf. Ich war begeistert und meine Kolleginnen haben mir dieses Buch brav überlassen. 

Aber worum geht es diesmal? Erebos ist zurück und es geht um mehr als je zuvor. Schon zweimal musste Nick sich durch das Computerspiel „Erebos“ kämpfen. Und nun, kurz nach Handlungsende des zweiten Bandes, taucht das Spiel wieder auf seinem Rechner auf! Da wird er nicht mitmachen, auf keinen Fall! Doch Erebos hat ihn in der Hand. Und so wird Nick wieder zum Dunkelelfen Sarius … Diesmal ist Erebos nicht nur ein Online-Spiel für einsame Helden, plötzlich müssen Teams gebildet werden. Und es wird immer wichtiger, seltsame Rätsel zu lösen, deren Sinn sich Nick erst viel später erschließen werden.

Auch im dritten Anlauf wird die Videospielwelt von „Erebos“ nicht langweilig. Es war mir eine Freude, diese Welt nochmal mit Nick miterleben zu dürfen – und natürlich geht von meiner Seite jetzt das Rätseln los, ob ich mich in ein paar Jahren über einen Band 4 werde freuen dürfen. Falls ja, würde ich mir den ohne Zögern kaufen. Falls nein, müssen sich Leser:innen keine Gedanken machen, denn auch ohne potentiellen Folgeband lässt sich dieses Buch gut lesen und am Ende sind wie auch bei den letzten beiden Büchern alle Fragen geklärt!

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Das war 2025 - jetzt kommt 2026!

 Hallo ihr lieben treuen Leser:innen, die sich auch durch meinen unregelmäßigen Posting-Plan (oder den nicht-vorhandenen) nicht haben abschrecken lassen!

Hinter mir liegt ein spannendes Jahr. So viel Neues, dass mir teils nur noch der Kopf schwirrte. Neue Wohnung, neue Aufgaben und viel mehr Verantwortung im Job, gesundheitliche Themen, die neu aufgekocht sind und in der Diagnose zweier Autoimmunerkrankungen gegipfelt sind.

Ganz ehrlich: Ich freue mich so sehr auf 2026, denn dieses Jahr hat mir so einiges abverlangt. Es gab so viele tolle, schöne Momente, an die ich gerne zurückdenken werde. Ich habe tolle Reisen gemacht, habe richtig tolle Meilensteine erreicht, mit denen ich so früh nicht gerechnet hätte. Ich bin jetzt nicht nur Wohnungsbesitzerin, nicht nur halb fertig ausgebildete Bibliothekarin, sondern auch noch meine eigene Chefin und das nach nicht nur mal zwei Jahren. So schnell kann es gehen, wenn ihr nicht vorsichtig seid! Plötzlich seid ihr an der Spitze der Karriereleiter angekommen. Richtig cool, nicht? Aber ich habe auch nicht nur einmal Tränen vergossen, ich musste mich immer wieder selbst vom Boden aufrichten, die Scherben einsammeln, tief durchatmen und weitermachen.

Daher auch mein plötzlich sehr unregelmäßiges Rezensionen-schreiben. Gelesen habe ich unglaublich viel, gepostet eher weniger. Das war dieses Jahr einfach nicht drin. Vielleicht ja hoffentlich nächstes Jahr wieder. Wie ich bereits zu Freunden und Familie gesagt habe: Ich hoffe darauf, dass 2026 einfach unglaublich langweilig wird. Ich will ein Jahr, wo absolut nichts Aufregendes passiert. Ein Jahr, bei dem ich mich im Nachhinein frage, was da eigentlich so genau passiert ist und ob das wirklich 2026 oder nicht doch 2025 oder 2027 war. Einfach ... ein durchschnittliches Jahr, ohne viel Wirbel. Bitte, bitte, liebes Universum?


Aber deswegen seid ihr alle nicht hier, sind wir mal ehrlich! Ihr wollt mich nicht jammern hören, sondern meinen Leserückblick sehen. Und den bekommt ihr natürlich auch. Euer Wunsch ist mir Befehl!

Denn trotz (oder vielleicht gerade wegen) allem anderen habe ich Unmengen an Büchern gelesen. Eskapismus war schon immer mein liebster Bewältigungsmechanismus. Warum der Realität ins Auge schauen, wenn ich auch fiktionale Romanzen mit Dämonen und Hockeyspielern miterleben darf, wenn ich in Fantasywelten zur Drachenreiterin ausgebildet werden kann und an einer Nobelpreisträgerin verzweifeln kann?

Und so kommt es, dass ich im letzten Jahr insgesamt 122 Bücher und 33.895 Seiten gelesen habe. Also 277 Seiten pro Buch (und jede Menge Kommerstellen ... wer hat die Katzen meine Bücher anknabbern lassen??). Mein Ziel von 90 Büchern habe ich also gaaaaanz weit übertroffen.

Bezüglich Stimmung habe ich dieses Jahr nach Büchern gegriffen, die man als "emotional" (41), "reflektiv" (26) oder "lustig" (23) einordnen könnte. Laut Storygraph ist das Erzähltempo auch dieses Jahr wieder großteils "medium", also durchschnittlich, mit einigen schnellen und einigen langsam erzählten Abschnitten (62 %).

Und wie ihr euch denken könnt, habe ich auch dieses Jahr kurze Bücher mit unter 300 Seiten bevorzugt (53 %). Auch wenn ich persönlich nicht finde, dass Bücher mit 300 Seiten wirklich kurz sind. So richtig kurz beginnt für mich bei unter hundert Seiten. Aber naja, das ist mal wieder eine richtig, richtig subjektive Kategorie, mit komplett willkürlich gesetzten Grenzen. Was für mich eine Durchschnittslänge ist, sagt genau gar nichts darüber aus, was eine andere Person als solche wahrnimmt. Aber natürlich habe ich nicht nur kurze Bücher gelesen: 41 % waren zwischen 300 und 499 Seiten lang und 7 % hatten sogar über 500 Seiten!

Die meisten Bücher habe ich auf Deutsch gelesen (70), immerhin 52 waren auf Englisch. Also eigentlich fast ausgeglichen, nicht?

Auch bezüglich Genre war ich mal wieder nicht besonders wählerisch. Insgesamt habe ich Bücher aus 41 verschiedenen Genres gelesen, auch wenn Storygraph da nicht unbedingt immer zu hundert Prozent korrekt liegt. Zum Beispiel würde ich eine Sport-Romanze jetzt nicht unbedingt unter "Sport" einordnen. Der Sport stand dabei so wenig im Vordergrund, dass ich ehrlich gesagt nicht mal mehr sagen könnte, um welchen Sport es dabei denn jetzt wirklich gegangen ist. Der steht da nämlich zumindest in meinen Büchern nur selten im Vordergrund.
Wenn man Storygraph aber vertrauen möchte, dann habe ich dieses Jahr am häufigsten Bücher aus den Genres "Zeitgenössische Literatur" (34), "Romance" (33) oder "LGBTQIA+" (14) gelesen. 68 % meiner Bücher waren "Fiction", 32 % "Non-Fiction", also zum Beispiel Biografien oder Sachbücher.

Und es gab so einige Autorinnen und Autoren, mit denen ich dieses Jahr gleich mehr Zeit verbracht habe. So zum Beispiel mit Alice Oseman, von der ich gleich 5 Bücher gelesen habe (ja, es war die Heartstopper-Reihe. Ja, alle anderen hatten Recht, die Reihe ist echt toll). Ich habe drei Bücher von Lea Kiefer gelesen (die Coldhart-Reihe), und jeweils zwei von Genevieve Novak, von Emily Henry, Edgar Allan Poe, Rebecca Yarros, R. F. Kuang, Ruby Dicon, Kelsie Calloway und Navessa Allen.

Mein lesestärkster Monat war der Januar. Da hatte ich mit verschiedenen Erkältungen zu kämpfen, wegen denen ich eigentlich nicht viel anderes tun konnte, als mir Bücher und Hörbücher reinzuziehen. Außerdem hatte ich hier einige Handarbeitsprojekte in Arbeit, bei denen ich ebenfalls gerne Hörbücher höre. Hier habe ich 22 Bücher gelesen. Mein leseschwächster Monat war der Mai mit nur 4 gelesenen Büchern. Hier sind die Symptome meiner Erkrankungen so hochgekocht, dass ich mich endlich gezwungen habe, einen Arzttermin zu vereinbaren, was dann im Juli zur ersten Diagnose geführt hat. Ehrlich gesagt nicht nur ein Schock, sondern auch eine ziemliche Erleichterung: All diese Symptome, die ich seit Jahren habe, sind nicht eingebildet. Sie haben einen Grund und dieser Grund ist behandelbar. Natürlich trotzdem ein Schock, der dafür gesorgt hat, dass ich alle Phasen der Trauer durchlebt habe und wahrscheinlich auch noch einige Zeit durchleben werde. Aber hey: Ich habe Antworten und kann jetzt mit meinem Arzt an der Behandlung arbeiten!

Ups, jetzt habe ich mich wieder ablenken lassen. Tja, wird euch nicht stören, denn was seid ihr denn von mir anderes gewöhnt? Ich erzähle euch gerne aus meinem Leben und warum sollte ich ein Geheimnis um meine Gesundheit machen? Vor allem jetzt, wo ich in Behandlung bin und meine Symptome unter Kontrolle?

Tja, und die Statistiken sind eh fast fertig. Fehlen nur noch die Bewertungsstatistik! Im Durchschnitt habe ich dieses Jahr 4,02 Sterne vergeben. 34 Bücher waren für mich 5-Sterne-Highlights, 36 4-Sterne und 11 4,5 Sterne. Einen Stern habe ich diesmal nur einmal vergeben, weil auf Storygraph Bücher auch als "abgebrochen" markieren kann und die dann auch so in meiner Statistik aufscheinen. Und auch davon habe ich dieses Jahr einige, nämlich 27. Warum sollte ich mich durch Bücher zwingen, die mir aktuell nichts geben? Ich glaube nicht mehr, dass das nötig ist, um von als Leserin und als vollwertige Buchbloggerin wahrgenommen zu werden. Und ich zwinge mich auch nicht mehr, überzuanalysieren, warum ich ein Buch nicht beenden werde. Warum sollte ich weiterlesen, wenn ich merke, dass ein Buch aus welchem Grund auch immer gerade nichts für mich ist? Das tut weder mir noch irgendwem anderen gut. So habe ich die Bücher einfach als "abgebrochen" markiert, an viele bis jetzt gerade nicht mehr gedacht und habe großteils keine starken Gefühle gegenüber diesen Büchern.

Im großen Ganzen bin ich mit diesem Lesejahr mehr als nur zufrieden. Ich habe so viele tolle Bücher entdeckt und neue Genres ausprobiert. Und ich durfte sogar im echten Leben Menschen zulabern. BEZAHLT! WEIL DAS NÄMLICH TEIL MEINES JOBS IST, MUHAHAHA! Dabei waren sehr intellektuelle Themen wie Künstliche Intelligenz in Bibliotheken und die Bibliothek für alle, aber auch mein bisher liebster Vortrag mit dem Titel "Zwischen Fandom und Dark Romance", in dem ich über Booktok, Smut und so viele coole Bücher reden durfte. Und Bibliothekarinnen beruhigen durfte: Es gibt bisher keinen wissenschaftlich belegten Hinweis darauf, dass junge, volljährige Erwachsene, die gerne Dark Romance lesen, dadurch irgendeinen Schaden nehmen oder dazu neigen, sich absichtlich in gefährliche Situationen und Beziehungen zu begeben. Die meisten Leserinnen können das durchaus reflektieren und Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden. Genau so wie auch Thriller-Leser:innen nicht plötzlich Gewalttaten begehen, nur weil sie Bücher mit der Perspektive des Täters lesen.
Ich hatte so einen unglaublichen Spaß mit diesem Vortrag! Ach, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Und zu schlecht kann ich das auch nicht gemacht haben, denn ich wurde zum gleichen Thema für 2026 gleich noch dreimal gebucht. Booktok ist und bleibt ein großes Thema, nicht nur in Bibliotheken, und ich liebe es, dass ich da jetzt irgendwie ganz offiziell zur Expertin geworden bin. Ich liebs, ich liebs, ich liebs! Das war vielleicht sogar mein größtes buchiges Highlight 2025.


Und wie soll es jetzt weitergehen?

Nun, allem voran: Ganz entspannt! Wie immer will ich meinen Stapel der Schande verkleinern, aber ich werde mich dieses Jahr nicht zu einem strengen Buchkaufstop oder so zwingen. Aber Rezensionsexemplare werde ich vorerst keine neuen mehr in meinen Plan mit aufnehmen. Ich bekomme durch meine Arbeit schon genügend davon und für mehr habe ich aktuell keine Kapazitäten mehr.

Ein Zahlen-Ziel setze ich mir trotzdem, einfach, weil es für mich dazugehört. 123 Bücher und 33.896 Seiten. Also ein Buch und eine Seite mehr. Werde ich das schaffen? Keine Ahnung. Werden wir sehen. Falls nicht, ist es ja auch kein Drama. Es gibt keine Buchziel-Polizei, die dann vor meiner Haustür stehen wird. Niemand wird mich verurteilen. Who cares? Es geht ja um nichts.


Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr eure Leseziele erreicht? Was waren eure buchigen Highlights? Lasst es mich gerne wissen, ihr Süßen!

Bis bald und alles Liebe,

eure Mira

Sonntag, 21. Dezember 2025

Faust. Der Tragödie erster Teil [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir alle kennen die Geschichte rund um Faust. Der frustrierte Professor, der zwar gefühlt alles studiert hat, sich selbst mit der Magie beschäftigt, und es trotzdem nicht schafft, seinem Leben einen Sinn zu geben – bis er einen Bund mit dem Teufel eingeht. Sollte dieser es schaffen, dass Faust auch nur für einen Moment sein Leben genießt, gehört seine Seele ihm.

Viele von uns haben sich in der Schule durch das Reclam-Heftchen gequält, viele kennen auch noch weitere Adaptionen rund um Goethes Theaterstück. Das Stück wird bis heute aufgeführt, es wurde mehrfach verfilmt, findet seinen Platz in immer wieder neuen Comics und Graphic Novels. Einige werden sich nun also denken: »Im Ernst? Noch eine Version?« Ja, noch eine Version! Denn Nele Heaslip hat sich hier einen spannenden Twist einfallen lassen, durch den ich den Fauststoff nochmal ganz neu lesen konnte. Diese Graphic Novel spielt nämlich in drei Zeiten gleichzeitig: Mittelalter, Zeit des Nationalsozialismus und Gegenwart. Der Switch erfolgt dabei fließend mitten in der Szene, ohne große Markierung. In einem Bild hält Doktor Faust eine Vorlesung in einem modernen Hörsaal, im nächsten ist sein modernes Büro ein mittelalterliches Turmzimmer. In einem Bild spaziert Faust durch eine mittelalterliche Stadt, im nächsten ist die Stadt immer noch gleich, doch Faust trägt einen Judenstern und aus den Fenstern hängen die Flaggen der Nationalsozialisten.

Durch den Wechsel in den Zeiten wurde für mich eigentlich erst sichtbar, wie zeitlos der Fauststoff eigentlich ist. Der Switch war problemlos möglich, ohne dass dabei Verständnisprobleme entstanden und ohne, dass dabei irgendetwas unlogisch wurde. Der Stoff mit Goethes Originaltext funktionierte weiter, war weiter spannend.

Diese Entscheidung der Illustratorin lud mich dazu ein, den Text genau zu reflektieren. Würde diese Szene hier denn auch im Nationalsozialismus funktionieren, obwohl sie hier doch im Mittelalter spielt? Und was wäre, wenn man sie in die Gegenwart versetzen würde? Wie verändert die jeweilige Zeitebene die Stimmung, die Bedeutung oder die Beziehung der Figuren untereinander?

Das Buch selbst ist unglaublich aufwändig gestaltet. Die Illustrationen sind voll interessanter Details und kleine Kunstwerke, die man so auch direkt in eine Galerie hängen könnte. Auch die Papierqualität ist mir positiv aufgefallen.

Eine unglaublich spannendes und hochwertig produziertes Graphic Novel, nicht nur für Schulbibliotheken und Schüler*innen. Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint!

Samstag, 20. Dezember 2025

Midwatch [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Maggie Fishbone, ein Waisenmädchen, hat nun einmal zu oft Mist gebaut. Jetzt schicken sie die Nonnen ihres Heims ins berühmt-berüchtigte Midwatch-Insitut für unerwünschte Mädchen. Und schon beim Eintreten bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen: traurige Orgelmusik, stille Mädchen in grauer Kluft und eine strenge Sekretärin. Doch kaum fällt die Tür hinter der Schwester ins Schloss, kommt die Wahrheit ans Licht: Midwatch ist eigentlich eine geheime Schule für Nachwuchs-Ermittlerinnen. Hier lernen sie nicht nur Schweizerdeutsch und Tanz, sondern auch sich zu verstecken oder sich in der Stadt zu orientieren. Und bald kommt auch schon der erste Fall: Miss Fenchurch, Freundin des örtlichen Bibliothekars, ist spurlos verschwunden! Maggie und ihre Freundinnen dürfen also ermitteln und müssen schon bald zeigen, was sie im Institut so gelernt haben ...

Ergänzt wird die Geschichte durch spannende Tipps. So lernen Leser*innen ab 10 Jahren Morsecode, den Charleston und wie man einem Krokodil entkommt. Man weiß ja nie!

Dieser Kinderkrimi glänzt durch viel Humor, kreative Ideen und sympathische Protagonistinnen. Die Handlung lädt zum Mitfiebern und Miträtseln ein – und hat man bei den Tipps gut aufgepasst, enträtseln auch Leser*innen schnell geheime Nachrichten.

Lobend hervorheben möchte ich auch die wunderschönen Illustrationen, die uns durch das ganze Buch begleiten. In Schwarz-weiß wird hier eine Welt gezeigt, die mich an Steampunk erinnert hat und wahrscheinlich ans frühe 20. Jahrhundert angelehnt ist. Wir finden hier eine spannende Stadt, in der es vor Leben nur so wimmelt: Botenjungen (die manchmal verkleidete Mädchen auf geheimer Mission sind) zischen umher, Schaufenster können bewundert werden, am Himmel findet man unzählige Zeppeline.

Ein Buch, das hoffentlich ein Reihenauftakt ist. Falls ja, hole ich mir auf jeden Fall Band 2!

Montag, 17. November 2025

Himmelwärts [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Toni Pepperoni ist aktuell in einem Ausnahmezustand. Ihre Mutter ist gestorben, zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben ist sie mit Trauer konfrontiert. Und dann gleich wegen so einem großen Verlust.

Eine Nacht im Zelt mit ihrer besten Freundin YumYum soll sie ablenken - das dürfte zumindest der Gedankengang ihres Vaters sein. Toni und YumYum haben aber eigene Pläne: Sie haben ein Radio zu einem Funkgerät umgebaut. Damit möchten sie heute Nacht in den Himmel funken und Kontakt zur verstorbenen Mutter aufnehmen. Denn laut der Physik kann Energie nie verloren gehen, irgendwo muss also auch die Energie der Mutter noch sein.

Kleiner Spoiler, der auch schon im Klappentext erwähnt wird: Das klappt nicht. Statt Tonis Mutter erreichen sie Anna, eine Astronautin, die auf einer Raumstation um die Erde kreist. Zwischen ihr und den zwei Mädchen entwickelt sich ein Gespräch: über das Weltall, den Beruf der Astronautin und natürlich über Trauer.

Dieses Gespräch wird immer wieder glaubwürdig unterbrochen. Immerhin kreist die Astronautin ja um die Erde. Natürlich bricht hier also immer wieder der Empfang ab und die zwei Mädchen müssen wieder abwarten, bis Anna die Erde einmal umrundet hat. Weil das etwas dauert, herrscht die Gefahr, dass die beiden Kinder einfach einschlafen oder dass Tonis Vater entdeckt, dass die beiden Mädchen noch nicht schlafen - was sie inzwischen eigentlich tun sollten.

Begleitet wird diese Erzählung durch wunderschöne Illustrationen. Auf der Frankfurter Buchmesse hat uns Bea Davies verraten, dass sie für dieses Buch unter anderem mit Sand und Babypuder gearbeitet hat. Hier steckt also viel Handarbeit dahinter, auch die Farben sind durchdacht und alles wirkt stimmig. Allein schon wegen der Illustrationen ist dieses Buch eine gelungene Lektüre.

Ausgezeichnet wurde "Himmelwärts" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Meiner Meinung nach hat dieses Buch diese Würdigung nur verdient. 

Mein Fazit? Ein emotionales Kinderbuch - auch für Erwachsene!

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Nowhere Heart Land [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Auch meinen Freundeskreis hat sie schon erreicht: Die Quarter Life Crisis. Kennen wir doch alle. Einige meiner Freund:innen haben beschlossen, doch nochmal in ein ganz anderes Berufsfeld einzusteigen, einige haben ganz klischeehaft mit dem Rennradfahren und Marathonlaufen begonnen und ich selbst habe nach meiner Hashimoto-Diagnose meine ganze Ernährung auf glutenfrei und zuckerarm umgestellt und habe jetzt einen Buchweizen-Sauerteig namens Herbert daheim. Und ja, ich habe eine emotionale Bindung zu Herbert. Nein, ich will dazu nichts hören (außer, dass Herbert perfekt ist! Das immer gerne!). Daher war ich mir sicher, dass ich mich in diesem Buch bis zu einem gewissen Grad wiederfinden würde.

Rosas Quarter Life Crisis beginnt aber ein bisschen krasser als die der Menschen in meiner Umgebung: Sie prügelt sich mit ihrem Arbeitskollegen. Mit einem blauen Auge und angekratztem Ego flüchtet sie sich danach zurück nach Deutschland, in die Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. Hier soll sie sowieso einige Angelegenheiten für ihre demente Großmutter regeln, die sie inzwischen seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Macht sie nicht gerne, aber zurück ins Büro kann sie vorerst mal nicht. Zurück in der Heimat wird Rosa aber schnell von ihrer Vergangenheit überwältigt. Ihre Mutter ist früh gestorben, sie selbst im Internat zur Schule gegangen und bei den Großeltern aufgewachsen. Von dieser Kindheit und Jugend ist nicht mehr viel übrig. Der Großvater ist inzwischen ebenfalls tot, die Großmutter schwer dement und das Internat wurde schon während Rosas Schulzeit abgerissen. Und ihre Freundinnen aus dem Internat haben sich im letzten Jahrzehnt auch weiterentwickelt, was Rosa mehr überrascht, als es das meiner Meinung nach tun sollte. Sie haben Kinder, Beziehungen, eine Karriere. Sie sind erwachsen geworden.

Ganz im Gegensatz zu Rosa. Sie schwelgt in Erinnerungen, auch wenn sie sich an vieles gar nicht mehr so wirklich erinnern kann, löst jedes Problem mit Alkohol, verhält sich gegenüber ihrer Schulfreundin Leni übergriffig, was sogar zu rechtlichen Maßnahmen führt. Auf einen Grund für dieses Verhalten wartet man als Leserin vergeblich. Wir folgen Rosa durch ihren trostlosen Alltag, beobachten einen alkoholinduzierten Absturz nach dem anderen und verzweifeln an der Tatsache, dass sie sich auch mit knapp 30 Jahren weigert, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Am Ende blieb ich mit vielen offenen Fragen zurück und war ehrlich gesagt ziemlich unzufrieden.

Leider also keine Leseempfehlung!

Sonntag, 5. Oktober 2025

Great Big Beautiful Life [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Margaret Ives, Tochter einer Skandal-Familie und Frau eines verstorbenen Musikers, hat schon lange niemand mehr gesehen. Legenden ranken sich um ihren Namen, niemand weiß, wohin und warum sie verschwunden ist. Doch jetzt möchte sie eine Biographie über ihr Leben schreiben lassen – ein wahrer Traumjob, das findet zumindest Alice Scott, die in diesem Auftrag ihre große Chance sieht. Weniger begeistert scheint Hayden Anderson, aber was erwartet man vom grantigen Pulitzer-Preisträger? Beide werden dazu eingeladen, einen Probemonat bei Margaret zu absolvieren, danach will sie sich entscheiden. Doch hat Alice, die den großen Durchbruch noch nicht geschafft hat, überhaupt eine Chance? JA, beschließt sie und macht sich an die Arbeit. Wenn sie nur nicht bald das Gefühl hätte, dass die Dame nicht ganz ehrlich mit ihr ist. Und wenn ihre Anziehung zu Hayden bloß nicht so stark wäre. Denn beide möchten diesen Job – und am Ende wird ihn nur einer bekommen, was einer noch frischen Beziehung nicht gut tun würde.

Eine schöne Geschichte über zwei ehrgeizige Menschen im typischen Emily Henry-Stil. Unterbrochen wird die Liebesgeschichte immer wieder von Episoden aus Margarets Leben, was ich spannend fand. So lernen wir parallel auch sie und ihre Familiengeschichte besser kennen.

Die Beziehung zwischen Alice und Hayden entwickelte sich trotz Zweifel von beiden Seiten allerdings recht schnell – da hat mir leider etwas Tiefe und Spannung gefehlt. Trotzdem eine angenehme Lektüre für Zwischendurch!