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Montag, 20. Mai 2024

Death of an Author [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wer die Rezension zu diesem Roman auf einer anderen Seite als direkt auf meinem Blog liest, wird sehen, dass ich hier keine Sternebewertung hinterlassen habe. Und das hat auch einen guten Grund: "Death of an Author" ist ein Buch, das KI-generiert wurde. Das Thema ist aktuell riesig in der Bücherbubble und das auch aus gutem Grund. KI wirft viele Fragen auf, die noch nicht geklärt sind und die wir vielleicht auch zum aktuellen Zeitpunkt gar nicht wirklich klären können. Es geht dabei zum Beispiel um Fragen des Urheberrechts und der Kreativität. Egal, wie wir diese Fragen am Ende beantworten werden: Wir befinden uns am Startpunkt eines großen Umbruchs und ich bin gespannt, wo uns diese Reise hinführt. Und gleichzeitig habe ich auch Angst davor. Diese Mischung an Gefühlen ist für mich wohl der Hauptgrund, warum ich mich entschieden habe, meine Masterarbeit zum Thema zu schreiben. Aktuell bin ich laut meiner Wortzähl-App bei aktuell circa 60% meiner Arbeit und damit zeichnet sich das Ende damit endlich, endlich als kleiner Punkt am Horizont ab. Es geht in meiner Masterarbeit um Intertextualität und um Konzepte der Autorschaft und wie sich beides mit Künstlicher Intelligenz verbinden lässt. Und das muss ich natürlich anhand von verschiedenen Beispieltexten herausarbeiten. 

Einer dieser Texte ist "Death of an Author". Bei diesem Buch handelt es sich um einen Krimi, der laut eigener Angaben zu mindestens 95 % von KI generiert wurde. Und glaubt mir: Ich habe mir ordentlich den Kopf zerbrochen, ob es ethisch überhaupt vertretbar ist, dieses Buch zu rezensieren. Doch es ist mir wichtig, Künstliche Intelligenz und generierte Texte nicht im allgemeinen zu verteufeln. Denn wie immer gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern sehr viele Graustufen. Es gibt nicht nur die großartigen menschgemachten Texte und die schrecklichen KI-generierten Texte, die nicht mal das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Stephen Marchine - der Mensch, der hinter diesem Buch steckt - hat es sich mit dieser Veröffentlichung nicht leicht gemacht. Der hat nicht einfach ChatGPT befohlen, ihm einen Kriminalroman zu schreiben, sondern viele Monate mit verschiedenen Programmen gearbeitet, um einen lesenswerten Roman zu verfassen. Dabei beweist er durch verschiedene intertextuelle Anspielungen im Text und durch ein ausführliches Nachwort auch, dass er sich mit den Themen Literatur und Kreatives Schreiben auch tatsächlich auskennt und sich wirklich für kreative Experimente wie eben dieses hier interessiert, und nicht einfach nur auf ein passives Einkommen hofft.

Ich bin an dieses Buch mit eher niedrigen Erwartungen herangegangen - denn sind wir mal ehrlich, die meisten generierten Texte, die aktuell im Netz herumschwirren, sind einfach nicht besonders gut. Denkt bitte daher auch gar nicht erst daran, mir jetzt euer generiertes Buch anzubieten, solltet ihr eines haben. Ich lese diese Bücher für meine wissenschaftliche Arbeit, nicht, weil ich in Zukunft nur noch solche Bücher lesen möchte. "

Death of an Author" hat mich dann aber doch noch überrascht. Doch einiger ungewöhnlicher Phrasen und Satzkonstruktionen, ist dieses Buch gut geschrieben. Auch der Inhalt war interessant und glaubwürdig, Einzig das Ende ließ mich etwas unzufrieden zurück. Da wurde die Spannung sehr schnell aufgelöst und ich finde, dass man dem Abschluss mehr Seiten hätte widmen können.

Trotzdem war das eine interessante Lektüre, die ich nach meiner Masterarbeit hoffentlich nicht hassen werde.

Mein Fazit? Interessant und mal was ganz anderes, als ich es sonst so kenne.

Freitag, 17. Mai 2024

Das Buch der kostbarsten Substanz [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Lilys Mann ist dement. Um seine Pflege finanzieren zu können, braucht Lily jeden Cent. Statt selbst Bücher zu schreiben, wie sie es früher getan hat und auch immer tun möchte, handelt sie daher mit seltenen antiquarischen Büchern. Statt ewig langer philosophischer Diskussionen mit ihrer großen Liebe, verhandelt sie über Verkaufspreise und mit Ärzt:innen. Nicht unbedingt das Leben, das sie sich gewünscht hat - aber was sonst bleibt ihr übrig? Als sie gebeten wird, das „Buch der kostbarsten Substanz“ zu für einen Kunden zu beschaffen, denkt sie sich daher auch nichts dabei. Sie wird ja ständig danach gefragt, irgendwelche seltenen Ausgaben für Sammler:innen zu besorgen. Das unglaublich hohe Honorar kann sie gut brauchen, also willigt sie ein. Doch dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Essayband oder um normale okkulte Schriften - dieses Buch ist voll mit schwarzer Magie, die Unmögliches verspricht. Doch die Erfüllung deiner tiefsten Wünsche fordert einen Preis, der zu hoch scheint, um darauf näher einzugehen. Doch trotzdem stellt sich bald die Frage: Kann Lily der Macht des Buches widerstehen? 

Das war ein spannendes Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte. Ich habe es bei der Buch Wien gekauft und dann auch eigentlich direkt danach gelesen. Trotzdem komme ich leider erst jetzt dazu, die Rezension zu schreiben. Upsi!

Was ihr beachten solltet, wenn ihr dieses Buch lesen möchtet: Das ist kein klassischer Thriller, auch wenn dieses Wort auf dem Cover steht. Es gibt keine Ermittlung, keine psychopathischen Mörder:innen und es steht nicht die Aufklärung eines Verbrechens im Vordergrund. Wer aber Lust auf eine ungewöhnliche Geschichte über Magie und Bücher hat, ist hier richtig. Ihr solltet nur nicht damit rechnen, einen klassischen Thriller zu lesen. Ganz ehrlich: Ich hab den Vermerk auf dem Cover zuerst gar nicht gesehen und hab das Buch automatisch in die Kategorie "Fantasy" eingeordnet. Und diese Erwartung hat sich dann auch eher erfüllt als die Erwartungen, die ich gehabt hätte, wenn ich mit einem klassischen Thriller gerechnet hätte. 

Überrascht wurde ich durch die existentiellen Fragen, die aufgeworfen wurden – und die ich mir als Leserin dadurch gleich selbst gestellt habe. Wie weit würde ich gehen, um die Leute zu retten, die ich liebe? Würde ich zu schwarzer Magie greifen? Eine wirklich tolle Lektüre! 

Donnerstag, 25. Januar 2024

P.S. Morgen bist du tot [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch war unser Januar-Buch im Buchclub. Was mich vor allem dazu gebracht hat, für dieses Buch zu stimmen, war das Konzept, das ich so wirklich noch nie gesehen habe. An einer Universität gibt es ein Programm für Psychopath:innen. Diese Menschen werden mit einem Stipendium an die Uni gelockt, dürfen dort ganz normal studieren und ohne, dass jemand wüsste, dass sie diagnostizierte Psychopath:innen sind. Dafür müssen sie an verschiedenen Experimenten teilnehmen (nichts Dramatisches oder Gruseliges - ganz normale psychologische Experimente. Fragebögen und so). Die Hoffnung des Professors, der dieses Projekt leitet, wäre, dass so eine Behandlungsmethode entwickelt werden kann. Immerhin sind ja nicht alle Menschen mit dieser Diagnose automatisch Massenmörder. Wie ein Buchclubmitglied das auch während einem Treffen bestätigt hat. Ich persönlich kenne Psychopath:innen eigentlich nur aus Büchern und Filmen und mir war bisher gar nicht bewusst, dass das tatsächlich eine Diagnose ist. Noch weniger war mir bewusst, dass Psychopath:innen nicht einfach nur schlechte Menschen sind. Weil so wird das ja in Medien gerne gezeigt. Aber scheinbar sind das teils fast ganz normale Menschen? Die ich auf der Straße gar nicht als Psychopath:innen erkennen würde? Und mit denen ich vielleicht sogar befreundet bin? Allein das schon zu lernen, war für mich unglaublich spannend!

Was außerdem spannend ist: Die Protagonist:innen haben fast alle Psychopathie. Wie spannend ist das eigentlich? Und die Autorin hat es dabei tatsächlich geschafft, mich dazu zu bringen, die Figuren zu mögen und zu hoffen, dass die Figuren bei ihren Plänen Erfolg haben. Die einzige Person, die wirklich blutrünstig ist, war Chloe. Sie ist an die Universität gekommen und hat das Stipendium angenommen, um endlich Rache zu nehmen. Und ganz ehrlich? Ich konnte diesen Wunsch gut nachvollziehen. Und ich habe ihr gewünscht, dass sie mit ihrem Plan Erfolg hat. Ich bin eigentlich gegen die Todesstrafe, aber bei manchen Menschen kann ich diesen Wunsch nach deren Tod sehr gut verstehen. Bei manchen Taten... sagen wir es mal so: Ohne manche Menschen wäre die Welt wohl wirklich besser dran. Manche Verbrechen sind einfach unverzeihlich.

Chloe ist die Ich-Erzählerin und damit auch die eigentliche Protagonistin, wenn man das so nennen kann. Wir lernen zwar auch die Perspektiven anderer Figuren kennen, aber Chloe ist die einzige Ich-Erzählerin. Und das finde ich gut, auch wenn es mich zu Beginn überrascht hat. Chloe ist die interessanteste Figur. Die beiden anderen waren zwar auch spannend, aber konnten mit ihr trotzdem nicht mithalten. Ich hätte ihr noch Stunden zuhören können und mir wäre wohl nicht langweilig geworden.

Mein Fazit? Ein totales Lesehighlight, mit dem ich nicht gerechnet habe. Ich freue mich auf das nächste Buchclubtreffen zum Buch!

Freitag, 6. Januar 2023

Das Jungblut-Serum

 Autor: Thomas Kiehl
Erschienen am 18.10.2022
Im Benvento Verlag
ISBN: 9783710901430
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Die Biologin Lena Bondroit wird auf eine kleine schwedische Insel eingeladen. Sie soll herausfinden, was es mit der gehäuften Unfruchtbarkeit der jungen Frauen dort auf sich hat. Hängen ihre Beschwerden am Ende mit dem Verjüngungsmittel zusammen, das an ihren Eltern erprobt wurde? Nach und nach deckt die Wissenschaftlerin düstere Zusammenhänge auf.

Auch der dritte Teil der Krimi-Reihe um die angesehene Biologin Lena Bondroit zeigt das Können des Autors Thomas Kiehl. Sein Wissenschafts-Thriller entwickelt schnell eine beklemmende Dynamik. Was passiert, wenn die Testprobanden das Mittel absetzen? Gab es unvorhersehbare Nebenwirkungen und Auswirkungen auf die Epigenetik? Und wie verhält sich das Pharmaunternehmen, das gerade den Börsengang plant?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Über ein Jahr und damit unaushaltbar lange habe ich jetzt auf den dritten Band rund um die Wissenschaftlerin Lena Bondroit gewartet. Nachdem sowohl "Die Ameisenfrau" als auch "Homo Lupus" Lesehighlights für mich waren, musste ich einfach wissen, wie es mit Lena weitergeht - auch wenn ich in der Zwischenzeit eigentlich nur noch selten Thriller lese.

In diesem neuen Band hat sich Lena einem neuen Feld der Biologie zugewandt: Die ehemalige Verhaltensforscherin arbeitet jetzt in der Genetik, genauer: in der Epigenetik. Sie erforscht also, ob und wie sich genetische Veränderungen, die zum Beispiel durch Traumata wie eine Hungersnot entstehen, an die nächsten Generationen vererbt werden. Ganz ehrlich, ich wusste nicht, dass das geht und war deswegen sehr interessiert, was der Autor wohl daraus machen wird. Schön fand ich hier dann vor allem die klare Einstellung, die Lena gegenüber dem Jungblutserum hat, das sie untersuchen soll: "Es kann schon sein, dass dieses Verjüngungsmittel die Unfruchtbarkeit der Frauen der nächsten Generation herbeigeführt hat, ABER..." Das ist eine Einstellung, die selbst mir an der Uni beigebracht wird und das, obwohl ich in der Literatur- und Kulturwissenschaft bin und nicht in der Biologie. Und ich halte diese Einstellung für sehr, sehr wichtig halte: "Ziehe auf keinen Fall voreilige Schlüsse! Nur weil es auf den ersten Blick einen Zusammenhang gibt, heißt das nicht, dass da wirklich was ist." Klar kann sich dann im Nachhinein zeigen, dass da tatsächlich eine Verbindung gibt, aber das musst du erst beweisen. In meinem Fall passiert das dann durch das genaue Analysieren von Texten, bei Lena durch das Analysieren dieses Wundermittelchens, durch das die Menschen auf dieser schwedischen Insel selbst im hohen Alter noch fit und gesund sind. Gerade im Kontext der Tatsache, dass sich eine gewisse Wissenschaftsskepsis leider immer weiter ausbreitet, halte ich es außerdem für sehr wichtig und lobenswert, dass der Autor auch hier wieder in einem Nachwort über die tatsächliche Faktenlage aufklärt.

Was der Autor gerade gegen Ende dieses Buches gezeigt hat, ist, wie talentiert er darin ist, Spannung aufzubauen. Die letzten 150 Seiten habe ich einfach inhaliert und wäre wohl zur Mörderin geworden, wenn mich dabei jemand unterbrochen hätte. Und gerade bei einer Stelle war ich mir kurz nicht sicher, ob ich emotional dazu in der Lage sein werde, diese Rezension zu schreiben. Die Erleichterung, die ich dann am Ende dieses Buchs spürte, kann ich gar nicht in Worten fassen. Und ja, auch an ein paar anderen Stellen habe ich den Autor für seine Cliffhanger verflucht. Allerdings auf eine positive Leserinnenart, die wahrscheinlich erwünscht war.

Ich habe Lena auch durch diesen Thriller gerne begleitet und die Zeit genossen, die ich mit ihr verbringen konnte. Wie schon in den letzten Teilen konnte ich wieder mit ihr mitfiebern und ich weiß nicht, wie gut ich es verkraftet hätte, wenn ein gewisser Cliffhanger tatsächlich so ausgegangen wäre, wie ich es in der ersten Sekunde befürchtet habe.

Mein Fazit? Auch dieser Teil der Reihe rund um Lena war ein Lesehiglight für mich. Ich hoffe, dass es noch einen weiteren Band geben wird.

Freitag, 14. Oktober 2022

Meine Schwester die Serienmörderin [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, habe ich zwei jüngere Geschwister. Gerade bei meiner jüngeren Schwester, dem Nesthäkchen der Familie, habe ich im Laufe der Zeit auch einen starken Beschützerinstinkt entwickelt. Doch wie weit würde ich gehen, um meine Geschwister zu beschützen? Diese Frage hat sich beim Anhören dieses Hörbuchs immer wieder in den Vordergrund meiner Gedanken gedrängt. Würde ich meinen Geschwistern dabei helfen, ein Verbrechen zu verstecken? Vielleicht sogar einen Mord? Würde ich die Polizei anlügen, um meine Geschwister vor dem Gefängnis zu bewahren? Ihnen ein falsches Alibi geben? Oder vielleicht sogar dabei helfen, die Leiche zu entsorgen? Die Antwort darauf ist für mich ein ganz klares: Ich hab keine Ahnung. Ich kann es euch nicht sagen. Was ich aber sagen kann: Ich konnte gerade zu Beginn des Buchs total mit Korede mitfühlen und ihre Gedankengänge gut nachvollziehen.

Korede ist die ältere Schwester und erzählt dieses Buch. Ayoola ist die jüngere und war immer der Liebling ihrer Eltern. Sie ist unglaublich schön, flirtet gerne und wird von ihrer Umwelt quasi als perfekt wahrgenommen. Und auch Korede liebt ihre Schwester. Doch eine Angewohnheit Ayoolas ist eher unangenehm: Ayoola hat die nervige Angewohnheit, Männer umzubringen, die mit ihr eine Beziehung eingehen. Als dieses Buch beginnt, musste gerade Mann Nummer drei sein Leben lassen. Damit ist Ayoola eine Serienmörderin - und Korede ihre Komplizin, die ihr dabei hilft, alle Beweise zu vernichten. Bei ihrem ersten Mord war Korede sich noch sicher, dass ihre Schwester sich nur verteidigt hat. Doch jetzt, bei Mann drei, glaubt sie das nicht mehr so ganz. Aber was soll sie tun? Ihre Schwester ausliefern - und so gleichzeitig ihre eigene Zukunft ruinieren? Doch dann beginnt Tade, ein Arzt, Interesse an Ayoola zu zeigen und sie auch an ihm. Und damit wird Koredes Überzeugung, ihre Schwester schützen zu wollen, auf eine harte Probe gestellt. Sie selbst ist nämlich schon seit Jahren in Tade verliebt. Und sie weiß: Wenn sie Ayoola einfach gewähren lässt, ist auch Tade bald tot.

Dieses Buch war ernster, als ich es von Klappentext und der Werbung zum Buch erwartet hätte. Klar gab es trotzdem einige lustige Szenen, die waren aber seltener als erwartet. Das hat mich persönlich nicht gestört, aber ich kann die Menschen verstehen, die enttäuscht sind, dass dieser Roman doch eher Thriller als ernst ist.

Wie ihr schon im Titel sehen könnt, habe ich das Hörbuch gehört. Die Sprecherin hat hier einen fantastischen Job gemacht. Sie als Korede war einfach glaubwürdig und es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Ich habe dieses Hörbuch unglaublich schnell durchgehört und mich dafür verflucht, dass ich mir nicht mehr Zeit lasse. Und dann hab ich das Hörbuch auch noch auf die doppelte Geschwindigkeit geschalten, da ich unbedingt wissen musste, wie das alles ausgeht und was hinter Ayoolas Verhalten steckt.

Ein zusätzlich Pluspunkt ist, dass wir dieses Buch im Buchclub diskutiert haben. Das hat mir wie immer viel Spaß gemacht. Und wie immer war ich überrascht, wie unterschiedlich unsere Meinungen zu diesem Buch waren. Ich hab damals dem Buch vier bis fünf Sterne vergeben, jetzt tendiere ich doch eher zu fünf, aber es waren auch Leute dabei, die mit diesem Roman weniger anfangen konnten.

Mein Fazit? Mir hat dieses Buch viel Spaß gemacht und ich freue mich darauf, in Zukunft mehr Bücher von der Autorin lesen zu können.

Mittwoch, 22. Juni 2022

Der chinesische Zwilling

 Autorin: Sarah Engell
Erschienen am 10.03.2022
Im Saga-Egmont-Verlag
ISBN: 9783869749501
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Eine dänische Kleinstadt wird von mysteriösen Vorfällen erschüttert: Auf dem Friedhof wird eine Leiche gestohlen. Ein kleines Mädchen wird aus dem Kindergarten entführt. Und eine alte Frau verschwindet spurlos. An allen Tatorten findet die Polizei chinesische Schriftzeichen. Im Zentrum der grauenvollen Ereignisse steht Eva, die sich nach einem Schicksalsschlag zusammen mit ihrem gelähmten Mann in den Alltag zurückkämpft. Eva macht sich daran, auf eigene Faust herauszufinden, wer diese Taten begeht und warum. Doch dann geschieht ein weiteres Verbrechen, und die Dinge spitzen sich zu."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Zu Beginn war ich diesem Thriller gegenüber noch eher kritisch eingestellt. Vor allem, weil ich Angst hatte, dass mir auch dieses Buch nicht gefällt. "Tod im Trödelladen" hat mir ja gar nicht zugesagt und ich fühle mich immer sehr unwohl, wenn ich mehrere negative Rezensionen nacheinander einreichen muss. Und der Beginn dieses Buchs war auch wieder nicht stark. Eher in Richtung mittelmäßig. Dann hat sich dieser Thriller aber ordentlich ins Zeug gelegt und die letzten 150 Seiten habe ich in einem Rutsch durchgelesen. Insgesamt brauchte ich für diesen Thriller nur drei Tage, was während der Prüfungsphase dann doch nicht schlecht ist.

Dieses Buch beginnt mit einer Hochzeit zwischen einem kleinen Jungen und einem kleinen Mädchen. Er ist so um die acht Jahre alt, sie ist sechs. Und an dieser Hochzeit ist irgendwas total schräg. Also abgesehen davon, dass es eine Hochzeit zwischen zwei Kindern ist natürlich. Da stimmt noch etwas nicht. Was genau das ist, erfahren wir erst am Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten und es ist absolut verstörend.
Doch dann kommt auch schon der Cut und wir befinden uns plötzlich an einem ganz anderen Ort und einer ganz anderen Zeit bei Eva. Eva hatte gerade eine Fehlgeburt und ist deswegen am Boden zerstört. Was alles noch schlimmer macht? Ihr Mann Steen, den dieser Verlust ebenfalls schwer belastet, hat sich nach der Fehlgeburt ins Bett gelegt und ist gelähmt wieder aufgewacht. Und dann steht da plötzlich auch noch die Polizei vor der Tür, weil die Leiche von Steens Vater gestorben wurde. Wie ihr also seht: Totales Desaster. Grauenhafte Ausgangssituation. Einfach nur schrecklich. Und von hier spinnt sich dann die Geschichte weiter und die Situation wird immer noch schlimmer für Eva und ihr Umfeld, bis Eva sich gezwungen sieht, selbst auf Spurensuche zu gehen...

Mir gefiel an diesem Thriller genau das, was in einigen Rezensionen von anderen Leser:innen kritisiert wurde: Die psychologischen Aspekte und die Tatsache, dass einige Abschnitte des Buches fast schon ins Horror-Genre passen könnten. Ich wusste lange nicht, wem ich trauen soll und ob ich irgendjemanden als Verdächtigen ausschließen kann und habe auch der Protagonistin Eva nicht wirklich getraut. Ihre Sicht der Dinge wirkte auf mich nicht immer zuverlässig, unter anderem auch weil sie sich manchmal selbst nicht sicher zu sein scheint, was sie tut und warum sie es tut. Das hat mich fasziniert und hat die Ermittlerin in mir geweckt. Wenn mir die Protagonistin nicht sagt, was passiert, muss ich es eben selbst herausfinden!

Mein Fazit: Der Beginn ist noch eher mittelmäßig, aber im Verlauf des Thrillers wurde das Buch immer stärker und spannender!

Montag, 13. Juni 2022

Offline [Hörbuch/Kurzrezension/Abgebrochen]

 

Quelle: Verlag

Wow, jetzt ist es schon verhältnisweise lange her, dass ich ein Buch abgebrochen habe. Und wie ihr wisst, treffe ich die Entscheidung, ein Buch abzubrechen, meistens nicht leichtfertig. Hier muss ich aber gestehen, dass ich über meinen Abbruch nicht lange nachgedacht habe und mich nichtmal davon verunsichern lies, dass ich schon fast die Buchmitte erreicht hatte. Dadurch, dass ich mich nicht mehr ganz zu Beginn des Buches befand, muss ich an dieser Stelle auch eine Spoilerwarnung aussprechen. Wenn ihr dieses Buch noch lesen oder (wie in meinem Fall hören) möchtet, dann solltet ihr jetzt an dieser Stelle zu einer anderen Rezension weiterklicken.

Ich wollte dieses Buch wirklich mögen. Meine Eltern haben es beide gelesen und sie haben es mir empfohlen. Und ich habe wirklich viel Gutes darüber gehört. Ich möchte also auch nicht ausschließen, dass ich es irgendwann nochmal mit diesem Thriller versuche. Allerdings nicht in Hörbuchform.

Der Grund für den Abbruch? Nun, gerade wenn ich Hörbücher höre, neige ich dazu, so richtig in der Geschichte zu versinken. Ich sehe dann das gruselige Hotel vor mir, rieche den See, über den die Figuren gerade mit einem Schiff, spüre den eiskalten Schneesturm... Und wenn die Figuren grausam gefoltert und von einem Psychopathen verstümmelt werden, spüre ich quasi ein Echo davon. Und desto länger eine solche Szene andauert und desto genauer das beschrieben wird, desto stärker wird dieses Echo. Und irgendwann schaltete ich dieses Hörbuch aus und löschte es von meinem Smartphone, weil ich keine Sekunde länger mehr zuhören konnte, ohne auszuflippen und irgendwas Dummes zu tun. Meine Kopfhörer und mein Handy aus dem fahrenden Zug zu werfen, nur um dieser Szene zu entkommen, zum Beispiel.

Ansonsten fand ich dieses Buch eigentlich gar nicht so schlecht. Das Setting und die Idee sind interessant, mit den Figuren bin ich noch nicht ganz warmgeworden, aber zumindest habe ich ihren Diskussionen gerne zugehört. Wie also oben schon erwähnt: Ich will nicht ausschließen, dass ich es irgendwann nochmal mit diesem Buch versuche. Nur jetzt gerade nicht.

Dienstag, 26. Oktober 2021

Blutkristalle [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich in meiner Bücherei ausgeliehen. Ich war auf der Suche nach Spannung und nach einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Vor dem Lesen hatte ich keine Ahnung, um was es geht. Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Nur den Autorennamen gesehen und darauf los gelesen. Dieser Thriller ist sehr kurz, nur so um die 60 Seiten lang. Perfekt für zwischendurch. Und da das ein Büchereibuch war, musste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob das Büchlein sein Geld wert ist.

In diesem Thriller wird eine besonders spannende Perspektive genutzt: Der Antagonist Wolfram erzählt. Er ist der Stalker von Ella, der es sich zum Ziel gemacht hat, ihren neuen Partner zu töten und sie davon zu "überzeugen", dass sie zu ihm gehört. Am besten, indem er spektakulär ihr Leben rettet. Und als er erfährt, dass sie mit ihrem neuen Liebhaber eine Wanderung in die Alpen plant, hält er das für die perfekte Gelegenheit, um seinen Plan umzusetzen. Und dass er alles tun wird, um den Plan durchzuziehen, daran habe ich keine Sekunde lang gezweifelt. Der Typ ist total durchgeknallt - leider nahm das meiner Meinung nach leider viel von der Spannung. Ich habe ihm sofort alles zugetraut, es gab für mich keine Hoffnungsmomente, dass er doch noch zur Vernunft kommen könnte.

Mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden. Da kamen bei mir einige Fragen auf, die nicht mehr geklärt werden konnten. Es wäre vielleicht gut gewesen, da noch ein paar mehr Informationen einzubauen oder die Geschichte von Anfang an aus zwei Perspektiven zu erzählen. Ja, dann wäre der Plottwist am Ende weniger spektakulär gewesen, aber dann hätte ich jetzt weniger offene Fragen. Und ich denke, dass auch diese zweite Perspektive sehr spannend gewesen wäre.

Aber alles in allem? Hat seinen Zweck erfüllt. Der Thriller konnte mich fesseln und unterhalten. Er hat einige kleinere Schwächen, die kann ich dem Buch aber verzeihen.

Montag, 6. September 2021

Cry Baby [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Gleich zu Beginn: Dieses Buch gehört zu der Sorte, bei der eine Triggerwarnung wirklich angebracht wäre. Ich konnte leider weder in der Beschreibung in der App, noch zu Beginn des Hörbuchs eine Warnung dazu finden und ja, ich habe dafür extra den Anfang nochmal angehört. Die Protagonistin Camille verletzt sich selbst, indem sie Wörter in ihre Haut schneidet und das wird auch detailreich beschrieben. Das empfand ich schon als belastend, obwohl ich bisher keine entsprechenden Probleme hatte. Solltet ihr also von selbstverletzendem Verhalten betroffen sein, dann lasst bitte die Finger von diesem Buch.

Camille ist eine Journalistin, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, nachdem dort zwei Mädchen ermordet wurden. Dort soll sie sich ein bisschen umhören und ein paar Artikel zu diesen Fällen schreiben. Dafür muss sie auch wieder bei ihrer Familie einziehen und natürlich kommen da alte Probleme wieder ans Licht. Ihre verstorbene Schwester zum Beispiel, oder das seltsam überbehütende Verhalten ihrer Mutter gegenüber ihrer noch lebendigen Halbschwester. Oder ihr verschwiegener Stiefvater. Die ganze Familie ist ziemlich zerrüttet und es war mir schnell klar, dass das ihren psychischen Problemen sicher nicht gut tut. Und ihre Ermittlungen macht das auch nicht einfacher... 

Vor dem Epilog war ich mit dem Ende eigentlich ganz zufrieden. Danach wirkte das auf mich nicht mehr ganz glaubwürdig. Da passiert dann nochmal etwas wichtiges, das ich nicht erwartet habe. Innerlich schrie ich die ganze Zeit: "Stopp! Jetzt aufhören! Du machst das kaputt!" Aber leider hört mich die Autorin nicht und selbst wenn, dann würde das nicht viel ändern, weil das Buch halt schon geschrieben wurde. Also ich empfehle euch, dass ihr das Buch vor dem Epilog beendet. Ernsthaft. Das ganze wäre ohne Epilog so viel besser!

An einigen Stellen war mir das Hörbuch fast zu extrem. Manchmal habe ich sogar überlegt, das Hörbuch abzubrechen. Das selbstverletzende Verhalten der Prota war für mich wirklich belastend und auch die anderen Figuren haben Macken, die zumindest ich nicht einfach mit einem Schulterzucken abtun konnte. Das schwirrte bei mir auch nach Ende noch ewig im Kopf rum.

Mein Fazit? Interessanter Plot und auch gut geschrieben/gesprochen. Allerdings war das Buch für mich an einigen Stellen zu viel.

Donnerstag, 2. September 2021

Broken House

 

Quelle: Verlag

Nach "Gone Girl" habe ich angekündigt, dass ich mehr Texte der Autorin lesen beziehungsweise hören möchte. Angefangen habe ich mit "Broken House". Dabei handelt es sich um einen eher kurzen Thriller. Einen Vormittag lang habe ich das Buch neben dem Kochen gehört, dann war ich durch. Ist also echt nur eine Lektüre für zwischendurch. 

Trotzdem oder vielleicht gerade auch deswegen ist dieses Hörbuch voll mit Spannung. Es geht hier um die junge Nerdy, die sich als Wahrsagerin und mit sexuellen Dienstleistungen durchschlägt. Vor allem als Wahrsagerin hat sie Erfolg. Sie erzählt jedem einfach genau das, was er oder sie hören will. Nerdy ist mit einer außergewöhnlich guten Menschenkenntnis gesegnet und weiß deswegen auch genau, was jemand gerade hören muss. Vielleicht ist sie auch zu gut in ihrem Job, denn die Leute kaufen ihr das ab! So auch Susan Burke. Sie ist davon überzeugt, dass in ihrem neuen Haus ein Geist lebt, der jetzt von ihrem Stiefsohn Besitz ergriffen hat und ihn unausstehlich macht. Und Nerdy soll sie von diesem Fluch befreien. Für Nerdy wirkt das erstmal wie leicht verdientes Geld. An Übernatürliches glaubt sie nicht, doch auch sie muss feststellen, dass in diesem Haus etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Etwas Böses ist in diesem Haus...

Besonders interessant an diesem Buch war meiner Meinung nach vor allem das Ende. Ich weiß, das hört sich jetzt irgendwie gemein an, ist aber gar nicht so gedacht. Ich stand danach erstmal ein paar Minuten einfach nur da und musste nachdenken. Denn es ist eigentlich nicht so ganz klar, wer denn da jetzt gut und wer böse ist. Ich weiß nicht, was genau da abgegangen ist. Wenn ihr mich jetzt nach der Auflösung fragen würdet, würde ich euch eine Tasse Tee anbieten und hoffen, dass ihr vergesst, dass ihr mich was gefragt habt, während ich den Tee koche. Normalerweise bin ich wirklich kein Fan von so einem Ende und ich bin mir auch hier nicht sicher, ob ich es mag. Ich fand es stimmig, ja, aber das bedeutet nicht zwingend, dass ich damit zufrieden sein muss.

Mein Fazit? Eine interessante und irgendwie auch witzige Grundidee, die über weite Teile gut umgesetzt wurde. Nur was das Ende angeht, bin ich irgendwie noch zwiegespalten.

Mittwoch, 28. Juli 2021

Gefährliche Angst

Autorin: Andrea Reinhardt
Erschienen am 27.7.2021
Im Kampenwand Verlag
ISBN: 9783947738212
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"Sie begeben sich in die neueste Forschung, um ihre Albträume loszuwerden. Doch sie wissen nicht, dass damit ihr größter Albtraum erst beginnt.
Ein perfider Plan, der aus Wut, Rache, Liebe und Verzweiflung entsteht, fordert viele Opfer.

Kommissar Marcel Schweißer und sein Partner Konrad Malter stehen vor einem großen Rätsel, als sie Leichen finden, die merkwürdig drapiert wurden. Was will der Täter mit dieser Inszenierung sagen?
Je näher Marcel Schweißer dem Rätsel kommt, desto mehr gerät er selbst in Gefahr."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Andrea Reinhardt - dieser Name sollte euch bekannt vorkommen. Ich habe ihn nämlich vor einigen Wochen schon mal auf diesem Blog erwähnt. Damals erreichte mich ein Paket mit einem gruseligen USB-Stick, auf dem entweder Computerviren waren oder eine Hörprobe zu ihrem neuesten Buch. Einige Tage später hatte ich dann das dazugehörige eBook in meinem Postfach. Und gestern ist dieses Buch endlich erschienen - das bedeutet, dass ich endlich darüber sprechen darf. Ihr wisst schon, Pressesperrfrist und so. Hier hatte ich zwar kein Datum im Kopf, aber es kann nie schaden, bis zum Erscheinungstermin damit zu warten, die Rezension online zu stellen.

Ich habe immer gerne Thriller gelesen, in den letzten paar Monaten aber dann nur noch wenige. Einfach, weil sie mich immer öfter zu langweilen begannen. In diesem Buch trug aber allein der Schreibstil schon dazu bei, dass mir nicht langweilig wurde. Der Thriller ist gut geschrieben und die Art, wie hier erzählt wird, trug dazu bei, dass mein Puls ständig auf 180 war.

Mit Marcel Schweißer, dem Protagonisten, wurde ich trotzdem nicht ganz warm. Vor allem später im Buch handelte er ein paarmal nicht so, wie ich als Leserin es mir gewünscht hätte. Ich konnte sein Verhalten nachvollziehen, ja, aber alles in mir sträubte sich dagegen, damit zufrieden zu sein. Im echten Leben würde man ihn wohl vom Fall abziehen, weil er zu befangen ist. Der Fall betrifft ihn schnell privat: Seine Freundin scheint darin verwickelt zu sein und auch dem Verlobten seiner Schwester begegnet Marcel immer wieder. Ist eine schwere Situation und man kann da kaum von ihm erwarten, dass er da den klassischen Ermittler spielt. Trotzdem hätte ich ihn manchmal gerne geschüttelt und ihm ordentlich meine Meinung gegeigt.

Ich war mir nach etwa hundert Seiten ziemlich sicher, dass ich genau weiß, welche Figur da jetzt wie mit den Morden zu tun hat. Für mich war das so logisch, dass ich damit rechnete, dass ich mich hier in dieser Rezension beschweren muss, wie vorhersehbar das Buch war. Lasst es mich so sagen: Hauptverantworliche:r für die Morde war nicht die Figur, die ich verdächtigt habe, sondern eine, bei der ich von selbst nie darauf gekommen wäre. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mit dieser Figur als Täter:in zufrieden bin. Das war unerwartet. Vielleicht kann ich es euch in ein paar Wochen sagen, jetzt aber noch nicht.

Mein Fazit? Ein sehr spannender Thriller mit kleineren Schwächen.

Freitag, 2. Juli 2021

Eine Aktion von Andrea Reinhardt

 Hey ihr Lieben!

Mich hat Post erreicht. Ich weiß, erst gestern habe ich meine Neuzugänge gepostet und hätte da dieses Paket gleich erwähnen können. Doch dann wäre der Post gestern viel zu lange geworden und dieser Aktion möchte ich eigentlich einen eigenen Post widmen. Also tue ich das auch.

Vor ein paar Monaten hat Andrea Reinhardt auf Instagram nach Kriminalreporter:innen für ihre neue Veröffentlichung gesucht. Ich fand die Idee spannend und habe mich deswegen spontan darauf beworben - und wurde angenommen. Vor ein paar Tagen lag dann ein auffällig unauffälliges Päckchen in meinem Briefkasten.

Quelle: Mira B.

Was sich wohl mein Briefträger bei diesem Anblick gedacht hat? Wahrscheinlich gar nicht so viel. Der weiß in der Zwischenzeit sicher schon, dass ich was mit Büchern zu tun habe. Ich wüsste nicht, wie er sich sonst die regelmäßigen buchförmigen Pakete erklärt, die er zu meinem Haus liefern muss. Aber egal. Natürlich musste ich das Paket sofort öffnen. Und auf dem nächsten Bild seht ihr, was drin war!

Quelle: Mira B.

Also: Ein Brief, auf dessen Rückseite eine Frau mit blutigem Gesicht zu sehen ist, eine sehr gruselige Karte mit der Aufschrift "Du! Darfst! Nicht! Träumen!" mit einem Mann im Hintergrund, der seine Augen mit Zahnstochern dazu zwingt, offen zu bleiben, die Visitenkarte der Autorin, ein Block und... ein USB-Stick.

Quelle: Mira B.

Dieser USB-Stick war für mich der gruseligste Teil des Pakets. Im Brief stand, dass sich darauf eine Hörprobe von Reinhardts neuem Thriller befindet. ABER: Was wenn nicht? Was, wenn darauf in wirklich Viren sind, die meinen Computer und alles, was sich darauf befindet, vernichten werden? Dann habe ich aber ein paar Instagramstorys der Autorin angesehen und festgestellt, dass sie wirklich sehr, sehr viele solche Pakete mit USB-Sticks verschickt hat. Einen Shitstorm in diesem Ausmaß, der auf eine so groß ausgelegte Virenattacke folgen würde, könnte sich kein:e Autor:in je leisten. Außerdem wäre es bei so einer Attacke sehr ungeschickt, eine Visitenkarte mit vollem Namen, Adresse und Telefonnummer beizulegen. Also bin ich das Risiko eingegangen und habe den USB-Stick eingesteckt...

Quelle: Mira B.

Tatsächlich! Eine Hörprobe. Also Kopfhörer auf und gleich reinhören! Die Hörprobe wirft dich gleich mitten rein ins Geschehen. Eine Frau wird von einem Mann verfolgt und von Anfang an ist klar, dass das ihr Mörder sein wird. Wir hören das Keuchen und Flehen der Frau, im Hintergrund zwitschern Vögel, eine Sprecherin berichtet erschreckend ruhig was gerade vor sich geht. Immer wieder wird eine einzelne Textzeile von "Purple Rain" abgespielt. Sofort folgte ich wie gebannt dem Geschehen und empfand es fast schon als persönlichen Angriff, als die Datei nach zehn Minuten zu spielen aufhörte. Ich meine: Hallo? Geht's noch? Liebe Autorin: Du kannst mir doch nicht diesen winzigen Häppchen zuwerfen und dann davon ausgehen, dass ich damit zufrieden bin! Ich muss wissen, was da als nächstes passiert!

Eine mega coole Aktion also. Ich freue mich auf dieses Buch und hoffe, dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis ich es lesen darf.

Mittwoch, 5. Mai 2021

Gone Girl. Das perfekte Opfer [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wow! Was zur Hölle habe ich mir da bitte angehört? Um "Gone Girl" bin ich seit meinem ersten Semester an der Uni herumgeschlichen. Da habe ich mir ein Buch zum Thema "Diversität in Büchern" ausgeliehen und "Gone Girl" wurde darin als positives Beispiel hervorgehoben. Konkret ging es in diesem einen Kapitel um die Frage, wie man einen Bösewicht schreiben kann, ohne alte Klischees zu bedienen. Es ging um mögliche Motive, um Psychopathen und um psychisch kranke Verbrecher und war eine spannende Lektüre. Ich weiß nicht mehr in welcher Hinsicht "Gone Girl" gelobt wurde, doch seitdem stand dieses Buch auf meiner inneren Leseliste.

Im Winter (ja, so lang ist das schon wieder her!) habe ich mir dann dieses Hörbuch für meine Spaziergänge ausgeliehen und was soll ich sagen? Ich war trotz dieser grauenhaften Kälte so lang unterwegs wie davor und danach lange nicht mehr. Ich musste einfach weitergehen und weiterhören. Flynn beherrscht ihr Fach einfach! Sie erzählt hier auf zwei Zeitebenen: Einmal aus der Sicht von Nick, dessen Frau plötzlich vermisst wird, und dann noch aus der Sicht von Amy, der verschwundenen Ehefrau. Nick erzählt über die Gegenwart, über die Polizeiermittlungen und darüber, warum er plötzlich selbst der Hauptverdächtige ist. Amy erzählt in Form von Tagebucheinträgen. Die reichen zurück bis zu dem Tag, an dem sie Nick zum ersten Mal getroffen hat. Und erzählen dann Stück für Stück von ihrem Leben und ihrer Beziehung, die sich langsam, aber sicher in eine Richtung zu entwickeln scheint, die sich wohl niemand wünscht. 

Durch die zwei Erzählebenen wusste ich sehr lange nicht, was denn hier eigentlich vorgeht. Das war gut gelöst, denn wenn man Amy und Nick so zuhört, würde man nicht glauben, dass sie über die gleiche Beziehung sprechen. Das war aufregend und ich hätte gerne noch zwei Wochen mit dieser Geschichte verbracht. Auch die beiden Sprecher sind gut gewählt, vor allem Amy wurde verdammt gut verkörpert. Ob diese Autorin wohl noch mehr Thriller gelesen hat? Ich werde es herausfinden - und wenn ja, dann muss ich die auch noch lesen oder hören.

Mein Fazit? Müsst ihr gelesen haben!

Montag, 5. April 2021

Broken Things. Alles nur kein Spiel

 Autorin: Lauren Oliver
Erschienen am 19.02.2021
In der dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 9783423740678
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Was damals tatsächlich im Wald geschah …

Vor fünf Jahren, mit gerade einmal 13, ermordeten Mia und Brynn ihre beste Freundin Summer. Zumindest dachten das alle, weil die Mädchen die Tat detailliert in einer Fan-Fiction zu ihrem Lieblingsbuch aufgeschrieben hatten. In Wirklichkeit war jedoch alles ganz anders: Mia und Brynn wurden fälschlicherweise verdächtigt und haben seit damals keinen Kontakt mehr. Doch jetzt zwingt ein erstaunlicher Fund sie dazu, gemeinsam der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Denn wie die Mädchen herausfinden, hatte Summer ein dunkles Geheimnis, und der wahre Täter ist weiterhin auf freiem Fuß …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich kann mich noch glasklar an "Delirium" erinnern. Das war das erste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und es war auch eine der ersten Dystopien, die ich in meinem Leben in die Hände bekommen habe. Ich muss damals wohl so um die zwölf oder dreizehn Jahre gewesen sein. Die Geschichte rund um diese verkorkste Zukunft hat mich tief beeindruckt. Daher war klar für mich, dass ich auch dieses Buch lesen musste.

Auch dieses Buch konnte mich wieder mit der Art beeindrucken, wie es Bilder in meinem Kopf erzeugte. Ich sah Brynn und Mia sofort vor mir! Vor allem von Brynn hatte ich sofort ein klares Bild vor Augen. Sie hat mich tief beeindruckt, denn bei ihr sind die Dinge immer anders als es scheint. Und dabei schafft sie es trotzdem immer jemand zu bleiben, den man gerne begleitet. Sympathisch würde ich sie gerade zu Beginn nicht nennen, aber das wird später besser. Mia ist da um einiges schüchterner. Sie ist eine total graue Maus und leidet unter der Vergangenheit und unter der Gegenwart.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: In der Gegenwart, fünf Jahre nach der Tat, und der Sommer, in dem die drei Freundinnen 13 Jahre alt waren. Gerade die Idee mit der Fanfiction fand ich toll. Hängt vielleicht damit zusammen, dass auch ich mit 13 Jahren mit viel Energie Fanfictions schrieb. (Um Fragen vorzubeugen: Es ging um Harry Potter und um das Shadow Falls Camp. Nein, die darf keiner von euch jemals lesen.) Keine Ahnung, wie ich reagiert hätte, wenn da eine plötzlich Realität geworden wäre. Wahrscheinlich eher so wie Brynn.

Spannend fand ich, dass hier wirklich nie etwas so ist, wie es scheint. Jede der Figuren hat Geheimnisse, egal ob Haupt- oder Nebencharakter. Das war spannend!

Der Schreibstil konnte mich wie damals bei "Delirium" total fesseln. Ich hoffe daher auch stark, dass ich bald wieder ein Buch der Autorin lesen kann.

Mein Fazit? Kann ich euch empfehlen, hat mir super gefallen!

Mittwoch, 10. März 2021

Homo Lupus

 Autor: Thomas Kiehl
Erschienen am 25.02.2021
Im Benevento Verlag
ISBN: 9783710901089
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie stoppt man die kriminellen Machenschaften eines gefährlichen Clans? Diese Frage bringt einen Beamten des Verfassungsschutzes eines Tages zu Lena Bondroit. Die Verhaltensbiologin erforscht, wie Wölfe miteinander kommunizieren. Kann ihr Wissen über die Rudel-Organisation der Wölfe dabei helfen, das Familiensystem von Clans zu verstehen?

Die Aufgabe ist denkbar heikel: Der Aziz-Clan plant einen Anschlag, der unbedingt verhindert werden muss. Im Vorfeld der Wahlen beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wovon Lena Bondroit nichts ahnt: Zur gleichen Zeit setzt ein antidemokratischer Männerbund alles daran, die Wahlen zu manipulieren. Die neue Partei »Die bürgerliche Mitte« um den Kanzlerkandidaten Jan Berger treibt ein dubioses Spiel.

Die Biologin gerät bald in ein Fadenkreuz aus Intrigen und skrupellosen Machtkämpfen. Kann sie gerettet werden, bevor das Pulverfass explodiert?"
Quelle: Verlag


Meine Meinung:
Wenn ein Autor oder eine Autorin nach Plottwists plötzlich geschockte Nachrichten von mir bekommt, dann ist klar, dass mich ein Buch beschäftigt. Hier war das der Fall. Also auf zur Rezension von Lena Bondroits zweitem Fall!

Ich habe mich gefreut, Lena hier wiederzusehen. Ich mochte sie schon in „Die Ameisenfrau“. Seit den Ereignissen von Teil 1 sind hier aber einige Jahre vergangen. Wie viele genau weiß ich nicht. Klar ist aber, dass dieses Buch in der nahen Zukunft spielt. Nach dem Ende der Coronapandemie, um genau zu sein. Alles ist wieder normal und die Pandemie wird nur noch im während Wahlkämpfen erwähnt. Und die nächste Wahl steht schon in wenigen Tagen an. Der Autor erzählt in diesem Buch auch aus der Perspektive einer polarisierenden Partei, deren Hauptthema die Gefahr eines Börsencrash ist und die dem Kanzler gern mehr Macht verleihen würde. Diese Partei und ihre Mitglieder waren mir sofort unsympathisch. Gäbe es die in der echten Welt, würde ich auf meinem Blog passiv-aggressive Seitenhiebe gegen sie verstecken.

Noch etwas hat sich seit Band Eins verändert: Lena ist Mutter geworden und erforscht keine Ameisen mehr. Ich weiß: Schock! Immerhin haben wir sie als Ameisenfrau kennengelernt - und nun ist sie eine Wolfsfrau. Der Fokus ist aber weiter der gleiche: Lena ist und bleibt eine Verhaltensforscherin. Bei den Ameisen ging es um Staaten, nun um Familienstrukturen. Und wieder könnten ihre Forschungen aktuelle Ermittlungen weiterbringen. Denn da gibt es einen Clan, der einen Anschlag kurz vor der Wahl plant...

Für mich war auch Teil 2 der Reihe rund um Lena Bondroit ein klares Lesehighlight. Und ich bin gespannt, welche Tiere sie im nächsten Buch erforscht - falls der Autor ein weiteres Buch plant.

Lobenswert finde ich, dass der Autor am Ende des Buches darüber aufklärt, was wissenschaftlich belegt ist und was nicht. Da könnten sich andere AutorInnen eine große Scheibe davon abschneiden.

Mein Fazit? Klare Leseempfehlung!

Mittwoch, 24. Februar 2021

Cold Case - Das gezeichnete Opfer

Autorin: Tina Frennstedt
Erschienen am 29.01.2021
Im Lübbe Verlag
ISBN: 9783785726976
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Nebel liegt über Südschweden, als bei einem Leuchtturm eine der provokantesten Künstlerinnen des Landes tot aufgefunden wird. An ihrer Leiche finden sich Spuren einer einzigartigen Sorte Lehm, der einen COLD CASE wieder in den Fokus rückt: Vor 15 Jahren wurde der junge Pianist Max Lund auf brutale Weise ermordet. Am Opfer fand man damals das gleiche Material. Tess Hjalmarsson ermittelt unter Hochdruck. Sie muss die Verbindung zwischen den Opfern finden, um einen nächsten Mord zu verhindern ...

Tess Hjalmarsson ermittelt in einem neuen COLD CASE. Spannung pur!"
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:

Ich hab mir mal überlegt, Chemie zu studieren, weil wir uns damals mit der Schule einen Vortrag über Cold Case-Ermittler angehört haben. Klein-Mira war begeistert von der Möglichkeit, uralte Verbrechen aufklären zu können, nur durch einen winzigen Speicheltropfen. Dann ist mir aber eingefallen, dass ich weder Biologie noch Chemie wirklich spannend fand - das Studium hätte ich nicht durchgestanden. Und trotzdem fange ich noch heute zu sabbern an, wenn jemand ein Buch über Cold Cases ankündigt. Auch hier war ich gespannt, wie das Thema bearbeitet wird.

Dieses Buch ist der zweite Teil einer Reihe, den ersten Band kenne ich nicht. Das war nicht notwendig, ich kam auch so gut mit.

Tess ist die Protagonistin. Sie ist 40 Jahre alt, ermittelt in der Abteilung für Cold Cases und ist frisch getrennt. Ein paar Monate ist das her und Tess leidet darunter. Sie hat zum Beispiel Angst, ihre Exfreundin zufällig zu treffen, weil es alte Wunden aufreißt, wenn sie ihr Glück sieht. Sie geht auf halbherzige Dates, lässt aber die Chance auf eine neue Beziehung verstreichen. Und sie möchte ihren Kinderwunsch mittels künstlicher Befruchtung erfüllen – ist sich aber selbst nicht sicher, ob sie das wirklich will. Ihr merkt: Tess geht es nicht so toll. Trotzdem fand ich es spannend, sie zu begleiten. Normalerweise nervt es mich, wenn in einem Thriller zu viel Zeug aus dem Privatleben angesprochen wird - hier war das aber gut gemacht und deswegen nicht störend.

Schade fand ich, dass am Ende alles dann recht schnell abgehandelt wurde. Ich glaube, dass man das noch etwas hätte ausbauen können. So war die Spannung leider schnell wieder vorbei.

Insgesamt würde ich sagen, dass dieses Buch mit einer spannenden Protagonistin und starken Figuren punkten kann, aber nicht mit typischen Thrillerelementen. Ja, da sind Leichen, Verdächtige und Polizeiarbeit, das ist aber eher im Hintergrund. Für mich war das okay - doch wer einen typischen Thriller lesen will, wird hier wohl nicht fündig.

Samstag, 20. Februar 2021

Der Spiegelmann

 Autor: Lars Kepler
Erschienen am 27.11.2020
Im Lübbe Verlag
ISBN: 9783785727041
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Mira B.

Klappentext:
"Eine Schülerin verschwindet auf dem Heimweg spurlos. Jahre später wird sie auf einem Spielplatz mitten in Stockholm ermordet aufgefunden. Das Mädchen wurde an einem Klettergerüst qualvoll gehängt. Eine Hinrichtung. Eine Machtdemonstration. Kommissar Joona Linna ist von der Kaltblütigkeit des Täters alarmiert und ermittelt unter Hochdruck.
Das Mädchen ist wahrscheinlich nicht das einzige Opfer. Als es gelingt, einen Mann aufzuspüren, der den Mord gesehen haben muss, ist der Zeuge nicht in der Lage, darüber zu sprechen. So traumatisch sind offenbar seine Erinnerungen. Jonna Linna bittet Erik Maria Bark, den Hypnotiseur, um Hilfe ...

Hohes Tempo und nervenaufreibende Spannung von der ersten bis zur letzten Seite!

Der Spiegelmann war DER Jahresbestseller in Schweden 2020!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Über Lars Kepler habe ich schon viel gehört, habe vor diesem aber keines der Bücher des Autorenduos gelesen. Laut dem Verlag kann man dieses Buch unabhängig von den vorhergehenden Teilen lesen. Und das stimmte auch. Ich kam gut mit, auch wenn ich natürlich trotzdem immer wieder das Gefühl bekam, als wäre da eine Anspielung auf einen früheren Fall. Gerade die Beziehung des Kommissars Joona Linna zu seiner Tochter scheint wohl ein Thema zu sein, das schon in den vorhergehenden Teilen wichtig war. 

[Spoiler]

Die Figuren und die Geschichte waren spannend und über weite Teile glaubwürdig. Nur mit einer Figur hatte ich ein großes Problem: dem Täter. Hier wurde das billige Klischee des geisteskranken Mörders mit multiplen Persönlichkeiten aufgegriffen. Gähn! Was Besseres fällt euch nicht ein? Bitte recherchiert über Krankheiten, bevor ihr sie in euer Buch einbaut. Menschen mit einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung (wie das in der Medizin genannt wird) sind in den allermeisten Fällen keine Massenmörder. Liebe AutorInnen, recycelt nicht einfach das, was schon hunderte vor euch geschrieben haben. Vor allem dann nicht, wenn selbst mit diesem Klischee offene Fragen zurückbleiben. Warum ist es zum Beispiel niemandem aufgefallen, dass diese Person ein sehr aufwendiges Doppelleben führt? Das hätte man wohl besser lösen können.

[Spoiler Ende]

Falls ihr überlegt, dieses Buch zu lesen, muss ich euch warnen: Es ist sehr brutal. Oft an der Grenze von dem, was ich aushalte. Auch eine hässliche Vergewaltigungsszene war dabei. Vielleicht wäre da eine gut sichtbare Triggerwarnung angebracht? Ich konnte zumindest keine finden.

Aufgefallen sind mir auch einige Fehler. Ich habe einige Anführungszeichen vermisst und auf ein paar Seiten sah es so aus, als wäre die Druckertinte ausgegangen. Ich hoffe, dass das nur bei mir der Fall ist und nicht auch bei den Büchern, die jetzt verkauft werden.

Mein Fazit? Eine interessante Lektüre für Zwischendurch, aber mehr nicht.

Sonntag, 14. Februar 2021

Hexenjäger

 Autor: Max Seeck
Erschienen am 21.12.2020
Im Bastei Lübbe Verlag
ISBN: 9783785727126
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Mira B.

Klappentext:
"Der Mörder geht nach einem perfiden Plan vor: Detailgetreu stellt er die Morde einer Bestseller-Trilogie nach. Und die sind äußerst brutal und erinnern an mittelalterliche Foltermethoden. Die Opfer - allesamt Frauen. Ist ein Fan der Trilogie durchgedreht? Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team ermitteln unter Hochdruck, doch der Mörder ist ihnen immer einen Schritt voraus. Die Ermittler tappen im Dunkeln, bis ihnen klar wird, dass die Opfer Jessica Niemi erschreckend ähnlich sehen ..."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Heute habe ich wieder einen Krimi für euch. Und zwar den "Hexenjäger" von Max Seeck. Dieses Buch hat mich zusammen mit Zimtsternen und einer ziemlich coolen Tasse erreicht. Die Tasse finde ich ein absolut großartiges Goodie, Essen in Buchpaketen halte ich nie für ganz ideal. Immerhin haben die meisten Menschen irgendwelche Unverträglichkeiten oder Allergien oder ernähren sich auf eine spezielle Art und Weise. Da dann was einzupacken, das für alle passt, ist wirklich schwierig. Natürlich trotzdem eine nette Geste und die Kekse machen sich auch gut auf dem Foto! Trotzdem dachte ich mir, dass ich das mal anspreche.

Im Großen und Ganzen muss ich leider sagen, dass ich nicht zu begeistert von diesem Thriller bin. Die ersten hundert Seiten waren wirklich spannend, das kann ich nicht abstreiten. Diese komplett irren Morde, die die Bestseller-Trilogie nachahmen. Der verzweifelte Autor, der keine Ahnung hat, was hier vorgeht. Großartige Idee! Vor allem die Idee, dass ein Buch mit dem gleichen Titel eine tragende Rolle spielt, lässt mein Leserherz höher schlagen. 
Doch schon bald tauchten erste Probleme auf. Allen voran die Kapitel, die aus Jessicas Vergangenheit erzählen, von dieser Liebesaffäre in Venedig. Die wäre doch nicht notwendig gewesen, oder?
Und dann auch noch die Tatsache, dass Jessica so unglaublich versessen darauf war, ein düsteres Geheimnis zu haben. Mein Gott! Dann hat sie halt viel Geld geerbt und deshalb eine große Wohnung, wen ihrer KollegInnen würde das wirklich interessieren? Und wer ihrer KollegInnen hätte ein Problem mit Jessicas Kindheit beziehungsweise mit ihren Eltern gehabt? Das ist ein Niveau wie aus dem Kindergarten, das sie da ihren KollegInnen unterstellt.

[Spoiler]
Das Ende passte für mich überhaupt nicht zum restlichen Buch. Was sollte das bitte? Diese komische Gruppierung wirkte total fehl am Platz und die Verbindung zu der Ermittlerin Jessica war für mich nicht glaubwürdig. Alles wurde immer abgedrehter, bis ich diesen Thriller einfach nicht mehr ernst nehmen konnte.

Zum Schluss noch eine medizinische Anmerkung: Eine Schizophrenie ist nicht das Gleiche wie eine multiple Persönlichkeitsstörung. Das wurde hier zwar nur am Rande einmal kurz erwähnt, aber trotzdem. Das ist einfach nicht das gleiche und ich finde es bedenklich, dass AutorInnen sich immer noch an diesem falschen Stereotyp bedienen. 

Mein Fazit? Leider nicht ganz meines. Das Buch begann zwar sehr spannend, wurde aber gegen Ende hin immer abgedrehter. 

Montag, 8. Februar 2021

Totenfrau [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Seit Jahren wollen meine Mitmenschen, dass ich dieses Buch lese. Meine Eltern, die große Fans des Autoren sind, meine Studienkolleginnen und zuletzt meine Nachbarin. Sie hat mir den ersten Band der Reihe geliehen, den Rest haben meine Eltern selbst im Regal stehen.

Ich weiß noch genau, wie meine Mutter dieses Buch zum ersten Mal gelesen hat. Da war ich fünfzehn, es war ein sehr heißer Sommer, wir verbrachten ein paar Tage bei meiner Großmutter in Oberösterreich und durften uns ausnahmsweise Bücher aus der Dorfbücherei mitnehmen - obwohl wir keinen Ausweis hatten. Meine Mutter holte sich die "Totenfrau" und war schon von den ersten Seiten schockiert! "Die hat ihre Eltern getötet!", erklärte sie mir. Die war total baff! Die nächsten Tage legte sie dieses Buch nicht mehr aus der Hand.

Ich fand die "Totenfrau" ebenfalls spannend. Es geht um die Bestatterin Brünhilde Blum (sehr schöne Alliteration!). Ihr Mann starb bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Doch war das wirklich nur Pech? Mit dieser Erklärung kann und will Blum sich nicht zufriedengeben. Deswegen beginnt sie nachzuforschen - und aufzuräumen. Blum wirkte auf mich kalt, berechnend und distanziert. Das war zu Beginn gewöhnungsbedürftig, später fand ich das aber passend.

Auch mit dem Schreibstil musste ich erst warm werden. Der ist recht abgehackt. Die meisten Sätze sind sehr kurz, was auf mich rastlos wirkte und gut zu Blum passt. Nicht gewöhnen konnte ich mich an die Dialoge. Das wirkte auf mich wie in ein Theaterskript ohne Regieanweisungen und ohne Angabe des Sprechers. Oft war das kein Problem, manchmal kam ich aber doch ins Straucheln.

Sehr cool fand ich, dass diese Geschichte in Tirol spielt. Es hat mir gefallen, dass ich die Orte der Handlung kannte. Ich wohne selbst in Tirol und gerade in Innsbruck habe ich in den letzten Jahren viel Zeit verbracht. Sobald der Autor einen Ort nannte, hatte ich sofort ein Bild im Kopf.

Mein Fazit? Ich habe gebraucht, um in das Buch hineinzufinden - danach fand ich es spannend.

Dienstag, 2. Februar 2021

Eisenkind

Autor: Arne M. Boehler
Erschienen am 1.2.2021
Im Selbstverlag
ISBN: 9783753147864
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren: 
"Arne M. Boehler wurde in Kempten im Allgäu geboren und wuchs dort in der schwäbischen Provinz auch auf. Nach dem Abitur war die Sache für ihn sonnenklar: Er würde als Frontmann seiner Heavy-Metal-Band zum Rockstar werden, ohne Wenn und Aber. Klappte nicht sofort. Er arbeitete als Pfleger, auf dem Bau, als Lichttechniker, als Tour-Manager einer Punkrock-Band. Neben den blutrünstigen Texten für seine Songs versuchte er sich an ersten Märchen und Erzählungen, die - zum Vorteil für alle Beteiligten - nie das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Die Metal-Band war erfolgreicher als die ersten Geschichten, aber nur unwesentlich. Er studierte Anglistik und Geographie und arbeitet als Lehrer.

 Arne M. Boehler lebt noch immer im Allgäu. Er schreibt derzeit an seinem dritten Roman."
Quelle: Verlag


Klappentext:
"Emil Thälmann war der Frontmann der umstrittenen, aber sehr erfolgreichen Rockband EISENKIND. Er hat seine satanischen Bühnenshows hinter sich gelassen und sich ins Privatleben zurückgezogen. Als ein zwielichtiger Fan bei ihm auftaucht und ihn zu einem Comeback bewegen will, weist Thälmann ihm die Tür. Dann geschieht ein Mord, der auffallend an die blutigen Taten eines nie geschnappten Serienkillers erinnert.
Mit ungeahnter Wucht holt den Sänger seine düstere Vergangenheit wieder ein ..."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Als mich der Autor gefragt hat, ob ich auch sein drittes Buch lesen möchte, war ich zu gleichen Teilen begeistert und besorgt. Immerhin ist das das dritte Buch in drei Jahren - wenn jemand so schnell schreibt, ist da immer auch ein Restrisiko mit dabei, dass ein Autor Fehler übersieht und schlampig arbeitet. Nun, ich kann euch beruhigen (und den Autoren auch, der nach diesem Einstieg sicher schon auf Nadeln sitzt): Dieses Buch ist das bisher beste des Autoren. Ich bin begeistert!

In diesem Buch geht es um Thälmann, der vor einigen Jahren Frontmann der Rockband Eisenkind war. Das war in seiner offensichtlich sehr wilden Jugend. Drogen, hübsche Frauen, eine Welttournee... Da war alles mit dabei. Doch das ist lang vorbei. In der Zwischenzeit ist Thälmann Vater eines Sohnes und hat eine Stiftung gegründet. Er führt ein ruhiges Leben und so soll das auch bleiben, wenn es nach ihm geht. Doch dann meldet sich ein Milliardär für ihn und will ihn zu einem Comeback bewegen. Thälmann hat darauf erstmal gar keine Lust. Immerhin ist er mit den anderen Bandmitgliedern zerstritten und sein Sohn liegt im Moment im Krankenhaus. Doch dann lässt der Milliardär durchscheinen, dass er etwas mit dem Unfall zu tun haben könnte, in den Thälmanns Sohn verwickelt war... 
Thälmann fand ich sehr sympathisch. Ich konnte mich richtig gut in ihn einfühlen und seine Verwirrung nachspüren, die sich langsam aber sicher in Panik verwandelte. Thälmann hat nämlich ein düsteres Geheimnis und durch das Konzert könnte das nach all den Jahren doch noch ans Licht kommen,...
Mega spannend, soviel kann ich euch sagen. Allein schon der Prolog wirft etwa eine Millionen offene Fragen auf, dann dieses schräge Angebot, der Mord und die Ermittlungsarbeit der Polizei, die parallel zur "Haupthandlung" beschrieben wird. Einfach super!
Es gibt nur einen einzigen inhaltlichen Makel, den ich bemängeln möchte: Den Erfolg der Band. An vielen Stellen wirkte der auf mich etwas überspitzt. Plattenverkäufe, die mit denen von richtig großen Popstars mithalten können, ein Konzert, das schneller ausverkauft war als jedes andere zuvor... Uff, ich weiß ja nicht. Ich habe mir das dann so erklärt, dass da einfach die Bandmitglieder etwas übertreiben und werde das demnach auch eher ihnen anhängen als dem Autoren.

Auch der Schreibstil hat sich seit dem letzten Buch weiter verbessert. Es ist wirklich schön, wenn man sowas bei einem Autoren beobachten kann. Man merkt wirklich, wie sehr der Autor an sich gearbeitet hat!

Mein Fazit? Ein wirklich gut gelungener Thriller, mit winzigen Schwächen, über die ich aber beim Lesen gerne hinweggesehen habe.