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Montag, 5. August 2024

Tod im Chiemgau

 Autor: Mathias Lehmann
Erschienen am 25.4.2024
Im Emons Verlag
ISBN: 9783740820343
Rezensionsexemplar: Ja
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Ein packender Kriminalroman voller Intrigen und Rätsel:

Zehn Jahre ist es her, dass Hans, der beste Freund von Bergführer Toni Hauser, beim Sturz in eine Schlucht tödlich verunglückte. Damals hat Toni seinen Heimatort Reit im Winkl verlassen, nun kehrt er zurück. Doch die Vergangenheit ruht nicht, im Gegenteil: Jemand scheint Toni nach dem Leben zu trachten. Er überlebt nur knapp einen Mordanschlag. Mit Hilfe von Kommissarin Roxana Mayrhofer versucht Toni, die Fäden zu entwirren und die Frage zu beantworten, die ihn seit Jahren umtreibt: War Hans’ Tod wirklich ein Unfall, oder sollte damals womöglich er selbst sterben?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Mathias Lehmann kennt ihr lieben Leser:innen bereits von anderen Rezensionen. Oder auch nicht: Denn seine Bücher "Rote Tränen" und "Flucht" sind unter seinem Pseudonym Mike Landin erschienen. Sein neuester Krimi ist nun aber unter seinem Klarnamen erschienen - sollten euch also die anderen beiden Bücher gefallen haben, dann ist diese Änderung vielleicht eine wichtige Info für euch!

Wie auch schon im Krimi "Rote Tränen" handelt es sich auch hier um einen Regionalkrimi: Diesmal finden wir uns in Reit im Winkl wieder. Ein Ort, der gerade zu Beginn nicht unbedingt positiv dasteht. Naja, eigentlich sind es die Einwohner:innen - und vor allem der Bürgermeister und seine Anhänger. Aber Menschen können einen Ort unerträglich machen, ich glaube das können wir alle aus eigenen Erfahrungen bestätigen. Auch wenn die meisten von uns wohl hoffentlich keine Geschichte wie Toni Hauser zu erzählen haben: Sein bester Freund starb vor zehn Jahren und bis heute macht er sich Vorwürfe deswegen. Aber nicht nur er selbst: Auch scheinbar alle anderen. Deswegen hat er damals die Stadt auch verlassen und ist seitdem nicht mehr zurückgegangen. Doch nun ist sein Vater gestorben und zumindest bis zum Begräbnis muss er es jetzt aushalten. Aber schon bald stellt sich die Frage: Wird er überhaupt so lange überleben?

Ich hatte zu Beginn kleinere Probleme damit, in diesen Roman rein zu finden. Gerade am Anfang wirkte Toni auf mich recht abweisend, was später durch seine Hintergrundgeschichte auch nachvollziehbar wurde. Als jemand, der aber gerne mit Protagonist:innen mitfühlt, war das aber eine schwierige Situation. Später wurde das dann einfacher, denn öffnet sich Toni gegenüber seiner Umgebung ein bisschen. Er ist zwar auch dann trotzdem nicht der Sonnenschein in Person, aber er wurde langsam immer interessanter.

Was mich gefreut hat, war, wie gut es der Autor geschafft hat, mich auf die falsche Fährte zu locken. Ich war mir sicher, dass ich weiß, wer der Mörder oder die Mörderin ist. Die Person machte für mich einfach Sinn. Verdammt, da gab es sogar ein richtig gutes Motiv! Und dann? Nope, Mira ist komplett der falschen Spur nachgejagt und hat mal wieder gezeigt, dass es wohl ganz gut ist, dass sie eine Karriere bei der Polizei nie in Betracht gezogen hat. Die Person, die dann tatsächlich für die Morde verantwortlich war, hatte ich auch schon kurz verdächtigt - dann aber schulterzuckend wieder abgetan und den Verdachtsmoment darauf geschoben, dass ich in diesem Moment gerade wirklich alle verdächtigt habe.

Besonders viel Spaß mit diesem Buch dürften wohl Leute haben, die selbst gerne Zeit in den Bergen verbringen und die Gegend vielleicht sogar selbst kennen. Im Gedächtnis geblieben sind mir vor allem auch meine inneren Bilder von der Berglandschaft und von verschiedenen Wander- und Kletterwegen. Das ist dann für leidenschaftliche Bergsteiger:innen wahrscheinlich nochmal schöner als für mich.

Mein Fazit? Ein spannender Krimi, den ich vor allem ab der zweiten Hälfte gerne gelesen habe!

Freitag, 14. Oktober 2022

Meine Schwester die Serienmörderin [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, habe ich zwei jüngere Geschwister. Gerade bei meiner jüngeren Schwester, dem Nesthäkchen der Familie, habe ich im Laufe der Zeit auch einen starken Beschützerinstinkt entwickelt. Doch wie weit würde ich gehen, um meine Geschwister zu beschützen? Diese Frage hat sich beim Anhören dieses Hörbuchs immer wieder in den Vordergrund meiner Gedanken gedrängt. Würde ich meinen Geschwistern dabei helfen, ein Verbrechen zu verstecken? Vielleicht sogar einen Mord? Würde ich die Polizei anlügen, um meine Geschwister vor dem Gefängnis zu bewahren? Ihnen ein falsches Alibi geben? Oder vielleicht sogar dabei helfen, die Leiche zu entsorgen? Die Antwort darauf ist für mich ein ganz klares: Ich hab keine Ahnung. Ich kann es euch nicht sagen. Was ich aber sagen kann: Ich konnte gerade zu Beginn des Buchs total mit Korede mitfühlen und ihre Gedankengänge gut nachvollziehen.

Korede ist die ältere Schwester und erzählt dieses Buch. Ayoola ist die jüngere und war immer der Liebling ihrer Eltern. Sie ist unglaublich schön, flirtet gerne und wird von ihrer Umwelt quasi als perfekt wahrgenommen. Und auch Korede liebt ihre Schwester. Doch eine Angewohnheit Ayoolas ist eher unangenehm: Ayoola hat die nervige Angewohnheit, Männer umzubringen, die mit ihr eine Beziehung eingehen. Als dieses Buch beginnt, musste gerade Mann Nummer drei sein Leben lassen. Damit ist Ayoola eine Serienmörderin - und Korede ihre Komplizin, die ihr dabei hilft, alle Beweise zu vernichten. Bei ihrem ersten Mord war Korede sich noch sicher, dass ihre Schwester sich nur verteidigt hat. Doch jetzt, bei Mann drei, glaubt sie das nicht mehr so ganz. Aber was soll sie tun? Ihre Schwester ausliefern - und so gleichzeitig ihre eigene Zukunft ruinieren? Doch dann beginnt Tade, ein Arzt, Interesse an Ayoola zu zeigen und sie auch an ihm. Und damit wird Koredes Überzeugung, ihre Schwester schützen zu wollen, auf eine harte Probe gestellt. Sie selbst ist nämlich schon seit Jahren in Tade verliebt. Und sie weiß: Wenn sie Ayoola einfach gewähren lässt, ist auch Tade bald tot.

Dieses Buch war ernster, als ich es von Klappentext und der Werbung zum Buch erwartet hätte. Klar gab es trotzdem einige lustige Szenen, die waren aber seltener als erwartet. Das hat mich persönlich nicht gestört, aber ich kann die Menschen verstehen, die enttäuscht sind, dass dieser Roman doch eher Thriller als ernst ist.

Wie ihr schon im Titel sehen könnt, habe ich das Hörbuch gehört. Die Sprecherin hat hier einen fantastischen Job gemacht. Sie als Korede war einfach glaubwürdig und es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Ich habe dieses Hörbuch unglaublich schnell durchgehört und mich dafür verflucht, dass ich mir nicht mehr Zeit lasse. Und dann hab ich das Hörbuch auch noch auf die doppelte Geschwindigkeit geschalten, da ich unbedingt wissen musste, wie das alles ausgeht und was hinter Ayoolas Verhalten steckt.

Ein zusätzlich Pluspunkt ist, dass wir dieses Buch im Buchclub diskutiert haben. Das hat mir wie immer viel Spaß gemacht. Und wie immer war ich überrascht, wie unterschiedlich unsere Meinungen zu diesem Buch waren. Ich hab damals dem Buch vier bis fünf Sterne vergeben, jetzt tendiere ich doch eher zu fünf, aber es waren auch Leute dabei, die mit diesem Roman weniger anfangen konnten.

Mein Fazit? Mir hat dieses Buch viel Spaß gemacht und ich freue mich darauf, in Zukunft mehr Bücher von der Autorin lesen zu können.

Sonntag, 31. Juli 2022

Monster auf der Couch

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist einfach großartig gestaltet. Da gibt es mehr Details zu entdecken, als ich es mir erwartet habe, und ich hatte große Freude mit der Lektüre. Es gibt hier zum Beispiel Skizzen, die die Psychologin von ihren Klient:innen angefertigt hat, Gesprächsprotokolle, die durch handschriftliche Notizen ergänzt wurden (natürlich aufgedruckte und keine tatsächliche Handschrift, aber es schaut trotzdem cool aus!), Briefe und Tagebucheinträge. Dieses Buch zu lesen fühlte sich an, als würde ich selbst Ermittlungen anstellen, was mit der Psychologin denn eigentlich passiert ist.

Das ist die Ausgangssituation dieses Buchs: Eine Psychologin ist spurlos verschwunden und ihre Lebensgefährtin ist außer sich vor Sorge. Deswegen schickt sie alle Notizen ihrer Partnerin an die Polizei, in der Hoffnung, dass die was damit anfangen können. Die Ermittlungsarbeit müssen wir Leser:innen dabei selbst betreiben. Wir müssen selbst rausfinden, was mit der Psychologin passiert ist, indem wir ihre Notizen durchgehen und so tief in ihren Arbeitsalltag eintauchen. Ich fand das spannend, verstehe aber die Leute, die enttäuscht waren, weil sie sich einen klassischen Krimi erwartet hätten. Denn so einen bekommt ihr hier nicht.

Auch der Stil hat mich positiv überrascht. Die Texte waren zu gleichen Teilen witzig und nachdenklich. Viele der literarischen Figuren, die hier "auf der Couch" landen, kannte ich schon vor diesem Roman. Durch diese Lektüre habe ich aber auf jeden Fall einen neuen Blick auf sie erhalten, was für mich spannend war. Und gegen Ende gab es dann sogar noch Elemente, die auf mich fast wie auf einen Psychothriller wirkten. Dort wird dann nämlich etwas enthüllt, was meinen Blick auf alle vorhergehenden Texte veränderte und in mir den Wunsch weckte, das gesamte Buch sofort nochmal zu lesen.

Mein Fazit? Super spannende Mischung aus Krimi und Fantasyroman mit vielen intertextuellen Anspielungen!

Dienstag, 19. Juli 2022

Weißer Flieder [Abgebrochen]

 Autorin: Cecilia Sahlström
Erschienen am 26.05.2022
Im Saga Egmont Verlag
ISBN: 9783869749563
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der Sommer naht in der südschwedischen Universitätsstadt Lund, und für die vielen Studenten stehen die Semesterferien vor der Tür. Doch während die skandinavischen Abende endlich wieder länger werden, legt sich ein Schatten über Lund. Im Stadtpark wird ein Mädchen schwerverletzt aufgefunden. Nicht weit von dort wird ein junger Mann bewusstlos geschlagen. Beide Opfer halten weißen Flieder in den Händen. Polizeikommissarin Sara Vallén wird mit dem Fall beauftragt und gleich wieder abkommandiert, als sich herausstellt, dass ihr eigener Sohn der Hauptverdächtige ist. Um ihn zu retten, beginnt Sara ihre eigenen Ermittlungen."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Was mich an diesem Buch vor allem interessiert hat, war die Tatsache, dass der Sohn der Kommissarin zum Hauptverdächtigen wird. Ich hätte da mit handfesten Beweisen gegen ihn gerechnet und mit richtig viel Emotionen. Wenn eines meiner Familienmitglieder plötzlich des Mordes verdächtigt wird, würde ich wohl auch alles tun, um das Gegenteil zu beweisen. Und gleichzeitig würde ich wohl langsam aber sich dem Wahnsinn verfallen, weil ich nicht wüsste, wie ich damit umgehen soll, falls sich der Verdacht gegen mein Familienmitglied erhärtet und er oder sie tatsächlich einen Mord begangen hat. Und ich war sehr gespannt darauf, zu lesen, wie dieser innere Konflikt, der ja bei jemandem von der Polizei enorm sein muss, dargestellt wird. Kleiner Spoiler: Leider so gut wie gar nicht. Dass die Verhaftung eine Fehlentscheidung und der Verdacht falsch ist, war mir als Leserin von Seite eins klar. Und Hauptfigur Sara auch, wenn ich bedenke, wie wenig Emotion wir von ihrer Seite mitbekommen. Klar, der ein oder andere emotionale Zusammenbruch wird beschrieben. Aber die restliche Zeit hatte ich nicht wirklich das Gefühl als würde sie die Tatsache, dass ihr Sohn gerade im Gefängnis sitzt, irgendwie belasten. Das fand ich schade. Ich wollte das Buch doch genau wegen diesen Gefühlen lesen! Genau diese Ausgangslage fand ich spannend. Schade, dass das dann so schnell und fast schon lieblos abgehandelt wurde.

Ein Problem hatte ich auch mit der Truppe, die uns da als Ermittlungsteam vorgestellt wird. Tut mir leid, aber die sind doch alle inkompetent. Vor allem gegenüber einer der Figuren bekam ich irgendwann Aggressionen. Wenn die Autorin versucht hat, hier eine Hassfigur zu schaffen, dass ist ihr das gelungen. Aber leider auch nicht ganz, da ich sie gleichzeitig für jede Sekunde verflucht habe, die ich mit diesem Typen konfrontiert war. Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle schreiben, dass es irgendeine Figur im Team gab, die für mich ausgleichend wirkte und vielleicht sogar sympathisch. Leider war dem nicht so. Ich halte sie für inkompetent, teilweise auch für dumm. Und ein Krimi mit unfähigen Ermittler:innen kann Spaß machen, wenn das gut umgesetzt wird. Hier machte es mir aber keinen Spaß. Die ständigen Ermittlungsfehler, die hier passierten, waren auch einer der Gründe, warum ich dieses Buch abgebrochen habe.

Der zweite Grund für meinen Abbruch war, dass ich ab Seite 160 selbst Ermittlungsarbeit leisten musste. Auch das kann Spaß machen, nämlich wenn ich so einen "Choose-your-own-Story"-Krimi lese, wie ich sie als Kind gerne mochte. Das hier ist aber kein solcher Krimi. Trotzdem sind hier Seiten durcheinandergeraten. Ich durfte mich auf die Suche nach den nächsten zehn Seiten machen und selbst dafür sorgen, dass ich sie in der richtigen Reihenfolge lese. Ja, Fehler passieren. Aber dass zehn Seiten durcheinander geraten, mit Seitenzahl und allem, das muss vor dem Versenden der Bücher einfach entdeckt werden. Ich habe mich darüber sehr geärgert und hoffe nur, dass dieser Fehler nur in meinem Exemplar passiert ist und alle anderen Leser:innen davon verschont bleiben.

Sehr überrascht hat mich auch die Tatsache, dass ich trotz der detaillierten Beschreibung von Kindesmissbrauch, Vernachlässigung und sexueller Gewalt verschiedenster Art keine Triggerwarnung entdecken konnte. Auch der Klappentext lässt nicht vermuten, dass Leser:innen mit solchen Beschreibungen im Buch rechnen müssen. Das halte ich einfach für verantwortungslos.

Mein Fazit? Schade, aber das war wohl nichts.

Dienstag, 17. Mai 2022

Tod im Trödelladen

 Autorin: Anna Grue
Erschienen am 7.4.2022
Im Saga Egmont Verlag
ISBN: 9783869749518
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Die dänische Provinz – freundliche Menschen, tiefblaues Meer und jede Menge Hygge. Oder ist da doch was faul im Staate Dänemark? Zumindest in der kleinen Provinzstadt Odsherred scheint so einiges im Argen zu liegen. Im örtlichen Second-Hand-Laden gibt es eine Reihe mysteriöser Todesfälle. Die Polizei geht von natürlichen Ursachen aus, aber das will die resolute Rentnerin Anne-Maj Mortensen beim besten Willen nicht glauben. Hartnäckig macht sie sich daran, den Fall selbst aufzuklären. Dabei arbeitet die selbsternannte Detektivin unter erschwerten Bedingungen: Ihr Alltag ist mit Gartenarbeit, Hundeerziehung und immer neuen Diätversuchen schon stressig genug. Aber mit Nachdruck und dem richtigen Riecher findet sie schließlich eine heiße Spur…"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Das ist das erste Buch, das ich im Zuge der Kooperation mit dem Saga Egmont Verlag lesen durfte. Und ich habe mir gewünscht, dass das hier ein absolutes Jahreshighlight wird, das ich abfeiern kann, damit die Kooperation positiv beginnen kann. Schade, aber das läuft dann jetzt doch leider ein bisschen anders ab. Mich konnte dieser Krimi leider nicht ganz überzeugen.

In dieser Rezension herrscht Spoilergefahr. Ich gebe mir Mühe, nicht zu viel zu verraten, aber das ist leider nicht einfach.

Beginnen wir mit der Idee, die ich eigentlich für vielversprechend halte: Die Seniorin Anne-Maj arbeitet ehrenamtlich in einem Trödelladen, kocht viel und hat eigentlich ein ganz gemütliches Leben. Bis sich eine Reihe von Todesfällen im Zusammenhang mit dem Trödelladen ereignet. Und weil die Polizei die Fälle nicht ernst nimmt, beginnt sie selbst zu ermitteln... 
Die Umsetzung halte ich aber für nicht ganz so gut gelungen. Allein schon mit den Morden hatte ich meine Probleme. Die wirken auf den ersten, zweiten und dritten Blick natürlich. Ist halt blöd gelaufen, dass so viele Mitarbeiter:innen des Trödelladens gleichzeitig sterben, aber da dieser von Senior:innen am Laufen gehalten wird, jetzt auch nicht so unwahrscheinlich. Dass sich Anne-Maj so an ihrem Verdacht festklammerte, dass diese Menschen ermordet wurden, war für mich nicht nachvollziehbar. Hier hätte ich mir klare Indizien gewünscht, die über ein Bauchgefühl hinausgehen. Denn da schlage ich mich klar auf die Seite der Polizisten: Wenn es keine Beweise für einen Mord gibt, braucht es keine Mordermittlung. Anne-Maj sieht das anders, betreibt Telefonterror, ignoriert alle Anweisungen von den Polizisten, verhält sich leichtsinnig und begibt sich offensichtlich in Gefahr.

Auch mit Anne-Maj konnte ich mich nicht anfreunden. Klar, Protagonist:innen müssen nicht immer sympathisch sein. Aber Anne-Maj nervte mich irgendwann einfach nur noch. Ich nahm sie als sehr eingebildet wahr. Sie hielt sich einfach so offensichtlich für etwas Besseres, dass es mir wehtat. Ich glaube, dass Anne-Majs Einstellung auf uns Leser:innen witzig wirken soll. Bei mir ist das aber leider nicht angekommen.

Positiv hervorheben möchte ich die liebevolle Beschreibung der Nebenfiguren und der Umgebung. Gerade Anne-Majs Familie habe ich ins Herz geschlossen und ihre Enkeltochter hat mich dazu gebracht, weiterzulesen. Anne-Majs Hund ist goldig beschrieben und im Trödelladen würde ich gerne auch ein bisschen stöbern. Vor allem in der Buchabteilung natürlich.

Mein Fazit? Schade, da hatte ich mehr erwartet. Es gibt einige ganz nett beschriebene Stellen, aber mit der Protagonistin wurde ich nicht warm.

Samstag, 19. März 2022

Flucht

 Autor: Mike Ladin
Erschienen am 10.1.2022
Im Selbstverlag
ISBN: 9783755781073
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Trister DDR-Alltag Ende der 1970-er Jahre. Von der Freundin verlassen, ertränkt der junge Journalist Martin seinen Frust im Alkohol. Doch dann zwingen ihn eine schicksalhafte Begegnung, ein ungewolltes Versprechen und eine neue Liebe zu einer Odyssee durch die Zeit. Erst vier Jahrzehnte später, als ein junger Mann vor zwei einsamen Gräbern steht, findet diese ein Ende. Martin ist da schon seit vielen Jahren tot."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Mike Ladin hat mich vor etwa einem Jahr (oder sind es schon zwei?) mit seinem Erstlingswerk "Rote Tränen" überzeugt. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass er sich auch mit seinem zweiten Buch bei mir gemeldet hat. Die Thematik ist hier eine ganze andere: Statt blutigem Thriller geht es hier um die Flucht aus der DDR. Schnell habe ich allerdings auch hier Krimielemente wieder gefunden, was ich gut fand.

Die Figuren sind auch hier meiner Meinung nach wieder gut gelungen. Gerade Martin war für mich eine angenehme Überraschung. Zu Beginn hätte ich nicht geglaubt, dass er mir so sympathisch werden könnte. Auch Delphine, die Tochter von Martins Ex, die später noch eine größere Rolle spielt, mochte ich. Wegen ihr habe ich eventuell die ein oder andere Träne verdrückt.

Die Geschichte startet eher langsam, allerdings lohnt es sich, dranzubleiben. Spätestens ab der Mitte bekommt das Buch so ordentlich Tempo, dass es für mich unmöglich war, den Roman zur Seite zu legen. Und das Ende hat mich wirklich überrascht. Die Idee mit diesem Zeitsprung (hier kommt der junge Mann aus dem Klappentext ins Spiel) war gewagt, die Umsetzung ist meiner Meinung nach aber gelungen.

Einen Stern muss ich leider abziehen, da sich hier Rechtschreibfehler eingeschlichen haben. Das ist sehr schade, gerade weil vieles davon Fehler waren, die eigentlich auffallen hätten müssen. Gerade bei Selfpublisher:innen verstehe ich, wenn hier und da ein Tippfehler übersehen wird, aber hier waren es mir einfach zu viele.

Mein Fazit? Habe ich gern gelesen. Ich halte für dieses Buch für gut gelungen, allerdings sind da noch ein paar Rechtschreibfehler drin, die noch ausgebessert werden sollten.

Freitag, 21. Mai 2021

Hex Files. Hexen gibt es doch [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute habe ich wieder ein Hörbuch für euch! Und zwar geht es in "Hex Files" um die Hexe Ivy Wilde, die ich sofort ins Herz geschlossen habe. Seit sie vor einigen Jahren aus dem Orden der Hexer geflogen ist, arbeitet sie als Taxifahrerin, verbringt ihre Freizeit auf der Couch, isst Junkfood und streitet mit ihrem sehr unfreundlichen, sprechenden Kater. Und sie ist glücklich mit diesem Leben! Doch dann kommt es vonseiten des Ordens zu einer Verwechslung, wegen der sie Adeptus Exemptus Raphael Winter am Hals hat. Da haben die sie doch glatt für ihre Nachbarin gehalten! Und nun muss sie mit Winter zusammenarbeiten und ihn in der Ermittlungsbehörde, der Arkanen Abteilung, unterstützen. Und Winter ist, nun ja... Er ist gutaussehend, charmant und der totale Spießer, der sich immer an alle Regeln hält. Also Ivys absoluter Albtraum. Am liebsten würde sie ihn in einen Frosch verwandeln.

Dieses Hörbuch vereint drei Dinge, die ich an Büchern liebe: Humor, Ermittlungsarbeit und Magie. Das ist es auch, was mich ursprünglich dazu gebracht hat, dieses Buch auszuleihen. Und als ich dann mit dem Hören begonnen habe, war es sofort um mich geschehen. Ivy ist eine wirklich tolle Hauptfigur und Erzählerin. Wäre sie ein echter Mensch, würde ich mich hoffentlich auf der Stelle mit ihr anfreunden. 

Loben möchte ich außerdem Meisheit, die das Buch gelesen hat. Die hat hier echt tolle Arbeit geleistet und ich kann mir für Ivy gar keine andere Stimme vorstellen. Und wie sie erst den Kater oder die Ordenshexer spricht! Ich dachte, ich lache mich tot! Die anderen Spaziergänger im Wald müssen mich für verrückt gehalten haben, als ich neben ihnen ohne für sie sichtbaren Grund in Gelächter ausgebrochen bin.

Mein Fazit? Ein großartig gemachtes Hörbuch, das vor allem durch die tolle Sprecherin überzeugen konnte, die wie die Faust aufs Auge passt!

Mittwoch, 10. März 2021

Homo Lupus

 Autor: Thomas Kiehl
Erschienen am 25.02.2021
Im Benevento Verlag
ISBN: 9783710901089
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie stoppt man die kriminellen Machenschaften eines gefährlichen Clans? Diese Frage bringt einen Beamten des Verfassungsschutzes eines Tages zu Lena Bondroit. Die Verhaltensbiologin erforscht, wie Wölfe miteinander kommunizieren. Kann ihr Wissen über die Rudel-Organisation der Wölfe dabei helfen, das Familiensystem von Clans zu verstehen?

Die Aufgabe ist denkbar heikel: Der Aziz-Clan plant einen Anschlag, der unbedingt verhindert werden muss. Im Vorfeld der Wahlen beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit.

Wovon Lena Bondroit nichts ahnt: Zur gleichen Zeit setzt ein antidemokratischer Männerbund alles daran, die Wahlen zu manipulieren. Die neue Partei »Die bürgerliche Mitte« um den Kanzlerkandidaten Jan Berger treibt ein dubioses Spiel.

Die Biologin gerät bald in ein Fadenkreuz aus Intrigen und skrupellosen Machtkämpfen. Kann sie gerettet werden, bevor das Pulverfass explodiert?"
Quelle: Verlag


Meine Meinung:
Wenn ein Autor oder eine Autorin nach Plottwists plötzlich geschockte Nachrichten von mir bekommt, dann ist klar, dass mich ein Buch beschäftigt. Hier war das der Fall. Also auf zur Rezension von Lena Bondroits zweitem Fall!

Ich habe mich gefreut, Lena hier wiederzusehen. Ich mochte sie schon in „Die Ameisenfrau“. Seit den Ereignissen von Teil 1 sind hier aber einige Jahre vergangen. Wie viele genau weiß ich nicht. Klar ist aber, dass dieses Buch in der nahen Zukunft spielt. Nach dem Ende der Coronapandemie, um genau zu sein. Alles ist wieder normal und die Pandemie wird nur noch im während Wahlkämpfen erwähnt. Und die nächste Wahl steht schon in wenigen Tagen an. Der Autor erzählt in diesem Buch auch aus der Perspektive einer polarisierenden Partei, deren Hauptthema die Gefahr eines Börsencrash ist und die dem Kanzler gern mehr Macht verleihen würde. Diese Partei und ihre Mitglieder waren mir sofort unsympathisch. Gäbe es die in der echten Welt, würde ich auf meinem Blog passiv-aggressive Seitenhiebe gegen sie verstecken.

Noch etwas hat sich seit Band Eins verändert: Lena ist Mutter geworden und erforscht keine Ameisen mehr. Ich weiß: Schock! Immerhin haben wir sie als Ameisenfrau kennengelernt - und nun ist sie eine Wolfsfrau. Der Fokus ist aber weiter der gleiche: Lena ist und bleibt eine Verhaltensforscherin. Bei den Ameisen ging es um Staaten, nun um Familienstrukturen. Und wieder könnten ihre Forschungen aktuelle Ermittlungen weiterbringen. Denn da gibt es einen Clan, der einen Anschlag kurz vor der Wahl plant...

Für mich war auch Teil 2 der Reihe rund um Lena Bondroit ein klares Lesehighlight. Und ich bin gespannt, welche Tiere sie im nächsten Buch erforscht - falls der Autor ein weiteres Buch plant.

Lobenswert finde ich, dass der Autor am Ende des Buches darüber aufklärt, was wissenschaftlich belegt ist und was nicht. Da könnten sich andere AutorInnen eine große Scheibe davon abschneiden.

Mein Fazit? Klare Leseempfehlung!

Mittwoch, 10. Februar 2021

Wie alles begann und wer dabei umkam

 Autor: Simon Urban
Erschienen am 11.2.2021
Im Kiepenheuer und Witsch Verlag
ISBN: 9783462055009
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren: 
"Der deutsche Autor Simon Urban kommt 1975 in Hagen zur Welt. Auf ein Germanistikstudium in Münster folgt eine Ausbildung an der Texterschmiede Hamburg sowie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Für seine Werke wird er 2003 mit dem Erker-Preis, 2005 dem Literaturförderpreis Ruhrgebiet und 2006 mit dem Limburg-Preis der Stadt Bad Dürkheim ausgezeichnet. 2009 gewinnt er bei den Clio-Awards, die zu den wichtigsten Kreativpreisen der Welt zählen, den Grand Prix und Gold für die erste literarische Live-Werbepause. Simon Urban lebt und schreibt in Hamburg sowie dem Ost-Holsteinischen Techau."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Ein furioser Schelmenroman über einen Juristen, dem die Sicherungen durchbrennen: böse, treffsicher und extrem witzig. Wo endet ein inselbegabter Jurastudent, der an den starren Regelwerken des Gesetzes verzweifelt und beschließt, das Recht selbst in der Hand zu nehmen? In einer Gefängniszelle! Was aber zwischendurch geschieht, ist so unglaublich und derart gnadenlos und witzig erzählt, dass einem die Luft wegbleibt. Bereits als Kind findet der Held dieses Romans zur Juristerei: Er bereitet ein Verfahren gegen seine Großmutter vor, den Drachen der Familie – und verurteilt sie im Wohnzimmer in Abwesenheit zum Tode. Berufung: nicht möglich. Dass ein Jurastudium im beschaulichen Freiburg einem solchen Charakter nicht gut bekommt, ahnt man schnell. Auch hier kann er die Finger nicht von den Gesetzen lassen, und nimmt das Recht in die eigene Hand. Simon Urban gehört zu den großen, mutigen Erzähltalenten seiner Generation. In seinem neuen Roman entfesselt er eine furiose Geschichte um einen Außenseiter, der zum dunklen Rächer wird. Und der zuvor auszieht, um sich auf einer weltweiten Recherchereise am Unrecht und Recht der Welt zu schulen … »Wie alles begann und wer dabei umkam« ist eine bitterböse Gesellschaftsanalyse und eine literarisch brillante Auseinandersetzung mit den Regelwerken, die unser aller Leben bestimmen. Wo sind Widerworte gegen das Gesetz gefragt – und wo eskaliert das eigene Ungerechtigkeitsempfinden in wahnwitzige Selbstjustiz?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Als ich irgendwann bei Seite 300 angelangt war, musste ich akzeptieren, dass dieses Buch wohl leider nicht so wird, wie ich es mir erwartet habe. Ich habe es trotzdem fertig gelesen, da ich viele Stellen unterhaltsam fand. Die Rezi hier wird dann aber trotzdem leider kritischer, als ich es mir zu Beginn erhofft habe. Eine Information für alle, die dieses Buch noch nicht gelesen habe: Hier geht es hauptsächlich um den Inhalt des Buches und es wird wohl auch Spoiler geben. Lest also besser nicht weiter, wenn ihr nicht wissen wollt, was hier alles passiert.

Dieses Buch beginnt absolut großartig: Der namenlose Held (zumindest kann ich mich nicht erinnern, seinen Namen irgendwann gelesen zu haben) beschreibt, dass er wegen all seiner Verbrechen im Gefängnis sitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Er ist berühmt-berüchtigt und ihm ist bewusst, dass das Erscheinen seiner Biografie einen totalen Skandal lostreten wird. Trotzdem will er darauf nicht verzichten. Da kommt doch gleich ordentlich Spannung auf! Was dieser Kerl wohl angestellt hat? Das muss ja der totale Psycho sein, wenn der schon als Kind seine Oma zum Tode verurteilen will und denkt, dass er über dem Gesetz steht. Das war zumindest meine Vermutung. Tja, anscheinend habe ich mich total getäuscht. So viel stellt der Erzähler nämlich gar nicht an. Ja, er studiert Jus und erstellt da ein eigenes Strafgesetzbuch, weil er die Strafen, die in Deutschland vergeben werden, für nicht hart genug hält. Dann reist er nach Asien und möchte dort die Ungerechtigkeiten der Welt mit eigenen Augen sehen. Sowohl während dem Studium als auch während seiner Reise lernt er viele schöne Frauen kennen und führt unglaublich lange Gespräche, deren Monologe sich teilweise über mehrere Seiten erstrecken. Außerdem schweift er immer wieder ab. Manche dieser Ausflüchte waren ganz interessant und ließen mich hoffen, dass jetzt endlich mal mehr Spannung aufkommt, viele andere störten meiner Meinung nach aber hauptsächlich den Erzählfluss. 

Meiner Meinung nach war der Anfang der stärkste Teil des Buches. Danach war dann leider scheinbar das Pulver schon verschossen und langsam aber sicher verlor ich das Interesse, weil das einfach alles so anders war, als ich es durch den Beginn des Buches erwartet hätte. Die ersten hundert Seiten lang war ich mir sicher, dass da gleich was passiert. Nach zweihundert Seiten begann ich das Buch langatmig zu finden und wurde gelangweilt. Nach dreihundert Seiten war ich richtig frustriert, weil ich jetzt endlich wissen wollte, was der Erzähler ausgefressen hat, das so schlimm sein soll, dass er sein restliches Leben im Gefängnis verbringen muss. Und als dann endlich die Tat begangen wurde, die dafür gesorgt haben soll, war ich ehrlich enttäuscht.

Mein Fazit? Der Start ins Buch war super stark und spannend, gegen Ende war ich dann nur noch frustriert und gelangweilt. Schade, da wäre mehr möglich gewesen!

Montag, 8. Februar 2021

Totenfrau [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Seit Jahren wollen meine Mitmenschen, dass ich dieses Buch lese. Meine Eltern, die große Fans des Autoren sind, meine Studienkolleginnen und zuletzt meine Nachbarin. Sie hat mir den ersten Band der Reihe geliehen, den Rest haben meine Eltern selbst im Regal stehen.

Ich weiß noch genau, wie meine Mutter dieses Buch zum ersten Mal gelesen hat. Da war ich fünfzehn, es war ein sehr heißer Sommer, wir verbrachten ein paar Tage bei meiner Großmutter in Oberösterreich und durften uns ausnahmsweise Bücher aus der Dorfbücherei mitnehmen - obwohl wir keinen Ausweis hatten. Meine Mutter holte sich die "Totenfrau" und war schon von den ersten Seiten schockiert! "Die hat ihre Eltern getötet!", erklärte sie mir. Die war total baff! Die nächsten Tage legte sie dieses Buch nicht mehr aus der Hand.

Ich fand die "Totenfrau" ebenfalls spannend. Es geht um die Bestatterin Brünhilde Blum (sehr schöne Alliteration!). Ihr Mann starb bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Doch war das wirklich nur Pech? Mit dieser Erklärung kann und will Blum sich nicht zufriedengeben. Deswegen beginnt sie nachzuforschen - und aufzuräumen. Blum wirkte auf mich kalt, berechnend und distanziert. Das war zu Beginn gewöhnungsbedürftig, später fand ich das aber passend.

Auch mit dem Schreibstil musste ich erst warm werden. Der ist recht abgehackt. Die meisten Sätze sind sehr kurz, was auf mich rastlos wirkte und gut zu Blum passt. Nicht gewöhnen konnte ich mich an die Dialoge. Das wirkte auf mich wie in ein Theaterskript ohne Regieanweisungen und ohne Angabe des Sprechers. Oft war das kein Problem, manchmal kam ich aber doch ins Straucheln.

Sehr cool fand ich, dass diese Geschichte in Tirol spielt. Es hat mir gefallen, dass ich die Orte der Handlung kannte. Ich wohne selbst in Tirol und gerade in Innsbruck habe ich in den letzten Jahren viel Zeit verbracht. Sobald der Autor einen Ort nannte, hatte ich sofort ein Bild im Kopf.

Mein Fazit? Ich habe gebraucht, um in das Buch hineinzufinden - danach fand ich es spannend.

Donnerstag, 21. Januar 2021

Der Mädchenwald

Autor: Sam Lloyd
Erschienen am 15.12.2020
Im Rowolth Verlag
ISBN: 9783499001130
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Geschichten und Geheimverstecke: Sam Lloyd wuchs in Hampshire in Großbritannien auf. 
Als Kind dachte er sich mit Vorliebe Geschichten aus und baute geheime Verstecke in den Wäldern um seinen Wohnort. 
Aktuell lebt er gemeinsam mit seiner Frau, seinen drei jungen Söhnen und einem Hund, der gerne heult, in Surrey. Der Mädchenwald ist sein Debüt-Thriller."
Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"...und auch so bitterkalt.

Auf dem Weg zum Jugendschachturnier wird die 13-jährige Elissa entführt. Als sie erwacht, liegt sie in einem dunklen Keller. Ihre Situation scheint aussichtslos - bis Elijah ihr Verlies entdeckt und sie heimlich zu besuchen beginnt.

Elijah ist ein Einzelgänger, der mit seinen Eltern in einer abgeschiedenen Hütte im Wald lebt. Er kennt keine Handys und kein Internet, aber er weiß, es ist nicht richtig, dass Elissa gefangen gehalten wird; er weiß, er sollte jemandem davon erzählen. Aber er weiß auch, dass sein Leben aus den Fugen geraten wird, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Denn Elissa ist nicht die erste, die in den Mädchenwald gebracht wurde.

Während draußen die Polizistin DI MacCullagh alle Hebel in Bewegung setzt, um das Mädchen zu finden, erkennt Elissa, dass ihr nur mit Elijahs Hilfe die Flucht gelingen kann. Doch der Junge ist sehr viel cleverer, als er zu sein vorgibt. Und er hat längst begonnen, das Spiel nach seinen Regeln zu spielen..."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Mindestens ein dutzend Produktplatzierungen. Und das sind nur die, dich ich gezählt habe. Lieber Herr Lloyd: Das geht nicht! Ich möchte während dem Lesen nicht mit Werbung belästigt werden. Nicht für Mineralwasser, nicht für Schwangerschaftstests, nicht für Netflix. Sowas ist ein No-Go und gibt ordentlich Punkteabzug. Ich hoffe, dass der Autor wenigstens ordentlich dafür bezahlt wurde. Das war ein ziemlicher Dämpfer für mich und wenn ein Buch so oft und so unverschämt Produkte platziert, ist es mir komplett egal, wie gut es sonst ist - mehr als drei Sterne kann es nicht mehr erreichen.

In diesem Buch gibt es drei Hauptpersonen: Elissa, das Entführungsopfer, Elijah, der mit seiner Familie im Wald lebt und Mairead, die Polizistin, die im Fall Elissa ermitteln soll. Mit Mairead konnte ich gar nichts anfangen. Normalerweise liebe ich es, über Ermittlungsarbeit zu hören oder zu lesen. Zwei meiner Freunde (Hi A. und M.!) sind Polizisten und ich kann es einfach nicht lassen, bei jedem Treffen wieder nach spannenden oder ungewöhnlichen Fällen zu fragen. Bei Mairead lag der Fokus aber eindeutig nicht auf ihrer Arbeit, sondern auf ihrem unerfüllten Kinderwunsch und ihrer aktuellen Schwangerschaft, die nicht gerade problemlos verläuft. Für mich war es unverständlich, dass sie den Fall Elissa nicht an jemand anderen abgab. Immerhin ist sie ja im Moment im Privatleben sehr belastet und die Schwangerschaft ist schon stressig genug. Sie wirkte auf mich, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen.
Auch von Elijah wusste ich bis zum Ende nicht, was ich von ihm halten soll. Er hält sich selbst für außerordentlich klug, für mich war aber von Anfang an klar, dass da nicht viel dahinter ist. Dass da Mädchen im Wald seines Vaters sind, die offensichtlich nicht hier sein wollen, ist für ihn kein Anlass zur Sorge. Im Gegenteil: Für ihn ist das nicht viel mehr als ein krankes Spiel bei dem auch die Mädchen mitspielen müssen.
Elissa war mir als einzige Figur so wirklich sympathisch. Sie ist ein sehr intelligentes Mädchen, eine Schachspielerin, die als einzige halbwegs normal auf mich wirkte. Zwar ist sie um einiges reifer als andere Kinder in ihrem Alter und reagiert oft ungewöhnlich ruhig auf alles, was ihr widerfährt, doch das konnte ich noch irgendwie nachvollziehen.

Ich habe bei diesem Buch zwischendurch sogar überlegt, ob ich es abbrechen soll. Der Hauptgrund dafür waren diese super nervigen Produktplatzierungen. Als ob es irgendjemanden kümmern würde, welche Marke das Mineralwasser hat, dass Elissa während ihrer Gefangenschaft trinkt. Und selbst wenn: Dann hätte eine Erwähnung gereicht. Aber doch nicht auf jeder zweiten Seite! Gerettet wurde dieses Buch durch einen Plottwist in der Mitte des Buches. Ich musste wissen, wie der aufgelöst wird und nur deswegen haben ich weitergelesen.

Mein Fazit? Überall waren unmarkierte Produktplatzierungen. Ohne die wäre dieses Buch vielleicht gar nicht so schlecht, aber sowas ist einfach ein totales No-Go für mich!

Mittwoch, 2. Dezember 2020

Rote Tränen

Autor: Mike Landin
Erschienen am 22.6.2020
Bei Books on Demand
ISBN: 9783751934961
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Der Autor wurde 1968 in Berlin geboren. Er wuchs im Spreewald auf, studierte Bauingenieurwesen in Cottbus und lebt heute in der Nähe von Magdeburg."
Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"Jacob ist vom Umzug seiner Familie auf einen verlassenen Hof in den Berchtesgadener Alpen wenig begeistert.
"Ich mache hier die zwölfte Klasse, dann haue ich wieder ab."
Lediglich Hannah, die gleichaltrige Tochter der Nachbarn, kann seine Laune etwas aufbessern. Doch dann verschwindet in der Gegend ein jugendliches Mädchen, das Sechste innerhalb der letzten zwanzig Jahre. Die Fälle sind nie aufgeklärt worden und Jacobs Eltern verhalten sich seltsam abweisend, wenn er darüber reden will. Jacob forscht nach und erkennt bald, dass es nicht nur eine Verbindung zwischen den ungelösten Kriminalfällen und seinen Eltern gibt, sondern auch Hannahs Familie in deren Vergangenheit eine Rolle spielt."
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Okay, ich weiß, dass das eigentlich nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen sollte, aber mir ist diese Frage trotzdem wichtig: Spielt dieser Krimi in Österreich oder in Deutschland? Die Berchtesgadener Alpen liegen nämlich auf der Grenze zwischen Salzburg und Bayern. Den Ort, wo die Geschichte spielt, konnte ich leider nicht finden, daher kann ich die Frage nicht klären. Ich brauche Antworten!

Ja, ich weiß, die Frage werde ich so auf die Schnelle nicht lösen können. Daher jetzt auch genug Geografiewahnsinn von meiner Seite. Ab jetzt geht's nur noch um dieses Buch, versprochen.

In diesem Buch geht es um Jacob, der gegen seinen Willen auf einen verlassenen Hof in den Alpen ziehen muss. Natürlich ist er davon nicht wirklich begeistert! Die Umstände, unter denen er seine Heimat verlassen musste, waren hässlich - was den Abschied für ihn natürlich nicht leichter gemacht hat. Eigentlich will er einfach nur wieder zurück. Noch schlimmer wird die Situation dadurch, dass sich seine Eltern seit ihrer Ankunft so seltsam benehmen. Bedeutungsschwere Blicke, Flüstern hinter geschlossenen Türen... ihr wisst was ich meine. Gerade die Mädchen, die in den letzten Jahren spurlos verschwunden sind, sind ein Thema, über das im Hause Jacobs geschwiegen wird. Da ist doch was faul! Und natürlich muss Jacob da nachforschen - gemeinsam mit Hannah, seiner neuen Nachbarin.

Jacob war mir von der ersten Seite weg sehr sympathisch. Er ist ein ganz normaler Jugendlicher und damit auch richtig authentisch. Aber er ist nicht die einzige Figur, die ihr in diesem Buch kennen lernen könnt. Besonders spannend fand ich den Bürgermeisterkandidaten. Der ist so eine richtig unsympathische Politikerfigur. Hach, einfach köstlich beschrieben! Ich sehe den so richtig vor mir, wie er sich bei jedem Anlass wichtig macht! Erinnert mich überhaupt nicht an einige wirklich existierenden (Regional-) Politiker!

Besonders beeindruckt an diesem Buch hat mich die Fähigkeit des Autoren, mich auf eine falsche Fährte zu locken. Zu Beginn war für mich klar, wer der Täter sein muss. Ich hab mich richtig geärgert, weil ich mir sicher war, dass der Autor das schon im Prolog verrät. Tja, kurze Entwarnung an mich aus der Vergangenheit: Du weißt gar nichts! Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick wirkt! Das fand ich gut. Sobald ich mir sicher war, wie das Ende des Buches aussehen muss, kam wieder ein Plottwist! 

Stellenweise hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht. Jacob erlebt in diesem Buch sehr viel aufreibendes, das sicher keinen Jugendlichen kalt lässt. Im Gegenteil, ich wäre an seiner Stelle wohl mehrmals in Panik verfallen. Jacob wirkt aber eigentlich immer ganz cool. Klar, er muss funktionstüchtig bleiben, um den Fall zu lösen, aber es wäre schön gewesen, wenn ihn gewisse Ereignisse einfach ein bisschen mehr aus der Ruhe gebracht hätten.

Mein Fazit? Spanner Krimi mit kleineren Schwächen. Mir gefällts!

Montag, 24. August 2020

Die verlassenen Kinder

Autorin: Belinda Bauer 
Erschienen am 15.6.2020
Im Goldmann Verlag
ISBN:  9783442490547
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zur Autorin:
"Ein kreatives Ausnahmetalent: Belinda Bauer, geboren 1962 in Großbritannien, ist eine britische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Journalistin. Sie wuchs in England und Südafrika auf und studierte nach ihrer Schulausbildung Journalismus an der Cardiff University. Später arbeitete sie dort als Journalistin. Zu dieser Zeit schrieb sie an ihrem ersten Drehbuch, „The Locker Room“. Dieses wurde dann mit dem Carl Foreman Award for Young British Screenwriters ausgezeichnet und so erhielt sie ein Stipendium für ein Film- und Drehbuchstudium an der California State University. 2010 veröffentlichte sie dann ihren ersten Thriller „Blacklands“, der schon im darauffolgenden Jahr auf Deutsch erschien wurde. Für ihr Debüt wurde sie mit dem CWA Gold Dagger Award ausgezeichnet."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Ein Spannungsroman der Extraklasse – nominiert für den Man Booker Prize

»Bleibt im Auto. Ich bin gleich wieder da.« Das sind die letzten Worte, die der elfjährige Jack von seiner Mutter hört. Bis sie zurückkommt, soll er auf seine beiden kleinen Schwestern aufpassen. Doch sie kommt nicht zurück, sondern wird bald darauf ermordet aufgefunden. Jahre später ist der Täter noch immer nicht gefasst, und Jack trägt noch immer die Verantwortung für Joy und Merry. Mit Einbrüchen hält er sich und seine Schwestern über Wasser. Als er endlich auf die entscheidende Spur stößt, ist er fest entschlossen, den Mord an seiner Mutter zu rächen …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Heute habe ich mal wieder einen Krimi für euch! Ich weiß, ich weiß: Das gabs jetzt schon erstaunlich lange nicht mehr, wenn man bedenkt, dass ich eine Zeit lang fast nur Krimis und Thriller gelesen habe. Seit dem 21. Juli, um genau zu sein. Eine halbe Ewigkeit also! Aber mit Buchgenres ist das für mich wie mit Essen. Wenn man mir wochenlang nur Nudeln serviert können sie noch so lecker sein, ich werde sie irgendwann einfach nicht mehr essen können. Aber jetzt genug mit seltsamen Nudelvergleichen, kommen wir lieber zum Buch.

"Die verlassenen Kinder" ist ein Buch, das man nicht lesen sollte, wenn man alleine zu Hause ist. Warum? Nun, das lässt sich einfach erklären. Jack, einer der Protagonisten des Buches, ist ein Einbrecher. Ein sehr geschickter Einbrecher, der den Einwohnern der Häuser wohl die Handys aus den Händen klauen könnte, ohne dass die das bemerken. Wenn man dann also alleine daheim ist, sieht man dann plötzlich überall Einbrecher, auch wenn da (Gott sei Dank!) gar nichts ist. 

Was an "Die verlassenen Kinder" besonders ist, hat sich für mich sehr schnell herauskristallisiert. Es gibt keine Sympathiefiguren. Klar, fast alle hatten nette Seiten und waren authentisch und nachvollziehbar, was für mich sowieso am wichtigsten bei einem Buch ist. Aber mich mit einer der Figuren anzufreunden? Nein danke! Was Freunde angeht, bin ich schon versorgt! Wenn, dann würde ich mich wohl am ehesten mit der kleinen Merry anfreunden, die mit fünf Jahren schon Bram Stockers "Dracula" und Stephen Kings "ES" liest. Allerdings bin ich mir bei ihr nicht ganz sicher, ob ich das wirklich für realistisch halte. Ich meine, laut dem Buch ist sie fünf Jahre alt. Fünf! Aber sie ist ja auch sonst kein normales Kind. Sie wurde die letzten drei Jahre von ihrem älteren Bruder erzogen, der aber die meisten Nächte auf Einbrüchen verbringt, und von ihrer Schwester, die aber nach dem Tod der Mutter zum Messie geworden ist und Millionen von Zeitungen hortet. Wo der Vater ist? Nun, der hat die Trauer nicht ausgehalten und sich aus dem Staub gemacht. Dass niemand je etwas bemerkt hat, wundert mich. Hätte man mich mit elf Jahren mit meinen Geschwistern allein gelassen, dann wäre wohl sehr bald das Haus in Flammen gestanden. Ups!
Dann gab es da noch den Polizisten Reynolds, ein wirklich unangenehmer Zeitgenosse, bei dem immer alles korrekt ablaufen muss und der nie an etwas schuld sein will. Mit ihm wurde ich erst ganz am Ende des Buches warm. 
Gleich war es für mich bei Marvel, ebenfalls Polizist. Er ist eigentlich für Morde zuständig, soll jetzt aber einen Einbrecher jagen. Total langweilig, stimmt's? Und seinen Frust lässt er an jedem aus! Das war etwas nervig.
Dann war da noch eine junge Frau, ich glaube sie hieß Catherine. Sie erwartet ein Kind und ist in einer glücklichen Beziehung. Doch dann liegt da plötzlich ein Messer auf ihrem Bett, gemeinsam mit einer Morddrohung. Und entgegen ihrem Bauchgefühl ruft sie nicht die Polizei, sondern verbrennt die Drohung. Und hat keine Ahnung, in welches Chaos sie sich mit dieser Entscheidung hineinmanövriert.

Den Schreibstil empfand ich als sehr angenehm. Jetzt nicht so, dass ich mich gar nicht mehr losreißen konnte, aber doch so gut, dass ich das Buch sehr gerne und schnell gelesen habe. 

Mein Fazit? Eine angenehme Lektüre, die ich genossen habe. Aber trotzdem mit einigen kleinen Schwächen, gerade, was die Protagonisten angeht.

Dienstag, 21. Juli 2020

Die Schlange

Autor: Martin Wherle
Erschienen am 20.5.2020
Im Benevento Verlag
ISBN: 9783710900693
Rezensionsexemplar: Ja
Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Martin Wehrle wird 1970 in Löfflingen, im Schwarzwarld geboren und ist ein deutscher Karriereberater, Journalist und Autor. Sein 2011 erschienenes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" soll "schonungslos und glaubwürdig das aufdecken, was in deutschen Firmen schief läuft". Das Buch wurde in der KW 11/2011 als zweithöchster Neueinsteiger in die Spiegel Bestsellerliste aufgenommen."
Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"Im Visier der Immobilienhaie: Wenn die Gier nach Macht und Geld keine Grenzen kennt
In seinem zweiten Krimi lässt der Bestseller-Autor Martin Wehrle seine sympathische Antiheldin Susanne Mikula tief in die Abgründe der Immobilienbranche eintauchen. Die Journalistin, die sich im ersten Band der Krimi-Reihe »Die Ratte« mit dem korrupten Klüngel aus dem Kleinstadt-Polit-Milieu anlegt, erhält in »Die Schlange« einen dubiosen Rechercheauftrag: Sie soll den schmutzigen Machenschaften einer Hamburger Immobilienfirma nachgehen und einen Mietskandal aufdecken.
Offenbar werden alte Mieter aus den Wohnungen gemobbt, um durch Luxussanierungen und Neubauten abzukassieren. Susanne Mikula lässt sich bei der Hamburger StaGeBau einschleusen. Doch ihre Ermittlungen stoßen auf eine Wand des Schweigens. Steckt ein viel größeres Komplott dahinter?"
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Auf dieses Buch war ich vor allem deswegen gespannt, weil ich gerade erst vor kurzem in einer Zeitung über "Mietermobbing" gelesen habe. Allerdings war das dort viel weniger extrem als hier in diesem Fall.

"Die Schlange" wird vor allem aus zwei Perspektiven erzählt. Die erste Sicht ist die der ehemaligen Journalistin Susanne Mikula. Nach schlimmen Ereignissen, die in Teil 1 passiert sind (den ich nicht gelesen habe, daher auch die eher schwammige Wortwahl), leidet sie an Depressionen und einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Das sorgt bei ihr vor allem für Antriebslosigkeit und Panikattacken. Ich fand die Beschreibung ziemlich gelungen, auch wenn ich bisher Gott sei Dank von beiden Krankheiten verschont geblieben bin und das vielleicht deswegen nicht wirklich beurteilen kann. Auf jeden Fall befindet sich Susanne, gerade wegen ihren psychischen Krankheiten, in einer ziemlich blöden Situation: Sie ist arbeitslos und versinkt immer tiefer in einem Meer an Schulden. Wenn das so weiter geht, wird sie alles verlieren, das sie noch hat. Eigentlich hat sie also gar keine andere Wahl, als auf das dubiose Angebot dieses Millionärs einzulassen, der möchte, dass sie über Mietermobbing bei der StaGeBau recherchiert. Obwohl sie gar kein gutes Gefühl bei der Sache hat...
Ich persönlich finde die Protagonistin gut gelungen. Sie wirkte auf mich authentisch und ich finde sie eine sehr spannende Person. Schade fand ich, dass sie sich gerade am Ende oft mehr durch Glück und weniger durch ihren Verstand und ihre Fähigkeiten auszeichnete. Das hätte ich andersherum besser gefunden.
Die zweite Perspektive war mein absolutes Highlight des Buchs! Hier wird aus der Sicht eines Auftragkillers erzählt. Total gruselig, vor allem, da das kein Psychopath zu sein scheint. Also, verrückt ist er schon irgendwie, aber nicht so, dass es klischeehaft wirkt oder damit psychisch kranke Menschen diskriminiert werden würden. Und das passiert ja oft genug, gerade bei Krimis und Thrillern. Das ist hier also super gut gelungen! Beide Daumen hoch!

Das Thema der Geschichte finde ich sehr spannend. Bei Mietermobbing versucht ein Vermieter die Bewohner seines Hauses dazu zu bringen, den Vertrag zu kündigen. Warum er das tun sollte? Weil er dann nämlich das Gebäude neu und luxuriöser bauen kann und so mehr Geld verdient. Und natürlich zieht niemand freiwillig aus seiner Wohnung aus, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt und eh fast alles passt. Also muss man nachhelfen. Zum Beispiel indem man das Mietshaus plötzlich in eine laute Baustelle verwandelt und aus Versehen irgendwelche stinkenden Chemikalien verschüttet...

Mein Fazit? Gut gelungener Kriminalroman. Mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden, der Rest war aber gut!

Freitag, 17. Juli 2020

Running Girl

Autor: Simon Mason
Erschienen am 12. März 2019
Im Rowolth Verlag
ISBN: 9783499218309
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag
Zum Autoren:
"Simon Mason, geboren am 5. Februar 1962 in Sheffield, England, ist ein englischer Autor von Jugend- und Erwachsenenliteratur. Er studierte Englisch an der Lady Margaret Hall in Oxford. Zurzeit ist er neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit teilweise als Herausgeber bei David Fickling Books, einer Tochter von Random House UK, tätig. Seit 1990 wurden Masons Werke in England veröffentlicht. Seit 2000 sind seine Werke nun auch international zu kaufen. Der Autor gewann bereits den Betty Trask Award für das beste Debüt und den Preis Kinderbuch des Monats. Außerdem stand er schon auf der Shortlist für den Branford Boase Award und der Shortlist für den Guardian Children´s Fiction Award."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Geh chillen, Sherlock – hier kommt Garvie Smith
Garvie Smith ist 16, sieht hammer aus, hat ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an der Schule gegeben hat - plus die miesesten Noten. Wozu auch der Stress? Das Leben nervt total. Nie passiert irgendwas Spannendes … Bis eines Tages die Leiche von Garvies Ex-Freundin Chloe aus dem Teich gefischt wird. Und der junge Kommissar Singh sich bei seinen Ermittlungen einfach zu dämlich anstellt. Jetzt muss Garvie wohl oder übel eingreifen. Langeweile? Endlich mal keine. Schule? Muss halt warten."

Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch musste fast eineinhalb Jahre auf meinem Stapel der Schande liegen, bevor ich es endlich von seinem Leiden befreite. Warum ich so lange gewartet habe? Gute Frage. Keine Ahnung. Ich hab mir dieses Buch wohl zu einer Zeit gekauft, in der ich gerade Prüfungen hatte oder viele Rezensionsexemplare oder was weiß ich. Eineinhalb Jahre später kann man sich das nur noch schwer erklären. Aber nun bin ich ja endlich dazu gekommen, auch dieses Buch mal zu lesen.

Hier geht es um Garvie Smith. Ein Junge mit viel zu großem Selbstbewusstsein, niedriger Impulskontrolle, der sich um einiges erwachsener fühlt, als er es ist. Er ist sehr intelligent, liebt Mathe und hat ein fotografisches Gedächtnis. Trotzdem hat er so schlechte Noten, dass er seine Mutter damit regelmäßig zur Verzweiflung bringt. Doch endlich, endlich passiert mal was Spannendes in seinem Leben: Seine Ex-Freundin wurde ermordet! Juhu? Garvie fühlt sich auf jeden Fall so, als wär jetzt seine Zeit gekommen. Endlich kann er der ganzen Welt zeigen, was er so drauf hat (und wie dumm jeder andere ist). Im Großen und Ganzen habe ich es genossen, ihn auf seinem Weg zu begleiten. Nur stellenweise hätte ich mir von ihm etwas mehr Ernst gewünscht, denn leider wirkte er manchmal fast so, als sei das alles nur ein Spiel für ihn. Ich hatte ganz ehrlich Mitleid mit so ziemlich jedem Menschen in seiner Umgebung, vor allem mit dem Kommissar Singh und Garvies Mutter. Vor allem Garvies Mutter. Die arme Frau, die ist ja total überfordert mit ihm! Verstehe ich, wäre ich wohl auch.

Die Handlung war ziemlich spannend. Wir Leser werden auf nicht nur eine falsche Fährte gelockt, können gut miträtseln und zumindest ich hab genauso fleißig Beweise für und gegen verschiedene Verdächtige gesammelt, wie Garvie selbst. Stellenweise vielleicht sogar noch fleißiger, wenn er irgendjemanden als "nicht verdächtig" abgestempelt hat, den ich aber doch näher im Auge behalten würde.

Mein Fazit? Ein unterhaltsamer Jugendkrimi, der mich zum Lachen bringen konnte.

Freitag, 22. November 2019

Alles schläft

Autorin: Lisbeth Jarosch
Erschienen am 4.11.2019
Im Piper Verlag
ISBN: 9783492502689
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zur Autorin:
"Lisbeth Jarosch, geboren 1988 in Nürnberg, studierte Geowissenschaften in Erlangen und arbeitete anschließend in der Entwicklungsabteilung einer Baufirma. Seit dem Umzug nach Cincinnati im Jahr 2016 widmet sie sich neben der Familie hauptsächlich dem Schreiben. Seit Ende 2018 lebt sie wieder in Franken."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"»Alles schläft« ist die ideale Lektüre für lange, dunkle Winterabende: psychologisch raffiniert und hintergründig spannend.

Es ist Weihnachten. Nach zwei Jahren kehrt Conni heim zu ihrer Familie, ohne Geld, ohne Job, ohne Wohnung. Betrogen von ihrem Freund, mit dem sie nach Brüssel gezogen ist, um den Tod ihres Vaters zu verarbeiten. Aber in ihrer Heimatstadt Wetterbach hat sich vieles verändert. Ihre Jugendliebe Hannes ist inzwischen mit der verhassten Schwester zusammen und Connis zahlreiche Jugendsünden holen sie ein. Jemand will, dass sie wieder verschwindet, und droht ihr das gleiche Schicksal an wie Irene, die an Weihnachten vor drei Jahren spurlos verschwunden ist. Feinde hat sich Conni genug gemacht. Als sogar ihre alte Clique anfängt, sich gegen sie zu stellen, kriegt sie es mit der Angst zu tun. Denn der Fall Irene hat deutlich gezeigt: Schöne Mädchen haben es schwer in Wetterbach …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Nur noch etwa ein Monat bis Weihnachten! Ein bisschen weniger sogar! Wo sind meine Kekse, wo ist mein Adventskalender, wo ist mein Weihnachtspunsch? Leider noch nicht in meiner Hand. Allerdings habe ich jetzt das erste Weihnachtsbuch des Jahres gelesen. Also, wirklich Weihnachtsstimmung kam beim Lesen nicht auf, aber es spielt zu Weihnachten und das ist doch auch schon was wert, nicht?

Die Hauptfigur ist Conni. Sie ist etwa zwanzig Jahre alt und ist gerade wieder in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Conni ist eine eher unangenehme Zeitgenossin. Sie zickt herum, manipuliert und lässt jeden spüren, dass sie sich eigentlich für was besseres hält. Sie zieht wieder bei ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester ein, interessiert sich aber für keinen der beiden so wirklich. Ihre Mutter hatte nachdem sie weggezogen ist, einen Schlaganfall und ist seitdem auf fremde Hilfe angewiesen. Die Pflege hat Connis ältere Schwester übernommen. Aber das ist Conni egal. Helfen und sich nützlich machen? Fehlanzeige! Lieber verkriecht sich Conni in ihrem Zimmer, ignoriert ihre Familie und motzt ihre Schwester an, wenn sie sie darum bittet, einkaufen zu gehen. Klar, warum auch nicht? Wie kann die es bloß wagen, sie um sowas zu bitten! Das, was Conni aber am meisten an ihrer Schwester stört, ist, dass sie nun mit Connis Ex zusammen ist. Mit dem Conni Schluss gemacht hat, vor Jahren. Den sie eigentlich auch während sie zusammen waren immer nur ausgenutzt hat. Aber klar, natürlich ist Conni das Opfer und ihre Schwester ist böse. Wie man vielleicht merkt, ging mir Conni ziemlich auf die Nerven. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute denken, dass sie immer die Opfer sind, egal was sie tun. Diese Doppelmoral halte ich nicht aus, auch nicht in einem Buch.

Die Geschichte war schon in Ordnung. Conni kommt halt zurück in ihre Heimat, verscherzt es sich gleich mit einem großen Teil der Einwohner, mit denen sie sich schon als Kind nicht verstanden hat, und bekommt plötzlich Drohungen, die ihr befehlen, wieder aus der Stadt zu verschwinden. Denn sonst endet sie wie ihre Freundin, Irene, die vor drei Jahren spurlos verschwand. Hört sich ganz spannend an, nicht? Wäre es eigentlich ja auch gewesen. Wenn nicht Conni so unglaublich unsympathisch gewesen wäre. Leider ging Conni mir aber so auf die Nerven, dass ich mich gar nicht so richtig auf die eigentliche Handlung konzentrieren konnte. Obwohl die ja gar nicht so schlecht gewesen wäre und stellenweise sogar echt spannend. Aber tja, so sieht man wieder mal, wieviel eine unsympathische Hauptfigur zerstören kann.

Der Schreibstil war ganz gut. Ich hatte eigentlich von Anfang an ein Bild vor Augen und konnte mir alles problemlos vorstellen. Das Buch liest sich gut und sehr schnell. Ich brauchte nur einen Abend als Babysitterin, um dieses Buch fertig zu lesen, was sogar für mich sehr schnell ist.

Mein Fazit? Sehr guter Schreibstil, gute Geschichte, aber leider eine unausstehliche Hauptfigur, die sehr viel kaputt macht.