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Freitag, 28. März 2025

The Last Bookstore on Earth [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Als ich 16 war, habe ich mal damit begonnen, einen Roman über ein Mädchen zu schreiben, das sich über die Apokalypse freut, weil sie so endlich mal Zeit hat, um alle Bücher zu lesen, die sie lesen will. Es war eine meiner Meinung nach sehr lustige Geschichte, die ich wegen Schulstress aber nie beendet habe. Naja, vielleicht irgendwann mal? An diese Geschichte musste ich auf jeden Fall hier denken.

In diesem Roman geht es um die 17-jährige Liz, die seit inzwischen kanpp einem Jahr in einer Buchhandlung lebt. Die restliche Welt liegt in Trümmern, und die wenigen Überlebenden haben durch die Stürme inklusive Säureregen alles verloren. So auch Liz, für die dieses Geschäft seitdem der einzige Ort ist, an dem sie sich noch sicher fühlt. Mit den Büchern handelt sie auch jetzt noch, gleichzeitig hat sie die Buchhandlung zu einer Art Postamt umfunktioniert: Menschen können hier Nachrichten hinterlassen und abholen. Doch dann bricht eines Tages die gleichaltrige Maeve ins Geschäft ein. Sie ist sehr wahrscheinlich gefährlich und wird verfolgt, doch da gerade ein weiterer Sturm aufzieht, brauchen die beiden einander. Liz bietet Maeve eine Unterkunft an, Maeve wiederum hilft Liz bei einigen Reparaturen und bei der Beschaffung neuer Vorräte. Und während sich der Himmel mit jedem Tag weiter verdunkelt, entwickelt sich zischen den beiden eine zarte Liebesgeschichte …

Es handelt sich hierbei um einen schönen und jugendgerechten Liebesroman von einer selbst erst 19 Jahre alten Autorin. Das junge Alter der Autorin merkt man an manchen Stellen meiner Meinung nach auch, aber das ist okay. Und ich finde, dass hier definitiv auch schon das Potential sichtbar wird, das die Autorin mit sich herumträgt. So oder so bin ich gespannt, welche Bücher dieser Autorin ich in Zukunft noch kennenlernen darf. 

Neben der stimmigen Beziehung zwischen den beiden Mädchen findet sich hier auch viel Spannung, die zumindest bei mir dafür gesorgt hat, dass ich nur so durchs Buch geflogen bin. Was verbirgt Maeve? Was ist mit Liz‘ Familie passiert? Und werden die beiden den nächsten Sturm überstehen?

Dass sowohl Maeve als auch Liz es geschafft haben, so lange am Leben zu bleiben, hat mich überrascht - beide zeichnen sich hier nicht durch ihre großartigen Survivalskills aus. Doch ich glaube, dass genau diese Eigenschaft dazu beitragen könnte, dass jüngere Leser:innen sich in den beiden Protagonistinnen wiedererkennen können. Sie sind eben keine Supermenschen, sondern ganz normale Mädchen, die trotz allem einfach auch eine gewaltige Portion Glück hatten.

Mein Fazit? Ein schöner Jugendroman!

Sonntag, 9. März 2025

Our Wives Under The Sea [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Bei diesem Buch gab es für mich eine Premiere: Eine Mitarbeiterin musste zur Self-Checkout-Kasse kommen und mein Alter überprüfen. Was mich im ersten Moment etwas irritiert hat, immerhin war ich extra zur Selbstbedienungskasse gegangen, weil ich am Tag davor bei einer Arbeitsveranstaltung war und so gar keine sozialen Energien mehr übrig hatte. Und: Ich bin Mitte 20 und fühlte mich trotzdem plötzlich wieder so, wie damals, als ich zum ersten Mal Alkohol gekauft habe. Natürlich hat bei diesem Buch aber niemand mehr nach meinem Ausweis gefragt. Ich denke nicht, dass es noch irgendwelche Zweifel an meiner Volljährigkeit geben könnte. Und jetzt, mit ein bisschen Abstand finde ich diese Kontrollen eigentlich gar nicht so schlecht. Gerade bei expliziten Inhalten, egal ob Erotik oder (so wie hier) Horror. Das müssen nicht unbedingt Kinder lesen. Schwieriger umsetzbar wird das wahrscheinlich bei Online-Bestellungen oder Grenzfällen. Wie geht man mit erotischen Romanen um, die von Verlagen für ein jüngeres Publikum freigegeben wurden - wie die Bücher von Ashley Herring Blake, die in der deutschen Übersetzung scheinbar plötzlich Jugendbücher sind? Oder mit 17-Jährigen, die wahrscheinlich durchaus oft schon in der Lage dazu sind, explizite Inhalte zu verarbeiten - vielleicht sogar besser als einige Erwachsene? Ich habe keine Antworten auf diese Fragen, sie sind mir aber beim Warten an der Self-Checkout-Kasse gekommen, deswegen möchte ich sie hier ganz frech in die Runde werfen.

In diesem Roman geht es um Miri und ihre Ehefrau Leah. Leah ist beruflich viel unter der Wasseroberfläche unterwegs - für Forschungsmissionen verbringt sie teils Wochen und Monate in U-Booten an den tiefsten Orten der Welt. Doch bei dieser neuesten Mission ist etwas schief gelaufen - und die Frau, die wieder zu Miri zurückkehrt, erinnert nur noch äußerlich an Leah. So weit, so gruselig. Schockierender als die Szenen an Land war für mich aber Leahs Perspektive, die uns von der Zeit in einem plötzlich stillstehenden U-Boot am Meeresboden erzählt, ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Wissen darüber, was denn überhaupt passiert ist und was passieren wird.

Kleiner Fakt über mich: Ich kann nicht gut mit Enge umgehen. Eventuell bin ich sogar schon leicht klaustrophobisch, habe aber keine Diagnose vorzuweisen und nenne mich deswegen nicht gerne so. Wenn ich in einem geschlossenen, kleinen Raum wie einem Aufzug stehe, erhöht sich mein Puls. Wenn ich in einer überfüllten U-Bahn stehe, muss ich mich auf meine Atmung konzentrieren und mich selbst beruhigen. Und meine bisher einzige Panikattacke passierte vor einigen Jahren in einer meiner Meinung nach komplett überfüllten Berggondel. Ich wüsste nicht, was diese Angst ausgelöst hat - sie war irgendwie schon immer da. Das erste Mal sichtbar wurde sie sogar auf einem U-Boot - passt also gut zu diesem Buch. Mein Vater hat uns Kinder zu diesem historischen U-Boot mitgenommen und hatte einen riesen Freude damit - denn sowas interessiert ihn sehr und ich weiß, wie schön er es fand, uns diese Möglichkeit bieten zu können, sowas mal von innen zu sehen. Aber sobald ich drin war, hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Ich musste sofort wieder da raus.

Wie ihr euch denken könnt, war also allein die Vorstellung, ohne Ausweg in einem U-Boot festzusitzen, für mich unglaublich gruselig und aufreibend. Vielleicht bin ich also die falsche Person, um den Gruselfaktor dieses Buches beurteilen zu können? Denn allein beim Schreiben dieser Rezension bekomme ich wieder schwitzige Hände.

[Spoiler im nächsten Absatz]

Dafür fand ich wiederum die Szenen an Land nicht wirklich gruselig. Ekelhaft, teilweise schon, aber nicht unbedingt gruselig. Das hing vielleicht damit zusammen, dass beide Protagonisten hier sehr passiv auf mich wirkten. Außerdem wurde bis zum Ende nie wirklich geklärt, was denn jetzt eigentlich wirklich passiert ist. Warum der technische Totalausfall des U-Boots? Warum Leahs Veränderung? Woher kamen die Stimmen? Und wem gehörte dieses Auge? Ich weiß es nicht, im Buch wurde es nicht geklärt. Das waren mir persönlich fast zu viele Fragen, die hier offen blieben.

[Spoiler Ende]

Den Schreibstil hier fand ich einfach großartig. Teils super schön, teils lustig, teils hat das Buch für Tränen in meinen Augen gefühlt. Und die Szenen unter Wasser haben bei mir ein richtig beklemmendes Gefühl ausgelöst - aber nochmal, das könnte auch einfach ich sein. Kann sein, dass das den Rest der Welt gar nicht stört, das kann ich nicht beurteilen. War aber auf jeden Fall toll zum Lesen!

Mein Fazit? Ein großartig geschriebener Horrorroman, der mich als Leserin aber mit vielen Fragen zurücklässt.

Sonntag, 2. März 2025

Eine kurze Geschichte queerer Frauen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Erst vor wenigen Wochen durfte ich mich wieder über ein Rezensenten-Paket von Lovelybooks freuen. Das Team dort ist einfach gewaltig und belohnt uns für unsere Leseempfehlungen fürstlich mit neuem Lesestoff. Dass ich diese Aufgabe auch ohne Buchpakete übernehmen würde, sage ich lieber nicht zu laut. Auf jeden Fall war in diesem Paket auch "Eine kurze Geschichte queerer Frauen" mit drin. Eine Lektüre, die mich bald neugierig machte. Ich hatte ja erst im Dezember "Wir waren Sappho" beendet, also war ich gespannt, ob es hier neue Gesichter geben würde und vor allem auch, wie hier der Stil ausfallen würde. "Wir waren Sappho" war ja fast schon poetisch.

Gleich zu Beginn die ganz große positive Überraschung: Die Autorin hat Humor! Das bin ich gerade von geschichtlichen Büchern nicht gewohnt. Ich war mir sicher, dass das hier eine eher trockene Lektüre sein würde, hier also plötzlich so einige Scherze zu finden, war schön. Ob jeder der Witze bei mir persönlich gelandet ist, ist wieder eine andere Frage, aber who cares? Ich habe mich gut amüsiert.

In diesem Büchlein findet ihr verschiedene queere Frauen (oder Personen, die man damals Frauen nannte, auch wenn sie sich heute vielleicht als trans oder nicht-binär bezeichnen würden). Neben den üblichen Kandidaten wie Sappho oder Virginia Woolf durfte ich hier auch Frauen kennenlernen, die mir vor der Lektüre nichts sagten oder die mir zumindest nie in diesem Kontext begegnet waren. So waren mir Hildegard von Bingen und Anne Frank natürlich ein Begriff, von ihrer Queerness wusste ich aber bis zur Lektüre hier noch nichts. Und ich schäme mich fast schon, zuzugeben, dass ich Marsha P. Johnson und Stormé DeLarverie nicht kannte, die beide total wichtige Figuren beim Stonewall-Aufstand waren. 

Aber hier werden nicht nur die verschiedensten Persönlichkeiten abgearbeitet, sondern es geht auch um vieles Drumherum: Um Proteste und um AIDS genauso wie um Lederdildos, Frauenfußball und natürlich um das Patriarchat und um Heteronormativität (das bedeutet, das wir dazu erzogen werden, davon auszugehen, dass wir und alle um uns herum hetero sind.). Dabei ist der Schreibstil der Autorin spannend wie bei einem Krimi. Zumindest bei mir weckte diese Lektüre die Lust, mehr über die einzelnen Personen zu erfahren und auch in den Lektüreangaben der Quellenhinweise ein bisschen zu stöbern.

Mein Fazit? Ich bin mir nicht sicher, ob ich zuvor schonmal ein so spannendes Geschichtsbuch verschlungen habe. Ganz große Empfehlung an euch!

Samstag, 25. Januar 2025

Eine Bonnie kommt niemals allein [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Habt ihr schon mal abseits von Krimis und Thrillern von einer dissoziativen Identitätsstörung gehört? Ich muss ja gestehen, dass ich sicher bis ich 14 oder 15 Jahre alt war, nicht wusste, dass es diese Erkrankung wirklich gibt. Ich hielt das einfach für eine Erfindung der Medienindustrie und habe das in diesem Alter auch noch nicht wirklich hinterfragt. Dann habe ich aber eine Doku über eine Person mit eben dieser Krankheit gesehen - und nur wenig später fand meine Thriller-Phase ihr Ende. Denn plötzlich entdeckte ich überall Täter mit multiplen Persönlichkeiten, wie es in diesen Büchern oft noch genannt wird oder zumindest zu diesem Zeitpunkt genannt wurde. Und das fand ich mies, immerhin ist es in der Realität ja genau umgekehrt: Menschen mit einer DIS wurden Opfer schwerster Gewalt, und das bereits in der frühen Kindheit. Irgendwie also pervers, dass diese Personen nun in verschiedenen Medien als Täter*innen gezeigt werden.

Auch die Bonnies haben diese Erkrankung. Als Leserin erfährt man in diesem Buch nicht warum, denn das halten sie für nicht zielführend. Und das ist auch fair enough, denn: Auch Menschen, die wie die Bonnies in der Öffentlichkeit über sowas aufklären, haben ein Recht auf Privatsphäre. Niemand außer Opfer selbst sollten darüber entscheiden, wie viele Details ihrer Geschichte sie teilen möchten. Selbst, wenn diese Opfer ein Buch über ihre Erfahrungen schreiben. Nicht wir haben das zu entscheiden, sondern nur die Bonnies selbst. Gerade wenn die Täter weiter auf freiem Fuß sind, so wie das hier der Fall ist. Außerdem: Ich bin mir nicht sicher, ob eine detailliertere Beschreibung für uns Leser:innen aushaltbar wäre.

Die Bonnies haben sich hier dafür entschieden, einen ähnlichen Erzählstil wie auch in ihren Instagram-Videos einzuhalten. Dort wechseln sich die verschiedenen Personen, die sich den Bonnie-Körper teilen, ab und erzählen immer aus ihrer Perspektive über die ausgewählten Aspekte. Und so machen sie es auch hier: Mal spricht Ami, mal 46, mal Fiona, mal die kleine Tessa, mal eine von über hundert anderen Personen. Das wird immer klar markiert, was zumindest für mich hilfreich war. Auch wenn man manche Personen wie Tessa nach einiger Zeit von selbst erkennt, wäre mir das mit anderen schwerer gefallen. So werden unterschiedliche Themen aus verschiedenen Perspektiven erläutert: der Weg zur Diagnose, der eigene Umgang mit dem plötzlich geteilten Leben, Reaktionen von außerhalb und innerhalb oder auch, wie denn der "richtige" Umgang mit Menschen mit einer DIS aussehen könnte. So werden viele Themen behandelt, in teils sehr informativen, teils eher emotionalen Kapiteln, die teils sachlich und teils sehr persönlich sind, je nachdem, wer denn gerade vorne ist. Das war einerseits interessant, andererseits fehlte mir durch die Menge an Perspektiven an manchen Stellen ein bisschen der rote Faden. So kam es zu Wiederholungen, die zwar teils wichtig und notwendig sind, an anderen aber aus meinen Augen weniger sinnvoll waren.

Auch wurde hier in Absprache mit dem Verlag die Entscheidung getroffen, die Rechtschreibung und Grammatik gerade der jüngeren Personen so beizubehalten, wie sie es selbst geschrieben haben. Das kann ich so akzeptieren - aber es bedeutet nicht, dass es mich nicht gestört hat, gerade bei längeren Passagen. Berufskrankheit, schätz ich.

Mein Fazit? Eine interessante Autobiographie, der an einigen Stellen etwas mehr Struktur gut getan hätte.

Dienstag, 7. Januar 2025

Blue Sisters [Kurzrezension]


Quelle: Verlag

Habt ihr eigentlich Geschwister? Ich habe zwei und ich liebe sie aus ganzem Herzen. Und die Vorstellung, dass diese beiden oder auch nur einer von ihnen plötzlich nicht mehr da sein könnte, ist der Stoff, aus dem meine schrecklichsten Albträume gemacht sind. Ihr könnt mir also glauben, wenn ich euch sage, dass ich mir zu Beginn gar nicht so sicher war, ob dieses Buch wirklich das richtige für mich ist. Ein Roman über den Tod einer Schwester... will ich das wirklich lesen? Ich bin dann einige Tage lang trotzdem bei der Arbeit immer wieder vor diesem Buch gestanden und hab reingeblättert. Und inzwischen vertraue ich meinem Instinkt gut genug um zu wissen, dass das meistens ein gutes Zeichen ist.

Und verdammt, bin ich froh, dass ich dieses Buch mitgenommen habe. Es geht hier um Avery, Bonnie, Nicky und Lucky – vier Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie vier sind eigentlich recht normale Geschwister. Klar kommt es auch bei ihnen immer wieder zu Reibung, doch sie lieben sich alle und bilden zu viert eine Gemeinschaft, wie sie nur Geschwister kennen. Zumindest war das bis vor einem Jahr so. Doch dann starb Nicky an einer Überdosis Schmerzmittel. Wie wir Leser:innen schnell erfahren, hatte Nicky Endometriose - diese Krankheit hat sie wohl in die Sucht getrieben. Und jetzt, ein Jahr nach ihrem Tod, ist für die hinterbliebenen Schwestern nichts mehr so, wie es sein sollte. Avery ist zwar weiter erfolgreiche Anwältin, doch betrügt ihre Ehefrau und hat wieder mit dem Rauchen begonnen, was für sie als ehemalige Alkoholikerin und Drogenabhängige ein gefährlicher erster Schritt zurück in die Sucht sein könnte. Bonnie, ehemals Boxweltmeisterin, arbeitet nun als Türsteherin in einer Bar und hat alle Träume, die sie je hatte, vor einem Jahr beerdigt. Lucky modelt weiter auf den größten Laufstegen der Welt, hat aber ihren Alkohol- und Drogenkonsum immer weniger unter Kontrolle.

Wie aus meiner Kurzbeschreibung hier schon hervorgeht: Es geht hier um verschiedene Formen der Abhängigkeit und um die Frage, wer denn jetzt Schuld an Nickys Tod hat. Für beide Themen gilt: Wenn ihr denkt, dass ihr damit ein Problem haben könntet, dann lasst die Finger davon. Es geht hier um so schwierige Themen wie die Frage, ob eine der vier Nickys Sucht hätte erkennen können oder sogar müssen. Und ob eine von ihnen irgendwie in der Lage gewesen sein könnte, diese Tragödie zu verhindern. Die Schwestern sparen nicht an Vorwürfen an sich selbst und an die anderen. Trotzdem liest sich das Buch an vielen Stellen leicht und ist nicht zu erdrückend. Hört sich paradox an, ich weiß.

Die Protagonistinnen erzählen vom Umgang mit ihrem Schmerz, vom Aufwachsen in einer von Sucht geprägten Familie, von Flucht und Ankommen. Und ganz groß steht über allem die Frage, was die drei zurückgebliebenen Schwestern denn wirklich von ihrem Leben wollen. 

Ich habe dieses Buch einfach nur verschlungen. Gerade die zweite Hälfte habe ich fast in einem Rutsch gelesen. Was für ein toller Roman für die erste Januar-Woche! Was für ein genialer Start in mein Lesejahr! So darf es gerne weitergehen!

Mein Fazit? Ein klares Highlight! Lest dieses Buch!

Mittwoch, 18. Dezember 2024

The First To Die At The End [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir erinnern uns noch gut an das erste Buch dieser Reihe, oder? Das war "They Both Die At The End". Ein Buch, bei dem ich es geschafft habe, mir einzureden, dass es natürlich und trotz des dramatischen Titels ein gutes Ende geben würde. Und wegen dem ich dann in einem Einkaufszentrum geheult habe. Da macht es doch Sinn, dass ich unbedingt das nächste Buch rund um "Deathcast" lesen wollte. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich hier von einem zweiten Band sprechen kann, denn es handelt sich um eine Art Vorgeschichte.

Hier ruft Deathcast zum ersten Mal an - und Valentino, jung, gesund, ein Model und gerade nach New York gezogen, hebt ab. Orion wiederum, der dringend auf ein Spenderherz wartet und nur darauf wartet, dass sein Herz den Dienst aufgibt, wird nicht angerufen. Und trotz dieser widrigen Umstände freunden die beiden sich an, denn die Anziehung zwischen den beiden ist einfach zu stark.

Diese Ausgangssituation hielt ich für besonders spannend, denn zu diesem Zeitpunkt weiß noch niemand, ob Deathcast echt ist oder doch nur ein meisterhaft geplanter Betrug. Ganz ehrlich, wäre ich in dieser Buchwelt, würde ich wohl von letzterem ausgehen. Denn woher soll diese Firma wissen, dass jemand in den nächsten 24 Stunden sterben wird? Als Leserin wussten wir hier mehr als die Figuren selbst. Doch trotzdem geht dadurch keine Spannung verloren, denn es ist Tag 1 dieses... Angebots. Und natürlich funktioniert das am ersten Tag nicht perfekt und schon bald sterben auch Menschen, die niemand angerufen und vorgewarnt hat... Dadurch konnte ich mir bis zum Ende nicht sicher sein, ob Orion nicht vielleicht doch noch sterben wird.

[SPOILER!]

Gleichzeitig ergab sich durch diese Unsicherheit auch mein einziger Kritikpunkt und der betrifft das Ärzteteam rund um Orion. Valentin entscheidet nämlich recht schnell, dass er sein Herz an ihn spenden will, sollte das irgendwie möglich sein. Natürlich sind die beiden ein Macht und für beide ist das eine bittersüße Nachricht. Und das Ärzteteam reagiert auf die komplett neue und für sie ja auch noch ungewöhnliche Situation so, dass sie Valentin dazu auffordern, seinen letzten Tag im Krankenhaus zu verbringen. Sein Leben ist sofort weniger wert als Orions, er wird nur noch als Spenderorgan gesehen. Das fand ich krass, vor allem für Ärzt:innen. Vor allem für den ersten Tag von Deathcast hielt ich das für nicht ganz glaubwürdig. Zu diesem Zeitpunkt weiß ja noch niemand so wirklich, ob das funktionieren wird. Sollten da nicht gerade Ärzt:innen kritisch sein?

[Spoiler Ende!]

Ich fand diese Fortsetzung (wenn ich sie denn so nennen kann) nicht ganz so genial wie Buch 1, aber trotzdem toll. Buch 3 wurde auch bereits angekündigt und ihr könnt euch sicher sein, dass das ebenfalls bei mir einziehen darf.

Mein Fazit? Trotz meines Kritikpunkts wirklich toll. Ich freue mich auf das nächste Buch aus dieser Welt.

Montag, 16. Dezember 2024

Wir waren Sappho [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Von Sappho habe ich zum ersten Mal im Studium gehört. Das war in einer Übung, in der es sonst eigentlich fast nur um männliche Dichter ging. Daher habe ich Sappho auch im ersten Moment für einen Mann gehalten, der natürlich über seine Freundin, seine Frau oder seine Affäre schreibt, wie es so viele andere auch tun. Erst während der weiteren Recherche daheim, habe ich festgestellt, dass Sappho tatsächlich eine Frau ist. Und nicht nur das: Sie ist eine Frau, der heute zugeschrieben wird, lesbisch zu sein. Zumindest weiß man ziemlich sicher, dass sie Frauen geliebt hat. Daher heißt das heute auch so, lesbisch: Sappho lebte auf der griechischen Insel Lesbos. Und im englischen Raum wird der Begriff "sapphic" auch gerne für Inhalte verwendet, in denen Frauen Frauen lieben.

Die Autorin Selby Wynn Schwartz erzählt in kurzen, aber sehr dichten Episoden vom Leben verschiedener queerer Frauen und als weiblich gelesener Personen - den Nachfolger:innen Sapphos. Gegendert, da hier nicht nur von lesbischen Frauen erzählt wird, sondern auch von genderqueeren und trans* Personen. Meist wird hier ganz auf Labels verzichtet. Die verschriebenen Personen werden vorgestellt, ihr Leben beschrieben und aus dem Kontext geht dann hervor, was denn vielleicht ihre Identität sein könnte. Gemeinsam haben sie nur: Sie alle sind Nachfolger:innen Sapphos – sie sind Dichter:innen oder Autor:innen, sie lieben Frauen und halten sich nicht an die Vorgaben der Gesellschaft. 

In fiktionalisierten Kurzbiografien wird von ihren Liebschaften erzählt, von glücklichen und unglücklichen Ehen und Partnerschaften, vom Erfolg mit ihren Texten oder auf der Bühne und von ihrem Kampf um Rechte für Frauen und Mitglieder der LGBTQIA+-Community. Neben bekannten Namen wie Virginia Woolf und Vita Sackville gibt es hier auch Menschen zu entdecken, die wohl der breiten Öffentlichkeit meist kein Begriff sind. So kannte ich vor dieser Lektüre zum Beispiel Lina Poletti nicht.

Die Autorin hat sich hier für einen fast schon poetischen, auf jeden Fall aber sehr dichten Schreibstil entschieden. Die biografischen Episoden unterschiedlicher Autor:innen wechseln sich ab und wirken so fast wie ein Mosaik. Ästhetisch ist das auf jeden Fall ansprechend, doch es erschwert auch den Lesefluss und setzt ein gutes Gedächtnis bei den Leser*innen voraus. Wer hier ein Sachbuch erwartet, ist an der falschen Adresse. Doch anspruchsvolle Leser:innen, die sich für das Leben der Nachfolgerinnen Sapphos interessieren, werden mit diesem Buch trotzdem ihre Freude haben.

Samstag, 12. Oktober 2024

Anny Bunny

Autorin: Nina Casement
Erschienen am 28.1.2023
Im Selbstverlag
ISBN: 9783757831219
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Anna ist eine Getriebene: Aufgewachsen im Berliner Plattenbau, lernt sie von klein an, sich mit dem Existenzminimum durchzuschlagen. Als ihre Eltern sterben, will sie der Armut um jeden Preis entkommen. Dafür sieht sie nur einen Weg: Pornostar zu werden. Selbstbewusst und mit unbarmherziger Disziplin stellt sie sich den Herausforderungen der Branche und vermarktet sich erfolgreich als "Anny Bunny". Doch derweil ihr Plan aufzugehen scheint, bleiben die physischen und psychischen Narben lange verborgen. Viel zu spät wird Anna bewusst, wie sehr das zerstörerische Frauenbild der Filme ihren Alltag beherrscht. Kann der Ausstieg in ein normales Leben gelingen?

Auch Phillip kämpft mit den sexuellen Erwartungen an ihn als jungen Mann, die seine Freunde mühelos zu erfüllen scheinen. Nach außen hin eine gewöhnliche Jugend erlebend, ist er innerlich zunehmend zerrissen und verunsichert - stimmt mit ihm etwas nicht? Ist er unfähig, eine glückliche Beziehung zu führen?

"Anny Bunny" nimmt den Leser mit auf eine Reise zu den Schattenseiten einer Industrie, die Lust verkauft, und erzählt aus zwei Perspektiven, die bislang kaum Beachtung finden."
Quelle: lovelybooks.de

Meine Meinung:
Wie viele Bücher über Sexarbeit kennt ihr so? Und wie viele davon sind keine Dark Romance Romane, in denen Sexarbeit romantisiert wird? Ganz ehrlich? Mir fällt spontan kein weiteres Buch ein. Deswegen habe ich auch gerne zugesagt, als die Autorin mir ihren Roman angeboten hat. 

Anna hat es nicht leicht und schon im ersten Kapitel wird sichtbar, wie düster ihre Gedankenwelt im Laufe der Geschichte noch werden wird. Da war ich erstmal ziemlich schockiert, denn ich hatte damit nicht gerechnet. Gleichzeitig aber hat mich dieser arge Einstieg neugierig gemacht. Was geht hier vor sich? Wie konnte es so weit kommen? Das erfahren wir bald, denn dieses Buch ist als eine Art fiktionale Biografie aufgebaut. Wir begleiten Anna von ihrer Kindheit bis sie circa 30 Jahre alt ist. Und schon bald konnte zumindest ich nachvollziehen, warum Anna davon träumt reich zu werden. Womit ja auch nichts falsch ist - aber ich glaube, die meisten von uns, wären nicht bereit dazu, Pornodarsteller:innen zu werden, nur um das große Geld zu machen. Also zumindest ich wäre das ganz sicher nicht. Anna aber möchte ihr Glück versuchen - und lernt schon bald auch die düsteren Seiten des Geschäfts kennen.
Während sich das erste Drittel des Buches noch eher langsam aufbaute, entwickelt sich der Rest der Geschichte um einiges schneller. Es lohnt sich also, dranzubleiben!

Was ich hier sehr gut finde, ist, wie menschlich Anna trotz all ihrer Erlebnisse bleibt. Und sie erlebt hier wirklich viel, das Geschäft der Pornos wird hier an keiner Stelle romantisiert oder auch sexualisiert, falls das irgendwie Sinn macht. Natürlich sind Pornos etwas sehr sexuelles, versteht mich nicht falsch, aber Anna ist trotzdem kein Sexobjekt. Sie ist nicht nur ihr Beruf und auch wenn sie gerade am Set ist, merken wir doch, dass das für sie nur das ist: ein Beruf. Sie findet es selbst nicht so besonders toll und anregend, an Pornos mitzuwirken, aber damit verdient sie halt ihr Geld - und sie verdient nicht mal besonders schlecht damit. In vielen Fällen ist es für sie sogar eher unangenehm, denn ihr Beruf hat leider wie bei vielen Menschen in der Branche auch für sie gesundheitliche Folgen. Die Beschreibung von diesen war für mich persönlich stark an der Schmerzensgrenze - aber trotzdem halte ich sie an dieser Stelle für passend. Seid aber gewarnt, dass ihr für dieses Buch starke Nerven braucht.

Eine zweite Person, die wir hier kennenlernen, ist Philip. Er glaub, dass mit ihm irgendwas nicht stimmt - denn eigentlich möchte er keinen Sex haben. Das war zu den Beschreibungen, auf die wir in Annas Kapiteln stoßen, doch ein eher krasser Kontrast - aber ich fand ihn auch gut. Ich hätte mir ehrlich gesagt sogar noch ein paar mehr Kapitel aus seiner Perspektive gewünscht. Asexualität ist in der Literatur so arg unterrepräsentiert! Es war eine Überraschung, hier ein Beispiel dafür zu finden, aber ich finde diesen Kontrast toll gelungen.

Mein Fazit? Ein gut gelungenes Buch. Es hat mich schockiert, aber ich habe es trotzdem gerne gelesen.

Donnerstag, 18. Juli 2024

Brown Girls [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch handelt von Soraya, Ruth und Claire und von hunderten anderen Mädchen, Frauen und Menschen, denen bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde - zusammengefasst hier unter dem Begriff "brown girls". Ihnen gemeinsam ist nur, dass sie die Kinder von Einwanderern sind und sie im „miesen Teil von Queens“ aufgewachsen sind. Das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Trotz des Titels haben die Figuren nicht mal die Hautfarbe gemeinsam - denn "braun" bedeutet nicht gleich "braun". Wie hier in einem ganzen Kapitel beschrieben wird. Es gibt etwa eine Millionen Schattierungen und das alles kann man eigentlich gar nicht mit einem Begriff zusammenfassen. Das wird hier beim Lesen schnell klar - und trotzdem wird "brown girls" hier als Selbstbezeichnung das ganze Buch über verwendet. 

Andere Unterschiede: Die Protagonist:innen haben unter ungesunden Familienstrukturen gelitten (oder auch nicht), haben die Schule abgeschlossen (oder nicht), sind dem miesen Teil von Queen entflohen (oder sind geblieben), haben Karriere gemacht (oder nicht). Es gibt nicht den einen klaren Lebensweg, der hier anhand einer Protagonistin vorgestellt wird, stattdessen zeichnet die Autorin mithilfe einer auktorialen Erzählerin ein Bild von so vielen Leben, wie nur in einem Buch beschrieben werden können. Sie erzählt von Armut und dem Kampf dagegen, von Identitäten, die durch Migrationserfahrungen geprägt wurden, von externem und internalisiertem Rassismus von klein auf. Die dabei verwendete Sprache ist überraschend lyrisch und erinnert an Rap-und Hip-Hop-Texte. 

Wie in diesen Musikgenres üblich, wird auch hier eine informale Sprache verwendet und für Bücher ungewöhnlich oft geflucht. Das hat mich nicht gestört, da es zum Gesamtwerk passt, wird aber wahrscheinlich nicht allen Leuten gefallen.

Mein Fazit? Dieser Roman ist überraschend und ungewöhnlich – in seiner Sprache, in seinem Stil, in seiner Art, ein Leben als Person of Colour in den USA zu beschreiben. Das erfordert geduldige Leser:innen, die gewillt sind, sich auf ein solches Buch einzulassen. Ich persönlich war begeistert.

Sonntag, 30. Juni 2024

Nightowls. Boten der Dämmerung

 Autorin: Kathrin Tordasi
Erschienen am 13.3.2024
Im Fischer Tor Verlag
ISBN: 9783596707539
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Magische Urban Fantasy in London über den Kampf gegen das Chaos – und die Suche nach dem eigenen Selbst

Unter dem Deckmantel der Nacht bricht eine schleichende Welle der Zerstörung über London herein. Vögel fallen vom Himmel, Straßen zerbröckeln in bodenlose Abgründe und Menschen lösen sich in Sternenstaub auf.

Nyx und James sind Nachtboten, die nicht nur die Anzeichen der drohenden Apokalypse zuerst erkennen, sondern auch entschlossen sind, sie aufzuhalten. Im Labyrinth der Stadt suchen sie nach einem Menschen, der die Saat des Chaos streut – doch sie sind nicht die einzigen. Konkurrenz machen ihnen die Agenten des Ordens des Ersten Tages, die ganz eigene Pläne zu verfolgen scheinen. Von allen Seiten bedrängt beginnen Nyx und James zu ahnen, dass die größte Gefahr von ihnen selbst ausgeht.

Für Leser*innen von Leigh Bardugo, Liza Grimm oder V.E. Schwab."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch lag peinlich lange bei mir daheim rum. Wäre es kein eBook gewesen, wäre es wohl verstaubt. Das hing aber nicht damit zusammen, dass ich keine Lust darauf hatte, ganz im Gegenteil. Schon seit längerer Zeit steht "Nightowls" auch im Bücherregal bei der Arbeit und jeden Tag, wenn ich daran vorbei gelaufen bin, habe ich mich gefreut, das auch bald in die Hand zu nehmen. Und dann ging ich nach Hause und habe irgendwie versucht, an meiner Masterarbeit weiterzuwerkeln und meine Wohnung davon abzuhalten, im Chaos zu versinken. Uuuund wieder blieb dieses Buch einen weiteren Tag ungelesen liegen. In den letzten beiden Wochen habe ich jetzt aber wieder versucht, meine Lese-Routine wieder aufzunehmen: 50 Seiten pro Tag, komme was wolle. Und eines der ersten Bücher, die ich im Zuge von diesem Experiment von ihrem SUB-Dasein erlösen konnte, war dieses hier. Endlich!

Zu Beginn dieses Buches war ich ehrlich ein bisschen verwirrt. Was sind Nachtboten und was sind Tagboten? Warum haben es die Tagboten auf die Nachtboten abgesehen? Was ist das Chaos? Und was unterscheidet dieses Chaos von dem meiner Wohnung? Und auch: Wie hängen all diese Perspektiven miteinander zusammen? Bei mir hat das etwas gebraucht, bis ich das alles endlich durchschaut habe. Sobald ich aber einen Grundstock an Wissen über diese Welt aufgebaut habe, fand ich diese Geschichte und ihre Figuren sehr spannend. Vor allem Nyx war mir bald sehr sympathisch. Bis auf ihre Nachtmagie ist sie nämlich eigentlich ein ganz normaler Mensch, der nur ihre Ruhe haben will.
Nach einem sehr starken Mittelteil folgte dann leider noch ein eher schwächeres Ende. Schwächer vor allem deswegen, da hier ein Plottwist auf den anderen folgt, was ich persönlich bald sehr verwirrend fand. 

[Spoiler]
Ab Beginn der zweiten Hälfte habe ich das Chaos und die Chaosträger als Metapher für psychische Krankheiten gelesen und war überzeugt davon, dass diese Metapher bis zum Ende standhalten wird. Ich war mir sicher, dass vor allem das Thema Trauer noch eine große Rolle spielen würde - und das fand ich richtig toll, denn alle von uns werden irgendwann trauern müssen. Trauer ist ein grauenhaftes Gefühl, doch es ist Teil des Lebens und gehört dazu. Es bringt nichts, so zu tun, als hätten wir dieses Gefühl nicht, und uns zum Funktionieren zu zwingen. Genau das tun Nyx und James aber nach dem Tod ihres Adoptivbruders. Sie verdrängen den Schmerz und setzen sich nicht damit auseinander. Vor allem Nyx leidet sehr darunter, denn sie macht sich für Leons Tod verantwortlich. Diesen inneren Stress, unter dem beide Geschwister stehen müssen, als alles zerstörendes Chaos darzustellen, fand ich genial - denn genau so fühlt es sich doch an, zu trauern, oder? Zumindest für mich beschreibt das die erste Zeit nach dem Verlust von jemandem, den ich liebe, doch sehr gut. Und hier wird diese Trauer halt durch das Chaos sichtbar gemacht und für den Rest der Welt sichtbar gemacht. Für mich war das offensichtlich. Zumindest bis zu den letzten paar Seiten. Jetzt bin ich mir ehrlich gesagt nicht mehr ganz sicher, ob die Autorin diese Metapher tatsächlich so geplant hat, wie ich sie gelesen habe.

Das Buch liest sich im Großen und Ganzen sehr gut und konnte mich über weite Teile fesseln.

Alles in allem? Eine Lektüre über Geschwisterliebe und Trauer, mit einigen Schwächen, aber trotzdem spannend.

Dienstag, 11. Juni 2024

Der Plan zur Rettung der Welt [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist der erste Roman seit einer halben Ewigkeit, den ich euch mal wieder uneingeschränkt empfehlen kann. Immer wieder begegne ich einfach Büchern, die mich daran erinnern, wie sehr ich das Lesen eigentlich liebe und warum ich mich dazu entschlossen habe, Literaturwissenschaften zu studieren. "Der Plan zur Rettung der Welt" ist eines dieser Bücher. Es ist unglaublich gut geschrieben, spannend, super kritisch und intelligent und hat meiner Meinung nach das Potential, zum Klassiker der Zukunft zu werden. 

Doch worum geht es? Es geht um Emi und Larch. Die beiden sind Tochter und Vater und leben in einer klimaneutralen und friedlichen Welt. Während Larche und Emis Mutter noch vor Hitze und Waldbrände geflohen sind und gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt gekämpft haben, lebt Emi ein bequemes Leben, das nur von den Erwartungen und ständigen Streitereien ihrer Eltern überschattet wird. Doch dann kommt es zu Anschlägen auf verschiedene Politiker – und die Welt, wie Emi und ihr Vater sie kannte, bricht damit zusammen. Denn in den darauffolgenden Ermittlungen ist Emis Mutter die Hauptverdächtige.

Dieses Buch erzählt von einer Welt am Rande des Abgrunds und ist dabei stets glaubwürdig. Auch der Generationenkonflikt zwischen Emi und ihren Eltern wirkte auf mich authentisch. Die Folgen des Klimawandels, die hier dargestellt und eindringlich beschrieben werden, bleiben im Gedächtnis - und entsprechen leider ziemlich genau dem, was auch wir in Zukunft erwarten können. Dass wir unseren Schmarrn endlich auf die Reihe bekommen und die Klimakatastrophe aufhalten können, glaube ich nach der Wahl am Sonntag leider nicht mehr. Genau wie es in diesem Roman beschrieben wird, werden auch wir in ein oder zwei Jahrzehnten Schadensbegrenzung betreiben müssen. Wie die Protagonisten werden wir Opfer bringen müssen - und ich kann nur hoffen, dass diese Opfer nicht ganz so groß sein werden wie hier. 

Mein Fazit? Climate Fiction vom Feinsten und damit eine große Empfehlung für euch alle. Das hier hat es verdient, ein Klassiker der Zukunft zu werden!

Sonntag, 28. April 2024

Nimona [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute darf ich euch mal wieder ein Buchclubbuch vorstellen. Das Thema war "Comics und Graphic Novels" und ich war unter den Personen, die für dieses Buch abgestimmt haben. "Nimona" verspricht viel Spannung und eine ungewöhnliche (Anti-) Heldin.

In "Nimona" geht es um die gleichnamige Gestaltwandlerin Nimona, die sich dem Bösewicht Lord Ballister anschließen möchte. Warum? Ich glaube, weil sie ihn einfach cool fand. Tiefere mögliche Motive werden erst weiter hinten im Buch enthüllt und ich werde deswegen hier auch nicht weiter darauf eingehen. Aber auch das Motiv der Coolness ist für mich in Ordnung - Nimona wird hier von einem Teenie-Mädchen im Alter von vielleicht 12 oder 13 Jahren verkörpert. Was hätte ich in diesem Alter nicht alles gegeben, um cool zu sein! Und Nimonas Weg, mit diesem Drag umzugehen, ist dann halt, dass sie sich einem berühmt berüchtigten und wahrscheinlich gefährlichem Bösewicht anschließt. Nein, wie gesagt, das ist nicht wirklich ihr Motiv. Aber die Wahrheit kommt erst viel später ans Licht, deswegen dazu jetzt nichts.

Die Geschichte selbst fand ich erfrischend anders und unterhaltsam. Nimona war mir sofort sympathisch und ich war überrascht, wieviel Tiefe diese Figur später noch bekam, obwohl sie zu Beginn doch eher die Figur für den Comic Relief war. Den Humor in der Geschichte mochte ich sehr. Wenn sich Nimona mal wieder in einen Hai verwandelte, um Lord Ballister zu erschrecken, habe ich mich jedes Mal wieder darüber amüsiert.

Nicht ganz zufrieden war ich mit dem Ende des Graphic Novels. Das hat bei uns auch für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Ich persönlich hätte mir hier ein Happy End gewünscht. Außerdem finde ich, dass das Ende mehr Platz hätte einnehmen dürfen und können.

Mit den Bildern des Graphic Novels war ich auch zufrieden. Ich habe sie mir gerne angesehen, auch wenn sie eher schlicht gehalten wurden. Probleme hatte ich eigentlich nur zu Beginn und nur mit Nimonas Frisur, die ich zu Beginn nicht als solche erkannte. Ich dachte, dass sie da vielleicht eine Mütze trägt und habe mich gewundert, warum hier zwei Farben mit so geringem Kontrast gewählt wurden. Aber nein, das sind ihre Haare. Später im Graphic Novel wird das auch noch erklärt.

Mein Fazit? Hat mir gut gefallen. Ich freue mich darauf, mir mit dem Buchclub auch noch den Film dazu anzusehen.

Freitag, 29. März 2024

Beklaute Frauen [Buch und Hörbuch]

 Autorin: Leonie Schöler
Gesprochen von Felicity Grist
Erschienen am 28.2.2024
Im Penguin Verlag (Buch) bzw. im Lagato Verlag (Hörbuch)
ISBN Buch: 9783328603238
ISBN Hörbuch: 9783955672560
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm bekamen

Muse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Für deren Leistungen Männer die Auszeichnungen und den Beifall bekamen: Wissenschaftlerinnen, deren Errungenschaften, im Gegensatz zu denen ihrer männlichen Kollegen, nicht anerkannt wurden. Autorinnen, die sich hinter männlichen Pseudonymen versteckten. Oder Künstlerinnen, die im Schatten ihrer Ehemänner in Vergessenheit geraten sind. Lebendig und unterhaltsam erzählt die Historikerin Leonie Schöler ihre Geschichten, sie zeigt, wer die Frauen sind, die unsere Gesellschaft bis heute wirklich vorangebracht haben. Und sie verdeutlicht, wie wichtig die Diskussion um Teilhabe und Sichtbarkeit ist. Dabei wird klar: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Hier habe ich endlich mal etwas ausprobiert, das ich schon öfters bei anderen Blogger:innen beobachtet habe: Ich habe das Hörbuch angehört und simultan dazu das Buch gelesen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert sehr gut. Das werde ich in Zukunft ganz sicher öfter machen. Ich hatte plötzlich gar keine Probleme mehr, mit den Gedanken beim Text zu bleiben und fand es um einiges weniger anstrengend, zu lesen. Was auch bedeutet hat, dass ich teils 100 Seiten in einer Sitzung lesen konnte, ohne danach komplett kaputt zu sein. Und, ein Funfact, den ich dank diesem Experiment jetzt kenne: Die angenehmste Hörbuchgeschwindigkeit für mich, wenn ich parallel dazu lesen möchte, ist 2,5. Insgesamt also: 10 von 10 Punkten, werde ich definitiv in Zukunft öfter machen. Wozu hat man denn ein Hörbuchabo?

Jetzt aber endlich zum Buch. In "Beklaute Frauen" geht es - wie der Titel bereits vermuten lässt - um Frauen, denen in der Geschichte nicht die Wichtigkeit zuerkannt wird, die sie verdient hätten. Und meist waren daran die Männer Schuld, die sie um sich hatten. Ehemänner, Arbeitskollegen, Künstlerkollegen,... Dieses Buch hat mich unglaublich wütend gemacht. Ganz ehrlich? Es ist nicht so besonders schwierig, sich nicht die Leistungen anderer Menschen selbst zuzuschreiben und sich Erfolge selbst zu arbeiten. Seriously, wie kommt man überhaupt auf die Idee, zum Beispiel ins Büro der Arbeitskollegin einzubrechen, um ihre Notizen zu stehlen und anschließend sogar in der eigenen Autobiographie damit zu prahlen, dass man sich den Nobelpreis nur durch Betrug und Diebstahl "verdient" hat. Bah, da wird mir richtig übel! Und das richtig Schlimme ist ja, dass solche und ähnliche Aktionen nicht nur Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg dieser Menschen hatte: Hier wird auch von Suiziden berichtet, die infolge dieses Verhaltens geschahen.

Trotz dieses sehr emotionalen Themas, das mich persönlich einfach nur wütend macht, schafft es die Autorin mit viel Empathie über diese vergessenen Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Heldinnen und so weiter zu berichten und ihnen so die Sichtbarkeit zurückzugeben, die sie eigentlich schon zu Lebzeiten verdient hätten. Das passierte an vielen Stellen auch wortwörtlich, nämlich durch Fotos von den Frauen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch in den nächsten Wochen und Monaten alle Bestsellerlisten anführt und im Internet gehyped wird, denn ich möchte, dass all diese Namen und Geschichten im kollektiven Gedächtnis landen, verdammt!

Gleichzeitig beweist die Autorin aber nicht nur Empathie für die Vergessenen, sondern auch für ihre Leser:innen. Vor jedem Kapitel findet man Triggerwarnungen, was ich für wichtig und richtig halte. So haben wirklich alle die Möglichkeit, ein Kapitel zu überspringen, sollten sie zu einem Thema gar nichts lesen können oder wollen. Kann ich euch persönlich zwar nicht empfehlen, da ihr dann eine Menge spannender Frauen nicht kennenlernen werdet, aber wie immer gilt trotzdem: Deine Mental Health hat Vorrang.

Die Autorin beschränkte sich aber nicht nur auf die Biographien verschiedener Frauen, sondern kontextualisierte diese auch sehr gut. Sie ging so zum Beispiel auch auf die Diskriminierung durch Gesetze ein, erklärte, wie bestimmte Aspekte in der Gesellschaft zur Zeit funktionierten, in der die einzelnen Frauen lebten und geht dabei auch intersektional vor, was mir sehr wichtig erscheint. In Infokästen (oder im Hörbuch einfach "Info" genannt) erklärt sie dabei auch so schwierige Wörter wie "intersektional". (Zur Info: Das bedeutet, dass nicht jeder Mensch auf gleiche Art von Diskriminierung betroffen ist. Es gibt auch Dinge wie Mehrfachdiskriminierung. Ich als junge weiße Frau aus Österreich bin von Sexismus anders betroffen als eine POC-Frau, die aus Syrien nach Österreich geflüchtet ist und eine Behinderung hat. Was nicht bedeutet, dass Sexismus für mich nicht auch schlimm ist, aber im Gegensatz zur anderen Frau bin ich nicht zusätzlich von Rassismus, Gewalt gegen Migrant:innen oder von Ableismus betroffen. Der Sexismus, den diese Frau erlebt, wird auch sehr wahrscheinlich anders aussehen als der gegen mich. Man denke zum Beispiel an das Klischee der "Angry Black Woman", das sowohl rassistisch als auch sexistisch ist und mich nie betreffen wird.)

Mein Fazit? Dieses Buch und Hörbuch hat mich sehr beeindruckt und ich kann es kaum erwarten, es in den nächsten Wochen allen Menschen in meiner Umgebung aufzuzwingen.

Sonntag, 24. März 2024

Vierzehn Tage. Ein Gemeinschaftsroman [Hörbuch]

Herausgeber: Margaret Atwood und Douglas Preston
Gelesen von Simone Kobst
Erschienen am 15.2.2024
Im OsterwoldAudio Verlag
ISBN: 9783869525327
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Geschichten machen die Welt zu einem besseren Ort.

New York im April 2020. Während des ersten Lockdowns wird das Dach ihres Mietshauses für die Bewohner zur überraschenden Zuflucht vor der Isolation. Jeden Abend treffen sie sich dort und erzählen einander ihre ungewöhnlichen, spannenden, komischen und bewegenden Geschichten. Jeder Mieter und jede Mieterin steuert eine bei (wahr oder zumindest gut erfunden), und ein neues Decamerone für unsere Zeit nimmt seinen Anfang. Allmählich findet die Runde zu einer unerwarteten Gemeinschaft und Anteilnahme füreinander …

Ein Loblied auf das Leben, die Menschlichkeit und die Gemeinschaft.

Ein einzigartiges Romanprojekt, das 36 der hochkarätigsten Autorinnen und Autoren der US-Gegenwartsliteratur versammelt – von Margarete Atwood bis Silvia Day, von Celeste Ng bis John Grisham."
Quelle: Verlag

Meine Meinung: 
Sagt euch das "Decamerone" etwas? Dabei handelt es sich um einen italienischen Klassiker von Boccaccio. Die Geschichte spielt zur Zeit der Pest: Eine Gruppe Adeliger flieht während der Pest auf einen Landsitz in der Toskana, isoliert sich dort brav selbst und erzählt sich den lieben langen Tag Geschichten. So entstand eine sehr spannende Kurzgeschichtensammlung voll mit Geschichten, von denen ich viele überraschenderweise aus meiner Kindheit kannte. Ihr könnt euch vorstellen, wie überrascht Klein-Mira war, als sie diese Geschichten dank einem Unikurs wiederentdeckte. 

So ähnlich funktioniert auch dieses Buch: Während dem ersten Covid-Lockdown treffen sich die Bewohner:innen eines Hauses jeden Abend auf dem Dach. Dort erzählen sie sich Geschichten. Die Grundhandlung folgt einer jungen Hausmeisterin, nach und nach kommen aber alle Figuren zu Wort. Jede dieser Geschichten stammt aus der Feder einer anderen Autorin oder eines anderen Autors - wie immer bei solchen Anthologien war es auch hier so, dass sich daher auch die Qualität der Geschichten voneinander unterschied. Von "Absolut gigantisch und will ich gleich nochmal hören!" über "Ja, ganz nett..." bis hin zu "Hätte ich nicht gebraucht", war auch hier alles dabei. Von welcher Autorin oder welchem Autor die Geschichte jeweils genau stammt, wird dabei nicht weiter markiert. Halte ich persönlich für eine gute Entscheidung, denn so entstanden keine Brüche im Text und die Handlung blieb ein großes Ganzes. Gleichzeitig wäre es aber für mich spannend gewesen, zumindest am Ende des Hörbuches eine Auflösung zu bekommen, wer denn nun für welchen Textteil verantwortlich war.

[SPOILER!]
Gerade zu Beginn dachte ich mir immer wieder, dass ich dieses Buch gerne im März 2020 gehört hätte. Denn hier wird die Stimmung, die ich damals ebenfalls wahrgenommen habe, gut einfangen und gleichzeitig, gibt es aber trotzdem noch Hoffnung und Trost für alle Beteiligten. Zumindest über weite Teile. Desto weiter hinten im Buch, desto unglaubwürdiger wurde die Geschichte dann leider. Mit dem Ende war ich persönlich leider richtig unzufrieden. Alle Figuren realisieren hier, dass sie gleich zu Beginn der Pandemie verstorben sind und sich tatsächlich in der Welt nach dem Tod befinden. Puh. Ihr seht, warum ich dieses Ende schrecklich finde? In diesem Ende bleibt meiner Meinung nach keinerlei Platz für Hoffnung und für ein gutes Ende der Pandemie. Außerdem finde ich ein solches Ende immer ein bisschen faul - vor allem, wenn es wie hier in nur wenigen Minuten abgehandelt wurde. Das wirkte auf mich leider so, als wären hier die Ideen ausgegangen und als hätten die Autor:innen einfach irgendeinen Weg gebraucht, um das Buch möglichst schnell abzuschließen und dabei alle noch offenen Fragen zu klären. Das wirkte auf mich leider einfach lieblos.

Mein Fazit? Wie bei vielen Anthologien variiert die Qualität der Geschichten. Über weite Teile mochte ich dieses Hörbuch - mit dem Ende war ich aber sehr unzufrieden. Insgesamt also leider nur mittelmäßig.

Dienstag, 19. März 2024

Lebender Beweis

Quelle: Noa Lunara

 Dieses Buch stammt mal wieder aus meinem Bekanntenkreis. Einer der vielen Vorteile, die man hat, wenn man auch beruflich in der Buchbranche unterwegs ist. Und von dieser Person, die mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat, möchte ich definitiv auch in Zukunft mehr lesen.

Es geht in diesem Buch um den Engel Samael, der gezwungen wird, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen. Warum tut er das? Nun, er ist erblindet und Gott heilt ihn aus irgendeinem Grund nicht. Außerdem weiß er nicht, dass es Satan ist, der ihm das Augenlicht zurückgibt. Trotzdem wird er dafür bestraft und wird zu einem Verdammten, zu einem gefallenen Engel. Wie die Geschichte von diesem Zeitpunkt an weitergeht? Das kann ich euch leider nicht sagen, denn bei diesem Buch handelt es sich um einen Kurzroman. Bei Kurztexten ist es immer sehr schwierig, den Inhalt zu beschreiben, ohne zu spoilern.

Und gerade bei diesem Text wäre es eine Schande, wenn es durch Spoiler Leser:innen verlieren würde. Denn die Autorin hat mit diesem Text wirklich ein kleines Kunstwerk geschaffen. Drama, Intrigen, Liebe... das alles findet ihr hier auf nur wenigen Seiten.

Dieses Buch war für mich definitiv eine große Überraschung und ein Lesehighlight. Ich habe das Buch in einer Sitzung durchgesuchtet und jede Sekunde daran geliebt. Ich freue mich darauf, hoffentlich in Zukunft noch mehr von Noa Lunara lesen zu dürfen. Ich halte dey für sehr talentiert und das weiß sie hoffentlich auch. Am liebsten würde ich direkt mehr über diese Welt lesen und über die Protagonisten, die hier vorgestellt wurden. Ich sehe in dieser Geschichte noch viel Potential, das dey noch in weiteren Teilen aus der Geschichte herausholen könnte.

Mein Fazit? Kann ich euch aus ganzem Herzen empfehlen.

Freitag, 23. Februar 2024

The Lost Memory Project

 Autor: Alexis Hall
Erschienen am 22.12.2023
Im LYX Verlag
ISBN: 9783736320659
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag



Klappentext:
"Ein vorgetäuschter Gedächtnisverlust trifft auf echte Gefühle ...

Am liebsten würde Sam Becker das Meeting mit seinem Boss absagen, weiß er doch, dass der mit ihm über mögliche Entlassungen in seinem Team sprechen will. Jonathan Forest ist attraktiv - keine Frage -, aber leider auch ein bisschen einschüchternd. Und als Sam sich während des Termins den Kopf stößt, nutzt er die Gelegenheit und tut das einzig "Logische": Er gibt vor, sein Gedächtnis verloren zu haben und sich deshalb auch nicht an ihr Gespräch erinnern zu können. Was zuerst wie eine gute Idee aussieht, entwickelt sich schnell zu einem Desaster, denn bei ihrer zweiten Chance, sich wirklich kennenzulernen, entdeckt Sam ganz neue Seiten an seinem verschlossenen Boss und beginnt, ungeahnte Gefühle für ihn zu entwickeln ..."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Da es bei mir gerade wieder zu schneien begonnen hat, schreibe ich einfach mal eine Rezension zu einem der Weihnachtsbücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Auch wenn ich zugeben muss, dass mich das Weihnachts-Setting hier doch eher überrascht hat. Immerhin weißt nichts in Klappentext oder auf dem Cover darauf hin, dass es hier um Weihnachten gehen könnte. Das könnte man vielleicht bei der nächsten Auflage noch ergänzen, denn ich bin sicherlich nicht die einzige, die es gestört hätte, von dieser Zeit zu lesen, wenn sie das Buch im Hochsommer aufgeschlagen hätte.

Ich habe auch bereits "Boyfriend Material" und "Husband Material" des Autoren gelesen. Und war von beiden gut unterhalten, auch wenn mir vor allem "Husband Material" zwiegespalten zurückgelassen hat. Ich möchte ehrlich mit euch sein: Auch wenn ich das Buch lustig und unterhaltsam fand, hielt ich die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten in beiden Büchern nicht für gesund. Deswegen war ich umso gespannter darauf, ob ich das gleiche Problem auch hier wieder haben würde.

In "The Lost Memory Project" habe ich sehr viele Elemente aus den anderen Büchern des Autoren wiedererkannt. Da wäre zum einen die Namensgebung der Figuren ("der übereifrige neue Chris") und das Verhalten der Nebencharaktere, die oft überzeichnet, aber genau deswegen lustig und liebenswert waren. Wie auch bei den anderen Büchern habe ich auch dieses gerne gelesen und fand gerade zu Beginn vieles lustig. Ich habe mich über weite Teile gut unterhalten gefühlt und das ist ja etwas definitiv Positives.

Die Ähnlichkeit geht aber leider auch in eine weniger positive Richtung. Auch hier halte ich die Protagonisten für überhaupt nicht kompatibel. Die beiden bringen die schlimmsten Charaktereigenschaften des jeweils anderen zum Vorschein. Sie mögen sich die meiste Zeit des Buches nicht mal! Jonathan ist ein ziemlicher Arsch und das ändert sich auch im Laufe des Buches nicht wirklich. Irgendwann scheint Sam das halt einfach nicht mehr wirklich zu stören. Der Umschwung von "Sam hasst Jonathan" zu "Sam liebt Jonathan" passierte dabei ordentlich schnell - für mich fast zu schnell. Sam wiederum lügt Jonathan das ganze Buch über an. Die Lüge wird erst so zehn Seiten vor Schluss aufgeklärt - was mir persönlich einfach zu spät war. Denn so entstand nicht unbedingt die ideale Grundlage für eine gesunde Beziehung und alles musste sehr schnell abgehandelt werden. Ich wartete ständig darauf, dass jetzt alles aufkam und die Beziehung zerbrach, damit die beiden neu zueinander finden könnten und sich dieses Mal in die Wahrheit verlieben könnten. Aber das ist leider nicht passiert und ich wurde auch nie so wirklich warm. Am Ende habe ich mir dann eigentlich sogar gewünscht, dass die Beziehung vielleicht einfach zerbricht und beide feststellen, dass sie ohne Partner besser dran sind.

Allerdings hatte ich auch mit Sam so ein bisschen meine Probleme. Er ist unglaublich gutherzig - aber das war für mich leider oft nicht komplett glaubwürdig. Denn gleichzeitig konnte Sam auch ordentlich austeilen und war gegenüber von Jonathan teils auch richtig gemein. Sam kann nicht mit Geld umgehen, ist keine Führungsperson und ich habe mich oft gefragt, wie es denn dazu kam, dass er die Filiale leiten durfte. Denn er wirkt auf mich nicht so, als würde er die notwendigen Kompetenzen mitbringen. Ich meine: Er hat einen Mitarbeiter, der dafür bekannt ist, die Ausstellungsstücke zu beschädigen. Da scheint fast täglich was zu passieren. Es tut mir ja echt leid, aber der würde nicht lange für mich arbeiten. Vielleicht macht mich das zu einem schlechten Menschen, denn der Angestellte braucht das Geld, um seine Oma zu pflegen, aber hallo? Da verstehe ich Jonathan und seine Aufforderung an Sam, diesen Mitarbeiter endlich zu feuern.

Auch hatte ich bei diesem Buch ein bisschen das Problem, dass nur sehr wenig passiert. Meiner Meinung nach hätte man ohne große Änderungen an der Handlung auch einfach hundert Seiten kürzen können. Hört sich hart an, ich weiß. Aber für mich persönlich war das Buch für so wenig Handlung und Entwicklung leider einfach zu lange.

Mein Fazit? Gerade der Beginn war echt gut und ich mag auch den Humor des Autors. Auch die Nebenfiguren waren mir sympathisch. Mit den beiden Protagonisten und ihren Liebesgeschichten konnte ich allerdings leider weniger anfangen.

Sonntag, 4. Februar 2024

Iris Kelly Doesn't Date [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Nachdem ich Teil 1 und vor allem Teil 2 der Reihe rund um diese Freundesgruppe aus Bright Falls sehr genossen habe, war für mich klar, dass ich unbedingt auch den dritten und letzten Band der Reihe lesen werde. Hier geht es jetzt um Iris - eine Figur, die mir bereits in den letzten beiden Büchern sehr sympathisch war. Iris ist bisexuell, mag Sex und hat deswegen auch mit den typischen Vorurteilen zu kämpfen und das leider auch aus ihrer Familie. Und dazu kommt, dass sie in ihren letzten Beziehungen ziemlich viel Pech hatte: Ein Typ hat sie verlassen, da er Kinder wollte und sie nicht (obwohl sie das auch von Anfang an kommuniziert hat) und ihre letzte Freundin hat ihr verschwiegen, dass sie verheiratet ist und ein Kind hat. Deswegen ist für Iris klar: Sie datet nicht mehr. One Night Stands? Klar, gerne! Aber sie wird sich nicht mehr auf irgendeine langfristige Beziehung einlassen.

Auch Stevie wurde vor nicht zu langer Zeit verlassen. Mit ihrer Ex ist sie aber weiter befreundet - unter anderem auch deswegen, weil diese jetzt mit einer guten Freundin von ihr zusammen ist. Uff. Arme Stevie! Am liebsten würde Stevie sich ja einfach wieder in die Welt des Datings stürzen, aber mit einer generalisierten Angststörung wie Stevie sie hat, ist das nicht so leicht. Da ist nichtmal ein One Night Stand drin, wie sie feststellen muss, nachdem ihr erster Versuch bei sowas katastrophal schiefgeht. Aber naja: Dadurch, dass sie Iris eh nie wieder sehen wird, schadet es ja auch niemandem, wenn sie ihren Freund:innen erzählt, dass die Nacht toll war und sie und Iris ab jetzt daten. Blöd nur, wenn Iris dann plötzlich in dem Theater steht, in dem auch Stevie auftritt, und hier für eine Rolle vorspricht ...

Ich glaube alle von euch wissen, wie sehr ich Fake Dating mag. Ich finde diese Trope einfach wundervoll und witzig und irgendwie wird sie nie wirklich langweilig. Als ich also sah, dass es in diesem dritten Band darum gehen wird, landete das Buch sofort auf meiner Wunschliste.

Die beiden Protagonistinnen Stevie und Iris habe ich sofort ins Herz geschlossen. Vor allem Stevie war mir sympathisch, auch wenn ich mir von ihrer Seite ein bisschen mehr Entwicklung gewünscht hätte. Gleiches gilt aber auch für Iris. Generell wirkten die beiden Figuren auf mich in ihrer Gestaltung konstanter und weniger dynamisch als die bisherigen Figuren, die uns die Autorin präsentiert hat. Das fand ich persönlich schade, denn ich mag ja gerade die Entwicklung so gerne. Und ich weiß ja auch, dass die Autorin in der Lage dazu ist, Entwicklungen zu schreiben, die mich so richtig sprachlos zurücklassen. Gerade bei Stevie hätte ich mir gewünscht, dass sie mehr Selbstbewusstsein entwickelt und für sich einsteht. Gegen Ende baute sie das zwar dann auf, aber das war für mich dann schon etwas zu spät.

Was mich gestört hat, war, dass viel Konflikt vor allem deswegen entstand, weil die Figuren nicht besonders gut miteinander kommunizierten. Das ist einfach etwas, das ich persönlich in Liebesromanen nicht mag. An fehlerhafter Kommunikation finde ich schon genug in der Realität - und Liebesromane sind für mich ein Weg, die Realität einfach zu vergessen. Aber das kann ich nicht, wenn ich mich gleichzeitig ärgere, dass Menschen es nie schaffen, einfach mal anzusprechen, was denn nicht stimmt. Auch wenn ich sagen muss, dass dieser Ärger hier schwächer war als bei anderen Büchern, in denen diese Trope vorkommt. Hier konnte ich das zähneknirschend als realistische Darstellung von Stevies Angststörung akzeptieren. Ich fand das trotzdem nicht großartig, aber ich konnte es akzeptieren.

Was ich an diesem Buch wiederum geliebt habe, ist, dass dieses Buch in der Welt des Theaters spielt. Ich liebe Theater, habe selbst einige Zeit Theater gespielt und gerade an diesen Abschnitt meines Lebens hat mich hier so einiges erinnert. Ich konnte Iris Überraschung nachfühlen, wieviel Spaß es ihr macht, auf der Bühne zu stehen. Wie schön es ist, einfach mal für einen Abend in eine andere Rolle hineinzuschlüpfen. Und ich sags euch: Ich wäre super gerne Teil dieser Produktion, die hier vorbereitet wird. Die hört sich nämlich nach richtig viel Spaß an.

Mein Fazit? Alles in allem also ein leider nur mittelmäßiges Buch. Es hat mir zwar Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, mit den anderen Teile dieser Reihe kann dieses Buch aber leider nicht mithalten.

Mittwoch, 24. Januar 2024

Unverhofft ins Herz

Autorin: Jodie Slaughter
Erschienen am 12.12.2023
Im Montlake Romance
ISBN: 9782496713329
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der prickelnde neue Roman um alte Gefühle und eine zweite Chance für die große Liebe

Wenn ein Moment des Glücks alles verändert

Miriam steckt in ihrem Leben fest. Sie hat denselben Job wie mit sechzehn und wohnt seit der Trennung von ihrem Mann bei ihrer Mutter im verschlafenen Greenbelt. Bis ein Moment am Lottostand alles ändert: Der unerwartete Gewinn ist Miriams Ticket in ein neues Leben. Wäre da nur nicht die Tatsache, dass sie auf dem Papier noch mit Leo verheiratet ist – und Leo Anspruch auf ihr Vermögen hat. Also macht sie ihm ein Angebot. Doch Leo macht ihr einen verlockenden Gegenvorschlag – bei dem er allerdings nicht so bald wieder aus ihrem Leben verschwindet."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Was würdet ihr mit 220 Millionen Dollar tun? Denn das ist der Betrag, den Miriam, die Protagonistin, hier gewonnen hat. Also meine erste Amtshandlung wäre eine süße 2 oder 3-Zimmer-Wohnung in einem neu renoviertem Altbau, möglichst in der Innenstadt, vielleicht sogar in der Altstadt. Mehr bräuchte ich an Wohnraum in meinem aktuellen Lebensabschnitt gar nicht. 50 Quadratmeter wären schon Luxus und mehr würde ich eh nicht putzen wollen. Und dann würde ich natürlich noch dafür sorgen, dass meine Familie schöne Wohnungen oder Häuser bekommen. Geben wir es doch einfach zu: Wir alle haben uns schonmal ausgemalt, was wir tun würden, wenn wir stinkreich wären. Wir hätten da alle unsere Pläne. Miri nicht. Denn sie hätte nie damit gerechnet, bei sowas Glück zu haben. Allein das macht sie schon zu einer sympathischen Protagonistin.

Über weite Szenen fand ich diesen Roman gut konstruiert und gut geschrieben. Ich halte die Autorin für durchaus fähig, gute Geschichten zu schreiben. Aber vielleicht sollte diese Autorin nicht unbedingt über Sex schreiben. Denn, wow! Diese Stellen waren richtig mies. Ich habe mich mit der hier verwendeten Sprache einfach unwohl gefühlt, weil sie so obszön war und so gar nicht zum Rest des Romans passen wollte. Die erste Szene habe ich gelesen und war einfach nur schockiert, die zweite habe ich auch noch irgendwie über mich gebracht - die restlichen Szenen habe ich dann überblättert. Gratuliere, das wäre damit die erste Autorin, die das geschafft hat.

Auch verstand ich nicht, wie es möglich ist, dass Miri und Leo noch verheiratet sind. Die beiden haben seit 8 Jahren keinen Kontakt mehr zu einander. Sie haben kein Wort miteinander gesprochen. Warum zur Hölle gab es da noch keine Scheidung? Diese Frage wurde nicht geklärt und das hat mir gefehlt.
Außerdem verstand ich nicht, wie Miri nochmal auf Leo reinfallen konnte. Denn sind wir mal ehrlich: Wenn jemand 8 Jahre lang jede Interaktion vermeidet und sich dann plötzlich zusammenreißt, nur weil du endlich mal eine Grenze setzt und einen Schlussstrich ziehen möchtest, dann tut diese Person das doch nicht, weil sie dich liebt. Das kann mir keiner erzählen! So verhält man sich nicht, wenn man jemanden liebt. Ich halte Leo für super toxisch. Und daran konnten auch die Kapitel aus seiner Perspektive nichts ändern. Ich traute ihm einfach nicht und das wurde im Laufe der Handlung nicht besser. Wären ich und Miri befreundet, würde ich ihr ordentlich den Kopf waschen. Und das hier ist in einem Liebesroman nicht unbedingt die beste Ausgangssituation.

Mein Fazit? Der Roman ist eigentlich nicht unbedingt schlecht. Aber leider hat er mir wegen verschiedenen Aspekten trotzdem nicht besonders gut gefallen. Schade.

Montag, 30. Oktober 2023

Delilah Green Doesn't Care [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Nachdem ich auf Mallorca festgestellt habe, dass "Astrid Parker Doesn't Fail" der zweite Teil dieser Trilogie ist und nicht der erste, war mir klar, dass ich auch dieses Buch würde kaufen und lesen müssen. Auch wenn ich bereits über den großen Plottwist am Ende Bescheid wusste und mehr über die Figuren wusste, als sie selbst, weil mir das bereits im zweiten Teil verraten wurde.

In diesem Buch geht es um Delilah Green, Astrids Stiefschwester. Sie wollte eigentlich nie wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren. Nichts hält sie dort: Ihre Eltern sind tot, mit ihrer Stiefmutter und Stiefschwester hat sie sich nie verstanden und besonders beliebt war sie dort auch nie. Warum sollte sie also dort bleiben, wenn da draußen die Welt auf sie wartet? Zurück in ihre Heimat kommt sie erst wieder zur Hochzeit ihrer Schwester. Delilah ist Fotografin und aus irgendeinem Grund besteht ihre Familie darauf, dass sie dieses Event fotografiert. Das wird grauenhaft, davon ist Delilah überzeugt. Doch dann trifft sie Claire, eine der engsten Freundinnen ihrer Stiefschwester - die sich nicht an sie zu erinnern scheint und sie in einer Bar anflirtet.

Gleich zu Beginn eine kleine Info: Das hier ist kein Jugendbuch. Ich weiß nicht, was passiert ist, dass ich die Übersetzung dieses Buches aktuell in so vielen Jugendbuchabteilungen von Buchhandlungen sehe, aber wenn in der Übersetzungen nicht ordentliche Streichungen durchgeführt wurden, halte ich dieses Buch nicht für ein Jugendbuch. Es gibt hier einige sehr explizite Sexszenen. Das macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil, trotzdem denke ich nicht, dass Jugendliche unbedingt sowas lesen sollten. Ist natürlich immer auch abhängig von der Einzelperson, aber im Großen und Ganzen finde ich nicht, dass ein:e 14-Jährige:r explizite Sexszenen unbedingt lesen sollte, egal ob diese Szenen queer oder hetero sind, nicht dass mit jemand von euch die Worte im Mund verdreht. Ich finde, dass die meisten in diesem Alter noch zu jung für solche Szenen sind.

Über die größten Teile des Buches hatte ich meinen Spaß mit der Geschichte. Delilah war mir sofort sympathisch und ich konnte ihre Zwiespalt nachvollziehen: Einerseits möchte sie dieser neuen Beziehung eine Chance geben, die sich da mit Claire anbahnt, andererseits hat sie in der großen Stadt die Chance, Künstlerin zu werden - durch eine Ausstellung, die gerade in Planung ist und durch die ihre Fotografien die Chance haben, endlich von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Claire wiederrum ist alleinerziehende Mutter und hat mit einer Tochter zu kämpfen, die gerade damit beginnt, sich abzunabeln. Das hat vor allem damit zu tun, dass Josh, Claires Ex und Vater ihrer Tochter, mal wieder in der Stadt ist. Meistens endet das damit, dass Josh wiedermal vor jeder Verantwortung aus der Stadt flieht und Claire und ihre Tochter enttäuscht zurückbleiben, nicht wissend, wann sich Josh das nächste Mal zu einem Besuch bequemt. Und Claire ist sich sicher, dass das auch dieses Mal so enden wird und kann gar nicht zusehen, wie ihre Tochter mal wieder damit beginnt, ihrem Vater zu vertrauen. Beide Perspektiven fand ich toll und spannend und ich könnte jetzt gar nicht sagen, welche Perspektive ich lieber mochte. 

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich den zweiten Teil der Reihe lieber mochte. Ich glaube aber, dass ich daran auch ein bisschen selbst schuld bin: Dadurch, dass ich den zweiten Band zuerst gelesen habe, wusste ich bereits, wie die Konflikte enden würden. Ich wusste, was welche der Figuren am Ende tun würde und kannte bereits ihre Probleme und Geheimnisse. Das machte es der Geschichte schwierig, Spannung zu entwickeln. Aber, wie gesagt, ich glaube, dafür bin ich selbst verantwortlich.

Mein Fazit? Tolles Buch. Aber lest die Trilogie der Reihe nach, nicht so chaotisch wie ich das getan habe.

Dienstag, 12. September 2023

The Kiss Curse [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Was macht man als Leseratte, wenn man mit Freund:innen verreist und als einzige Person vor 10 Uhr aufsteht und da um 7 Uhr dann auch wirklich schon wach ist und nicht noch stundenlang im Bett herumvegetieren kann? Genau: Die Leseratte kann dann in ihrer natürlichsten Tätigkeit beobachtet werden, nämlich dabei, wie sie auf der Couch sitzt, den Blick aufs Meer völlig ignoriert und in eine fiktionale Welt abtaucht.

Auf meine Reise begleiten durfte mich unter anderem auch "The Kiss Curse" - das ist der zweite Teil von "Ex Hex". Ihr könnt die beiden Bücher meiner Meinung nach aber auch unabhängig davon lesen - auch wenn ich es euch gerade wegen einiger Details empfehlen würde. Woher sonst sollt ihr wissen, warum es da eine Katze gibt, die spricht und vor sich hin flucht?

Im letzten Teil durften wir ja Vivi auf ihrem Weg begleiten, in diesem neuen Teil widmen wir uns ihrer Cousine Gwyn. Die hat schon in Teil 1 ordentlich Eindruck bei mir hinterlassen - vor allem deswegen, weil sie eine Chaosmagnetin ist, die immer eine Spur der Verwüstung hinter sich herziehen zu scheint. Und das ist auch hier nicht anders. Doch genau das macht sie für mich, eine gleich große Chaosmagnetin, sympathisch und ich weiß noch, dass ich mir auch während Teil 1 schon gewünscht habe, dass Gwyn ihre eigene Geschichte bekommt. Und tada: Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen.

Wie auch der erste Band war auch "The Kiss Curse" lustig und unterhaltsam und eine tolle Lektüre für Zwischendurch - wie ich es aber schon erwartet habe, leidet auch dieser Band an der Krankheit der zweiten Bänder, über die ich schon öfter gesprochen habe. Ganz mithalten mit "The Ex Hex" kann es aber nicht. Ich hoffe aber, dass der dritte Band diese Krankheit überwinden kann und einfach wieder großartig wird!

Mein Fazit? Ein Buch, das mich (wie zu erwarten war) begeistern konnte, auch wenn es mit dem ersten Teil der Reihe nicht ganz mithalten konnte.