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Montag, 18. September 2023

Rauschberg

 Autorin: Christine Kulgart
Erschienen am 8.8.2023
Bei Epubli
ISBN: 9783757576585
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"A small village at the foot of Rauschberg, a massive mountain. It is bear hunting season around 1830 and the young nobleman Florian is dragged along by his uncle, although he prefers living his life between the pages of a book. During a trip to the village's search, he meets the strange and quiet Theo. Soon he realises that there's more than just a little history between Theo, his family and the bear his uncle wishes to kill so desperately. The hunting trip turns into an almost magical adventure for the two young men."
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Rauschberg ist schon ein ziemlich interessanter Name für einen Berg - und was ihn noch spannender macht, ist die Tatsache, dass es diesen Berg auch wirklich gibt. Wie dieser Name wohl entstanden ist? Gut, dass ich eine Linguistin im Freundeskreis habe. Die wird demnächst gleich damit genervt und diesbezüglich ausgequetscht. Hi, V!

In diesem Buch geht es um den sympathischen Florian, einen jungen Mann. Nachdem seine Eltern verstorben sind, wird er zu seinem Onkel geschickt, den man doch eher als Grobian bezeichnen könnte. Seine große Liebe ist die Jagd und sein aktueller Wunsch ist es, den Bär zu schießen, der seiner Meinung nach den Berg unsicher macht. Dass das nicht wirklich der Fall ist, wird Florian bald von Theo bewiesen, der im ganzen Dorf nur als der "Hexenjunge" bekannt ist, denn seine Eltern gelten als sonderbar.

Die Autorin hat es geschafft, hier ein hochaktuelles Thema zu verarbeiten: die Jagd auf scheinbar bedrohliche große Tiere wie Wölfe und Bären. Ich kenne natürlich den Hintergrund der Autorin nicht, aber in Tirol könnte dieses Buch aktueller nicht sein. Wisst ihr, wie viele Artikel ich dieses Jahr zu diesem Thema schon korrigiert habe? Ich auch nicht, aber in der Zwischenzeit kann ich alle Argumente von allen Seiten in- und auswendig und bin nur noch genervt, wenn die Diskussion wieder losbricht. Vor allem, weil es halt in Zeiten des Klimawandels doch ein etwas besorgniserregender Ansatz ist, wenn Menschen das Ziel haben, Tierarten komplett auszurotten, statt ordentlichen Herdenschutz zu betreiben. Aber hier soll gar keine politische Debatte losgetreten werden, sondern das Buch soll im Mittelpunkt stehen. Und egal, welche Meinung ihr bei diesem Streit vertretet: Ihr werdet mir alle zustimmen müssen, dass dieses Buch super aktuell ist. Und das, obwohl es in der Vergangenheit spielt. Oder zumindest habe ich das als Vergangenheit interpretiert, denn ich kann mich nicht erinnern, im Text Jahreszahlen gesehen zu haben. Ein weiterer Punkt: Das Buch schafft es, dieses sehr sensible Thema zu behandeln, ohne mit der Moralkeule zu schwingen.

Natürlich ist an diesem Buch nicht alles perfekt. Ihr kennt mich, Leute, ihr wisst, dass es fast keine Bücher gibt, die ich je perfekt bewerte. Hier ist ein Problem aufgetaucht, das ich inzwischen auch von meinem eigenen Buch kenne: Vor Abgabe des Buches wurde bei der Korrektur leider der ein oder andere Fehler übersehen. Allerdings war da nichts dabei, was meinen Lesefluss wirklich gestört hätte.

Mein Fazit? Ein spannender Kurzroman zu einem aktuellen Thema.

Dienstag, 30. Mai 2023

Galatea [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Madeline Miller ist total beliebt. Die Menschen in meiner Umgebung lieben ihre Bücher. Und ich? Ich hab noch gar nichts von ihr gelesen. Beziehungsweise: Ich hatte noch nichts von ihr gelesen. Es gibt nicht mal irgendeinen richtigen Grund dafür. Ich kam einfach lange nicht dazu und dann war Madeleine Miller schon so beliebt, dass ich ihre Bücher nicht mehr anrühren wollte, weil sonst Leute von mir erwarten würden, dass ich die Bücher ebenfalls lieben werde, was ich aber nie versprechen kann. Dann habe ich aber diese Kurzgeschichte in der Buchhandlung gefunden und die hat mich neugierig genug gemacht, dass ich das Büchlein dann gekauft habe.

Es geht hier um die Pygmalion-Sage. Pygmalion ist ein ziemlich unsympathischer Künstler, der von der sexuellen Freizügigkeit mancher Frauen so schockiert ist, dass er der Liebe für immer abschwört und zum Frauenfeind wird. Doch dann schafft er es, die perfekte Statue zu erschaffen. Er nennt sie Galatea und verliebt sich unsterblich in sie und je nachdem, wen ihr fragt, hat er auch Sex mit dieser Statue. Die Götter lassen dann Galatea lebendig werden und die beiden leben glücklich bis an ihr Lebensende. Naja, dem widerspricht Miller. Laut ist seitdem über ein Jahrzehnt vergangen und Galatea lebt in einem Krankenhaus, in dem Pygmalion sie weggesperrt hat, da sie halt leider doch nicht seinen viel zu hohen Erwartungen entspricht. Nachdem sie ihnen erzählt hat, dass sie mal eine Statue war, halten sie auch die Ärzte für verrückt. Ihr einziger Gast ist Pygmalion, der sie zwar nicht mehr als Teil seines Lebens haben möchte, aber trotzdem eine Art seltsamen Fetisch für die Tatsache entwickelt hat, dass sie eine zum Leben erwachte Statue ist. In diesem Buch geht es um Galateas bisheriges Leben, darum, wie sie im Krankenhaus gelandet ist und darum, wie es jetzt für sie weitergeht.

Ich war mit dieser Geschichte recht schnell durch und fand sie eigentlich auch ganz spannend. Die Kurzgeschichte ist vollgepackt mit Spannung, was immer schon eine gute Ausgangssituation ist. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass ich mit dem hier verwendeten Ausdruck so meine Probleme hatte. Ich mag schöne Sprache, blumige Sprache, und hätte damit gerechnet, so eine Art der Sprache hier vorzufinden. Die Verwendung von Worten wie "ficken" hat mich dann doch eher überrascht und das nicht unbedingt auf eine positive Art. Für mich macht sowas viel kaputt und das finde ich sehr schade - vor allem halt auch, weil Millers Schreibstil so häufig gelobt wird.

Mein Fazit? Diese Geschichte hielt ich leider nur für mittelmäßig. Ich glaube deswegen, dass ich die anderen Texte der Autorin wohl auch weiter nicht lesen werde. Schade.

Dienstag, 7. März 2023

Wie man mit einem Lachs verreist und andere nützliche Ratschläge [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Solltet ihr je planen, Literaturwissenschaft oder ein ähnliches Fach zu studieren, dann bereitet euch schonmal darauf vor, dass euch jeder in eurem Bekanntenkreis plötzlich kistenweise Klassiker vorbeibringen wird, denn ihr braucht die ja sicher dringender. Und dann habt ihr plötzlich vier Ausgaben von Goethes "Faust" als Reclamhefte herumliegen und wisst nicht so richtig, was man denn jetzt damit anfangen soll. Gott sei Dank sind da manchmal aber auch kleine Schätze dabei! Zum Beispiel hat mein Vater mir unter anderem dieses Buch vererbt - was bedeutet, dass ich nicht nur dieses Buch lesen durfte, sondern auch die Anmerkungen, die er in dieses Buch gekritzelt hat als er in meinem Alter war, was ebenfalls spannend ist.

Ich muss zugeben, dass ich bisher von Umberto Eco weniger Bücher gelesen habe, als ich wahrscheinlich gelesen haben sollte. Bei so großen Autor:innen gibt es da immer einen ziemlich ordentlichen Druck, dass ich das kennen muss, verstehen muss und jedem Menschen, den ich ganz zufällig im Bus treffe, erklären können muss. Und natürlich muss mir jede Notiz dieser Autoren gefallen, denn die sind Klassiker und haben damit eigentlich fast Heiligenstatus und nicht sofort vor ihren Werken auf die Knie zu gehen, grenzt fast schon als Ketzerei. Kein Wunder also, dass nicht immer unbedingt Lust darauf habe, die großen Werke zu lesen, denn so eine Art von Druck kann ich in meinem Leben nicht brauchen.

In diesem Büchlein findet ihr verschiedene Kurztexte von Umberto Eco. Größtenteils handelt es sich dabei um satirische Ratschläge und Gebrauchsanweisungen: Wie funktionieren öffentliche Bibliotheken? Wie rechtfertige ich meine Büchersammlung vor Fremden? Wie zitiere ich eigentlich richtig in wissenschaftlichen Texten? Wie überlebe ich den Zoll, wenn ich ins Ausland reise? Oder auch: Wie verreise ich mit einem Lachs? Diese Gebrauchsanweisungen fand ich super spannend und lustig. Es handelt sich dabei natürlich größtenteils um Satire und es war für mich sehr interessant, zu sehen, was denn zum Zeitpunkt des Entstehens gerade Themen gewesen sein müssen, die Umberto Eco beschäftigt haben.

Danach folgt ein Nachrichtenaustausch, der in der Zukunft zwischen verschiedenen Arten von Aliens stattfindet. Ich hatte ehrlich keine Ahnung, dass Umberto Eco je Science Fiction geschrieben hat. Spannend fand ich, dass die Kommunikation hier so stark durch Vorurteile der verschiedenen "Rassen" und durch Misskommunikation geprägt wird, sowie durch die Unfähigkeit, seinen eigenen Standpunkt zu verlassen. Das erinnerte mich stark an den Umgang, den wir Menschen auch untereinander haben, wenn es darum geht, mit dem "Fremden", dem "Anderen" umzugehen. Und wir sind ja alle nur Menschen! Keine unterschiedlichen Spezies, die von anderen Planeten abstammen.

Trotz der Tatsache, dass mich dieser Nachrichtenaustausch so offensichtlich zum Nachdenken anregte, muss ich gestehen, dass ich gegen Ende das Interesse an dieser Kommunikation verlor. Ich hatte einfach das Gefühl, dass mir Vorwissen zu dieser Welt fehlt, die Umberto Eco uns hier zeigt. Es würde mich interessieren, ob zu dieser Welt wirklich nur diese paar Nachrichten existieren, die hier abgedruckt wurden, oder ob diese Nachrichten eine Art "Zusatzmaterial" zu einem längeren Text sind, von dem ich einfach bisher nichts gewusst habe.

Dieses Buch schließt dann mit ein paar Kurzgeschichten, die mich aber ehrlich gesagt nicht so ganz fesseln konnten. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass der Ton meiner Meinung nach nicht wirklich zu den vorhergehenden Texten passte.

Mein Fazit? Alles in allem ein cooles Buch, das ich über weite Teile spannend fand. Wie es aber mit Sammlungen dieser Art immer ist, war für mich nicht jeder Text gleich interessant und mit ein paar konnte ich leider auch gar nichts anfangen. Aber alles in allem eine lesenswerte Sammlung.

Sonntag, 30. Januar 2022

In all deinen Farben [Abgebrochen]

 Autorin: Bolu Babalola
Erschienen am 10.3.2022
Im Eisele Verlag
ISBN: 9783961611317
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag
Klappentext:
"»Ein subversives Korrektiv für die westliche Vorstellung davon, wer in der Liebe den Ton angibt.« NEW YORK TIMES

Bolu Babalola hat die schönsten Liebesgeschichten der Mythologie mit unglaublicher Frische und Lebendigkeit neu erzählt. Sie konzentriert sich auf die magischen Volksmärchen Westafrikas und erfindet auch griechische Mythen, alte Legenden aus dem Nahen Osten und Geschichten aus Ländern neu, die in unserer Welt nicht mehr existieren. Die Frauen in ihren Love Stories sind kämpferische Verfechterinnen ihrer Leidenschaft, verlieren aber nie den Blick darauf, dass die wichtigste Liebe von allen die Selbstliebe ist. Während in der Mythologie Frauen oft die Opfer männlicher Begierde sind, geben bei Bolu Babalola immer die Frauen den Ton an und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. In all deinen Farben wechselt aufregend Perspektiven, Kontinente und Stile, durchschreitet Grenzen von Zeit und Raum – und feiert die Romantik in all ihren Formen."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich hasse es, dass ich nach meiner kleinen Pause gleich mit einem abgebrochenen Buch einsteigen muss. Ich habe mir auch überlegt, ob ich die Rezension vielleicht einfach noch weiter aufschieben soll, damit ich zuerst mit einer nicht ganz so negativen Rezension wieder einsteigen kann. Aber dann dachte ich mir: Nein, ich mach das jetzt so. Das ist ein Rezensionsexemplar, dessen Rezension ich aufgrund meiner Prüfungen schon nach hinten verschieben musste. Das wird jetzt rezensiert.

Vielleicht gehen wir zuerst mal die Dinge durch, wegen denen ich das Buch lesen wollte. Also, das Zitat der New York Times hat definitiv meine Neugierde geweckt. Ein subversives Korrektiv? Kritik an der westlichen Vorstellung von Liebe? Gegenentwürfe, die ich so vielleicht einfach nicht kenne? Immer her damit! Sowas ist immer spannend. Dann auch noch die Aussicht, mehr über Mythologie zu erfahren und über Volksmärchen Westafrikas und Geschichten aus Ländern, die nicht mehr existieren. Wer würde da nicht neugierig werden?

Leider war dieses Buch dann einfach nur enttäuschend. Es handelt sich dabei um eine zu große Sammlung an Kurzgeschichten, die scheinbar ohne System und Bezug aufeinander nebeneinandergestellt wurden. Über Mythologie oder Volksmärchen weiß ich dadurch jetzt auch nicht mehr. Diejenigen Geschichten, die ich kannte, wurden nämlich in einen völlig neuen, modernen Kontext übertragen. Daran wäre ja an sich nichts auszusetzen, wenn nicht alles anders wäre außer die Namen. Leider hält es die Autorin auch nicht für nötig, zwischen den Geschichten auf die Originalmythen einzugehen und sie zu verorten - dabei halte ich gerade das für wichtig, denn ich bin sicher nicht die einzige Leserin, die so gut wie gar keine Mythen aus Westafrika kennt. 

Es gibt keinen Weg, das freundlich auszudrücken: Die Geschichten haben mich leider gelangweilt. Uninteressante Figuren ohne Hintergrundgeschichte und ohne Tiefe finden ihre ach so tolle wahre Liebe, die leider meiner Meinung nach meistens einfach nicht glaubwürdig wirkte. Daran war nichts neu oder subversiv oder kritisch oder anders. Und das alles mit einem Schreibstil, der leider auch nichts zur Spannung beiträgt. Nach den ersten zwei oder drei Geschichten hatte ich schon gar kein Interesse mehr am Rest des Buches. Ich zwang mich trotzdem weiterzulesen, immerhin ist kaum eine Geschichte in diesem Buch länger als zehn Seiten und ich kann ein Buch nicht schon nach dreißig Seiten abbrechen. Erst bei Seite 150 habe ich mir eingestanden, dass das wohl nichts mehr wird. Vielleicht hätte es dem Buch gut getan, wenn sich die Autorin ein bisschen mehr eingeschränkt hätte? Wenn sie einfach eine Handvoll Geschichten ausgewählt hätte und die dafür ein bisschen detaillierter erzählt hätte, mit mehr Charakterentwicklung? Das hätte die Beziehungen meiner Meinung auch um einiges glaubwürdiger gemacht.

Mein Fazit? Eine große Enttäuschung. Schade, da habe ich viel mehr erwartet.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Lob der guten Buchhandlung [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wusstet ihr, dass man in der Wagnerschen Buchhandlung in Innsbruck nachts alleine (beziehungsweise mit ein paar Freund:innen) Zeit verbringen kann? Das ist eine von den Vorstellungen, die ich mir gerne durch den Kopf gehen lasse, wenn ich einen schlechten Tag habe: Ich lasse mich einfach mal abends in einer Buchhandlung einsperren  (wie ich das anstelle, variiert von Tagtraum zu Tagtraum) und dann verbringe ich eine ganze Nacht umgeben von meinen liebsten Büchern und denen, die es noch werden könnten. Dass das wirklich möglich ist (und zwar ohne dass ich das Gesetz brechen muss), habe ich allerdings erst durch dieses Buch erfahren. Also, liebe Wagnersche, nur, dass das klar ist: Irgendwann verbringe ich mal eine Nacht in eurer Buchhandlung. Falls ihr Interesse an einer Kooperation diesbezüglich habt: Hit me up!

Joa, ich glaube, jetzt ist dann auch schon klar, was mein liebster Buchbeitrag war. Eventuell bin ich beim Lesen dieses Kapitels ein bisschen ausgeflippt. Aber auch die anderen Kapitel sind ziemlich spannend. Was sie alle gemeinsam haben? Die Liebe zu Büchern und zu Buchhandlungen. Jedes Kapitel wurde von einem/r anderem/n Autor:in geschrieben. Wie das bei solchen Anthologien immer ist, gilt auch hier: Manche der Texte finde ich schwächer, manche mittelmäßig, manche waren absolute Highlights. Manche sagten mir inhaltlich mehr zu, andere weniger. Aber selbst wenn ich mal die Worte eines/r Autor:in nicht ganz nachvollziehen konnte, kannte ich doch das Gefühl, das hinter all den Texten stand. Die Liebe zu Büchern und Buchhandlungen und Büchereien. Diese Liebe hat mein gesamtes Leben geprägt und so wie es im Moment aussieht, wird auch mein restliches Leben von dieser Liebe begleitet werden. Und das machte diese Lektüre für mich auch so schön. Diese Sammlung ist für mich wie ein Gespräch mit meinen lieben Unikolleg:innen in Innsbruck und Salzburg. Wenn ich dort aus dem Nichts anfange, über meine aktuelle Lektüre zu sprechen, über problematische Autor:innen zu jammern oder mich über nervige Trends der Buchbubble lustig zu machen, ist das ein ganz normales Gespräch und ihr wisst gar nicht, wie schön es ist, einfach mal ernsthaft länger über solche Themen sprechen zu können ohne Angst haben zu müssen, dass ich meinem Gegenüber auf die Nerven gehe. Diese Anthologie fühlte sich für mich an wie eines dieser Gespräche, falls das irgendwie Sinn macht.

Mein Fazit? Auch wenn nicht alle Texte in dieser Sammlung gleich gut sind, gehört dieses Buch trotzdem zu meinen Jahreshighlights.

Dienstag, 26. Oktober 2021

Blutkristalle [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich in meiner Bücherei ausgeliehen. Ich war auf der Suche nach Spannung und nach einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Vor dem Lesen hatte ich keine Ahnung, um was es geht. Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Nur den Autorennamen gesehen und darauf los gelesen. Dieser Thriller ist sehr kurz, nur so um die 60 Seiten lang. Perfekt für zwischendurch. Und da das ein Büchereibuch war, musste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob das Büchlein sein Geld wert ist.

In diesem Thriller wird eine besonders spannende Perspektive genutzt: Der Antagonist Wolfram erzählt. Er ist der Stalker von Ella, der es sich zum Ziel gemacht hat, ihren neuen Partner zu töten und sie davon zu "überzeugen", dass sie zu ihm gehört. Am besten, indem er spektakulär ihr Leben rettet. Und als er erfährt, dass sie mit ihrem neuen Liebhaber eine Wanderung in die Alpen plant, hält er das für die perfekte Gelegenheit, um seinen Plan umzusetzen. Und dass er alles tun wird, um den Plan durchzuziehen, daran habe ich keine Sekunde lang gezweifelt. Der Typ ist total durchgeknallt - leider nahm das meiner Meinung nach leider viel von der Spannung. Ich habe ihm sofort alles zugetraut, es gab für mich keine Hoffnungsmomente, dass er doch noch zur Vernunft kommen könnte.

Mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden. Da kamen bei mir einige Fragen auf, die nicht mehr geklärt werden konnten. Es wäre vielleicht gut gewesen, da noch ein paar mehr Informationen einzubauen oder die Geschichte von Anfang an aus zwei Perspektiven zu erzählen. Ja, dann wäre der Plottwist am Ende weniger spektakulär gewesen, aber dann hätte ich jetzt weniger offene Fragen. Und ich denke, dass auch diese zweite Perspektive sehr spannend gewesen wäre.

Aber alles in allem? Hat seinen Zweck erfüllt. Der Thriller konnte mich fesseln und unterhalten. Er hat einige kleinere Schwächen, die kann ich dem Buch aber verzeihen.

Donnerstag, 24. Juni 2021

Wie Salz auf der Zunge. Frauen und das Meer

 Autorin: Charlotte Runcie
Erschienen am 13.4.2021
Im btb Verlag
ISBN: 9783442719686
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Das Meer hat Charlotte Runcie schon immer magisch angezogen - die beruhigende, meditative Seite ebenso wie die wilde unbezähmbare. Als Charlotte ihre geliebte Großmutter verliert und zum ersten Mal schwanger ist, verspürt sie diesen Drang so stark wie noch nie. In »Wie Salz auf der Zunge« geht die Autorin nicht nur ihrer ganz persönlichen Faszination auf den Grund. Sie schreibt zugleich eine Kulturgeschichte der See aus weiblicher Sicht: wir erfahren von Meerjungfrauen und Najaden, griechischer Mythologie und schottischen Legenden, Schiffbrüchigen und Sirenen."
Quelle: Verlag 

Meine Meinung:
Dieses Buch ist autobiografisch. Das macht es für mich um schwerer, es zu rezensieren. Es geht hier um ein für die Autorin hochemotionales Thema: ihre erste Schwangerschaft. Ich war noch nie schwanger, wie realistisch das dargestellt ist, kann ich hoffentlich erst in ein paar Jahren beurteilen. Wir begleiten hier die Autorin vom Schwangerschaftstest und dem ersten Arztbesuch, durch den Geburtsvorbereitungskurs bis hin zur Geburt und der Zeit danach. Das war interessant zu verfolgen, aber nicht der Hauptgrund, warum ich dieses Buch lesen wollte. Genau wie die Autorin bin ich seit meiner frühen Kindheit vom Meer fasziniert. Vor allem, weil es so groß ist. Ihr müsst euch das mal vorstellen: Ich bin aus Tirol. Weiter als ein paar Kilometer sieht man hier nie. Da sind sofort Berge, die dir die Sicht versperren. Der Horizont in flachen Gegenden hat mich daher schon immer fasziniert, vor allem der Horizont des Meeres. Dazu kommen noch die ganzen Geschichten, die mit dem Meer verknüpft sind. In der Literatur spielt das Meer oft eine Rolle. Damit sind viele Mythen verknüpft und es wurde durch die Jahrhunderte oft in prägenden Szenen zum Schauplatz gemacht. Solche Geschichten über das Meer bilden den zweiten Schwerpunkt des Romans. Überraschend war für mich, dass ich viele der Geschichten nicht kannte. Runcie geht hier vor allem auf Geschichten aus ihrer Region ein - und die meisten davon habe ich hier zum ersten Mal gelesen. Das war interessant für mich. Doch auch Faktenwissen spielt hier eine Rolle. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es einen Unterschied macht, ob man in Salzwasser oder Süßwasser ertrinkt? Denn Ertrinken ist nicht immer gleich! Deine Überlebenschancen sind um einiges geringer, wenn du in Süßwasser ertrinkst. (An dieser Stelle muss ich mich bei meiner Familie dafür entschuldigen, dass ich ihnen diesen Unterschied während unserem Filmabend lang und breit erklärt habe, weil da eine Person ertränkt wurde und ich einfach nicht widerstehen konnte.)

Meiner Meinung nach waren sich viele der Geschichten, die hier beschrieben wurden, ähnlich. Das verringerte die Spannung. Noch dazu war mir nicht klar, warum genau diese Geschichten ausgewählt wurden. Da fehlte mir der rote Faden und eine Verbindung zur Haupthandlung. Ich meine, dieses Buch ist zwar eine nette Sammlung dieser Geschichten über das Meer, aber das fehlte mich einfach. 

Mein Fazit? Ein interessantes Buch über die Schwangerschaft der Autorin und ihre Beziehung zum Meer. Leider fehlte mir an einigen Stellen aber der rote Faden.

Montag, 14. Juni 2021

Die Chroniken von Alice. Dunkelheit im Spiegelland

 Autorin: Christina Henry
Erschienen am 19.04.2021
Im Penhaligon Verlag
ISBN: 9783764532673
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Alice und der Axtmörder Hatcher haben in Christina Henrys finsterem Wunderland schrecklichen Gefahren getrotzt – jetzt erfahren die Fans, wie es mit den beiden weitergeht, und sie dürfen zudem tief in das Innerste von Henrys beliebtesten Figuren blicken: In einer von vier Kurzgeschichten berichtet Hatcher aus der Zeit, als er selbst noch Nicholas hieß und der beste Kämpfer der Alten Stadt war. In zwei anderen erzählt Alice von einer gruseligen Nacht in einem Schloss sowie von einem dunklen Geheimnis, das sie sogar vor Hatcher geheimhält. Und der Leser lernt Alice' Schwester Elizabeth kennen, die sich vom Jabberwock finstere Gedanken einflüstern lässt ... Ein unverzichtbares Buch für alle »Alice«-Fans!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut. Band 1 und 2 habe ich verschlungen. In der Rezension zu Band 2 habe ich mir selbst versprochen, dass ich bis zum Erscheinen dieses Buchs die Originalgeschichte rund um Alice lesen werde. Tja, das ist immer noch nicht passiert. "Alice im Wunderland" liegt auf meinem Stapel der Schande zwischen E. M. Forsters "A Room with a View", Doris Lessings "The Grass is Singing" und Orwells "Animal Farm". Und das nächste Buch der Autorin handelt dann von Peter Pan, also... Ups?

Dieses Buch gehört nicht mehr zur Haupthandlung, man muss es also nicht unbedingt lesen. Die Handlung ist mit Teil 2 schon abgeschlossen, in diesem Buch sind nur noch vier weitere Kurzgeschichten. In einem geht es um Alice kleine Schwester Elizabeth, die ebenfalls magische Kräfte hat, in einer um ein magisches Haus, das Alice töten möchte, in der nächsten um den Kampf des jungen Hatchers gegen den sogenannten Fleischwolf und eines beschreibt ein gruseliges Dorf, das alle Hexen ausrotten möchte. Die Geschichten hängen zusammen, man sollte sie also der Reihe nach lesen. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halte, dass all diese Kurzgeschichten zusammenhängen.

Die ersten zwei Teile der Reihe mochte ich vor allem, weil da unglaublich viel Spannung war. Die hat mir hier gefehlt. Stellenweise war mir hier sogar langweilig. Ich hatte das Gefühl, als hätte die Autorin versucht, die Kurzgeschichten in die Länge zu ziehen. Da ging dann natürlich viel Potenzial verloren. In den ersten zwei Teilen konnte ich mir außerdem nie sicher sein, wie denn die Geschichte weitergehen wird und ob es für Alice und Hatcher ein Happy End geben wird. Hier waren die Kurzgeschichten meiner Meinung nach alle leider ziemlich vorhersehbar. Große Überraschungen gab es da keine.

Mein Fazit? Naja. Ich hätte mir mehr Spannung erwartet. Schade!

Montag, 14. Dezember 2020

Fuchs 8 [Abgebrochen]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich mir aus der Bücherei geholt, weil es bei den Neuheiten stand und ich sowieso ein Fan von Kurzgeschichten bin. Warum also nicht das ausprobieren? Tja, über die ersten paar Seiten bin ich nicht hinausgekommen, bis ich abgebrochen habe. Und jetzt bin ich absolut verwirrt, verärgert und fühle mich betrogen. Warum tut man sowas seinen LeserInnen an? Was haben sich der Autor und der Verlag dabei gedacht? Wie kann das veröffentlicht werden?

Diesen Text halte ich einfach für nicht lesbar. Punkt. In jedem Wort gibt es Rechtschreibfehler, Syntax und die Grammatik stimmen nicht und die Zeichensetzung auch nicht. Sowas kann und will ich nicht lesen.

Im ersten Moment habe ich ja noch gehofft, dass mit dieser... Besonderheit irgendeine Message rübergebracht werden soll. Nur welche? Keine Ahnung! Leider scheint es ja keiner für nötig zu erachten, das in einem Vorwort, einem Nachwort oder irgendwo im Buch zu erklären. Und ich werde mich nicht auf eine Recherchereise begeben, um das herauszufinden. Würde ich vielleicht tun, wenn das ein wichtiges literarisches Werk wäre, das ich für mein Studium lesen muss. Da das aber nicht der Fall ist, lege ich dieses Buch einfach weg und verbringe meine Zeit mit anderen Büchern, die weniger Rechtschreibfehler haben. Schade!

Freitag, 11. Dezember 2020

The Beast in the Jungle [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

 Juhu, die Prüfung für Amerikanische Literatur ist vorbei! Die Rezensionen zu den Büchern, die auf meiner Leseliste standen aber noch nicht. Denn das waren so viele, dass ihr noch im nächsten Jahr darüber lesen werdet. Umso mieser, dass kein einziges davon dann Stoff der Prüfung war. Ich hab gelernt bis mir der Kopf raucht, hab Zusatzliteratur gelesen, bis meine Augen juckten, damit ich ja keine Interpretationsmöglichkeiten und intertextuelle Verweise übersehe und dann konnte ich dieses Wissen nicht mal beweisen. Grrr! Wie mich das nervt! Aber okay, ich habe die Prüfung bestanden. Tief ein und ausatmen! Ist schon in Ordnung. Für das Leben lernt man, nicht für Klausuren. Oder? Oder?

Aber jetzt zu diesem Text. Bei "The Beast in the Jungle" handelt es sich um eine relativ lange Kurzgeschichte. Es geht darin um Henry James Lieblingsthema: Das ungelebte Leben. Von Henry James habe ich auch schon "Bildnis einer Dame" gelesen. Diese Kurzgeschichte hat mir besser gefallen als der 700-Seiten-Schinken, den ich vor allem wegen dem dort beschriebenen Frauenbild kritisiert habe. Hier ist alles schon ein bisschen positiver, vor allem wahrscheinlich deswegen, weil die Hauptfigur keine Frau ist sondern ein Mann.

Es geht hier um John und May. John ist davon überzeugt, dass ihn das Schicksal zu etwas Besonderem auserwählt hat. Was genau das ist? Gute Frage! Das weiß keiner so genau, am allerwenigsten John selbst. Aber sowohl John als auch May sind davon überzeugt, dass das der Fall sein muss. May schlägt im Laufe des Texts verschiedene Dinge vor, die zeigen könnten, was ihn so besonders macht. Vielleicht ist es ja die Liebe? Das war mein liebster Vorschlag und ich schätze, dass das auch der Liebling von May ist. John findet das keinen so tollen Vorschlag, denn Liebe ist doch nichts Besonderes. Liebe hat doch jeder schon mal erlebt, das würde ihn zu nichts Besonderem machen. Doch was ist es sonst? Nun, das findet ihr nur heraus, wenn ihr diesen Text lest. So lang ist der ja nicht!

Mein Fazit? Dieser Text war schon in Ordnung und gerade die Message dieser Geschichte fand ich wirklich schön.

Samstag, 19. September 2020

Rotkäppchen raucht auf dem Balkon und andere Familiengeschichten

Autor: Wladimir Kaminer
Erschienen am 10.8.2020
Im Goldmann Verlag
ISBN: 9783442315901
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Wenn ein hoher Grad an Bildung und Humor aufeinandertreffen: Der 1967 geborene Autor absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk, bevor er Dramaturgie studierte und aus der Sowjetunion auswanderte. Der Kolumnist veröffentlicht regelmäßig Artikel in verschiedenen Printmedien und gab sein Romandebüt im Jahre 2000. „Russendisko“ verschaffte ihm internationale Berühmtheit und wurde 2012 unter anderem mit Matthias Schweighöfer verfilmt. Er zählt zu den beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands und ist sich seiner Rolle durchaus bewusst. 2018 erschien der Roman „Ausgerechnet Deutschland - Geschichten unserer neuen Nachbarn“, in dem er sich mit der aktuellen Flüchtlingsthematik auseinandersetzt. Der Schriftsteller, der auch Musik-Veranstaltungen organisiert, lebt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern in Berlin."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Geschichten für Familienmenschen – charmant, kurzweilig und humorvoll ... Das neue Buch des SPIEGEL-Bestsellerautors von »Die Kreuzfahrer« und »Coole Eltern leben länger«!

Verstehe einer die Kinder. Oder die Großeltern. Die einen werden erwachsen, kaufen sich Leitz Ordner für Handyverträge und schwören dem billigen Fusel ab, der gestern noch zu jeder Party gehörte. Die anderen haben eine kindliche Freude daran, die Welt neu zu erobern und ihre Grenzen auszuloten. So mancher Jugendliche bleibt hingegen lieber zu Hause, um zwischen Kühlschrank und Computer nach sich selbst zu suchen. In seinen neuen Geschichten beschreibt Familienmensch Wladimir Kaminer das komplizierte Verhältnis der Generationen mit viel Liebe und Humor."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Heute ist es mal wieder Zeit für eine Kurzgeschichtensammlung. Die Rezi schreibe ich, während eine meiner Katzen direkt vor mir sitzt und mich gruselig anstarrt. Ob die Hunger hat? Oder plant sie doch eher, mich zu ermorden? Wer weiß das schon? Ich auf jeden Fall nicht. Aber ist ja auch egal, solang sie mich noch diese Rezension fertig schreiben lässt.

In "Rotkäppchen raucht auf dem Balkon" geht es um das ganz normale Familienleben. Da ist die Großmutter, die Mutter, der Vater, der die Geschichte erzählt, die Tochter und ein Sohn. Es geht um Italienischunterricht, um Katzenfutter, um Rockkonzerte, das Studium und um Friday for Future. Aber es geht auch um ernstere Themen wie zum Beispiel Migrationserfahrungen und um die schwere Entscheidung, was man denn mit seiner Zukunft eigentlich anfangen will. Der Autor schnappt sich seine Figuren und wirft sie in Situationen, die eigentlich jeder von irgendwoher kennt. Und dann macht er diese Szenen lustig. Also, wirklich witzig. So witzig, dass ich es nicht gewagt habe, dieses Buch im Zug zu lesen, denn sonst nehmen mich die Maskenverweigerer nicht mehr ernst, wenn ich einen Streit mit ihnen vom Zaun breche. Da kann ich nicht eine halbe Sekunde davor noch laut lachen.
Auch die Figuren scheinen direkt aus dem Leben zu stammen und sind daher auch authentisch. Da ist die Großmutter, die eine zweite Pubertät durchzumachen scheint und alles für ihren Kater tun würde. Da ist der Familienvater, der sich mit den zwei Kindern rumschlagen muss, die sowieso alles besser wissen. Die Tochter studiert Gender Studies und Ethnologie, wenn ich mich richtig erinnere und erinnerte mich, um ehrlich zu sein, fast ein bisschen an mich selbst. Stellenweise zumindest. Ich würde jetzt nicht zum Feiern nach Polen fahren oder überhaupt auf große Parties gehen, aber naja, das ist wohl Geschmackssache. Dann ist da noch der Sohn, der sich sehr überlegen vorkommt, aber eigentlich keine Ahnung hat, was er überhaupt aus seinem Leben machen will. Wie ihr seht: Da ist Drama vorprogrammiert. 

Die Geschichten sind alle locker flockig geschrieben, sodass man sie schön nebenher lesen kann. Außerdem ist keine länger als nur ein paar Seiten. Ich konnte also auch dann ein paar Seiten lesen, wenn ich gerade meine Zähne geputzt habe oder darauf warten musste, dass endlich das Nudelwasser kocht. 

Mein ein Fazit? Sehr schöne Sammlung von kleinen Geschichten über die liebe Familie! Kann ich euch empfehlen!

Samstag, 16. Mai 2020

Die Morde in der Rue Morgue [Kurzmeinung]

Quelle: Verlag
Nun gut, wenn man keinen passenden Klappentext findet, muss man halt spontan doch eine Kurzrezension daraus machen. Wundert mich zwar total, weil ich bisher zu fast jedem Klassiker einen halbwegs passablen Klappentext finden konnte, aber naja. Es gibt für alles ein erstes Mal. Muss ich halt flexibel sein.

Edgar Allan Poe ist der Vater der Kriminalgeschichten. So hör ich zumindest immer und immer wieder in allen möglichen Vorlesungen. Also ist doch klar, dass ich das auch lesen muss. (Außerdem muss ich das ja auch für meine nächste Prüfung gelesen haben. Dämpft meine Motivation etwas, aber wird schon.)

Die Hauptfigur ist ein Pariser Gentleman, dessen Name ich vergessen habe. Ob der jetzt zur Polizei gehört und offiziell ein Detektiv ist, weiß ich nicht (mehr). Klar ist, dass der ein ziemliches Genie ist. Er erinnerte mich ziemlich an Sherlock Holmes, vielleicht hat sich Doyle ja auch von Poe inspirieren lassen. Wie Sherlock Holmes hat auch Dupin eine ziemlich gute Beobachtungsgabe. Er sieht seinen Begleiter, der mich irgendwie an Watson erinnert hat, für eine Sekunde an und weiß sofort, an was der in den letzten paar Sekunden so gedacht hat. Und einen Fall muss er sich nur kurz mal anhören, um ihn sofort lösen zu können.

Ich persönlich fand den Protagonisten nicht wirklich sympathisch. Er ist ein Genie, das unmenschlich schnell denkt und neben dem ich mich ziemlich dumm fühlte. Das war für mich dann doch eher frustrierend. Bei Sherlock Holmes hatte ich diese Problem nie, denn da war Watson doch noch mehr im Vordergrund. Watson half mir immer dabei, mich weniger dumm zu fühlen, weil er das ja auch nicht sofort durchschaut hat. Der wirkte dann immer wie eine Art Brücke zwischen Sherlocks Gedankenwelt und mir als Leserin. Bei dieser Kurzgeschichte von Poe fehlte diese Brücke. Der Erzähler war eigentlich nur da, um diesen Pariser Detektiven zu bestaunen und das war dann doch eher nervig.

Die Auflösung des Falls war sehr kreativ, passierte aber fast zu schnell. Klar, es ist eine Kurzgeschichte, die kann nicht ewig lang sein. Trotzdem hätte ich mir da ein paar mehr Grübeleien gewünscht und nicht die sofortige Lösung.

Alles in allem muss man Poe aber zugute halten, dass er ja anscheinend der Erfinder von Kriminalgeschichten war. Zumindest war er einer der ersten. Er hatte also nicht abertausende Krimis und Thriller, an denen er sich orientieren konnte und dieser Gedanke schwächt für mich die "Fehler" dieser Geschichte etwas ab. Klar kann ich mich heute beschweren, dass mir der Protagonist nicht passt und mir die Auflösung zu schnell ging und so weiter und so weiter. Aber das kann man im Nachhinein immer. Sollte man aber nicht, deswegen werde ich jetzt auch ganz schnell still sein.

Samstag, 25. April 2020

Das Urteil [Kurzkommentar]


Quelle: goodreads.com
So viele Klassiker im Moment! Woran kann das nur liegen? Mal ganz sicher nicht an der Fernlehre der Uni, für die ich jetzt gefühlt zehn mal so viele Klassiker wie sonst lesen muss. Oder darf. Ist Ansichtssache. Ich lese die Klassiker ja gerne und als Literaturwissenschaftlerin sollte man ja alles gelesen haben, was nur irgendwie geht. Verstehe ich und an meinem Studium gefällt mir ja genau deswegen so gut. Aber dann gibt es Texte, bei denen ich mir nur denke: "Was zur Hölle! Ist das euer Ernst?" "Das Urteil" war so eine Kurzgeschichte.

Ich lese Kafka sehr gerne. Er hat einen spannenden Stil, der mich einfach fesselt. Und seine Bücher sind immer faszinierend, weil sie einfach so...kafkaesk sind! Irgendwie gruselig, immer schräg und nie weiß man, ob jetzt gerade wirklich alles so gemeint ist, wie man es verstanden hat. Kleiner Spoiler: Nein ist es nicht.

"Brief an den Vater" hab ich ja auch schon gelesen und auf diesem Blog rezensiert. Da wurde ja schon ziemlich klar, dass die Beziehung zwischen Kafka und seinem Vater nicht gerade ideal war. Gesund ist was anderes. Das zeigt sich auch hier wieder. Natürlich sind das nicht wirklich Kafka und sein Vater, sondern fiktive Figuren, von denen man nicht sagen kann, ob die jetzt ein Vorbild haben. Aber wenn man nebenher den "Brief an den Vater" liest und den Lektüreschlüssel und dazu noch Kafkas Tagebuch... Also das kann mir keiner erzählen, dass die Figuren nicht an die Realität angelehnt sind! Da sind die real existierenden Menschen, also Kafka und sein Vater, zumindest Vorbilder für die Figuren gewesen!

Viel mehr kann ich zu dieser Kurzgeschichte eigentlich gar nicht sagen. Das ist das Problem mit Kurzgeschichten. Die haben ja nur so um die 20 Seiten - was soll man da groß darüber schreiben. Natürlich könnte ich hier den Inhalt detailgetreu wiedergeben oder euch verraten, was ich am Mittwoch in meinem Referat über Kafas "Urteil" und die Psychoanalyse gesagt hätte, wenn der Server der Fernlehre nicht zusammengestürzt wäre. Aber erstens wären meine Referatspartnerinnen wohl nicht wirklich begeistert, wenn unser Referat plötzlich im Internet landet und zweitens müsste ich dafür zuerst erklären, was die Psychoanalyse denn eigentlich ist und wie zur Hölle das mit der Literatur zusammenhängt. Vielleicht erkläre ich euch das ja sogar irgendwann auf meinem Blog. Aber heute nicht.

Zusammenfassend kann man über diese Kurzgeschichte sagen, dass sie einfach typisch für Kafka ist. Ich mag "Die Verwandlung" lieber, aber das ist wohl Geschmackssache. Auf Goodreads habe ich die Geschichte als "Achterbahn" beschrieben und das trifft es, denke ich, ziemlich gut. Die Geschichte ist verwirrend und schräg, so wie es für Kafka halt typisch ist. Meiner Meinung nach, macht aber genau das die Geschichte so lesenswert. Also blättert sie doch einfach mal durch, ist ja echt nicht so lang!

Montag, 30. März 2020

The End and Other Beginnings

Autorin: Veronica Roth
Erschienen am 1.10.2019
Im Harper Collins Verlag
ISBN:  0062796526
Rezensionsexemplar:Nein

Quelle: Verlag
Zur Autorin:
"Literarische Weltklasse: Die US-amerikanische Autorin Veronica Roth wurde am 19.08.1988 in Chicago geboren. Sie schreibt bereits seit sie 12 Jahre alt ist. Im Anschluss an ihren Highschool-Abschluss studierte sie "Creative Writing" an der Northwestern University. Im Alter von 20 Jahren schrieb sie schon an ihrem ersten Roman. Dieser wurde als ihr Debüt unter dem Titel "Die Bestimmung" veröffentlicht und avancierte in den USA sofort zum Bestseller. Ihr Erstling bildete gleichzeitig den Auftakt zu einer Trilogie, die - nach Band 2 "Tödliche Wahrheit" - 2014 mit "Letzte Entscheidung" abgeschlossen wurde. Im selben Jahr kam der erste Teil der Verfilmung der Bücher ins Kino. Roth lebt heute gemeinsam mit ihrem Ehemann in Chicago."
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"Bestselling Divergent and Carve the Mark author Veronica Roth delivers a stunning collection of novella-length stories set in the future, illustrated with startling black-and-white artwork.
No world is like the other. Within this masterful collection, each setting is more strange and wonderful than the last, brimming with new technologies and beings. And yet, for all the advances in these futuristic lands, the people still must confront deeply human problems.
In these six stories, Veronica Roth reaches into the unknown and draws forth something startlingly familiar and profoundly beautiful.
With tales of friendship and revenge, plus two new stories from the Carve the Mark universe, this collection has something for new and old fans alike. Each story begins with a hope for a better end, but always end with a better understanding of the beginning.
With beautifully intricate black-and-white interior illustrations and a uniquely designed package, this is the perfect gift for book lovers."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch hab ich mir gekauft, weil mir der Titel so gefallen hat. "The End and Other Beginnings". Geht's noch schöner? Das ist so richtig cool paradox! Und dieser Titel ist auch gleichzeitig der rote Faden und das Thema aller Kurzgeschichten in diesem Buch. Ein Ende - und ein Neuanfang. Das Ende war dabei meist das Ende eines Lebensabschnitts oder der Tod. Und nein, das ist kein Spoiler, keine Angst!

Das Buch ist ziemlich cool gestaltet. Alle paar Seiten gibt es ein schwarz-weißes Bild. Das sah ziemlich cool aus - war aber manchmal auch echt irritierend. Mein Blick wurde so vom Text weg zum Bild gelenkt und es fiel mir schwerer, mich auf den Text zu konzentrieren. Für Leute, die sonst auch Comics und so lesen, ist das aber sicher ein tolles Extra.

Die einzelnen Geschichten fand ich unterschiedlich gut. Die erste Geschichte über das Mädchen, das den sterbenden Jungen besucht, war mein absoluter Favorit. Danach kommt die Geschichte über das Mädchen mit dem besonderen Gehör. Mit den zwei Geschichten aus dem "Carve the Mark"-Universum konnte ich leider gar nichts anfangen. Die Welt war mir fremd und hier wurde nicht wirklich erklärt, was es denn mit den ganzen Besonderheiten auf sich hat. Ich konnte deswegen die Handlungen der Figuren auch oft nur teilweise nachvollziehen und war nach ein paar Seiten oft einfach nur noch genervt. Für diese Buchreihe war das auf jeden Fall keine gute Werbung, zumindest meiner Meinung nach.
Die Geschichten waren alle relativ lang. Das fand ich in Ordnung. Was mich gestört hat, waren aber die Enden der Geschichten: Die kamen dann doch meistens eher abrupt. Ich fühlte mich da dann doch oft von der Autorin im Stich gelassen.

Der Schreibstil war in Ordnung. Es gab einige sehr gute und starke Textstellen, die ich echt gut und teils sogar wunderschön fand. Ein paar Zitate habe ich sogar für meine Zitate-Reihe übernommen. Doch wie schon bei den einzelnen Geschichten, gab es auch hier ein großes Spektrum. Verdammt, teils war die Qualität so unterschiedlich, dass ich kaum glauben konnte, dass das alles aus der Feder derselben Autorin stammt.

Mein Fazit? In Summe nur mittelmäßig. Einige sehr starke Geschichten, andere waren dafür leider eher schwach.

Dienstag, 3. März 2020

Bartleby, der Schreiber

Autor: Hermann Melville
Erschienen am 10.3.2019
Im Insel Verlag
ISBN: 9783458194668
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Der Autor packender Reiseerzählungen: Herman Melville kam im Jahr 1819 in New York City zur Welt. Seine Familie war zunächst wohlhabend, verarmte aber nach dem frühen Tod des Vaters. Nach seiner Tätigkeit auf einem Postschiff und als Lehrer heuerte Melville 1841 auf einem Walfänger an, „desertierte“ aber anschließend aufgrund der seiner Meinung nach unzumutbaren Bedingungen an Bord des Schiffes. Später arbeitete er weiterhin auf Schiffen und gelangte auf seinen Reisen bis in die Südsee. Nach seiner Rückkehr in die USA betätigte sich Herman Melville als Schriftsteller, wobei er seine Reiseeindrücke verarbeitete. Sein Erstlingswerk „Typee“ schrieb er im Jahr 1846. Sein Roman „Moby Dick“ erschien 1851. Dieses Buch zählt heute zu den bedeutenden Werken der Weltliteratur. Zu Lebzeiten des Autors verkauften sich aber nicht mehr als rund 3.000 Exemplare. Mit der erstmaligen Neuauflage des Werkes kurz nach dem Tod Herman Melvilles im Jahr 1891 begann die Wiederentdeckung seiner Arbeit. Der Roman enthält zahlreiche religiöse und mythologische Hinweise und beschäftigt sich mit philosophischen und historischen Themen. Die Inspirationen für seine Werke sammelte Melville auf zahlreichen Reisen, die ihn unter anderem nach England, an das Mittelmeer und nach Palästina führten."
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"Herman Melvilles »Geschichte aus der Wall Street« mit der sprichwörtlich gewordenen Sentenz »I would prefer not to« wurde – nach dem Erscheinen seines Romans Moby Dick – 1853 erstmals publiziert. Im Mittelpunkt steht der Angestellte einer New Yorker Rechtsanwaltskanzlei, Bartleby, der die ihm aufgetragenen Schreib- und Kopiertätigkeiten zunächst mit Fleiß und Hingabe erfüllt, plötzlich aber nicht mehr »mitmachen« möchte. Er wird immer schweigsamer, will die aufgetragenen Büroarbeiten nicht ausführen und lässt seinen Arbeitgeber verwirrt zurück. Bartleby verweigert sich schließlich dem Leben selbst …
Die parabelhafte und absurd-komische Erzählung erscheint in der Insel-Bücherei mit Illustrationen von Sabine Wilharm, deren Coverillustrationen für die Harry-Potter-Bücher alle Leser kennen.
»Ich möchte lieber nicht …«"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
"Na, Mira? Bereit die Rezension zu schreiben?"
"Ja...aber ich möchte lieber nicht."
"Du möchtest nicht?"
"Lieber nicht."

Bücher wie "Bartleby, der Schreiber" erinnern mich daran, warum ich Literatur studiere. Wo sonst hätte ich je eine Geschichte wie diese gelesen? Bei diesem Büchlein handelt es sich um die neue Ausgabe von Melvilles Kurzgeschichte, die er erstmals 1853 veröffentlichte. Hier gibt es sogar Bilder dazu. Diese Bilder sind total abstrakt und haben mich anfangs irritiert - danach gewöhnte ich mich aber daran und am Ende machte es sogar richtig Spaß, mir die dazu noch anzusehen.

Die Geschichte inklusive den Bildern hat nur so um die 80 Seiten und das auch nur, weil die Seiten ein eher kleines Format haben. Die Geschichte hab ich also innerhalb eines Abends verschlungen. 

Mit dem Schreibstil hatte ich gerade zu Beginn zu kämpfen. Die Sätze sind stellenweise total verschachtelt und man merkt halt, dass die Geschichte nicht erst gestern herauskam. Sobald ich mich aber daran gewöhnt habe, gefiel der Stil mir fast schon.

Die Handlung fand ich total cool. Ich wusste durch meine Vorlesungen schon ungefähr, worum es geht, aber eben nicht genau. Und vor allem dachte ich nicht, dass mich die Geschichte so zum Lachen bringen könnte. Allein die Vorstellung: Du hast einen neuen Mitarbeiter, der zu Beginn ganz fleißig ist, irgendwann zu allem aber nur noch sagt: "Lieber nicht!". Egal worum es geht! Bei allem antwortet er mit "Lieber nicht!". Die ganze Situation ist einfach nur unglaublich absurd und ich wüsste auch gar nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich Bartlebys Chefin wäre. Allerdings juckt es mich jetzt in den Fingern, das mal im echten Leben auszuprobieren. Also, jetzt nicht in der Arbeit und auch nicht in der Uni. Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wo ich das ausprobieren könnte. Aber ich will das unbedingt ausprobieren. Oder zuschauen, wie das jemand anders ausprobiert. Okay, die zweite Variante gefällt mir fast besser, da ist weniger Risiko für mich dabei. Also? Wer von euch opfert sich?

Mein Fazit? Super coole Geschichte! Daumen hoch!