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Sonntag, 21. Dezember 2025

Faust. Der Tragödie erster Teil [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir alle kennen die Geschichte rund um Faust. Der frustrierte Professor, der zwar gefühlt alles studiert hat, sich selbst mit der Magie beschäftigt, und es trotzdem nicht schafft, seinem Leben einen Sinn zu geben – bis er einen Bund mit dem Teufel eingeht. Sollte dieser es schaffen, dass Faust auch nur für einen Moment sein Leben genießt, gehört seine Seele ihm.

Viele von uns haben sich in der Schule durch das Reclam-Heftchen gequält, viele kennen auch noch weitere Adaptionen rund um Goethes Theaterstück. Das Stück wird bis heute aufgeführt, es wurde mehrfach verfilmt, findet seinen Platz in immer wieder neuen Comics und Graphic Novels. Einige werden sich nun also denken: »Im Ernst? Noch eine Version?« Ja, noch eine Version! Denn Nele Heaslip hat sich hier einen spannenden Twist einfallen lassen, durch den ich den Fauststoff nochmal ganz neu lesen konnte. Diese Graphic Novel spielt nämlich in drei Zeiten gleichzeitig: Mittelalter, Zeit des Nationalsozialismus und Gegenwart. Der Switch erfolgt dabei fließend mitten in der Szene, ohne große Markierung. In einem Bild hält Doktor Faust eine Vorlesung in einem modernen Hörsaal, im nächsten ist sein modernes Büro ein mittelalterliches Turmzimmer. In einem Bild spaziert Faust durch eine mittelalterliche Stadt, im nächsten ist die Stadt immer noch gleich, doch Faust trägt einen Judenstern und aus den Fenstern hängen die Flaggen der Nationalsozialisten.

Durch den Wechsel in den Zeiten wurde für mich eigentlich erst sichtbar, wie zeitlos der Fauststoff eigentlich ist. Der Switch war problemlos möglich, ohne dass dabei Verständnisprobleme entstanden und ohne, dass dabei irgendetwas unlogisch wurde. Der Stoff mit Goethes Originaltext funktionierte weiter, war weiter spannend.

Diese Entscheidung der Illustratorin lud mich dazu ein, den Text genau zu reflektieren. Würde diese Szene hier denn auch im Nationalsozialismus funktionieren, obwohl sie hier doch im Mittelalter spielt? Und was wäre, wenn man sie in die Gegenwart versetzen würde? Wie verändert die jeweilige Zeitebene die Stimmung, die Bedeutung oder die Beziehung der Figuren untereinander?

Das Buch selbst ist unglaublich aufwändig gestaltet. Die Illustrationen sind voll interessanter Details und kleine Kunstwerke, die man so auch direkt in eine Galerie hängen könnte. Auch die Papierqualität ist mir positiv aufgefallen.

Eine unglaublich spannendes und hochwertig produziertes Graphic Novel, nicht nur für Schulbibliotheken und Schüler*innen. Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint!

Samstag, 22. Juni 2024

Stolz und Vorurteil. Die Graphic Novel nach Jane Austen

Autorin: Claudia Kühn
Illustratorin: Tara Spruit
Nach Jane Austens Roman
Erschienen am 12.6.2024
Im Loewe Verlag
ISBN: 9783732022588
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Mädchen ab und zu von der Liebe träumt
Elizabeth Bennet hat vier Schwestern und eine Mutter, deren größte Sorge ist, alle Töchter unter die Haube zu bringen. Als der vermögende Mr Bingley und sein attraktiver Freund Darcy das benachbarte Anwesen Netherfield beziehen, ist Mrs Bennet ganz aus dem Häuschen. Aber schon beim ersten Tanz wird Elizabeth klar, dass sie nie, niemals einem so stolzen und arroganten Mann wie Mr Darcy ihr Herz schenken könnte.
Niemals?
Wirklich, Lizzy???
Erlebe den Klassiker neu als hinreißende Graphic Novel
Seit über zweihundert Jahren begeistert Jane Austens Stolz und Vorurteil Leserinnen weltweit immer wieder neu. Diese wunderschöne Graphic Novel sollte in keiner Austen-Sammlung fehlen. Mit ihren bezaubernden Illustrationen verwandelt Tara Spruit den zeitlosen Klassiker Stolz und Vorurteil in eine hochwertige Graphic Novel, die sich nicht nur als Geschenkausgabe für Jane Austen-Begeisterte eignet, sondern alle Regency-Fans zum Träumen einlädt. Verliebe auch du dich unwiederbringlich in den ultimativen Book Boyfriend Darcy!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich schäme mich fast schon das zu sagen: Ich habe "Stolz und Vorurteile" bisher noch nicht gelesen. Und das als Literaturwissenschaftlerin, die hoffentlich bald ihren Master in den Händen hält. Klar habe ich schon Fächer belegt, in denen dieses Buch auf der Leseliste gestanden wäre. Aber trotzdem habe ich mich bisher immer darum herumgewunden. Es ist nicht so, als hätte ich es nicht zumindest versucht. Aber reingefunden habe ich bisher nie. Als ich dann auf NetGalley dieses Graphic Novel gesehen habe, habe ich einfach mal spontan beschlossen, diesem Roman eine allerletzte Chance zu geben.
Und was soll ich sagen? Ich habe tatsächlich endlich "Stolz und Vorurteile" fertig gelesen! Zwar nur als Graphic Novel, aber wer interessiert sich schon so genau für die Details?

Speaking of details:  Die haben mir leider bei diesem Zeichenstil stellenweise gefehlt. Gerade wenn mehrere Figuren in einem Bild zu sehen waren, fiel es mir sehr schwer, sie auseinanderzuhalten. Und das war in vielen Fällen nicht unbedingt hilfreich, wenn es darum ging, die Geschichte zu verstehen. Das war für mich gerade zu Beginn ein Problem. Vielleicht wäre es hier gut gewesen, die Figuren etwas individueller zu gestalten.

Die Geschichte an sich gefiel mir besser, als ich ursprünglich gedacht hätte. Ich hatte tatsächlich Spaß mit der Geschichte, auch wenn dieser Spaß vor allem erst in der zweiten Hälfte auftauchte, als Mr. Darcy endlich seine Gefühle zu zeigen begann. Doch gleichzeitig fehlte mir bei Mr. Darcy ein sauberer Übergang. Während es für mich bei Lizzy sehr gut nachvollziehbar war, dass sie Mr. Darcy irgendwann nicht mehr leiden konnte, war das bei Mr. Darcy anders: In der einen Sekunde ist er ein arroganter Mistkerl, im nächsten Kapitel ist er unsterblich in Lizzy verliebt und würde alles für sie tun. Keine Ahnung, ob das im Originalbuch genauso ist. Es hat mich auf jeden Fall gestört, denn ich habe nicht ganz verstanden, woher Mr. Darcys Sinneswandel kommt. Nur, weil ihm Lizzy mal den Kopf gewaschen hat? Weil sie ihn für einen schlechten Menschen hält? Warum interessiert ihn das plötzlich? Das war für mich nicht ganz nachvollziehbar?

Mein Fazit? Ein Graphic Novel für Zwischendurch, das aber leider kleine Schwächen mitbringt.

Dienstag, 28. Mai 2024

Verwandelt [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich bin mir immer noch unsicher, wie ich das mit den Arbeits-Rezensionsexemplaren machen soll. Denn ja: Hier bin ich schwach geworden und hab mir ein Buch in der Arbeit eingepackt. Soll ich das hier in der Rezension besonders kennzeichnen? Normalerweise tue ich das ja bei Rezensionsexemplaren immer. Aber: Das hier ist kein Rezensionsexemplar, das ich explizit für meinen Blog bekommen habe. Zählt das dann immer noch dazu? Oder fällt das dann unter Kategorie "Ganz normales Buch". Kann ich darüber eine Kurzrezension schreiben? Ich habe ganz ehrlich nicht die geringste Ahnung. Falls ihr besondere Wünsche habt, dann schreibt mir das gerne in die Kommentare, bis ich für mich selbst eine Antwort gefunden habe, probiere ich einfach ein paar verschiedene Varianten aus. Und meine erste Variante ist die für mich angenehmste: die Kurzrezension. Denn niemand zwingt mich dazu, dieses Buch auf meinem Blog zu rezensieren, denn ich lese es für ein anderes Medium, das mit diesem Blog kein bisschen zusammenhängt.

Also, worum geht es hier genau? Es handelt sich bei diesem Buch um eine Kafka-Biographie. Die beiden Autoren beschränken sich hier aber nicht nur auf Worte, sondern arbeiten auch mit Illustrationen und machen aus Kafkas Leben einen richtig spannenden Graphic Novel. Zusätzlich findet ihr hier einige Textausschnitte - wodurch diese Texte jeweils auch in Kafkas Leben verortet werden. Und gleichzeitig (zumindest bei mir) die Lust geweckt wurde, mal wieder einen (oder gleich alle) Kafka-Texte zu lesen. Kafka ist sowieso einer der Autor:innen, die mich besonders faszinieren. So sehr, dass ich sogar überlegt habe, meine Masterarbeit über einen seiner Texte zu schreiben, zumindest bis ich bemerkt habe, wieviel Sekundärliteratur ich dann berücksichtigen müsste. Meine Faszination mit ihm entstand viel zu früh, nämlich mit 12 Jahren. Damals habe ich mit meiner Familie einen Ausflug nach Prag gemacht und ging dort gemeinsam mit meinem Vater ins Kafka-Museum. Und tada: So wurde eine lebenslange Obsession in mir geweckt, die ich so schnell wohl nicht mehr loswerde. Warum das entstanden ist, kann ich bis heute nicht erklären, aber naja: Here we are!

Dieses Buch beschäftigt sich mit extrem vielen Themen, die für Kafka-Leser:innen spannend sein könnten - und das ohne, dass Vorwissen vorausgesetzt wird. Wahrscheinlich könntest du keine Ahnung haben, wer denn Kafka eigentlich ist, und dieses Graphic Novel trotzdem interessant finden. Besprochen werden sowohl Kafkas Familie und Jugend als auch seine Krankheit, seine Liebschaften und sein unerfüllter Wunsch, sich ganz dem Schreiben widmen zu können. 

Mein Fazit? Eine gut abgerundete Biografie mit tollen Bildern und vielen gut gewählten Textausschnitten und Zitaten. Konnte mich als  Kafka-Nerd sehr begeistern, ist aber sich auch was für Neulinge!

Sonntag, 28. April 2024

Nimona [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute darf ich euch mal wieder ein Buchclubbuch vorstellen. Das Thema war "Comics und Graphic Novels" und ich war unter den Personen, die für dieses Buch abgestimmt haben. "Nimona" verspricht viel Spannung und eine ungewöhnliche (Anti-) Heldin.

In "Nimona" geht es um die gleichnamige Gestaltwandlerin Nimona, die sich dem Bösewicht Lord Ballister anschließen möchte. Warum? Ich glaube, weil sie ihn einfach cool fand. Tiefere mögliche Motive werden erst weiter hinten im Buch enthüllt und ich werde deswegen hier auch nicht weiter darauf eingehen. Aber auch das Motiv der Coolness ist für mich in Ordnung - Nimona wird hier von einem Teenie-Mädchen im Alter von vielleicht 12 oder 13 Jahren verkörpert. Was hätte ich in diesem Alter nicht alles gegeben, um cool zu sein! Und Nimonas Weg, mit diesem Drag umzugehen, ist dann halt, dass sie sich einem berühmt berüchtigten und wahrscheinlich gefährlichem Bösewicht anschließt. Nein, wie gesagt, das ist nicht wirklich ihr Motiv. Aber die Wahrheit kommt erst viel später ans Licht, deswegen dazu jetzt nichts.

Die Geschichte selbst fand ich erfrischend anders und unterhaltsam. Nimona war mir sofort sympathisch und ich war überrascht, wieviel Tiefe diese Figur später noch bekam, obwohl sie zu Beginn doch eher die Figur für den Comic Relief war. Den Humor in der Geschichte mochte ich sehr. Wenn sich Nimona mal wieder in einen Hai verwandelte, um Lord Ballister zu erschrecken, habe ich mich jedes Mal wieder darüber amüsiert.

Nicht ganz zufrieden war ich mit dem Ende des Graphic Novels. Das hat bei uns auch für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Ich persönlich hätte mir hier ein Happy End gewünscht. Außerdem finde ich, dass das Ende mehr Platz hätte einnehmen dürfen und können.

Mit den Bildern des Graphic Novels war ich auch zufrieden. Ich habe sie mir gerne angesehen, auch wenn sie eher schlicht gehalten wurden. Probleme hatte ich eigentlich nur zu Beginn und nur mit Nimonas Frisur, die ich zu Beginn nicht als solche erkannte. Ich dachte, dass sie da vielleicht eine Mütze trägt und habe mich gewundert, warum hier zwei Farben mit so geringem Kontrast gewählt wurden. Aber nein, das sind ihre Haare. Später im Graphic Novel wird das auch noch erklärt.

Mein Fazit? Hat mir gut gefallen. Ich freue mich darauf, mir mit dem Buchclub auch noch den Film dazu anzusehen.

Samstag, 17. Februar 2024

Ruined. Lady Catherines Geheimnis

 Autorin: Sarah Vaughn
Erschienen am 14.02.2024
Im Loewe Verlag
ISBN: 9783743217720
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
Das Buch ist bei deiner Buchhandlung vor Ort und bei vielen Online-Buchshops erhältlich!

Eine Liebe zwischen Schicksal und Verführung
Die ganze Stadt redet darüber, wie Catherine Benson ihre Unschuld verloren hat. War es im Park? Oder in einer Kutsche? Nur ein sehr verzweifelter Mann wird sie nun noch heiraten. Einer wie Andrew Davener. Catherines ansehnliche Mitgift kann er gut gebrauchen. Beide sind aus tiefstem Herzen unglücklich über diese arrangierte Ehe. Bis zur Hochzeitsnacht! Wird Catherines Traum von erfüllter Liebe doch noch wahr werden?

Eine prickelnde Regency Romance über unerwartete Leidenschaft im Graphic Novel

Pflicht und Romantik kollidieren in dieser atemberaubenden
Regency Romance. Für Leser*innen ab 16 und alle Fans von Anthony Bridgerton und dem Duke of Hastings. Eine wunderschöne Feel-Good-Romance aus der Regencyzeit. Slow Burn – voller Leidenschaft und mit einem Extra-Hauch Spice.

Meine Meinung:
Dieses Buch wollte ich lesen, weil ich es bei meinem neuen Arbeitsplatz gesehen habe. Und ja, auch an meinem Arbeitsplatz gibt es Rezensionsexemplare. Unglaublich viele sogar. Was für mich unglaublich spannend ist. Und ich habe deswegen manchmal auch die Chance, in ein noch nicht erschienenes Buch hinein zu blättern. Zum Beispiel in dieses hier. Und was ich dort gesehen habe, hat mich zumindest so weit überzeugt und mich so neugierig gemacht, dass ich das Buch beim Verlag angefragt habe. Und kurz darauf hatte ich dann das Buch auf meinem Reader. Und habe das Buch dann an einem Nachmittag durchgesuchtet. Ups.

Was mich total fasziniert hat, war wohl, dass es hier immer um Catherines Geheimnis geht, das sich erst im letzten Viertel aufklärt. Sie hat ihre Jungfräulichkeit vor ihrer Hochzeitsnacht verloren und dann noch an einen Typen, der sich direkt aus dem Staub gemacht hat, als diese Affäre in die Öffentlichkeit geraten ist. Und wie wir alle aus "Bridgerton" wissen: Das ist Klatsch, über den sich die gesamte höhere Gesellschaft den Klatsch zerreißt. Catherine braucht also ganz dringend einen Ehemann, um ihre eigene Ehre und die ihrer Familie zu retten. Andrew Davener meldet sich freiwillig - denn er braucht das Geld, das Catherine in die Ehe mitbringen wird. Nicht unbedingt also eine Liebeshochzeit und keiner der beiden ist besonders erfreut darüber. Und während dieser Hochzeit setzt diese Geschichte ein. Wie ihr euch denken könnt, sind beide Personen nicht besonders erfreut darüber, dass sie nun nicht für Liebe heiraten, sondern aus anderen, viel weniger romantischen Gründen. Doch beide möchten trotzdem dafür sorgen, dass die Ehe irgendwie funktioniert. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Vor allem Catherine gibt sich sofort große Mühe, das Herz ihres Mannes für sich zu gewinnen. Doch das ist gar nicht so leicht, denn Andrew ist ein recht verschlossener Mensch, Ob es ihr wohl gelingen kann, ihren Mann für sich zu gewinnen?

Auf der optischen Ebene ist das Buch meiner Meinung nach gut gemacht. Ein einfach gehaltener Zeichenstil, der aber trotzdem schön ist und erzählende Wirkung hat. Ich würde euch aber definitiv empfehlen, das Buch in gedruckter Form zu lesen. Ich habe das Graphic Novel auf meinem iPad gelesen und mir war die Schrift teilweise zu klein - was mich dazu zwang, ins Bild zu zoomen. Und das sorgt dann natürlich dafür, dass die Bildqualität schlechter wird und die Bilder teils etwas verpixelt wirkten.

Inhaltlich gefiel mir diese Geschichte sehr gut und hielt einige positive Überraschungen für mich bereit. Da wäre zum einen Catherines Schwester, die einfach nur möchte, dass Catherine glücklich ist und ihr sogar nahelegt, wegzulaufen. Sie selbst hat eine Beziehung mit einer Frau und scheint sich nicht wirklich dafür zu interessieren, was die Gesellschaft über sie denkt. Dann ist da die sexuelle Ebene, die meiner Meinung nach gut gelöst wurde. Die Trope "arranged marriage" (also arrangierte Ehe) vermeide ich meist eher, da manche Bücher da schnell sexuelle Gewalt darstellen, oder zumindest eine eher unangenehme Hochzeitsnacht - und solche Szenen sind nichts für mich. Damit fühle ich mich nicht wohl. Hier wurde das ganz anders gelöst und ich finde es super, wie das gelöst wurde (werde aber euch hier keine weiteren Infos geben, da ich keine Spoiler verbreiten möchte.)
Auch eine weitere Figur habe ich schnell ins Herz geschlossen: Andrews jüngere Schwester. Sie scheint an einer Angststörung oder so zu leiden und traut sich schon seit Jahren nicht mehr, das Haus zu verlassen. Durch Catherine und die Freundschaft zu ihr, blüht sie auf und lässt endlich wieder mal jemanden an sich heran.
Und auch sonst gibt es viele, viele tolle Figuren. Ich habe es total genossen, die alle kennenzulernen. Und ja, natürlich hoffe ich darauf, die ein oder andere Person in einem weiteren Band noch etwas näher kennenzulernen.

Generell finde ich auch den Vergleich zu Bridgerton, der im Klappentext gezogen wird, gerechtfertigt. Ich sehe diese Parallele definitiv und auch von der Qualität der Handlung kann diese Geschichte dem Vergleich durchaus standhalten.

Mein Fazit? Ein tolles Graphic Novel, das ich sehr gerne gelesen habe. Ich würde mich sehr freuen, in einem weiteren Teil nochmal in diese Welt eintauchen zu können!

Samstag, 13. Januar 2024

Falco. Die Legende lebt [Kurzrezension]

 

Quelle: Goodreads

Wenn man in meiner Familie einen Gutschein zu Weihnachten bekommt, dann braucht der einen dazu passenden Träger. Ein Beispiel: Ich habe einen Gutschein für das Falco-Musical in Wien von meiner Mutter bekommen. Mit dabei war dieses Graphic Novel über Falcos Leben. Ihr wisst schon: Damit ich nicht komplett planlos zu diesem Musical gehe und zumindest einige Grundfakten über Falco kenne.

Für alle, denen dieser Name jetzt gar nichts sagen sollte (Wohnt ihr hinter dem Mond? Oh mein Gott, Leute!): Falco war ein österreichischer Musiker. Von ihm stammen zum Beispiel die Lieder "Rock me Amadeus" oder "Jeanny". Ich finde viele seiner Lieder gut und freue mich, wenn sie im Radio laufen - auch wenn sie trotzdem nicht in meiner eigenen Privatplaylist sind.

Dieses Graphic Novel ist eine Biografie. Das ist auf jeden Fall eine spannende Art, das Leben einer Person darzustellen. Diese Idee habe ich so auch noch nie gesehen. Auch finde ich, dass die visuelle Seite dieses Buches wirklich gut gemacht wurde. Die Bilder sind sehr schön und man sieht die technischen Fähigkeiten des Künstlers.

Wovon ich allerdings weniger überzeugt bin, ist der Text. Das ist es ja auch, was ein Graphic Novel von einem reinen Comic unterscheidet: Das Textniveau und die Textmenge. Hier findet man aber nicht besonders viel Text und der Großteil, den man davon findet, ist entweder eine trockene Wiedergabe der Eckdaten von Falcos Leben oder seine Liedtexte. Ist natürlich eine Entscheidung, die man so treffen kann, wenn man das will - ich hätte mir aber von dieser Seite dann doch mehr Input gewünscht.

Aufgefallen ist mir außerdem, dass gewisse Dinge über Falco ausgespart wurde. Liest man dieses Buch und weiß davor nichts über Falco, müsste man davon ausgehen, dass er ein super netter, wenn auch manchmal etwas sonderlicher Typ war, der durch einen tragischen Unfall starb. Dass dieser Unfall aber nur deswegen passiert ist, weil Falco vollgepumpt mit den verschiedensten Drogen war, wird zum Beispiel nicht erwähnt. Ich hätte mir eine etwas kritischere Sicht auf Falco gewünscht - das wäre ja auch möglich, ohne den Künstler als Menschen komplett niederzumachen. So reiht sich dieses Graphic Novel aber leider in eine typisch österreichische Entwicklung ein, die ich in der Kunstszene (und damit meine ich Kunst aller Art, nicht nur Musik oder bildende Kunst) so schon länger beobachte: Verstorbene Künstler werden auf ein Podest gehoben, auf dem sie unantastbar sind und für nichts mehr kritisiert werden. Sie sind keine Menschen mehr, die vielleicht auch Fehler gemacht haben und deswegen erst so richtig interessant werden, sondern Halbgötter, an denen jede Kritik abprallt. Und diese Entwicklung finde ich schade, denn ich glaube, dass durch genau diese Einstellung Menschen davon abgehalten werden, sich für Kunst zu interessieren.

Mein Fazit? Die Bilder sind wirklich schön und gut gemacht, inhaltlich hätte man hier aber durchaus noch weiter in die Tiefe gehen können.

Dienstag, 23. Mai 2023

Miss Peregrine. La casa dei ragazzi speciali. Il graphic novel [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Leute, ich habe mich endlich, endlich an ein italienisches Buch gewagt. Ich lerne ja seit inzwischen fast zwei Jahren Italienisch an der Uni, davor habe ich in der Hauptschule schon ein bisschen Italienisch gelernt, aber davon nicht besonders viel mitgenommen. So wirklich auf Italienisch zu lesen, das habe ich mich bisher aber nie getraut. Aber irgendwann muss man diesen ersten Schritt wagen - und die Entscheidung, wann dieser erste Schritt sein soll, hat mir meine Professorin abgenommen. Denn wir müssen irgendwann im Laufe des Semesters ein Buch unserer Wahl präsentieren. Ich bin morgen dran (also bitte Daumen halte. Anstrengende Woche. Am Mittwoch präsentiere ich mein Masterthema meiner Seminargruppe. Diese Rezension wird schon etwas früher vorbereitet. Wisst ihr wieviel Gehirnschmalz ich gebraucht habe, um rauszufinden, dass ich Donnerstag in diesem Satz als "morgen" bezeichnen sollte?)

Ich habe mich für dieses Buch aus zwei Gründen entschieden. Erstens, weil es ein Graphic Novel ist und ich gehofft habe, dass mir das hilft, zu verstehen, um was es eigentlich geht. Und zweitens, weil ich den Film dazu bereits kannte und mir dachte, dass das vielleicht hilfreich ist, wenn ich die Handlung bereits kenne. Tja, bei letzterem habe ich definitiv falsch gedacht. Wie weit kann ein Film vom Buch entfernt sein? Hier wurde unglaublich viel geändert! Schauplätze, Figuren wurden gestrichen, verschmolzen oder neu dazuerfunden, zusätzliche Twists wurden eingefügt, die aber gar nicht wirklich nötig gewesen wären, zumindest meiner Meinung nach. Buch und Film unterscheiden sich sehr von einander. Trotzdem würde ich sagen, dass beides seinen Reiz hat. Ich weiß, ungewöhnliche Meinung meinerseits. Hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich den Film bereits vor einer Ewigkeit gesehen und ihn schon gesehen habe, bevor ich das Buch gelesen habe.

Dadurch, dass ich doch noch dabei bin, Italienisch zu lernen, werde ich es mir auf Goodreads und co. verkneifen, eine Sternebewertung zu vergeben. Wenn ich alle paar Worte wieder eine Übersetzung nachschlagen muss, bin ich meiner Meinung nach einfach nicht berechtigt, über Schreibstil oder die Charakterisierung der Figuren zu urteilen. Das wäre dem Buch gegenüber einfach nicht fair. Das einzige, das ich wirklich bewerten kann, ist der Zeichenstil, in dem der Graphic Novel gezeichnet wurde. Der hat mir eigentlich ganz gut gefallen. Hat mich persönlich (als Nicht-Manga-Leserin, also ich entschuldige mich jetzt schon!) irgendwie an den Zeichenstil eines Mangas erinnert. Besonders schön fand ich das Spielen mit den Farben. Teile des Buchs sind in Schwarz-Weiß gehalten, andere sind farbig, und dadurch entsteht meiner Meinung nach eine weitere Erzählebene. Das fand ich toll gemacht.

Mein Fazit? Eine interessante Lektüre für mich. Alles habe ich (noch) nicht verstanden, aber das Buch hat mir trotzdem gut gefallen.

Samstag, 25. März 2023

Der Hausmann [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

 Aus irgendeinem Grund gehe ich am liebsten zu Lesungsterminen, wenn ich noch gar nichts über die Autorin oder den Autoren und über das dazugehörige Buch weiß. Dann kann ich mich da ohne große Erwartungen reinsetzen. Im besten Fall nehme ich dann ein signiertes Buch mit nach Hause und habe einen tollen Abend und im schlimmsten Fall habe ich einen netten Abend, an dem ich Zeit mit Freund:innen verbringe, denn aus meiner Bücherbubble kommt eigentlich immer jemand mit zu solchen Events. Eine Lesung wie "Der Hausmann" habe ich aber wirklich noch nie erlebt. Ohne es zu wissen, sind wir hier in ein "Eat and Great" gestolpert. Es gab kleine Törtchen und Kuchen von einem Kaffeehaus in der Nachbarschaft, verschiedene Getränke, eine Lesung und die Möglichkeit, ein bisschen mit der Autorin zu plaudern. Ich habe diesen Abend sehr genossen und bin deswegen nicht nur mit ein paar übrig gebliebenen Kuchenstücken, die mir die Buchhändlerin zugesteckt hat, nach Hause gegangen, sondern auch mit einem signierten Exemplar und "Der Hausmann" und dem Wunsch, diesen Roman auch sofort zu lesen.

Eines der wohl reizvollsten Elemente für mich hier ist die Vielfalt der Stile, die in diesem Buch zur Anwendung kommen. Da gibt es "normale" Romankapitel, einen Internetblog, einem auf einer Plattform namens Slack verfassten Chatverlauf, ein Deutsch-Lern-Tagebuch und einen Graphic Novel. Dieser ständige Wechsel sorgte für Spannung und machte auch einfach Spaß. Ich glaube nicht, dass ich schon mal ein Buch gelesen habe, in dem sich eine Autorin getraut hat, so mit den Stilen zu spielen. Und das Beste daran: Meiner Meinung nach hat diese Kombination auch funktioniert.

Ein paar Worte zur Handlung: Die Haupthandlung dreht sich um Tim und Thea. Thea hat gerade bei einem Start-up für veganes Hundefutter eine neue Stelle angenommen und Tim ist Hausmann und zeichnet an seinem Graphic Novel, der hoffentlich ihren Durchbruch bedeuten wird. Und diese Umkehrung der traditionellen Geschlechterrollen geschieht bei ihnen natürlich nicht konfliktlos, wie ihr euch sicher denken könnt. Und dann gibt es als Nebenhandlungen noch den Blog "Sparen mit Dagmar", in dem die liebe ältere Nachbarin ihren Leser:innen Spartipps gibt und das Tagebuch von Maxim, einem ukrainischen Flüchtling, der ebenfalls in diesem Haus wohnt und mit Tim Deutsch übt. Und wir bekommen Einblick in den Graphic Novel, an dem Tim aktuell arbeitet. Natürlich hatte ich meine Lieblingshandlungsstränge, auf die ich mich gefreut habe. Und zwar waren das wohl Dagmars Blog, der mich immer wieder aufs Neue überrascht hat und zum Lachen bringen konnte, und der Chatverlauf zwischen Thea und Anna, ihrer Vorgesetzten. 

Ich habe lange überlegt, ob ich meinen einzigen Kritikpunkt ansprechen soll, da das halt doch sehr eindeutig ein humoristisch-satirisches Buch ist. Aber ich möchte mit euch, meinen Leser:innen, ehrlich sein und deswegen habe ich mich dazu entschieden, das anzusprechen. Ich persönlich halte die Darstellung der Figuren teilweise für fast zu überspitzt. Gerade im Bezug auf den Drogenkonsum von Thea und Tim ist mir das aufgefallen. Bitte lasst es mich wissen, falls ich hier gerade mit meinem Unwissen glänze. Als Mensch, der überhaupt nichts mit Drogen am Hut hat, wirkte das einfach sehr extrem. Es hat meine Freude am Buch nicht wirklich stark gedämpft, aber doch dafür gesorgt, dass ich über manche Szenen die Stirn gerunzelt habe.

Mein Fazit? Trotz eines kleinen Kritikpunktes habe ich diese Lektüre genossen und hatte meinen Spaß mit diesem Buch.

Montag, 13. März 2023

Something is Killing the Children [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Ich habe den Fehler gemacht, diesen Graphic Novel am Abend zu beginnen. Ich lag entspannt im Bett und dachte, ich lese noch ein paar Seiten, um runterzukommen. Und dann war ich so dumm, dieses Buch aufzuschlagen. Großer Fehler. Ganz großer Fehler. Denn dann war ich gezwungen, dieses Buch mehr oder weniger in einem Rutsch durchzulesen. Ich wusste einfach, dass ich nicht schlafen würde, wenn ich heute nicht noch ein gutes Ende lesen würde. Tja, Pech für mich Leute! Denn Spoiler: Hier gibt es kein gutes Ende, sondern einen verdammten Cliffhanger. Und der zweite Teil war in der Stadtbücherei Salzburg bei meinem nächsten Besuch natürlich nicht verfügbar!

Eigentlich habe ich ziemlich gute Nerven, was Bücher angeht. Ich behaupte das jetzt einfach mal, da ich in meiner Jugend eine Krimi und Thriller-Phase durchgemacht habe. Und für sehr viele dieser Bücher war ich damals eigentlich zu jung. Dachte ich zwar damals nicht, aber heute schüttle ich immer wieder den Kopf über die Thriller, die ich damals verschlungen habe und vor allem über die sehr explizite Gewalt, die es darin gab. Diese Gewalt betraf aber meistens "nur" Erwachsene. Hier, in "Something is Killing the Children", ist vor allem Gewalt gegenüber Kindern Thema. Ich weiß nicht, warum mich das überrascht hat, immerhin wurde ich sowohl im Titel als auch im Klappentext gewarnt. Aber als dann auf den Seiten die ersten sterbenden, verstümmelten Kinder und Kinderleichen auftauchten, war ich doch baff. Ich hatte nicht damit gerechnet und schon gar nicht damit, dass das explizit und mit so vielen Details gezeigt wird. Damit hatte ich um ehrlich zu sein zu kämpfen, aber ich schätze, da war ich selbst schuld.

Schon auf den ersten Seiten wurde mir klar, dass es sich hierbei um eine ganze Reihe handeln wird. (Ja, auf dem Cover seht "Band 1". Ja, das hätte schon ein Hinweis sein müssen. Nein, der Tag, an dem ich dieses Buch ausgeliehen habe, war nicht einer meiner hellsten. Offensichtlich.) Viele verschiedene mögliche Handlungsstränge tun sich auf, wir bekommen eine spannende Protagonistin, die offensichtlich eine interessante Hintergrundgeschichte hat, unterschiedlichste Arten von Monstern werden eingeführt - und natürlich konnte das nicht im ersten Teil alles geklärt werden. Genau deswegen werde ich auf jeden Fall auch noch die weiteren Bände lesen müssen, sobald ich sie auftreiben kann. Deswegen und weil ich unbedingt noch ein gutes Ende brauche. Auch wenn ich befürchte, dass ich das hier nie bekommen werde...

Mein Fazit? Auf keinen Fall etwas für schwache Nerven, denn dieses Graphic Novel war auch für mich schon grenzwertig. Trotzdem muss ich jetzt unbedingt den nächsten Band lesen und herausfinden, wie es weitergeht. Uff.

Samstag, 29. Oktober 2022

Das Inferno [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich vor einer Woche in der Auslage meiner liebsten Buchhandlung gesehen. Natürlich war ich sofort neugierig. Ich meine: "Das Inferno". Dass das was mit Dante zu tun haben muss, war mir sofort klar! Und wie ihr alle wisst, habe ich eine regelrechte Obsession mit Dante und seinem Werk entwickelt. Die geht so weit, dass ich in der Zwischenzeit sogar überlege, ob ich meine Masterarbeit über die "Commedia" oder zumindest einen Teil davon schreiben soll. Dass ich mir dieses Buch gekauft habe, halte ich also für eine Investition in meine Zukunft als erfolgreiche Literaturstudentin.

Die Geschichte des Infernos kennt ihr wahrscheinlich, oder? Dante (beziehungsweise ein namenloser Erzähler, der von meinen Profs Dante genannt wird, bei dem ich mir aber nicht sicher bin, ob sein Name jemals genannt wird), verirrt sich im Wald und trifft dort auf grauenhafte Monster. Vor denen rettet ihn sein Idol Vergil, ein römischer Dichter. Bis hierher ist die Geschichte im Original und in dieser Adaption sehr gleich. Klar, die Monster sind andere (zum Beispiel ein Versicherungsvertreter - grauenhafter Typ!), aber doch Monster. Und auch Vergil hat seinen Auftritt. Hier trifft er allerdings in Form eines Schakals auf. Warum das so ist, kann ich euch nicht sagen. Ich glaube nicht, dass das irgendwo erklärt wird. Hat der Schakal irgendeine symbolische Bedeutung, die ich nicht kenne? Das einzige, das meine literarischen Nachschlagewerke ausgespuckt haben, ist, dass ein Schakal für einen ägyptischen Totengott stehen kann. Ich glaube nicht, dass diese Verbindung hier gewollt ist, aber zumindest passt das doch ein bisschen zusammen, oder?

[Kleine Spoilerwarnung: Es werden inhaltliche Aspekte angesprochen. Große Twists werden nicht verraten, aber ich beschäftige mich mit den Unterschieden zur Originalversion. Da muss ich natürlich den Inhalt ansprechen. Wer das nicht hören möchte, überspringt bitte den nächsten Absatz.]

Vergil lässt Dante auf jeden Fall ausrichten, dass ihn Dantes verstorbene Geliebte Beatrice schickt (die der reale Dante übrigens nur zwei- oder dreimal vor ihrem Tod gesehen hat), die möchte, dass er auf den Weg der Tugend zurückkehrt. Und deswegen soll Vergil ihn jetzt durch die Hölle führen, damit Dante weiß, was ihn erwartet, wenn er sich nicht bessert. Hier beginnen die richtig großen Unterschiede zum Original. Die Höllenkreise beinhalten andere Strafen, Dante interessiert sich nicht wirklich für die Insassen der Hölle und die Herrscher der Hölle sind nicht wirklich erfreut von Dantes Anwesenheit in der Hölle und nehmen hier die Rolle der Antagonisten ein. Und auch vom neuen Ende bin ich kein großer Fan, denn dadurch werden die zwei weiteren Teile der "Commedia" - das "Purgatorio" und das "Paradiso" - unmöglich gemacht.

[Spoiler Ende]

Eigentlich könnte man das also meiner Meinung nach als eigenständige Geschichte bezeichnen, die zwar Ähnlichkeiten mit Dantes Werk hat, aber auch nicht viel mehr. Von dieser Entscheidung kann man halten, was man will. Ich persönlich bin immer noch zwiegespalten. Ich habe diesen Comic ja gekauft, weil ich ein großer Dante-Fan bin und gespannt darauf war, wie das "Inferno" in Comicform dargestellt wird. Dass es dann so viele Abweichungen von Dante gab, sorgte bei mir für Irritation. Das ist allerdings nicht nur schlecht, denn so war ich gezwungen, mich aus einer ganz anderen Perspektive mit diesem Werk zu beschäftigen und sie neu wahrzunehmen - obwohl ich sie gerade gar nicht las. 

Auch wenn mir einige der Änderungen gar nicht zusagten, fand ich andere ziemlich cool. Dass in der Hölle zum Beispiel Bürokratie eine große Rolle spielt, halte ich für passend. Und einen gewissen österreichischen Diktator wollte ich schon immer mal in der Hölle leiden sehen. Meier hat eindeutig Humor, was er meiner Meinung nach an vielen Stellen beweist, entweder direkt im Text oder subtiler durch Bildsprache.

Mein Fazit? Der Autor hat seine künstlerische Freiheit voll ausgenutzt und viele Aspekte von Dantes "Göttlicher Komödie" komplett verändert. Das ist natürlich sein gutes Recht, ich hätte mir stellenweise aber mehr Ähnlichkeit mit dem Originaltext gewünscht. Trotzdem handelt es sich bei "Inferno" um ein gut gelungenes Graphic Novel und für eine interessante Lektüre für Zwischendurch.

Samstag, 13. November 2021

Dragman [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Normalerweise bin ich kein Fan von Superheld:innen. Hört sich vielleicht schräg an, aber viele Held:innengeschichten langweilen mich. Als ich aber eine Rezension zu "Dragman" gelesen habe, war mir klar, dass ich das auch lesen möchte. 

In dieser Geschichte folgen wir August Crimp. Er ist Familienvater, glücklich verheiratet und kann fliegen, wenn er Frauenkleidung trägt. Deswegen war er früher auch Superheld - bevor er seine Ehefrau kennengelernt hat. Sie hat panische Angst vor Superheld:innen, deswegen hat August seine Frauenkleidung versteckt und das Superheld:innentum aufgegeben. Als ihn aber die Tochter seiner Nachbarn um Hilfe bittet (ihre Eltern haben ihre Seele verkauft), beschließt er, noch einmal in diese Rolle zu schlüpfen - und muss sich damit auch gleichzeitig auch mit seiner Identität im Alltag auseinandersetzen... Und versuchen, seine Arbeit, die Kindererziehung und das Superheldentum unter einen Hut zu bringen. Was stellenweise wirklich witzig ist, zum Beispiel wenn August seinen Sohn bei einem Einsatz als Superheld mitbringt.

"Dragman" ist gleichzeitig auch eine Satire auf traditionelle Superheldencomics. Das habe ich recht schnell gemerkt und das hat mir sehr dabei geholfen, dieses Graphic Novel zu mögen. Die Geschichte nimmt sich selbst nicht ganz so ernst und das machte sie zu einem wirklich tollen Erlebnis. Hier werden Leute zum Beispiel einfach nicht gerettet, wenn sie keine Superheldenversicherung abgeschlossen haben. Das ganze Graphic Novel ist super absurd und das macht ihn lustig, auch wenn mir dabei immer bewusst war, dass das Ganze auch eine Kritik an der realen Welt ist.

Ich fand es außerdem spannend, mal eine queere Superheldin zu sehen. Denn darum geht es: August betreibt eigentlich nicht Drag, sondern ist trans. "Dragman" ist daher seiner Meinung nach auch eine ziemlich unpassende Bezeichnung, aber auf ihn hört ja keiner. Und ich habe auch lange überlegt, welches Pronomen ich denn für diese Rezension für August verwenden soll. Ich hab dann beschlossen mit "er/ihm" zu arbeiten, da August für den Großteil des Buchs vor den meisten Personen nicht geoutet ist und auch im Klappentext damit gearbeitet wird.

Bevor ihr euch jetzt auf dieses wirklich coole Graphic Novel stürzt, möchte ich aber noch eine Warnung aussprechen: Die Autorin behandelt in diesem Buch Transfeindlichkeit und Queerfeindlichkeit sowie Homophobie und teils wird das auch graphisch dargestellt - in Worten und in Bildern. Wenn das also auf euch triggernd wirken kann, dann seid bitte vorsichtig mit diesem Graphic Novel, okay?

Mein Fazit? Große Empfehlung. Ich habe dieses Graphic Novel an einem Vormittag durchgesuchtet und auf jeder Seite mit August mitgefiebert.

Donnerstag, 18. Februar 2021

Ulysses [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag


[kein Rezensionsexemplar]

Dieses Buch war ein Geschenk meiner Eltern. An "Ulysses" habe ich mich davor nie herangetraut, weil ich Angst hatte, dass ich nicht mitkommen würde.

Nun, ich kann nicht beurteilen, wie originalgetreu dieses Graphic Novel ist. Ich kenne ja das Original nicht und selbst wenn, wäre ein Vergleich schwer, da dieses Buch mit wenig Text auskommt. Auf vielen Seiten ist nur ein Satz. Der Autor hat die Frage nach der Originaltreue auch selbst am Ende des Buches reflektiert: Der Tag ist derselbe, der Handlungsort ist nicht Dublin, sondern Wien. Der Nachname des Protagonisten ist anders und der Name der Zeitung, für die er arbeitet. Außerdem werden mehrere Bücher zitiert, die am Ende brav aufgelistet werden.

Die Bilder sind einfach gehalten und ohne viele Details. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase hielt ich das für passend. Schön finde ich, dass die Bilder scheinbar nicht recycelt wurden. Das hätte ich nämlich fast verstanden, immerhin dauern manche Szenen teils mehrere Seiten lang. Da sprechen also die gleichen Figuren miteinander und der Ort bleibt gleich. Trotzdem konnte ich immer irgendein kleines Detail finden, das mir zeigte, dass da nicht einfach Copy und Paste verwendet wurde. Eine Nase, die ein bisschen anders aussieht, ein Blatt Papier, bei dem die Linien anders sind oder ein Haus, bei dem man unterschiedlich viel von der Fassade sieht.

Die meiste Zeit habe ich mit den Zeitungsinseraten verbracht. Natürlich wollte ich die alle lesen! Wenn ich diese alte Schrift schon lesen kann, dann will ich dieses Wissen auch nutzen. Spannend finde ich, dass diese Inserate echt sind – sie stammen aus dem Neuigkeits-Welt-Blatt vom 16. Juni 1904.

Mein Fazit? Ein toller Einstieg in diesen großen Klassiker. Bei einem Graphic Novel ist die Hemmschwelle geringer als beim "echten" Klassiker. Gleichzeitig macht dieses Buch Lust auf mehr. Ich möchte jetzt auf jeden Fall den Originaltext lesen - und gerne auch noch mehr von Mahler!