Posts mit dem Label Dystopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dystopie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Juli 2026

Cryptos. Graphic Novel

Quelle: Verlag

Poznanskis Thriller jetzt als Graphic Novel!

In »Cryptos« ist die Welt durch die Klimakrise unbewohnbar geworden. Die Menschheit verbringt daher den größten Teil ihres Lebens in Online-Welten: Märchenwelten, unendlich große Bibliotheken, verlorene Städte wie Venedig, aber auch Welten voll Spannung und Abenteuer. Sogar Gefängnisse finden sich online. Doch plötzlich kommt es in Kerrybrook, einer der friedlichsten Online-Welten, zu einem Verbrechen. Und Jana, die Designerin dieser Online-Welt, beginnt nachzuforschen. Und muss schon bald begreifen, dass der Tod nun auch für sie keine Illusion mehr ist.

Neben der Neuauflage des Romans ist nun kurz vor dem Erscheinen von Band 2 auch eine Adaption als Graphic Novel erschienen. Diese überzeugt vor allem durch die vielen unterschiedlichen Zeichenstile. Mit jeder besuchten Welt ändern sich die Darstellung der Figuren, das Farbschema und so weiter. Ich als Leserin konnte so die Welten von »Cryptos« nochmal ganz neu entdecken.

Natürlich muss hier auf einige Details, auf Dialoge und auf Janas Innensicht verzichtet werden, durch die Illustrationen rücken dafür andere Dinge in den Vordergrund. Die Geschichte ist auch als Graphic Novel durchaus lesenswert und wird wohl vor allem auch jüngere Leser*innen ansprechen oder auch Personen, die normalerweise eher weniger lesen.

Besonders spannend fand ich auch das Nachwort, in dem die Beteiligten erklären, wie man denn eigentlich vorgeht, wenn man einen Roman wie »Cryptos« in ein Graphic Novel verwandeln möchte. Und das alles ganz ohne Künstliche Intelligenz! Das wird auch für jüngere Leser*innen mit unterschiedlichen Leveln an Lesefähigkeit und Sprachverständnis interessant sein und kann Bibliotheken oder Schulen als Aufhänger für verschiedene Veranstaltungen dienen.

Mein Fazit? Eine tolle Ergänzung fürs Bücherregal!

Sonntag, 6. April 2025

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an [Kurzrezension]


Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich erfolgreich meiner Kollegin abgenommen - Sorry, C.! Dabei war das gar nicht meine Intention. Ich hab nur gejammert, dass sie klüger war als ich und das Rezensionsexemplar für sich reserviert hat. Und dann hatte ich das Buch plötzlich wieder in der Hand. Joa, gewehrt habe ich mich dann auch nicht wirklich, muss man dazu sagen. Upsi!

Nach den drei Hauptbänden der „Tribute von Panem“-Reihe und dem Prequel „Das Lied von Vogel und Schlange“, das ich persönlich ja eher weniger mochte, können sich Leser*innen nun mit diesem Buch erneut in die Welt der Hungerspiele zurück wagen. Dieses Mal wird die Geschichte des Mentors und schweren Alkoholikers Haymitch Abernathy erzählt. Wie wurde er zu der tragischen Figur, die wir zusammen mit Katniss kennengelernt haben?

Die Handlung beginnt am Tag der Ernte – Haymitchs 16. Geburtstag. Für ihn ist noch alles wie immer: Er arbeitet, lässt sich von seinem kleinen Bruder Sid und seiner Mutter gratulieren und trifft sich mit seiner Freundin Lenore Dove. Doch dann kommt es während der Ziehung der Tribute für die Hungerspiele zum Aufstand – Haymitch gerät beim Versuch, Lenore zu schützen, irgendwie dazwischen und plötzlich muss er zur Strafe an den tödlichen Spielen teilnehmen. Er weiß: Bald wird er nicht mehr leben. Also wird er sein Bestes tun, um bis zu seinem Tod die Hungerspiele so stark wie möglich zu stören. Mehr als sein Leben kann ihm das Kapitol ja nicht nehmen … oder?

Knapp 15 Jahre ist es inzwischen her, dass der erste Band der „Tribute von Panem“-Reihe erschien. Doch auch dieses neue Buch ist keine reine Geldmacherei, wie man es von anderen Autor*innen bekannter Reihen erwarten würde. Dieser Roman fügt sich nahtlos in die Reihe ein, ist gesellschaftskritisch – und das nicht nur im Bezug auf die fiktionale Welt – und einfach unglaublich spannend. 

Mein Fazit? Wer die anderen Bücher der Reihe mochte, wird auch dieses Buch genießen. Ein Must-Have!

Freitag, 28. März 2025

The Last Bookstore on Earth [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Als ich 16 war, habe ich mal damit begonnen, einen Roman über ein Mädchen zu schreiben, das sich über die Apokalypse freut, weil sie so endlich mal Zeit hat, um alle Bücher zu lesen, die sie lesen will. Es war eine meiner Meinung nach sehr lustige Geschichte, die ich wegen Schulstress aber nie beendet habe. Naja, vielleicht irgendwann mal? An diese Geschichte musste ich auf jeden Fall hier denken.

In diesem Roman geht es um die 17-jährige Liz, die seit inzwischen kanpp einem Jahr in einer Buchhandlung lebt. Die restliche Welt liegt in Trümmern, und die wenigen Überlebenden haben durch die Stürme inklusive Säureregen alles verloren. So auch Liz, für die dieses Geschäft seitdem der einzige Ort ist, an dem sie sich noch sicher fühlt. Mit den Büchern handelt sie auch jetzt noch, gleichzeitig hat sie die Buchhandlung zu einer Art Postamt umfunktioniert: Menschen können hier Nachrichten hinterlassen und abholen. Doch dann bricht eines Tages die gleichaltrige Maeve ins Geschäft ein. Sie ist sehr wahrscheinlich gefährlich und wird verfolgt, doch da gerade ein weiterer Sturm aufzieht, brauchen die beiden einander. Liz bietet Maeve eine Unterkunft an, Maeve wiederum hilft Liz bei einigen Reparaturen und bei der Beschaffung neuer Vorräte. Und während sich der Himmel mit jedem Tag weiter verdunkelt, entwickelt sich zischen den beiden eine zarte Liebesgeschichte …

Es handelt sich hierbei um einen schönen und jugendgerechten Liebesroman von einer selbst erst 19 Jahre alten Autorin. Das junge Alter der Autorin merkt man an manchen Stellen meiner Meinung nach auch, aber das ist okay. Und ich finde, dass hier definitiv auch schon das Potential sichtbar wird, das die Autorin mit sich herumträgt. So oder so bin ich gespannt, welche Bücher dieser Autorin ich in Zukunft noch kennenlernen darf. 

Neben der stimmigen Beziehung zwischen den beiden Mädchen findet sich hier auch viel Spannung, die zumindest bei mir dafür gesorgt hat, dass ich nur so durchs Buch geflogen bin. Was verbirgt Maeve? Was ist mit Liz‘ Familie passiert? Und werden die beiden den nächsten Sturm überstehen?

Dass sowohl Maeve als auch Liz es geschafft haben, so lange am Leben zu bleiben, hat mich überrascht - beide zeichnen sich hier nicht durch ihre großartigen Survivalskills aus. Doch ich glaube, dass genau diese Eigenschaft dazu beitragen könnte, dass jüngere Leser:innen sich in den beiden Protagonistinnen wiedererkennen können. Sie sind eben keine Supermenschen, sondern ganz normale Mädchen, die trotz allem einfach auch eine gewaltige Portion Glück hatten.

Mein Fazit? Ein schöner Jugendroman!

Montag, 30. September 2024

Hinter den Mauern der Ozean [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Dieses Buch gehört zu denen, die mit mir nach Kreta reisen durften. Und ja, natürlich war für diese Entscheidung ausschlaggebend, ob der Buchtitel irgendwas mit dem Meer zu tun hat, auch hier wieder. Wer will mich davon abhalten?

In diesem Buch geht es um Lola, eine von nur fünf verbliebenen Einwohnern Berlins.  Die anderen sind Friedrich, Alexander, Wilhelm und Else und zusammen sind sie die Ewigen. Alexander, Wilhelm und Else und das auf ewig – auch wenn keiner von ihnen unsterblich ist. Stattdessen wird jede dieser Personen von einem Kind mit gleichem Aussehen und gleicher Persönlichkeit ersetzt, sobald die Person Zeichen von Alter oder Krankheit zu zeigen beginnt. Durch diesen Kreislauf soll das Wissen der Alten bewahrt werden. Doch nicht alle sind mit diesem Verlauf zufrieden – und vor allem Friedrich beginnt schon bald im Buch damit, nach einem Ausweg zu suchen. Die Ähnlichkeiten zu Geschichten von der Flucht aus der DDR sind da wohl nicht nur mir aufgefallen. Die große Mauer, die einen Teil Berlins von der Außenwelt abtrennt... Da klingelt doch was... Und wie auch bei Fluchtgeschichten stellt sich auch hier bald die Frage: Kommt die Gefahr für die Fünf wirklich (nur) von außen oder doch auch aus den eigenen Reihen? Und sind die Mauern am Rande Berlins wirklich dazu da, das Meer draußen zu halten – oder sie drinnen?

Der Autorin ist hier eine sehr ruhige Dystopie gelungen. Ihr Schreibstil ist poetisch und voll mit intertextuellen Referenzen. So finden sich hier Zitate aus Liedern und Märchen sowie aus der Bibel, die geschickt in den Gesamttext eingeflochten werden.

Am Ende des Romans bleiben viele Fragen offen – die aber vielleicht auch gar nicht beantwortet werden sollten. Denn so muss jede Person die Lücken selbst füllen – und während es für mich klar ist, dass die Ewigen Klone sind, die Übersetzer vielleicht eine weit fortgeschrittene Künstliche Intelligenz und das Meer am Stadtrand Berlins das Ergebnis einer Klimakatastrophe, werden andere Leser*innen wohl ganz andere Erklärungen für all das Ungewöhnliche in diesem Buch finden. Und es wäre super spannend, diese unterschiedlichen Erklärungen zu hören und zu diskutieren - falls ihr diesen Roman also ebenfalls gelesen habt, lasst mir gerne eine Nachricht da, was ihr da so reininterpretiert habt!

Mein Fazit? Ein spannendes Roman-Experiment!


Dienstag, 11. Juni 2024

Der Plan zur Rettung der Welt [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist der erste Roman seit einer halben Ewigkeit, den ich euch mal wieder uneingeschränkt empfehlen kann. Immer wieder begegne ich einfach Büchern, die mich daran erinnern, wie sehr ich das Lesen eigentlich liebe und warum ich mich dazu entschlossen habe, Literaturwissenschaften zu studieren. "Der Plan zur Rettung der Welt" ist eines dieser Bücher. Es ist unglaublich gut geschrieben, spannend, super kritisch und intelligent und hat meiner Meinung nach das Potential, zum Klassiker der Zukunft zu werden. 

Doch worum geht es? Es geht um Emi und Larch. Die beiden sind Tochter und Vater und leben in einer klimaneutralen und friedlichen Welt. Während Larche und Emis Mutter noch vor Hitze und Waldbrände geflohen sind und gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt gekämpft haben, lebt Emi ein bequemes Leben, das nur von den Erwartungen und ständigen Streitereien ihrer Eltern überschattet wird. Doch dann kommt es zu Anschlägen auf verschiedene Politiker – und die Welt, wie Emi und ihr Vater sie kannte, bricht damit zusammen. Denn in den darauffolgenden Ermittlungen ist Emis Mutter die Hauptverdächtige.

Dieses Buch erzählt von einer Welt am Rande des Abgrunds und ist dabei stets glaubwürdig. Auch der Generationenkonflikt zwischen Emi und ihren Eltern wirkte auf mich authentisch. Die Folgen des Klimawandels, die hier dargestellt und eindringlich beschrieben werden, bleiben im Gedächtnis - und entsprechen leider ziemlich genau dem, was auch wir in Zukunft erwarten können. Dass wir unseren Schmarrn endlich auf die Reihe bekommen und die Klimakatastrophe aufhalten können, glaube ich nach der Wahl am Sonntag leider nicht mehr. Genau wie es in diesem Roman beschrieben wird, werden auch wir in ein oder zwei Jahrzehnten Schadensbegrenzung betreiben müssen. Wie die Protagonisten werden wir Opfer bringen müssen - und ich kann nur hoffen, dass diese Opfer nicht ganz so groß sein werden wie hier. 

Mein Fazit? Climate Fiction vom Feinsten und damit eine große Empfehlung für euch alle. Das hier hat es verdient, ein Klassiker der Zukunft zu werden!

Mittwoch, 5. Juni 2024

Candy Haus [Abgebrochen]

Autorin: Jennifer Egan
Erschienen am 27.2.2024
Im S. Fischer Verlag
ISBN: 9783596709342
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Mit ihrem Roman »Der größere Teil der Welt« gelang Jennifer Egan der internationale Durchbruch. Jetzt knüpft sie in ihrem neuen visionären Roman »Candy Haus« über unsere Gegenwart ein schillerndes Netz aus Lebensläufen. Im Mittelpunkt steht der charismatische Bix Bouton, Gründer eines atemberaubenden Start-ups in Amerika. Sein Coup ist eine App, die unsere Erinnerungen ins Netz hochlädt. Ein gefährliches Glück, denn die Erinnerungen werden für andere sichtbar. Und da ist Bennie Salazar, Ex-Punk-Rocker, der als Musikproduzent in Luxus driftet und seinen Sohn an die Sucht verliert …

New York, Chicago, Los Angeles – die Wüste, der Regenwald: Mit vor Energie funkelnden Figuren erzählt Egan von der Suche nach Familie und Geborgenheit in einer Zeit, in der die digitale Welt unsere Sehnsüchte auffrisst."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Zuallererst direkt: Wer hier einen typischen Roman erwartet, ist an der falschen Adresse. Denn eigentlich würde ich dieses Buch eher als Kurzgeschichtensammlung als als Roman bezeichnen. Die Figuren hängen zwar alle zusammen und scheinen eine gemeinsame Geschichte zu erleben - oder zumindest verweist der Klappentext darauf -, aber in den ersten 75 Seiten merkt man davon nichts. Hier sah ich einfach nur wirklich viele Perspektiven, zwischen denen auch noch häufig gewechselt wurde. Der Schreibstil unterschied sich zwischen den einzelnen Kapiteln bisher auch nicht wirklich, was es für mich schwierig machte, mich zu erinnern, wer denn gerade erzählte.

Die Handlung dieses Buches dreht sich um verschiedene Männer, die sich ihrer Umwelt gegenüber absolut empathielos verhalten und sich scheinbar nur für sich selbst interessieren. Sie tun, was auch immer sie wollen und reagieren dann wie kleine Kinder überrascht darauf, dass ihr Handeln Konsequenzen mit sich bringt. Vielleicht finden sich in diesem Buch weiter hinten noch spannendere oder liebenswertere Figuren, die in mir mehr Gefühl als nur Frustration hervorrufen. Ich kann es euch nicht sagen, denn nach Seite 75 habe ich hier aufgegeben. Normalerweise zwinge ich mich zumindest, bis Seite 100 zu lesen, aber hier? Ich glaube, ich habe mir bereits jetzt schon ein Bild gemacht, das ausführlich genug ist, um meine Meinung begründen zu können.

Von der neuen App, von der uns ja schon im Klappentext erzählt wird, habe ich bisher leider auch noch nicht wirklich was mitbekommen. Was schade ist, denn diese App ist eigentlich der Grund, warum ich dieses Buch lesen wollte. Darüber bin ich vor allem deswegen überrascht, weil dieses Buch mit einem Kapitel aus der Sicht von Bix Bouton beginnt. Dann nach 75 Seiten festzustellen, dass diese gefeierte App noch nicht wirklich eine Rolle gespielt hat, war für mich dann doch eher überraschend. 

Mein Fazit? Das war leider gar nicht mein Fall. Schade.

Sonntag, 28. April 2024

Nimona [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute darf ich euch mal wieder ein Buchclubbuch vorstellen. Das Thema war "Comics und Graphic Novels" und ich war unter den Personen, die für dieses Buch abgestimmt haben. "Nimona" verspricht viel Spannung und eine ungewöhnliche (Anti-) Heldin.

In "Nimona" geht es um die gleichnamige Gestaltwandlerin Nimona, die sich dem Bösewicht Lord Ballister anschließen möchte. Warum? Ich glaube, weil sie ihn einfach cool fand. Tiefere mögliche Motive werden erst weiter hinten im Buch enthüllt und ich werde deswegen hier auch nicht weiter darauf eingehen. Aber auch das Motiv der Coolness ist für mich in Ordnung - Nimona wird hier von einem Teenie-Mädchen im Alter von vielleicht 12 oder 13 Jahren verkörpert. Was hätte ich in diesem Alter nicht alles gegeben, um cool zu sein! Und Nimonas Weg, mit diesem Drag umzugehen, ist dann halt, dass sie sich einem berühmt berüchtigten und wahrscheinlich gefährlichem Bösewicht anschließt. Nein, wie gesagt, das ist nicht wirklich ihr Motiv. Aber die Wahrheit kommt erst viel später ans Licht, deswegen dazu jetzt nichts.

Die Geschichte selbst fand ich erfrischend anders und unterhaltsam. Nimona war mir sofort sympathisch und ich war überrascht, wieviel Tiefe diese Figur später noch bekam, obwohl sie zu Beginn doch eher die Figur für den Comic Relief war. Den Humor in der Geschichte mochte ich sehr. Wenn sich Nimona mal wieder in einen Hai verwandelte, um Lord Ballister zu erschrecken, habe ich mich jedes Mal wieder darüber amüsiert.

Nicht ganz zufrieden war ich mit dem Ende des Graphic Novels. Das hat bei uns auch für ordentlich Gesprächsstoff gesorgt. Ich persönlich hätte mir hier ein Happy End gewünscht. Außerdem finde ich, dass das Ende mehr Platz hätte einnehmen dürfen und können.

Mit den Bildern des Graphic Novels war ich auch zufrieden. Ich habe sie mir gerne angesehen, auch wenn sie eher schlicht gehalten wurden. Probleme hatte ich eigentlich nur zu Beginn und nur mit Nimonas Frisur, die ich zu Beginn nicht als solche erkannte. Ich dachte, dass sie da vielleicht eine Mütze trägt und habe mich gewundert, warum hier zwei Farben mit so geringem Kontrast gewählt wurden. Aber nein, das sind ihre Haare. Später im Graphic Novel wird das auch noch erklärt.

Mein Fazit? Hat mir gut gefallen. Ich freue mich darauf, mir mit dem Buchclub auch noch den Film dazu anzusehen.

Freitag, 12. April 2024

Honesty. Was die Wahrheit verbirgt

Autorin: Franzi Kopka
Erschienen am 28.2.2024
Im Fischer Sauerländer Verlag
ISBN: 9783737359771
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Nach der großen Pandemie und einem erbitterten Krieg herrscht in Sestiby vollkommener Frieden. Eine allgegenwärtige KI sorgt für die Bevölkerung. Lügen gehören der Vergangenheit an, genau wie jene Emotionen, die Menschen unbedacht handeln lassen: Misstrauen, Eifersucht oder Wut. Nur Mae spürt diese verbotenen Gefühle – Gefühle, die sie ihr sicheres Leben kosten könnten. Als sie in das Partnerschaftsprogramm der Regierung gesteckt wird, steht sie unter strengster Beobachtung. Sie tut alles, um nicht aufzufliegen, wäre da nur nicht dieser gefährlich attraktive Typ mit den frostblauen Augen, der sie immer wieder provoziert – bis er ihr ganzes Weltbild mit nur einem Satz zum Einsturz bringt.

Der Auftakt der emotionalen und hoch spannenden »Honesty«-Trilogie von Franzi Kopka

Perfekt für Fans von Dystopien wie »Gameshow« oder »Tribute von Panem«. Voller Spannung, Rebellion und Romantik! Eine neue hochspannende Jugendbuchreihe ab 14 Jahren."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich war als Jugendliche ein großer Fan von Dystopien - und liebe sie noch heute. Diese Bücher üben auf mich eine solche Faszination aus, dass ich sogar meine Bachelorarbeit zum Thema geschrieben habe. Wenn da also ein neues Buch erscheint, das vielversprechend scheint und sich in die Reihen meiner alten Favoriten einordnen möchte, dann muss ich da sofort zugreifen.

Leider muss ich hier aber gleich zugeben, dass mich dieses Buch erst ab der zweiten Hälfte irgendwie abholen konnte. Und auch dann war das leider nicht so überzeugend, dass ich diese Reihe weiterempfehlen könnte. Und das tut mir wirklich leid, denn viele Elemente, die sich die Autorin überlegt hat, wären eigentlich vielversprechend. So ist das zum Beispiel die erste Dystopie, die ich entdeckt habe, die es tatsächlich schafft, eine gewisse Diversität bei ihren Figuren zu repräsentieren. Und das rechne ich dem Buch und der Autorin auch hoch an.

Aber diese Diversität erschwerte es hier leider ein bisschen, ein glaubwürdiges Weltbild zu erschaffen. Warum ist zum Beispiel die frühe Eheschließung so unglaublich wichtig? Die Figuren MÜSSEN Anfang 20 heiraten, sonst verlieren sie ihre Privilegien. Meistens gibt es für solche Maßnahmen einen einfachen Grund in Dystopien: Entweder droht die Menschheit auszusterben und die Menschen sollen Kinder bekommen oder die Eheschließung ist ein Kontrollmechanismus und die Ehepartner sollen einander überwachen. Aber was ist hier der Grund? Das habe ich leider nicht verstanden. Und in beiden Fällen wirkt die große Toleranz der doch eher als autoritär gezeichneten Gesellschaft als fehl am Platz. So sind asexuelle und aromantische Personen zum Beispiel komplett von dieser Regelung ausgenommen. Das finde ich zwar an sich lobenswert, das in dieser Welt auch asexuelle Menschen, gleichgeschlechtliche Liebe und nichtbinäre Identitäten einen Platz finden, aber es erschwert natürlich auch das Finden einer Begründung für diese Regelung. Das hat für mich dann leider nicht funktioniert - und das ist super schade, denn der Großteil dieser Handlung dreht sich doch um dieses Partnerschaftsprogramm, an dem auch die Protagonistin Mae teilnimmt.

Dadurch, dass die Autorin es schafft, so viele diverse Figuren in die Geschichte mit aufzunehmen, finde ich es umso schader, dass gerade misogyne Erzählungsmuster trotzdem erhalten bleiben und unhinterfragt verwendet werden. So ist Mae leider so gar nicht wie andere Mädchen. Makeup interessiert sie eigentlich nicht und Mode auch nicht. Teils ist das natürlich ihren Lebensumständen geschuldet, aber leider nicht nur. Mae wird generell als "anders" gezeichnet, was natürlich okay sein kann, wenn es dann dabei geblieben werde. Aber das kombiniert mit der Tatsache, dass scheinbar wirklich alle anderen Mädchen (außer natürlich Maes allerbeste Freundin, die das auch sofort und ohne gemeinsame Vorgeschichte wird), die gezeigt werden, als die ärgsten Zicken überhaupt gezeichnet werden? Und dann noch der große Kampf um männliche Anerkennung, die für einige der Mädchen hier das wichtigste der Welt zu sein schien? Puh, das wirkte auf mich dann leider doch nicht so fortschrittlich und divers, wie das Buch gerne sein möchte.

Eine weitere Frage, die sich mir nach dem Ende des Buches stellt, ist folgende: Wo ist Alice im Buch, wenn sie nicht gerade angesprochen wird? Alice ist die Künstliche Intelligenz, die alle Menschen ständig überwacht und sich um sie kümmert. Wenn du zum Beispiel Musik hören möchtest oder etwas wissen willst, dann fragst du Alice danach. Wenn Mae aber eine ihrer vielen Panikattacken hat, Leute anschreit (was in dieser Welt mehr als nur ein bisschen verdächtig ist) und eindeutig verbotene Gefühle zeigt, scheint Alice wohl gerade anderwertig beschäftigt zu sein. Zumindest gibt es für dieses Verhalten nie Konsequenzen und selbst andere Menschen, die sich um sie herum befinden und ja selbst wissen, dass dieses Verhalten in dieser Welt nicht normal und sogar verboten ist, scheinen es nicht für nötig zu halten, sie zu melden. Bei Maes Bruder verstehe ich das ja - ich würde meine Geschwister auch nicht auf diese Art verraten. Aber bei Fremdem? Da würde man sich in dieser Welt doch verdächtig machen, wenn man daran einfach vorbeigeht, oder?

Mein Fazit? Dieses Buch war leider überhaupt nicht mein Fall. Schade, denn ich habe mich sehr auf die Lektüre gefreut.

Montag, 25. März 2024

Adelsspross. Die erste Tochter

Autorin: Katharina Maier
Erschienen am 10.9.2019
Bei epubli
ISBN: 9783750202092
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks



Klappentext:
"Ein Mädchen erkennt, dass sie fliegen möchte und nicht darf

Myn wächst auf einem Planeten auf, über dem Raumschiffe fliegen und auf dem Väter das letzte Wort haben. Sie kann immer nur das, was Mädchen nicht können sollen. Trotzdem verlebt die Adelstochter eine unbeschwerte Kindheit mit einer eigenwilligen Mutter, einem schöngeistigen Vater und einem großen Bruder, der sie anspornt, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
Ihre scheinbar heile Welt erhält Risse, als der aufwieglerische Asnuor zum Obersten Priester ernannt wird. Weshalb fällt das ganze Volk vor einem solchen Ehrgeizling auf die Knie? Warum schmiedet Myns Mutter Pläne hinter verschlossenen Türen? Und was hat das alles mit Myn und ihrem Bruder Vairrynn zu tun?
In 7 Bänden erzählt »Die Erste Tochter« von Intrige, Leidenschaft, Liebe, Freundschaft, Hass, einer fremden Welt und von einer Frau und drei Männern, die diese Welt für immer verändern. Doch eigentlich will Myn vor allem eins: ihre eigene Freiheit, von der sie in »Adelsspross« gerade erst begreift, dass sie sie gar nicht hat.

Ein Planet. Eine Frau. Ein Kampf."
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut. Ich wurde von der Autorin (beziehungsweise einer Bekannten der Autorin, die sie beim Marketing unterstützt) vor ungefähr zwei Monaten kontaktiert und eingeladen, diesen Roman zu lesen. Und natürlich wollte ich das! Überrascht das irgendjemanden? Ich liebe Dystopien, feministische Dystopien finde ich noch spannender und ich interessiere mich sehr für Geschichten, die in der Zukunft angesiedelt sind. Erwartet habe ich mir genau das, was im Klappentext versprochen wird: Intrigen, Raumschiffe und viel Konfliktpotential durch Asnour, den Obersten Priester.

Dann kam aber leider schon auf den ersten 50 Seiten die erste schlechte Nachricht. Das Setting in der Zukunft wurde für mich leider an den meisten Stellen nicht sichtbar. Eher würde ich das Buch im Genre High Fantasy einordnen. Klar werden manchmal Raumschiffe erwähnt, aber die reine Erwähnung reicht meiner Meinung nach nicht, um ein Buch zu Science Fiction oder einem "Zukunftsepos" zu machen. Und ganz ehrlich? Das finde ich schade, denn High-Fantasy-Bücher bewerte ich leider meistens nur mittelmäßig. Das hat mir die Erfahrung inzwischen gezeigt und hätte ich gewusst, dass das Buch eher in diese Richtung tendiert, hätte ich die Anfrage wohl auch anders beantwortet. Denn entgegen allgemeiner Angabe, macht es mir keinen Spaß, wenig begeisterte Rezensionen zu schreiben, die man hätte vermeiden können.

Aufgefallen ist mir hier auch sehr schnell die unglaubliche Liebe zum Detail, die die Autorin hier beweist. Sie scheint wirklich sehr viel über ihre Welt zu wissen und das zeigt sie uns auch, indem sie uns im Detail erklärt, wie die Welt, ihre Wesen und ihre Einwohner funktionieren. Was wirklich toll sein kann! Versteht mich bitte nicht falsch: Ich finde es wichtig und richtig, dass sich die Autorin offensichtlich viele Gedanken zum Buch gemacht hat. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob es wirklich notwendig ist, uns Leser:innen so viele Informationen zu geben? Das Buch wirkte dadurch nämlich leider teilweise überladen, unübersichtlich und langatmig. Viele der Beschreibungen wären meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gewesen, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß, denn man hätte das auch einfach durch das Interagieren der Figuren miteinander zeigen können, statt lange darüber zu schreiben. 
Am Ende gibt es dann noch ein kleines Nachschlagewerk, in dem alle Figuren nochmal vorgestellt und bestimmte Begriffe erklärt werden. Das ist zwar ein schönes Extra, darf aber meiner Meinung nach nicht notwendig sein, um die Geschichte zu verstehen. Gerade bei eBooks ist das Vor- und Zurückblättern nämlich eher aufwendig.
Probleme hatte ich persönlich auch mit einigen der Namen von Figuren und Wesen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Autorin sich auch da viele Gedanken dazu gemacht hat. Ganz ehrlich? Wer so viel Herz in die Schaffung einer fiktionalen Welt steckt, fängt dann nicht plötzlich bei den Namen an, einfach irgendwas zu tippen. Ich als Leserin kenne diese Gedanken dahinter aber leider nicht. So wirkten die Namen dann leider teils wie willkürliche Buchstabenkombinationen. Das erschwerte es mir, mir zu merken, wovon denn genau gerade die Rede ist und was dieses Wesen nochmal war.

Wir folgen in diesem Roman vor allem Myn und ihren Brüdern. Myn ist ein junges Mädchen, dessen Kindheit wir in diesem Buch aus der Ich-Perspektive verfolgen. Das machte sie für mich zu der Figur, der ich am meisten Aufmerksamkeit schenkte und die mich am meisten interessierte. Was meiner Meinung nach in diesem Buch nicht unbedingt ideal war: Wahrscheinlich wird sich das in den zukünftigen Teilen der Bücher noch ändern, doch in diesem ersten Band war Myn eher eine passive Figur, die eine reine Beobachterrolle einzunehmen schien. Das hat den Vorteil, dass wir so mal eine Einleitung in die Welt bekommen - und den Nachteil, das ein Kind oft nur wenige Ziele hat, die für ein Buch passend sind, das sich selbst als "Epos" bezeichnet. Generell hatten die Figuren in diesem Buch leider nur wenige für mich wirklich klare Ziele, die der Handlung Schwung hätten verschaffen können. Die einzige, die mir da wirklich als Ausnahme einfallen würde, ist Myns Mutter, die versucht, politischen Wiederstand zu leisten. Das bekommen wir hier aber leider nur am Rande und erst später im Buch mit. Das bewirkte, dass es der Handlung leider sehr schwer fiel, Tempo zu entwickeln.

Mein Fazit? Dieses Buch war leider nicht ganz mein Fall. Schade.

Dienstag, 9. Mai 2023

The Maze Cutter [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich bin schon seit einer so langen Zeit Bloggerin, dass ich irgendwie davon ausgehe, dass das alle über mich wissen. Als wäre das etwas ganz, ganz offensichtliches: Ich bin Brillenträgerin, habe braune Haare und bin Bloggerin. Scheinbar habe ich das aber nie meinen Kolleg:innen im Italienischkurs erzählt. Und heute habe ich ganz selbstverständlich darüber geredet und alle waren ganz überrascht, weil sie mich jetzt schon fast ein Studienjahr lang kennen und ich das scheinbar nie erwähnt habe. Ups? Also, an alle meine Italienischkolleg:innen, die sich heute Abend auf meinem Blog herumtreiben: Schön, dass ihr mich gefunden habt!

Dieses Buch habe ich mir gekauft, da ich die Maze-Runner-Trilogie als Jugendliche geliebt habe. Ich habe vor allem den ersten Teil immer und immer wieder gelesen, meinen Schulfreund:innen ständig von der Figur Newt vorgeschwärmt, in die ich mich damals ein bisschen verliebt habe und Fanfictions geschrieben, die niemand von euch jemals lesen wird, also fragt erst gar nicht danach. Als ich "Maze Cutter" in der Buchhandlung gesehen habe, war ich zu gleichen Teilen begeistert und besorgt. Ich habe die Ursprungsreihe geliebt und wenn so viele Jahre später plötzlich ein neuer Teil erscheint, gehen in meinem Kopf Alarmglocken los, da sich das in der Vergangenheit meistens als Abzocke rausgestellt hat. Meine Neugierde hat aber gewonnen und so durfte dieses Buch in mein Bücherregal einziehen.

Ich habe mich bemüht, mit möglichst geringen Erwartungen an diesen Roman ranzugehen. Und trotzdem wurde ich enttäuscht. Ja Leute, so viel kann ich euch jetzt schon verraten: Wenn ihr die ursprüngliche Serie geliebt habt, wird euch dieses Buch nicht glücklich machen. Und wenn ihr mit "Maze Runner" bisher noch nie etwas zu tun hattet, solltet ihr dieses Buch erst recht nicht lesen, denn danach werdet ihr ganz sicher keine Lust mehr auf die Ursprungsserie haben. Wenn ihr die Ursprungsserie nicht gelesen habt, solltet ihr an dieser Stelle außerdem nicht weiterlesen. Dieses Buch spielt 70 Jahren nach dem letzten Band, ich muss also auch auf Dinge eingehen, die erst ganz am Ende der "Maze Runner"-Serie passieren.

Ich finde es unglaublich schade, dass ich so ein harsches Urteil über dieses Buch fällen muss. Vor allem, da ich den Beginn des Romans nicht unbedingt schlecht fand. Klar, da waren ein paar Unklarheiten (Wie konnte sich eine Inselgesellschaft ohne technische Gerätschaften von außerhalb so weit entwickeln? Woher bekommen die Personen dort ihre Ressourcen? Haben sie die Druckerpresse innerhalb der 70 Jahre neu erfunden oder warum haben sie gedruckte Bücher? Wie kann es sein, dass Newts Tagebuch zu einer Klassenlektüre wurde, wenn uns im Prolog gezeigt wird, wie Thomas das Buch versteckt?), aber eigentlich fand ich den Beginn des Buchs spannend. Ich war aufgeregt, was da jetzt auf mich zukommt und ich befürchte, dass ich diese positive Grundstimmung auf diese Geschichte übertragen habe und deshalb länger gebraucht habe, um zu erkennen, wie gut (oder eben nicht) dieses Buch wirklich ist.

Leider blieb es nicht bei den paar Ungereimtheiten zu Beginn des Buches, über die ich sonst wahrscheinlich sogar hinweggeschaut hätte. Eine Frage, die sich mir während der Lektüre immer wieder gestellt hat: Weiß der Autor, wie lange 70 Jahre sind? Und: Kennt er seine eigenen Charaktere? Ich wage zu bezweifeln, dass Thomas und co. nach der Ankunft auf dieser Insel eine Sekte aufgebaut haben, um sich als Götter verehren zu lassen. Anders kann ich mir aber nicht erklären, wie innerhalb von 70 Jahren diese Figuren zu Heiligen und zu Sagengestalten werden konnten, nicht nur auf der Insel, sondern auch in der restlichen Welt. Vor allem: Warum bitte auf der restlichen Welt? Wie hat diese Welt etwas von den Lichtern mitbekommen? Die medizinischen Tests waren doch geheim oder verdränge ich gerade irgendwas wichtiges aus dem dritten Band, weil ich vom Tod einer ganz besonderen Figur noch heute traumatisiert bin?

Ab ungefähr der Hälfte des Buches kam dann noch ein weiteres Problem dazu: Ich hatte keine Ahnung, was da vor sich ging und warum die Dinge passierten, die da passierten. Ich kannte weder die Motivation der Figuren, noch ihre Ziele, noch, was eigentlich für sie auf dem Spiel stehen würde, sollten die Dinge nicht so laufen, wie geplant. Was auch immer geplant ist. Fragt das wen anderen, denn ich habe das bis zum Ende nicht durchschaut. Verstärkt wurde meine Verwirrung durch das Verhalten der Figuren, das teils ein scharfer Kontrast zur eigentlichen Situation war. Jemand stirbt oder befindet sich in Lebensgefahr und die Hauptfiguren flirten, machen Witze und reflektieren die Geschehnisse kein bisschen. Es scheint sie nicht zu interessieren, ob da jemand stirbt oder was mit ihnen selbst passiert. Ich glaube, dass das auch dazu beigetragen hat, dass die Figuren für mich bis zum Ende blass und schablonenhaft wirkten. Teils realisierte ich auch erst beim Tod mancher Personen, dass diese Personen existieren und wahrscheinlich auch schon früher erwähnt wurden. Sie waren mir einfach so egal, dass ich mir nicht mal gemerkt habe, dass sie da sind. Und sowas ist einfach super schade.

Mein Fazit? Ich bin enttäuscht. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen.

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Animal Farm [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch haben wir im Buchclub im Frühjahr gelesen. Davor stand es schon ewig in meinem Bücherregal. Ich hab dann aber ehrlich gesagt nicht nur das Buch gelesen, sondern gerade gegen Ende auch immer wieder das Hörbuch angehört. Das war für mich gerade eine stressige Phase meines letzten Semesters. Ja, das Buch ist nicht wirklich lang, aber wenn ich das Buch höre, kann ich nebenbei unwichtiges Zeug erledigen, wie zum Beispiel mein Mittagessen zu kochen.

In diesem Buch geht es um eine Farm, deren Bauer nach einem "Aufstand der Tiere" die Flucht ergreift. Die Tiere sind da jetzt also alleine und beschließen, dass das nicht so schlecht ist. Sie werden jetzt ihre eigene Gesellschaft aufbauen, mit Regeln, die besser und fairer sind als das Regime des Bauern es war. Denn: "All animals are equal." Doch wie das mit solchen Aufständen so ist, ist es schwierig, diese Ideale beizubehalten. Und so wird mit der Zeit aus der obersten Regel "All animals are equal but some are more equal than others." Wie sich das wohl weiterentwickeln wird?

Dieses Buch war schwierig für mich. Vor allem, dass alle Figuren Tiere sind, war meiner Meinung nach gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil ich noch nie über Tiere gelesen habe, die Diktaturen aufbauen möchten. Das war unangenehm, gleichzeitig aber sehr spannend. Und jetzt, wo ich über dieses Buch schreibe, stellt sich mir die Frage, ob ich wohl über dieses Buch eine Seminararbeit schreiben könnte. Ich hatte heute den ersten Termin eines Seminars zum Thema "Tyrannen und Tyrannenmorde", da würde das doch perfekt reinpassen, oder? Das einzige Problem ist wohl, dass der Fokus auf barocken Trauerspielen liegt. "Animal Farm" ist definitiv kein barockes Trauerspiel. Aber hey: Vielleicht erlaubt es der Professor ja, wenn ich es schaffe, eine gute Fragestellung zu finden.

Ich musste lange über dieses Buch nachdenken und das hat mich überrascht. Ich schätze, ich habe einfach nicht erwartet, dass dieses Buch so politisch und so gesellschaftskritisch ist, da es ja um Tiere geht. Ich wusste, dass es das sein wird, aber wow. Das ist mindestens auf dem Level von "1948".

Mein Fazit? Sehr spannender Roman, der mich zum Nachdenken brachte.

Dienstag, 5. April 2022

Mondmeridian

 Autor: Edo Popovic
Erschienen am 8.2.2022
Im btb Verlag
ISBN: 9783442771363
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Die Erde ist in Aufruhr: Mirko Graf fährt mit dem Zug nach Zagreb, in eine Stadt, die überfüllt ist mit Obdachlosen und Bettlern, Hungrigen und Arbeitslosen. Gut geht es nur den Angepassten und den Reichen. Mirkos Organisation ist auf der Suche nach den »Vergessenen«, Menschen, die angeblich in einem verborgenen Paradies irgendwo in Mitteleuropa leben. In diesem »Paradies« wiederum geht das Gerücht von den »Vergifteten« um, Menschen, die ihre Umwelt völlig zerstört haben. Leben sie alle mit einer Lüge? Kann es ein freies Leben geben?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch möchte kritisch sein. Das war mir eigentlich von Seite eins an klar. Und das kann auch wirklich gut enden, vor allem, wenn das Buch trotzdem gut geschrieben ist und den Leser:innen mehr anbietet als nur Kritik oder (in diesem Fall) Gejammere. Vor allem die Klimakrise bietet sich da aktuell ja an. Leider leben wir noch immer nicht in einer der Utopien, die ich mir in langweiligen Vorlesungseinheiten gerne herbeiträume. Es ist immer noch normal, jeden Meter mit dem Auto zu fahren, beinahe täglich Fleisch zu essen und Müll einfach fallenzulassen. Da halte ich eine Dystopie wie die in diesem Buch beschriebene, für gar nicht so weit hergeholt. Zagreb versinkt im Müll und die Leute darin leben im Elend. Nur einige wenige haben sich in Kommunen außerhalb der Stadt zusammengefunden, um dort ein besseres Leben zu führen.

Beginnen wir vielleicht mit den positiven Seiten des Buchs. Der Beginn war stark und spannend. Wir bekommen schnell einen Einblick, wie diese Welt aussieht und wie sie funktioniert und wir lernen sogar schon verschiedene Wege kennen, mit dieser Welt umzugehen. Das war für mich spannend. Auch das Ziel von Mirko und seiner Organisation wirkte auf mich eigentlich glaubwürdig.

Trotz des guten Starts konnte mich dieses Buch leider nicht überzeuge. Ich habe mich irgendwann einfach gelangweilt und das darf bei so einem Thema und nach diesem Beginn nicht passieren. Man könnte aus dieser Geschichte vor allem auch auf stilistischer Ebene viel draus machen! Und ja, auch eine philosophische Herangehensweise kann hier passend sein. Aber das, was der Autor hier gemacht hat, hat nicht funktioniert. Ein Monolog jagt den nächsten und alle beschäftigen sich eigentlich nur damit, dass die Menschheit schlecht ist, die Umwelt kaputt und die Politik korrupt. Wenn so ein Monolog hin und wieder mal eingestreut wird und das zur Handlung passt, dann wäre das in Ordnung. Mein Problem war, dass es eigentlich kaum Handlung gab, sondern die Figuren wirklich einen großen Teil der Zeit nur monologisierten. Und die Monologe waren leider auch nicht wirklich glaubwürdig. Wären die gut geschrieben, dann würde ich mich auf ein solches Experiment gerne einlassen. Aber das waren großteils nur Phrasen und Belehrungen. Hat man als Figur in einer solchen Welt wirklich nichts anderes zu sagen?

Mein Fazit? Starker Beginn, der Rest des Buches konnte mich gerade aufgrund der langen und nicht besonders gut geschriebenen Monologe nicht überzeugen. Schade.

Sonntag, 27. März 2022

The Handmaid's Tale [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch haben wir am Freitag im Buchclub auseinandergenommen. Die Diskussion war wie immer super spannend. Ich finde es jedes mal aufs Neue spannend, dass jeder von uns die Bücher ein bisschen anders wahrnimmt. Und natürlich haben wir das Buch mal wieder nicht nur auf ernster Ebene analysiert, sondern auch über den Cast der Serie diskutiert (Nein... einfach nein!) und über die Frage, was es zu bedeuten hat, dass die Augenfarbe des Commanders so häufig erwähnt wird - und die Augenfarbe die gleiche ist, wie die von Offreds Vater. Die Augenfarbe ist übrigens das einzige, was Offred über ihren Vater weiß. Für unser Seelenheil haben wir dann aber beschlossen, dass der Commander nicht Offreds Vater ist. Sollte da jemand was genaueres wissen: Schreib es gerne in die Kommentare. Nein, zu diesem Thema möchte ich keine Privatnachricht. Wenn ich verstört werde, sollen bitte zumindest auch alle anderen darunter leiden.

Dass ich Margaret Atwood für ein verdammtes Genie halte, ist wirklich kein Geheimnis. Ihre Zukunftsversion, die sie uns hier präsentiert, gehört zu den gruseligsten, die ich je kennenlernen durfte. Es ist nicht nur ein bisschen furchterregend, du bekommst kein angenehmes Schaudern von diesem Buch. Bei der Vorstellung, in dieser Welt leben zu müssen, bekomme ich innerlich einen Schreikrampf und das Bedürfnis, wie in einem alten Cartoon einfach durch die Wand zu rennen. Ich kenne in der Zwischenzeit echt viele Dystopien. Die meisten darin präsentierten Welten sind nicht gerade lebenswert. Aber Atwood toppt die alle und teilt sich den ersten Platz der Liste mit Katherine Burdekin.

"The Handmaid's Tale" spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Frauen wenig bis gar keine Rechte haben, je nach ihrem sozialen Stand. Deswegen halte ich es auch für sehr wichtig, dass ihr vor dem Lesen die Triggerwarnungen zu diesem Buch überprüft. Dieser Roman ist teilweise wirklich heftig und die Beschreibungen sind noch dazu auf der eher expliziten Seite. Offred ist eine sogenannte "Handmaid". Die Gesellschaft sieht sie als reine Gebärmaschine. Rechte hat sie keine - nicht mal auf einen eigenen Namen. Offred setzt sich aus den Wörter "of" und "Fred" zusammen. Also übersetzt: von Fred. Offred wird als Objekt gesehen, sie soll den lieben langen Tag nichts tun, außer zu beten und einen Spaziergang zu machen und sich regelmäßig vergewaltigen lassen, damit sie hoffentlich schwanger wird. Das Kind würde man ihr aber nach wenigen Monaten wegnehmen - immerhin soll sie ja keine Mutter sein, sondern nur gebären. Ich denke, ihr versteht, warum diese Welt so grauenhaft ist.

Atwood schafft es trotzdem aber auch hier, dass ihre Sprache faszinierend, poetisch und oft sogar schön ist. Meiner Meinung nach merkt man stark, dass Atwood auch Gedichte schreibt. Und das meine ich auf eine positive Art. Ich liebe Atwoods Stil!

Mein Fazit? Wenn ihr es nicht eh schon getan habt, dann packt diesen Roman auf eure Bucket List. Das müsst ihr gelesen haben!

Sonntag, 13. März 2022

Goddess in the Machine [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, auf einen neuen Planeten zu reisen, würdet ihr das tun? Könntet ihr die Erde zurücklassen? Wärt ihr bereit dazu, euch für ein paar Hundert Jahre einfrieren zu lassen? Also ich würde zumindest mal darüber nachdenken, zumindest, wenn meine Familie auch mitkommt. Nur der Teil mit dem Einfrieren wäre für mich eine große Überwindung. Ist doch eine sehr gruselige Vorstellung... Noch gruseliger machen sie Bücher wie dieses hier. In "Goddess in the Machine" von Lora Beth Johnson geht es um ein Raumschiff, das auf einen anderen Planeten fliegt. Die Besatzung und alle Passagiere werden in der Zwischenzeit eingefroren. Nach ihrer Landung sollen sie wieder aufgeweckt werden. Auch Andra und ihre Familie befinden sich auf diesem Schiff. Doch als Andra aufwacht, ist sie allein und ihr Raumschiff ist nirgendwo zu sehen. Stattdessen befindet sie sich in einer dunklen Höhle auf einem zerstörten Planeten, der nicht mal im Ansatz so aussieht wie der Planet, auf dem sie sein sollte. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass sie erst tausend Jahre zu spät aufgeweckt wurde. Jeder, den sie je kannte, ist damit also tot. Ach ja, und die Menschen hier scheinen sie für eine Göttin zu halten. Und wenn Andra überleben will, muss sie diese Rolle gut spielen... zumindest bis sie herausfindet, wie sie wieder zurück auf die Erde kommt...

Ich habe von der ersten Seite weg mit Andra mitgefiebert. Oh mein Gott, allein diese Vorstellung, plötzlich so allein zu sein, ist grauenhaft! Ich musste einfach wissen, ob und wie sie diese Situation aushält. Und auch die Idee, dass sie jeder für eine Göttin hält, war für mich unglaublich spannend. Andra ist eigentlich ein ziemlich normales Mädchen - dass sie nicht wirklich weiß, wie zur Hölle sie sich verhalten soll, um die Erwartungen der anderen zu erfüllen, war für mich nachvollziehbar. Dem anderen Protagonisten Zhade gegenüber, blieb ich die ganze Handlung gegenüber zwiegespalten. Aber ich denke, dass das auch von der Autorin so gewollt war. Man weiß die meiste Zeit nicht so wirklich, was er eigentlich will. Dass er außerdem in einer Art Akzent der Zukunft spricht und seine Kapitel auch so geschrieben wurden, trug zu meinem Misstrauen ihm gegenüber bei. Englisch ist nicht meine Muttersprache und die fremde Sprachvariante trug dazu bei, dass ich ihm gegenüber immer ein bisschen Distanz hielt.

Apropos Sprachvariation: Ich finde es eine grandiose Idee von der Autorin, in diesem Buch so mit der Sprache zu spielen. Um ehrlich zu sein, dachte ich in der ersten Sekunde, dass ich gerade Opfer einer mysteriösen Krankheit geworden bin und deswegen die Worte plötzlich alle so komisch aussehen. Hat vielleicht ein paar Minuten gedauert, bis ich verstanden habe, was die Autorin hier macht. Aber dann war ich begeistert. Eigentlich ist es ja auch logisch, dass sich die Sprache weiterentwickelt. Warum sollte die Autorin also nicht auch ein bisschen experimentieren dürfen? Und es war offensichtlich, dass sie nicht einfach irgendwas schreibt. Die Sprache hat zum Beispiel weiter Regeln, an die sich die Autorin selbst auch streng hält und die Wortstämme blieben die gleichen, wie sie es auch in der Gegenwart sind. Ein anderes Experiment, das die Autorin hier wagt, ist ein Kapitel in Binärcode zu schreiben. Jup, richtig gelesen. Binärcode. Das ist die Computersprache mit Einsen und Nullen. Und auch hier hat die Autorin nicht einfach irgendwelche Kombinationen getippt: Ich hab das natürlich mit einem Online-Übersetzer nachgeprüft. Und ich würde euch sehr empfehlen, dass ihr das auch macht.

In diesem Buch wimmelt es nur so von Plottwists und Cliffhangern. Ich hatte hier keine ruhige Minute und hätte alle, die mich unterbrochen haben, am liebsten auf den Mond geschossen. Und gerade dieser eine Plottwist gegen Ende des Buches! Oh. Mein. Gott! Da musste ich das Buch kurz mal zur Seite legen, um das zu verdauen. Und dann noch das Ende an sich! Oh Hilfe! Ich muss mir ganz dringend den zweiten Teil holen und zwar schnell!

Mein Fazit? Wenn ihr eine richtig spannende Lektüre sucht, die sich gleichzeitig durch gelungene Sprachexperimente auszeichnet, dann seid ihr hier an der richtigen Stelle. Lest dieses Buch! Ihr werdet es nicht bereuen!

Sonntag, 13. Februar 2022

Pyramidenspiel. Ein Roman über die gechippte Gesellschaft

Autor: Juan Arte
Erschienen am 28.12.2021
Im Selbstverlag
ISBN: 9783754628324
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Europa, 2084: Über die Hälfte der Weltbevölkerung ist einer Seuche zum Opfer gefallen. Die Überlebenden suchen Sicherheit und Bequemlichkeit in den Segnungen der Technik. Doch die implantierten Chips kontrollieren nicht nur die Vitalwerte und wer in der eigenen Wohnung ein- und ausgeht. Skrupellose Konzernbosse und korrupte Politiker haben das Spiel auf ein neues Level gehoben. Künstliche Intelligenz verfolgt jeden Schritt der Bürger und wertet die Daten zur Erstellung eines perfiden Sozialratings aus. Privatsphäre ist Geschichte. Wer mehr Punkte hat, ist der bessere Mensch. Die wenigen, die sich weigern, bei diesem Spiel mitzumachen, führen ein gefährliches Leben als Außenseiter. Als der geordnete Alltag des Héctor García López aus den Fugen gerät, beginnt er allmählich, sein Dasein in Frage zu stellen. Wird er zum Zünglein an der Waage im verzweifelten Kampf der letzten freien Menschen gegen den totalen Überwachungsstaat?"
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Ja, auch nach meiner Bachelorarbeit über Dystopien habe ich noch nicht genug von diesem Thema. Also her mit der nächsten Dystopie!

"Pyramidenspiel" glänzt vor allem durch das spannende Worldbuilding. Die Welt ist interessant und über große Teile glaubwürdig. Die aktuellen technischen Innovationen mit all ihren Problemen (Stichwort Datenschutz) werden konsequent weitergedacht und so weit zugespitzt, dass ich stark an Orwells "1984" erinnert wurde. Auch Corona spielt hier eine Rolle - aber keine Angst, es handelt sich dabei nicht um einen weiteren Pandemieroman.

Interessant finde ich auch die Entscheidung, jedem Kapitel ein Zitat aus einem anderen Text voranzustellen. Spannend war das für mich vor allem daher, weil ich aufgrund meines Studiums einen großen Teil der zitierten Texte kannte. Diese Dystopie handelt über weite Teile auch von Literatur und ihrer Macht. Viele Bücher werden von den Machthabern als gefährlich angesehen und können deswegen nur gelesen werde, wenn man eine spezielle Berechtigung hat. Von dem her halte ich diese Zitate auch für recht passend, vor allem da zumindest die, die ich schon kannte, wohl alle aus Büchern stammen, die in dieser Welt verboten sind.

Kritisieren muss ich leider die Liebesgeschichte, die sich im letzten Drittel entwickelt. Meiner Meinung nach passt die nicht zum Rest des Buches. Sie nimmt auch nicht wirklich viel Platz ein, die Figuren haben keine Chemie und keine Zeit, diese zu entwickeln und deswegen wirkte das auf mich nicht glaubwürdig. Vielleicht wäre es besser gewesen, in diesem Buch auf die Liebesgeschichte zu verzichten.

Gegen Ende gab es dann natürlich auch einen großen Showdown, auf den ich hier inhaltlich gar nicht tiefer eingehen möchte. Dieser ist über weite Teile auch gut gelungen. Allerdings geht dann leider durch Erklärungen und Monologe ziemlich viel Spannung verloren. Hier wird gefühlt nochmal die ganze Welt erklärt, was nicht so ganz zu den vorhergehenden Szenen passt.

Zumindest aktuell ist das Ende für mich noch unbefriedigend. Das passiert mir bei Dystopien öfter, allerdings sehe ich oft nach wenigen Tagen ein, dass das Ende genau richtig ist. Hier ist das noch nicht passiert. Ob das wohl noch kommen wird? Ich kann es nicht sagen. Wir werden es sehen.

Mein Fazit? Eine interessante und spannende Zukunft, die sich so hoffentlich nie entwickeln wird. Einige Schwächen gibt es, allerdings haben mich die nicht davon abgehalten, die Lektüre zu genießen.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Q. In dieser Welt ist Perfektion alles

 Autorin: Christina Dalcher
Erschienen am 27.10.2021
Im Fischer Verlag
ISBN: 9783596704538
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der neue fesselnde dystopische Roman der SPIEGEL-Bestsellerautorin von »Vox«: In der nahen Zukunft besitzt jeder Mensch einen Q-Wert, der Intelligenz und Einkommen misst, und damit jedem seinen Platz in der Gesellschaft zuweist. Eine verführerisch einfache Antwort auf eine zunehmend heterogene Welt. Das glaubt auch Elena Fairchild, die an einer Eliteschule lehrt und regelmäßig das Potential ihrer Schüler testet. Je höher der Q-Wert, desto größer der Zugang zu Bildung und desto goldener die Zukunft. Wohin jeden Morgen die Busse die Kinder bringen, deren Q-Wert zu niedrig ist, weiß niemand so genau. Nur, dass sie nicht wiederkehren.
Als Elenas 9-jährige Tochter durch einen Test fällt – und damit ihr Q-Wert auf ein erschreckend niedriges Niveau, lernt die Mutter die Kehrseite der schönen neuen Welt kennen. Was, wenn die Auslese der Besten nur der Anfang eines schrecklichen Plans ist? Was, wenn man ihr das eigene Kind nehmen will?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich kenne keinen einzigen Menschen, der sich nicht über irgendwelche Zahlen definiert. Notenschnitt, Intelligenzquotient, gelesene Bücher pro Jahr, Gewicht, Kleidergröße, wie viel am Monatsende noch am Konto ist. Und das ist auch nicht immer nur schlecht. Ich meine: Wem schadet es, wenn ich messe, wie viele Bücher ich pro Jahr lesen kann? Aber schon in unserer Realität kann sowas sehr schnell außer Kontrolle geraten. Dann entstehen zum Beispiel Essstörungen. Oder Menschen werden als weniger wertvoll angesehen, nur weil ihre Noten schlechter sind oder sich ihr Intelligenzquotient nicht im dreistelligen Bereich befindet.

In "Q" ist wirklich alles von einer Zahl abhängig: deinem Q-Wert. Was da so genau reinspielt, weiß keiner so genau. Auf jeden Fall sind deine Schulnoten mit drinnen oder später deine Leistungen bei der Arbeit und auch die Leistungen deiner anderen Familienmitglieder spielen eine Rolle. Und wenn du einen höheren Q-Wert hast, darfst du zum Beispiel die Express-Kasse benutzen. Auf Kinder wirkt sich dieses System besonders stark aus: Je nach Q-Wert müssen sie eine andere Schule besuchen. Auf silbernen Schulen sind die kleinen Einsteins, auf grünen Schulen die Schüler, die im guten mittelmäßigen Bereich abschneiden und in gelben Schulen alle die Kinder, die unterdurchschnittliche Leistungen erzielen und deswegen als minderwertig angesehen werden. Das sind dann Internate, denn offensichtlich haben die Eltern ja bei der Erziehung ihrer Sprösslinge versagt, also muss ihnen der Staat unter die Arme greifen. Wenn diese Kinder überhaupt geboren werden... Denn die Messung des Q-Werts beginnt schon vor der Geburt und wenn der dann zu niedrig ist, wird den Eltern eine Abtreibung empfohlen.

Dieses Buch war verdammt gruselig und genau deswegen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Dystopien behandeln immer auch Aspekte unserer Wirklichkeit und auch hier wurde mir schnell klar, dass diese Idee nicht aus der Luft gegriffen wurde. Spätestens gegen Ende des Buchs wird das auch offensichtlich.

Mein einziger Kritikpunkt ist die Gewalt gegen Ende des Buchs. Beziehungsweise die Art, wie die Gewalt beschrieben wird. Gewalt kommt eigentlich gar nicht so viel vor, in vielen anderen Büchern gibt es mehr. Aber sie wurde auf eine Art beschrieben, die mich dazu zwang, immer wieder Lesepausen einzulegen. Gerade von einer Szene wurde mir richtig übel.

Mein Fazit? Eine unglaublich spannende Dystopie, über die ich sicher noch länger nachdenken werde.

Montag, 27. Dezember 2021

Tribute von Panem X. Das Lied von Vogel und Schlange [Kurzrezension]

 


Die "Tribute von Panem"-Reihe habe ich gelesen, als ich noch in der Hauptschule war. Damals wurde die Reihe gerade total gehyped - was ich allerdings erst nach dem Lesen erfahren habe, weil es in dieser Zeitschrift stand, die meine Schule damals einmal pro Monat an uns Schüler:innen verteilte. Ich war auf jeden Fall auch Feuer und Flamme für diese Reihe, habe Fanfictions gelesen und geschrieben (NEIN, die wird keiner von euch je lesen! Auch du nicht, B.!), Online-Quizzes gemacht und in Foren über das Ende der Reihe diskutiert. Als dann letztes Jahr der neue Band erschien, war ich nervös. Sollte ich jetzt in diese Welt zurückkehren, die mir als Jugendliche die Flucht vor der Realität ermöglicht hat? Was, wenn es mir gar nicht gefällt? Werde ich mir dann damit meine Kindheitserinnerung zerstören?

Ich ging mit niedrigen Erwartungen an dieses Buch heran und betrachtete das Buch als eine Art Fanfiction der Autorin zu ihrem eigenen Buch. Und ich glaube, dass diese Einstellung die richtige war. Diese Geschichte hier folgt ausnahmsweise nicht den Tributen, sondern Coriolanus Snow. Wir erinnern uns: Snow war der grausame Präsident Panems, der bereit ist, über Leichen zu gehen, nur um seine Macht zu erhalten. Aber wird ein Mensch schon böse geboren? Nun, natürlich nicht. Er braucht eine Hintergrundgeschichte und die wird uns hier geliefert. Snow ist hier erst ein Jugendlicher, der gerade dabei ist, die Schule abzuschließen. Und in diesem Jahr beschließt das Kapitol, den Kandidat:innen der Hungerspiele zum ersten Mal eine:n Mentor:in zur Verfügung zu stellen. Auch Snow muss an diesem Programm teilnehmen und ist nicht wirklich begeistert, als ihm Lucy Gray, die Kandidatin aus Distrikt 12, zugeteilt wird. Doch Lucy ist nicht einfach irgendeine Kandidatin: Sie ist bildschön, stürmisch, temperamentvoll und eine Sängerin. Und wird Snow bald sympathischer als gut für ihn wäre.

Ich bin zwiegespalten, was dieses Prequel angeht. Der Beginn zog mich sofort in seinen Bann, die Figuren wuchsen mir ans Herz. Ich fieberte mit Lucy Gray mit und auch Snow war mir nicht ganz so unsympathisch, wie ich vermutet hatte. Sympathisch war er mir zwar auch nicht, aber ich konnte seine Motivation und sein Verhalten nachvollziehen und hatte deswegen irgendwie sogar Mitleid mit ihm. Aber dann kamen die eigentlichen Hungerspiele, die wir diesmal aus der Außenperspektive beobachteten. Das fand ich dann nicht ganz so spannend, da ich so nicht mitfühlen konnte, was in den Kandidat:innen vorgeht. Snow verfolgt die Kämpfe über einen Bildschirm in seiner Schule. Da entstanden dann leider einige Längen. Danach kam wieder ein etwas spannenderer Teil, über den ich hier aber nicht weiter reden werde, um diese Rezension möglichst frei von Spoilern zu halten. Das Ende entsprach dann nicht ganz meinem Geschmack. Da entwickelte sich dann Snow ziemlich rasant in eine Richtung, die für mich nicht mehr ganz nachvollziehbar war.

Also, was ist denn jetzt mein Fazit? Muss man dieses Prequel als Panem-Fan gelesen haben? Meiner Meinung nach nicht wirklich. Das Buch hatte aber auch einige Längen und ein Ende, das nicht wirklich meinem Geschmack entsprach. Streckenweise war die Geschichte ganz interessant, aber leider nicht mehr.