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Freitag, 3. Januar 2025

Women Living Deliciously [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich bei einer Verlosung des KiWi-Verlages gewonnen. Ich hätte mir es aber sowieso zugelegt, denn ich mag die bisherigen Bücher der Autorin. "Frauen schulden dir gar nichts" und "Girlcrush" waren zwei Lesehighlights für mich. Dadurch erwartete ich auch großes von diesem Buch. Ich wollte quasi ein "Frauen schulden dir gar nichts 2.0". Bekommen habe ich das leider nicht.

Stattdessen wird hier die Frage behandelt, wie Frauen ein möglichst schönes und zufriedenstellendes Leben führen können. Themen wie Achtsamkeit, Wahrnehmung des eigenen Körpers, Erfahrungen der Autorin mit Depression, Burnout, Überarbeitung und Perfektionismus werden angesprochen, die Autorin gibt Tipps, wie man aus dem Hamsterrad des täglichen Lebens herauskommt. Was ja an sich eine nette Idee ist und durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Aber fand ich halt eben nur nett. Nicht revolutionär oder feministisch oder besonders mutig. Von der Autorin erwarte ich aber ungewöhnlich und nichts Vorhersehbares. Keine leeren Floskeln, sondern knallharte Aussagen. 

Ein weiteres Problem war aus meiner Sicht, dass hier der rote Faden fehlte. Klar, es ging um die oben beschriebenen Themen, die grob durch die Kapitelüberschriften strukturiert wurden. Doch die einzelnen Kapitel fließen ineinander, alles wirkte auf mich ein bisschen chaotisch. Da half es auch nicht, dass einige Punkte immer wieder wiederholt wurden. Klar, nochmal: Das darf auch sein. Aber bei mir sorgte das irgendwann für Langeweile. Die letzten paar Kapitel habe ich dann nur noch überflogen.

Zwiegespalten bin ich noch dazu, wie ich die optische Gestaltung dieses Buches finde. Der erste Eindruck war natürlich ein durchaus positiver: Alle Seiten sind bunt, der Stil des Covers wird beibehalten. An verschiedenen Stellen finden sich Illustrationen von Frauen oder von Blumen. Aber irgendwann fühlte ich mich fast ein bisschen erschlagen. Auch halte ich es für eine verpasste Möglichkeit, dass die dargestellten Frauen alle recht ähnlich aussehen.

Des Weiteren sind mir hier so einige Fehler aufgefallen, die wohl im Korrektorat übersehen wurden. Das finde ich vor allem bei übersetzten Büchern sehr schade.

Mein Fazit? Leider bisher das deutlich schwächste Buch der Autorin. Schade.

Montag, 14. Oktober 2024

Unbequem [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Was erwartet ihr, wenn ihr dieses Buch anseht und euch vielleicht sogar den Klappentext durchlest? Ich persönlich erwartete ein gesellschaftspolitisches Buch, ein unbequemes Buch, ein Buch, das mich tagelang nicht mehr los lässt. Ich habe ein Buch voll Feminismus, Gerechtigkeitssinn und Politik erwartet.

Joa, in der Praxis habe ich leider keine Ahnung, worum es hier ging. Das ganze Buch ist ziemlich chaotisch aufgebaut. Eine klare Linie konnte ich nicht erkennen - und besonders viel Gesellschaftspolitisches habe ich hier auch nicht gefunden.

Bevor ich an die Kritik komme: Tatsächlich fand ich manche der Tipps nicht unbedingt schlecht. Vor allem das Thema Gewaltfreie Kommunikation ist für mich immer interessant. Wer gerade neu damit beginnt, sich mit diesen Themen zu beschäftigen, kann hier vielleicht noch Neues lernen. Generell wurde aber auch hier für mich der Wunsch sichtbar, so bequem wie möglich unbequem zu sein. So bequem wie möglich zu widersprechen. Wer verbal oder auch körperlich angegriffen wird, diskriminiert wird oder miterleben muss, wie andere diskriminiert werden, darf meiner Meinung nach auch mal auf den Tisch hauen. Ich denke, das ist ziemlich normal - irgendwann kocht man über. Das entschuldigt natürlich keine Gewalt, aber das ist euch wohl eh bewusst. Aber ich finde es falsch, diesen Opfern von Diskriminierung dann zu sagen: "Hast du es eigentlich schon mal mit Gewaltfreier Kommunikation versucht? Vielleicht würdest du damit viel mehr erreichen?" Klar, kann ein gutes Werkzeug für manche Situationen sein. Aber es ist kein Allheilmittel.

Dieses Buch will sehr viel sein. Durch die fehlende Einschränkung ist es für mich nicht unbedingt als Ratgeber brauchbar.

Und, wie ich es aktuell häufig kritisiere: Auch hier war mir persönlich zu viel Anekdotisches und zu wenige knallharte gesellschaftspolitische Fakten.

Mein Fazit? Mir persönlich brachte diese Lektüre nicht wirklich war. Ich werde dieses Buch aber in den öffentlichen Bücherschrank geben - vielleicht bringt das Buch einer anderen Person mehr als mir.

Montag, 23. September 2024

So erziehst du deinen Menschen. Empfehlungen einer Hauskatze

Autorin: Barbara Capponi
Erschienen am 13.3.2024
Im Wunderraum Verlag
ISBN: 9783442317387
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Was Ihre Katze schon immer wissen wollte - wertvolle Ratschläge für die Erziehung des Dosenöffners.

Ein vergnüglicher Ratgeber, der Katzen zeigt, wie sie den richtigen Menschen finden und für ihre Bedürfnisse abrichten können.

Wir Katzen sind die mit Abstand beliebtesten Haustiere, allein im letzten Jahr residierten wir in mehr als 17 Millionen deutschen Haushalten. Zeit für einen Ratgeber, in dem katze erfährt, wie sie den perfekten Menschen finden und ganz nach ihren Bedürfnissen abrichten kann. Von der Raffinesse, einen Menschen zu verführen, bis zur hohen Kunst der ultimativen Intensivierung der Beziehung durch kurzzeitige Unauffindbarkeit gibt es viel Wissenswertes für das perfekte Zusammenleben mit dem Dosenöffner. Denn ist der Mensch gut erzogen, kann er ein nützlicher Begleiter sein."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Uff, die Rezension zu diesem Buch habe ich jetzt länger vor mir hergeschoben. Vor allem, weil ich mich Anfang diesen Sommers nach langer Krankheit von meiner Katzendame verabschieden musste. Deswegen war ich jetzt die längste Zeit einfach echt nicht in der Stimmung dazu, irgendwas zum Thema zu schreiben. Und dann war der Punkt erreicht, an dem ich mich sogar erfolgreich davon überzeugt habe, dass ich diese Rezension schon geschrieben habe. Könnt ihr euch denken, wie überrascht ich war, als ich bemerkt habe, dass ich weder auf Reado, noch auf Goodreads die Rezension gespeichert habe - und sie auch nicht auf diesem Blog finden konnte. Ups. Also musste ich meine Notizen zum Buch nochmal hervorkramen und darf euch jetzt die Rezension zu "So erziehst du deinen Menschen" präsentieren.

In diesem Ratgeber wird aus Sicht der Katze alles erklärt, was man über das Zusammenleben mit einem Menschen wissen will. Das beginnt bei der Auswahl des richtigen Dosenöffners... ähm, Menschen. Weiter gehts mit der Erziehung, denn ein falsch erzogener Mensch ist kein angenehmer Zeitgenosse. Und natürlich wird uns auch erklärt, was denn einen Menschen für so einen tollen Gefährten für Katzen macht - von der Fähigkeit, die Thunfischdose zu öffnen mal abgesehen. Ergänzt werden alle Kapitel auch durch Geschichten über besondere Katzen und ihre Menschen.

Dieser Ratgeber ist humorvoll, super lustig und fesselnd. Der Schreibstil hatte mich sofort und sorgte dafür, dass ich dann recht schnell mit dem Buch durch war.

Das Buch ist schön gestaltet. Hier finden wir auch Illustrationen, die ich für gut gelungen halte und die mir dieses Buch noch sympathischer machten. Das ist mit einer der Gründe warum ich dieses Buch auch für ein großartiges Geschenk halte - nicht vergessen, in drei Monaten ist schon wieder Weihnachten. (Ja, das musste ich gerade selber nochmal nachschauen. Draußen hat es über 20 Grad - das kann doch gar nicht sein!)

Mein Fazit? Ein Must-Read für alle Katzeneltern!

Mittwoch, 21. August 2024

On & Off. Für einen bewussten Umgang mit Social Media [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wieviele Stunden pro Tag verwendet ihr eigentlich eure Handys? Also ich weiß, dass meine Bildschirmzeit viel zu hoch ist, und es ist nicht wirklich ein Trost, dass ich immer noch im Durchschnitt liege. Es gibt so viele Dinge, die ich tun könnte und tun möchte, so viele Hobbys, denen ich mal wieder nachgehen will - und kaum passe ich mal eine Sekunde nicht auf, scrolle ich schon wieder durch lustige Kurzvideos oder like die bunten Bilder meiner Freund:innen oder auch von vollkommen Fremden. Und ich weiß, dass das nicht gesund ist und dass mein Verhalten vielleicht fast schon in Richtung Sucht geht. Und immer wieder versuche ich daran mal was zu ändern - deswegen habe ich mir von meiner Kontaktperson auf Lovelybooks auch dieses Buch gewünscht. Meine Hoffnung waren ein paar richtig hilfreiche Tipps oder gute Ratschläge, die ich im Alltag befolgen könnte und mit denen ich meine Bildschirmzeit zumindest ein bisschen reduzieren könnte. Nur ein kleines bisschen!

Wie ihr vielleicht schon wegen dieser Formulierung vermutet: Mir hat dieses Buch leider gar nichts gebracht. Es hat mir sogar so wenig geholfen, dass ich zwischendurch überlegt habe, einfach abzubrechen.

Doch woran liegt das? Nun, beginnen wir mit einem Punkt, den ich bei "Sachbüchern" und Ratgebern sehr häufig kritisiere: Das hier war über weite Teile eine verstecke Autobiographie. Was vielleicht interessant sein könnte, wenn man davor schon irgendwas mit diesen Autorinnen zu tun hatte. Das war bei mir nicht der Fall, weswegen es mich auch nicht weniger hätte interessieren können, welche Social Media Plattformen die beiden Autorinnen gerne verwenden, wie eine davon zur Influencerin wurde oder wie die andere den Werdegang der anderen verfolgt hat. Das ist mir einfach total egal und hat mich schon nach sehr kurzer Zeit nur noch genervt.

Auch war ich mir nicht ganz sicher, wer denn jetzt die Zielgruppe dieses Buchs sein soll. Hier wird sehr viel Grundlegendes erklärt ("Welche Social-Media-Plattformen gibt es und was zeichnet sie aus?"), das meiner Meinung nach echt nicht hätte erklärt werden müssen. Ich gehe davon aus, dass die meisten Menschen, die zu diesem Buch greifen, bereits wissen, was Instagram, Whatsapp und Tiktok sind. Gleichzeitig ist der LYX-Verlag aber gerade im Genre New Adult recht groß - ein Genre, das junge Erwachsene von circa 18 bis 30 ansprechen soll. Also genau das Alter, in das ich auch reinfalle. Für dieses Alter war aber der Schreibstil dann doch oft zu kindlich gehalten.

Des Weiteren war mir dieses Buch an manchen Stellen zu unreflektiert. Ein Beispiel, das ich mir notiert habe, ist das Thema Bewerbungsgespräch. Ich weiß, ich weiß, die meisten von uns können das nicht mehr hören. Und hier wird auch komplett richtig behauptet, dass ein guter Social Media Account deine Jobchancen erhöhen kann. Dazu, dass ich meine bisherigen und auch meinen aktuellen Job bekommen habe, hat unter Anderem auch dieser Blog beigetragen, denn er zeigt, dass ich Computerkenntnisse habe, Durchhaltevermögen, Interesse am Thema und noch ein paar andere Eigenschaften, die mögliche Arbeitgeber:innen wohl sehr mögen. Wenn ihr aber nur einen auf öffentlich gestellten Privataccount habt, wo ihr unreflektiert alles postet, was euch gerade einfällt, dann kann das natürlich auch kontraproduktiv sein. Sollte natürlich nicht so sein, aber es ist halt doch ein Fakt, dass Arbeitgeber:innen sich eure Accounts ansehen - und was dort gepostet wird, prägt ihren Blick auf euch. Und das kann im schlimmsten Fall zu einer Absage führen.

Leider gab es dann in einem der letzten Kapitel auch noch Probleme in der Formatierung des Kapitels. Hier gab es mehrere Aufzählungen, die total durcheinander waren. Keine Zahl stand dort, wo sie stehen sollte. Ich hoffe einfach mal, dass ich ein Leseexemplar bekommen habe und das in der Endversion nochmal ausgebessert wurde, denn das wäre sonst so peinlich.

Eine sehr, sehr wichtige Info wurde in diesem Buch auch nicht genannt - was ich aber zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann, denn es handelt sich dabei um eine Österreichische Gesetzgebung. Auf jeden Fall: Hassnachrichten und -kommentare sowie die Beteiligung an Shitsorms im Internet sind eine Straftat und können angezeigt werden. Das hat eine Entscheidung des OGHs vor Kurzem gezeigt. Ein Teilnehmer an einem Shitstorm wurde da zu einer ordentlichen Strafe verurteilt. Was ich sehr, sehr toll finde, denn es ist ein starkes Zeichen dafür, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Ich glaube, dass dieses Wissen gerade für Jugendliche und gerade im Kontext Cybermobbing eine wichtige Information wäre. Wenn euch also jemand online nicht in Ruhe lässt: Einfach mal anzeigen.

Mein Fazit? Leider gar nicht mein Fall. Schade.

Dienstag, 21. Mai 2024

Die Story.One-Bestsellerformel [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss, war allen klar, oder? Immerhin habe ich mit StoryOne mein erstes Buch veröffentlicht und war damit der Anfang meines Lebens als Autorin. Als dieser Ratgeber also den Autor:innen der Plattform kostenlos angeboten wurde, musste ich mir dieses Buch natürlich sofort runterladen.

Sprechen wir vielleicht zu Beginn von den Erwartungen, die ich an dieses Buch hatte. Der Titel und der Klappentext ließen mich hoffen, dass es hier ein paar Schreibtipps oder wichtige Hinweise bezüglich Inhalt und Stil gibt. StoryOne hat einen wirklich gut dotierten Preis für junge Autor:innen, nämlich den YSA, und ich hätte es sehr spannend gefunden, zu lesen, worauf denn auf inhaltlicher oder stilistischer Ebene wirklich Wert gelegt wird. Gleichzeitig musste ich meine Erwartungen aber sofort zügeln, denn das besondere StoryOne-Format - jedes Kapitel ist exakt drei Seiten lang - ist für Ratgeber und Sachbücher kein einfaches. Besonders ins Detail gehen, kann man da sicher nicht.

Der erste Punkt, der mir beim Lesen auffiel, war die Sprache, die hier verwendet wurde: Der Titel und der Klappentext dieses Buches sind beide auf Deutsch. Der Fließtext im Buch ist aber in Englisch geschrieben. Das hat mich gerade zu Beginn unglaublich verwirren - denn ganz ehrlich: Das darf nicht passieren. Scheinbar gibt es auch eine deutsche Version (zumindest behauptet das eine andere Autorin im Autor:innenchat), aber die habe ich auf der StoryOne-Seite selbst bisher nicht gefunden. Schade, dass das beim Download nicht entsprechend gekennzeichnet wurde. Ich habe keine Probleme mit Büchern auf Englisch, aber das ist leider keine Fähigkeit, die man einfach voraussetzen kann.

Ins Auge gestochen ist mir leider auch die Eigenwerbung, die in diesem Buch eine große Rolle spielte. Das hat mich nicht wirklich überrascht - immerhin befindet sich StoryOne bereits im Titel - dieses Buch las sich dann aber leider doch eher wie eine fast 80 Seiten lange Werbebotschaft, und nicht wie ein wirklicher Schreibratgeber. Wenn ihr also diesen Ratgeber lesen möchtet, dann bereitet euch darauf vor.

Überrascht hat mich, dass das typische StoryOne-Format, mit dem viele Autor:innen in meiner Umgebung zu kämpfen hatten, hier nicht eingehalten wurde. Ein StoryOne-Buch hat Kapitel, die immer exakt drei Seiten lang sind. Es gibt da nicht viel Spielraum, die Kapitel müssen (oder mussten im Juli und August 2023 und auch noch im Dezember 2023, als ich das letzte Mal online war) exakt drei Seiten lang sein, nicht kürzer, nicht länger. Lasst mich bitte wissen, falls sich das inzwischen geändert hat, auf einen ersten Blick konnte ich diese Änderung aber online nicht entdecken. Es spricht meiner Meinung nach nicht unbedingt für diese strenge Regelung, wenn diese hier nicht eingehalten wird oder vielleicht sogar nicht eingehalten werden kann. Denn warum müssen sich denn alle anderen Autor:innen daran halten, wenn es technisch doch scheinbar kein Problem ist, auch längere Kapitel zu verfassen?

Vielleicht spricht hier die brave Studentin aus mir, die auch in ihrer Freizeit wissenschaftliche Artikel liest. Was mir hier gefehlt hat, sind Belege und Quellen zu den verschiedenen Behauptungen und "Fakten". Unter Anführungszeichen, denn sind es wirklich Fakten, wenn sie nicht belegt werden? Sind es wirklich Fakten, wenn sie stark vereinfacht werden müssen? Vor allem in Sachbüchern und Ratgebern ist mir das wichtig, denn es gibt so viel Fake News in der Welt, dass mir eine ordentliche Zitier-Kultur immer wichtiger wird. Und teils sind die "Fakten", auf die man sich hier bezieht, leider eben auch sehr vereinfacht, wie zum Beispiel die Aufmerksamkeitsspanne, über die hier immer wieder geschrieben wird.

In diesem Buch werden so gut wie alle Themen des Veröffentlichens behandelt - Cover, Elevator-Pitch, Autor:innenbio - außer das Schreiben an sich. Es gibt hier nicht wirklich Informationen zum Thema Schreiben, Stil oder Inhalt. Ein paar Phrasen, die ich schon eine Millionen Mal gelesen habe, aber das wars auch schon. Und ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass diese anderen Themen wichtig sind, aber sie sind nicht das, was ich von einem Schreibratgeber mit diesem Klappentext erwartet hätte. Einige der Kapitel wirkten zusätzlich leider wie Platzhalter. So zum Beispiel auch das Kapitel über Reichweite, vor allem auf Social Media. Klar ist auch das ein an sich wichtiges und interessantes Thema, doch dieses Kapitel war leider absolut nichtssagend und blieb zu sehr in der Theorie verhaftet. 

Mein Fazit? Schade, aber dieses Buch hat mir keinerlei neue Informationen gebracht und weißt leider einige gröbere Mängel auf.

Donnerstag, 8. Februar 2024

Be Your Own Fu*king Hero Workbook

 Autorin: Tijen Onaran
Erschienen am 11.1.2024
Im Goldmann Verlag
ISBN: 9783442317448
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Dein Arbeitsbuch für mehr Mut im Leben

In ihrem inspirierenden Bestseller Be Your Own F*cking Hero erzählt die erfolgreiche Unternehmerin Tijen Onaran, wie sie sich als Kind türkischer Eltern aus dem Nichts eine erfolgreiche Karriere aufgebaut hat, wie sie trotz aller Rückschläge und Hindernisse mutig ihren eigenen Weg gegangen ist und gelernt hat, für sich selbst auf- und einzustehen. Mit diesem cool gestalteten Arbeitsbuch können wir nun alle von Tijen und ihrer Erfolgsstory lernen: Sie teilt darin ihre ganz persönlichen Mut-Momente, Lieblingsquotes, Challenges und praktische Übungen, die ihr dabei geholfen haben, selbstbestimmt zu sein und mutige Entscheidungen zu treffen. Der perfekte Begleiter für alle, die ihr Leben proaktiv gestalten wollen – von den Finanzen über den Freundeskreis und das berufliche Netzwerk bis hin zu Mode und Beauty!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Als dieses Buch in meinem Postfach lag, habe ich mich total darüber gefreut und auch direkt begonnen, damit zu arbeiten. Solche Workbooks sind genau mein Geschmack! Das Gefühl, dass ich zu einem anderen/besseren Menschen werden kann, mit besseren Bewältigungsstrategien, besserem Selbstbild und besserem Selbstbewusstsein, ist für mich sehr motivierend. Und so habe ich noch am selben Abend begonnen, Fragen zu beantworten, Ziele zu setzen, Dankesreden an mich selbst zu schreiben und meine Lieblingszitate zu sammeln- Kleiner Disclaimer schon jetzt: Ich habe noch nicht alle Aufgaben erledigt. Das wird noch ein ganzes Zeitchen dauern. Aber ich glaube, dass ich auch jetzt schon einen Überblick über das Buch habe, der es mir erlaubt, dieses Workbook fair zu bewerten.

Dieses Buch liegt gut in der Hand und ist stabil, auch wenn es trotzdem flexibel genug ist, damit ich den Buchrücken brechen und die Aufgaben erfüllen kann, während ich im Bett rumlümmle. (Packt die Fackeln und Mistgabeln weg, Leute. Bücher haben keine Schmerzrezeptoren. Bücher sind Gebrauchsgegenstände. Man darf Büchern ansehen, dass ich sie gelesen habe.) Das Papier ist schön dick und nichts drückt durch - für mich persönlich hätte das Papier aber ein bisschen rauer sein dürfen und weniger glatt. 

Das Workbook ist illustriert und zwar im Stil des Covers. Das gefiel mir ziemlich gut. Vor allem die Zwischenseiten zwischen den einzelnen Kapiteln finde ich wundervoll gestaltet. Auch die Aufgabenseiten ohne Illustrationen sind schön geworden. Auf der linken Seite einer Doppelseite findet ihr immer einige theoretische Informationen. Warum ist das wichtig? Welche Erfahrungen hat die Autorin selbst damit gemacht? Was wird hier trainiert? Wie funktioniert diese Aufgabe? Rechts dürfen dann selbst die Stifte gezückt werden. Nach jedem Kapitel findet ihr außerdem einige Seiten für eure eigenen Gedanken und Notizen zum Thema, was ich gerade bei einem solchen Buch wichtig finde. Viele der Fragen sind doch recht persönlich und die Aufgaben laden dazu ein, sich selbst zu hinterfragen. Dafür muss auch der nötige Platz geboten werden und das passiert hier auch.

Die Fragen selbst waren (wie man das wahrscheinlich auch erwarten kann) unterschiedlich wichtig/hilfreich für mich. Ich liebe zum Beispiel die Idee, eine Dankesrede an mich selbst zu schreiben oder die Möglichkeit, mit Ziele zu setzen. Weniger anfangen kann ich persönlich mit Aufgaben zum Thema Mode. Die Fragen und Aufgaben sind vielfältig und beschäftigen sich mit verschiedenen Themen. Da ist für die meisten Menschen was mit dabei, denke ich.

Mein Fazit? Ein tolles Workbook, mit dem ich bisher schon viel Spaß hatte und mit dem ich mich definitiv auch noch in Zukunft beschäftigen werde.

Montag, 9. Oktober 2023

Write. Das Buch für angehende Autor:innen [Kurzrezensionen]

 

Quelle: Verlag

Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe. Im August habe ich mein erstes Buch "Die Schauspielerin" veröffentlicht und irgendwann vom Schreiben leben zu können, wäre ein Traum von mir, der hoffentlich irgendwann in Erfüllung gehen wird. Und dieses Buch verspricht, mir dabei zu helfen, eine bessere Autorin zu werden.

In diesem Sachbuch werden verschiedene Aspekte des Schreibens und Veröffentlichens besprochen, die für mich unterschiedlich interessant waren. Während die verschiedenen Strukturen, die eine Geschichte haben kann, für mich eher unwichtig waren (wundert es wen, nach inzwischen fast 6 Jahren Literaturwissenschaftsstudium?), fand ich es super spannend, was eigentlich ein Verlag alles macht. Ich würde ja gerne als Lektorin in einem Verlag arbeiten, wenn das mit der Berufsautorin nicht sofort klappt (Wenn du als die Person, die das hier liest, einen Verlag hast und eine neue Lektorin suchst: Melde dich gerne bei mir! ;)), allein schon deswegen war das für mich interessant. Schön fand ich es auch, dass hier auch verschiedene Autorinnen selbst zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen erzählen dürfen. Sie sprechen hier über ihre Schreibroutine, über ihre Erfahrungen mit dem Lektorat oder darüber, wie sehr sie es hassen, Exposés zu schreiben oder auch darüber, wie es sich für sie angefühlt hat, endlich ihr erstes Buch in den Händen zu halten.

Eines muss man diesem Buch auch lassen: Die Gestaltung ist wunderschön, was unter anderem dazu beigetragen hat, dass ich mich mit dieser Lektüre sofort wohlgefühlt habe. Ich glaube auch, dass es durch diese Gestaltung für eine breite Altersgruppe geeignet ist. Während das für mich ein schönes Extra ist, könnte es einer 14-Jährigen dabei helfen, interessiert zu bleiben und dieses Buch zu Ende zu lesen. Wobei letzteres bei einer 14-Jährigen, die Autorin werden möchte und das so ernst meint, dass sie sogar einen Ratgeber dazu liest, wohl kein großes Problem sein sollte, aber ihr wisst, was ich damit sagen möchte, oder?

Sehr schön fand ich auch die Einstellung des Buches, dass jede:r Autor:in ist, der oder die schreibt. Denn das sehe ich genau gleich. Wenn ihr kreativ schreibt und das regelmäßig und mit viel Freude, dann ist es egal, ob ihr für diese Texte bezahlt werdet, ob diese Texte in der Buchhandlung liegen oder nicht. Wenn ihr euch "Autor:in" nennen möchtet, dann tut das bitte einfach. Zumindest von meiner Seite werdet ihr keinen Widerstand dagegen finden.

Mein Fazit? Ein schön gestaltetes Buch über das Schreiben und darüber, wie man das Schreiben zum Beruf machen kann.

Dienstag, 27. Juni 2023

No More Tears. Dein Anti-Fuckboy Guide

Autorin: LalalaLetMeExplain
Erschienen am 21.06.2023
Im Goldmann Verlag
ISBN: 9783442179817
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Gibt es überhaupt anständige Männer?
Wo kann man sie finden?
Und ist es die Mühe wirklich wert?
Die Antwort ist klar: In den meisten Fällen ist Frau mit einem Hund oder einer Katze besser beraten als mit einem Partner – leider. Fakt ist, dass Frauen nicht nur lustig-peinliche, sondern auch unangenehme, übergriffige und beängstigende Situationen beim Dating und beim Sex erleben müssen.
Von Ghosting und Negging bis hin zu Gaslighting und Missbrauch – das ist der erste Datingratgeber, der zeigt, auf welche Red Flags Frauen* achten müssen, damit sie nicht versehentlich in eine Beziehung mit Männern geraten, die eigentlich nur auf Sex aus sind oder insgeheim Frauen hassen.
Selbstbewusst Nein sagen und Zeichen einer potentiell gesunden, gleichberechtigten Beziehung erkennen – mit dem Anti-Fuckboy-Guide kein Problem."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dass Dating oft unangenehm oder sogar gefährlich sein kann, können wohl die meisten Frauen und Personen, die als Frauen gelesen werden, bestätigen. Und auch wenn die Anfangsphase einer Beziehung überstanden wurde, wird die Situation für uns nicht unbedingt sicherer. Immerhin werden leider immer noch Frauen von ihrem (meist männlichen) Partner geschlagen, manipuliert und viel zu oft sogar ermordet. Wie wir das in Zukunft vermeiden können? Am besten, indem wir damit anfangen, unsere Söhne anders zu erziehen, unseren Brüdern nichts durchgehen zu lassen und keine Typen daten, die uns oder andere Frauen wie Dreck behandeln. Und es wäre auch schön, wenn die paar männlichen Leser, die ich habe und die bis hierher gelesen haben, ihre Freunde darauf ansprechen, wenn die sexistische Sprüche klopfen oder Frauen anbaggern.

Der Autorin dieses Buches ist es bewusst, dass Dating nicht unbedingt immer nur schön ist. Deswegen hat sie dieses Buch ja erst verfasst und ihren Instagramaccount erstellt, auf dem sie Ratschläge zu den Themen Dating und Liebe gibt. Und der scheint ziemlich gut zu laufen, wenn man bedenkt, dass das Buch der Autorin nun ins Deutsche übersetzt wurde. Der Fokus der Autorin liegt hier auf verschiedenen RedFlags, die frau kennen muss, um mehr oder weniger sicher daten zu können. Sie spricht über verschiedene Bindungsstile, über Manipulationsstrategien und über verschiedene Arten des Missbrauchs, wie sie in Beziehungen vorkommen können.

Das Buch ist schön gestaltet, das habe ich auch beim eBook direkt erkannt. Ich gehe davon aus, dass die Seiten, in denen Zitate aus dem Text hervorgehoben sind, bunt gestaltet sind? Und dass die verschiedenen Red Flags rot und die Green Flags durch grünen Hintergrund hervorgehoben wurden? Ist beim eBook natürlich immer etwas schwer zu erkennen, da mir nur Grautöne angezeigt werden, aber das wäre meine Interpretation der verschiedenen Grauschattierungen.

Für mich persönlich war es vor allem mal schön, eine klare Auflistung von Red Flags vor mir zu haben und diese auch erklärt zu bekommen. Denn in der Vergangenheit ist es leider nicht gerade selten vorgekommen, dass ich Red Flags einfach nicht erkannt habe oder nicht richtig interpretiert habe - und dann enttäuscht wurde. Hier wurde in leicht verständlicher Sprache erklärt, warum diese Dinge, die hier als Red Flags bezeichnet werden, überhaupt problematisch sind.

Diese leicht verständliche Sprache ist gleichzeitig aber auch mein erster Kritikpunkt. Dadurch werden nämlich viele Konzepte stark vereinfacht dargestellt. Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel das psychologische Phänomen der Limerenz, das hier wirklich stark vereinfacht wurde. So stark vereinfacht, dass ich keinen Unterschied zwischen Limerenz und für mich normaler Verliebtheit erkennen konnte. Das hat dazu geführt, dass ich sofort gedacht habe, dass ich von diesem Phänomen betroffen sein könnte. Erst weitere Recherche hat bei mir zu erleichtertem Aufatmen geführt, denn erst so wurde mir klar, wie viel extremer Limerenz eigentlich ist als sich Verliebtheit für mich anfühlt. Ich stalke nicht, weder online noch offline, ich möchte nicht diese Person sein und mein Alltag wird nicht nur noch von dieser Person geprägt. Viele dieser Aspekte wurden hier aber zwecks der Vereinfachung ausgespart. Bis zu einem gewissen Grad kann ich nachvollziehen, dass die Autorin ihr Buch einfach halten möchte, damit es für eine möglichst breite Zielgruppe verständlich ist, aber eine Aussparung wichtiger Aspekte und eine Vereinfachung halte ich gerade bei psychischen Erkrankungen für gefährlich.

Mein zweiter Kritikpunkt bezieht sich auf die Vorgehensweise bei ersten Dates, die die Autorin empfiehlt. Ihrer Meinung nach ist es Zeichen von beidseitigem Desinteresse, wenn getrennt gezahlt wird. Sie findet, dass Männer immer und unter allen Umständen bezahlen sollten. Und dem stimme ich einfach nicht zu. Ich habe mein eigenes Geld und fühle mich unwohl dabei, wenn ein Mann darauf besteht, für mich zu bezahlen. Da entsteht dann so eine seltsame Hierarchie. Der Mann wird in die Rolle des finanziellen Versorgers getrennt, ich in die Rolle der finanziell von ihm Abhängigen, die ihm aufgrund der Abhängigkeit Zuneigung schuldet. Ja, vielleicht interpretiere ich in eine solche Situation zu viel hinein. Meine Gefühle gegenüber solcher Situationen ändert das aber trotzdem nicht.

Mein Fazit? Im Großen und Ganzen ein schön gestaltetes und informatives Buch. Stellenweise fand ich aber die Vereinfachungen problematisch und den Finanztipps der Autorin kann ich gar nicht zustimmen.

Donnerstag, 10. November 2022

Bereit für die Zukunft

 Autorin: Jane McGonigal
Erschienen am 21.09.2022
Im Penguin Verlag
ISBN: 9783328602576
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie wird unsere Welt in zehn Jahren aussehen? Welche Folgen werden Klimawandel, technologischer Fortschritt und gesellschaftliche Umbrüche haben? Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Wir aber können uns auf das vorbereiten, was heute noch niemand kommen sieht. Mit verblüffend realistischen Szenarien lässt uns »Bereit für die Zukunft« die Fähigkeiten entwickeln, die es dazu braucht: Ein Denken, das auf unvorhergesehene Herausforderungen schneller reagiert; die Inspiration, heute die richtigen Weichen für unser Leben in der Zukunft zu stellen; die Kreativität, Probleme auf nie dagewesene Weise zu lösen. So gerüstet können wir selbstsicher auf künftige Entwicklungen reagieren, die jetzt noch unvorstellbar scheinen und sind damit in der Welt von Morgen allen anderen einen Schritt voraus. Ausgestattet mit einem Wendeumschlag: Wir entscheiden, wie unsere Zukunft aussieht!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Als sich durch Corona alles änderte, fühlte sich das für mich an, als wäre mein Leben zu Ende. Ich konnte nicht richtig verarbeiten, was da passierte. Plötzlich war da dieses Virus, von dem meine Mutter schon im Dezember angekündigt hatte, dass der auch nach Österreich kommen würde. In der nächsten Sekunde hielt ich einen Quarantänebescheid in der Hand und musste zusehen, wie meine Studienkolleg:innen plötzlich alle mit einem Virus krank wurden, den ich vor einer Woche noch nichtmal richtig ernst genommen hatte. Und dann ging alles schnell: Maskenpflicht, Lockdown, Onlineuni, grauenhafte Bilder von Massenbegräbnissen in den Fernsehnachrichten und in der Zeitung, Verschwörungstheorien online. Ich hatte Angst und war einfach überfordert. Und wie mir ging es wohl den meisten Menschen zu diesem Zeitpunkt. 

Jetzt leben wir schon seit mehreren Jahren mit diesem Virus (der immer noch real ist) und ich habe mich an ein Leben damit gewöhnt. Was mir in diesen Jahren aber klar wurde, ist, dass ich mich in meinem Leben nie wieder so hilflos fühlen möchte, wie ich es zu Beginn von Corona getan habe. Das ist auch das Ziel von Jane McGonigal: Sie möchte mit ihren Büchern und Kursen Menschen dabei helfen, sich auf das Unvorstellbare vorzubereiten. Sie vergleicht ihre Methode des episodischen Zukunftsdenkens mit Impfungen. Durch ihre Gedankenspiele soll eine Art Erinnerung an eine imaginäre zukünftige Situation abgelegt werden. Und diese Erinnerung kann dann im Ernstfall abgerufen werden, wenn es doch zum "Unvorstellbaren" kommt - und dann soll der erste Schock und die daraus entstehende psychische Belastung nicht mehr ganz so arg sein. Immerhin hat man das Szenario schonmal durchlebt, wenn auch nur in seinem Kopf. Funktioniert also wie Antikörper bei Impfungen.

Hört sich doch nach einem schönen Versprechen an, oder? Also wollte ich das auf jeden Fall mal ausprobieren. Wenn es nichts bringen sollte, dann wird es mir wohl auch nicht schaden. Also bin ich in den letzten Wochen in Zukunftsszenarien verschiedenster Art eingetaucht. Ich bin durch Supermärkte spaziert, in denen Obst und Gemüse kostenlos für alle waren, habe mich am Tag der Dankbarkeit mit tausend Euro bei einem Menschen bedankt, der das Leben von Zukunfts-Mira erleichtert und habe über die fünfprozentige Chance nachgedacht, dass mein Heimatort in drei Jahren von einem Asteroiden getroffen werden könnte. Aktuell befinde ich mich im Jahr 2033 und bereite mich dort auf einen zehnjährigen künstlich geschaffenen Winter vor, der den Klimawandel verlangsamen soll. Das ist das Abschlussprojekt, an dem ich arbeite: Ich beschäftige mich zehn Tage lang mit diesem Szenario und lasse mein Zukunfts-Ich Tagebucheinträge verfassen.

Für mich besonders spannend war, wie sich meine Vorstellungen im Laufe des Buches entwickelt haben. Zu Beginn habe ich mich bei vielen Szenarien überfordert und hilflos gefühlt. Wie damals in den ersten Wochen von Corona. Bei meinem Abschlussprojekt sieht das schon anders aus: Mein Zukunfts-Ich recherchiert online und in der Bücherei über das, was uns bevorsteht, legt Vorräte an und spaziert mit ihrer Tochter (die heute noch nicht existiert und auch in der nahen Zukunft nicht existieren wird, in zehn Jahren laut meinem Gehirn aber schon) auf einen Berg, damit sie ihr vor diesem Winter die wichtigsten Sternbilder zeigen kann. Schön ist dieses Szenario immer noch nicht, aber ich bin nicht einfach nur noch eine passive Beobachterin, sondern arbeite aktiv daran mit, diese Situation so erträglich wie möglich zu gestalten. Mein Zukunfts-Ich ist von einer reinen Schablone zu einer Persönlichkeit geworden, die mir sympathisch ist und für die ich nur das beste möchte. Zu Beginn konnte ich gar nicht so weit in die Zukunft denken. Ich weiß, dass da hoffentlich eine Mira existieren wird, aber sie war für mich so weit weg, dass sie keine wirkliche Rolle spielte. Das ist jetzt anders. Ich mag Zukunfts-Mira, wie sie in meinen Vorstellungen ist. Nicht weil sie ein perfekter Tagtraum ist, das ist sie ganz sicher nicht. Aber sie fühlt sich nach mir an, nicht nach einer Fremden. Allein wegen dieser Entwicklung hat sich die Lektüre für mich gelohnt.

Ob diese Übungen tatsächlich etwas bringen und in Zukunft dafür sorgen, dass ich mich bei "undenkbaren" Nachrichten weniger hilflos fühle, werden wir sehen. Vielleicht danke ich mir in zehn Jahren dafür, dass ich dieses Buch gelesen habe, vielleicht hab ich keine Erinnerung mehr daran. Wir werden es sehen. Was auf jeden Fall passieren wird: Ich werde in zehn Jahren eine Online-Buchpräsentation der Autorin besuchen, zu der sie im Schlusswort dieses Buchs eingeladen hat.

Mein Fazit? Durch dieses Buch konnte ich total spannende Experimente ausprobieren, an denen ich sonst nicht teilgenommen hätte. Das war für mich ein komplett neues, aber sehr interessantes Erlebnis, das ich euch unbedingt auch empfehlen möchte.

Samstag, 14. Mai 2022

What a time to be alone. A Slumflowers guide to why you're already enough [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch wurde mir im vergangenen Semester mehrfach empfohlen, online, aber auch vor Ort von Freund:innen, die das Buch selbst gelesen haben. Der Wortlaut lautete immer so oder so ähnlich: "Das ist einfach so ein Wohlfühlbuch! So als würde die eine Freundin sagen, dass du großartig bist und alles schaffen kannst!" Hört sich für mich mal gut an, also habe ich es mir zu Beginn des letzten Lockdowns besorgt. Ich meine: Als Lockdown-Lektüre passt das einfach so gut! Auch wenn das Buch schon 2018 erschienen ist und es deswegen nicht mal ansatzweise um Pandemien geht. Eigentlich geht es hier um das Single-Leben, aber während einer Pandemie, während der soziale Kontakte unerwünscht sind und sogar gefährlich werden können, müssen wir wohl alle mehr Zeit mit uns selbst verbringen als normalerweise. Und wer weiß, wie es im Herbst weitergeht. Aktuell stimmt mich die Lage optimistisch, aber wir werden sehen, wie sich das alles entwickelt. Mit etwas Glück oder Pech (das entscheide ich dann spontan) haben wir auch dieses Jahr wieder viel Zeit daheim.

Das erste, was mir an diesem Buch aufgefallen ist, ist die Machart. Das Cover ist total bunt und so geht es drinnen auch weiter: Jede Seite ist anders gestaltet. Manche Seiten sind ganz schwarz, es gibt Seiten voll Hashtags, unterschiedliche Schriftgrößen werden verwendet, manche Buchstaben sind bunt, es gibt Zeichnungen und jede Seite ist ein kleines Kunstwerk. Auf meinen Seiten steht nur ein einzelner Satz, andere haben fast schon eine "normale" Menge an Text.

Habt ihr euch je zuvor mit nigerianischen Redewendungen und Sprichwörtern beschäftigt? Ich nicht. In diesem Buch stellt die Autorin aber den ein oder anderen schönen Spruch vor, auf Nigerianisch und Englisch. Einige davon fand ich inspirierend, andere ganz nett, bei manchen hatte ich aber leider keine Ahnung, was genau mir dieser Spruch jetzt eigentlich sagen soll. Ich schätze, dass da einfach die kulturellen und sprachlichen Unterschiede eine Rolle spielen. Vielleicht finde ich ja irgendwann die Zeit, um die genaue Bedeutung nachzuschlagen.

Dieses Buch ist sicher kein Buch, das man von Anfang bis Ende einfach durchliest. Besser ist es meiner Meinung nach, immer wieder einfach mal eine Seite aufzuschlagen und auch nur diese Seite zu lesen. Inhaltlich gefielen mir die Texte sehr gut. Die meisten von uns sind wertvolle Menschen (ausschließen möchte ich hier Menschen mit gewissen politischen Einstellungen und Menschen, die unnützen Hass verbreiten) und unser Wert ist nicht von unseren Leistungen oder von den Menschen abhängig, mit denen wir uns umgeben. Dieses Buch erinnert uns an diese Tatsache.

Mein Fazit? Ein sehr schön gestaltetes Buch darüber, warum wir jetzt schon gut genug sind.

Montag, 21. März 2022

Genderleicht. Wie Sprache für alle gelingt

 Autorin: Christine Olderdissen
Erschienen am 17.1.2022
Im Duden Verlag
ISBN: 9783411756759
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Gendern ja - aber dabei nicht verkrampfen: Mit diesem Anspruch gibt Christine Olderdissen einen Einblick in die vielfältigen sprachlichen Möglichkeiten, die uns im Deutschen zur Verfügung stehen, und verschafft Orientierung auf dem Weg zu einer fairen Sprache. Wie geschlechtergerecht sind Wörter wie „Nerd“, „Hacker“ und „Profi“? Warum funktionieren Genderstern & Co. am besten im Plural? Wo hat das maskuline Genus seine Berechtigung? Alle, denen eine geschlechtergerechte Sprache am Herzen liegt, finden hier Anregendes und Lehrreiches, damit sie künftig selbst geschlechtergerecht und stilvoll schreiben."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich in meinem Alltag gendern muss. Und da gibt es immer wieder Zweifelsfälle. Wie gendert man zum Beispiel einen Nerd? Muss das gegendert werden? Oder was ist mit Wörtern wie der Bürgermeisterwahl? In der Zwischenzeit gibt es ja auch schon so einige Bürgermeisterinnen. Dieses Buch verspricht in seinem Klappentext, über Fälle wie diese aufzuklären. In meiner Vorstellung war das hier eine Art Nachschlagewerk, das ich in Zukunft immer wieder mal herausholen kann, wenn mal wieder ein Wort aufkommt, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin. Vielleicht hinten sogar mit einer alphabetischen Auflistung der schwierigsten Wörter oder mit einer knackigen Darstellung der häufigsten Fehler. Und natürlich mit Tipps, wie man auch stilistisch schön Gendern kann.

Leider dreht sich aber ein großer Teil des Buchs gar nicht um die Praxis. Der größte Teil handelt davon, warum Gendern eigentlich notwendig ist. Ein oder zwei Kapitel wären in Ordnung gewesen, aber die politischen Aspekte waren selbst in den Kapiteln, in denen es dann endlich um die Praxis ging, ein wiederkehrendes Thema. Ganz verstand ich das nicht. Ich glaube, dass die meisten Leute, die sich dieses Buch holen, mehr über die praktische Anwendung lernen wollen oder lernen müssen und nicht unbedingt über die politischen oder gesellschaftlichen Aspekte lesen möchten.

Die wenigen Tipps, die das Buch gibt, waren sogar ganz gut, gingen aber leider nicht in die Tiefe. Da sie aber in Fließtext verpackt sind, werde ich sie wahrscheinlich so schnell nicht wiederfinden können. Vieles blieb auch leider an der Oberfläche und war sehr allgemein gehalten. Das ist für Einsteiger:innen sicher hilfreich, für jemanden, der oder die sich aber schon länger mit dem Thema befasst, gab es aber leider nicht viel Neues. Das einzige wirklich Neue, das ich durch dieses Buch gelernt habe? Klare Vorgaben gibt es nicht und werden sich wohl leider erst in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten entwickeln. Also kann ich den Verlag auch gar nicht so ganz zur Verantwortung dafür ziehen, dass sie keine klaren Vorgaben machen können. Ich glaube aber trotzdem, dass es möglich gewesen wäre, in diesem Buch mehr auf die Praxis einzugehen.

Mein Fazit? War leider nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Schade.

Freitag, 8. Oktober 2021

Die hat sich doch hochgeschlafen. Sexistische Sprüche souverän kontern

 Herausgegeben von Sorority
Erschienen am 19.07,2021
Im Goldmann Verlag
ISBN: 9783442178742
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"»Frauen wollen ja gar nicht in Führungspositionen!«, »Der Pay Gap ist ein Mythos!«, »Qualität statt Quote!«, »Verstehst du keinen Spaß?« Verschlägt es Ihnen angesichts solcher Sprüche manchmal die Sprache? Schluss damit! »No More Bullshit«, fordert die Sorority und gibt allen, die auf sexistische Stammtischweisheiten und tradierte Vorurteile mit mehr antworten wollen, als mit einem Augenrollen, nun ein Buch an die Hand, das einlädt – zum Aufschlagen, Nachschlagen und Zurückschlagen. Mit 18 streitbaren, erhellenden, humorvollen und feministischen Beiträgen von Stefanie Sargnagel, Lady Bitch Ray, Cesy Leonard, Christoph May u.v.m."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich bin eine Frau, deswegen muss ich mich leider auch mit sexistischen Sprüchen herumschlagen. Beispielsweise musste ich erst letzte Woche wieder mitanhören, wie ein Vortragender bei einer Vorlesung auf die Frage, warum er in seiner Analyse keine einzige Autorin behandelt hat, mit "Also Qualität ist mir halt wichtiger als irgendeine Quote" antwortete. Womit er sich meiner Meinung nach als nicht besonders kompetent für sein Fach geoutet hat. Wenn er nur Werke von Männern für qualitativ hochwertig hält, kann er noch nicht so viele Bücher von Frauen und queeren Menschen gelesen haben, was für Literaturwissenschaftler dann doch eher ein Armutszeugnis ist.

In diesem Buch wird in jedem Kapitel ein typischer sexistischer Spruch von eine/r anderen/m Autor:in behandelt. Was steckt hinter den Sprüchen und was sollen sie mit den Zuhörer:innen machen? Und wie kann man diesen Menschen antworten und ihnen widersprechen? Hier gibt es Strategien, wie ihr auf Leute wie diesen Vortragenden, von dem ich oben berichtet habe, reagieren könnt und gleichzeitig auch Strategien, die deine Gegner:innen vielleicht verwenden. Dadurch, dass jedes Kapitel aus anderer Feder stammt, sieht jedes Kapitel etwas anders aus. Manche sind ernster geschrieben als andere, die teils mit Witzen arbeiten. Einige fand ich aus stilistischer Sicht etwas besser als andere, allerdings ist die Qualität der einzelnen Kapitel immer recht ähnlich.

Ich bin ein großer Fan der Aufmachung des Buchs. Es wird viel mit Pink und schwarz gearbeitet. Normalerweise bin ich kein Fan der Farbe Pink, aber hier wirkt das frech und rebellisch. Auch die Infoboxen im Buch fand ich toll. Die informieren zum Beispiel über den Gender-Pay-Gap oder darüber, ob die tierischen Rabenmütter wirklich so schlechte Mütter sind.

Mein Fazit? Dieses Buch ist eine interessante und informative Lektüre für zwischendurch. Es liest sich leicht und ist über weite Teile sogar unterhaltsam. Und man bekommt durch dieses Buch auf jeden Fall einen ordentlichen Werkzeugkasten, um gegen sexistische Sprüche vorzugehen und viele der Strategien lassen sich sicher auch gegen zum Beispiel queerfeindliche oder rassistische Kommentare anwenden.

Sonntag, 12. September 2021

Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Das hier war meine Urlaubslektüre an meinen letzten Tagen in Italien und am Wörthersee. Ich habe von Matt Haig bereits "Die Mitternachtsbibliothek" und "Mach mal halblang! Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten" gelesen. Beides hat mir super gefallen.

In "Ziemlich gute Gründe am Leben zu bleiben" geht es, wie in den meisten von Haigs Büchern, um seine Depressionen und seine Angststörung. Hier liegt der Fokus auf der Krankheit an sich. Wie hat Haig gemerkt, dass etwas nicht stimmt? Wie wurde die Krankheit (nicht) behandelt? Wie gingen er und seine Angehörigen damit um? Und wie hat er es geschafft, dass es ihm heute wieder besser geht? All diesen Fragen und mehr widmet er sich in diesem Buch. Unterbrochen wird der Text immer wieder von genau dem, was der Titel verspricht: Gründen, am Leben zu bleiben, selbst wenn du gerade kein Licht sehen kannst. Und Tipps, wie man selbst damit umgehen kann, wenn man an Depressionen oder Angststörungen leidet. Gerade für meine Altersgruppe im Moment also eine wichtige Lektüre: Immerhin leiden unglaublich viele Studierende an psychischen Krankheiten. Angststörungen, Depressionen, Zwänge,... Das war auch schon vor Corona ein großes Problem, jetzt wird es aber zumindest für mich immer sichtbarer.

Ich war überrascht, dass ein Buch wie dieses tatsächlich lebensbejahend sein kann. Natürlich, das Grundthema war ernst und einige der Kapitel haben es in sich. Man merkt, dass Depression eine hässliche Krankheit ist, die leider von vielen immer noch nicht so richtig ernst genommen wird. Aber gleichzeitig gibt uns Matt Haig unglaublich viele schöne Gedanken mit auf den Weg und hat mich zum Lachen gebracht. Besonders interessant für mich waren die handfesten Fakten, die Matt Haig seinen Leser:innen präsentiert. Statistiken und Zahlen mag ich einfach.

Mein Fazit? Wenn ihr euch mit diesem sehr ernsten Thema auseinandersetzen wollt oder müsst, dann ist Matt Haig ein guter Einstieg. Sein Buch glänzt vor allem dadurch, dass er seine eigenen Erfahrungen teilt und gleichzeitig erstaunlich lebensbejahend schreibt.

Mittwoch, 8. September 2021

Sie sind überall. Gegen Faschismus in deinem Feed

 Autorin: Lisa Duhm
Erschienen am 27.07.2021
Bei Gabriel im Thienemann-Esslinger Verlag
ISBN: 9783522305938
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie rechts ist dein Feed bei Instagram, TikTok und Co? Nazis, die gehören in den Geschichtsunterricht. So denken vermutlich viele. Vielleicht gibt es noch eine vage Vorstellung von Glatze, Springerstiefeln und Hakenkreuz-Tattoo. Doch die rechte Szene begegnet uns inzwischen als Influencer in den sozialen Medien, im Sportverein, in der Schule und in den Nachrichten. Täglich sind wir konfrontiert von Fake News, Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien. Da kann es manchmal schwer sein, den Überblick zu behalten: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus? Und wie gefährlich sind Gruppierungen wie die „Identitäre Bewegung“ oder die „Neue Rechte“? Lisa Duhm gibt in diesem Buch klare Antworten. Und sie zeigt, was das Ganze mit jedem einzelnen von uns ganz persönlich zu tun hat: Wie manipulierbar sind wir? Und wie können wir uns gegen „Rechts“ engagieren?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Seid ihr online schon mal Nazis begegnet? Ich leider schon viel zu oft. Wenn man sich regelmäßig im Internet herumtreibt seit man zwölf war, lernt man, wie man mit Menschen wie diesen am einfachsten umgeht: Melden und Blockieren. Doch ich weiß, dass einige meiner Leser:innen noch jünger sind - und gerade für die könnte dieses Buch nützlich sein. 

Die Autorin bietet hier einen Überblick über die rechte Szene. Man lernt, was denn jetzt eigentlich rechts ist, liest über den Unterschied zwischen Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus,... Es gibt Informationen zu nationalsozialistischen Symbolen und anhand einer fiktiven Influencerin beschreibt die Autorin, wie ein rechter Account denn so aussehen könnte. Außerdem findet ihr hier Strategien, was ihr denn selbst tun könnt, wenn ihr zum Beispiel Fake News oder rechtsextreme Parolen in eurem Feed findet.

Die Zielgruppe für dieses Buch ist eindeutig jünger als ich. Ich denke, dass das Buch für Leser:innen ab 12 Jahren geeignet wäre? Ab dem Alter auf jeden Fall, in dem Kinder beginnen, das Internet für sich zu entdecken. Gerade in diesem Alter ist man ja meistens noch eher leicht manipulierbar. Das Buch liest sich leicht und ist auf eine Art aufbereitet, die mir mit zwölf Jahren wahrscheinlich gut gefallen hätte: Ein locker gestalteter Text, immer wieder unterbrochen von Infokästchen und dem Bericht über die fiktive Influencerin. Das sagt sicher vielen jungen Menschen zu.

Mir als bisschen älterer Mensch kratzte der Text aber ein bisschen zu sehr an der Oberfläche. Für mich gab es kaum neue Information, die ich nicht schon aus anderen Quellen kannte. Das wird niemanden überraschen und überrascht auch mich nicht. Immerhin wird dieses Buch als Kinder- bzw. Jugendbuch vermarktet und ich bin weder ein Kind noch eine Jugendliche. Ich dachte mir aber, dass ich diese Information noch für alle Leser:innen in meine Rezension einbauen, die so wie ich schon ein bisschen älter als die Zielgruppe sind und dieses Buch vielleicht trotzdem interessant finden, da sie Wert darauf legen, ihren Feed sauber zu halten.

Mein Fazit? Ein gutes Sachbuch für junge Leser:innen. Ich persönlich, die sich außerhalb der Zielgruppe befindet, fand den Text aber etwas zu allgemein geschrieben und hätte mit Details gewünscht. Ich verstehe aber, dass das bei einem Einstiegstext wahrscheinlich nicht zielführend ist.

Mittwoch, 4. November 2020

Youth to Power. Eine Anleitung zum Handeln

Autorin: Jamie Margolin
Erschienen am 14.9.2020
Im btb Verlag
ISBN: 9783442770830
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zur Autorin:
"Jamie Margolin ist eine der einflussreichsten jungen Aktivistinnen der Welt. Im Alter von 14 Jahren begann sie damit, sich für den Klimaschutz einzusetzen – mit überwältigendem Erfolg in den sozialen Medien. Tausende Jugendliche in und um Washington D.C. taten es ihr gleich. Im Jahr 2017 gründete sie mit einer Handvoll Mitstreiter die globale Klimaschutzbewegung ›Zero Hour‹. Sie wurde 2019 von der BBC zu den »100 Women Changing the World« gezählt und erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Preise und Ehrungen. Jamie Margolin lebt in Seattle."
Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"»Wir brauchen Werkzeuge, mit denen wir die Welt verändern können. In diesem Buch könnt ihr sie finden.« – Greta Thunberg

Dieses Buch ist eine Anleitung zum Handeln im doppelten Sinne: Die Klima-Aktivistin Jamie Margolin macht uns nicht nur klar, dass es sich lohnt, für eine bessere Welt zu kämpfen. Sie zeigt auch Schritt für Schritt, was es braucht, um erfolgreich für eine Sache einzustehen, interviewt zahlreiche prominente AktivistInnen und erklärt unkompliziert und mit spürbarer Begeisterung, wie man erfolgreiche Veranstaltungen und friedliche Proteste organisiert, richtig mit den sozialen Medien umgeht, als AktivistIn und StudentIn etc. seine Zeit richtig einteilt und langfristige Aktionen richtig angeht, ohne sich und seine Mitstreiter dabei zu überfordern. Ein absolutes Muss für alle, die für eine bessere Welt kämpfen wollen. Im Kleinen, wie im Großen."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Proteste scheinen im Moment sehr stark von Jugendlichen und jungen Erwachsenen auszugehen. Und das finde ich sehr spannend. Deswegen stelle ich euch heute ein Buch vor, das Jugendlichen dabei helfen will, Teil sozialer Bewegungen zu werden.

Die Autorin ist auch selbst Aktivistin und hat ihren Aktivismus auch mehrere Jahre lang neben der Schule betrieben. Von dem her glaube ich auch, dass sie da vielleicht bessere Tipps geben kann als ein/e erwachsene/r AutorIn, wenn er oder sie einen Artikel für Jugendliche schreibt. Die Autorin erklärt, was man beachten muss, wenn man eine Organisation gründet, wie man Proteste organisiert, wie man sich seine Zeit eingeht und Konflikte vermeidet, wie man sich mit politischen Vertretern in Verbindung setzt... Das volle Programm also! Alles, was ein/e jung/e AktivistIn wissen muss, wird hier in einfachen Worten erklärt. 

Das Buch liest sich sehr gut und durch die persönlichen Erfahrungen der Autorin ist dieser Ratgeber stellenweise so spannend wie ein Krimi. Aufgepeppt wird das Buch durch Interviews mit anderen AktivistInnen: KlimaschützerInnen, AktivistInnen für die LGBTQ+-Community, für die Rechte von ImmigrantInnen in den USA und so weiter und so weiter. Nur eines haben die Interviewten gemeinsam: Sie sind alle noch sehr jung und können deshalb ein Liedchen davon singen, wie schwierig es ist, neben der Schule oder der Ausbildung auch noch Aktivismus zu betreiben.

Nur eines hat mich an diesem Buch wirklich gestört: Die Autorin scheint junge Leute als moralisch überlegen anzusehen. Stellenweise schreibt sie das sogar explizit so. Das kann ich leider einfach nicht unterschreiben. Klar ist das hier wahrscheinlich als rhetorisches Mittel gedacht, das Jugendliche einfach motivieren soll, aktiv zu werden, aber die Aussage hat bei mir einfach jedes Mal eine Abwehrhaltung ausgelöst. Junge Leute können sich genauso daneben benehmen, wie jeder andere auch. Wir können genauso Fehler machen, gemein sein, moralisch falsch handeln. Wir sind nicht besser oder schlechter als andere Menschen, nur weil wir jung sind.

Mein Fazit? Generell eine sehr gute und hilfreiche Anleitung, wie man als junger Mensch Schule und Aktivismus unter einen Hut bringen kann. Nur der Aussage, dass Jugendliche Erwachsenen moralisch überlegen sein sollen, kann ich einfach nicht zustimmen.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Die Klimaschmutzlobby

Autorinnen: Susanne Götze und Annika Joeres
Erschienen am 2.6.2020
Im: Piper Verlag
ISBN: 9783492070270
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zu den Autorinnen:
"Annika Joeres arbeitet in Frankreich für die Investigativ-Redaktion correctiv.org und verschiedene deutsche Medien wie der Zeit. Sie ist spezialisiert auf grenzüberschreitende Recherchen zu Europa, Frankreich und Klimawandel und wurde für ihre Recherchen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

 Susanne Götze ist promovierte Historikerin und passionierte Journalistin. Sie arbeitet als Radiojournalistin für den Deutschlandfunk und schreibt u.a. für SPIEGEL, SZ, die Frankfurter Rundschau, Zeitonline, National Geographic und Cicero über Klimakrise, Klimadiplomatie, Energiewende und was das alles für unser Zusammenleben bedeutet. Seit fünfzehn Jahren recherchiert sie in Afrika, den USA, Südamerika und Europa die gesellschaftlichen Veränderungen einer Welt, die an ihre ökologischen Grenzen geraten ist. Ihr vielfach rezensiertes Buch „Land unter im Paradies“ wurde im März 2019 mit dem ITB-Award ausgezeichnet."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Spätestens seit »Fridays for Future« ist das Thema »Klimawandel« als eines der dringlichsten Probleme unserer Zeit erkannt worden. Doch trotz eindeutiger Verpflichtungen zu den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens sind wir weit davon entfernt, diese auch zu erreichen – warum?

Ihre Argumente sind krude, ihre Finanzen undurchsichtig, aber ihr Einfluss reicht bis in Regierungen. Klimawandelskeptiker und Lobbyisten der Fossilindustrie sind nicht nur in den USA aktiv, sondern auch in Europa. Ihr Ziel: Klimaschutzgesetze torpedieren, die Verbrennung fossiler Rohstoffe fördern und die Staaten dazu bewegen, aus dem Pariser Weltklimaabkommen auszusteigen. Dieses Buch zeigt, mit welchen Strategien, Netzwerken und Argumenten die Klimaschutz-Bremser gegen die europäische Klimaschutzpolitik kämpfen. Die Autorinnen erklären, warum Deutschland seine Klimaziele wirklich verfehlt und welche Interessengruppen unsere Zukunft verbauen. Ein erschütternder Bericht darüber, dass gutgemeinte Selbstverpflichtungen gar nichts bringen und ein Weckruf: Wir brauchen eine starke Klimapolitik!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Heute hab ich wieder mal ein Sachbuch für euch! Und zwar geht es um Klimaschutz, beziehungsweise das Gegenteil davon: Klimaschmutz. Genauer: Die Lobby, die dafür sorgt, dass sich in der Politik nichts tut. Und das, obwohl der Klimawandel schon bekannt war, bevor ich geboren wurde. Ja, richtig gehört. Seit über zwanzig Jahren weiß man jetzt schon, dass wir Menschen das Klima verändern und erst jetzt kommt Bewegung in die Sache rein. Ziemlich traurig. Aber egal, darum geht es jetzt nicht. Wir sind hier ja auf einem Buchblog und wollen uns hier mit diesem Buch beschäftigen, nicht mit Politik. Obwohl Literatur ja oft eng mit Politik verknüpft ist, aber das ist ein Thema für einen anderen Blogpost.

Dieses Buch macht wütend, zumindest mich. Die Autorinnen zeigen hier klar auf, wie eine klimafreundliche Politik gebremst und verhindert wird. Und warum? Nun, dreimal dürft ihr raten. Wegen Geld natürlich. Und genau das ärgert mich so. Laut den Autorinnen gibt es da sogar eine große Lobby, die jeden Fortschritt bremst, indem sie zum Beispiel die Klimaziele an die eigenen Bedürfnisse anpasst. Oder Konferenzen extra für Leugner des Klimawandels, die dort ihre "Forschungsergebnisse" präsentieren können. Hört sich weit hergeholt an? Dachte ich zuerst auch, aber die Autorinnen haben sauber gearbeitet und alle Quellen brav im Anhang aufgelistet. Schön wäre es auch noch gewesen, wenn die Autorinnen vielleicht noch eine Art Literaturliste eingebaut hätten, mit Leseempfehlungen für alle, die gern noch mehr Informationen hätten.

Die Autorinnen haben sich ein sehr spannendes Thema gesucht, die Umsetzung war meiner Meinung nach aber leider oft ziemlich trocken. Da war es dann leider nicht ganz einfacher, bei der Sache zu bleiben, zumindest für mich nicht. Vielleicht hätte man daran noch ein bisschen feilen können? Außerdem hätte ich es gut gefunden, wenn die Autorinnen noch ein paar mehr Aspekte des Klimawandels behandelt hätten. Der Fokus lag hier sehr auf den Leugnern und auf fossiler Energie. Spannend hätte ich beispielsweise auch das Thema Artenschutz gefunden. Aber vielleicht schreiben die Autorinnen irgendwann ja noch einen weiteren Teil.

Mein Fazit? Ein interessantes Buch, das wütend macht. Leider war mir die Umsetzung stellenweise aber fast zu trocken.

Montag, 25. Mai 2020

Die Dinge gechillt geregelt kriegen. Hausaufgaben, Handy und Hobby besser organisieren

Autoren: David Allen, Mark Wallace, Mike Williams
Erschienen am 6.4.2020
Im Piper Verlag
ISBN: 9783492062213
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag
Zum Autoren:
"David Allen, geboren 1945 in Jonesboro, Louisiana, arbeitet seit über 20 Jahren als erfolgreicher Management-Berater und Trainer. Er gilt als einer der einflussreichsten Denker zum Thema Produktivität und ist unter anderem als Berater für Microsoft, die US-Navy und die Weltbank tätig. Allen lebt mit seiner Frau in Ojai, Kalifornien."
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"Morgen Mathetest, heute Hausaufgaben, Klavierunterricht und Karate-Training: Jugendliche geraten mehr und mehr in einen gefährlichen Strudel aus Alltagsstress, Prüfungsdruck und Zukunftsängsten. Neben den überforderten Teenagern stehen mindestens genauso ratlose Eltern, die sich fragen: Wie können wir unserem Nachwuchs helfen? In seinem neuen Buch liefert David Allen endlich Organisationsstrategien für die nächste Generation. Der Selbstmanagement-Profi sagt nervösen Eltern, wann es besser ist, einfach mal die Klappe zu halten, und erklärt jungen Leuten, wie sie ihren komplizierten Alltag meistern und dabei einen kühlen Kopf bewahren. Ein Buch für alle, die noch lernen müssen!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich bin ein großer Fan von Büchern, die mir neue Strategien vorstellen, wie ich möglichst produktiv und organisiert arbeiten und studieren kann. Ob ich die Strategien dann auch umsetze, ist eine andere Frage, aber ist ja egal. Ich finde, solche Bücher sind doch schon ein erster kleiner Schritt in Richtung eines ordentlicheren Lebens.

Diese Strategie ist eigentlich ziemlich einfach und erinnert vom Grundprinzip sehr an meine To-Do-Listen, die ich sowieso schon immer mache, weil ich sonst halt einfach alles vergessen würde, was noch zu tun ist. Der Autor erklärt das aber um einiges eleganter: Er spricht von "offenen Enden" (das sind die unerfüllten Aufgaben) und davon, dass sich unser Gehirn nur fünf davon merken kann. Und diese offenen Enden halten uns dann in der Nacht wach, weil das Hirn Angst hat, etwas zu vergessen. Und so entsteht dann Stress. Hört sich irgendwie nachvollziehbar an. Auch, dass der Stress geringer wird, wenn man alles aufschreibt, was man sich merken sollte und das dann diszipliniert abarbeitet. Aber wirklich neu ist diese Strategie nicht. Im Gegenteil: Das einzige, was ich an der Strategie noch nicht kannte, ist die 2-Minuten-Regel. Die besagt, dass man alles, das man innerhalb von zwei Minuten erledigen kann, sofort getan werden soll. Finde ich einen guten Ansatz - zwei Minuten sind ja wirklich nicht viel Zeit und trotzdem kann man dadurch viel weiterbringen. Blöd nur, wenn sich diese 2-Minuten-Aufgaben summieren und man dann stundenlang wirklich wichtige Aufgaben vor sich her schiebt. Wie gesagt: Gute Idee, es darf aber dann nicht mehr als eine oder zwei solcher Aufgaben gleichzeitig anfallen.

Was micht wirklich geärgert hat, war wie schlecht dieses Buch auf meinem Reader funktioniert hat. Das Buch ist leider völlig mit Bildern überladen, die sich weder an den Reader noch an das Programm am Computer anpassen. Diese Bilder haben meinen Reader mehrere Male zum Absturz gebracht und mich dazu gezwungen, die letzten siebzig Seiten nur noch schnell am Computer durchzublättern. Besondern genau arbeiten kann ich da nicht, das ist klar. Solltet ihr also überlegen, dieses Buch als eBook zu kaufen: Tut es nicht. Ihr werdet euch nur ärgern. Vor allem, weil viele dieser Bilder nicht wirklich notwendig waren. Wie eine To-Do-Liste aussehen sollte, kann man doch wirklich auch ohne Bilder zeigen!

Mein Fazit? Diese Ordnungsstrategie lässt sich leicht erlernen und umsetzen, ist aber nicht wirklich neu. Das Buch an sich ist für viele sicher hilfreich, die eBook-Version ist aber eine absolute Katastrophe.

Montag, 18. Mai 2020

Ich mach da nicht mehr mit. Wie du dich endlich abgrenzt und auch mal die anderen leiden lässt.

Autor: Attila Albert
Erschienen am 1. 4. 2020
Im Gräfer und Unze Verlag
ISBN: 9783833871146
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag
Zum Autoren:
"Attila Albert, geb. 1972, ist Kommunikationsexperte, Coach und Autor. Er ist in Ungarn und Deutschland aufgewachsen. Mit 17 begann er, als Reporter zu arbeiten und schrieb im Laufe seiner Karriere für Zeitungen und Magazine im In- und Ausland. Als Coach begleitet er Menschen, die sich verändern und besser kommunizieren wollen. Er lebt seit 2013 in Zürich."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wir alle stecken in Beziehungen, die wir nicht einfach beenden können, obwohl sie uns manchmal zu Tode nerven – stressige Eltern, egoistische Kollegen, unzuverlässige Partner, rücksichtslose Kinder. Und wir schweigen, leiden, streiten, anstatt etwas zu verändern. Die Krux: Wir haben nicht damit gerechnet, dass unsere guten Seiten – Offenheit, Hilfsbereitschaft, Großzügigkeit – ausgerechnet von denen gegen uns verwendet werden, denen wir sie geschenkt haben. Wenn wir da nicht anfangen gesunde Grenzen zu setzen, werden wir ausgeplündert wie ein Sonderverkaufstisch am Black Friday. Attila Albert beschreibt die schlimmsten Fälle von Nicht-Abgrenzung aus seiner Coachingpraxis. Und er zeigt höchst vergnüglich, aber nicht weniger wirksam, wie wir endlich auch mal die anderen leiden lassen. Je klarer uns dabei ist, was wir nicht mehr akzeptieren wollen, desto entschiedener können wir auftreten. „Weil ich es mir wert bin!” sagte schon der große französische Philosoph L’Oreal!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch behandelt ein schwieriges Thema, mit dem wir wohl alle hin und wieder Probleme haben. Einfach mal "Nein!" sagen. Egal ob es sich dabei um die Kollegin handelt, die schon wieder ihre Arbeit an dich abgibt, um den Chef, der dich einfach nicht ernstnimmt, die Mutter, die schon wieder Babyfotos gepostet hat oder der Bruder, der sich ständig Geld leiht und es nie zurückzahlt. Alles schwierige Situationen. Für mich gerade die, die die Familie oder die Arbeit betreffen. Wahrscheinlich liegt es in der Natur des Menschen, dass wir gemocht werden wollen. Und manche Menschen beherrschen die Kunst perfekt, das auszunutzen. Wie man mit solchen Leuten umgeht, lernt man in diesem Buch. Und das auf nur knapp über hundert Seiten.

Die einzelnen Kapitel sind immer gleich aufgebaut. Zuerst wird ein Fallbeispiel ganz kurz beschrieben. Dann geht der Autor auf das gleiche Fallbeispiel nochmal ausführlicher ein und stellt dabei gleichzeitig Strategien vor, mit denen man auf solche Situationen reagieren könnte. Wie kann man also beispielsweise diesem einen Bekannten, der immer Links über Facebook mit jedem teilt, klar machen, dass dich das gar nicht interessiert? Oder den endlich erwachsenen Kindern, dass sie doch jetzt bitte endlich ausziehen mögen?

Ich hab es mir immer zur Aufgabe gemacht, jede einzelne Situation genau durchzudenken, bevor ich die Vorschläge des Autoren lese. Wie würde ich reagieren? Nun, meistens wäre ich wohl genau wie die Betroffenen in den Fallbeispielen total überfordert mit der Situation und hätte keine Ahnung, wie ich da jetzt reagieren soll. Erst nachdem ich ordentlich darüber nachgedacht habe, hab ich weitergelesen. Und ich war wirklich überrascht von den Lösungsvorschlägen. Sie sind alle eigentlich ziemlich simpel. Klar braucht es trotzdem Mut, diese Ideen umzusetzen, aber es ist schon mal sehr hilfreich, die Strategien im Kopf zu haben. Wärt ihr zum Beispiel je auf die Idee gekommen, dass man ständig jammernde Familienmitglieder, dadurch zum Handeln bewegt, indem man ihnen einfach bei allem zustimmt ("Ja, das ist wirklich schrecklich!"), aber keine Verbesserungsvorschläge macht, sondern stattdessen vorgibt, selber nicht zu wissen, was da jetzt zu tun ist? Nun, gerade den ersten Teil dieser Strategie stelle ich mir sehr hilfreich vor, denn wer will schon Jammern, wenn das die einzige Reaktion des Gegenübers ist?

Eine weitere Überraschung des Buches ist der Humor des Autors. Ich musste an vielen Stellen laut lachen, auch wenn das Buch ja eigentlich von einem ernsten Thema handelt. Doch der Autor hatte ja (laut dem Vorwort) genau das zum Ziel: Auf eine unterhaltsame Art Strategien gegen nervige Menschen vorgehen.

Das einzige, das mich gestört hat, war die häufige Nennung von Marken. Das wäre für den Inhalt nicht notwendig gewesen und wirkte stellenweise fast wie Product Placement. Ob es das wirklich ist, kann ich nicht beurteilen, aber das hat meinen Lesefluss doch immer wieder unterbrochen.

Mein Fazit? Ein unterhaltsamer Ratgeber mit kleineren Schwächen.