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Sonntag, 15. Dezember 2024

Siebenmeilenherz

Autorin: Katharina Winkler
Erschienen am 7.3.2024
Im Matthes & Seitz Verlag Berlin
ISBN: 9773751809610
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Katharina Winkler stellt sich in diesem unter die Haut gehenden Roman mit den Mitteln der Literatur gegen die Gewalt und schildert das zu einer Erzählung verdichtete Erlebnis eines Missbrauchs und das lange beschädigte Leben danach. So wie das Mädchen, aus dessen Innenperspektive Katharina Winkler erzählt, ihrem Vater ausgeliefert ist, liefert die Autorin uns der Geschichte aus, die von der Kinderstube aus auf alle weiteren Aspekte eines Lebens übergreift – denn weder eine neue Stadt, neue Freunde noch eine Liebesbeziehung bringen Linderung für ein traumatisches Geschehen, das sich dem Körper, Denken und der Wahrnehmung eingeschrieben hat und oft aus Scham verborgen bleibt. Siebenmeilenherz erzählt von einer Tat, die tagtäglich tausendfach in den Familien unserer Gesellschaft begangen wird, und rüttelt damit am Tabu, darüber zu sprechen.Wie schon in ihrem Debütroman Blauschmuck geht es Katharina Winkler auch in Siebenmeilenherz darum, das Schweigen zu brechen, mit dem Gewalterfahrungen von Frauen in Familien und in der Liebe belegt sind. Aus tiefer Überzeugung, dass Literatur Empathie ermöglichen und Veränderungen auslösen kann, findet die preisgekrönte Autorin eine beeindruckende Sprache, einen adäquaten ästhetischen Ausdruck für das, worüber keiner spricht."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Wow, einfach nur wow. Dieses Buch hat mich schockiert wie schon lange keines mehr! Ganz wichtig: Dieses Buch erzählt vom Missbrauch eines kleinen Mädchens. Daher ist es so ziemlich unmöglich, dieses Thema in meiner Rezension auszusparen. Solltet ihr euch also nicht mit diesem Thema beschäftigen können, solltet ihr die Rezension jetzt wegklicken.

Wie ihr nach dem Klappentext und diesem ersten Absatz schon erahnen könnt: Hier erzählt ein kleines Mädchen von der Liebe zu ihrem Vater und seiner zu ihr. Er liebt sie sogar so sehr, dass das Herz ihrer Mutter einfach stehen bleiben würde, wenn sie wüsste, wie sehr er sie liebt - zumindest erzählt er ihr das. Und das Mädchen glaubt das, denn du zu Beginn der Handlung ist sie sicher nicht älter als sechs Jahre, wahrscheinlich sogar jünger. In Lyrikform erzählt sie vom Missbrauch durch ihren Vater. 
Die verwendete Sprache ist vor allem zu Beginn sehr kindlich, was das Beschriebene noch schockierender macht. Es ist zur Rede von der "Mäusehöhle" des Mädchens, vom "Horn" und vom "Wundersaft" des Vaters. Der Missbrauch wird auf der Seite geschildert und dadurch ist der Text sehr nahe an der Schmerzensgrenze. Wie gesagt: Wer davon getriggert werden könnte, sollte sich vom Text fernhalten. Der Rest muss dieses Buch lesen, auch wenn es unangenehm ist und schmerzt. Setzt euch diesem Schmerz aus, denn das ist so ein unglaublich wichtiges Thema!

Wir verfolgen hier das Mädchen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben und auch die langfristigen Probleme durch den Missbrauch werden sichtbar. Das Mädchen, das namenlos bleibt, bekommt schlechte Noten, leidet unter Gedächtnislücken, hat Ängste und Probleme, anderen zu vertrauen. 

Mein Fazit? Das hier ist eines der stärksten Bücher, die ich 2024 lesen durfte. Am liebsten würde ich euch alle dazu zwingen, dieses Buch zu lesen.

Montag, 25. November 2024

Fischgrätentage

Autorin: Elke Laznia
Erschienen am 2.9.2024
Im Müry Salzmann Verlag
ISBN: 9773990142561
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Fischgrätentage" führt uns in eine Zwischenwelt, deren Ausgang offen ist. Freilich ist es am Ende die Sphäre des Todes, vorerst aber des zunehmenden Körperverlusts, der Gebrechen und Traumgespinste, zugleich auch der Nähe und des Vertrauens. Erlebtes taucht wieder und wieder auf, verwandelt sich, Raum und Zeit machen sich selbstständig, öffnen neue Bewusstseinsräume. In eindrücklichen Sprachbildern sind alltägliche Momente aufbewahrt, die „Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“ (Peter Handke) in den Rhythmus des Atems gebannt; irritiert und beglückt nimmt man wahr: Heute kann alles sein, alles ist heute, wir­ können alles sein, zu allem werden, wir sind unsere Orte, unser Land und unsere Vorfahren, unsere Lieben. Elke Laznia fokussiert in "Fischgrätentage" das, was die Zeit mit unseren Körpern macht, mit unserem Geist, was Bindungen sind, was von ihnen bleibt. Und immer geht es um den Verlust. Der Verlust als die Quelle, an die jede/r angeschlossen ist. Der Verlust, der teilbar und mitteilbar ist. Es ist ein poetisches Schreiben entlang der letzten Dinge, wider das Nützlichkeitsdenken und die marktgängige Optimierung unseres Bewusstseins. Damit der menschliche Geist nicht restlos von der Maschine ersetzt wird, darf er nicht selbst maschinenhaft werden. Lyrik ist dabei ein wirksames Antidot.

Meine Meinung:
Auch dieses Buch war beim Österreichischen Buchpreis nominiert und hat es sogar bis auf die Shortlist geschafft. Nachdem auch mich die Leseprobe dazu überzeugen konnte, habe ich beschlossen, mir selbst ein Bild zu machen. Überrascht nach den letzten paar Rezensionen wirklich niemanden mehr, nicht wahr?

Dieses Buch erzählt in Form von Gedichten in unterschiedlicher Länge eine schwierige Geschichte: Es geht um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, um das Altern der Mutter, das Erkranken der Mutter. Es geht ums Abschiednehmen, um den Tod, die Trauer und den Versuch, die Mutter loszulassen. Wenn ihr euch mit einem oder mehreren dieser Themen nicht wohl fühlt: Lasst bitte die Finger davon. Denn trotz der nicht gerade einfachen Sprache und Form konnte das Gesamtwerk zumindest mich berühren.

Auch für Lyrik-Neulinge ist dieses Buch nicht geeignet. Diese Einschätzung treffe ich vor allem aufgrund der fehlenden Satzzeichen. Gleichzeitig werden durch Zeilenumbrüche und die Unterteilung in Strophen gerne auch mal Bedeutungseinheiten auseinander gerissen. Das machte die Lektüre um einiges schwieriger, bremste den Lesefluss und erschwerte das Verständnis. Das Buch ist deswegen aber nicht schlecht oder so. Aber es wird nicht jede Person ansprechen und wer sich hier nette Gedichte erwartet, ist an der falschen Adresse.
Für mich (die normalerweise unbedingt ihre Satzzeichen haben will und schnell von auseinandergerissenen Bedeutungseinheiten genervt ist) war das hier sogar passend. Denn genau so fühlt sich für mich Trauer an. Die Satzzeichen fehlen, alle Bedeutungseinheiten passen plötzlich nicht mehr so recht. In Phasen der Trauer muss ich plötzlich den Dingen in meinem Leben eine neue Bedeutung geben. Klar, vieles trifft noch weiter zu - ich bin weiter Mira, ich liebe die Verstorbenen weiter, auch wenn sie nicht mehr bei mir sind - doch gleichzeitig ist alles anders und aufgeteilt auf Vorher und Nachher. Und joa, genau diesen Prozess, dieses schmerzhafte Erlebnis symbolisiert diese Geschichte für mich.

Mein Fazit? Ein spannender, schmerzhafter und anspruchsvoller Lyrikband zum Thema Trauer und Abschiednehmen.

Samstag, 21. Januar 2023

himmelhochjauchzend gedankenvertieft

 Autorin: Sarah Marie
Erschienen am 22.02.2022
Im Lago Verlag
ISBN: 9783957612137
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Ich bin
himmelhochjauchzend
gedankenvertieft
Ich bin
ein Weltbeweiner
ins Leben verliebt
Ich bin
ein Herz-über-Kopf-Mensch
doch mein Kopf, der schweigt nie
Ich bin immer nur ich
Doch manchmal
– immer, eigentlich –
bin ich ’ne Wissenschaft
für mich

Sarah Marie beschreibt in ihren Gedichten all das, was junge Herzen bewegt: von Existenzfragen über Liebeskummer, die Freude an Neuanfängen und die Tiefen des Weltschmerzes. Wer Sarahs Worte liest, findet sich in ihnen wieder und schöpft Hoffnung auf ein besseres Morgen.
Ein bewegendes Buch für eine Generation, die mehr will."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ach, Lyrik. Das Genre, das ich eigentlich sehr gerne mag, an das ich aber doch immer recht vorsichtig herangehe, weil mich viele Neuerscheinungen einfach nicht begeistern können. Ein Trend, der mich aktuell am meisten stört, ist, dass viele aktuelle "Dichter:innen" (vor allem auf Instagram und co.) einfach irgendwelche uralten, pseudotiefen Sprüche nehmen und anders formatieren und das als "Kunst" und als ihr eigenes, kreatives Werk ausgeben. Auch bei diesem Werk hatte ich Angst, dass die Gedichte so aussehen könnten und hab dieses Buch deswegen auch länger links liegen gelassen. Dann hat es aber den Lovelybooks Community Award gewonnen und dadurch ist dieses Buch auf meine Wunschliste gewandert. Und Lovelybooks hat reagiert und mir dieses Buch als Dankeschön für meine Buchempfehlungen auf den Genreseiten geschickt. Also hatte ich es daheim und dann kann man auch einfach mal reinblättern. Und wow, ich war so froh, dass ich diesen Gedichtband bekommen habe.

Sarah Marie schreibt hier über Gott und die Welt. Sie schreibt über Liebe, über gebrochene Herzen, über Ängste und Hoffnungen, über die Suche nach Identität, Enttäuschungen und Erfolgserlebnisse. Kurz: Über alles, was Menschen in meinem Alter so beschäftigt. Und viele der Themen waren auch für mich interessant und dadurch waren einige der Texte für mich sehr berührend. Natürlich konnte ich nicht mit allen gleich viel anfangen, aber gerade weiter hinten im Buch gab es Gedichte, die mich begeistern konnten. Vor allem, weil ich bei diesen wirklich das Gefühl bekam, dass die Autorin ihr Handwerk beherrscht. Die Arbeit mit den Worten wirkte bei ihr dann wie eine Art Spiel, bei dem ich fasziniert zusehen konnte. Manches habe ich mir sogar angestrichen, damit ich es später wiederfinden kann.

Auch sonst ist das Buch schön gestaltet. Das Papier fühlt sich hochwertig an und neben den Gedichten findet ihr hier auch einige Zeichnungen, die ich persönlich passend und schön fand.

Mein einziger Kritikpunkt, den ich hier anbringen möchte, ist eine formelle Entscheidung, die die Autorin hier getroffen hat. Am Ende jeder Zeile gibt es hier in den meisten Fällen keine Satzzeichen. Dadurch fehlen zum Beispiel viele Beistriche. Ich weiß, dass das einfach ein Stilmittel ist, der in der Dichtung auch nicht unüblich ist und, dass ich diese Entscheidung akzeptieren muss. Aber ich verstehe diese Entscheidung trotzdem nicht. Mich haben die fehlenden Satzzeichen irritiert, was aber vielleicht auch einfach eine Art Berufskrankheit bei mir ist.

Mein Fazit? Ein schöner Gedichtband, den ich euch gerne weiterempfehle.

Sonntag, 4. Dezember 2022

The Mermaid of Black Conch [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

 Dieses Buch habe ich für die Uni gelesen und dann zusammen mit meiner Seminargruppe aus verschiedenen Winkeln betrachtet. Ein Teil dieser Seminargruppe folgt mir auch auf Goodreads oder verfolgt diesen Blog hier, ich muss mir also ausnahmsweise mal ganz genau überlegen, was ich über dieses Buch sagen soll. Ich möchte ja nicht, dass mir dann nächste Woche vorgeworfen wird, dass ich hier Falschinformationen verbreite. 
Im Zusammenhang mit diesem Buch sprachen wir über die Verbindung zwischen Meermenschen und der Umwelt und über die Darstellung von Behinderung in diesem Buch und diskutierten über Rassismus, Kolonialismus und Sexismus. Wie ihr seht, kommen hier also viele Themen zusammen, allerdings meiner Meinung nach, ohne dass dieses Buch zu einer zu bedrückenden Lektüre wird.

In diesem Buch geht es um David, der beim Fischen auf die Meerjungfrau Aycayia trifft und sich in sie verliebt. Und eigentlich könnte jetzt eine zuckersüße Liebesgeschichte beginnen, wie wir sie aus vielen Liebesromanen kennen, doch das passiert hier nicht. Stattdessen wird Aycayia von amerikanischen Touristen gefangen und an Land verschleppt und kann nur in letzter Sekunde von David gerettet werden, bevor sie als Trophäe oder in einem Zoo endet. Eigentlich möchte David sie nur ein paar Tage in seiner Badewanne verstecken und sie dann wieder zurück ins Meer bringen, doch dann beginnt sich Aycayia in seinem Haus in die junge Frau zurückzuverwandeln, die sie war, bevor sie von eifersüchtigen Frauen ihres alten Volks dazu verflucht wurde, als Meerjungfrau zu leben.

Ich glaube, besonders überrascht war ich darüber, wie unromantisch hier Meerjungfrauen dargestellt werden. Aycayia ist keine Schönheit, weder als Meerjungfrau noch als Mensch und das wird auch immer wieder beschrieben. Außerdem leidet sie nach ihrer Verwandlung zum Menschen am Leben, das sie an Land erwartet, was ich für realistisch halte. Sie war Hunderte Jahre lang eine Meerjungfrau - natürlich hat sie jetzt Probleme damit, sich wieder an ihre Beine zu gewöhnen und hat Schmerzen dabei, wenn sie versucht, wieder zu gehen. Sie verwendet deswegen Gehhilfen. Und natürlich wird sie das Sprechen neu lernen müssen, denn sie hat ihre Stimme seit Ewigkeiten nicht verwendet und die Sprache, die ihr Volk zum Zeitpunkt ihrer Verwandlung sprach, existiert heute nicht mehr. Gleichzeitig mit gesprochener Sprache lernt sie auch Gebärdensprache von einem kleinen gehörlosen Jungen in der Nachbarschaft. Aycayia kennt keine Technologie, keine laute Musik, keine Autos, alles ist neu für sie. Und ich fand es sehr interessant, sie dabei zu begleiten, wie sie sich langsam an dieses neue Leben an Land gewöhnt.

Jedes der Kapitel hier in diesem Buch besteht aus drei Teilen. Zuerst erzählt ein allwissender Erzähler über David, Aycayia oder eine der anderen Figuren. Dann folgt ein Gedicht, in dem Aycayia zu Wort kommt. Und schließlich kommt ein Tagebucheintrag Davids. Diese Vielzahl an verschiedenen Stilen und Textsorten machte die Lektüre für mich anstrengend, aber gleichzeitig auch um vieles spannender als sie es sonst vielleicht gewesen wäre. Zu kämpfen hatte ich vor allem zu Beginn auch mit dem für mich ungewohnten Englisch, das hier verwendet wird, das in der Karibik aber typisch zu sein scheint, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch das verlangsamte mein Lesen, war aber eine interessante Erfahrung.

Mein Fazit? Ein sehr spannendes Buch, das sich allerdings nicht einfach so nebenbei lesen lässt.

Freitag, 25. Februar 2022

Das Meerbuch [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch hat mir meine Schwester letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt. Ich habe sie davor immer wieder zur Klassikerabteilung unserer Buchhandlung geschleift und ihr genau erklärt, welche Bücher ich warum lesen möchte. Und brav wie sie ist, hat sie auf mich gehört.

In diesem Buch geht es um etwas, von dem die liebe P. aktuell um einiges mehr hat als ich: Das Meer. Wir lieben es beide, vor allem im Sommer. Und sie hat jetzt tatsächlich das Glück für einige Monate direkt am Meer zu leben. Ich bin auch nur ein bisschen neidisch und ihre täglichen Fotos vom Meer machen das auch auf keinen Fall noch schlimmer oder so. Wenigstens konnte ich durch dieses Büchlein ein bisschen an ihrem Glück teilhaben und zumindest in meinen Gedanken ans Meer reisen.

In dieser Sammlung findet ihr Gemälde, Gedichte und Ausschnitte aus Klassikern, die definitiv Lust auf mehr (und Meer) machen. Es ist wunderschön und sehr liebevoll gestaltet. Gerade die Bilder haben mich in ihren Bann gezogen: Jedes einzelne davon ist ein wahres Kunstwerk! Mit den Klassikerausschnitten hatte ich allerdings so manchmal meine Probleme. Ich verstehe, dass man hier nur schwer die gesamten Texte abdrucken kann. Aber ich finde, dass das Verständnis doch dadurch beeinträchtigt wird, dass man nur einen Teil der Texte liest und die so aus ihrem Kontext gerissen werden. Vielleicht wäre es also besser gewesen, hier nur in sich abgeschlossene Texte zu präsentieren und sich also zum Beispiel auf Kurzgeschichten und Gedichte zu beschränken.

Mein Fazit? Schön gestaltetes Buch, das in mir die Sehnsucht nach dem Meer geweckt hat.

Mittwoch, 25. August 2021

Dearly [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Meine Liebe zu Margaret Atwood habe ich in der Uni entdeckt. Für meine Leselistenprüfung habe ich "Good Bones and Simple Murders" gelesen und habe mich sofort in diesen Stil verliebt. Davor kannte ich nur den Graphic Novel von "The Handmaids Tale". Dann habe ich im Zuge der Onlinebuchmesse 2020 auch noch ein Interview mit Atwood gehört und lasst euch sagen: Die Frau ist der Hammer! Für mich ist sie ein Idol.

Um "Dearly" lesen zu können, musste ich über einen Monat warten, aber das war es wert. Allein schon das Buch selbst. Es ist wunderschön! Das Cover ist superschön und das Papier ist großartig. Ich wollte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen. Lieber wollte ich es für den Rest meines Lebens mit mir herumtragen.

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Sammlung von Atwoods neuen Gedichten. Die behandeln verschiedene Themen: Es geht zum Beispiel um Umweltschutz oder Feminismus oder um Liebe. Oder um Zombies. Oder um Aliens. Was mich dann doch eher überrascht hat. Damit habe ich nicht gerechnet. Und deswegen gehören diese Gedichte auf jeden Fall zu meinen Favoriten aus diesem Buch.

Doch nicht nur die Gedichte zu den Aliens oder Zombies sind lesenswert. Alle Gedichte sind einfach wunderschön und spannend. Ich weiß nicht, ob es schon eine Übersetzung von "Dearly" gibt, aber wenn ihr irgendwie dazu in der Lage seid, dann lest Atwoods Gedichte im Original. Die Sprache ist einfach großartig. Das wollt ihr nicht verpassen.

Montag, 11. Januar 2021

the princess saves herself in this one & the witch won't burn in this one [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

"the princess saves herself in this one" und "the witch doesn't burn in this one" habe ich innerhalb eines Tages gelesen, als ich mal wieder zur Arbeit an die Uni pendeln musste. Kommt in der Zwischenzeit nur noch selten vor, passiert aber doch noch manchmal. Und an diesem Tag hatte ich mein Buch daheim vergessen - also hab ich mich auf Skoobe ein bisschen umgesehen und siehe da: An diesen Büchern bin ich in der Buchhandlung meines Vertrauens schon öfter vorbei gelaufen. Gekauft habe ich sie aber nie, denn beide Bücher sind recht dünn und bei Lyrik bin ich sowieso immer sehr vorsichtig. Ich mag Gedichte, ehrlich. Aber in letzter Zeit erscheinen sehr viele Gedichte, die auf mich pseudo-tiefgründig wirken und auch nicht besonders gut geschrieben wurden. Die machen sich dann zwar gut auf Instagramfotos, aber sonst geben sie meiner Meinung nach leider nicht so viel her.

Auch diese Gedichte werden wohl nicht in die Literaturgeschichte eingehen. Aber das ist in Ordnung, denn ich mochte sie trotzdem. Ich fand den Inhalt der Gedichte einfach wundervoll! Es geht um starke Frauen, um den Kampf um Selbstbewusstsein, das Überwinden negativer Erfahrungen und darum, dass man sich von niemandem etwas gefallen lassen soll. Es geht um Selbstliebe und warum man sich zumindest respektierten sollte, auch wenn man sich gerade aus welchem Grund auch immer nicht lieben kann. Während ich diese Gedichte gelesen habe, habe ich mich stark gefühlt, fast schon unbesiegbar. Ich und diese Gedichte gegen den Rest der Welt. Außerdem war ich total stolz auf mich, dass ich so viele der Anspielungen auf andere Bücher erkannte. Ich liebe sowas! Und ich hab so unglaublich viel markiert! Ein paar der Gedichte werde ich zumindest ausschnittsweise auf meinen Blog stellen, dann werdet ihr schon sehen, was ich meine!

Wegen genau diesem Gefühl denke ich auch, dass diese Bücher wohl vor allem für jugendliche Mädchen geeignet sind. Für meine kleine Schwester zum Beispiel, der ich diese Bücher auf jeden Fall ans Herz legen wird. Sie wird mich zwar dafür verfluchen, weil sie schon ein ganzes Regalbrett mit meinen Empfehlungen füllen könnte, aber ich bin mir sehr sicher, dass sie diese Gedichtbände lieben würde.

Mein Fazit? Zwei super schöne Gedichtbände mit Texten über sehr wichtige Themen! Hat mir super gefallen!

Dienstag, 18. Februar 2020

Long Way Down

Autor: Jason Reynolds
Erschienen am 23.8.2019
In der dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 9783423650311
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Langeweile ausgeschlossen: Nach Abschluss seines Englischstudiums an der University of Maryland zog es Jason Reynolds nach Brooklyn, wo er seine Karriere als Autor begann. Wer ihn auf der Straße sieht, wird ihn wohl dabei beobachten können, wie er vor sich hinmurmelt – in der Regel sagt er sich hierbei die Namen seiner Protagonisten laut vor, damit sie ihm nicht entfallen. Auch auf seinem Blog schreibt er seine Gedankengänge nieder. Reynolds Debüt "Coole Nummer" erschien in Deutschland im August 2015 und wurde von Kritikern hoch gelobt. Mit seinen Jugendromanen hat er sich zum Ziel gesetzt, mehr junge Menschen (vor allem Jungen) zum Lesen zu motivieren, indem er, wie er sagt, schlichtweg versucht, keine langweiligen Bücher zu schreiben."
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"»Ein Meisterwerk! « Angie Thomas, Autorin von ›The Hate U Give‹
Manchmal braucht es nur eine Minute, um ein ganzes Leben umzukrempeln.
Eine Waffe trägt Will bei sich. Sein Bruder Shawn wurde umgebracht, erschossen. Und Will kennt die Regeln: Nicht weinen, niemanden verpfeifen, sich rächen. Er wird den Mann töten, der seinen Bruder getötet hat, wird ihn mit Shawns Waffe erledigen.
Auf dem Weg abwärts hält der Lift auf jeder Etage. Und jede Person, die einsteigt, erzählt ihre Geschichte. Es sind Geschichten von Ohnmacht, Gewalt, Rache und Tod. Und Will begreift, er könnte der Nächste sein, der ein Opfer der mörderischen Spirale wird.
Zum Aussteigen gehört Mut, viel mehr Mut, als eine Waffe abzufeuern."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Oh Gott, wer zur Hölle, hat denn diesen Klappentext auf lovelybooks.de verbrochen? Oh du meine Güte, ist der schrecklich! So voller Spoiler, so fad... Gut, dass  ich das Buch noch nicht wieder zurückgegeben habe, da konnte ich noch schnell den echten Klappentext abtippen. Sonst wär das eine echte Katastrophe gewesen, das hätte ja sonst keiner mehr lesen wollen! Und lesen solltet ihr dieses Buch meiner Meinung nach, soviel steht fest. Warum? Nun, das werde ich euch jetzt erklären, keine Angst.

In diesem Buch geht es um Will. Will wohnt in einer Gegend, die auf mich sehr...nennen wir es mal problematisch wirkt. Waffengewalt ist für ihn nichts besonders, es gibt Banden und Drogen, und Schüsse zu hören, ist für ihn zwar immer noch erschreckend, aber nicht mehr wirklich etwas besonderes. Bis dann eines Tages sein Bruder Shawn erschossen wird. Und genau hier setzt die Geschichte ein. Will hat sein Leben lang zu Shawn aufgesehen, wollte so sein, wie er. Und Shawn hat seinem kleinen Bruder, die drei wichtigsten Regeln für das Leben in dieser Gegend beigebracht: 1. Nicht Weinen. 2. Niemanden verraten. 3. Rache nehmen. Und an diese drei Regeln will Will sich halten. Deswegen schnappt er sich Shawns Pistole und macht sich auf den Weg, um den Mörder seines Bruders zur Strecke zu bringen. Doch weit kommt er nicht: Nur bis in den Aufzug. Und mehr kann ich euch nicht erzählen, sonst würde ich schon zu viel verraten.

Der Schreibstil dieses Buches ist wirklich etwas besonders und wirklich nicht das, womit ich gerechnet habe. Dieses Buch besteht nur aus Gedichten. Dadurch hat das Buch um einiges weniger Zeit in Anspruch genommen, als ich dachte. Nach nur einer Stunde oder so war ich fertig damit. Und danach war ich erstmal fertig mit den Nerven. Das Buch hat mich tief berührt und aufgewühlt. Dass das Buch in Gedichten geschrieben war, hat die Wirkung meiner Meinung nach nur weiter verstärkt. Interessant wäre für mich der Vergleich mit dem englischen Original. Vielleicht finde ich die Zeit, um das auch noch zu lesen, dann kann ich euch berichten, ob die Wirkung dort die gleiche war.

Dieses Buch wäre meiner Meinung nach eine ziemlich gute Klassenlektüre, gerade für Jugendliche ab 13 oder 14 Jahren. Also in Österreich wäre das die vierte Klasse der Unterstufe. Warum ich dieser Meinung bin? Nun, erstens ist dieses Buch in Gedichten geschrieben und kann so beweisen, dass Gedichte alles andere sind als altmodisch und langweilig. Zweitens geht es um ein hochaktuelles Thema: Waffengewalt und Gewalt an sich. Wie Gewaltspiralen entstehen, wird hier wirklich schön sichtbar gemacht - und auch, warum man diese Spirale durchbrechen sollte, wenn man denn die Gelegenheit dazu hat. Also los, liebe Deutschlehrer, die meinen Blog lesen: Schaut euch dieses Buch mal an!

Mein Fazit? Sehr spannendes Buch, das ich euch wärmstens empfehlen kann.


Donnerstag, 23. Januar 2020

Poems that Make Grown Women Cry - 100 Women on the Words that Move them

Herausgeber: Anthony und Ben Holden
Erschienen am 1. 3. 2017
Im Simon und Schuster Verlag
ISBN: 1471148645
Rezensionsexemplar: Nein


Quelle: Verlag
Zu den Herausgebern:
"Anthony Holden is an English writer, broadcaster and critic, particularly known as a biographer of artists."
Quelle: Goodreads. Leider konnte ich keine Information zu Ben Holden finden. Wenn da jemand was weiß, bitte einfach an mich weiterleiten!

Klappentext:
"Following the success of their anthology Poems That Make Grown Men Cry, father-and-son team Anthony and Ben Holden, working with Amnesty International, have asked the same revealing question of 100 remarkable women. What poem has moved you to tears?

The poems chosen range from the eighth century to today, from Rumi and Shakespeare to Sylvia Plath, W.H. Auden to Carol Ann Duffy, Pablo Neruda and Derek Walcott to Imtiaz Dharker and Warsan Shire. Their themes range from love and loss, through mortality and mystery, war and peace, to the beauty and variety of nature. From Yoko Ono to Judi Dench, Chimamanda Ngozi Adichie to Elena Ferrante, Carol Ann Duffy to Kaui Hart Hemmings, and Joan Baez to Nikki Giovanni, this unique collection delivers private insights into the minds of women whose writing, acting, and thinking are admired around the world."

Quelle: Goodreads

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich in Prag gekauft, in einer total großartigen Buchhandlung neben dem Kafka-Museum. Zwei Stockwerke und voll mit englischsprachigen Büchern, gebraucht und neu, Klassiker und Trivialliteratur. Die hatten alles! In diese Buchhandlung habe ich mich verliebt und hoffentlich, hoffentlich kann ich so bald wie nur irgendwie möglich dorthin zurückkehren. Ein Paar hat zur gleichen Zeit dort Hochzeitsfotos gemacht und ganz ehrlich? Wenn das nicht der Traum eines jeden Buchwurms ist, was ist es dann? Also, an mein zukünftiges Ich: Mach das, bitte, bitte, bitte!

 Besonders interessant an diesem Buch fand ich die Reaktionen der Menschen, die mich mit diesem Buch sahen. Und die meiner Familie und Freunde waren da noch die langweiligsten. (Sorry, Leute!) Die sind ja auch schon abgehärtet und wissen, dass ich alle paar Tage mit einem neuen Buch dasitze und eigentlich alles lese, was ich irgendwie in die Finger bekomme, egal welcher Titel, welches Cover, welche Textsorte und so weiter. Alles egal, hauptsache lesen. Auf jeden Fall: Die Reaktionen teilten sich ziemlich genau in zwei Kategorien ein. Erstere lasen den Titel und gingen davon aus, dass ich psychisch angeknackst bin und vielleicht Depressionen oder so habe. Im Zug wurde ich gleich mehrfach gefragt, ob ich denn über irgendwas reden wolle und ob es mir eh gut ginge. An alle diese Leute nochmal: Ja, keine Angst, mir geht es gut. Ich leide nicht an Depressionen oder sonstigen psychischen Erkrankungen. Ich weiß es zu schätzen und finde es toll, dass ihr euch um eure Mitmenschen sorgt, also behaltet euch diese Einstellung bitte bei, aber bei mir müsst ihr euch keine Gedanken machen. Ich will nur Gedichte lesen und wissen, ob Aristoteles "karthasis" funktioniert. Aber dazu später mehr. Die zweite Art der Reaktion fand ich enorm cool: Leute sprachen mich auf das Buch an, fragten nach den Gedichten und begannen, mit mir über die Auswahl zu diskutieren. Das fand ich spannend und ich bekam auch so einige Gedichtempfehlungen. Mein Liebling war ein junger Mann in meinem Alter, der sich im Bus neben mich setzte und ganz, ganz unauffällig mitlas. Er fragte mich dann, ob er nicht ein Foto von dem Buch machen könne, damit er es sich bestellen kann. Als er den Titel sah, seufzte er und sagte: "Okay, also das hört sich sehr klischeehaft an!". Als ich ihm dann erklärte, dass es zuerst das Buch "Poems that Make Grown Man Cry" gab, war er begeistert und sagte, er würde sich dann wohl doch eher das bestellen. Der Typ war sehr cool! Ich hoffe, dass ihm das Buch bald geliefert wird.

Okay, dann sprechen wir jetzt doch kurz über den Karthasis-Effekt. Den hat Aristoteles im Zusammenhang mit seiner "Ars Poetica" beschrieben und so die Wirkung von Stücken erklärt. Laut ihm ruft eine gute Tragödie "Jammern und Schrecken" hervor und bewirkt dadurch eine Reinigung davon. Ob die Gefühle selbst gereinigt werden oder der Mensch von diesen Gefühlen befreit wird, kommt aus der Übersetzung nicht ganz klar hervor, aber egal. Ich hab sowieso Prüfungsphase und bin sowieso gestresst, also dachte ich, lege ich es halt darauf an. Wenn es meinen Stress reinigt und ich reineren Stress fühle, ist es doch auch schon was. Nicht? Nun zur wirklich wichtigen Frage: Habe ich den Karthasis-Effekt gespürt? Nein. Nein, nicht wirklich, leider. Allerdings ist Aristoteles Werk ja auch nicht auf Gedichte ausgerichtet, sondern auf Tragödien, die auf Bühnen aufgeführt werden.

Kommen wir zum Abschluss doch noch zur Frage, die sich jetzt sicher alle stellen. Hat mich das Buch und seine Gedichte zum Weinen gebracht. Auch hier: leider nein. Allerdings muss ich zugeben, dass ich wirklich nur die Gedichte gelesen habe und nicht die Begründung der befragten Frauen dazu. Vielleicht hätte ich ja zu Weinen begonnen, wenn ich wirklich das komplette Buch durchgeackert hätte. Aber nur von den Gedichten? Nein. Aber ich muss zugeben, dass ich mehrmals ganz kurz davor war.  Also hat das Buch zumindest teilweise sein Ziel erreicht, schätze ich.

Mein Lieblingsgedicht des ganzen Buchs war übrigens "A Boat, Beneath a Sunny Sky" von Lewis Carrol. Ich hab es euch einfach mal verlinkt, falls es jetzt jemand von euch lesen will. Und falls euch der Text bekannt vorkommt: Ja, es gibt ein recht neues und aktuelles Lied, das gleich heißt und den Text übernommen hat.