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Sonntag, 19. Juli 2026

Royal Heist

 

Quelle: Verlag

„The Robin Hood“ auf Rachetour!

Darcy ist eine unglaublich talentierte Betrügerin. Mit nur wenigen Requisiten hat sie es bisher geschafft, wirklich jeden hinters Licht zu führen. Mal ist sie Millionenerbin, dann Mitarbeiterin einer Logistikfirma, dann unbedeutende Touristin – und teils geschieht dieser Wechsel innerhalb weniger Minuten. 

Gemeinsam mit ihrem Bruder und den anderen Mitgliedern von „The Robin Hood“ hat sie sich das zum Ziel gemacht, was auch das literarische Vorbild schon getan hat: Sie bestehlen unglaublich reiche Menschen, die unethisch handeln, und geben dieses Geld den Armen. 

Doch nun ist das Ziel zum ersten Mal ein persönliches. Durch die britischen Royals hat Darcy ihre Familie verloren. Jetzt ist sie bereit für die Rache. Um an die Passwörter und Geheimnisse der Royals zu kommen, becirct Darcy Kronprinzen Spencer, der im Moment auf der Suche nach seiner zukünftigen Ehefrau ist. Die Publicity der Royals der letzten Monate war einfach so schlecht, dass sie der Presse unbedingt etwas Positives präsentieren müssen – und was würde sich dafür besser eignen als eine Hochzeit? Doch Darcy hat nicht mit seinem Bruder Tristan gerechnet, der ihr schnell den Kopf verdreht. Wird Darcy es schaffen, ihre Tarnung aufrecht zu halten?

Ein wunderbarer Reihenauftakt, der mich fesseln konnte. Lena Kiefer betrachtet mit viel Fingerspitzengefühl die Innenwelt ihrer Figuren und macht diese so sehr liebenswürdig.

Die Autorin wird den meisten meiner Leser*innen durch ihre vorherigen Veröffentlichungen wohl nicht unbekannt sein und auch dieses Buch sollte seinen Platz in euren Bücherregalen finden.

Ich freue mich auf den nächsten Band der Reihe. Außerdem hoffe ich auf Spin-off-Bücher, damit auch die anderen Royal-Geschwister noch ihre Liebesgeschichte bekommen.

Montag, 13. Juli 2026

The Elements of Baking

 

Quelle: Verlag


Ich mache mich gerne darüber lustig, dass meine Familie dem Ernährungsklischee entspricht, das Boomer gerne auf Facebook teilen. Vegetarier, zuckerarm, laktosefrei, glutenfrei. Jeder braucht was anderes und allein schon ein normales Abendessen wird kompliziert, wenn alle zusammenkommen.

Ganz ehrlich? Als es zu mir hieß, dass es für meine Autoimmunerkrankung gut wäre, wenn ich in Zukunft auf Gluten verzichte, ging für mich eine Welt unter. Ich liebe es, zu backen. Wenn ich gestresst bin, bringt mich das so richtig runter. Und zu Treffen im Freundeskreis Kuchen mitzubringen, ist für mich eine eigene Love Language. UND DAS SOLL JETZT NICHT MEHR GEHEN?

Naja, doch. Ganz ruhig, Mira der Vergangenheit! Du darfst weiter Kuchen backen und essen - du musst dich nur anpassen. Und wie du dich anpasst, lernst du in "The Elements of Baking". Egal ob Blätterteig, Zimtschnecken, eine Pistazientorte, ... Du findest hier Rezepte für jeden Anlass und für jedes Bedürfnis.

Und zusätzlich findet man hier auch verständliche Erklärungen, was auf chemischer Ebene im Teig passiert. So lernst du schnell, wie du deine Lieblingsrezepte für deine Bedürfnisse anpassen kannst. So funktioniert dann auch der Apfelkuchen deiner Oma in glutenfrei. Die Autorin erklärt ganz genau, was wie und in welcher Menge ersetzt werden kann und auf was geachtet werden sollte.

Auch die Gestaltung dieses Buches ist total hochwertig und einfach schön. Ich habe jedes Mal wieder meine Freude, wenn ich dieses Buch in die Hand nehme und etwas daraus nachkoche.

Mein Fazit? Egal, ob ihr selbst auf etwas verzichten müsst/möchtet oder jemand eurer Lieben - hier findet ihr super Rezepte, die super schmecken und immer funktionieren! Ein echter Gamechanger, den ich euch sehr empfehlen kann!

Freitag, 5. Juni 2026

Statt aus dem Fenster zu schauen

 

Quelle: Verlag

Einfach mal ausbrechen und ein paar Hühner kaufen ... wer träumt denn nicht davon? Also ich auf jeden Fall und das dürfte wohl auch der Grund sein, warum in meinem kleinen Hochbeet gerade ein Kürbis vor sich hin wuchert. Ja, darauf bin ich stolz. Auf den Kürbis und auf die einzelne Erdbeere, die daneben wächst. Zählt das schon als Quarter Life Crisis?

Eine schlimmere Krise hat aber Sophie, die Protagonistin dieses Buches. Ihr Leben lang bekommt sie schon gesagt, dass aus ihr mal „etwas“ wird – aber was genau das sein soll, weiß sie bis heute nicht. Stattdessen sitzt sie in einem Praktikum, das sie langweilt, macht ein Studium, das sie nicht interessiert, und lebt in einer WG, in der sie sich nicht wohlfühlt. Während eines weiteren, viel zu langen Tages vor Excel-Tabellen, beschließt sie, auszubrechen. Sie kauft ein Haus – oder die Überreste davon – in der ostdeutschen Provinz um wenige tausend Euro, packt ihre Sachen auf ihr Fahrrad und steigt in den Zug.

Was folgt, ist ein knallbunter Mix aus Überforderung, Angst und Chaos, aber auch Lebensfreude, Erfindergeist und Optimismus. Das Haus hat zwar keinen Strom und ein Loch im Dach – aber wozu gibt es Youtube-Tutorials? Der Garten ist verwildert – also der perfekte Platz für ein Kartoffelfeld und Hühner! Und Handyempfang gibt es auch nicht wirklich – kein Problem, wenn man nur das perfekte Kaffeehaus in der Nähe findet!

In poetischer, bildhafter Sprache und einer ruhigen Atmosphäre erzählt die Autorin von Sophies Erfolgen und Misserfolgen, von kleinen und großen Dramen. Sie lässt ihre Hauptfigur und deren Umfeld an ihrem Verstand zweifeln und immer wieder fast aufgeben, bevor sie sich dann aber doch wieder irgendwie aufrappelt. Und in der Zeit zwischen den Renovierungsaufgaben und in den langen Nächten stellt die Autorin die Frage, was wir denn eigentlich vom Leben wollen – und warum.

Ein schönes Buch, das zum Nachdenken anregt und dazu einlädt, sich damit auf dem Balkon zu verkriechen. Wenn ihr so wie ich aktuell Mitte 20 seid, dann wird euch dieses Buch sehr wahrscheinlich gefallen. Ich habe es auf jeden Fall geliebt!

Sonntag, 21. Dezember 2025

Faust. Der Tragödie erster Teil [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir alle kennen die Geschichte rund um Faust. Der frustrierte Professor, der zwar gefühlt alles studiert hat, sich selbst mit der Magie beschäftigt, und es trotzdem nicht schafft, seinem Leben einen Sinn zu geben – bis er einen Bund mit dem Teufel eingeht. Sollte dieser es schaffen, dass Faust auch nur für einen Moment sein Leben genießt, gehört seine Seele ihm.

Viele von uns haben sich in der Schule durch das Reclam-Heftchen gequält, viele kennen auch noch weitere Adaptionen rund um Goethes Theaterstück. Das Stück wird bis heute aufgeführt, es wurde mehrfach verfilmt, findet seinen Platz in immer wieder neuen Comics und Graphic Novels. Einige werden sich nun also denken: »Im Ernst? Noch eine Version?« Ja, noch eine Version! Denn Nele Heaslip hat sich hier einen spannenden Twist einfallen lassen, durch den ich den Fauststoff nochmal ganz neu lesen konnte. Diese Graphic Novel spielt nämlich in drei Zeiten gleichzeitig: Mittelalter, Zeit des Nationalsozialismus und Gegenwart. Der Switch erfolgt dabei fließend mitten in der Szene, ohne große Markierung. In einem Bild hält Doktor Faust eine Vorlesung in einem modernen Hörsaal, im nächsten ist sein modernes Büro ein mittelalterliches Turmzimmer. In einem Bild spaziert Faust durch eine mittelalterliche Stadt, im nächsten ist die Stadt immer noch gleich, doch Faust trägt einen Judenstern und aus den Fenstern hängen die Flaggen der Nationalsozialisten.

Durch den Wechsel in den Zeiten wurde für mich eigentlich erst sichtbar, wie zeitlos der Fauststoff eigentlich ist. Der Switch war problemlos möglich, ohne dass dabei Verständnisprobleme entstanden und ohne, dass dabei irgendetwas unlogisch wurde. Der Stoff mit Goethes Originaltext funktionierte weiter, war weiter spannend.

Diese Entscheidung der Illustratorin lud mich dazu ein, den Text genau zu reflektieren. Würde diese Szene hier denn auch im Nationalsozialismus funktionieren, obwohl sie hier doch im Mittelalter spielt? Und was wäre, wenn man sie in die Gegenwart versetzen würde? Wie verändert die jeweilige Zeitebene die Stimmung, die Bedeutung oder die Beziehung der Figuren untereinander?

Das Buch selbst ist unglaublich aufwändig gestaltet. Die Illustrationen sind voll interessanter Details und kleine Kunstwerke, die man so auch direkt in eine Galerie hängen könnte. Auch die Papierqualität ist mir positiv aufgefallen.

Eine unglaublich spannendes und hochwertig produziertes Graphic Novel, nicht nur für Schulbibliotheken und Schüler*innen. Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint!

Montag, 17. November 2025

Himmelwärts [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Toni Pepperoni ist aktuell in einem Ausnahmezustand. Ihre Mutter ist gestorben, zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben ist sie mit Trauer konfrontiert. Und dann gleich wegen so einem großen Verlust.

Eine Nacht im Zelt mit ihrer besten Freundin YumYum soll sie ablenken - das dürfte zumindest der Gedankengang ihres Vaters sein. Toni und YumYum haben aber eigene Pläne: Sie haben ein Radio zu einem Funkgerät umgebaut. Damit möchten sie heute Nacht in den Himmel funken und Kontakt zur verstorbenen Mutter aufnehmen. Denn laut der Physik kann Energie nie verloren gehen, irgendwo muss also auch die Energie der Mutter noch sein.

Kleiner Spoiler, der auch schon im Klappentext erwähnt wird: Das klappt nicht. Statt Tonis Mutter erreichen sie Anna, eine Astronautin, die auf einer Raumstation um die Erde kreist. Zwischen ihr und den zwei Mädchen entwickelt sich ein Gespräch: über das Weltall, den Beruf der Astronautin und natürlich über Trauer.

Dieses Gespräch wird immer wieder glaubwürdig unterbrochen. Immerhin kreist die Astronautin ja um die Erde. Natürlich bricht hier also immer wieder der Empfang ab und die zwei Mädchen müssen wieder abwarten, bis Anna die Erde einmal umrundet hat. Weil das etwas dauert, herrscht die Gefahr, dass die beiden Kinder einfach einschlafen oder dass Tonis Vater entdeckt, dass die beiden Mädchen noch nicht schlafen - was sie inzwischen eigentlich tun sollten.

Begleitet wird diese Erzählung durch wunderschöne Illustrationen. Auf der Frankfurter Buchmesse hat uns Bea Davies verraten, dass sie für dieses Buch unter anderem mit Sand und Babypuder gearbeitet hat. Hier steckt also viel Handarbeit dahinter, auch die Farben sind durchdacht und alles wirkt stimmig. Allein schon wegen der Illustrationen ist dieses Buch eine gelungene Lektüre.

Ausgezeichnet wurde "Himmelwärts" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Meiner Meinung nach hat dieses Buch diese Würdigung nur verdient. 

Mein Fazit? Ein emotionales Kinderbuch - auch für Erwachsene!

Mittwoch, 24. September 2025

Only Margo [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Wisst ihr, was ich bei der Diskussion rund um Sexarbeit in all ihren Formen immer sehr spannend finde? Viele von uns finden es sehr einfach, die Personen zu verurteilen, die als Sexarbeiter*innen arbeiten, egal ob sie das online tun oder offline. Aber spannenderweise reden wir uns gleichzeitig trotzdem alle ein, dass wir niemanden kennen, der oder die diese Angebote nutzt und damit finanziert. Was einen interessanten Widerspruch schafft: Scheinbar hat der älteste Beruf der Welt keine Kundschaft und auch nie Kundschaft gehabt. Spannend, nicht wahr? Vor allem, wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie viele Nutzer Websites wie OnlyFans haben und wie viel Geld darüber fließt. Für alle, die noch nie von dieser Website gehört haben (ach, ihr Glücklichen!): Only Fans basiert auf einem Abo-Modell. Menschen bezahlen einen gewissen Betrag pro Monat und bekommen dafür Zugriff auf meist explizite und sexuelle Videos und Bilder der Personen, die sie abonniert haben.

Eine fiktionale Person, die ebenfalls mit Bildern und Videos und Penisbewertungen auf OnlyFans ihr Glück versucht, ist Margo. Sie hat ein Baby daheim und musste wegen der Existenz ihres Sohnes nicht nur ihren Job als Kellnerin aufgeben, sondern auch ihr Studium, denn der Vater des Bubens ist ihr Professor, der ihr für ihr Schweigen viel zu wenig Geld geboten hat. Und trotzdem nimmt Margo das Angebot an - denn einerseits ist sie in Armut aufgewachsen und hat daher kein Gefühl für Geld, andererseits braucht sie halt auch einfach Geld, wenn sie ihrem Sohn weiter ein Dach über den Kopf bieten will. Doch natürlich ist dieses Geld nicht genug, um langfristig damit auszukommen. Also muss Margo kreativ werden: Mit ihrer Mitbewohnerin und ihrem Vater Jinx, ein ehemaliger Wrestler, gründet sie ihre WG neu und auf der Suche nach alternativen Einnahmequellen findet sie OnlyFans. Die Website scheint die Lösung für ihre Probleme zu sein: Ein paar Bilder von sich posten, mit einigen Männern schreiben, Penisbilder bewerten? Das sollte sie hinbekommen! Und einige Leute werden damit ja richtig reich!

Doch schnell bemerkt sie, dass OnlyFans nicht sie will - und zusammen mit ihrem Vater entwickelt sie ein Alter-Ego, eine Online-Persönlichkeit und eine Marketing-Strategie. Doch kann das lange gut gehen?

Ein spannender Roman über Armut, Sexarbeit und den Mut, für sich selbst einzustehen. Das Buch empfand ich als sehr erfrischend, als gleichzeitig tragisch und amüsant. Ich musste lachen und weinen und habe mit großer Spannung Margos Reise mitverfolgt. Margos Weg wird beschrieben, ohne sie dafür zu verurteilen, was ich für eine schöne Abwechslung halte.

Mein Fazit? Große Leseempfehlung!


Sonntag, 13. April 2025

Seven Years From Now [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Hach, dieses Buch war einfach unglaublich süß. Clementine ist am Boden zerstört, denn sie hat ihre Tante verloren, die eine sehr wichtige Bezugsperson für sie war. Ihre Tante war immer sehr exzentrisch, hat immer zu ihr gehalten, kurz: Das Band zwischen ihnen war ein ganz besonderes. Und jetzt ist diese Tante einfach weg und alles, was Clementine bleibt, ist die Wohnung ihrer Tante. Die Wohnung, von der diese Tante immer behauptet hat, dass sie verzaubert ist. Manchmal finde man sich einfach sieben Jahre in der Vergangenheit wieder. Und das passiert auch Clementine: Plötzlich ist da ein fremder Mann in ihrer Wohnung. Kein Einbrecher, sondern einfach nur James, der hier kurzfristig wohnen darf, während Clementines Tante verreist ist. Ein super sympathischer junger Mann, der toll kochen kann und große Träume verfolgt. Ein richtiger Traum-Typ, der mich zum Lächeln und Kichern brachte.

Schön fand ich, dass sich die Autorin wirklich Gedanken um den Zeitreise-Aspekt gemacht hat. Sie hat fixe Regeln dafür festgelegt, die wir gemeinsam mit Clementine und James entdecken. Und sie lässt James und Clementine auch in Clementines Gegenwart immer wieder auf einander treffen: Plötzlich ist James hier ein Starkoch und das Verlagshaus, für das Clementine arbeitet, möchte sein Buch verlegen. Was natürlich zu Komplikationen führt. Denn Clementine arbeitet auf ihren nächsten großen Karriereschritt hin und braucht unbedingt dieses Buchprojekt - doch der Lauf der Handlung verkompliziert die Beziehung und damit die mögliche Zusammenarbeit der beiden immer weiter.

Ebenfalls hat es mir gefallen, dass der Fokus nicht nur auf der Beziehung zwischen Clementine und James lag. Auch das Band zu Tante Analea wird aufgearbeitet, es geht hier viel auch um die Frage, wie (und ob) sich ein so großer Verlust aufarbeiten lässt. Clementine wünscht sich nichts mehr, als ihre Tante nur noch einmal zu sehen, nur noch einmal mit ihr zu sprechen. Diesen Wunsch kennen wahrscheinlich alle von uns, die schon einmal jemanden verloren haben. Im Gegensatz zu ihr haben wir aber keine durch die Zeit reisende Wohnung zur Verfügung, die diesen Wunsch vielleicht und mit ein bisschen Glück erfüllen könnte. Doch auch diese Wohnung ist nicht die magische Lösung für dieses Bedürfnis - denn Clementine hat keine Kontrolle über diese Zeitreisen. Sie kann nicht entscheiden, wann der Sprung passiert. Manchmal wacht sie einfach auf und die Wohnung befindet sich exakt sieben Jahre in der Vergangenheit. Und manchmal ist sie in der Vergangenheit und in der nächsten Sekunde wieder in ihrer Gegenwart, ohne, dass sie es wollte. Und die Wohnung kann in der Vergangenheit auch nicht verlassen werden - Clementine würde dann genau wieder in ihrer Gegenwart landen. Also nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Auch toll fand ich hier die Beschreibung von James Liebe zu Essen. James ist Koch und in Clementines Gegenwart sogar ein Starkoch mit eigenem Restaurant. Von Zitronenkuchen bis hin zu Spaghetti (?) mit Trockeneis bekommen wir hier viele seiner Experimente mit. Von einigen ist Clementine sehr angetan, von anderen eher weniger, aber ich habe es geliebt, wie sehr ich James Begeisterung spüren konnte. Die Autorin hat es geschafft, das glaubwürdig rüberzubringen und hat mich auch dazu gebracht, an einem Punkt der Handlung selbst damit zu beginnen, endlich mal wieder einen Kuchen zu backen. Nein, leider keinen Zitronenkuchen, Brownies, die aber ebenfalls sehr gut geworden sind.

Mein Fazit? Eine sehr schöne Liebesgeschichte - eine Liebeserklärung an besondere Menschen, Essen und an das Leben.

Freitag, 11. April 2025

Wohnverwandtschaften [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich im Zuge einer Bloggerveranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse 2024 bekommen. Ist also auch schon wieder ein bisschen her. Ich wusste dann zuerst nicht, ob oder wann ich es lesen würde. Die Lesung dazu war spannend, die Autorin sympathisch, aber es hörte sich einfach nicht nach meinem "typischen" Buch an. Letztes Wochenende war es dann aber so weit und ich bekam Lust, es doch mit diesem Roman zu versuchen. Also ab in die Sonne damit und losgelesen.

Kurze Info zuerst: In diesem Buch geht es um eine Form der Demenz. Wenn ihr dieses Thema gerade aus welchen Gründen auch immer nicht aushaltet, dann klickt doch schnell zur nächsten Rezension weiter.
Ich hätte vollstes Verständnis dafür: Demenz ist eine grauenhafte Krankheit, die ich niemandem wünschen würde. Ich denke, jede Person, die schonmal jemanden an einer Ausprägung dieser Krankheit verloren hat, würde mir da zustimmen. Du kannst dem betroffenen Menschen einfach zusehen, wie er sich auflöst, und zwar für immer. So fühlte es sich für mich an: Als würde ein betroffener Mensch sich selbst verlieren, manche über Jahre hinweg, andere innerhalb weniger Monate. Erinnerungen gehen verloren, damit auch die Erinnerung an liebe Menschen, Fähigkeiten verschwinden, damit auch scheinbar Alltägliches wie die Fähigkeit, ohne Hilfe auf die Toilette zu gehen oder zu essen, und die Persönlichkeit betroffener Menschen kann sich in vielen Fällen stark verändern. Irgendwann stehst du einem Fremden gegenüber. Es ist schrecklich. 

Isabel Bogdan hat hier versucht, den Verlauf von Demenz am Beispiel von Jörg zu schildern. Jörg ist Mitte 60 und plant gerade seine Reise nach Georgien. Er wohnt in einer WG mit Constanze, Anke und Murat, und gemeinsam sind sie fast wie eine Familie - daher auch der Begriff "Wohnverwandtschaften". Sie alle haben ihre Macken und Eigenheiten, sind aber super liebenswert. Constanze ist Zahnärztin und ist nach einer Trennung eingezogen und damit das WG-Küken und sieht die WG eigentlich nur als Übergangslösung. Murat ist Fußballfan und Hobbygärtner. Und Anke ist Schauspielerin Mitte 50, die gerne einfach wieder mal eine Rolle hätte, egal als was, egal wo. Auf den ersten Blick passen die vier gar nicht zusammen. Und das hätten sie auch vielleicht nie - doch dann beginnt Jörg, aufzufallen. Zu Beginn sind es nur Kleinigkeiten: vergessene Schlüssel oder Namen, nichts, was einem gesunden Menschen nicht auch passieren könnte. Doch irgendwann beginnt sich Constanze, Sorgen zu machen - denn als Ärztin erkennt sie die Symptome wieder, auch wenn das gar nicht ihr Feld ist.

Besonders spannend finde ich, dass Bogdan den Verlauf der Demenz auch aus Jörgs Sicht geschildert hat. So entsteht ein Bild dieser Krankheit, wie ich es in der Belletristik noch nie zuvor gesehen habe. Sie nutzt unterschiedliche Techniken, von Auslassungen bis hin zum Stream-of-consciousness, und ich finde, dass das sehr gut funktioniert hat und glaubwürdig ist. Und trotzdem werden auch die anderen Figuren nicht vernachlässigt. Auch wenn Jörg hier eine Sonderstellung einnehmen muss, haben auch die anderen ihre Sorgen und Probleme, die oft auch gar nichts mit Jörg zu tun haben, und dann immer mehr.

[Spoiler]

Die Autorin lässt uns hier mit einem offenen Ende zurück. Das fand ich überraschend gut. Nicht alle Probleme wurden gelöst, viele Fragezeichen bleiben, und das Buch wirkte so ordentlich bei mir nach. Das ist sicher nicht für alle Leser:innen angenehm, doch ich fand dieses Ende glaubwürdig und sehr gut gewählt.

[Spoiler Ende]

Hört sich jetzt nach einem ziemlich düsteren Buch an, oder? Ist es auch, über weite Stellen. Doch genauso wie ernste Passagen fand ich hier auch Aspekte, die mich zum Lachen brachten. Die Figuren bringen viel Humor mit und sorgten so dafür, dass dieses Buch trotzdem Spaß machte und mich nicht zu niedergeschlagen zurückließ.

Mein Fazit? Ein überraschendes Lesehighlight!

Sonntag, 6. April 2025

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an [Kurzrezension]


Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich erfolgreich meiner Kollegin abgenommen - Sorry, C.! Dabei war das gar nicht meine Intention. Ich hab nur gejammert, dass sie klüger war als ich und das Rezensionsexemplar für sich reserviert hat. Und dann hatte ich das Buch plötzlich wieder in der Hand. Joa, gewehrt habe ich mich dann auch nicht wirklich, muss man dazu sagen. Upsi!

Nach den drei Hauptbänden der „Tribute von Panem“-Reihe und dem Prequel „Das Lied von Vogel und Schlange“, das ich persönlich ja eher weniger mochte, können sich Leser*innen nun mit diesem Buch erneut in die Welt der Hungerspiele zurück wagen. Dieses Mal wird die Geschichte des Mentors und schweren Alkoholikers Haymitch Abernathy erzählt. Wie wurde er zu der tragischen Figur, die wir zusammen mit Katniss kennengelernt haben?

Die Handlung beginnt am Tag der Ernte – Haymitchs 16. Geburtstag. Für ihn ist noch alles wie immer: Er arbeitet, lässt sich von seinem kleinen Bruder Sid und seiner Mutter gratulieren und trifft sich mit seiner Freundin Lenore Dove. Doch dann kommt es während der Ziehung der Tribute für die Hungerspiele zum Aufstand – Haymitch gerät beim Versuch, Lenore zu schützen, irgendwie dazwischen und plötzlich muss er zur Strafe an den tödlichen Spielen teilnehmen. Er weiß: Bald wird er nicht mehr leben. Also wird er sein Bestes tun, um bis zu seinem Tod die Hungerspiele so stark wie möglich zu stören. Mehr als sein Leben kann ihm das Kapitol ja nicht nehmen … oder?

Knapp 15 Jahre ist es inzwischen her, dass der erste Band der „Tribute von Panem“-Reihe erschien. Doch auch dieses neue Buch ist keine reine Geldmacherei, wie man es von anderen Autor*innen bekannter Reihen erwarten würde. Dieser Roman fügt sich nahtlos in die Reihe ein, ist gesellschaftskritisch – und das nicht nur im Bezug auf die fiktionale Welt – und einfach unglaublich spannend. 

Mein Fazit? Wer die anderen Bücher der Reihe mochte, wird auch dieses Buch genießen. Ein Must-Have!

Montag, 31. März 2025

No Hard Feelings [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich bin Mitte 20 und finde es unglaublich spannend, wie unterschiedlich die Lebenswege von meinen Freund:innen und mir sind. Ich selbst habe beruflich gerade viel Erfolg, bin kreativ und lege darauf meinen Fokus. Und das macht mich glücklich. Eine andere Freundin wiederum wird bald heiraten und ich freue mich unglaublich für sie. Wieder andere Freund:innen sind dabei, ihre Studien abzuschließen und auf der Suche nach ihren ersten Jobs. Manche schmeißen gerade alles hin und beginnen nochmal von vorne. Manche haben bereits Eigentumswohnungen, andere wohnen in ihren Kinderzimmern. Und all diese Wege sind so interessant und einzigartig. Uns wird in verschiedenen Medien vermittelt, dass wir unser Leben nach einer ganz bestimmten Zeitlinie leben müssen, aber ich halte das für Schmarrn. Nur unnützer Druck, der niemandem gut tut. 

Ein Beispiel aus der Fiktion? Penny aus "No Hard Feelings". Sie kann es nicht fassen: Plötzlich sind ihre beiden besten Freundinnen Bec und Annie so richtig erwachsen. Bec hat sich verlobt und Annie wird demnächst Partnerin in einer Anwaltskanzlei sein. Unglaublich und natürlich ist sie stolz auf ihre Freundinnen. Und Penny selbst? Die hat eine On-Off-Beziehung mit dem Doktoratsstudenten Max und hasst ihren Job. Und zur Therapie muss sie jetzt auch noch, weil ihre Freundinnen eine ihrer Panikattacken miterlebt haben. Dabei hat sie gar kein Problem. Sie hat es nur so satt, die ganze Zeit zu warten: Darauf, dass sich Max endlich für sie entscheidet. Darauf, dass ihr Job endlich spannend wird, ihre Chefin ihr Potential erkennt und sie befördert. Darauf, dass ihre Freundinnen endlich auch mal wieder Zeit für sie haben.

Auch wenn es sich nicht so anhört: Dieses Buch war eine Wohlfühllektüre, die mich an „Bridget Jones“ erinnerte. Leser:innen finden hier eine chaotische, aber trotzdem irgendwie liebenswürdige End-Zwanzigerin, die sich einfach nur geliebt fühlen will, spannende Therapiesitzungen, schlechte Dates und ganz viel trockenen Humor. Es machte mir Spaß, Penny ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und es war schön zu sehen, wie sehr sie im Laufe der Handlung wächst. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe dafür sogar Schlaf geopfert.

Mein Fazit? Ein genialer Roman, der aktuell noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt!

Dienstag, 7. Januar 2025

Blue Sisters [Kurzrezension]


Quelle: Verlag

Habt ihr eigentlich Geschwister? Ich habe zwei und ich liebe sie aus ganzem Herzen. Und die Vorstellung, dass diese beiden oder auch nur einer von ihnen plötzlich nicht mehr da sein könnte, ist der Stoff, aus dem meine schrecklichsten Albträume gemacht sind. Ihr könnt mir also glauben, wenn ich euch sage, dass ich mir zu Beginn gar nicht so sicher war, ob dieses Buch wirklich das richtige für mich ist. Ein Roman über den Tod einer Schwester... will ich das wirklich lesen? Ich bin dann einige Tage lang trotzdem bei der Arbeit immer wieder vor diesem Buch gestanden und hab reingeblättert. Und inzwischen vertraue ich meinem Instinkt gut genug um zu wissen, dass das meistens ein gutes Zeichen ist.

Und verdammt, bin ich froh, dass ich dieses Buch mitgenommen habe. Es geht hier um Avery, Bonnie, Nicky und Lucky – vier Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie vier sind eigentlich recht normale Geschwister. Klar kommt es auch bei ihnen immer wieder zu Reibung, doch sie lieben sich alle und bilden zu viert eine Gemeinschaft, wie sie nur Geschwister kennen. Zumindest war das bis vor einem Jahr so. Doch dann starb Nicky an einer Überdosis Schmerzmittel. Wie wir Leser:innen schnell erfahren, hatte Nicky Endometriose - diese Krankheit hat sie wohl in die Sucht getrieben. Und jetzt, ein Jahr nach ihrem Tod, ist für die hinterbliebenen Schwestern nichts mehr so, wie es sein sollte. Avery ist zwar weiter erfolgreiche Anwältin, doch betrügt ihre Ehefrau und hat wieder mit dem Rauchen begonnen, was für sie als ehemalige Alkoholikerin und Drogenabhängige ein gefährlicher erster Schritt zurück in die Sucht sein könnte. Bonnie, ehemals Boxweltmeisterin, arbeitet nun als Türsteherin in einer Bar und hat alle Träume, die sie je hatte, vor einem Jahr beerdigt. Lucky modelt weiter auf den größten Laufstegen der Welt, hat aber ihren Alkohol- und Drogenkonsum immer weniger unter Kontrolle.

Wie aus meiner Kurzbeschreibung hier schon hervorgeht: Es geht hier um verschiedene Formen der Abhängigkeit und um die Frage, wer denn jetzt Schuld an Nickys Tod hat. Für beide Themen gilt: Wenn ihr denkt, dass ihr damit ein Problem haben könntet, dann lasst die Finger davon. Es geht hier um so schwierige Themen wie die Frage, ob eine der vier Nickys Sucht hätte erkennen können oder sogar müssen. Und ob eine von ihnen irgendwie in der Lage gewesen sein könnte, diese Tragödie zu verhindern. Die Schwestern sparen nicht an Vorwürfen an sich selbst und an die anderen. Trotzdem liest sich das Buch an vielen Stellen leicht und ist nicht zu erdrückend. Hört sich paradox an, ich weiß.

Die Protagonistinnen erzählen vom Umgang mit ihrem Schmerz, vom Aufwachsen in einer von Sucht geprägten Familie, von Flucht und Ankommen. Und ganz groß steht über allem die Frage, was die drei zurückgebliebenen Schwestern denn wirklich von ihrem Leben wollen. 

Ich habe dieses Buch einfach nur verschlungen. Gerade die zweite Hälfte habe ich fast in einem Rutsch gelesen. Was für ein toller Roman für die erste Januar-Woche! Was für ein genialer Start in mein Lesejahr! So darf es gerne weitergehen!

Mein Fazit? Ein klares Highlight! Lest dieses Buch!

Montag, 23. Dezember 2024

Der kleine Prinz [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich habe mich endlich an den "Kleinen Prinzen" rangetraut! Das habe ich ewig vor mir hergeschoben, aus zwei Gründen. Erstens, da es ein Klassiker ist. Und zweitens, weil ich weiß, dass "Der Kleine Prinz" das Lieblingsbuch von so einigen Menschen ist. Beide Aspekte sorgen bei mir oft dafür, dass ich ein Buch nicht lese - denn was, wenn ich es dann nicht mag? Aber hey: Das war jetzt schon öfters so und nichts Schlimmes ist passiert. Kein Shitstorm, keine Hassnachrichten, nichts. Also traue ich mich jetzt immer öfter, solche Empfehlungen in die Hand zu nehmen. Und da bin ich gerade wirklich froh darüber!

Diesen Klassiker habe ich als Hörbuch im Zug zwischen Berlin und München gehört. Und ich fand es großartig. Es geht hier um einen namenlosen Erzähler, der mit seinem Flugzeug in der Wüste abstürzt. Dort trifft er den kleinen Prinzen, der von einem anderen Planeten kommt und viel zu erzählen hat.

Dieses Büchlein ist enorm witzig. Auch wenn ich das Buch zuvor noch nicht kannte, wurden bei mir enorm viele Kindheitserinnerungen wach. Ich wurde an die selbst ausgedachten Geschichten erinnert, die mein Vater uns immer vor dem Einschlafen erzählt hat. Und an das Buch "Einmal Erde und zurück" - das war auch meine allererste Lesung, die ich zu diesem Buch besucht habe. In einer Sternwarte. Da war ich wahrscheinlich erst so sechs oder sieben Jahre alt - und heute wundern sich alle, wie meine Eltern es wohl geschafft haben, so eine Leseratte heranzuziehen!

"Der Kleine Prinz" zeichnet sich für mich vor allem auch durch die tolle Erzählstimme aus, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Diese Geschichte war überraschend gesellschaftskritisch und nimmt die Prioritäten und Gewohnheiten von uns Erwachsenen ordentlich aufs Korn. Ich fühlte mich dadurch dazu eingeladen, mich selbst ein bisschen zu hinterfragen.

Mein Fazit? Sollten alle irgendwann gelesen haben. Ganz große Leseempfehlung!

Sonntag, 15. Dezember 2024

Siebenmeilenherz

Autorin: Katharina Winkler
Erschienen am 7.3.2024
Im Matthes & Seitz Verlag Berlin
ISBN: 9773751809610
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Katharina Winkler stellt sich in diesem unter die Haut gehenden Roman mit den Mitteln der Literatur gegen die Gewalt und schildert das zu einer Erzählung verdichtete Erlebnis eines Missbrauchs und das lange beschädigte Leben danach. So wie das Mädchen, aus dessen Innenperspektive Katharina Winkler erzählt, ihrem Vater ausgeliefert ist, liefert die Autorin uns der Geschichte aus, die von der Kinderstube aus auf alle weiteren Aspekte eines Lebens übergreift – denn weder eine neue Stadt, neue Freunde noch eine Liebesbeziehung bringen Linderung für ein traumatisches Geschehen, das sich dem Körper, Denken und der Wahrnehmung eingeschrieben hat und oft aus Scham verborgen bleibt. Siebenmeilenherz erzählt von einer Tat, die tagtäglich tausendfach in den Familien unserer Gesellschaft begangen wird, und rüttelt damit am Tabu, darüber zu sprechen.Wie schon in ihrem Debütroman Blauschmuck geht es Katharina Winkler auch in Siebenmeilenherz darum, das Schweigen zu brechen, mit dem Gewalterfahrungen von Frauen in Familien und in der Liebe belegt sind. Aus tiefer Überzeugung, dass Literatur Empathie ermöglichen und Veränderungen auslösen kann, findet die preisgekrönte Autorin eine beeindruckende Sprache, einen adäquaten ästhetischen Ausdruck für das, worüber keiner spricht."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Wow, einfach nur wow. Dieses Buch hat mich schockiert wie schon lange keines mehr! Ganz wichtig: Dieses Buch erzählt vom Missbrauch eines kleinen Mädchens. Daher ist es so ziemlich unmöglich, dieses Thema in meiner Rezension auszusparen. Solltet ihr euch also nicht mit diesem Thema beschäftigen können, solltet ihr die Rezension jetzt wegklicken.

Wie ihr nach dem Klappentext und diesem ersten Absatz schon erahnen könnt: Hier erzählt ein kleines Mädchen von der Liebe zu ihrem Vater und seiner zu ihr. Er liebt sie sogar so sehr, dass das Herz ihrer Mutter einfach stehen bleiben würde, wenn sie wüsste, wie sehr er sie liebt - zumindest erzählt er ihr das. Und das Mädchen glaubt das, denn du zu Beginn der Handlung ist sie sicher nicht älter als sechs Jahre, wahrscheinlich sogar jünger. In Lyrikform erzählt sie vom Missbrauch durch ihren Vater. 
Die verwendete Sprache ist vor allem zu Beginn sehr kindlich, was das Beschriebene noch schockierender macht. Es ist zur Rede von der "Mäusehöhle" des Mädchens, vom "Horn" und vom "Wundersaft" des Vaters. Der Missbrauch wird auf der Seite geschildert und dadurch ist der Text sehr nahe an der Schmerzensgrenze. Wie gesagt: Wer davon getriggert werden könnte, sollte sich vom Text fernhalten. Der Rest muss dieses Buch lesen, auch wenn es unangenehm ist und schmerzt. Setzt euch diesem Schmerz aus, denn das ist so ein unglaublich wichtiges Thema!

Wir verfolgen hier das Mädchen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben und auch die langfristigen Probleme durch den Missbrauch werden sichtbar. Das Mädchen, das namenlos bleibt, bekommt schlechte Noten, leidet unter Gedächtnislücken, hat Ängste und Probleme, anderen zu vertrauen. 

Mein Fazit? Das hier ist eines der stärksten Bücher, die ich 2024 lesen durfte. Am liebsten würde ich euch alle dazu zwingen, dieses Buch zu lesen.

Donnerstag, 28. November 2024

Der längste Schlaf [Kurzrezension]

Quelle: Verlag


Es gibt fast nichts Schlimmeres für mich, als wenn ich nicht gut schlafen kann. Eine schlaflose Nacht und die nächsten paar Tage sind zum wegwerfen. Dann bekomme ich nichts mehr auf die Reihe und fühle mich einfach generell ganz ekelhaft. Mehrere schlaflose Nächte hintereinander? Nope, vergiss es! Da muss ich mich krankschreiben lassen. 
In meiner Kindheit und Jugend war das Nicht-Schlafen-Können leider ein eher häufiges Problem. Gerade mit so 12, 13 Jahren hatte ich eine Phase, in der ich diese Schlaflosigkeit im Nachhinein doch eher schon als krankhaft bezeichnen würde. Ich konnte einfach nicht schlafen. Ich lag da, aber der Schlaf kam nicht. Es war grauenhaft. Heute bin ich meiner Schlaflosigkeit Gott sei Dank entwachsen und leide nur noch in extremen Stressphasen darunter. Und auch dann ist es für mich heute nicht mehr so schlimm wie es das als Kind war. Dann schalte ich mir meine Lieblingspodcasts ein, zücke mein Rätselbuch, mach mir eine Wärmflasche und koche mir noch eine Kanne Tee. Und meistens bekomme ich dann trotzdem noch zumindest ein paar Stunden Schlaf. Gott sei Dank!

Anders geht es hier Mara Lux. Sie ist Schlafforscherin und leidet ironischerweise ebenfalls an Schlaflosigkeit. Doch ihre Gründe sind anders und etwas ungewöhnlicher als die meinen es waren: Sie hat seit ihrer Kindheit prophetische Träume. Was sie im Schlaf sieht, passiert oft auch. So auch der Autounfall, bei dem ihre Eltern gestorben sind. Daher hat sie bis heute panische Angst vor ihren Träumen und hat einige Tage sogar versucht, gar nicht mehr zu schlafen. Und diese Angst zeigt sich schon zu Beginn der Handlung als berechtigt: Bereits zu Beginn der Handlung träumt sie, dass ihre Nachbarin durch den Himmel fliegt – und findet am nächsten Tag heraus, dass diese aus dem Fenster gefallen oder gesprungen ist.
In Deutschland ist Mara fast nie, zu viel erinnert sie dort an ihre Eltern. Doch dann wird sie durch
einen Anwalt aus Frankfurt kontaktiert. Ein ihr fremder Mann möchte ihr anonym ein Herrenhaus
vererben. Zuerst glaubt Mara an Betrug, dann an eine Verwechslung, schließlich reist sie doch an –
und plötzlich träumt sie von einem maskierten Mann und einem Mädchen, das ihre Hilfe braucht.
Gleichzeitig scheint es im Herrenhaus zu spuken – oder ist das doch eine Psychose, die durch Maras
Schlafmangel ausgelöst wurde?

Melanie Raabe kannte ich zuvor nur durch ihre Krimis und Thriller. „Der längste Schlaf“ ist wiederum eher ein sehr spannender Roman mit Mystery- und Horror-Elementen. Traum und Realität vermischen sich, verschwimmen ineinander, und wir Leser:innen rätseln an jedem Morgen wieder, welche Traumelemente sich heute denn wieder in Maras Alltag drängen werden. Das macht mir Lust auf mehr aus diesem Genre!
Wir zweifeln gemeinsam mit Mara an ihrem Verstand, wundern uns über das Herrenhaus und bangen um das kleine Mädchen. Vor allem in der zweiten Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die letzten 200 Seiten habe ich in einer Sitzung verschlungen.

Mein Fazit? Ein geniales neues Buch von Melanie Raabe!

Montag, 23. September 2024

So erziehst du deinen Menschen. Empfehlungen einer Hauskatze

Autorin: Barbara Capponi
Erschienen am 13.3.2024
Im Wunderraum Verlag
ISBN: 9783442317387
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Was Ihre Katze schon immer wissen wollte - wertvolle Ratschläge für die Erziehung des Dosenöffners.

Ein vergnüglicher Ratgeber, der Katzen zeigt, wie sie den richtigen Menschen finden und für ihre Bedürfnisse abrichten können.

Wir Katzen sind die mit Abstand beliebtesten Haustiere, allein im letzten Jahr residierten wir in mehr als 17 Millionen deutschen Haushalten. Zeit für einen Ratgeber, in dem katze erfährt, wie sie den perfekten Menschen finden und ganz nach ihren Bedürfnissen abrichten kann. Von der Raffinesse, einen Menschen zu verführen, bis zur hohen Kunst der ultimativen Intensivierung der Beziehung durch kurzzeitige Unauffindbarkeit gibt es viel Wissenswertes für das perfekte Zusammenleben mit dem Dosenöffner. Denn ist der Mensch gut erzogen, kann er ein nützlicher Begleiter sein."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Uff, die Rezension zu diesem Buch habe ich jetzt länger vor mir hergeschoben. Vor allem, weil ich mich Anfang diesen Sommers nach langer Krankheit von meiner Katzendame verabschieden musste. Deswegen war ich jetzt die längste Zeit einfach echt nicht in der Stimmung dazu, irgendwas zum Thema zu schreiben. Und dann war der Punkt erreicht, an dem ich mich sogar erfolgreich davon überzeugt habe, dass ich diese Rezension schon geschrieben habe. Könnt ihr euch denken, wie überrascht ich war, als ich bemerkt habe, dass ich weder auf Reado, noch auf Goodreads die Rezension gespeichert habe - und sie auch nicht auf diesem Blog finden konnte. Ups. Also musste ich meine Notizen zum Buch nochmal hervorkramen und darf euch jetzt die Rezension zu "So erziehst du deinen Menschen" präsentieren.

In diesem Ratgeber wird aus Sicht der Katze alles erklärt, was man über das Zusammenleben mit einem Menschen wissen will. Das beginnt bei der Auswahl des richtigen Dosenöffners... ähm, Menschen. Weiter gehts mit der Erziehung, denn ein falsch erzogener Mensch ist kein angenehmer Zeitgenosse. Und natürlich wird uns auch erklärt, was denn einen Menschen für so einen tollen Gefährten für Katzen macht - von der Fähigkeit, die Thunfischdose zu öffnen mal abgesehen. Ergänzt werden alle Kapitel auch durch Geschichten über besondere Katzen und ihre Menschen.

Dieser Ratgeber ist humorvoll, super lustig und fesselnd. Der Schreibstil hatte mich sofort und sorgte dafür, dass ich dann recht schnell mit dem Buch durch war.

Das Buch ist schön gestaltet. Hier finden wir auch Illustrationen, die ich für gut gelungen halte und die mir dieses Buch noch sympathischer machten. Das ist mit einer der Gründe warum ich dieses Buch auch für ein großartiges Geschenk halte - nicht vergessen, in drei Monaten ist schon wieder Weihnachten. (Ja, das musste ich gerade selber nochmal nachschauen. Draußen hat es über 20 Grad - das kann doch gar nicht sein!)

Mein Fazit? Ein Must-Read für alle Katzeneltern!

Samstag, 17. August 2024

Mein letztes Jahr der Unschuld [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Isabel Rose ist im letzten Jahr ihres Studiums – und nichts ist so, wie sie es sich vorgestellt hat. (Same, girl!) Sie weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, fühlt sich einsam und von ihren Freundinnen unverstanden. Und ob das mit Zev, mit dem sie eigentlich immer nur aus Höflichkeit geredet hat, einvernehmlicher Sex war, das weiß sie auch nicht. Was sie aber weiß, ist, dass sie sich nicht wohl damit fühlt, als sie mit ihrer Freundin dann vor seiner Zimmertür steht und "Vergewaltiger" darauf sprüht. Was nur weiter zur Entfremdung der beiden beiträgt. Kurz: Isabels Leben fühlt sich an, als würde es auseinanderfallen – und sie leidet sehr darunter.

Ihr einziger Lichtblick ist ihr neuer Professor für Kreatives Schreiben: R.H. Connelly. Er hält ihre Texte für etwas ganz besonderes und Isabel selbst natürlich auch – sehr zum Ärger der anderen Studierenden. Langsam entwickelt sich eine geheime Affäre zwischen den beiden…

Ein unglaublich spannender Roman, der wohl ein breites Publikum ansprechen wird - und genau die Art von Geschichte war, die ich gerade lesen wollte. Die Geschichte Isabels wird gefühlvoll erzählt und ohne Isabel dabei abzuwerten – und trotzdem wird die Lehrer-Studentin-Beziehung nicht verharmlost oder gar romantisiert. Was ich hier unbedingt hervorherben möchte, denn Dark Romance liegt ja immer noch im Trend und da wäre ein solches Machtgefälle ja erwünscht und etwas, das gerne gelesen wird. So aber kann ich euch sagen: Das hier ist keine Dark Romance. Wenn ihr so ein Buch also sucht, dann nehmt nicht dieses hier in die Hand. Wenn ich aber diesen Roman bisher noch nicht gelesen habt, weil ihr Angst habt, dass das Dark Romance sein könnte, dann ist das hier euer Zeichen: Ihr könnt dieses Buch guten Gewissens lesen!

Isabel befindet sich in einer Phase der Selbstfindung – und der Autorin ist es gelungen, diese Phase, die wohl vielen Leser:innen aus dem eigenen Leben bekannt sein dürfte, authentisch zu beschreiben. 

Mein Fazit? Eine ganz große Leseempfehlung für euch!

Dienstag, 11. Juni 2024

Der Plan zur Rettung der Welt [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist der erste Roman seit einer halben Ewigkeit, den ich euch mal wieder uneingeschränkt empfehlen kann. Immer wieder begegne ich einfach Büchern, die mich daran erinnern, wie sehr ich das Lesen eigentlich liebe und warum ich mich dazu entschlossen habe, Literaturwissenschaften zu studieren. "Der Plan zur Rettung der Welt" ist eines dieser Bücher. Es ist unglaublich gut geschrieben, spannend, super kritisch und intelligent und hat meiner Meinung nach das Potential, zum Klassiker der Zukunft zu werden. 

Doch worum geht es? Es geht um Emi und Larch. Die beiden sind Tochter und Vater und leben in einer klimaneutralen und friedlichen Welt. Während Larche und Emis Mutter noch vor Hitze und Waldbrände geflohen sind und gegen die Ausbeutung von Mensch und Umwelt gekämpft haben, lebt Emi ein bequemes Leben, das nur von den Erwartungen und ständigen Streitereien ihrer Eltern überschattet wird. Doch dann kommt es zu Anschlägen auf verschiedene Politiker – und die Welt, wie Emi und ihr Vater sie kannte, bricht damit zusammen. Denn in den darauffolgenden Ermittlungen ist Emis Mutter die Hauptverdächtige.

Dieses Buch erzählt von einer Welt am Rande des Abgrunds und ist dabei stets glaubwürdig. Auch der Generationenkonflikt zwischen Emi und ihren Eltern wirkte auf mich authentisch. Die Folgen des Klimawandels, die hier dargestellt und eindringlich beschrieben werden, bleiben im Gedächtnis - und entsprechen leider ziemlich genau dem, was auch wir in Zukunft erwarten können. Dass wir unseren Schmarrn endlich auf die Reihe bekommen und die Klimakatastrophe aufhalten können, glaube ich nach der Wahl am Sonntag leider nicht mehr. Genau wie es in diesem Roman beschrieben wird, werden auch wir in ein oder zwei Jahrzehnten Schadensbegrenzung betreiben müssen. Wie die Protagonisten werden wir Opfer bringen müssen - und ich kann nur hoffen, dass diese Opfer nicht ganz so groß sein werden wie hier. 

Mein Fazit? Climate Fiction vom Feinsten und damit eine große Empfehlung für euch alle. Das hier hat es verdient, ein Klassiker der Zukunft zu werden!

Dienstag, 28. Mai 2024

Verwandelt [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich bin mir immer noch unsicher, wie ich das mit den Arbeits-Rezensionsexemplaren machen soll. Denn ja: Hier bin ich schwach geworden und hab mir ein Buch in der Arbeit eingepackt. Soll ich das hier in der Rezension besonders kennzeichnen? Normalerweise tue ich das ja bei Rezensionsexemplaren immer. Aber: Das hier ist kein Rezensionsexemplar, das ich explizit für meinen Blog bekommen habe. Zählt das dann immer noch dazu? Oder fällt das dann unter Kategorie "Ganz normales Buch". Kann ich darüber eine Kurzrezension schreiben? Ich habe ganz ehrlich nicht die geringste Ahnung. Falls ihr besondere Wünsche habt, dann schreibt mir das gerne in die Kommentare, bis ich für mich selbst eine Antwort gefunden habe, probiere ich einfach ein paar verschiedene Varianten aus. Und meine erste Variante ist die für mich angenehmste: die Kurzrezension. Denn niemand zwingt mich dazu, dieses Buch auf meinem Blog zu rezensieren, denn ich lese es für ein anderes Medium, das mit diesem Blog kein bisschen zusammenhängt.

Also, worum geht es hier genau? Es handelt sich bei diesem Buch um eine Kafka-Biographie. Die beiden Autoren beschränken sich hier aber nicht nur auf Worte, sondern arbeiten auch mit Illustrationen und machen aus Kafkas Leben einen richtig spannenden Graphic Novel. Zusätzlich findet ihr hier einige Textausschnitte - wodurch diese Texte jeweils auch in Kafkas Leben verortet werden. Und gleichzeitig (zumindest bei mir) die Lust geweckt wurde, mal wieder einen (oder gleich alle) Kafka-Texte zu lesen. Kafka ist sowieso einer der Autor:innen, die mich besonders faszinieren. So sehr, dass ich sogar überlegt habe, meine Masterarbeit über einen seiner Texte zu schreiben, zumindest bis ich bemerkt habe, wieviel Sekundärliteratur ich dann berücksichtigen müsste. Meine Faszination mit ihm entstand viel zu früh, nämlich mit 12 Jahren. Damals habe ich mit meiner Familie einen Ausflug nach Prag gemacht und ging dort gemeinsam mit meinem Vater ins Kafka-Museum. Und tada: So wurde eine lebenslange Obsession in mir geweckt, die ich so schnell wohl nicht mehr loswerde. Warum das entstanden ist, kann ich bis heute nicht erklären, aber naja: Here we are!

Dieses Buch beschäftigt sich mit extrem vielen Themen, die für Kafka-Leser:innen spannend sein könnten - und das ohne, dass Vorwissen vorausgesetzt wird. Wahrscheinlich könntest du keine Ahnung haben, wer denn Kafka eigentlich ist, und dieses Graphic Novel trotzdem interessant finden. Besprochen werden sowohl Kafkas Familie und Jugend als auch seine Krankheit, seine Liebschaften und sein unerfüllter Wunsch, sich ganz dem Schreiben widmen zu können. 

Mein Fazit? Eine gut abgerundete Biografie mit tollen Bildern und vielen gut gewählten Textausschnitten und Zitaten. Konnte mich als  Kafka-Nerd sehr begeistern, ist aber sich auch was für Neulinge!

Freitag, 10. Mai 2024

Unlearn Patriarchy 2 [Hörbuch]

Autor:innen: Ireti Amojo, Melina Borčak, Yassamin-Sophia Boussaoud, Miriam Davoudvandi, Anne Dittmann, Karin Hartmann, Asha Hedayati, Mandy Mangler, Rebecca Maskos, Saboura Naqshband, Gonza Ngoumou, Nicole Seifert, Sarah Vecera und Alexandra Zykunov
Gesprochen von Maya Alban-Zapata
Erschienen am 20.3.2024
Im Hörbuch Hamburg Verlag
ISBN: 9783844938265
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der Bestseller »Unlearn Patriarchy« hat unglaublich viele Menschen inspiriert. Für den Folgeband der feministischen Anthologie versammeln die Herausgeberinnen und Bestsellerautorinnen Emilia Roig und Alexandra Zykunov zusammen mit Silvie Horch weitere prominente Autor*innen und Aktivist*innen, um den so hartnäckigen patriarchalischen Prägungen unserer Gesellschaft nachzuspüren, und Möglichkeiten, diese endlich und ganz konkret zu verlernen.

Von »Klasse« über »Medizin« bis »Erziehung« oder »Recht« – in 13 ehrlichen und radikalen Essays beleuchten die Beitragenden die krassen Auswirkungen des Patriarchats auf unser aller Leben. Sie berichten von ihrem eigenen Weg hin in eine diskriminierungsfreie Gesellschaft und geben Impulse, wie wir internalisierte Muster erkennen und aufgeben können. Ein Muss für alle, die mit der andauernden Ungleichheit zwischen Frau und Mann, weiß und Schwarz, hetero und queer, arm und reich sowie den zugrunde liegenden Strukturen nicht einverstanden sind."
Quelle: Verlag

Meine Meinung: 
Dieses Hörbuch versammelt unterschiedlichste Beiträge zu verschiedenen Themen des intersektionalen Feminismus. Was bedeutet intersektional? Nun, ganz vereinfacht gesagt: Ich habe als weiße Frau mit vielen Privilegien mit ganz anderen Problemen zu kämpfen als eine POC-Frau, die in einem Flüchtlingslager lebt. Wir beide haben die Gemeinsamkeit, dass wir wegen unserer Weiblichkeit benachteiligt werden. Doch durch meine Privilegien sieht diese Benachteiligung anders aus. Während die fremde Frau vielleicht rassistische Angriffe ertragen muss, bekomme ich höchstens kleinere Aggressionen wegen meinem Namen ab. Während der fremden Frau als Frau und POC einige wirklich grausige Stereotype zugeschrieben werden (wie zum Beispiel das Klischee der "angry black woman" oder auch die Sexualisierung und Exotisierung von POC-Frauen), bleibe ich davon verschont. Seht ihr was ich meine? Falls es euch noch nicht ganz klar ist: Offensichtlich habt ihr Internetzugriff. Ich traue euch zu, dass ihr bessere Beispiele online findet.

Doch worum geht es in diesem Hörbuch nun wirklich? Nun, um fast alles. Es gibt hier Beiträge zum Thema Sport, zur Gender Pay Gap, über Literatur, über Krieg und so weiter und so weiter. Es gibt hier für sicher jedes Interesse den passenden Beitrag - und falls nicht, wird man sicher in Teil 1 fündig. Vermute ich zumindest mal. Den habe ich nämlich bisher nicht gehört. Das habe ich aber für die Zukunft fix eingeplant. Geschrieben wurden die Beiträge von super intelligenten Personen, die eindeutig Expert:innen für ihr jeweiliges Fach sind.

Dieses Hörbuch machte zumindest mich sehr wütend. Ich finde es schrecklich, dass wir das Jahr 2024 schreiben und intersektionaler Feminismus immer noch notwendig ist. Ich hasse es, zu wissen, dass ich als Frau nicht die gleichen Chancen habe, wie ein Mann sie hätte - wegen meiner Erziehung, der Rolle, die die Gesellschaft von mir erwartet, und den Möglichkeiten, die mir deswegen angeboten werden. Und ich bin wütend, dass mir trotz meiner Bildung und meines Vorwissens trotzdem nicht alle der hier beschriebenen Probleme bewusst waren. Ich habe hier nochmal viel Neues gelernt - was bei populärwissenschaftlichen Büchern über Feminismus leider nicht mehr oft der Fall ist. 

Mein Fazit? Ein Buch mit wirklich großartigen Beiträgen unterschiedlicher Autor:innen. Auf jeden Fall empfehlenswert!

Mittwoch, 10. April 2024

Drei Magier und eine Margarita

 Autorin: Annette Marie
Erschienen am 21.3.2024
Im Second Chances Verlag
ISBN: 9783989060227
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Gefeuert, pleite, mit einem Bein in der Obdachlosigkeit – ich bin offiziell verzweifelt genug, um auf die Stellenanzeige für einen dubios klingenden Barkeeperjob zu antworten.
Die Gäste in diesem Pub sind irgendwie … speziell, und meine Probeschicht geht vom ersten Moment an den Bach runter. Doch statt mich hochkant rauszuschmeißen, bieten sie mir den Job an.
Wie sich herausstellt, ist der Pub eine Gilde. Und die drei attraktiven Typen, die ich mit einer Margarita überschüttet habe? Das sind Magier.
Offenbar ist eine Barkeeperin, die sich nichts bieten lässt, genau das, was diese Gilde braucht – oder es hat seine Gründe, dass niemand sonst hier arbeiten will. Für jemanden, der Magie bis eben für nicht existent gehalten hat, stecke ich plötzlich ganz schön tief drin ..."

Meine Meinung:
Wisst ihr, was ich liebe? Wenn ich ein Buch lese und dabei einfach schon im April merke, dass ich gerade ein Jahreshighlight verschlinge. Egal was sonst noch so kommt: Dieses Buch wird am Ende des Jahres bei meinen Favoriten sein. Was für eine geniale Story!

Was euch hier erwartet? Viel Ironie und Sarkasmus, eine bissige, aber liebenswürdige Protagonistin und eine magische Welt, wie ich sie mir gewünscht habe. Die Geschichte und der Stil, in dem sie geschrieben ist, sind super lustig und ich habe wohl über so gut wie alle der Witze gelacht (und dabei mal wieder ein paar seltsame Blicke kassiert - scheinbar ist das für die meisten Menschen nicht Alltag, dass jemand über Bücher lacht. Aber he, das bin ich inzwischen gewohnt!). Gleichzeitig schaffte es das Buch aber auch eine ordentliche Spannung aufrecht zu erhalten - und das mehr oder weniger die ganze Handlung über. Aber, und das fand ich ganz wichtig: Das war eine angenehme Spannung. Nichts, das mir zusätzlichen Stress macht oder mich nachts wach hält. Und das macht diesen Roman zu einem tollen Wohlfühlbuch für Zwischendurch. 

Schön finde ich auch, dass hier über eine magische Welt erzählt wird, die problemlos einfach so parallel zu der unseren existieren könnte. Wenn es eine Autorin schafft, ein solches System zu entwickeln, dann bekommt das Buch von mir automatisch Pluspunkte. Nicht vergessen: Ich bin einfach eine kleine Träumerin, die will, dass Magie existiert und jetzt natürlich hofft, in einen magischen Pub zu stolpern und dort von drei gut aussehenden Magiern angegraben zu werden. Upsi!

Worüber ich mich hier sonst noch so gefreut habe? Seht ihr die kleine "1" auf dem Cover? Jap, ich natürlich auch. Und jetzt freue ich mich schon tierisch auf den zweiten Band der Reihe. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, was sich die Autorin sonst noch so wird einfallen lassen.

Mein Fazit? Eine tolle Lektüre, mit der ich viel Spaß hatte!