Samstag, 30. März 2024

Traumnovelle [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Uff, das wird jetzt wieder so eine Rezension, unter der mir auf allen Plattformen mindestens ein halbes Dutzend Männer erklären wird, warum ich mit meiner Meinung falsch liege und generell keine Ahnung von Literatur habe. Hier also nochmal als kleine Erinnerung an alle Typen, die es jetzt schon in den Fingern juckt, sich zu beschweren: Literatur ist mein Fachgebiet. Ich bin Expertin. Aktuell schreibe ich meine Masterarbeit im Fach Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften. Bitte erklärt mir nicht ein Thema, in dem ich mich in 99 Prozent der Fälle besser auskenne als ihr. Und: Ich sage hier, dass MIR ein Klassiker nicht gefallen hat und ich ihn für problematisch halte. Ich sage NICHT, dass NIEMAND diesen Klassiker gut oder lesenswert finden darf.

So, super, dass dieses Missverständnis jetzt aus dem Weg geräumt wurde und wir uns auf meine höchst subjektive Meinung konzentrieren können. Die ich im oberen Absatz schon gespoilert habe. Upsi.

Aber worum geht es denn überhaupt? Arzt Fridolin stellt im Gespräch mit seiner Frau Albertine fest, dass sie auf sexueller Ebene nicht ganz zufrieden mit der Beziehung ist und sich wünscht, dass sie sich vor der Ehe mehr ausprobiert hätte. Was sie aber natürlich nicht getan hat, denn als Frau hattest du zu dieser Zeit jetzt nicht so besonders viel Spielraum für Sex außerhalb der Ehe. Und wie reagiert man da als reifer und erwachsener Mann, der eigentlich bisher in seiner Ehe nicht unzufrieden war und die gemeinsame Tochter liebt? Richtig, man beginnt sein Leben und seine Frau aus ganzem Herzen zu hassen und dreht völlig am Rad. Was man halt so macht. Fridolin geht hier zu Prostituierten, auf Orgien und spielt sich als der große Verführer auf. Und dabei sexualisiert er wirklich jedes Mädchen und jede Frau, die ihm unterkommt. 

Und das ist mein größtes Problem mit dieser Geschichte. Dass ich die Sichtweisen von Männern aus klassischer Literatur nie ganz verstehe, ist für mich nichts Neues. Auch Sexismus und Sexualisierung von Frauen generell in älteren Büchern kommt sehr oft vor - und auch da bin ich inzwischen schon abgehärtet. Aber pädophile Tendenzen? Ekelhaft! Gehts noch? Und sowas gehört heute zum großen Kanon der Literaturgeschichte?! Ich will gar nicht wissen, wie oft hier Mädchen als "fast noch Kinder" beschrieben wurden und wie oft ihre Kindlichkeit hervorgehoben wurde. Und das dann einfach für die Hauptfigur das Attraktivste war, das ihm bei einer Person unterkommen kann. Und ja, sicher 75 Prozent des Plots waren leider Beschreibungen von viel zu jungen Mädchen. Ganz ehrlich: So ein Buch sollte man meiner Meinung nach aus dem Kanon streichen. Wir haben schon so viele Bücher mit problematischen Inhalten auf unseren Literaturlisten stehen, dass wir nicht auch noch ein Buch drauf haben müssen, das Kinder sexualisiert. Diese Funktion hat schon Goethes "Faust" für sich beansprucht.

Mein Fazit? Leider überhaupt nicht mein Fall. Ich fand es ganz ehrlich einfach ekelhaft.

Freitag, 29. März 2024

Beklaute Frauen [Buch und Hörbuch]

 Autorin: Leonie Schöler
Gesprochen von Felicity Grist
Erschienen am 28.2.2024
Im Penguin Verlag (Buch) bzw. im Lagato Verlag (Hörbuch)
ISBN Buch: 9783328603238
ISBN Hörbuch: 9783955672560
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm bekamen

Muse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Für deren Leistungen Männer die Auszeichnungen und den Beifall bekamen: Wissenschaftlerinnen, deren Errungenschaften, im Gegensatz zu denen ihrer männlichen Kollegen, nicht anerkannt wurden. Autorinnen, die sich hinter männlichen Pseudonymen versteckten. Oder Künstlerinnen, die im Schatten ihrer Ehemänner in Vergessenheit geraten sind. Lebendig und unterhaltsam erzählt die Historikerin Leonie Schöler ihre Geschichten, sie zeigt, wer die Frauen sind, die unsere Gesellschaft bis heute wirklich vorangebracht haben. Und sie verdeutlicht, wie wichtig die Diskussion um Teilhabe und Sichtbarkeit ist. Dabei wird klar: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Hier habe ich endlich mal etwas ausprobiert, das ich schon öfters bei anderen Blogger:innen beobachtet habe: Ich habe das Hörbuch angehört und simultan dazu das Buch gelesen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert sehr gut. Das werde ich in Zukunft ganz sicher öfter machen. Ich hatte plötzlich gar keine Probleme mehr, mit den Gedanken beim Text zu bleiben und fand es um einiges weniger anstrengend, zu lesen. Was auch bedeutet hat, dass ich teils 100 Seiten in einer Sitzung lesen konnte, ohne danach komplett kaputt zu sein. Und, ein Funfact, den ich dank diesem Experiment jetzt kenne: Die angenehmste Hörbuchgeschwindigkeit für mich, wenn ich parallel dazu lesen möchte, ist 2,5. Insgesamt also: 10 von 10 Punkten, werde ich definitiv in Zukunft öfter machen. Wozu hat man denn ein Hörbuchabo?

Jetzt aber endlich zum Buch. In "Beklaute Frauen" geht es - wie der Titel bereits vermuten lässt - um Frauen, denen in der Geschichte nicht die Wichtigkeit zuerkannt wird, die sie verdient hätten. Und meist waren daran die Männer Schuld, die sie um sich hatten. Ehemänner, Arbeitskollegen, Künstlerkollegen,... Dieses Buch hat mich unglaublich wütend gemacht. Ganz ehrlich? Es ist nicht so besonders schwierig, sich nicht die Leistungen anderer Menschen selbst zuzuschreiben und sich Erfolge selbst zu arbeiten. Seriously, wie kommt man überhaupt auf die Idee, zum Beispiel ins Büro der Arbeitskollegin einzubrechen, um ihre Notizen zu stehlen und anschließend sogar in der eigenen Autobiographie damit zu prahlen, dass man sich den Nobelpreis nur durch Betrug und Diebstahl "verdient" hat. Bah, da wird mir richtig übel! Und das richtig Schlimme ist ja, dass solche und ähnliche Aktionen nicht nur Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg dieser Menschen hatte: Hier wird auch von Suiziden berichtet, die infolge dieses Verhaltens geschahen.

Trotz dieses sehr emotionalen Themas, das mich persönlich einfach nur wütend macht, schafft es die Autorin mit viel Empathie über diese vergessenen Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Heldinnen und so weiter zu berichten und ihnen so die Sichtbarkeit zurückzugeben, die sie eigentlich schon zu Lebzeiten verdient hätten. Das passierte an vielen Stellen auch wortwörtlich, nämlich durch Fotos von den Frauen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch in den nächsten Wochen und Monaten alle Bestsellerlisten anführt und im Internet gehyped wird, denn ich möchte, dass all diese Namen und Geschichten im kollektiven Gedächtnis landen, verdammt!

Gleichzeitig beweist die Autorin aber nicht nur Empathie für die Vergessenen, sondern auch für ihre Leser:innen. Vor jedem Kapitel findet man Triggerwarnungen, was ich für wichtig und richtig halte. So haben wirklich alle die Möglichkeit, ein Kapitel zu überspringen, sollten sie zu einem Thema gar nichts lesen können oder wollen. Kann ich euch persönlich zwar nicht empfehlen, da ihr dann eine Menge spannender Frauen nicht kennenlernen werdet, aber wie immer gilt trotzdem: Deine Mental Health hat Vorrang.

Die Autorin beschränkte sich aber nicht nur auf die Biographien verschiedener Frauen, sondern kontextualisierte diese auch sehr gut. Sie ging so zum Beispiel auch auf die Diskriminierung durch Gesetze ein, erklärte, wie bestimmte Aspekte in der Gesellschaft zur Zeit funktionierten, in der die einzelnen Frauen lebten und geht dabei auch intersektional vor, was mir sehr wichtig erscheint. In Infokästen (oder im Hörbuch einfach "Info" genannt) erklärt sie dabei auch so schwierige Wörter wie "intersektional". (Zur Info: Das bedeutet, dass nicht jeder Mensch auf gleiche Art von Diskriminierung betroffen ist. Es gibt auch Dinge wie Mehrfachdiskriminierung. Ich als junge weiße Frau aus Österreich bin von Sexismus anders betroffen als eine POC-Frau, die aus Syrien nach Österreich geflüchtet ist und eine Behinderung hat. Was nicht bedeutet, dass Sexismus für mich nicht auch schlimm ist, aber im Gegensatz zur anderen Frau bin ich nicht zusätzlich von Rassismus, Gewalt gegen Migrant:innen oder von Ableismus betroffen. Der Sexismus, den diese Frau erlebt, wird auch sehr wahrscheinlich anders aussehen als der gegen mich. Man denke zum Beispiel an das Klischee der "Angry Black Woman", das sowohl rassistisch als auch sexistisch ist und mich nie betreffen wird.)

Mein Fazit? Dieses Buch und Hörbuch hat mich sehr beeindruckt und ich kann es kaum erwarten, es in den nächsten Wochen allen Menschen in meiner Umgebung aufzuzwingen.

Montag, 25. März 2024

Adelsspross. Die erste Tochter

Autorin: Katharina Maier
Erschienen am 10.9.2019
Bei epubli
ISBN: 9783750202092
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks



Klappentext:
"Ein Mädchen erkennt, dass sie fliegen möchte und nicht darf

Myn wächst auf einem Planeten auf, über dem Raumschiffe fliegen und auf dem Väter das letzte Wort haben. Sie kann immer nur das, was Mädchen nicht können sollen. Trotzdem verlebt die Adelstochter eine unbeschwerte Kindheit mit einer eigenwilligen Mutter, einem schöngeistigen Vater und einem großen Bruder, der sie anspornt, ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
Ihre scheinbar heile Welt erhält Risse, als der aufwieglerische Asnuor zum Obersten Priester ernannt wird. Weshalb fällt das ganze Volk vor einem solchen Ehrgeizling auf die Knie? Warum schmiedet Myns Mutter Pläne hinter verschlossenen Türen? Und was hat das alles mit Myn und ihrem Bruder Vairrynn zu tun?
In 7 Bänden erzählt »Die Erste Tochter« von Intrige, Leidenschaft, Liebe, Freundschaft, Hass, einer fremden Welt und von einer Frau und drei Männern, die diese Welt für immer verändern. Doch eigentlich will Myn vor allem eins: ihre eigene Freiheit, von der sie in »Adelsspross« gerade erst begreift, dass sie sie gar nicht hat.

Ein Planet. Eine Frau. Ein Kampf."
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich sehr gefreut. Ich wurde von der Autorin (beziehungsweise einer Bekannten der Autorin, die sie beim Marketing unterstützt) vor ungefähr zwei Monaten kontaktiert und eingeladen, diesen Roman zu lesen. Und natürlich wollte ich das! Überrascht das irgendjemanden? Ich liebe Dystopien, feministische Dystopien finde ich noch spannender und ich interessiere mich sehr für Geschichten, die in der Zukunft angesiedelt sind. Erwartet habe ich mir genau das, was im Klappentext versprochen wird: Intrigen, Raumschiffe und viel Konfliktpotential durch Asnour, den Obersten Priester.

Dann kam aber leider schon auf den ersten 50 Seiten die erste schlechte Nachricht. Das Setting in der Zukunft wurde für mich leider an den meisten Stellen nicht sichtbar. Eher würde ich das Buch im Genre High Fantasy einordnen. Klar werden manchmal Raumschiffe erwähnt, aber die reine Erwähnung reicht meiner Meinung nach nicht, um ein Buch zu Science Fiction oder einem "Zukunftsepos" zu machen. Und ganz ehrlich? Das finde ich schade, denn High-Fantasy-Bücher bewerte ich leider meistens nur mittelmäßig. Das hat mir die Erfahrung inzwischen gezeigt und hätte ich gewusst, dass das Buch eher in diese Richtung tendiert, hätte ich die Anfrage wohl auch anders beantwortet. Denn entgegen allgemeiner Angabe, macht es mir keinen Spaß, wenig begeisterte Rezensionen zu schreiben, die man hätte vermeiden können.

Aufgefallen ist mir hier auch sehr schnell die unglaubliche Liebe zum Detail, die die Autorin hier beweist. Sie scheint wirklich sehr viel über ihre Welt zu wissen und das zeigt sie uns auch, indem sie uns im Detail erklärt, wie die Welt, ihre Wesen und ihre Einwohner funktionieren. Was wirklich toll sein kann! Versteht mich bitte nicht falsch: Ich finde es wichtig und richtig, dass sich die Autorin offensichtlich viele Gedanken zum Buch gemacht hat. Allerdings stellt sich mir die Frage, ob es wirklich notwendig ist, uns Leser:innen so viele Informationen zu geben? Das Buch wirkte dadurch nämlich leider teilweise überladen, unübersichtlich und langatmig. Viele der Beschreibungen wären meiner Meinung nach nicht unbedingt nötig gewesen, oder zumindest nicht in diesem Ausmaß, denn man hätte das auch einfach durch das Interagieren der Figuren miteinander zeigen können, statt lange darüber zu schreiben. 
Am Ende gibt es dann noch ein kleines Nachschlagewerk, in dem alle Figuren nochmal vorgestellt und bestimmte Begriffe erklärt werden. Das ist zwar ein schönes Extra, darf aber meiner Meinung nach nicht notwendig sein, um die Geschichte zu verstehen. Gerade bei eBooks ist das Vor- und Zurückblättern nämlich eher aufwendig.
Probleme hatte ich persönlich auch mit einigen der Namen von Figuren und Wesen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Autorin sich auch da viele Gedanken dazu gemacht hat. Ganz ehrlich? Wer so viel Herz in die Schaffung einer fiktionalen Welt steckt, fängt dann nicht plötzlich bei den Namen an, einfach irgendwas zu tippen. Ich als Leserin kenne diese Gedanken dahinter aber leider nicht. So wirkten die Namen dann leider teils wie willkürliche Buchstabenkombinationen. Das erschwerte es mir, mir zu merken, wovon denn genau gerade die Rede ist und was dieses Wesen nochmal war.

Wir folgen in diesem Roman vor allem Myn und ihren Brüdern. Myn ist ein junges Mädchen, dessen Kindheit wir in diesem Buch aus der Ich-Perspektive verfolgen. Das machte sie für mich zu der Figur, der ich am meisten Aufmerksamkeit schenkte und die mich am meisten interessierte. Was meiner Meinung nach in diesem Buch nicht unbedingt ideal war: Wahrscheinlich wird sich das in den zukünftigen Teilen der Bücher noch ändern, doch in diesem ersten Band war Myn eher eine passive Figur, die eine reine Beobachterrolle einzunehmen schien. Das hat den Vorteil, dass wir so mal eine Einleitung in die Welt bekommen - und den Nachteil, das ein Kind oft nur wenige Ziele hat, die für ein Buch passend sind, das sich selbst als "Epos" bezeichnet. Generell hatten die Figuren in diesem Buch leider nur wenige für mich wirklich klare Ziele, die der Handlung Schwung hätten verschaffen können. Die einzige, die mir da wirklich als Ausnahme einfallen würde, ist Myns Mutter, die versucht, politischen Wiederstand zu leisten. Das bekommen wir hier aber leider nur am Rande und erst später im Buch mit. Das bewirkte, dass es der Handlung leider sehr schwer fiel, Tempo zu entwickeln.

Mein Fazit? Dieses Buch war leider nicht ganz mein Fall. Schade.

Sonntag, 24. März 2024

Vierzehn Tage. Ein Gemeinschaftsroman [Hörbuch]

Herausgeber: Margaret Atwood und Douglas Preston
Gelesen von Simone Kobst
Erschienen am 15.2.2024
Im OsterwoldAudio Verlag
ISBN: 9783869525327
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Geschichten machen die Welt zu einem besseren Ort.

New York im April 2020. Während des ersten Lockdowns wird das Dach ihres Mietshauses für die Bewohner zur überraschenden Zuflucht vor der Isolation. Jeden Abend treffen sie sich dort und erzählen einander ihre ungewöhnlichen, spannenden, komischen und bewegenden Geschichten. Jeder Mieter und jede Mieterin steuert eine bei (wahr oder zumindest gut erfunden), und ein neues Decamerone für unsere Zeit nimmt seinen Anfang. Allmählich findet die Runde zu einer unerwarteten Gemeinschaft und Anteilnahme füreinander …

Ein Loblied auf das Leben, die Menschlichkeit und die Gemeinschaft.

Ein einzigartiges Romanprojekt, das 36 der hochkarätigsten Autorinnen und Autoren der US-Gegenwartsliteratur versammelt – von Margarete Atwood bis Silvia Day, von Celeste Ng bis John Grisham."
Quelle: Verlag

Meine Meinung: 
Sagt euch das "Decamerone" etwas? Dabei handelt es sich um einen italienischen Klassiker von Boccaccio. Die Geschichte spielt zur Zeit der Pest: Eine Gruppe Adeliger flieht während der Pest auf einen Landsitz in der Toskana, isoliert sich dort brav selbst und erzählt sich den lieben langen Tag Geschichten. So entstand eine sehr spannende Kurzgeschichtensammlung voll mit Geschichten, von denen ich viele überraschenderweise aus meiner Kindheit kannte. Ihr könnt euch vorstellen, wie überrascht Klein-Mira war, als sie diese Geschichten dank einem Unikurs wiederentdeckte. 

So ähnlich funktioniert auch dieses Buch: Während dem ersten Covid-Lockdown treffen sich die Bewohner:innen eines Hauses jeden Abend auf dem Dach. Dort erzählen sie sich Geschichten. Die Grundhandlung folgt einer jungen Hausmeisterin, nach und nach kommen aber alle Figuren zu Wort. Jede dieser Geschichten stammt aus der Feder einer anderen Autorin oder eines anderen Autors - wie immer bei solchen Anthologien war es auch hier so, dass sich daher auch die Qualität der Geschichten voneinander unterschied. Von "Absolut gigantisch und will ich gleich nochmal hören!" über "Ja, ganz nett..." bis hin zu "Hätte ich nicht gebraucht", war auch hier alles dabei. Von welcher Autorin oder welchem Autor die Geschichte jeweils genau stammt, wird dabei nicht weiter markiert. Halte ich persönlich für eine gute Entscheidung, denn so entstanden keine Brüche im Text und die Handlung blieb ein großes Ganzes. Gleichzeitig wäre es aber für mich spannend gewesen, zumindest am Ende des Hörbuches eine Auflösung zu bekommen, wer denn nun für welchen Textteil verantwortlich war.

[SPOILER!]
Gerade zu Beginn dachte ich mir immer wieder, dass ich dieses Buch gerne im März 2020 gehört hätte. Denn hier wird die Stimmung, die ich damals ebenfalls wahrgenommen habe, gut einfangen und gleichzeitig, gibt es aber trotzdem noch Hoffnung und Trost für alle Beteiligten. Zumindest über weite Teile. Desto weiter hinten im Buch, desto unglaubwürdiger wurde die Geschichte dann leider. Mit dem Ende war ich persönlich leider richtig unzufrieden. Alle Figuren realisieren hier, dass sie gleich zu Beginn der Pandemie verstorben sind und sich tatsächlich in der Welt nach dem Tod befinden. Puh. Ihr seht, warum ich dieses Ende schrecklich finde? In diesem Ende bleibt meiner Meinung nach keinerlei Platz für Hoffnung und für ein gutes Ende der Pandemie. Außerdem finde ich ein solches Ende immer ein bisschen faul - vor allem, wenn es wie hier in nur wenigen Minuten abgehandelt wurde. Das wirkte auf mich leider so, als wären hier die Ideen ausgegangen und als hätten die Autor:innen einfach irgendeinen Weg gebraucht, um das Buch möglichst schnell abzuschließen und dabei alle noch offenen Fragen zu klären. Das wirkte auf mich leider einfach lieblos.

Mein Fazit? Wie bei vielen Anthologien variiert die Qualität der Geschichten. Über weite Teile mochte ich dieses Hörbuch - mit dem Ende war ich aber sehr unzufrieden. Insgesamt also leider nur mittelmäßig.

Dienstag, 19. März 2024

Lebender Beweis

Quelle: Noa Lunara

 Dieses Buch stammt mal wieder aus meinem Bekanntenkreis. Einer der vielen Vorteile, die man hat, wenn man auch beruflich in der Buchbranche unterwegs ist. Und von dieser Person, die mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat, möchte ich definitiv auch in Zukunft mehr lesen.

Es geht in diesem Buch um den Engel Samael, der gezwungen wird, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen. Warum tut er das? Nun, er ist erblindet und Gott heilt ihn aus irgendeinem Grund nicht. Außerdem weiß er nicht, dass es Satan ist, der ihm das Augenlicht zurückgibt. Trotzdem wird er dafür bestraft und wird zu einem Verdammten, zu einem gefallenen Engel. Wie die Geschichte von diesem Zeitpunkt an weitergeht? Das kann ich euch leider nicht sagen, denn bei diesem Buch handelt es sich um einen Kurzroman. Bei Kurztexten ist es immer sehr schwierig, den Inhalt zu beschreiben, ohne zu spoilern.

Und gerade bei diesem Text wäre es eine Schande, wenn es durch Spoiler Leser:innen verlieren würde. Denn die Autorin hat mit diesem Text wirklich ein kleines Kunstwerk geschaffen. Drama, Intrigen, Liebe... das alles findet ihr hier auf nur wenigen Seiten.

Dieses Buch war für mich definitiv eine große Überraschung und ein Lesehighlight. Ich habe das Buch in einer Sitzung durchgesuchtet und jede Sekunde daran geliebt. Ich freue mich darauf, hoffentlich in Zukunft noch mehr von Noa Lunara lesen zu dürfen. Ich halte dey für sehr talentiert und das weiß sie hoffentlich auch. Am liebsten würde ich direkt mehr über diese Welt lesen und über die Protagonisten, die hier vorgestellt wurden. Ich sehe in dieser Geschichte noch viel Potential, das dey noch in weiteren Teilen aus der Geschichte herausholen könnte.

Mein Fazit? Kann ich euch aus ganzem Herzen empfehlen.

Sonntag, 17. März 2024

Tales From Haven. Gestrandet

 Autor: John Welante
Erschienen am 30.5.2023
Im Selbstverlag
ISBN: 9783758323027
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"Tauche ein in Lunas Welten: Eine atemberaubende Reise durch Raum und Zeit

Luna Aurora King ist wie ihr Vater eine Weltenwanderin und Mitglied des sogenannten Netzwerks: Eine Gruppe von Wesen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, als Hüter, Forscher und Entdecker unzähliger Welten zu fungieren. Völlig unerwartet landet sie bei einem ihrer Abenteuer versehentlich in der Vergangenheit ihrer eigenen Heimatwelt. Nun ist Luna auf die Hilfe ihres zukünftigen Vaters angewiesen, um einen Weg zurück in ihre Gegenwart und in ihr altes Leben zu finden. Doch wie wird Jonathan reagieren, wenn sich nach und nach die Geheimnisse lüften, die sein zukünftiges Kind und ihre ungewöhnliche Ankunft bei ihm umgeben?

Eine Reise voller wundersamer Begebenheiten beginnt, in der wir uns einige der elementarsten Fragen stellen müssen: Warum existieren wir? Was ist unsere Aufgabe? Sind Werte wie gut und böse grundsätzlich nur schwarz und weiß oder am Ende sogar nur eine Frage der Perspektive?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich vor einer gefühlten Ewigkeit auf Lovelybooks gewonnen. Die Challenge dabei war ganz klar: Lese dieses Buch und nenne dem Autoren eines, das ist wie seines. Dann bekommst du 100 Euro Finderlohn und eine signierte Hardcover-Ausgabe von ihm. Klar doch, dass da sofort mein Interesse geweckt wurde, oder? Ich kenne ja bereits wirklich viele Geschichten, auch Parallelwelten bin ich schon der ein oder anderen in Büchern begegnet. Und auch, wenn ich sowieso nicht daran glaube, dass es wirklich zwei Bücher gibt, die exakt gleich sind, konnte ich zu dieser Challenge nicht nein sagen. Denn wer so eine Challenge startet, muss sich seiner selbst und seinem Buch wirklich sehr sicher sein.

Wir folgen in diesem Buch der jungen Luna, die bei einem Sprung zwischen den Welten irgendwie in der Vergangenheit zu einem Zeitpunkt vor ihrer Geburt gelandet ist. Wie genau, kann sie nicht sagen, aber nun steht sie plötzlich vor der Tür ihres Vaters Jonathan. Der aber zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts von ihr weiß, nichts von ihr wissen kann, denn er hat sie ja noch nicht mal kennengelernt. Doch obwohl sie in dieser Welt noch nicht existiert, nimmt er sich ihrer an - und wird so in eine chaotische Welt voll Sprüngen zwischen Universen reingezogen. Und plötzlich ist sein Leben ein ganz anderes und er muss die Existenz von seiner Tochter genauso akzeptieren lernen wie die Existenz von Drachen und anderen Fabelwesen.

Luna ist eine sehr eigenwillige Figur, der ich jetzt einfach mal vorwerfe, dass sie gerade einfach noch in der Pubertät steckt. Sie ist frech, kennt keinen Respekt von niemandem und tut, was sie will. Sie hat mit sich selbst aber genauso zu kämpfen wie mit anderen und ist mit sich selbst nochmal um einiges strenger als mit den Menschen um sie herum - und genau das machte sie für mich authentisch. Auch wenn ich Luna zu Beginn noch kritisch gegenüberstand (ich hatte ja keine Ahnung, was hinter diesem Verhalten steckt und wie sich die Figur entwickeln würde), habe ich sie dann doch relativ schnell ins Herz geschlossen. Natürlich mochte ich auch die anderen Figuren, aber Luna war doch eine Klasse für sich und hat sich ordentlich eingeprägt.

Die einzige Stelle, mit der ich so meine Probleme hatte, war wohl das Ende. Das hat mich persönlich leider nicht ganz zufrieden gestellt. Aber ich wäre bereit, mich vom nächsten Buch der Reihe überzeugen zu lassen, dass ich damit falsch liege und werde diesen Band daher auch gleich zu meiner Wunschliste hinzufügen.

Mein Fazit? 100 Euro mehr habe ich leider nicht verdient, aber ich war gut unterhalten und durfte spannende neue Welten kennenlernen.

Dienstag, 12. März 2024

Belladonna. Die Berührung des Todes

Autorin: Adalyn Grace
Erschienen am 5.1.2024
Bei ArsEdition
ISBN: 9783845856919
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Eine verbotene Liebe und ein Geheimnis, das alles zerstören könnte ...

Signa ist vom Tod berührt. Seit ihre Eltern gestorben sind, glauben ihre Verwandten, dass sie verflucht ist. Bis Signa eines Tages von ihrem Cousin in das wunderschöne Herrenhaus Thorn Grove eingeladen wird. Die rauschenden Bälle und eleganten Gäste faszinieren Signa, doch der Glanz verbirgt ein düsteres Geheimnis. Die Tochter des Hauses, Blythe, wurde vergiftet und der Täter steht der Familie näher als vermutet. Als der Tod dann höchstpersönlich erscheint, um Signa bei dem Rätsel zu helfen, weckt er in ihr verbotene Gefühle, die sie in einen dunklen Abgrund reißen könnten ...

Der Auftakt einer romantischen Trilogie und einer Enemies-to-Lovers-Geschichte, die fesselt!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Wie ihr euch sicher denken könnt, verfolge ich nicht nur die deutschsprachige Buch-Bubble mit großem Interesse. Englische Rezensionen lese ich genauso oft wie deutsche und inzwischen wage ich mich sogar an die ein oder andere italienische Kurzmeinung. So habe ich auch "Belladonna" entdeckt. "Belladonna" wurde gerade im Englischsprachigen Raum sehr gefeiert und dieser Hype scheint jetzt auch auf die deutsche Community übergeschwappt zu sein. War also klar, dass auch ich dieses Buch lesen muss, oder? Vor allem, weil ich ja im Laufe des letzten Jahres realisiert habe, dass ich immer mehr Bücher tatsächlich auch toll finde, die online gefeiert werden.

Bei diesem Buch kann ich mir aber nicht an die Lobeshymnen anschließen. Gleich zu Beginn: Es ist nicht so, als würde ich dieses Buch schrecklich finden. Ich war nur einfach... gelangweilt. Es hat mich nicht vom Hocker gerissen. Was super schade ist, denn ich liebe die Idee des Buches. Ich mag viele der Details, die hier eingebaut wurden zumindest in der Theorie. Signas tödliche Begabung ist ja total interessant! Daraus könnte man so unglaublich viel machen. Und auch der Kriminalfall, den Signa lösen möchte, ist eine spannende Idee. Aber mit der Umsetzung war ich nicht ganz zufrieden.

[Spoiler]
Ich glaube die meisten Probleme hatte ich mit der Romantik in der Geschichte. Das Love-Interest ist hier nämlich der Tod. Der Sensenmann. Eine Figur, so alt wie die Menschheit selbst. Signa ist 19. Der Tod hat sie kennengelernt, als sie zwei Monate alt war. Ekelhaft!
Und dann natürlich noch das Machtgefälle: Der Tod ist... der Tod. Er hat um einiges mehr Macht als sie und Signa könnte diese Liebe mit dem Leben bezahlen. Aber mal abgesehen davon: Der Tod blieb als Figur unglaublich blass und ich habe bis zum Ende nicht verstanden, was Signa in der Figur des Todes sieht. Warum er für sie mehr ist als nur eine Mentor-Figur. Denn das ist er definitiv. Aber woher das romantische und sexuelle Interesse? Was löste das aus? Ich weiß es einfach nicht. Weder auf optischer Ebene noch auf Ebene der Persönlichkeit oder des Verhaltens weiß ich nicht, warum sie den Tod so anziehend findet.

Auch mit dem Schreibstil wurde ich leider nicht warm. Das finde ich total schade, weil ich weiß, dass dieses Buch so viele Leute gefeiert haben.

Mein Fazit? Die Idee war super, aber die Umsetzung war leider nichts für mich. Schade.

Montag, 11. März 2024

Level up: Willkommen im neuen Lebensabschnitt!

 Hallo ihr Lieben!

Diese Bloggerin hat wieder Neuigkeiten und neue Entwicklungen in ihrem Leben. Und die möchte ich gerne mit euch teilen.

Wie ihr alle mitbekommen habt, poste ich inzwischen weniger regelmäßig. Manchmal zwar trotzdem noch jeden Tag, manchmal aber auch einfach mal zehn Tage gar nicht. Und das hat auch einen Grund, der über "Mira macht mal wieder irgendwas und hat deswegen kein Zeitgefühl" hinausgeht. Ich habe eine neue Stelle gefunden. Meine erste richtige Stelle, die über einen Studentenjob hinausgeht. 20 Wochenstunden, vorerst, denn gleichzeitig schreibe ich ja noch an meiner Masterarbeit.

Was genau ich denn mache? Nun, ich darf mich jetzt seit Februar "Referentin für Projekte der Leseförderung" schimpfen. Das bedeutet konkret, dass ich an Projekten mitarbeite, die Bibliotheken dabei unterstützen, Leute zum Lesen zu bringen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Bilderbuchkino, Mitmach-Aktionen, Lesungen an ungewöhnlichen Orten. 

Ich beschäftige mich jetzt intensiver mit Büchern und dem Lesen als wohl je zuvor. Also, zumindest in der Praxis. Theoretisch habe ich mich ja während dem Studium schon ausgiebig mit Büchern und Texten aller Art beschäftigt. Aber bei meiner jetzigen Büro? Jeden Tag landet mindestens ein Dutzend Bücher auf meinem Schreibtisch und mit denen beschäftige ich mich, denn die Infos dazu müssen in unserer Datenbank landen, damit dann in unserer Zeitschrift darüber geschrieben werden kann. Und naja: Wenn da ein Buch besonders schön oder besonders interessant oder verrückt oder was auch immer aussieht, dann habe ich meistens auch die Zeit, kurz mal rein zu blättern. Eigentlich könnte ich die Bücher sogar mit heim nehmen und dann für unsere Zeitschrift rezensieren aber.... habt ihr schon mal meinen Stapel der Schande gesehen? Der ist jetzt auf über 300 Büchern. Wenn ich anfange, mir Bücher aus der Arbeit mit heim zu nehmen, dann höre ich nicht mehr damit auf.

Gerade bei Kinderbüchern hat sich wegen der Arbeit bereits meine gesamte Sicht auf dieses Genre verändert. Ich hatte so viele tolle Bilderbücher in der Hand, dass ich jetzt schon plane, diese Bilderbücher hier auf meinem Blog kurz vorzustellen. Nicht als Rezensionen, dafür habe ich darüber nicht genug zu sagen, aber vielleicht als Empfehlungspost. Was meint ihr?

Das wars dann eigentlich auch schon wieder von meiner Seite. Ich bin ganz ehrlich immer noch baff, dass ausgerechnet ich eingestellt wurde und bin gespannt, was die neue Stelle denn noch so bringen wird. Für mich ist das eine super aufregende Zeit, wie ihr euch vorstellen könnt. Erster richtiger Job... das hat man nur einmal!

Bis zum nächsten Post!

Eure Mira

Sonntag, 10. März 2024

Rauhnachtsfeuer

 Autorin: Christine Kulgart
Erschienen am 25.11.2023
Bei Tredition
ISBN: 9783384068071
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der junge Adlige Florian verbringt die Rauhnächte bei seinem Freund Theo auf dem Rauschberg. Doch mehr noch als den Naturgewalten muss sich Florian einer Sache stellen: der verdrängten Trauer um seine zu früh verstorbenen Eltern. Während er in den zwölf magischen Nächten viele neue Rituale kennenlernt, setzt er sich immer wieder mit seinen eigenen Gefühlen auseinander.

Eine zauberhafte Geschichte von Freundschaft und Trauer während der Festtage. Eine Geschichte zu Christine Kulgarts Debütroman "Rauschberg", die die Beziehung der Charaktere zueinander vertieft."
Quelle: lovelybooks.de

Meine Meinung:
Endlich bin ich dazu gekommen und habe es gelesen: Das jetzt schon nicht mehr ganz so neue Buch aus dem Rauschberg-Universum von Christine Kulgart. Teil 1 - "Rauschberg" - durfte ich euch ja auf diesem Blog ebenfalls schon vorstellen. Tine kenne ich durch das Autor:innenkollektiv Schreibfeder persönlich, ich versuche aber, mich von diesem persönlichen Kontakt nicht beeinflussen zu lassen. Diesen Disclaimer baue ich aber trotzdem ein - ihr wisst ja, wie wichtig mir Transparenz ist.

Während es im vorherigen Buch von Kulgart um das Kennenlernen von Florian und Theo ging (die ich nach diesem zweiten Buch noch mehr shippe als zuvor schon - sorry, Tine!), ist die Freundschaft der beiden hier schon etwas weiter fortgeschritten. Die beiden kennen sich inzwischen schon recht gut - gut genug, dass Florian eingeladen wird, die Rauhnächte bei Theo und seiner Familie zu verbringen. Ich weiß, dass viele Leute an die Magie der Rauhnächte glauben - ich bin aber ohne diesen Glauben aufgewachsen. Das einzige Ritual, an das sich meine Familie hält, ist, dass wir während der Rauhnächte keine Wäsche im Freien aufhängen. Hauptsächlich weil wir die Vorstellung ekelhaft finden, dass sich darin Geister verfangen könnten. Aber abgesehen davon? Nichts. Ich wusste nicht, dass die Rauhnächte für irgendjemanden außer die Nachbarin meiner Eltern eine besondere Bedeutung hat. Tja, da wurde ich im letzten Jahr nicht nur durch dieses Buch eines Besseren belehrt. Während diese Zeit für mich der perfekte Zeitpunkt ist, um mir Weihnachtsfilme anzusehen, Kekse zu futtern und Bücher zu lesen, vollziehen andere magische Rituale und nehmen an verschiedenen Traditionen teil. Diese Traditionen hier mal kennenzulernen, war für mich sehr spannend und ich war überrascht, zumindest von manchen schon mal gehört zu haben. Ich hätte mir aber an manchen Stellen gewünscht, vielleicht noch etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Mich hätte es zum Beispiel interessiert, warum die Familie an diesen Ritualen teilnimmt, denn andere in der Geschichte halten davon ja gar nichts. Ich bin mir sicher, dass das sogar an der ein oder anderen Stelle angesprochen wurde, aber trotzdem hätte ich da manchmal mehr Details gebraucht.

Christine Kulgarts Sprache hat mir wie auch in ihren anderen Texten gut gefallen. Ich habe das Buch in zwei kurzen Sitzungen durchgelesen und hatte damit auch meinen Spaß. Leider habe ich aber den ein oder anderen Fehler gefunden, der wohl noch übersehen wurde. Oder der bei mir halt einfach noch drin war - viele Autor:innen schicken bereits Leseexemplare aus, bevor die allerletzte Korrekturrunde abgeschlossen ist. Ich kann mir vorstellen, dass das auch hier passiert ist.

Mein Fazit? Nicht ganz fehlerfrei, aber trotzdem eine Lektüre, die ich gerne gelesen habe.