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Samstag, 18. April 2026

Bite the Bride

Quelle: Verlag


Katherine Campbell ist eine von sehr wenigen menschlichen Studentinnen an der Darkthorn Universität – und sie hasst Vampire. Nicht unbedingt ideal an einer Universität, wo es vor Vampiren, Werwölfen und ähnlichen Wesen nur so wimmelt. Doch als sie dann versucht, ein Zauberbuch zu stehlen, ist sie plötzlich auf Vampire angewiesen. Denn sie entfesselt einen gefährlichen Fluch, der nur dadurch im Zaum gehalten werden kann, wenn Chef-Bibliothekar Ethan Hawthorn sie regelmäßig beißt. Und das ist nur mehr in Ehen legal. 

Also werden die beiden blitzschnell verheiratet, ohne Rücksicht auf gegenseitige Sympathien, und ein ständiges Seilziehen beginnt. Kann diese Ehe funktionieren?

Kurze Antwort: Nein! Sollte sie nicht! Dürfte sie nicht! Ich konnte diese Beziehung nicht ausstehen und ich weiß echt nicht, warum zur Hölle diese beiden Figuren ein gemeinsames Happy End bekommen haben. Und ich verstehe beim besten Willen nicht, warum die Beziehung bei allen anderen Figuren, Kreaturen und Mächten SO GUT ankommt, wie sie es in diesem Buch tut.

Katherine Campbell hält sich selbst für sehr intelligent, aber ist trotzdem in jedem Kapitel wieder davon überrascht, dass ihr Handeln Konsequenzen haben könnte. Sie ist ein Mensch ohne irgendwelche magischen Talente - trotzdem überschätzt sie sich selbst immer und immer wieder. Denn wie kann es jemand wagen, ihr zu vorzuschreiben, welche Talente sie hat oder nicht hat? Das wär ja noch schöner!

Und statt dann Verantwortung zu übernehmen, wenn mal wieder etwas schiefgeht, sieht sie sich selbst lieber als Opfer und versucht, gegen Ethan und alle anderen Figuren zu rebellieren, indem sie einfach wirklich unfreundlich zu allen ist. Dabei scheint sie zu vergessen: Schuld an ihrer Situation ist nun mal vor allem sie selbst. Denn wenn sie auch nur einmal kurz nachdenken würde statt nur davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer Menschlichkeit diskriminiert wird, dann würde keine dieser Situationen passieren.

Mitleid braucht man mit Ethan  aber trotzdem nicht zu haben. Immerhin beweist er Seite für Seite wieder, dass er nicht in der Lage dazu ist, sinnvoll zu kommunizieren oder mit seinen Emotionen erwachsen umzugehen. Auch wird er Katherine gegenüber handgreiflich und würgt sie. Aber natürlich findet sie das heiß. Auch sonst war das Thema Consent hier immer wieder ein Problem. Aber auch das findet sie natürlich gut. Meiner Meinung nach ist das einfach nur problematisch, gerade da das hier ein Buch ist, das sich selbst als „witzig“ vermarktet. Auch in Liebesromanen kann und muss toxisches und gewalttätiges Verhalten als solches reflektiert werden. Natürlich, es gibt auch Dark Romance - aber diese wird dann als solche vermarktet. Leser*innen wissen, was sie dort erwartet. Wenn so ein Verhalten aber einfach als gegeben in einer ROM-COM angenommen wird, dann trägt dieses Buch zu einer Normalisierung von Gewalt gegen Frauen bei.

Dieses Buch hätte eine wunderbare RomCom in düsterem Setting werden können. Mich hat das Buch aber leider nicht abgeholt. Daher auch keine Leseempfehlung.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Cultish

 

Quelle: Verlag

Amanda Montell sagt euch vielleicht aktuell noch nicht so viel, ich kenne den Namen aber ohne Übertreibung schon seit mindestens zwei Jahren. Immerhin bin ich Hörerin ihrer Podcasts "Sounds Like a Cult" und "Magical Overthinkers". Und wie ihr, wenn ihr die Autorin googelt, sehen werdet: Zu beiden Podcasts gibt es Bücher. Einerseits eben "Cultish", aber auch "The Age of Magical Overthinking", das ich letztes Jahr gelesen, aber scheinbar nicht rezensiert habe, weil einfach viel zu viel los war. Nur zu ihrem dritten Buch, "Wordslut", ist mir bisher noch kein Podcast untergekommen. Würde ich aber wohl ebenfalls hören, falls er irgendwann auftauchen sollte. 

Wenn ihr ähnlich drauf seid wie ich noch vor ein paar Jahren, dann seid ihr wahrscheinlich überzeugt davon, dass ihr NIE auf einen Kult oder eine sektenhafte Gruppe reinfallen könntet. NIE. Ihr seid viel zu intelligent dafür, zu stabil und natürlich durchschaut ihr Tricks wie Gehirnwäsche (die es übrigens gar nicht gibt, wie man in diesem Buch erfährt) sofort! Natürlich! Aber: Menschen sind Rudeltiere. Wir brauchen Gemeinschaft, um ein glückliches und gesundes Leben führen zu können. Egal ob Fußballverein, Politik oder Religionsgemeinschaft: Menschen gründen Gruppen. In vielen Fällen sind diese Gruppen harmlos. In anderen Fällen weniger. Aber wohl jeder von uns ist Teil von verschiedenen Gruppen. Buchclub. Theatergruppe. Chor. Pen-and-Paper-Rollenspiel-Gruppe. Tanzverein. Kampfsportverein. Um nur ein paar zu nennen, in denen ich Mitglied bin oder in meinem Leben schon Mitglied war. Gruppen gehören dazu und wer zu keiner einzigen Gruppe gehört, führt wohl ein ziemlich einsames Leben. Aber natürlich kann fast jede Gruppe irgendwann auch kippen und extrem werden.

Zusammen mit Amanda Montell tauchen wir in diesem Buch ein in die Welt der Kulte. Sie erzählt fesselnd davon, was einen Kult eigentlich zu einem Kult macht, wie man einen Kult als solchen erkennt und ab wann dieser gefährlich wird. Den Fokus legt die Linguistin dabei natürlich auf die exklusive Sprache, die die Gruppe von Außenstehende abgrenzt. Doch auch für Nicht-Sprachwissenschaftler*innen ist dieses Buch eine interessante Lektüre: Wir begegnen hier Tragödien wie „Jonestown“ oder „Heavens Gate“, beschäftigen uns mit Multi-Level-Marketingstrategien und mit Sporttrends.

Mein Fazit? Ein echtes Must-Read! Und hört euch verdammt nochmal den Podcast der Autorin an!

Montag, 23. Februar 2026

Don't Let The Forest In

 

Quelle: Verlag

Fühlst du das Moos in deinem Bauch…

… und die Pilze hinter deinen Augen?

Die Monster kommen und sie werden dich holen! 


Als Andrew nach dem Sommer wieder an die Wickwood Academy zurückkehrt, ist nichts wie zuvor. Seine Zwillingsschwester ist beleidigt, sein bester Freund Thomas benimmt sich seltsam. Bisher waren sie ein unschlagbares Dreierteam, doch diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Andrew hat immer Horror-Geschichten geschrieben, Thomas dazu gezeichnet, jetzt weigert sich Thomas, einen Stift auch nur anzufassen. Als Andrew ihm in den verbotenen Wald folgt, erkennt er den Grund: Die Monster sind zum Leben erwacht.

Ein Horrorroman, der mich sofort in seinen schönen und seltsamen Bann gezogen hat. Ich war süchtig, konnte den Roman nicht mehr weglegen. Nein, das meine ich Ernst. Das ist mit einer der Gründe, warum ich Horror eigentlich kaum je lese: Ich fürchte mich ganz enorm, grusele mich mindestens die nächste Woche vor meinem eigenen Schatten (oder hier: vor meinen Zimmerpflanzen), aber MUSS das Buch trotzdem fertig lesen, da mir als Kind von einer Klassenkollegin eingeredet wurde, dass die Angst sonst nicht vergehen kann. Ob da was dran ist? Dafür weiß ich zu wenig über Horror - ich höre mir aber gerne an, was die Expert*innen unter euch darüber zu sagen haben.

Da ich mich ja mit Horror sowieso nicht auskenne, sagte mir bisher auch Botanical Horror nichts. Joa, jetzt weiß ich, dass das was ganz enorm Gruseliges ist, das eventuell damit zu tun hat, dass Pflanzen in dir wachsen. Was für eine schreckliche Vorstellung, die definitiv dafür gesorgt hat, dass ich meine Hauspflanzen jetzt ein bisschen kritischer betrachte. (WEHE, die breiten sich IN MIR aus! NOPE, NOPE, NOPE!!!!)

Wisst ihr, was ich getan habe, sobald ich mit diesem Buch fertig war? Ich habe das Buch als Weihnachtsgeschenk für meinen Bruder bestellt. Und meiner Schwester danach eingeredet, dass sie dieses Buch auch lesen muss. Denn ja, ich habe mich zu Tode gegruselt, ABER WENN ICH SCHON DARUNTER LEIDEN MUSS, DANN WENIGSTENS NICHT ALLEIN! Wozu hat man denn Geschwister, nicht? 

Auf jeden Fall freue ich mich jetzt schon darauf, mich auch vor den anderen Büchern von C. G. Drews zu gruseln. Ist es eine gute Idee, diese Bücher auch noch zu lesen? Wahrscheinlich nicht. Bin ich gerade in der Laune, gute Entscheidungen zu treffen? HELL NO!

Mein Fazit also? Total spannend, viel zu gruselig für mich. Lest es trotzdem. Und drückt mir die Daumen, dass ich bei den anderen Büchern von C.G. Drew nicht durchdrehe!

Sonntag, 18. Januar 2026

Never Trust Your Fake Husband [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Inzwischen ist es so weit, dass ich mir bei der Arbeit einen gewissen Ruf aufgebaut habe. Nicht nur im Büro, generell bin ich im Bibliothekswesen inzwischen als New Adult-Expertin bekannt und darf mich über Einladungen zu Workshops und Vorträgen freuen. Nicht unbedingt der Ruf, um den ich mich bemüht hätte, aber ich will mich nicht beschweren. Gibt schlimmere Vorträge, die man halten kann. So habe ich meinen Spaß und meine Zuhörer:innen hoffentlich auch.

Einer der Vorteile, der sich daraus ergibt: Im Büro werden Liebesromane oft zuerst mir angeboten. Und manchmal greife ich natürlich auch zu. Hier zum Beispiel, bei "Never Trust Your Fake Husband". Ich liebe Fake Dating und Gedächtnisverlust kenne ich zwar bisher nur aus Fanfiction, aber warum sollte mir das nicht auch in Buchform gefallen?

Als Zoe im winterlichen Paris mitten in der Nacht zu sich kommt, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Nicht mal mehr ihren Namen kann sie uns zu Beginn der Handlung nennen. Alles, was sie weiß: Ein Fremder beugt sich über sie und plötzlich fallen Schüsse. Er rettet sie und sie schaffen es, sich auf eine Flusskreuzfahrt zu schmuggeln. Dort geben sie sich als Ehepaar aus – denn was wäre eine bessere Tarnung, als ein Pärchen auf Hochzeitsreise?

Was sich auf den ersten Blick für mich wie die ideale Lektüre für Zwischendurch anhörte, traf dann leider nicht ganz meinen Geschmack. Leider war der Humor nicht ganz mein Fall und auch mit Zoe, die ich als überdreht und albern empfand, wurde ich nicht warm. 

Sehr gestört haben mich hier aber gewisse "Überlebensstrategien", die in der Realität wohl Agent Jakes frühzeitigen Tod zur Folge hätten. Das Zukleben von tiefen Wunden mit Sekundenkleber zum Beispiel, oder das Rausziehen von Gegenständen, die in tiefen Wunden stecken. Bitte, Leute, beides macht ihr bitte, bitte nicht! Ich weiß nicht, warum sowas immer wieder in Büchern auftaucht und ganz ehrlich: Ich halte sowas für unglaublich gefährlich. Gerade, weil ich das Gefühl hatte, als würde sich dieses Buch an eine jugendliche Zielgruppe richtet. Ich möchte Jugendlichen auf gar keinen Fall Naivität unterstellen, mein jugendliches Ich hätte aber seeeeehr viel geglaubt, einfach nur weil es in Büchern drinstand. 

Mein Fazit? Ich befürchte, dass ich für dieses Buch einfach zu alt war. Als 15-Jährige hätte ich die Geschichte und wohl auch Zoe geliebt, jetzt mit meinen 26 Jahren war ich aber leider kein Fan davon.

Freitag, 16. Januar 2026

Katabasis [Kurzrezension]

Quelle: Verlag
 

Alice Law und Peter Murdoch haben ein Problem: Ihr Doktorvater Jacob Grimes ist verstorben. Ein äußerst unangenehmer Mensch (also wirklich, wirklich grauenhaft), doch das ändert nichts daran, dass er ihr Doktorvater ist. Wie sollen sie denn nun ihr Studium im Fach der analytischen Magie abschließen? Ihnen bleibt nichts anderes übrig: Sie müssen ihren Mentor aus der Unterwelt zurückholen, egal, was es sie kosten wird. Und so machen sie sich auf in die Welt von Dante, T. S. Eliot und Orpheus. Denn "Katabasis" bedeutet so viel wie "Abstieg in die Unterwelt". 

Leser*innen, die wie ich literarisches Vorwissen mitbringen, sind hier ganz klar im Vorteil und werden sich über die vielen Referenzen freuen. Auch hier merkt man der Autorin einfach wieder an, wie viel sie weiß - auf eine gute Art. Doch auch für Leser*innen ohne literaturwissenschaftlichen Hintergrund ist die Geschichte verständlich und spannend. Getestet an meinem Bruder, der sich zumindest nicht über die literarischen Anspielungen beschwert hat.

Einziger Wermutstropfen: Leider lösen sich die Buchstaben auf dem Cover bereits nach kurzer Lesezeit auf. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass dieses Buch wieder mal ein Rezensionsexemplar ist, das ich aus dem Büro mitgenommen habe. Ich hoffe es, immerhin ist dieser Roman jetzt nicht gerade das günstigste Buch, das ich bisher in den Buchläden gesehen habe. Teuer genug, dass man eigentlich davon ausgehen können müsste, dass das Cover nicht nach der zweiten Lektüre zerbröselt.

Trotzdem: Klare Leseempfehlung! Aber vielleicht eher als eBook oder als Leihbuch aus eurer Bibliothek. Zumindest solange, bis ich herausgefunden habe, ob die schlechte Qualität des Schutzumschlages ein Mira-Problem oder ein Buch-Problem ist.

Samstag, 10. Januar 2026

Erebos 3 [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dass ich mich nochmal über einen Erebos-Band freuen darf - damit hatte ich eigentlich schon nach Band 1 (meine allererste Rezension auf diesem Blog! Lang ists her!! Fast 13 Jahre!) nicht gerechnet. Dann vor ein paar Jahre die große Überraschung: Es kommt ein Band 2! Das war noch vor Covid, dazu habe ich dann eine Lesung mit Frau Poznanski in Innsbruck besucht und war dort unglaublich starstruck. Ich habe keinen Satz rausgebracht, als ich endlich dafür an der Reihe war, mein Buch signieren zu lassen.
Und dann im Sommer 2025 wieder die Überraschung: "Erebos 3" tauchte in meinem Büro auf. Ich war begeistert und meine Kolleginnen haben mir dieses Buch brav überlassen. 

Aber worum geht es diesmal? Erebos ist zurück und es geht um mehr als je zuvor. Schon zweimal musste Nick sich durch das Computerspiel „Erebos“ kämpfen. Und nun, kurz nach Handlungsende des zweiten Bandes, taucht das Spiel wieder auf seinem Rechner auf! Da wird er nicht mitmachen, auf keinen Fall! Doch Erebos hat ihn in der Hand. Und so wird Nick wieder zum Dunkelelfen Sarius … Diesmal ist Erebos nicht nur ein Online-Spiel für einsame Helden, plötzlich müssen Teams gebildet werden. Und es wird immer wichtiger, seltsame Rätsel zu lösen, deren Sinn sich Nick erst viel später erschließen werden.

Auch im dritten Anlauf wird die Videospielwelt von „Erebos“ nicht langweilig. Es war mir eine Freude, diese Welt nochmal mit Nick miterleben zu dürfen – und natürlich geht von meiner Seite jetzt das Rätseln los, ob ich mich in ein paar Jahren über einen Band 4 werde freuen dürfen. Falls ja, würde ich mir den ohne Zögern kaufen. Falls nein, müssen sich Leser:innen keine Gedanken machen, denn auch ohne potentiellen Folgeband lässt sich dieses Buch gut lesen und am Ende sind wie auch bei den letzten beiden Büchern alle Fragen geklärt!

Sonntag, 21. Dezember 2025

Faust. Der Tragödie erster Teil [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir alle kennen die Geschichte rund um Faust. Der frustrierte Professor, der zwar gefühlt alles studiert hat, sich selbst mit der Magie beschäftigt, und es trotzdem nicht schafft, seinem Leben einen Sinn zu geben – bis er einen Bund mit dem Teufel eingeht. Sollte dieser es schaffen, dass Faust auch nur für einen Moment sein Leben genießt, gehört seine Seele ihm.

Viele von uns haben sich in der Schule durch das Reclam-Heftchen gequält, viele kennen auch noch weitere Adaptionen rund um Goethes Theaterstück. Das Stück wird bis heute aufgeführt, es wurde mehrfach verfilmt, findet seinen Platz in immer wieder neuen Comics und Graphic Novels. Einige werden sich nun also denken: »Im Ernst? Noch eine Version?« Ja, noch eine Version! Denn Nele Heaslip hat sich hier einen spannenden Twist einfallen lassen, durch den ich den Fauststoff nochmal ganz neu lesen konnte. Diese Graphic Novel spielt nämlich in drei Zeiten gleichzeitig: Mittelalter, Zeit des Nationalsozialismus und Gegenwart. Der Switch erfolgt dabei fließend mitten in der Szene, ohne große Markierung. In einem Bild hält Doktor Faust eine Vorlesung in einem modernen Hörsaal, im nächsten ist sein modernes Büro ein mittelalterliches Turmzimmer. In einem Bild spaziert Faust durch eine mittelalterliche Stadt, im nächsten ist die Stadt immer noch gleich, doch Faust trägt einen Judenstern und aus den Fenstern hängen die Flaggen der Nationalsozialisten.

Durch den Wechsel in den Zeiten wurde für mich eigentlich erst sichtbar, wie zeitlos der Fauststoff eigentlich ist. Der Switch war problemlos möglich, ohne dass dabei Verständnisprobleme entstanden und ohne, dass dabei irgendetwas unlogisch wurde. Der Stoff mit Goethes Originaltext funktionierte weiter, war weiter spannend.

Diese Entscheidung der Illustratorin lud mich dazu ein, den Text genau zu reflektieren. Würde diese Szene hier denn auch im Nationalsozialismus funktionieren, obwohl sie hier doch im Mittelalter spielt? Und was wäre, wenn man sie in die Gegenwart versetzen würde? Wie verändert die jeweilige Zeitebene die Stimmung, die Bedeutung oder die Beziehung der Figuren untereinander?

Das Buch selbst ist unglaublich aufwändig gestaltet. Die Illustrationen sind voll interessanter Details und kleine Kunstwerke, die man so auch direkt in eine Galerie hängen könnte. Auch die Papierqualität ist mir positiv aufgefallen.

Eine unglaublich spannendes und hochwertig produziertes Graphic Novel, nicht nur für Schulbibliotheken und Schüler*innen. Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint!

Samstag, 20. Dezember 2025

Midwatch [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Maggie Fishbone, ein Waisenmädchen, hat nun einmal zu oft Mist gebaut. Jetzt schicken sie die Nonnen ihres Heims ins berühmt-berüchtigte Midwatch-Insitut für unerwünschte Mädchen. Und schon beim Eintreten bestätigen sich ihre schlimmsten Befürchtungen: traurige Orgelmusik, stille Mädchen in grauer Kluft und eine strenge Sekretärin. Doch kaum fällt die Tür hinter der Schwester ins Schloss, kommt die Wahrheit ans Licht: Midwatch ist eigentlich eine geheime Schule für Nachwuchs-Ermittlerinnen. Hier lernen sie nicht nur Schweizerdeutsch und Tanz, sondern auch sich zu verstecken oder sich in der Stadt zu orientieren. Und bald kommt auch schon der erste Fall: Miss Fenchurch, Freundin des örtlichen Bibliothekars, ist spurlos verschwunden! Maggie und ihre Freundinnen dürfen also ermitteln und müssen schon bald zeigen, was sie im Institut so gelernt haben ...

Ergänzt wird die Geschichte durch spannende Tipps. So lernen Leser*innen ab 10 Jahren Morsecode, den Charleston und wie man einem Krokodil entkommt. Man weiß ja nie!

Dieser Kinderkrimi glänzt durch viel Humor, kreative Ideen und sympathische Protagonistinnen. Die Handlung lädt zum Mitfiebern und Miträtseln ein – und hat man bei den Tipps gut aufgepasst, enträtseln auch Leser*innen schnell geheime Nachrichten.

Lobend hervorheben möchte ich auch die wunderschönen Illustrationen, die uns durch das ganze Buch begleiten. In Schwarz-weiß wird hier eine Welt gezeigt, die mich an Steampunk erinnert hat und wahrscheinlich ans frühe 20. Jahrhundert angelehnt ist. Wir finden hier eine spannende Stadt, in der es vor Leben nur so wimmelt: Botenjungen (die manchmal verkleidete Mädchen auf geheimer Mission sind) zischen umher, Schaufenster können bewundert werden, am Himmel findet man unzählige Zeppeline.

Ein Buch, das hoffentlich ein Reihenauftakt ist. Falls ja, hole ich mir auf jeden Fall Band 2!

Montag, 17. November 2025

Himmelwärts [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Toni Pepperoni ist aktuell in einem Ausnahmezustand. Ihre Mutter ist gestorben, zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben ist sie mit Trauer konfrontiert. Und dann gleich wegen so einem großen Verlust.

Eine Nacht im Zelt mit ihrer besten Freundin YumYum soll sie ablenken - das dürfte zumindest der Gedankengang ihres Vaters sein. Toni und YumYum haben aber eigene Pläne: Sie haben ein Radio zu einem Funkgerät umgebaut. Damit möchten sie heute Nacht in den Himmel funken und Kontakt zur verstorbenen Mutter aufnehmen. Denn laut der Physik kann Energie nie verloren gehen, irgendwo muss also auch die Energie der Mutter noch sein.

Kleiner Spoiler, der auch schon im Klappentext erwähnt wird: Das klappt nicht. Statt Tonis Mutter erreichen sie Anna, eine Astronautin, die auf einer Raumstation um die Erde kreist. Zwischen ihr und den zwei Mädchen entwickelt sich ein Gespräch: über das Weltall, den Beruf der Astronautin und natürlich über Trauer.

Dieses Gespräch wird immer wieder glaubwürdig unterbrochen. Immerhin kreist die Astronautin ja um die Erde. Natürlich bricht hier also immer wieder der Empfang ab und die zwei Mädchen müssen wieder abwarten, bis Anna die Erde einmal umrundet hat. Weil das etwas dauert, herrscht die Gefahr, dass die beiden Kinder einfach einschlafen oder dass Tonis Vater entdeckt, dass die beiden Mädchen noch nicht schlafen - was sie inzwischen eigentlich tun sollten.

Begleitet wird diese Erzählung durch wunderschöne Illustrationen. Auf der Frankfurter Buchmesse hat uns Bea Davies verraten, dass sie für dieses Buch unter anderem mit Sand und Babypuder gearbeitet hat. Hier steckt also viel Handarbeit dahinter, auch die Farben sind durchdacht und alles wirkt stimmig. Allein schon wegen der Illustrationen ist dieses Buch eine gelungene Lektüre.

Ausgezeichnet wurde "Himmelwärts" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Meiner Meinung nach hat dieses Buch diese Würdigung nur verdient. 

Mein Fazit? Ein emotionales Kinderbuch - auch für Erwachsene!

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Nowhere Heart Land [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Auch meinen Freundeskreis hat sie schon erreicht: Die Quarter Life Crisis. Kennen wir doch alle. Einige meiner Freund:innen haben beschlossen, doch nochmal in ein ganz anderes Berufsfeld einzusteigen, einige haben ganz klischeehaft mit dem Rennradfahren und Marathonlaufen begonnen und ich selbst habe nach meiner Hashimoto-Diagnose meine ganze Ernährung auf glutenfrei und zuckerarm umgestellt und habe jetzt einen Buchweizen-Sauerteig namens Herbert daheim. Und ja, ich habe eine emotionale Bindung zu Herbert. Nein, ich will dazu nichts hören (außer, dass Herbert perfekt ist! Das immer gerne!). Daher war ich mir sicher, dass ich mich in diesem Buch bis zu einem gewissen Grad wiederfinden würde.

Rosas Quarter Life Crisis beginnt aber ein bisschen krasser als die der Menschen in meiner Umgebung: Sie prügelt sich mit ihrem Arbeitskollegen. Mit einem blauen Auge und angekratztem Ego flüchtet sie sich danach zurück nach Deutschland, in die Kleinstadt, in der sie aufgewachsen ist. Hier soll sie sowieso einige Angelegenheiten für ihre demente Großmutter regeln, die sie inzwischen seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Macht sie nicht gerne, aber zurück ins Büro kann sie vorerst mal nicht. Zurück in der Heimat wird Rosa aber schnell von ihrer Vergangenheit überwältigt. Ihre Mutter ist früh gestorben, sie selbst im Internat zur Schule gegangen und bei den Großeltern aufgewachsen. Von dieser Kindheit und Jugend ist nicht mehr viel übrig. Der Großvater ist inzwischen ebenfalls tot, die Großmutter schwer dement und das Internat wurde schon während Rosas Schulzeit abgerissen. Und ihre Freundinnen aus dem Internat haben sich im letzten Jahrzehnt auch weiterentwickelt, was Rosa mehr überrascht, als es das meiner Meinung nach tun sollte. Sie haben Kinder, Beziehungen, eine Karriere. Sie sind erwachsen geworden.

Ganz im Gegensatz zu Rosa. Sie schwelgt in Erinnerungen, auch wenn sie sich an vieles gar nicht mehr so wirklich erinnern kann, löst jedes Problem mit Alkohol, verhält sich gegenüber ihrer Schulfreundin Leni übergriffig, was sogar zu rechtlichen Maßnahmen führt. Auf einen Grund für dieses Verhalten wartet man als Leserin vergeblich. Wir folgen Rosa durch ihren trostlosen Alltag, beobachten einen alkoholinduzierten Absturz nach dem anderen und verzweifeln an der Tatsache, dass sie sich auch mit knapp 30 Jahren weigert, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Am Ende blieb ich mit vielen offenen Fragen zurück und war ehrlich gesagt ziemlich unzufrieden.

Leider also keine Leseempfehlung!

Sonntag, 5. Oktober 2025

Great Big Beautiful Life [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Margaret Ives, Tochter einer Skandal-Familie und Frau eines verstorbenen Musikers, hat schon lange niemand mehr gesehen. Legenden ranken sich um ihren Namen, niemand weiß, wohin und warum sie verschwunden ist. Doch jetzt möchte sie eine Biographie über ihr Leben schreiben lassen – ein wahrer Traumjob, das findet zumindest Alice Scott, die in diesem Auftrag ihre große Chance sieht. Weniger begeistert scheint Hayden Anderson, aber was erwartet man vom grantigen Pulitzer-Preisträger? Beide werden dazu eingeladen, einen Probemonat bei Margaret zu absolvieren, danach will sie sich entscheiden. Doch hat Alice, die den großen Durchbruch noch nicht geschafft hat, überhaupt eine Chance? JA, beschließt sie und macht sich an die Arbeit. Wenn sie nur nicht bald das Gefühl hätte, dass die Dame nicht ganz ehrlich mit ihr ist. Und wenn ihre Anziehung zu Hayden bloß nicht so stark wäre. Denn beide möchten diesen Job – und am Ende wird ihn nur einer bekommen, was einer noch frischen Beziehung nicht gut tun würde.

Eine schöne Geschichte über zwei ehrgeizige Menschen im typischen Emily Henry-Stil. Unterbrochen wird die Liebesgeschichte immer wieder von Episoden aus Margarets Leben, was ich spannend fand. So lernen wir parallel auch sie und ihre Familiengeschichte besser kennen.

Die Beziehung zwischen Alice und Hayden entwickelte sich trotz Zweifel von beiden Seiten allerdings recht schnell – da hat mir leider etwas Tiefe und Spannung gefehlt. Trotzdem eine angenehme Lektüre für Zwischendurch!

Donnerstag, 2. Oktober 2025

Das Ministerium der Zeit [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich glaube, wenn ich eine Zeitmaschine zur freien Verfügung hätte, würde ich sie nicht nutzen. Ich würde einfach schön brav auf meiner Couch sitzen bleiben, weiter zu viel Zeit online verbringen und mein stinknormales Leben weiterleben. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich die Zeitmaschine zerstören. Ob es wohl reichen würde, die Maschine von meinem Balkon zu werfen? Oder sollte ich sie im See ertränken? Ich habe inzwischen einfach viel zu viele Zeitreise-Bücher gelesen, die mir gezeigt haben, dass solche Reisen immer zu Problemen führen. Und ich habe echt keine Lust, meine eigene Existenz auszulöschen, weil ich aus Versehen über 5 Ecken meine Vorfahren ausgelöscht habe. Aber trotzdem lese ich gerne weiterhin über die Abenteuer, die fiktionale Figuren so in der Vergangenheit oder Zukunft erleben dürfen.

So auch hier: Eine junge, namenlose Frau darf eine neue Stelle bei einem geheimnisvollen Ministerium antreten. Als „Brücke“ soll sie dem unfreiwilligen Zeitreisen Commander Graham Gore aus dem Jahr 1847, seines Zeichens Polarforscher, zur Seite stehen. Das unfreiwillig sollte hier fett gedruckt und groß geschrieben werden, wenn das nicht den Lesefluss stören würde: Er wurde nämlich, nachdem sein Schiff Ewigkeiten im Eis festgefroren war, vom Ministerium entführt und in die Gegenwart befördert. Ungefragt, ohne Vorwarnung, einfach nur ZACK und du bist in einer anderen Zeit. Und dann erwarten diese Schweine auch noch Dankbarkeit dafür, dass sie dir ja das Leben gerettet hätten!

Durch die namenlose Frau soll sich Gore nun an das Leben im London des 21. Jahrhunderts gewöhnen und lernen, Erfindungen wie die moderne Toilettenspülung und das Internet zu verwenden. Schon bald entwickelt sich Freundschaft und eine vorsichtige Beziehung zwischen den beiden.

Doch natürlich macht es das Schicksal den beiden nicht so einfach und schon bald müssen sie sich nicht mehr nur mit Nebenwirkungen der Zeitreise herumschlagen, sondern auch mit düsteren Seiten des Ministeriums – von heute, morgen und gestern.

An sich eine sehr spannende und gut geschriebene Geschichte, die ich gerne gelesen habe. Besonders schön fand ich, dass nie auf die psychologischen Aspekte vergessen wurde, die gerade bei Gore natürlich relevant sind: Unglauben, Trauer, Überforderung, aber auch Hoffnung und Freude werden glaubwürdig beschrieben.

Leider blieb ich am Ende doch etwas ratlos zurück. Viele neue Handlungsstränge eröffneten sich erst auf den letzten hundert Seiten, nicht alles davon konnte für mich zufriedenstellend aufgelöst werden. 

Mein Fazit? Aufgrund des sehr schwachen Endes leider nur bedingt empfehlenswert.

Mittwoch, 24. September 2025

Only Margo [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Wisst ihr, was ich bei der Diskussion rund um Sexarbeit in all ihren Formen immer sehr spannend finde? Viele von uns finden es sehr einfach, die Personen zu verurteilen, die als Sexarbeiter*innen arbeiten, egal ob sie das online tun oder offline. Aber spannenderweise reden wir uns gleichzeitig trotzdem alle ein, dass wir niemanden kennen, der oder die diese Angebote nutzt und damit finanziert. Was einen interessanten Widerspruch schafft: Scheinbar hat der älteste Beruf der Welt keine Kundschaft und auch nie Kundschaft gehabt. Spannend, nicht wahr? Vor allem, wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie viele Nutzer Websites wie OnlyFans haben und wie viel Geld darüber fließt. Für alle, die noch nie von dieser Website gehört haben (ach, ihr Glücklichen!): Only Fans basiert auf einem Abo-Modell. Menschen bezahlen einen gewissen Betrag pro Monat und bekommen dafür Zugriff auf meist explizite und sexuelle Videos und Bilder der Personen, die sie abonniert haben.

Eine fiktionale Person, die ebenfalls mit Bildern und Videos und Penisbewertungen auf OnlyFans ihr Glück versucht, ist Margo. Sie hat ein Baby daheim und musste wegen der Existenz ihres Sohnes nicht nur ihren Job als Kellnerin aufgeben, sondern auch ihr Studium, denn der Vater des Bubens ist ihr Professor, der ihr für ihr Schweigen viel zu wenig Geld geboten hat. Und trotzdem nimmt Margo das Angebot an - denn einerseits ist sie in Armut aufgewachsen und hat daher kein Gefühl für Geld, andererseits braucht sie halt auch einfach Geld, wenn sie ihrem Sohn weiter ein Dach über den Kopf bieten will. Doch natürlich ist dieses Geld nicht genug, um langfristig damit auszukommen. Also muss Margo kreativ werden: Mit ihrer Mitbewohnerin und ihrem Vater Jinx, ein ehemaliger Wrestler, gründet sie ihre WG neu und auf der Suche nach alternativen Einnahmequellen findet sie OnlyFans. Die Website scheint die Lösung für ihre Probleme zu sein: Ein paar Bilder von sich posten, mit einigen Männern schreiben, Penisbilder bewerten? Das sollte sie hinbekommen! Und einige Leute werden damit ja richtig reich!

Doch schnell bemerkt sie, dass OnlyFans nicht sie will - und zusammen mit ihrem Vater entwickelt sie ein Alter-Ego, eine Online-Persönlichkeit und eine Marketing-Strategie. Doch kann das lange gut gehen?

Ein spannender Roman über Armut, Sexarbeit und den Mut, für sich selbst einzustehen. Das Buch empfand ich als sehr erfrischend, als gleichzeitig tragisch und amüsant. Ich musste lachen und weinen und habe mit großer Spannung Margos Reise mitverfolgt. Margos Weg wird beschrieben, ohne sie dafür zu verurteilen, was ich für eine schöne Abwechslung halte.

Mein Fazit? Große Leseempfehlung!


Mittwoch, 20. August 2025

Digitale Diagnosen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

So, nachdem ich mir für meinen Umzug und danach aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Auszeit von der Online-Welt genommen habe, bin ich nun zurück - und werde es hoffentlich schaffen, jetzt wieder ein bisschen regelmäßiger zu posten.

Natürlich war ich aber als reine Konsumentin nicht komplett offline. Wie wahrscheinlich alle anderen Menschen auch verbringe ich trotzdem zu viel Zeit auf Social Media und generell online. Und auch, wenn ich versuche, dort hauptsächlich Buch- und Autorinnencontent zu konsumieren, klappt das nicht immer. Hin und wieder postet mal wer aus dieser Blase was über andere Themen und wenn ich das dann like, wird natürlich mehr dazu angezeigt. Und so wurde ich irgendwann auch auf das Phänomen der Mental-Health-Seite von Instagram und co. aufmerksam. Und ich sags euch, Leute: Da gehts ab! Zeit- und Stressmanagement sowie allgemeine Mental Health Themen sind da noch die Spitze des Eisberges. Darunter? ADHS, Autismus, OCD, Dissoziative Persönlichkeitsstörungen ... mir war gar nicht so bewusst, wie viele Erkrankungen es so gibt. 

Als dann das Buch "Digitale Diagnosen" erschien, wusste ich direkt, dass ich es lesen möchte. Online sind psychische, aber auch körperliche Diagnosen und Gesundheit generell ein großes Thema, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Und natürlich habe auch ich mitbekommen, dass es scheinbar immer mehr Selbstdiagnosen gibt, die ohne die Bestätigung von Ärzten aufgestellt werden. Was ich hier gar nicht wirklich verurteilen möchte. Medical Gaslighting existiert leider, Ärzt:innen stehen oft unter viel Zeitdruck und Wartelisten bei Expert:innen sind oft sehr lang, wenn man nicht grade die Ressourcen hat, um auf eine private Versorgung auszuweichen. Gerade war der Mangel an Therapieplätzen für Kinder- und Jugendliche ja wieder ein Thema in den Nachrichten - kann man da wirklich Leute verurteilen, die sich selbst auf die Suche nach Antworten und Strategien machen?

Schärfer verurteilen muss ich das große Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, die meiner Erfahrung nach oft mit diesem Thema einhergeht. Leute, nur weil ihr in der Lage dazu seid, ein paar Stichworte zu googeln oder (noch schlimmer!) in eine KI einzugeben, macht euch das nicht zu Mediziner:innen. Nur weil euch eine Strategie geholfen habt, seid ihr nicht Expert:innen. Ihr seid einfach nur Menschen, die mit dieser Erkrankung leben müssen, und vielleicht nicht mal das, weil ihr nämlich keine Mediziner:innen seid und euch deswegen vielleicht sogar mit der falschen Krankheit diagnostiziert habt. Und das kennen wir wohl wirklich alle, nicht mal unbedingt nur auf psychische Erkrankungen begrenzt. Schnell mal Symptome gegoogelt und schon befürchtet man einen Hirntumor (ich zumindest!). Ich saß zum Beispiel auch erst vor Kurzem beim Arzt, weil ich nach einen Vitamin-Mangel bei mir vermutet habe. Hatte ich auch. Aber dazu halt auch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die wahrscheinlich die Mängel erst verursacht hat und in einem frühen Stadium oft mit recht ähnlichen Symptomen kommt. Hätte ich einfach selbständig mit der Behandlung begonnen (Vitaminpräparate gibt es ja wirklich überall zu kaufen!), wäre diese Erkrankung weiter unter dem Radar geflogen und hätte wohl immer weiter Symptome verursacht - und das hätte sehr hässlich enden können. Deswegen: Wenn es euch nicht gut geht, dann geht zur Ärztin oder zum Arzt. Egal, ob das jetzt euren Körper oder eure Psyche betrifft. Und geht zur verdammten Vorsorge. Aber googelt eure Symptome nicht, postet sie nicht in Foren für Betroffene von bestimmten Krankheiten und dichtet euch doch bitte nicht selbst irgendwelche Krankheiten an. Die allermeisten von euch sind nicht aus der Medizin und können eure Vermutungen nicht von anderen Diagnosen mit ähnlichen Symptomen abgrenzen! Dafür fehlt euch nicht nur das Wissen, sondern auch die Werkzeuge - oder habt ihr ein verdammtes Ultraschallgerät daheim rumliegen? Oder die Tools für verlässliche Bluttests?  

Dass eine Selbstdiagnose oft falsch und teils sogar richtig gefährlich sein kann, dürfte den meisten Leuten klar sein. Aber warum finden sich dann online trotzdem so viele Personen, die sich selbst irgendwelche Krankheiten andichten? Wie ist dieser "Trend" entstanden? Die Autorin bietet mögliche Antworten auf diese Fragen und beleuchtet das Phänomen der Selbstdiagnose aus kultureller, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. Dadurch entsteht ein vielfältigeres Bild von diesem Phänomen als ich es persönlich erwartet hätte - und durch dieses Buch verstehe ich jetzt diese Entwicklung jetzt etwas besser. 

Beschrieben wird all das auf sehr spannende Art. Die Autorin beschreibt all die Aspekte, die hier mit rein spielen und das, ohne die Menschen zu verurteilen, die sich selbst diagnostizieren. Trotzdem wird auch ganz klar deutlich gemacht, warum eine nicht von einer Ärztin bestätigte Diagnose problematisch und gefährlich sein kann.

Mein Fazit? Ein großartiges Buch durch das ich viel Neues lernen durfte. Großartig!

Mittwoch, 30. April 2025

100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen [Kurzrezensionen]

 

Quelle: Verlag

Was viele von euch nicht wissen: Ich liebe, liebe, liebe gut geschriebene 1-Stern-Bewertungen oder negative Bewertungen generell. Ob das jetzt 1 Stern, 1,5 Sterne oder 2 Sterne sind, ist mir da nicht so wichtig. Gut geschriebene 1-Stern-Bewertungen halte ich für unterhaltsam und können die beste Werbung für ein Buch sein, so paradox sich das auch anhören möchte. Mir ist es nicht erst einmal passiert, dass ich nach dem Lesen einer negativen Bewertung ein Buch erst recht gekauft habe, weil ich gerade dadurch neugierig wurde. Falls du, meine liebe Leserin oder mein lieber Leser, also selbst Autorin oder Autor bist und gerade an einer negativen Rezension zu knabbern hast: Es gibt seltsame Leute wie mich, die vielleicht genau deswegen zu deinem Buch greifen werden. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren.

Als ich also dieses Buch hier auf Skoobe gesehen habe, musste ich es mir genau deswegen einfach ausleihen. Weltliteratur habe ich durchs Studium ja so einiges gelesen und in düsteren Stunden haben mir negative Bewertungen durch die Frustration geholfen, die einige Klassiker auch bei mir ausgelöst haben. Nur weil ich das studiere, heißt das noch lange nicht, dass ich jedes einzelne Drama der deutschen Literatur feiere. Viele habe auch ich selbst nicht unbedingt positiv bewertet. Ich denke nicht, dass wir ein Buch lieben müssen, nur weil da Klassiker drauf steht. Auch kritische Auseinandersetzungen sind meiner Meinung nach wichtig.

Scheinbar wird das hier aber erwartet, dass jeder Klassiker, den ich in die Hand nehme, eine 5-Stern-Rezension verdient. Das vermittelt dieses Büchlein hier zumindest mir schon im Vorwort, das auf mich ziemlich herablassend wirkte. Von Elias Hirschl habe ich noch keine längeren Texte gelesen, dieses Vorwort machte zumindest mir nicht unbedingt Lust darauf, mich näher mit ihm zu beschäftigen.

Durch diese Wahrnehmung des Vorworts wurde natürlich meine Sicht auf das restliche Buch geprägt. Hier finden sich leider keine unterhaltsamen Verrisse oder interessante Meinungen über Klassiker, sondern großteils leider nur Bewertungen ohne jeglichen literarischen Mehrwert. Sorry, aber Rezensionen darüber, dass ein Buch in einem schlechteren Zustand als angegeben geliefert wurde, muss ich nicht in einem Buch lesen. Hier und bei vielen anderen Rezensionen auf ähnlichem Niveau stellte sich mir schnell die Frage nach dem Sinn dieses Buches. Warum wurden genau diese Rezensionen ausgewählt? Ist es der Sinn hier wirklich, zu unterhalten? Oder sollen negative Bewertungen ins Lächerliche gezogen werden? Und falls es letzteres ist: Warum? Weil Lieferbedingungen statt das Buch an sich kritisiert wurden? Weil sich Rechtschreibfehler in ihnen finden? Weil Menschen Bücher kritisch lesen, bei denen das vielleicht gar nicht erwünscht ist? Wer bestimmt denn eigentlich, wie eine kritische Rezension auszusehen hat, was wir kritisieren dürfen und in welcher Art? Das sind Fragen, die die Lektüre dieses Büchleins bei mir ausgelöst hat.

Schade, aber dieses Buch konnte mich gar nicht überzeugen.

Donnerstag, 17. April 2025

Erben gesucht! [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist mal wieder ein Rezensionsexemplar, das bei der Arbeit irgendwie seinen Weg in meine Tasche gefunden hat. Denn warum denn auch nicht? Es hörte sich spannend an.

Ich bin sicher nicht die einzige, die schon mal davon fantasiert hat, wie das wohl wäre, wenn sie plötzlich ein großes Erbe von irgendwelchen verschollenen Verwandten bekommen würde, die man selbst nie kennen gelernt hat. Was mir nicht klar war, ist, dass das manchen Menschen wirklich passiert. Wenn jemand stirbt und etwas hinterlässt und es keine offensichtlichen Erben gibt, dann werden spezielle Kanzleien kontaktiert, so wie in diesem Fall die Historikerkanzlei. Die stellen dann Nachforschungen an, auch international, und versuchen, erbberechtigte Personen zu finden. Und in vielen Fällen klappt das auch, denn sonst gäbe es solche Kanzleien heute nicht mehr - denn Geld bekommen sie nur, wenn das Erbe von jemandem angenommen wird. 

In diesem Buch werden die ungewöhnlichsten Fälle dieser Kanzlei dargestellt. Von der verschollenen Schwester, die nur ein paar Straßen weiter wohnte, dem Mafiosi-Erben im Zeugenschutzprogramm oder einer Begrüßung mit Waffe. Wir lernen hier viele, viele Einzelschicksale kennen, viele sehr tragisch, andere überraschend unterhaltsam, manche beides. Besonders berührt haben mich die Geschichten über Familien, die durch Kriege auseinandergerissen wurden und so den Kontakt verloren haben - wie eben die zwei Schwestern, die ihr Leben lang nacheinander gesucht haben. Was für ein Albtraum!

Viele der Geschichten sind durchaus spannend. Leider wirkte das Buch aber auf mich unstrukturiert, die Aneinanderreihung der Erzählungen wirkte willkürlich. Zwar wird eine Aufteilung nach Ländern versucht, häufig erstreckten sich die Ermittlungen aber über mehrere Länder, was eine solche Aufteilung erschwerte. Ich denke, dass hier vielleicht eine thematische Aufteilung passender oder zumindest übersichtlicher gewesen wäre.

Mein Fazit? Interessantes Buch für Zwischendurch.

Sonntag, 13. April 2025

Seven Years From Now [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Hach, dieses Buch war einfach unglaublich süß. Clementine ist am Boden zerstört, denn sie hat ihre Tante verloren, die eine sehr wichtige Bezugsperson für sie war. Ihre Tante war immer sehr exzentrisch, hat immer zu ihr gehalten, kurz: Das Band zwischen ihnen war ein ganz besonderes. Und jetzt ist diese Tante einfach weg und alles, was Clementine bleibt, ist die Wohnung ihrer Tante. Die Wohnung, von der diese Tante immer behauptet hat, dass sie verzaubert ist. Manchmal finde man sich einfach sieben Jahre in der Vergangenheit wieder. Und das passiert auch Clementine: Plötzlich ist da ein fremder Mann in ihrer Wohnung. Kein Einbrecher, sondern einfach nur James, der hier kurzfristig wohnen darf, während Clementines Tante verreist ist. Ein super sympathischer junger Mann, der toll kochen kann und große Träume verfolgt. Ein richtiger Traum-Typ, der mich zum Lächeln und Kichern brachte.

Schön fand ich, dass sich die Autorin wirklich Gedanken um den Zeitreise-Aspekt gemacht hat. Sie hat fixe Regeln dafür festgelegt, die wir gemeinsam mit Clementine und James entdecken. Und sie lässt James und Clementine auch in Clementines Gegenwart immer wieder auf einander treffen: Plötzlich ist James hier ein Starkoch und das Verlagshaus, für das Clementine arbeitet, möchte sein Buch verlegen. Was natürlich zu Komplikationen führt. Denn Clementine arbeitet auf ihren nächsten großen Karriereschritt hin und braucht unbedingt dieses Buchprojekt - doch der Lauf der Handlung verkompliziert die Beziehung und damit die mögliche Zusammenarbeit der beiden immer weiter.

Ebenfalls hat es mir gefallen, dass der Fokus nicht nur auf der Beziehung zwischen Clementine und James lag. Auch das Band zu Tante Analea wird aufgearbeitet, es geht hier viel auch um die Frage, wie (und ob) sich ein so großer Verlust aufarbeiten lässt. Clementine wünscht sich nichts mehr, als ihre Tante nur noch einmal zu sehen, nur noch einmal mit ihr zu sprechen. Diesen Wunsch kennen wahrscheinlich alle von uns, die schon einmal jemanden verloren haben. Im Gegensatz zu ihr haben wir aber keine durch die Zeit reisende Wohnung zur Verfügung, die diesen Wunsch vielleicht und mit ein bisschen Glück erfüllen könnte. Doch auch diese Wohnung ist nicht die magische Lösung für dieses Bedürfnis - denn Clementine hat keine Kontrolle über diese Zeitreisen. Sie kann nicht entscheiden, wann der Sprung passiert. Manchmal wacht sie einfach auf und die Wohnung befindet sich exakt sieben Jahre in der Vergangenheit. Und manchmal ist sie in der Vergangenheit und in der nächsten Sekunde wieder in ihrer Gegenwart, ohne, dass sie es wollte. Und die Wohnung kann in der Vergangenheit auch nicht verlassen werden - Clementine würde dann genau wieder in ihrer Gegenwart landen. Also nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

Auch toll fand ich hier die Beschreibung von James Liebe zu Essen. James ist Koch und in Clementines Gegenwart sogar ein Starkoch mit eigenem Restaurant. Von Zitronenkuchen bis hin zu Spaghetti (?) mit Trockeneis bekommen wir hier viele seiner Experimente mit. Von einigen ist Clementine sehr angetan, von anderen eher weniger, aber ich habe es geliebt, wie sehr ich James Begeisterung spüren konnte. Die Autorin hat es geschafft, das glaubwürdig rüberzubringen und hat mich auch dazu gebracht, an einem Punkt der Handlung selbst damit zu beginnen, endlich mal wieder einen Kuchen zu backen. Nein, leider keinen Zitronenkuchen, Brownies, die aber ebenfalls sehr gut geworden sind.

Mein Fazit? Eine sehr schöne Liebesgeschichte - eine Liebeserklärung an besondere Menschen, Essen und an das Leben.

Freitag, 11. April 2025

Wohnverwandtschaften [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich im Zuge einer Bloggerveranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse 2024 bekommen. Ist also auch schon wieder ein bisschen her. Ich wusste dann zuerst nicht, ob oder wann ich es lesen würde. Die Lesung dazu war spannend, die Autorin sympathisch, aber es hörte sich einfach nicht nach meinem "typischen" Buch an. Letztes Wochenende war es dann aber so weit und ich bekam Lust, es doch mit diesem Roman zu versuchen. Also ab in die Sonne damit und losgelesen.

Kurze Info zuerst: In diesem Buch geht es um eine Form der Demenz. Wenn ihr dieses Thema gerade aus welchen Gründen auch immer nicht aushaltet, dann klickt doch schnell zur nächsten Rezension weiter.
Ich hätte vollstes Verständnis dafür: Demenz ist eine grauenhafte Krankheit, die ich niemandem wünschen würde. Ich denke, jede Person, die schonmal jemanden an einer Ausprägung dieser Krankheit verloren hat, würde mir da zustimmen. Du kannst dem betroffenen Menschen einfach zusehen, wie er sich auflöst, und zwar für immer. So fühlte es sich für mich an: Als würde ein betroffener Mensch sich selbst verlieren, manche über Jahre hinweg, andere innerhalb weniger Monate. Erinnerungen gehen verloren, damit auch die Erinnerung an liebe Menschen, Fähigkeiten verschwinden, damit auch scheinbar Alltägliches wie die Fähigkeit, ohne Hilfe auf die Toilette zu gehen oder zu essen, und die Persönlichkeit betroffener Menschen kann sich in vielen Fällen stark verändern. Irgendwann stehst du einem Fremden gegenüber. Es ist schrecklich. 

Isabel Bogdan hat hier versucht, den Verlauf von Demenz am Beispiel von Jörg zu schildern. Jörg ist Mitte 60 und plant gerade seine Reise nach Georgien. Er wohnt in einer WG mit Constanze, Anke und Murat, und gemeinsam sind sie fast wie eine Familie - daher auch der Begriff "Wohnverwandtschaften". Sie alle haben ihre Macken und Eigenheiten, sind aber super liebenswert. Constanze ist Zahnärztin und ist nach einer Trennung eingezogen und damit das WG-Küken und sieht die WG eigentlich nur als Übergangslösung. Murat ist Fußballfan und Hobbygärtner. Und Anke ist Schauspielerin Mitte 50, die gerne einfach wieder mal eine Rolle hätte, egal als was, egal wo. Auf den ersten Blick passen die vier gar nicht zusammen. Und das hätten sie auch vielleicht nie - doch dann beginnt Jörg, aufzufallen. Zu Beginn sind es nur Kleinigkeiten: vergessene Schlüssel oder Namen, nichts, was einem gesunden Menschen nicht auch passieren könnte. Doch irgendwann beginnt sich Constanze, Sorgen zu machen - denn als Ärztin erkennt sie die Symptome wieder, auch wenn das gar nicht ihr Feld ist.

Besonders spannend finde ich, dass Bogdan den Verlauf der Demenz auch aus Jörgs Sicht geschildert hat. So entsteht ein Bild dieser Krankheit, wie ich es in der Belletristik noch nie zuvor gesehen habe. Sie nutzt unterschiedliche Techniken, von Auslassungen bis hin zum Stream-of-consciousness, und ich finde, dass das sehr gut funktioniert hat und glaubwürdig ist. Und trotzdem werden auch die anderen Figuren nicht vernachlässigt. Auch wenn Jörg hier eine Sonderstellung einnehmen muss, haben auch die anderen ihre Sorgen und Probleme, die oft auch gar nichts mit Jörg zu tun haben, und dann immer mehr.

[Spoiler]

Die Autorin lässt uns hier mit einem offenen Ende zurück. Das fand ich überraschend gut. Nicht alle Probleme wurden gelöst, viele Fragezeichen bleiben, und das Buch wirkte so ordentlich bei mir nach. Das ist sicher nicht für alle Leser:innen angenehm, doch ich fand dieses Ende glaubwürdig und sehr gut gewählt.

[Spoiler Ende]

Hört sich jetzt nach einem ziemlich düsteren Buch an, oder? Ist es auch, über weite Stellen. Doch genauso wie ernste Passagen fand ich hier auch Aspekte, die mich zum Lachen brachten. Die Figuren bringen viel Humor mit und sorgten so dafür, dass dieses Buch trotzdem Spaß machte und mich nicht zu niedergeschlagen zurückließ.

Mein Fazit? Ein überraschendes Lesehighlight!

Sonntag, 6. April 2025

Die Tribute von Panem L. Der Tag bricht an [Kurzrezension]


Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich erfolgreich meiner Kollegin abgenommen - Sorry, C.! Dabei war das gar nicht meine Intention. Ich hab nur gejammert, dass sie klüger war als ich und das Rezensionsexemplar für sich reserviert hat. Und dann hatte ich das Buch plötzlich wieder in der Hand. Joa, gewehrt habe ich mich dann auch nicht wirklich, muss man dazu sagen. Upsi!

Nach den drei Hauptbänden der „Tribute von Panem“-Reihe und dem Prequel „Das Lied von Vogel und Schlange“, das ich persönlich ja eher weniger mochte, können sich Leser*innen nun mit diesem Buch erneut in die Welt der Hungerspiele zurück wagen. Dieses Mal wird die Geschichte des Mentors und schweren Alkoholikers Haymitch Abernathy erzählt. Wie wurde er zu der tragischen Figur, die wir zusammen mit Katniss kennengelernt haben?

Die Handlung beginnt am Tag der Ernte – Haymitchs 16. Geburtstag. Für ihn ist noch alles wie immer: Er arbeitet, lässt sich von seinem kleinen Bruder Sid und seiner Mutter gratulieren und trifft sich mit seiner Freundin Lenore Dove. Doch dann kommt es während der Ziehung der Tribute für die Hungerspiele zum Aufstand – Haymitch gerät beim Versuch, Lenore zu schützen, irgendwie dazwischen und plötzlich muss er zur Strafe an den tödlichen Spielen teilnehmen. Er weiß: Bald wird er nicht mehr leben. Also wird er sein Bestes tun, um bis zu seinem Tod die Hungerspiele so stark wie möglich zu stören. Mehr als sein Leben kann ihm das Kapitol ja nicht nehmen … oder?

Knapp 15 Jahre ist es inzwischen her, dass der erste Band der „Tribute von Panem“-Reihe erschien. Doch auch dieses neue Buch ist keine reine Geldmacherei, wie man es von anderen Autor*innen bekannter Reihen erwarten würde. Dieser Roman fügt sich nahtlos in die Reihe ein, ist gesellschaftskritisch – und das nicht nur im Bezug auf die fiktionale Welt – und einfach unglaublich spannend. 

Mein Fazit? Wer die anderen Bücher der Reihe mochte, wird auch dieses Buch genießen. Ein Must-Have!

Montag, 31. März 2025

No Hard Feelings [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich bin Mitte 20 und finde es unglaublich spannend, wie unterschiedlich die Lebenswege von meinen Freund:innen und mir sind. Ich selbst habe beruflich gerade viel Erfolg, bin kreativ und lege darauf meinen Fokus. Und das macht mich glücklich. Eine andere Freundin wiederum wird bald heiraten und ich freue mich unglaublich für sie. Wieder andere Freund:innen sind dabei, ihre Studien abzuschließen und auf der Suche nach ihren ersten Jobs. Manche schmeißen gerade alles hin und beginnen nochmal von vorne. Manche haben bereits Eigentumswohnungen, andere wohnen in ihren Kinderzimmern. Und all diese Wege sind so interessant und einzigartig. Uns wird in verschiedenen Medien vermittelt, dass wir unser Leben nach einer ganz bestimmten Zeitlinie leben müssen, aber ich halte das für Schmarrn. Nur unnützer Druck, der niemandem gut tut. 

Ein Beispiel aus der Fiktion? Penny aus "No Hard Feelings". Sie kann es nicht fassen: Plötzlich sind ihre beiden besten Freundinnen Bec und Annie so richtig erwachsen. Bec hat sich verlobt und Annie wird demnächst Partnerin in einer Anwaltskanzlei sein. Unglaublich und natürlich ist sie stolz auf ihre Freundinnen. Und Penny selbst? Die hat eine On-Off-Beziehung mit dem Doktoratsstudenten Max und hasst ihren Job. Und zur Therapie muss sie jetzt auch noch, weil ihre Freundinnen eine ihrer Panikattacken miterlebt haben. Dabei hat sie gar kein Problem. Sie hat es nur so satt, die ganze Zeit zu warten: Darauf, dass sich Max endlich für sie entscheidet. Darauf, dass ihr Job endlich spannend wird, ihre Chefin ihr Potential erkennt und sie befördert. Darauf, dass ihre Freundinnen endlich auch mal wieder Zeit für sie haben.

Auch wenn es sich nicht so anhört: Dieses Buch war eine Wohlfühllektüre, die mich an „Bridget Jones“ erinnerte. Leser:innen finden hier eine chaotische, aber trotzdem irgendwie liebenswürdige End-Zwanzigerin, die sich einfach nur geliebt fühlen will, spannende Therapiesitzungen, schlechte Dates und ganz viel trockenen Humor. Es machte mir Spaß, Penny ein Stück weit auf ihrem Weg begleiten zu dürfen und es war schön zu sehen, wie sehr sie im Laufe der Handlung wächst. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und habe dafür sogar Schlaf geopfert.

Mein Fazit? Ein genialer Roman, der aktuell noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt!