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Mittwoch, 31. Dezember 2025

Das war 2025 - jetzt kommt 2026!

 Hallo ihr lieben treuen Leser:innen, die sich auch durch meinen unregelmäßigen Posting-Plan (oder den nicht-vorhandenen) nicht haben abschrecken lassen!

Hinter mir liegt ein spannendes Jahr. So viel Neues, dass mir teils nur noch der Kopf schwirrte. Neue Wohnung, neue Aufgaben und viel mehr Verantwortung im Job, gesundheitliche Themen, die neu aufgekocht sind und in der Diagnose zweier Autoimmunerkrankungen gegipfelt sind.

Ganz ehrlich: Ich freue mich so sehr auf 2026, denn dieses Jahr hat mir so einiges abverlangt. Es gab so viele tolle, schöne Momente, an die ich gerne zurückdenken werde. Ich habe tolle Reisen gemacht, habe richtig tolle Meilensteine erreicht, mit denen ich so früh nicht gerechnet hätte. Ich bin jetzt nicht nur Wohnungsbesitzerin, nicht nur halb fertig ausgebildete Bibliothekarin, sondern auch noch meine eigene Chefin und das nach nicht nur mal zwei Jahren. So schnell kann es gehen, wenn ihr nicht vorsichtig seid! Plötzlich seid ihr an der Spitze der Karriereleiter angekommen. Richtig cool, nicht? Aber ich habe auch nicht nur einmal Tränen vergossen, ich musste mich immer wieder selbst vom Boden aufrichten, die Scherben einsammeln, tief durchatmen und weitermachen.

Daher auch mein plötzlich sehr unregelmäßiges Rezensionen-schreiben. Gelesen habe ich unglaublich viel, gepostet eher weniger. Das war dieses Jahr einfach nicht drin. Vielleicht ja hoffentlich nächstes Jahr wieder. Wie ich bereits zu Freunden und Familie gesagt habe: Ich hoffe darauf, dass 2026 einfach unglaublich langweilig wird. Ich will ein Jahr, wo absolut nichts Aufregendes passiert. Ein Jahr, bei dem ich mich im Nachhinein frage, was da eigentlich so genau passiert ist und ob das wirklich 2026 oder nicht doch 2025 oder 2027 war. Einfach ... ein durchschnittliches Jahr, ohne viel Wirbel. Bitte, bitte, liebes Universum?


Aber deswegen seid ihr alle nicht hier, sind wir mal ehrlich! Ihr wollt mich nicht jammern hören, sondern meinen Leserückblick sehen. Und den bekommt ihr natürlich auch. Euer Wunsch ist mir Befehl!

Denn trotz (oder vielleicht gerade wegen) allem anderen habe ich Unmengen an Büchern gelesen. Eskapismus war schon immer mein liebster Bewältigungsmechanismus. Warum der Realität ins Auge schauen, wenn ich auch fiktionale Romanzen mit Dämonen und Hockeyspielern miterleben darf, wenn ich in Fantasywelten zur Drachenreiterin ausgebildet werden kann und an einer Nobelpreisträgerin verzweifeln kann?

Und so kommt es, dass ich im letzten Jahr insgesamt 122 Bücher und 33.895 Seiten gelesen habe. Also 277 Seiten pro Buch (und jede Menge Kommerstellen ... wer hat die Katzen meine Bücher anknabbern lassen??). Mein Ziel von 90 Büchern habe ich also gaaaaanz weit übertroffen.

Bezüglich Stimmung habe ich dieses Jahr nach Büchern gegriffen, die man als "emotional" (41), "reflektiv" (26) oder "lustig" (23) einordnen könnte. Laut Storygraph ist das Erzähltempo auch dieses Jahr wieder großteils "medium", also durchschnittlich, mit einigen schnellen und einigen langsam erzählten Abschnitten (62 %).

Und wie ihr euch denken könnt, habe ich auch dieses Jahr kurze Bücher mit unter 300 Seiten bevorzugt (53 %). Auch wenn ich persönlich nicht finde, dass Bücher mit 300 Seiten wirklich kurz sind. So richtig kurz beginnt für mich bei unter hundert Seiten. Aber naja, das ist mal wieder eine richtig, richtig subjektive Kategorie, mit komplett willkürlich gesetzten Grenzen. Was für mich eine Durchschnittslänge ist, sagt genau gar nichts darüber aus, was eine andere Person als solche wahrnimmt. Aber natürlich habe ich nicht nur kurze Bücher gelesen: 41 % waren zwischen 300 und 499 Seiten lang und 7 % hatten sogar über 500 Seiten!

Die meisten Bücher habe ich auf Deutsch gelesen (70), immerhin 52 waren auf Englisch. Also eigentlich fast ausgeglichen, nicht?

Auch bezüglich Genre war ich mal wieder nicht besonders wählerisch. Insgesamt habe ich Bücher aus 41 verschiedenen Genres gelesen, auch wenn Storygraph da nicht unbedingt immer zu hundert Prozent korrekt liegt. Zum Beispiel würde ich eine Sport-Romanze jetzt nicht unbedingt unter "Sport" einordnen. Der Sport stand dabei so wenig im Vordergrund, dass ich ehrlich gesagt nicht mal mehr sagen könnte, um welchen Sport es dabei denn jetzt wirklich gegangen ist. Der steht da nämlich zumindest in meinen Büchern nur selten im Vordergrund.
Wenn man Storygraph aber vertrauen möchte, dann habe ich dieses Jahr am häufigsten Bücher aus den Genres "Zeitgenössische Literatur" (34), "Romance" (33) oder "LGBTQIA+" (14) gelesen. 68 % meiner Bücher waren "Fiction", 32 % "Non-Fiction", also zum Beispiel Biografien oder Sachbücher.

Und es gab so einige Autorinnen und Autoren, mit denen ich dieses Jahr gleich mehr Zeit verbracht habe. So zum Beispiel mit Alice Oseman, von der ich gleich 5 Bücher gelesen habe (ja, es war die Heartstopper-Reihe. Ja, alle anderen hatten Recht, die Reihe ist echt toll). Ich habe drei Bücher von Lea Kiefer gelesen (die Coldhart-Reihe), und jeweils zwei von Genevieve Novak, von Emily Henry, Edgar Allan Poe, Rebecca Yarros, R. F. Kuang, Ruby Dicon, Kelsie Calloway und Navessa Allen.

Mein lesestärkster Monat war der Januar. Da hatte ich mit verschiedenen Erkältungen zu kämpfen, wegen denen ich eigentlich nicht viel anderes tun konnte, als mir Bücher und Hörbücher reinzuziehen. Außerdem hatte ich hier einige Handarbeitsprojekte in Arbeit, bei denen ich ebenfalls gerne Hörbücher höre. Hier habe ich 22 Bücher gelesen. Mein leseschwächster Monat war der Mai mit nur 4 gelesenen Büchern. Hier sind die Symptome meiner Erkrankungen so hochgekocht, dass ich mich endlich gezwungen habe, einen Arzttermin zu vereinbaren, was dann im Juli zur ersten Diagnose geführt hat. Ehrlich gesagt nicht nur ein Schock, sondern auch eine ziemliche Erleichterung: All diese Symptome, die ich seit Jahren habe, sind nicht eingebildet. Sie haben einen Grund und dieser Grund ist behandelbar. Natürlich trotzdem ein Schock, der dafür gesorgt hat, dass ich alle Phasen der Trauer durchlebt habe und wahrscheinlich auch noch einige Zeit durchleben werde. Aber hey: Ich habe Antworten und kann jetzt mit meinem Arzt an der Behandlung arbeiten!

Ups, jetzt habe ich mich wieder ablenken lassen. Tja, wird euch nicht stören, denn was seid ihr denn von mir anderes gewöhnt? Ich erzähle euch gerne aus meinem Leben und warum sollte ich ein Geheimnis um meine Gesundheit machen? Vor allem jetzt, wo ich in Behandlung bin und meine Symptome unter Kontrolle?

Tja, und die Statistiken sind eh fast fertig. Fehlen nur noch die Bewertungsstatistik! Im Durchschnitt habe ich dieses Jahr 4,02 Sterne vergeben. 34 Bücher waren für mich 5-Sterne-Highlights, 36 4-Sterne und 11 4,5 Sterne. Einen Stern habe ich diesmal nur einmal vergeben, weil auf Storygraph Bücher auch als "abgebrochen" markieren kann und die dann auch so in meiner Statistik aufscheinen. Und auch davon habe ich dieses Jahr einige, nämlich 27. Warum sollte ich mich durch Bücher zwingen, die mir aktuell nichts geben? Ich glaube nicht mehr, dass das nötig ist, um von als Leserin und als vollwertige Buchbloggerin wahrgenommen zu werden. Und ich zwinge mich auch nicht mehr, überzuanalysieren, warum ich ein Buch nicht beenden werde. Warum sollte ich weiterlesen, wenn ich merke, dass ein Buch aus welchem Grund auch immer gerade nichts für mich ist? Das tut weder mir noch irgendwem anderen gut. So habe ich die Bücher einfach als "abgebrochen" markiert, an viele bis jetzt gerade nicht mehr gedacht und habe großteils keine starken Gefühle gegenüber diesen Büchern.

Im großen Ganzen bin ich mit diesem Lesejahr mehr als nur zufrieden. Ich habe so viele tolle Bücher entdeckt und neue Genres ausprobiert. Und ich durfte sogar im echten Leben Menschen zulabern. BEZAHLT! WEIL DAS NÄMLICH TEIL MEINES JOBS IST, MUHAHAHA! Dabei waren sehr intellektuelle Themen wie Künstliche Intelligenz in Bibliotheken und die Bibliothek für alle, aber auch mein bisher liebster Vortrag mit dem Titel "Zwischen Fandom und Dark Romance", in dem ich über Booktok, Smut und so viele coole Bücher reden durfte. Und Bibliothekarinnen beruhigen durfte: Es gibt bisher keinen wissenschaftlich belegten Hinweis darauf, dass junge, volljährige Erwachsene, die gerne Dark Romance lesen, dadurch irgendeinen Schaden nehmen oder dazu neigen, sich absichtlich in gefährliche Situationen und Beziehungen zu begeben. Die meisten Leserinnen können das durchaus reflektieren und Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden. Genau so wie auch Thriller-Leser:innen nicht plötzlich Gewalttaten begehen, nur weil sie Bücher mit der Perspektive des Täters lesen.
Ich hatte so einen unglaublichen Spaß mit diesem Vortrag! Ach, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Und zu schlecht kann ich das auch nicht gemacht haben, denn ich wurde zum gleichen Thema für 2026 gleich noch dreimal gebucht. Booktok ist und bleibt ein großes Thema, nicht nur in Bibliotheken, und ich liebe es, dass ich da jetzt irgendwie ganz offiziell zur Expertin geworden bin. Ich liebs, ich liebs, ich liebs! Das war vielleicht sogar mein größtes buchiges Highlight 2025.


Und wie soll es jetzt weitergehen?

Nun, allem voran: Ganz entspannt! Wie immer will ich meinen Stapel der Schande verkleinern, aber ich werde mich dieses Jahr nicht zu einem strengen Buchkaufstop oder so zwingen. Aber Rezensionsexemplare werde ich vorerst keine neuen mehr in meinen Plan mit aufnehmen. Ich bekomme durch meine Arbeit schon genügend davon und für mehr habe ich aktuell keine Kapazitäten mehr.

Ein Zahlen-Ziel setze ich mir trotzdem, einfach, weil es für mich dazugehört. 123 Bücher und 33.896 Seiten. Also ein Buch und eine Seite mehr. Werde ich das schaffen? Keine Ahnung. Werden wir sehen. Falls nicht, ist es ja auch kein Drama. Es gibt keine Buchziel-Polizei, die dann vor meiner Haustür stehen wird. Niemand wird mich verurteilen. Who cares? Es geht ja um nichts.


Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr eure Leseziele erreicht? Was waren eure buchigen Highlights? Lasst es mich gerne wissen, ihr Süßen!

Bis bald und alles Liebe,

eure Mira

Mittwoch, 30. April 2025

100 Seiten sind genug. Weltliteratur in 1-Stern-Bewertungen [Kurzrezensionen]

 

Quelle: Verlag

Was viele von euch nicht wissen: Ich liebe, liebe, liebe gut geschriebene 1-Stern-Bewertungen oder negative Bewertungen generell. Ob das jetzt 1 Stern, 1,5 Sterne oder 2 Sterne sind, ist mir da nicht so wichtig. Gut geschriebene 1-Stern-Bewertungen halte ich für unterhaltsam und können die beste Werbung für ein Buch sein, so paradox sich das auch anhören möchte. Mir ist es nicht erst einmal passiert, dass ich nach dem Lesen einer negativen Bewertung ein Buch erst recht gekauft habe, weil ich gerade dadurch neugierig wurde. Falls du, meine liebe Leserin oder mein lieber Leser, also selbst Autorin oder Autor bist und gerade an einer negativen Rezension zu knabbern hast: Es gibt seltsame Leute wie mich, die vielleicht genau deswegen zu deinem Buch greifen werden. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren.

Als ich also dieses Buch hier auf Skoobe gesehen habe, musste ich es mir genau deswegen einfach ausleihen. Weltliteratur habe ich durchs Studium ja so einiges gelesen und in düsteren Stunden haben mir negative Bewertungen durch die Frustration geholfen, die einige Klassiker auch bei mir ausgelöst haben. Nur weil ich das studiere, heißt das noch lange nicht, dass ich jedes einzelne Drama der deutschen Literatur feiere. Viele habe auch ich selbst nicht unbedingt positiv bewertet. Ich denke nicht, dass wir ein Buch lieben müssen, nur weil da Klassiker drauf steht. Auch kritische Auseinandersetzungen sind meiner Meinung nach wichtig.

Scheinbar wird das hier aber erwartet, dass jeder Klassiker, den ich in die Hand nehme, eine 5-Stern-Rezension verdient. Das vermittelt dieses Büchlein hier zumindest mir schon im Vorwort, das auf mich ziemlich herablassend wirkte. Von Elias Hirschl habe ich noch keine längeren Texte gelesen, dieses Vorwort machte zumindest mir nicht unbedingt Lust darauf, mich näher mit ihm zu beschäftigen.

Durch diese Wahrnehmung des Vorworts wurde natürlich meine Sicht auf das restliche Buch geprägt. Hier finden sich leider keine unterhaltsamen Verrisse oder interessante Meinungen über Klassiker, sondern großteils leider nur Bewertungen ohne jeglichen literarischen Mehrwert. Sorry, aber Rezensionen darüber, dass ein Buch in einem schlechteren Zustand als angegeben geliefert wurde, muss ich nicht in einem Buch lesen. Hier und bei vielen anderen Rezensionen auf ähnlichem Niveau stellte sich mir schnell die Frage nach dem Sinn dieses Buches. Warum wurden genau diese Rezensionen ausgewählt? Ist es der Sinn hier wirklich, zu unterhalten? Oder sollen negative Bewertungen ins Lächerliche gezogen werden? Und falls es letzteres ist: Warum? Weil Lieferbedingungen statt das Buch an sich kritisiert wurden? Weil sich Rechtschreibfehler in ihnen finden? Weil Menschen Bücher kritisch lesen, bei denen das vielleicht gar nicht erwünscht ist? Wer bestimmt denn eigentlich, wie eine kritische Rezension auszusehen hat, was wir kritisieren dürfen und in welcher Art? Das sind Fragen, die die Lektüre dieses Büchleins bei mir ausgelöst hat.

Schade, aber dieses Buch konnte mich gar nicht überzeugen.

Donnerstag, 17. April 2025

Erben gesucht! [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist mal wieder ein Rezensionsexemplar, das bei der Arbeit irgendwie seinen Weg in meine Tasche gefunden hat. Denn warum denn auch nicht? Es hörte sich spannend an.

Ich bin sicher nicht die einzige, die schon mal davon fantasiert hat, wie das wohl wäre, wenn sie plötzlich ein großes Erbe von irgendwelchen verschollenen Verwandten bekommen würde, die man selbst nie kennen gelernt hat. Was mir nicht klar war, ist, dass das manchen Menschen wirklich passiert. Wenn jemand stirbt und etwas hinterlässt und es keine offensichtlichen Erben gibt, dann werden spezielle Kanzleien kontaktiert, so wie in diesem Fall die Historikerkanzlei. Die stellen dann Nachforschungen an, auch international, und versuchen, erbberechtigte Personen zu finden. Und in vielen Fällen klappt das auch, denn sonst gäbe es solche Kanzleien heute nicht mehr - denn Geld bekommen sie nur, wenn das Erbe von jemandem angenommen wird. 

In diesem Buch werden die ungewöhnlichsten Fälle dieser Kanzlei dargestellt. Von der verschollenen Schwester, die nur ein paar Straßen weiter wohnte, dem Mafiosi-Erben im Zeugenschutzprogramm oder einer Begrüßung mit Waffe. Wir lernen hier viele, viele Einzelschicksale kennen, viele sehr tragisch, andere überraschend unterhaltsam, manche beides. Besonders berührt haben mich die Geschichten über Familien, die durch Kriege auseinandergerissen wurden und so den Kontakt verloren haben - wie eben die zwei Schwestern, die ihr Leben lang nacheinander gesucht haben. Was für ein Albtraum!

Viele der Geschichten sind durchaus spannend. Leider wirkte das Buch aber auf mich unstrukturiert, die Aneinanderreihung der Erzählungen wirkte willkürlich. Zwar wird eine Aufteilung nach Ländern versucht, häufig erstreckten sich die Ermittlungen aber über mehrere Länder, was eine solche Aufteilung erschwerte. Ich denke, dass hier vielleicht eine thematische Aufteilung passender oder zumindest übersichtlicher gewesen wäre.

Mein Fazit? Interessantes Buch für Zwischendurch.

Montag, 16. Dezember 2024

Wir waren Sappho [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Von Sappho habe ich zum ersten Mal im Studium gehört. Das war in einer Übung, in der es sonst eigentlich fast nur um männliche Dichter ging. Daher habe ich Sappho auch im ersten Moment für einen Mann gehalten, der natürlich über seine Freundin, seine Frau oder seine Affäre schreibt, wie es so viele andere auch tun. Erst während der weiteren Recherche daheim, habe ich festgestellt, dass Sappho tatsächlich eine Frau ist. Und nicht nur das: Sie ist eine Frau, der heute zugeschrieben wird, lesbisch zu sein. Zumindest weiß man ziemlich sicher, dass sie Frauen geliebt hat. Daher heißt das heute auch so, lesbisch: Sappho lebte auf der griechischen Insel Lesbos. Und im englischen Raum wird der Begriff "sapphic" auch gerne für Inhalte verwendet, in denen Frauen Frauen lieben.

Die Autorin Selby Wynn Schwartz erzählt in kurzen, aber sehr dichten Episoden vom Leben verschiedener queerer Frauen und als weiblich gelesener Personen - den Nachfolger:innen Sapphos. Gegendert, da hier nicht nur von lesbischen Frauen erzählt wird, sondern auch von genderqueeren und trans* Personen. Meist wird hier ganz auf Labels verzichtet. Die verschriebenen Personen werden vorgestellt, ihr Leben beschrieben und aus dem Kontext geht dann hervor, was denn vielleicht ihre Identität sein könnte. Gemeinsam haben sie nur: Sie alle sind Nachfolger:innen Sapphos – sie sind Dichter:innen oder Autor:innen, sie lieben Frauen und halten sich nicht an die Vorgaben der Gesellschaft. 

In fiktionalisierten Kurzbiografien wird von ihren Liebschaften erzählt, von glücklichen und unglücklichen Ehen und Partnerschaften, vom Erfolg mit ihren Texten oder auf der Bühne und von ihrem Kampf um Rechte für Frauen und Mitglieder der LGBTQIA+-Community. Neben bekannten Namen wie Virginia Woolf und Vita Sackville gibt es hier auch Menschen zu entdecken, die wohl der breiten Öffentlichkeit meist kein Begriff sind. So kannte ich vor dieser Lektüre zum Beispiel Lina Poletti nicht.

Die Autorin hat sich hier für einen fast schon poetischen, auf jeden Fall aber sehr dichten Schreibstil entschieden. Die biografischen Episoden unterschiedlicher Autor:innen wechseln sich ab und wirken so fast wie ein Mosaik. Ästhetisch ist das auf jeden Fall ansprechend, doch es erschwert auch den Lesefluss und setzt ein gutes Gedächtnis bei den Leser*innen voraus. Wer hier ein Sachbuch erwartet, ist an der falschen Adresse. Doch anspruchsvolle Leser:innen, die sich für das Leben der Nachfolgerinnen Sapphos interessieren, werden mit diesem Buch trotzdem ihre Freude haben.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Das Mädchen mit dem Porzellangesicht

Autorin: Simone Keil
Erschienen am 17.2.2024
Im: Klett-Cotta Verlag
ISBN: 9783608966350
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"»Noch nie zuvor hat er ein so schönes Mädchen gesehen. Im Mondlicht. Und sie weint...«

London, 1888. In einer kalten Novembernacht wird in einem Backsteinhaus in Covent Garden die kleine Miyo geboren. Für ihren Vater, den Puppenmacher Kazuki Kobayashi, ist sie das größte Glück auf Erden. Das Leben könnte wunderbar sein, wenn Kobayashi nicht einst einen Vertrag mit einem dubiosen Advokaten geschlossen hätte, der ihm Wohlstand und Ansehen sichert, sein Kind aber einer ungewissen Zukunft ausliefert...

Der Puppenmacher kommt zu dem einzig logischen Schluss: Er muss Miyo verstecken, um ihr Leben zu retten. Dazu fertigt er eine ganz besondere Porzellanmaske an, ein feines, aber regungsloses Gesicht, das er sonst für seine Puppen entwirft. Die Maske soll seine Tochter vor dem Advokaten verbergen. Doch die Ausdruckslosigkeit verdammt Miyo zu einem Leben in Isolation – nur wenige machen sich die Mühe, hinter die kalte Fassade der Porzellanmaske zu blicken. Aber in anderen Außenseitern findet Miyo treue Freunde, die sie auf ihrer abenteuerlichen Flucht vor dem teuflischen Advokaten begleiten. Und endlich findet sie auch die Liebe, nach der sie sich schon immer gesehnt hat."
Quelle: Verlag

Meine Meinung: 
Dieses Buch wollte ich vor allem wegen der Schauerroman-Vibes lesen, die meiner Meinung nach ganz klar von diesem Klappentext ausgestrahlt werden. Gleichzeitig wollte ich diese Maske sofort auch als Metapher lesen. Ihr kennt mich, ich bin Literaturwissenschaftlerin - ich kann einfach nicht aus meiner Haut, ich muss alles überanalysieren. Eh klar also, dass dieses Buch auf meinen eReader gewandert ist, oder?

Wir folgen hier Miyo durch ihr Leben. Ihr Vater hat einen sehr gruseligen Vertrag mit einem richtig gruseligen Typen geschlossen. Und dieser Typ seine Tochter nicht finden kann, muss sie ab sofort eine Maske aus Porzellan tragen. Immer. Denn nur so kann sie vor dem Advokaten verborgen bleiben. Wie genau das funktioniert, ob da Magie involviert ist, oder doch eher Technik, wurde für mich nicht ganz klar, aber das war für mich persönlich nicht so schlimm.
Generell kann man über die Welt sagen, dass es sich hierbei um eine Art Parallelwelt zu handeln scheint. Einerseits wirkte das hier beschriebene England auf mich wie das England zum Ende des 19. Jahrhunderts, gleichzeitig ist die Technik hier aber in manchen Aspekten weiter fortgeschritten, als sie es bei uns ist. So sind Roboter, die tatsächlich ein Bewusstsein und eine Persönlichkeit haben, hier etwas ganz Alltägliches. Was ich super spannend fand! Ich lese total gerne Steampunkt und schaue entsprechende Filme und dieser Roman hat mich an dieses Genre erinnert. Ob das genau so erwünscht war oder nur meine Assoziation kann ich nicht sagen. Aber zurück zu den Robotern: Klar scheinen die Figuren gewisse Vorgaben zu haben, anhand derer sie sich verhalten sollten - was sie aber nicht davon abhält, sich anders zu verhalten, wenn sie es für richtig halten. Und das fand ich großartig. Und gerade dieser Hintergrund machte es für mich einfacher, Dinge wie das Funktionieren der Porzellanmaske zu akzeptieren. Wenn solche Roboter in dieser Welt möglich sind, wird eine scheinbar magische Maske wohl das kleinere Problem sein.

Ein kleines Problem hatte ich leider mit dem Ende des Buches. Der ganze Konflikt zwischen Miyo und dem Advokaten wurde innerhalb der letzten fünf Seiten aufgelöst und das auf eine nicht besonders spannende oder interessante Art. Das fand ich richtig schade, denn ich habe mir hier einen großen Showdown erwartet. Ich war dann nach dem Ende doch eher enttäuscht. Das Buch und vor allem auch Miyo hätten mehr verdient, finde ich.

Mein Fazit? Ein guter Roman, der euch in eine spannende Welt entführen wird. Nur mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden.

Montag, 29. Januar 2024

Gastbeiträge gesucht!

 Hey ihr Lieben!

Ich habe mir mal wieder was Neues überlegt, auf das ich wirklich Lust habe. Ich möchte auf diesem Blog damit beginnen, hin und wieder den ein oder anderen Gastbeitrag von anderen Blogger:innen, von Autor:innen oder Buchmenschen im Allgemeinen zu veröffentlichen. Wenn du also schon immer einen Beitrag von dir auf "Miras Bücherwelt" sehen wolltest, dann lies jetzt unbedingt weiter.

Das wünsche ich mir:

  • Ein Artikel zu einem Thema deiner Wahl, das wir vorher gemeinsam abgesprochen haben. Das kann eine Rezension sein, ein Artikel über dein Leben als Autor:in, ein Essay über ein Thema der Buchwelt, oder auch Tipps und Tricks für das perfekte Buchcover. Ich bin da ziemlich offen.
  • Bitte kein reiner Werbungspost. Klar kannst du hier zum Beispiel deinen eigenen Blog oder dein neues Buch erwähnen, aber ich möchte keine Werbung veröffentlichen.
Das bekommst du dafür:
  • Dein Post wird auf "Miras Bücherwelt" veröffentlicht.
  • Und ich bewerbe diesen Post auf meinen Social Media Kanälen.
  • In diesem Post wirst du natürlich auch vorgestellt. Hier hast du die Möglichkeit, deinen eigenen Blog, deinen Social-Media-Kanal, deine Dienstleistung oder deine Bücher zu erwähnen und zu verlinken.
  • Gerne kannst du dir auch den Veröffentlichungstermin selbst aussuchen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn bei dir zum Beispiel bald eine Buchveröffentlichung oder so ansteht und du Aufmerksamkeit auf dich ziehen möchtest.
  • Geld kann ich dir leider keines für deinen Artikel anbieten, da "Miras Bücherwelt" nur ein Hobby ist.
So würde das Ganze ablaufen:
  1. Du schreibst mir eine kurze Nachricht. Am besten hier als Kommentar oder per Mail. Am besten erzählst du mir darin schon von deiner Idee, die du im Gastbeitrag gerne umsetzen würdest.
  2. Per Mail oder Social Media bequatschen wir deine Idee, den Artikel und das Erscheinungsdatum.
  3. Du schickst mir den Artikel per Mail, mindestens eine Woche vor dem geplanten Erscheinen.
  4. Ich lese das ganze. Fehler in der Rechtschreibung oder Grammatik bessere ich aus und ich stelle sicher, dass der Artikel auch wirklich vom abgesprochenen Thema handelt. Außerdem kann ich so sicherstellen, dass es sich dabei nicht um Spam, reine Werbung oder um Material handelt, das Hass verbreitet.
  5. Ich veröffentliche deinen Artikel am abgesprochenen Tag und schicke dir den Link dazu.
  6. Gemeinsam bewerben wir deinen Beitrag auf Social Media und co.
Das ist einfach mal meine Idee, ganz grob skizziert. Solltest du Lust haben, auf diesem Wege mal zusammenzuarbeiten, dann schick mir gerne eine Nachricht.

Alles Liebe, 
Eure Mira

Samstag, 23. Dezember 2023

Lese gefährlich

 Autorin: Azar Nafisi
Erschienen am 11.10.2023
Im btb Verlag
ISBN: 9783442773916
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Ein kämpferischer Appell für Literatur als Mittel des Widerstands und Empowerment: New-York-Times-Bestsellerautorin Azar Nafisi (»Lolita lesen in Teheran«) mit einem aufrüttelnden Text über die Macht der Bücher.

In Form von Briefen an ihren verstorbenen Vater (früherer Bürgermeister von Teheran und politischer Gefangener des Schah-Regimes), der ihr in ihrer Kindheit die Augen dafür öffnete, wie Literatur uns in Zeiten der Krise retten kann, stellt Nafisi die brennenden Fragen unserer Zeit – mit ihrer Lektüreliste bewaffnet Nafisi die Leser*Innen für den Widerstand. Sie greift dabei auf ihre persönlichen Erfahrungen als Frau, als Leser*in und Lehrende in Teheran zurück, die von der Universität verwiesen wurde, als sie sich weigerte, den Schleier zu tragen, und schließlich in die USA emigrierte, wo sie als Professorin Literatur unterrichtete. Nafisi ist überzeugt: Für das Überleben der Demokratie weltweit ist das Lesen unabdingbar. Ob James Baldwin oder Margret Atwood, ob Platon oder Salman Rushdie, Lektüre ist immer ein Weg in Richtung Freiheit: persönlich und politisch."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Literatur kann ganz schön gefährlich sein, vor allem für diktatorische Systeme und Terrorregime. Wie sonst kann man es sich erklären, dass in solchen Systemen Literatur zensiert und verboten wird? Bücher bringen uns auf andere Gedanken, zeigen uns andere Welten und bringen uns dazu, unseren Alltag und das System, in dem wir leben, kritisch zu hinterfragen. Und kritisches Denken und Perspektiven von außerhalb des Gewohnten können Diktaturen nicht brauchen.
Weltweit gibt es wirklich viele autoritäre Regime, eines davon ist der Iran. Und von dort stammt auch die Autorin dieses Buches. Ihr Vater war früherer Bürgermeister von Teheran und in ihrer Kindheit ein politischer Gefangener des Schah-Regimes und so wurden ihr schon in ihrer Kindheit die Ungerechtigkeiten von autoritären Systemen vor Gesicht geführt. In der Literatur hat sie Zuflucht gefunden und gleichzeitig haben ihr Bücher dabei geholfen, sich die Welt zu erklären und nicht die Hoffnung auf ein besseres Leben zu verlieren. Als Erwachsene unterrichtete sie dann Englische Literatur an der Universität von Teheran - wurde aber dann mit Lehrverbot belegt, da sie sich weigerte, einen Schleier zu tragen. Schlussendlich blieb ihr nichts übrig, als in die USA zu emigrieren, wo sie wieder unterrichten darf. Die Autorin ist also eine super interessante Frau, die viel zu erzählen hat.

Dieses Buch erzählt in Form von Briefen. Der Vater der Autorin, den ich ja gerade schon erwähnt habe, ist inzwischen verstorben - und um mit dieser Trauer umzugehen, schreibt die Autorin Briefe an ihn, so wie sie es auch während der Lebzeit ihres Vaters immer getan hat. Darin spricht sie über die Vergangenheit, die Gegenwart und Zukunft im Iran, den USA und weltweit. Sie schreibt über ihr eigenes Leben und über das Leben ihres Vaters - und wie ein roter Faden zieht sich die Literatur durch diese Briefe durch. In jedem der Briefe spielen zwei oder drei Autor:innen eine Rolle. Einige davon kannte ich bereits, einige andere noch nicht. Alle davon haben es gemeinsam, dass die Autorin Parallelen zur echten Welt ziehen kann. Mithilfe der Literatur spricht sie über das Leben in autoritären Regimen und darüber, wie wichtig es ist, Widerstand zu leisten. Wie dieser aussehen kann? Auch mit dieser Frage beschäftigt sie sich hier.

Dieses Buch ist definitiv keine einfache Lektüre. Da ist einerseits das literarische Wissen, auf das sich die Autorin wohl aufgrund ihres beruflichen Hintergrundes bezieht, und andererseits die Tatsache, dass es sich hierbei halt um ein hochpolitisches Buch handelt. Diese Briefe habe ich als sehr intensiv wahrgenommen, denn die Autorin verarbeitet hier nicht nur Trauer, sondern auch Zorn und Liebe und Angst und Hoffnung für die Zukunft. Und das habe ich zwischen den Zeilen stark wahrgenommen.

Gleichzeitig haben mir diese Texte vor Augen geführt, wie wenig ich eigentlich über den Iran weiß. Natürlich schaue ich regelmäßig die Nachrichten, wie wohl die meisten von uns. Aber das ist das erste Mal, dass ich quasi eine Innensicht bekomme. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, in einem solchen System zu wohnen. Gleichzeitig war ich überrascht, wieviel Widerstand trotz autoritärem Regime möglich ist - die sozialen Kreise der Autorin sind voll mit verschiedensten Arten des Widerstandes, auch wenn gleichzeitig auch übers Aufgeben gesprochen wird.

Ich habe dieses Buch überraschend langsam gelesen, denn ich habe immer wieder Pausen gemacht. Ich glaube, dass das langsame Lesen hier notwendig war, um die Briefe auch wirklich zu verstehen. Ich denke, dass ich nur so so viel aus diesem Buch mitnehmen konnte, wie ich es getan habe.

Mein Fazit? Ein wunderbares Buch, das spannend über das Leben der Autorin erzählt und die politische Bedeutung von Literatur hervorhebt, wie sonst kaum ein Buch, das ich je gelesen habe.

Freitag, 25. August 2023

Die Schauspielerin [Eigenwerbung]


Quelle: Story.one

                                                        

Hallo, ihr Lieben,

In der letzten Woche ist etwas sehr Surreales passiert: Ich habe am 21. August 2023 mein erstes eigenes Buch veröffentlicht. Es ist jetzt überall dort verfügbar, wo es Bücher gibt und wenn ihr gerade Lust auf eine neue Lektüre habt, dann überlegt doch mal, ob ihr mir und meinem Kurzroman eine Chance geben wollt.

Hier der Klappentext, denn anhand des (meiner Meinung nach großartigen) Covers allein ist eine Entscheidung wohl kaum möglich.


"Als Lucia ihre Rolle als "Puck" an einem großen Theater aufgibt, macht sie das, ohne an das Danach zu denken. Eine neue Stelle muss sie sich erst suchen, finanzielle Rücklagen hat sie keine, einen Plan erst recht nicht. Ihre Familie und Freundinnen halten sie für verrückt. Und sie sich selbst bald ebenfalls. Aber was sonst kann man tun, wenn man mit seinem Leben, wie es gerade verläuft, unzufrieden ist?

Eine emotionale Kurzgeschichte darüber, wie man es schafft, sich selbst wieder aufzurichten, wenn man auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist."


Das sagt dir zu? Sehr schön! Wenn du, liebe Leserin, lieber Leser, meinen Blog gerne liest, dieser Klappentext dich neugierig gemacht hat und du das nötige Kleingeld hast, dann würde es mich sehr freuen, wenn du mich durch einen Kauf unterstützt.

Wenn du das Geld für das Buch aktuell nicht hast oder nicht ausgeben willst, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du den besser betuchten Menschen in deinem Leben von mir und der Schauspielerin erzählst oder auf dem Sozialen Netzwerk deiner Wahl auf meine Neuerscheinung hinweist.

Wenn dir der Klappentext gar nicht zusagt oder du mich einfach als Person nicht magst, dann kannst du dir natürlich auch überlegen, dieses Buch jemandem zu schenken, den du nicht magst. So als kleines Geschenk, nur um diese Person zu quälen. (Ich erzähl deinen Schwiegereltern und diesem fiesen Onkel von dir auch nicht weiter, dass dieses Buch nicht einfach nur eine kleine Aufmerksamkeit war, sondern der Versuch, ihnen einen Herzinfarkt zu verpassen. Versprochen.)

Hier abschließend noch alle Daten, die ihr braucht, um "Die Schauspielerin" bei der Buchhandlung eurer Wahl (die hoffentlich nicht das große Megaunternehmen mit A ist) zu finden.


Buchtitel: Die Schauspielerin
Autorin: Laura Pellizzari
ISBN: 9783710859946
Verlag: Story.one

Wie gesagt: Ihr macht mir eine große Freude, wenn ihr mich mit einem Kauf unterstützt oder mich an andere Leute weiterempfehlt, denen dieses Buch vielleicht gefallen könnte. Natürlich seid ihr auf meinem Blog aber auch weiter willkommen, wenn ihr jetzt (aus welchem seltsamen Grund auch immer) beschließen solltet, dass das Buch gar nichts für euch ist. ;)

Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon darauf, mit meinen hoffentlich zahlreich vorhandenen Leser:innen über diesen Text zu plaudern.

Alles Liebe und bis zum nächsten Posting,

Mira

Sonntag, 21. Mai 2023

My Immortal [Fanfiction/Kurzrezension]

 

Quelle: Goodreads

Heute tue ich etwas, das ich davor noch nie getan habe und wahrscheinlich auch in Zukunft nicht mehr machen werde: Ich rezensiere eine Fanfiction. Warum ich für diese hier eine Ausnahme mache? Nun, erstens, weil mein Buchclub das hier für den Themenmonat "So bad it's good" liest und zweitens, weil dieses Buch einen Eintrag auf Goodreads hat und ich es deswegen zu meinem Leseziel zählen kann. Aber das hier wird eine Ausnahme bleiben, also bitte, liebe Wattpad-, Belletristica- und Fanfiction.net-Autor:innen, schickt mir jetzt keine Anfragen für eure Fanfictions. Wenn ich eure Fanfictions auf irgendeiner Seite finden sollte und was dazu zu sagen habe, dann werde ich eh gleich dort kommentieren.

Das wichtigste zuerst: Worum geht es überhaupt? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Die Hauptfigur heißt Ebony Darkness Dementia Raven Way (Was zur Hölle???) und besucht Hogwarts gleichzeitig mit dem Goldenen Trio. Über die Welt von Harry Potter weiß die Autorin aber (wie sie an mehreren Stellen eindrucksvoll beweist) kaum etwas. Diese Mischung ergibt dann eine Geschichte mit sehr seltsamen Figuren aus der Welt von Harry Potter, vielen Details, die überhaupt nicht zu dieser Welt passen, Konzertbesuche, übergenaue Beschreibungen von Kleidungen und natürlich meine heißgeliebten "Author Notes", in denen die Autorin ihre Leser:innen beschimpft. 

Geschrieben ist das alles auf eine Art, die man wohl getrost als unlesbar bezeichnen kann. Die Autorin hat keinerlei Sinn für Rechtschreibung oder Grammatik und auch die Story selbst wirkte nicht so, als hätte Tara eine Ahnung, was sie da schreibt. Die Geschichte macht keinen Sinn und teils widerspricht sich die Autorin innerhalb eines Kapitels mehrfach selbst. Zusätzlich schreibt sie über sehr ernste und wichtige Themen wie Depressionen und Selbstverletzungen auf eine romantisierende und verharmlosende Art, wie es sie wohl nur in schlechten Fanfictions gibt. Kontrolliert also bitte auf jeden Fall die Triggerwarnungen, falls ihr plant, diese Geschichte zu lesen. Auch Taras Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe ist ekelhaft. Viele ihrer männlichen Figuren (nur ihrer männlichen Figuren) sind zumindest bisexuell und die Autorin scheint da irgendwie einen seltsamen Fetisch zu haben, was die Lektüre noch unangenehmer machte, als sie sowieso schon war.

Eine Frage, die das Internet seit der Veröffentlichung dieser Fanfiction spaltet, ist, ob es sich dabei überhaupt um eine ernst gemeinte Fanfiction handelt oder ob sich hier jemand einen Scherz erlaubt hat. Ich persönlich würde hoffen, dass das hier nur ein Troll war. Ich glaube es aber ehrlich gesagt nicht. Dadurch, dass ich in meiner Jugend selbst sehr, sehr viel Zeit auf entsprechenden Seiten verbracht habe, habe ich selbst schon die ein oder andere sehr schlechte Fanfiction gelesen. Und manche waren fast auf dem Level von "My Immortal". Deswegen gehe ich davon aus, dass es sich bei der Autorin einfach um eine Jugendliche handelt, wie man sie auf Wattpad zuhauf fand, als ich 14 Jahre alt war. Die sich gerne selbst in verschiedene Welten einschreibt und sich so ausprobiert, dabei aber halt leider nicht besonders viel Talent aufweist. Passiert und das ist auch in Ordnung. Mir ist es lieber, wenn Kinder schlechte Fanfictions schreiben, als dass sie irgendeinen Schmarrn in der echten Welt anstellen. Nur über das Veröffentlichen von Fanfictions online müssen wir nochmal sprechen. Denn, liebe Kinder: Wenn ihr Pech habt, dann nennt man euch in 20 Jahren die schlechteste Fanfiction aller Zeiten und ihr habt keine Kontrolle mehr über das, was ihr online gestellt habt, da es in der Zwischenzeit Übersetzungen (auch in proper English, was ich sehr lustig fand), Hörbücher und eine Millionen Rezensionen in Text-, Bild-, Video- und Podcastform gibt. Also denkt bitte einfach vor dem Veröffentlichen zweimal nach, schlaft noch eine Nacht drüber und lest diese Fanfiction als kleine Abschreckung.

Mein Fazit? Diese Fanfiction ist unglaublich schlecht, darüber müssen wir wohl auch im Buchclub nicht streiten. Doch trotzdem hatte sie meiner Meinung nach irgendwie Unterhaltungswert und wird hoffentlich für sehr interessante Diskussionen im Buchclub sorgen.

Samstag, 25. März 2023

Der Hausmann [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

 Aus irgendeinem Grund gehe ich am liebsten zu Lesungsterminen, wenn ich noch gar nichts über die Autorin oder den Autoren und über das dazugehörige Buch weiß. Dann kann ich mich da ohne große Erwartungen reinsetzen. Im besten Fall nehme ich dann ein signiertes Buch mit nach Hause und habe einen tollen Abend und im schlimmsten Fall habe ich einen netten Abend, an dem ich Zeit mit Freund:innen verbringe, denn aus meiner Bücherbubble kommt eigentlich immer jemand mit zu solchen Events. Eine Lesung wie "Der Hausmann" habe ich aber wirklich noch nie erlebt. Ohne es zu wissen, sind wir hier in ein "Eat and Great" gestolpert. Es gab kleine Törtchen und Kuchen von einem Kaffeehaus in der Nachbarschaft, verschiedene Getränke, eine Lesung und die Möglichkeit, ein bisschen mit der Autorin zu plaudern. Ich habe diesen Abend sehr genossen und bin deswegen nicht nur mit ein paar übrig gebliebenen Kuchenstücken, die mir die Buchhändlerin zugesteckt hat, nach Hause gegangen, sondern auch mit einem signierten Exemplar und "Der Hausmann" und dem Wunsch, diesen Roman auch sofort zu lesen.

Eines der wohl reizvollsten Elemente für mich hier ist die Vielfalt der Stile, die in diesem Buch zur Anwendung kommen. Da gibt es "normale" Romankapitel, einen Internetblog, einem auf einer Plattform namens Slack verfassten Chatverlauf, ein Deutsch-Lern-Tagebuch und einen Graphic Novel. Dieser ständige Wechsel sorgte für Spannung und machte auch einfach Spaß. Ich glaube nicht, dass ich schon mal ein Buch gelesen habe, in dem sich eine Autorin getraut hat, so mit den Stilen zu spielen. Und das Beste daran: Meiner Meinung nach hat diese Kombination auch funktioniert.

Ein paar Worte zur Handlung: Die Haupthandlung dreht sich um Tim und Thea. Thea hat gerade bei einem Start-up für veganes Hundefutter eine neue Stelle angenommen und Tim ist Hausmann und zeichnet an seinem Graphic Novel, der hoffentlich ihren Durchbruch bedeuten wird. Und diese Umkehrung der traditionellen Geschlechterrollen geschieht bei ihnen natürlich nicht konfliktlos, wie ihr euch sicher denken könnt. Und dann gibt es als Nebenhandlungen noch den Blog "Sparen mit Dagmar", in dem die liebe ältere Nachbarin ihren Leser:innen Spartipps gibt und das Tagebuch von Maxim, einem ukrainischen Flüchtling, der ebenfalls in diesem Haus wohnt und mit Tim Deutsch übt. Und wir bekommen Einblick in den Graphic Novel, an dem Tim aktuell arbeitet. Natürlich hatte ich meine Lieblingshandlungsstränge, auf die ich mich gefreut habe. Und zwar waren das wohl Dagmars Blog, der mich immer wieder aufs Neue überrascht hat und zum Lachen bringen konnte, und der Chatverlauf zwischen Thea und Anna, ihrer Vorgesetzten. 

Ich habe lange überlegt, ob ich meinen einzigen Kritikpunkt ansprechen soll, da das halt doch sehr eindeutig ein humoristisch-satirisches Buch ist. Aber ich möchte mit euch, meinen Leser:innen, ehrlich sein und deswegen habe ich mich dazu entschieden, das anzusprechen. Ich persönlich halte die Darstellung der Figuren teilweise für fast zu überspitzt. Gerade im Bezug auf den Drogenkonsum von Thea und Tim ist mir das aufgefallen. Bitte lasst es mich wissen, falls ich hier gerade mit meinem Unwissen glänze. Als Mensch, der überhaupt nichts mit Drogen am Hut hat, wirkte das einfach sehr extrem. Es hat meine Freude am Buch nicht wirklich stark gedämpft, aber doch dafür gesorgt, dass ich über manche Szenen die Stirn gerunzelt habe.

Mein Fazit? Trotz eines kleinen Kritikpunktes habe ich diese Lektüre genossen und hatte meinen Spaß mit diesem Buch.

Donnerstag, 16. März 2023

Aus dem Wald herausfinden [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich halte Margaret Atwood für eine der intelligentesten Personen, die aktuell auf dieser Welt leben. Sie gehört zu meinen ganz großen Idolen und dieses Buch hat meine Meinung von ihr nur verstärkt.

Dieses Buch ist ein längeres Interview mit Margaret Atwood und ist 2019 erschienen. Ich sage das deswegen dazu, da deswegen natürlich das ganz große Thema Corona keine Rolle spielt - auch wenn ich mir sicher bin, dass Atwood auch dazu interessante Dinge zu sagen hätte. Es geht hier um sehr viele Dinge: um Atwoods Bücher, Atwoods Leben, ihre Arbeit an der Universität, um Politik, Feminismus, den Klimawandel und so weiter und so weiter. Und ich habe ihre Antworten einfach verschlungen. Vieles davon hat mich zum Nachdenken gebracht, gerade ihre Überlegungen über die Zukunft. Atwood ist ja DIE Dystopien-Autorin unserer Zeit, überraschenderweise zeigt sie aber hier, dass sie deswegen aber nicht unbedingt pessimistisch in die Zukunft blickt.

Es ist kein Geheimnis, dass ich Margaret Atwood anbete und töten würde, um auch nur ansatzweise so gut zu schreiben wie sie es tut. Sie ist die Königin von Dystopien und wenn ihre Bücher in hundert Jahren nicht als absolute Klassiker gelten, dann verliere ich jegliches Vertrauen in die Menschheit.

Leider kann ich diesem Buch aber weder den Approved-Stempel auf meinem Blog noch Fünf Sterne auf allen anderen Seiten verleihen. Ich muss die Gesamtaufmachung des Buchs bewerten - und da spielt halt auch die Rechtschreibung eine Rolle. Und ich musste schockiert feststellen, dass da leider einige Fehler übersehen wurde. Das hat mich überrascht, gerade da das teils Fehler waren, die doch eigentlich allein schon auffallen müssten, da sie Word anzeichnen sollte. In einem Roman oder so würde ich das Verzeihen, aber das ist ein Interview mit meinem großen Idol. Da bricht es mir einfach das Herz, hier vermeidbare Fehler zu finden.

Mein Fazit? Trotz dem ein oder anderen Rechtschreibfehler ein unglaublich tolles und inspirierendes Interview mit meinem großen Idol.

Montag, 2. Januar 2023

Das war 2022 und jetzt kommt 2023

 Hey ihr Lieben!

Eigentlich hätte dieser Post ja schon vorgestern erscheinen sollen, aber das habe ich erfolgreich verpasst. Das Leben ist mal wieder passiert und eigentlich war ich auch nicht besonders überrascht darüber. Immerhin neigte ich auch 2022 dazu, Dinge bis zum letzten Drücker aufzuschieben. Also habe ich statt diesen Blogpost zu schreiben, eine Präsentation darüber gestaltet, warum ich die Hungerspiele ganz sicher nicht überlebt hätte und an meiner Seminararbeit über Sissi zu werkeln.

Aber jetzt zu meinem Jahresrückblick. 2022 war für mich das erste Jahr seit Ewigkeiten, in dem ich mich wieder ein bisschen leben konnte. Die letzten paar Jahre waren nicht einfach und durch Corona habe ich viele meiner Wünsche und Pläne vorab aufs Abstellgleis gestellt. Ich habe gelernt, dass ich besser nicht viele Pläne schmiede, denn wahrscheinlich werden sie durch die Pandemie nicht stattfinden können. Doch vieles ging dieses Jahr wieder: Präsenzunterricht an der Uni, Treffen mit meinen Freund:innen abseits vom Bildschirm, Urlaub in Italien und auch Partys und Studentenbars, die mir nach zehn Minuten schon wieder auf die Nerven gingen. Und auch wenn es mir manchmal immer noch schwer fällt, das zu glauben, scheinen die Dinge langsam wieder anders zu werden. Ich will das Wort "normal" hier nicht verwenden, denn das würde für mich aussagen, dass alles so ist, wie es schon immer war. Und das ist es nicht, zumindest für mich nicht. Ich trage weiter Maske wann auch immer ich erkältet bin oder wenn ich mich durch Menschen in meiner Umgebung unwohl fühle, ich bin immer noch zurückhaltender, was Umarmungen angeht, und ich bekomme immer noch regelmäßig Meldungen darüber, dass mal wieder Studienkolleg:innen infiziert sind. Aber das Leben ist wieder etwas vorhersehbarer.

Dass die Dinge wieder etwas ruhiger verlaufen, hat wohl dazu beigetragen, dass ich mein diesjähriges Leseziel nicht erreicht habe. Ich wollte dieses Jahr hundert Bücher lesen und rezensieren, das hat so aber nicht ganz geklappt. Wer wieder Freunde treffen und verreisen kann, kann (und will) nicht jede freie Sekunde in fiktionalen Welten verbringen. Ich war aber nah an meinem Ziel dran und habe 96 Bücher gelesen, das sind 28.358 Seiten. Also, so circa. Nicht alle Bücher, die ich gelesen habe, sind auf Goodreads eingetragen, deswegen ist das nur so eine Hausnummer, die aber irgendwie schon so stimmen wird. Im Durchschnitt habe ich 3,9 Sterne an "meine" Bücher vergeben - das ist etwas weniger als im letzten Jahr, aber immer noch ein Schnitt, mit dem ich zufrieden bin. Immerhin habe ich über 30 Bücher mit fünf Sternen bewertet.

Nun ein Blick auf meine weiteren Statistiken. Laut Storygraph waren 18 meiner Bücher "lighthearted", also fröhlich, 17 waren "reflective" oder "emotional" und 16 wurden als "funny" eingestuft. Kleinere Kategorien lasse ich hier aus, sonst wird dieser Post zu lang. Die Erzählgeschwindigkeit wurde bei 33% als schnell, bei 11% als langsam und beim Rest (56%) als mittel eingestellt. 51% meiner Bücher waren zwischen 300 und 499 Seiten lang, 44% waren kürzer als 300 Seiten und 5% hatten über 500 Seiten. Durch 76% meiner Bücher durfte ich in fiktionale Welten eintauchen, 24% waren nicht-fiktional, also zum Beispiel Sachbücher. Was mich besonders überrascht hat, waren die meistgelesenen Genres dieses Jahr: 20 meiner Bücher waren Liebesromane! Das ist ein Rekord und vor allem deswegen spannend, weil ich mir erst dieses Jahr eingestanden habe, dass ich Liebesromane eigentlich gerne lese und das nur aufgrund von internalisierter Misogynie nicht tue. Weitere 20 Bücher waren Gegenwartsliteratur, 16 waren Fantasy und nur noch 12 waren Jugendbücher. Insgesamt hatte ich dieses Jahr häufig das Gefühl, als wäre ich Jugendbüchern jetzt entwachsen, denn selbst wenn ich sie las, haben sie mich nicht so begeistert wie noch vor ein paar Jahren. Naja, soll vorkommen. Insgesamt habe ich dieses Jahr fast 30 Genre erkundet, was ich für eine unglaubliche Zahl halte, die ich auf den ersten Blick gar nicht glauben konnte.

Diesen Wechsel der Genres spiegelte sich auch bei meinen meistgelesenen Autorinnen wieder. Ich habe ganze sechs Bücher von Talia Hibbert gelesen und rezensiert (the one and only queen of romance novels!), vier von Lyssa Kay Adams, der Autorin von "The Secret Book Club" und drei von Ali Hazelwood.

Normalerweise würde ich an dieser Stelle nun meine ganzen Lesehighlights aufzählen. Aber wie gesagt: Das waren dieses Jahr so viele, dass ich mit einer Aufzählung wohl diese Website zum Zusammenbruch bringen würde. Für alle, die es interessiert, habe ich aber diesen Post mit dem Tag "Approved-Stempel" versehen. Wenn ihr darauf klickt, werden euch nur die Rezensionen meiner Highlight-Bücher angezeigt.

Mein wohl größtes persönliches Highlight 2022 ist, dass ich die Chance bekommen habe, enger mit Lovelybooks zusammenzuarbeiten. Alle paar Wochen erscheint dort jetzt eine Leseempfehlung von mir, die ihr in dieser Art auch nur dort findet. Ich habe viel Freude mit dieser Kooperation und es würde mich freuen, wenn ihr auch mal vorbeischaut!

Nun aber zu 2023. Ich hoffe darauf, dass dieses Jahr ein gutes wird. Eines mit viel Gesundheit für mich und alle Menschen, die mir wichtig sind, und mit schönen Erlebnissen allein und mit Freunden. Wenn alles gut geht, schließe ich Ende 2023 mein Masterstudium ab, was sich surreal anfühlt. Ich möchte wieder Zeit in Italien verbringen und dort über Renaissancekunst lernen und mein Italienisch verbessern. Ich habe eine Bewerbung zu einer Universität in Mallorca geschickt und darf vielleicht, wenn ich genommen werde, dort einige Zeit verbringen und über die politischen Dimensionen meines Studiums lernen. Es wird also auf jeden Fall viel los sein und daran habe ich auch meine Ziele angepasst:

  1. Ich möchte in diesem Jahr 75 Bücher lesen. Ja, das sind 25 weniger als im letzten Jahr. Wie gesagt, es wird viel los sein und wahrscheinlich wird nicht jeder Monat absolut stressfrei sein. Und warum sollte ich mir zusätzlichen Druck machen? 75 Bücher sollte ich ohne große Probleme schaffen können.
  2. Ich möchte endlich meinen Stapel der Schande abbauen und die Bücher lesen, die ich bereits habe. Deswegen möchte ich auch die Anzahl meiner Kooperationen in Zukunft reduzieren. Und ja, diesen Vorsatz habe ich bereits letztes Jahr gefasst. Und nein, das hat nicht funktioniert, danke der Nachfrage. Aber vielleicht ja 2023?
  3. Auch mein dritter Vorsatz stammt aus dem letzten Jahr. 2022 konnte ich endlich wieder eine Handvoll literarischer Veranstaltungen besuchen und ich habe auch überlegt, darüber zu berichten. Da ich mein Leseziel aber zu hoch gesteckt habe und mir deswegen selbst Druck gemacht habe, ging das nicht. Aber hey, vielleicht ja 2023, wo ich ja weniger plane.
So, das war es von meiner Seite. Wie sieht es bei euch aus? Seid ich gut ins neue Jahr gerutscht? Und habt ihr euer Leseziel 2022 erreicht? Lasst es mich gerne wissen, ich freue mich darauf, mit euch zu plaudern.

Alles Liebe,
Eure Mira

Montag, 19. Dezember 2022

Dracula (Hörbuch/Kurzrezension)

 

Quelle: Overly Sarcastic Productions auf Youtube

Ich habe lang überlegt, ob ich dieses Hörbuch rezensieren soll. Immerhin handelt es sich hierbei nicht um ein klassisches Hörbuch, sondern um mehrere Livestreams auf Youtube, in denen das Buch "Dracula" vorgelesen wird. Ich hab dann aber beschlossen, dass ich euch diesen Schatz nicht vorenthalten kann und will. Immerhin ist Weihnachten und ich bin nicht die einzige Person, die das Einkaufen von Weihnachtsgeschenken für viel entspannender hält, wenn sie gleichzeitig eine gute Geschichte hört. Und "Dracula" ist halt schon so ein Klassiker, den viele Menschen auf ihrer Leseliste haben, auch wenn sie sich sonst nicht wirklich für klassische Literatur begeistern können.

Zuerst mal: Was ist das überhaupt für ein Kanal, der dieses "Hörbuch" aufgenommen hat? Nun, Overly Sarcastic Productions produziert unterhaltsame und einfach verständliche Videos über Mythologie, Literatur und Geschichte, die ich sehr ans Herz legen kann. Ich habe hier viel Neues gelernt und das oft, ohne es wirklich zu merken. Und vor zwei Monaten hat Red vom Kanal dann begonnen, in vier Livestream-Sitzungen diesen Klassiker vorzulesen und damit Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Und ich habe das mit viel Begeisterung gehört.

Red hat hier meiner Meinung nach vor allem zwei Dinge gezeigt: Erstens, dass sie Literatur aus ganzem Herzen liebt. Und zweitens, dass sie eine fantastische Sprecherin ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, ihr zuzuhören, dass ich "Dracula" tatsächlich innerhalb weniger Tage durchgesuchtet habe, was ich von diesem Klassiker nicht erwartet habe. Ich hab über "Dracula" zwar nur Positives gehört, aber trotzdem nicht damit gerechnet, dass ich so viel Freude damit habe und ich bin mir sicher, dass die Sprecherin der Hauptgrund für meine Begeisterung war. Ich habe inzwischen sogar die Vermutung aufgestellt, dass Red auch einfach ein Telefonbuch vorlesen könnte und das trotzdem noch unterhaltsam wäre.

Wenn ihr dieses Hörbuch jetzt sofort hören wollt: Go for it! Ich kann es euch nur empfehlen. Beachtet nur bitte, dass das hier kein Hörbuch per se ist, sondern ein Youtube-Livestream. Red geht hier zum Beispiel immer wieder auch auf die Kommentare im Chat ein oder unterbricht sich, um etwas zu trinken, fordert die Hörer:innen dazu auf, etwas an die Organisation zu spenden, die ihr gerade besonders wichtig ist, oder macht sich über die Handlungen und Aussagen der Figuren lustig. All das gäbe es in einem "normalen" Hörbuch natürlich nicht. Mich hat das nicht gestört und ich hatte vor allem auch deswegen viel Spaß damit, ich verstehe aber, wenn das jemanden abschrecken sollte.

Mein Fazit? Normalerweise empfehle ich hier nur "echte" Bücher und Hörbücher, aber dieser Livestream ist einfach so gut, dass ich ihn euch nicht vorenthalten kann!

Sonntag, 4. Dezember 2022

The Mermaid of Black Conch [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

 Dieses Buch habe ich für die Uni gelesen und dann zusammen mit meiner Seminargruppe aus verschiedenen Winkeln betrachtet. Ein Teil dieser Seminargruppe folgt mir auch auf Goodreads oder verfolgt diesen Blog hier, ich muss mir also ausnahmsweise mal ganz genau überlegen, was ich über dieses Buch sagen soll. Ich möchte ja nicht, dass mir dann nächste Woche vorgeworfen wird, dass ich hier Falschinformationen verbreite. 
Im Zusammenhang mit diesem Buch sprachen wir über die Verbindung zwischen Meermenschen und der Umwelt und über die Darstellung von Behinderung in diesem Buch und diskutierten über Rassismus, Kolonialismus und Sexismus. Wie ihr seht, kommen hier also viele Themen zusammen, allerdings meiner Meinung nach, ohne dass dieses Buch zu einer zu bedrückenden Lektüre wird.

In diesem Buch geht es um David, der beim Fischen auf die Meerjungfrau Aycayia trifft und sich in sie verliebt. Und eigentlich könnte jetzt eine zuckersüße Liebesgeschichte beginnen, wie wir sie aus vielen Liebesromanen kennen, doch das passiert hier nicht. Stattdessen wird Aycayia von amerikanischen Touristen gefangen und an Land verschleppt und kann nur in letzter Sekunde von David gerettet werden, bevor sie als Trophäe oder in einem Zoo endet. Eigentlich möchte David sie nur ein paar Tage in seiner Badewanne verstecken und sie dann wieder zurück ins Meer bringen, doch dann beginnt sich Aycayia in seinem Haus in die junge Frau zurückzuverwandeln, die sie war, bevor sie von eifersüchtigen Frauen ihres alten Volks dazu verflucht wurde, als Meerjungfrau zu leben.

Ich glaube, besonders überrascht war ich darüber, wie unromantisch hier Meerjungfrauen dargestellt werden. Aycayia ist keine Schönheit, weder als Meerjungfrau noch als Mensch und das wird auch immer wieder beschrieben. Außerdem leidet sie nach ihrer Verwandlung zum Menschen am Leben, das sie an Land erwartet, was ich für realistisch halte. Sie war Hunderte Jahre lang eine Meerjungfrau - natürlich hat sie jetzt Probleme damit, sich wieder an ihre Beine zu gewöhnen und hat Schmerzen dabei, wenn sie versucht, wieder zu gehen. Sie verwendet deswegen Gehhilfen. Und natürlich wird sie das Sprechen neu lernen müssen, denn sie hat ihre Stimme seit Ewigkeiten nicht verwendet und die Sprache, die ihr Volk zum Zeitpunkt ihrer Verwandlung sprach, existiert heute nicht mehr. Gleichzeitig mit gesprochener Sprache lernt sie auch Gebärdensprache von einem kleinen gehörlosen Jungen in der Nachbarschaft. Aycayia kennt keine Technologie, keine laute Musik, keine Autos, alles ist neu für sie. Und ich fand es sehr interessant, sie dabei zu begleiten, wie sie sich langsam an dieses neue Leben an Land gewöhnt.

Jedes der Kapitel hier in diesem Buch besteht aus drei Teilen. Zuerst erzählt ein allwissender Erzähler über David, Aycayia oder eine der anderen Figuren. Dann folgt ein Gedicht, in dem Aycayia zu Wort kommt. Und schließlich kommt ein Tagebucheintrag Davids. Diese Vielzahl an verschiedenen Stilen und Textsorten machte die Lektüre für mich anstrengend, aber gleichzeitig auch um vieles spannender als sie es sonst vielleicht gewesen wäre. Zu kämpfen hatte ich vor allem zu Beginn auch mit dem für mich ungewohnten Englisch, das hier verwendet wird, das in der Karibik aber typisch zu sein scheint, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch das verlangsamte mein Lesen, war aber eine interessante Erfahrung.

Mein Fazit? Ein sehr spannendes Buch, das sich allerdings nicht einfach so nebenbei lesen lässt.

Donnerstag, 10. November 2022

Bereit für die Zukunft

 Autorin: Jane McGonigal
Erschienen am 21.09.2022
Im Penguin Verlag
ISBN: 9783328602576
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie wird unsere Welt in zehn Jahren aussehen? Welche Folgen werden Klimawandel, technologischer Fortschritt und gesellschaftliche Umbrüche haben? Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Wir aber können uns auf das vorbereiten, was heute noch niemand kommen sieht. Mit verblüffend realistischen Szenarien lässt uns »Bereit für die Zukunft« die Fähigkeiten entwickeln, die es dazu braucht: Ein Denken, das auf unvorhergesehene Herausforderungen schneller reagiert; die Inspiration, heute die richtigen Weichen für unser Leben in der Zukunft zu stellen; die Kreativität, Probleme auf nie dagewesene Weise zu lösen. So gerüstet können wir selbstsicher auf künftige Entwicklungen reagieren, die jetzt noch unvorstellbar scheinen und sind damit in der Welt von Morgen allen anderen einen Schritt voraus. Ausgestattet mit einem Wendeumschlag: Wir entscheiden, wie unsere Zukunft aussieht!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Als sich durch Corona alles änderte, fühlte sich das für mich an, als wäre mein Leben zu Ende. Ich konnte nicht richtig verarbeiten, was da passierte. Plötzlich war da dieses Virus, von dem meine Mutter schon im Dezember angekündigt hatte, dass der auch nach Österreich kommen würde. In der nächsten Sekunde hielt ich einen Quarantänebescheid in der Hand und musste zusehen, wie meine Studienkolleg:innen plötzlich alle mit einem Virus krank wurden, den ich vor einer Woche noch nichtmal richtig ernst genommen hatte. Und dann ging alles schnell: Maskenpflicht, Lockdown, Onlineuni, grauenhafte Bilder von Massenbegräbnissen in den Fernsehnachrichten und in der Zeitung, Verschwörungstheorien online. Ich hatte Angst und war einfach überfordert. Und wie mir ging es wohl den meisten Menschen zu diesem Zeitpunkt. 

Jetzt leben wir schon seit mehreren Jahren mit diesem Virus (der immer noch real ist) und ich habe mich an ein Leben damit gewöhnt. Was mir in diesen Jahren aber klar wurde, ist, dass ich mich in meinem Leben nie wieder so hilflos fühlen möchte, wie ich es zu Beginn von Corona getan habe. Das ist auch das Ziel von Jane McGonigal: Sie möchte mit ihren Büchern und Kursen Menschen dabei helfen, sich auf das Unvorstellbare vorzubereiten. Sie vergleicht ihre Methode des episodischen Zukunftsdenkens mit Impfungen. Durch ihre Gedankenspiele soll eine Art Erinnerung an eine imaginäre zukünftige Situation abgelegt werden. Und diese Erinnerung kann dann im Ernstfall abgerufen werden, wenn es doch zum "Unvorstellbaren" kommt - und dann soll der erste Schock und die daraus entstehende psychische Belastung nicht mehr ganz so arg sein. Immerhin hat man das Szenario schonmal durchlebt, wenn auch nur in seinem Kopf. Funktioniert also wie Antikörper bei Impfungen.

Hört sich doch nach einem schönen Versprechen an, oder? Also wollte ich das auf jeden Fall mal ausprobieren. Wenn es nichts bringen sollte, dann wird es mir wohl auch nicht schaden. Also bin ich in den letzten Wochen in Zukunftsszenarien verschiedenster Art eingetaucht. Ich bin durch Supermärkte spaziert, in denen Obst und Gemüse kostenlos für alle waren, habe mich am Tag der Dankbarkeit mit tausend Euro bei einem Menschen bedankt, der das Leben von Zukunfts-Mira erleichtert und habe über die fünfprozentige Chance nachgedacht, dass mein Heimatort in drei Jahren von einem Asteroiden getroffen werden könnte. Aktuell befinde ich mich im Jahr 2033 und bereite mich dort auf einen zehnjährigen künstlich geschaffenen Winter vor, der den Klimawandel verlangsamen soll. Das ist das Abschlussprojekt, an dem ich arbeite: Ich beschäftige mich zehn Tage lang mit diesem Szenario und lasse mein Zukunfts-Ich Tagebucheinträge verfassen.

Für mich besonders spannend war, wie sich meine Vorstellungen im Laufe des Buches entwickelt haben. Zu Beginn habe ich mich bei vielen Szenarien überfordert und hilflos gefühlt. Wie damals in den ersten Wochen von Corona. Bei meinem Abschlussprojekt sieht das schon anders aus: Mein Zukunfts-Ich recherchiert online und in der Bücherei über das, was uns bevorsteht, legt Vorräte an und spaziert mit ihrer Tochter (die heute noch nicht existiert und auch in der nahen Zukunft nicht existieren wird, in zehn Jahren laut meinem Gehirn aber schon) auf einen Berg, damit sie ihr vor diesem Winter die wichtigsten Sternbilder zeigen kann. Schön ist dieses Szenario immer noch nicht, aber ich bin nicht einfach nur noch eine passive Beobachterin, sondern arbeite aktiv daran mit, diese Situation so erträglich wie möglich zu gestalten. Mein Zukunfts-Ich ist von einer reinen Schablone zu einer Persönlichkeit geworden, die mir sympathisch ist und für die ich nur das beste möchte. Zu Beginn konnte ich gar nicht so weit in die Zukunft denken. Ich weiß, dass da hoffentlich eine Mira existieren wird, aber sie war für mich so weit weg, dass sie keine wirkliche Rolle spielte. Das ist jetzt anders. Ich mag Zukunfts-Mira, wie sie in meinen Vorstellungen ist. Nicht weil sie ein perfekter Tagtraum ist, das ist sie ganz sicher nicht. Aber sie fühlt sich nach mir an, nicht nach einer Fremden. Allein wegen dieser Entwicklung hat sich die Lektüre für mich gelohnt.

Ob diese Übungen tatsächlich etwas bringen und in Zukunft dafür sorgen, dass ich mich bei "undenkbaren" Nachrichten weniger hilflos fühle, werden wir sehen. Vielleicht danke ich mir in zehn Jahren dafür, dass ich dieses Buch gelesen habe, vielleicht hab ich keine Erinnerung mehr daran. Wir werden es sehen. Was auf jeden Fall passieren wird: Ich werde in zehn Jahren eine Online-Buchpräsentation der Autorin besuchen, zu der sie im Schlusswort dieses Buchs eingeladen hat.

Mein Fazit? Durch dieses Buch konnte ich total spannende Experimente ausprobieren, an denen ich sonst nicht teilgenommen hätte. Das war für mich ein komplett neues, aber sehr interessantes Erlebnis, das ich euch unbedingt auch empfehlen möchte.

Samstag, 29. Oktober 2022

Das Inferno [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich vor einer Woche in der Auslage meiner liebsten Buchhandlung gesehen. Natürlich war ich sofort neugierig. Ich meine: "Das Inferno". Dass das was mit Dante zu tun haben muss, war mir sofort klar! Und wie ihr alle wisst, habe ich eine regelrechte Obsession mit Dante und seinem Werk entwickelt. Die geht so weit, dass ich in der Zwischenzeit sogar überlege, ob ich meine Masterarbeit über die "Commedia" oder zumindest einen Teil davon schreiben soll. Dass ich mir dieses Buch gekauft habe, halte ich also für eine Investition in meine Zukunft als erfolgreiche Literaturstudentin.

Die Geschichte des Infernos kennt ihr wahrscheinlich, oder? Dante (beziehungsweise ein namenloser Erzähler, der von meinen Profs Dante genannt wird, bei dem ich mir aber nicht sicher bin, ob sein Name jemals genannt wird), verirrt sich im Wald und trifft dort auf grauenhafte Monster. Vor denen rettet ihn sein Idol Vergil, ein römischer Dichter. Bis hierher ist die Geschichte im Original und in dieser Adaption sehr gleich. Klar, die Monster sind andere (zum Beispiel ein Versicherungsvertreter - grauenhafter Typ!), aber doch Monster. Und auch Vergil hat seinen Auftritt. Hier trifft er allerdings in Form eines Schakals auf. Warum das so ist, kann ich euch nicht sagen. Ich glaube nicht, dass das irgendwo erklärt wird. Hat der Schakal irgendeine symbolische Bedeutung, die ich nicht kenne? Das einzige, das meine literarischen Nachschlagewerke ausgespuckt haben, ist, dass ein Schakal für einen ägyptischen Totengott stehen kann. Ich glaube nicht, dass diese Verbindung hier gewollt ist, aber zumindest passt das doch ein bisschen zusammen, oder?

[Kleine Spoilerwarnung: Es werden inhaltliche Aspekte angesprochen. Große Twists werden nicht verraten, aber ich beschäftige mich mit den Unterschieden zur Originalversion. Da muss ich natürlich den Inhalt ansprechen. Wer das nicht hören möchte, überspringt bitte den nächsten Absatz.]

Vergil lässt Dante auf jeden Fall ausrichten, dass ihn Dantes verstorbene Geliebte Beatrice schickt (die der reale Dante übrigens nur zwei- oder dreimal vor ihrem Tod gesehen hat), die möchte, dass er auf den Weg der Tugend zurückkehrt. Und deswegen soll Vergil ihn jetzt durch die Hölle führen, damit Dante weiß, was ihn erwartet, wenn er sich nicht bessert. Hier beginnen die richtig großen Unterschiede zum Original. Die Höllenkreise beinhalten andere Strafen, Dante interessiert sich nicht wirklich für die Insassen der Hölle und die Herrscher der Hölle sind nicht wirklich erfreut von Dantes Anwesenheit in der Hölle und nehmen hier die Rolle der Antagonisten ein. Und auch vom neuen Ende bin ich kein großer Fan, denn dadurch werden die zwei weiteren Teile der "Commedia" - das "Purgatorio" und das "Paradiso" - unmöglich gemacht.

[Spoiler Ende]

Eigentlich könnte man das also meiner Meinung nach als eigenständige Geschichte bezeichnen, die zwar Ähnlichkeiten mit Dantes Werk hat, aber auch nicht viel mehr. Von dieser Entscheidung kann man halten, was man will. Ich persönlich bin immer noch zwiegespalten. Ich habe diesen Comic ja gekauft, weil ich ein großer Dante-Fan bin und gespannt darauf war, wie das "Inferno" in Comicform dargestellt wird. Dass es dann so viele Abweichungen von Dante gab, sorgte bei mir für Irritation. Das ist allerdings nicht nur schlecht, denn so war ich gezwungen, mich aus einer ganz anderen Perspektive mit diesem Werk zu beschäftigen und sie neu wahrzunehmen - obwohl ich sie gerade gar nicht las. 

Auch wenn mir einige der Änderungen gar nicht zusagten, fand ich andere ziemlich cool. Dass in der Hölle zum Beispiel Bürokratie eine große Rolle spielt, halte ich für passend. Und einen gewissen österreichischen Diktator wollte ich schon immer mal in der Hölle leiden sehen. Meier hat eindeutig Humor, was er meiner Meinung nach an vielen Stellen beweist, entweder direkt im Text oder subtiler durch Bildsprache.

Mein Fazit? Der Autor hat seine künstlerische Freiheit voll ausgenutzt und viele Aspekte von Dantes "Göttlicher Komödie" komplett verändert. Das ist natürlich sein gutes Recht, ich hätte mir stellenweise aber mehr Ähnlichkeit mit dem Originaltext gewünscht. Trotzdem handelt es sich bei "Inferno" um ein gut gelungenes Graphic Novel und für eine interessante Lektüre für Zwischendurch.

Mittwoch, 14. September 2022

Welt der Wunder

 Autorin: Aimee Nezhukumatathil
Erschienen am 17.08.2022
Im btb Verlag
ISBN: 9783442759422
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"In ihrer Jugend nannte Aimee Nezhukumatathil viele Orte ihr Zuhause: das Gelände einer psychiatrischen Anstalt in Kansas, wo ihre philippinische Mutter als Ärztin tätig war; der offene Himmel und die hohen Berge von Arizona, wo sie mit ihrem indischstämmigen Vater wanderte; und die kühleren Gefilde im Westen von New York und Ohio. Aber ganz gleich, wohin sie durch die vielen Umzüge ihrer Familie verpflanzt wurde – ganz gleich, wie neu, befremdlich oder sogar unangenehm der Ort oder die Landschaft war –, sie konnte sich immer an die wilden und lustigen Kreaturen unserer Welt wenden, um sich zu erden. In einer fantastischen Mischung aus Nature Writing und Memoir erzählt Aimee Nezhukumatathil von der Liebe zur Natur, von Unterstützung durch Pflanzen und Tiere in Zeiten großer Ungewissheit – und von der Kraft der Imagination."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Welche Tiere und Pflanzen haben wohl mein Leben geprägt? Darüber habe ich beim Lesen dieses Buchs nachgedacht. Meine erste und offensichtlichste Antwort wären wohl Katzen. Ich bin Katzenmama und diese Tiere haben mich mein Leben lang begleitet. Aber was sonst noch? Vielleicht die Eule, Seesterne, Schildkröten, Fledermäuse? Pflanzen sind für mich noch schwieriger. Wahrscheinlich Sonnenblumen, vielleicht auch die Herbstzeitlose, Tomaten, Birnen, Granatapfel und Feigen. Auf jeden Fall ist das eine Frage, über die ich länger nachdenken musste. Und die Begründungen, warum diese Pflanzen und Tiere wichtig für mich sind, könnten wohl ein ganzes Buch füllen. Die Idee dieses Buchs gefällt mir also schonmal sehr gut, wie ihr hier sehen könnt.

Das Buch an sich ist einfach wunderschön gestaltet. Es gibt farbige Illustrationen mit vielen Details, farbige Seitenzahlen, die auf die Farbe des ersten Buchstabens abgestimmt sind und das alles ist auf hochwertigem Papier gedruckt. Ich weiß nicht, wer für die Gestaltung dieses Buchs verantwortlich war, aber falls diese Person das hier irgendwann sieht: Wow! Das habt ihr großartig gemacht! Allein schon dadurch, dass das Buch mit so viel Liebe zum Detail gestaltet wurde und offensichtlich qualitativ hochwertig ist, habe ich es gerne in die Hand genommen. Und viele der Illustrationen sind so schön, dass ich mir die sogar an die Wand hängen würde. Und das will was heißen, denn meine Wände schmücken sonst nur Post-its und sonstige Lernunterlagen.

Auch den Schreibstil finde ich gut gelungen. Positiv hervorheben möchte ich hier auf jeden Fall die Tatsache, dass die Übersetzerin offen mit ihren Leser:innen kommuniziert. In diesem Buch gibt es von ihrer Seite einen eigenen Text, in dem sie bestimmte Entscheidungen erklärt, die sie im Übersetzungsprozess treffen musste. Das war für mich sehr interessant, da ich so mal hinter den Vorhang sehen konnte.

Der einzige Kritikpunkt von meiner Seite ist, dass ich an manchen Stellen einen roten Faden vermisste. Bei diesem Buch handelt es sich um eine Mischung aus Autobiographie und der Beschreibung von Pflanzen und Tieren. Die Gewichtung der zwei Textsorten war aber in jedem Kapitel unterschiedlich. Da hätte ich mir mehr Einheitlichkeit gewünscht.

Mein Fazit? Sehr schön gestaltetes Buch.

Sonntag, 31. Juli 2022

Monster auf der Couch

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist einfach großartig gestaltet. Da gibt es mehr Details zu entdecken, als ich es mir erwartet habe, und ich hatte große Freude mit der Lektüre. Es gibt hier zum Beispiel Skizzen, die die Psychologin von ihren Klient:innen angefertigt hat, Gesprächsprotokolle, die durch handschriftliche Notizen ergänzt wurden (natürlich aufgedruckte und keine tatsächliche Handschrift, aber es schaut trotzdem cool aus!), Briefe und Tagebucheinträge. Dieses Buch zu lesen fühlte sich an, als würde ich selbst Ermittlungen anstellen, was mit der Psychologin denn eigentlich passiert ist.

Das ist die Ausgangssituation dieses Buchs: Eine Psychologin ist spurlos verschwunden und ihre Lebensgefährtin ist außer sich vor Sorge. Deswegen schickt sie alle Notizen ihrer Partnerin an die Polizei, in der Hoffnung, dass die was damit anfangen können. Die Ermittlungsarbeit müssen wir Leser:innen dabei selbst betreiben. Wir müssen selbst rausfinden, was mit der Psychologin passiert ist, indem wir ihre Notizen durchgehen und so tief in ihren Arbeitsalltag eintauchen. Ich fand das spannend, verstehe aber die Leute, die enttäuscht waren, weil sie sich einen klassischen Krimi erwartet hätten. Denn so einen bekommt ihr hier nicht.

Auch der Stil hat mich positiv überrascht. Die Texte waren zu gleichen Teilen witzig und nachdenklich. Viele der literarischen Figuren, die hier "auf der Couch" landen, kannte ich schon vor diesem Roman. Durch diese Lektüre habe ich aber auf jeden Fall einen neuen Blick auf sie erhalten, was für mich spannend war. Und gegen Ende gab es dann sogar noch Elemente, die auf mich fast wie auf einen Psychothriller wirkten. Dort wird dann nämlich etwas enthüllt, was meinen Blick auf alle vorhergehenden Texte veränderte und in mir den Wunsch weckte, das gesamte Buch sofort nochmal zu lesen.

Mein Fazit? Super spannende Mischung aus Krimi und Fantasyroman mit vielen intertextuellen Anspielungen!

Donnerstag, 28. Juli 2022

Wenn die Hoffnung stirbt, gehts trotzdem weiter [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute rezensiere ich mal wieder ein Buchclubbuch für euch - und ausnahmsweise mal vor unserem Treffen. Normalerweise gehöre ich nämlich zu den Menschen, die so eine Lektüre bis zur letzten Sekunde aufschieben und die letzten paar Seiten auf dem Weg zum Clubtreffen lesen. Ups.

Dieses Buch hatte ich seit Weihnachten auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich habe es dem Club vorgeschlagen, weil es mir immer Spaß macht, mit ihnen über politische Aspekte unserer Bücher zu diskutieren. Und ja, da gibt es immer was zu besprechen. Selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt. Ich sag nur: Angelini Josephin. Die Buchclubmädels wissen, was da los war. Der Rest von euch bekommt irgendwann noch einen kurzen Einblick, wenn ich dieses Buch dann endlich mal rezensiere. Und nein, ich bin nicht diejenige, die die Diskussionen auf politische Themen lenkt. Zumindest bei weitem nicht immer. Auf jeden Fall dachte ich mir, dass es wahrscheinlich auch spannend wäre, ein bisschen über politischen Aktionismus zu quatschen. Ich hab vor unserem Treffen schon in das Buch reingelesen und ich war mir sicher, dass der Buchclub den Tortenwurf auf die damalige Afd-Chefin feiern würden. (Das Video gibt es übrigens auch auf Youtube. Sucht dort an eurem nächsten schlechten Tag einfach mal nach dem "Tortalen Krieg".) Bei anderen Aktionen war ich mir wiederum nicht ganz so sicher, ob das alle gut finden würden. Aber dafür lese ich diesen Text ja in einem Buchclub: Ich will über die Aktionen sprechen und wenn irgendwer ganz anderer Meinung ist, dann möchte ich wissen warum und ob ich die Argumentation der anderen Person nachvollziehen kann. Auf jeden Fall wurde dieses Buch dann zur nächsten Lektüre gewählt und jetzt dauert es nur noch eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich unser nächstes Treffen haben.

Wie weit würdet ihr persönlich gehen, wenn ihr euch für ein Thema einsetzt, dass euch wirklich am Herzen liegt? Ich habe bisher demonstriert, Mails an politische Entscheidungsträger:innen geschrieben, gehe regelmäßig die aktuellen Volksbegehren durch, gehe zu jeder Wahl und ich engagiere mich immer mal wieder ehrenamtlich. Das Peng-Kollektiv geht da weiter und gestaltet Aktionen, für die ich wohl einfach zu feige bin. Vor der NSA für einen Aussteigerverein für Geheimagent:innen werben? Mich in die Szene der Klimaleugner:innen einschleusen? Politiker:innen/Nazis Kuchen ins Gesicht klatschen? Obwohl... Für letztere Aktion hätte ich eine lange Liste an Politikern (aktuell nicht gegendert), denen so ein bisschen Sahne im Gesicht wohl nicht schaden würde...

Dieses Buch hat mir einfach Spaß gemacht und mich gleichzeitig dazu gebracht, nachzudenken und mich und meine Privilegien zu hinterfragen. Und das auch nachdem ich das Buch schon beendet habe. Vor allem in Supermärkten muss ich jetzt ständig an diesen Text denken. Darin wird nämlich eine Frau zitiert, die sich darüber ärgert, dass Menschenrechte im Supermarkt durch Kund:innen verhandelt werden. Und sie hat recht: Es ist total absurd, dass wir beim Einkaufen darüber entscheiden sollen, ob es Sklaverei in dieser Welt gibt, ob Kinder Schokolade herstellen müssen, ob Menschen ausgebeutet werden. Genauso absurd wie dort zu entscheiden, ob Tiere anständig behandelt werden oder ob die Umwelt vergiftet wird. Warum sollten das Kund:innen entscheiden? Sollte nicht eigentlich die Politik sicherstellen, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen, kein Tierleid und Umweltschutz ganz normal sind? Was ist das nur für eine verkorkste Gesellschaft, in der wir leben?

Mein Fazit? Ich werde das Kollektiv und seine Aktionen auf jeden Fall weiter beobachten. Und ich freue mich schon sehr auf die Diskussion im Club.

Mittwoch, 13. Juli 2022

Frauen, an die ich nachts denke

 Autorin: Mia Kankimäki
Erschienen am 16.05.2022
Im btb Verlag
ISBN: 9783442719358
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Mia, Anfang vierzig, hat den Job gekündigt, die Wohnung verkauft, und während andere Familien haben und Sommerhäuser kaufen, denkt sie während zahlloser schlafloser Nächte an Frauen – und das hat nichts mit Sex zu tun, sondern mit der Suche nach dem Sinn des Lebens! Ihres Lebens! Ihre Nachtfrauen – furchtlose Entdeckerinnen, begabte Schriftstellerinnen und leidenschaftliche Künstlerinnen – sind Schutzheilige, die sie um sich versammelt, um sich den Weg weisen zu lassen. Und eines Tages beschließt sie, Ernst zu machen, die Welt zu bereisen und den Spuren ihrer Nachtfrauen wirklich zu folgen – Karen Blixen nach Tansania, Sei Shōnagon nach Japan, vergessenen Renaissance-Malerinnen nach Florenz. Denn wenn diese Frauen es vor Hunderten von Jahren in die Welt geschafft haben, warum sollte Mia das dann nicht auch können?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch hat meinen gesamten Rezensionsplan durcheinander geworfen. Es ist keine leichte Lektüre, einfach mal hundert Seiten am Stück zu lesen, wie das für mich bei anderen Büchern leicht möglich ist, ging hier nicht. Spätestens nach 20 war mein Kopf so voll, dass ich pausieren und nachdenken musste. Deswegen habe ich mich mit diesem Buch auch um einiges länger beschäftigt, als ursprünglich geplant.

In diesem Buch geht es um exakt das, was im Titel angekündigt wird. Die Autorin schreibt über die Frauen, an die sie nachts denkt und warum sie an sie denkt. Da sind Weltreisende wie Nelly Bly dabei, Renaissancemalerinnen wie Artemisia Gentileschi und auch die moderne Künstlerin Yayoi Kusama. Der erste Abschnitt über die Weltreisenden war der längste, der Abschnitt über die Künstlerinnen der für mich interessantere. Die Autorin skizziert die Leben ihrer Heldinnen und gleichzeitig auch ihr eigenes. Sie versucht auf den Spuren dieser Frauen zu wandern, zum Beispiel durch Reisen nach Afrika oder Italien. Das war zu Beginn etwas ungewohnt, gleichzeitig aber auch spannend.

Besonders beeindruckt haben mich Artemisia und Nelly. Artemisia ist die Künstlerin, die das Gemälde "Judith und Holofernes" gemalt hat. Das musste ich im ersten Semester meines Studiums mit anderen Darstellungen derselben Bibelstelle vergleichen und ich war schockiert davon, wieviel Blut hier zu sehen ist und dass die Künstlerin sich dazu entschieden hat, Judith mitten im Mord zu malen. Noch dazu war da so viel Entschlossenheit in Judiths Blick. Da war kein Zögern, keine Verwirrung, kein unschuldiger Blick. Judith weiß genau, was sie tut. Das hat mich fasziniert und fasziniert mich auch heute noch. Die Geschichte hinter diesem Bild kannte ich aber nicht.
Nelly Bly wiederum war Journalistin und beschloss für einen Artikel so schnell wie möglich um die Welt zu reisen. Kennt ihr Jules Vernes Roman "In 80 Tagen um die Welt"? Sie wollte schneller sein als der Protagonist dieses Buchs. Und sie hat das geschafft - ohne Gepäck. Diese Frau reiste nur mit Handtasche und Regenschirm um die Welt! Und ich kämpfe damit, mich bei einem Wochenendtrip auf einen Rucksack zu beschränken!

Ich habe eigentlich nur einen Kritikpunkt. Mir ist klar, dass diese Frauen im Leben der Autorin eine besondere Rolle einnehmen. Wie alle haben Held:innen und natürlich wollen wir die nur in einem allerbesten Licht sehen. Trotzdem hätte ich mir bei manchen der Frauen etwas mehr Reflexion gewünscht. Gerade bei Karen Blixen wäre das meiner Meinung nach gut gewesen. Sie hat sich munter am Kolonialismus beteiligt und davon profitiert, hat extrem viele Tiere geschossen und scheint auch insgesamt kein besonders angenehmer Mensch gewesen sein - und trotzdem befasst sich ein guter Teil dieses Buchs mit ihr und das aus einer meiner Meinung nach aus einer Perspektive, die gerne hätte kritischer sein dürfen.

Abschließend muss ich hier fast noch darüber nachdenken, wen ich wohl als meine Nachtfrauen bezeichnen würde, oder? Also, Mary Shelley ist ganz sicher mit dabei und Marie Curie auch. Auf jeden Fall auch Margaret Atwood. Jetzt wohl auch Nelly Bly und Artemisia. Gerade über die Renaissance-Künstlerinnen in diesem Buch musste ich in den letzten Tagen viel nachdenken. So viel, dass ich jetzt dabei bin, eine Reise nach Florenz zu planen. Florenz war ja das Zentrum der Renaissance und noch dazu lebte ja auch Dante dort. Ich könnte dort also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Renaissance-Kunst ansehen und gleichzeitig meine Dante-Sucht weiter füttern.

Mein Fazit? Interessante Lektüre über Heldinnen und wie sie das Leben der Autorin beeinflusst haben.