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Dienstag, 12. November 2024

Das Philosophenschiff

 Autor: Michael Köhlmeier
Erschienen am 29.1.2024
Im Hanser Verlag
ISBN: 9783446282377
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Mit diesem großen Werk schließt Michael Köhlmeier an seinen Bestseller „Zwei Herren am Strand“ an. Zu ihrem 100. Geburtstag lädt die Architektin Anouk Perleman-Jacob einen Schriftsteller ein und bittet ihn darum, ihr Leben als Roman zu erzählen. In Sankt Petersburg geboren, erlebt sie den bolschewistischen Terror. Zusammen mit anderen Intellektuellen wird sie als junges Mädchen mit ihrer Familie auf einem der sogenannten „Philosophenschiffe“ auf Lenins Befehl ins Exil deportiert. Nachdem das Schiff fünf Tage und Nächte lang auf dem Finnischen Meerbusen treibt, wird ein letzter Passagier an Bord gebracht und in die Verbannung geschickt: Es ist Lenin selbst."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Bitte erinnert mich daran, dass ich mich in Zukunft von Buchpreisen aller Art fernhalte, zumindest was mein privates Lesevergnügen angeht. Denn davon habe ich leider aktuell eher weniger. Und das finde ich super schade, denn eigentlich habe ich ein paar der Nominierten gerade deswegen angefragt: Weil sie für einen sehr wichtigen Buchpreis nominiert wurden und ich mal wieder Lust auf eine anspruchsvolle Lektüre hatte. Liebesromane sind zwar toll, aber ich brauche meine bunte Mischung, um zufrieden zu sein. Joa, in Zukunft verlasse ich mich bei der Suche nach anspruchsvollen Empfehlungen doch lieber auf mein Bauchgefühl.

Ich hatte große Hoffnungen für dieses Buch. Sehr große. Michael Köhlmeier ist eine große Nummer und auch ich habe schon Texte von ihm gelesen und genossen. Also war ich mir eigentlich sicher, dass dieses Buch hier kein großes Risiko sein wird. Ich war mir sicher, dass ich es mögen würde. Tja, falsch gedacht. Dieser Roman hat mich einfach nur gelangweilt. Die Zeit hätte ich besser verbringen können. Schade, aber von einem so wichtigen Autor und dem Deutschen Buchpreis hätte ich mehr erwartet. 

In diesem Buch passiert sehr viel, doch die beteiligten Figuren lässt das kalt. Es können die grausamsten Dinge passieren (teils wird sogar Folter beschrieben - oder sollte ich es Mord nennen? Bin mir nicht sicher, was hier der richtige Begriff ist!), doch der lockere Plauderton, der überall herrscht, wird beibehalten. Und dadurch, dass es den Figuren offensichtlich egal war, schaffte ich es auch nicht wirklich, mich für die Geschichte oder die Entwicklungen zu interessieren.

Im Zuge der Handlung kommt es zu einer Verschmelzung von Fiktion und Realität. Mir ist aber nicht ganz klar, was davon real und was erfunden war. Und dieses Buch macht zumindest mir nicht unbedingt Lust, groß Recherchearbeit zu leisten. Ich finde, hier wäre ein entsprechendes Nachwort eine gute Ergänzung gewesen.

Für problematisch halte ich hier auch die Darstellung Lenins als liebe und harmlose Großvater-Figur. Ich denke, wer ein Geschichtsbuch lesen kann, wird schnell sehen, dass Lenin für sehr viel Leid verantwortlich war. Das durch ihn mitgeschaffene Terrorregime wird hier sogar gezeigt und beschrieben - siehe oben, teils sogar mit ekelhaften Details. Und trotzdem freundet sich die zu diesem Zeitpunkt noch jugendliche Protagonistin mit Lenin höchstpersönlich an. Daher ist diese Darstellung für mich absolut unverständlich - und wirkte auf mich sehr befremdlich.

Mein Fazit? Leider gar nicht mein Fall.

Sonntag, 10. März 2024

Rauhnachtsfeuer

 Autorin: Christine Kulgart
Erschienen am 25.11.2023
Bei Tredition
ISBN: 9783384068071
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der junge Adlige Florian verbringt die Rauhnächte bei seinem Freund Theo auf dem Rauschberg. Doch mehr noch als den Naturgewalten muss sich Florian einer Sache stellen: der verdrängten Trauer um seine zu früh verstorbenen Eltern. Während er in den zwölf magischen Nächten viele neue Rituale kennenlernt, setzt er sich immer wieder mit seinen eigenen Gefühlen auseinander.

Eine zauberhafte Geschichte von Freundschaft und Trauer während der Festtage. Eine Geschichte zu Christine Kulgarts Debütroman "Rauschberg", die die Beziehung der Charaktere zueinander vertieft."
Quelle: lovelybooks.de

Meine Meinung:
Endlich bin ich dazu gekommen und habe es gelesen: Das jetzt schon nicht mehr ganz so neue Buch aus dem Rauschberg-Universum von Christine Kulgart. Teil 1 - "Rauschberg" - durfte ich euch ja auf diesem Blog ebenfalls schon vorstellen. Tine kenne ich durch das Autor:innenkollektiv Schreibfeder persönlich, ich versuche aber, mich von diesem persönlichen Kontakt nicht beeinflussen zu lassen. Diesen Disclaimer baue ich aber trotzdem ein - ihr wisst ja, wie wichtig mir Transparenz ist.

Während es im vorherigen Buch von Kulgart um das Kennenlernen von Florian und Theo ging (die ich nach diesem zweiten Buch noch mehr shippe als zuvor schon - sorry, Tine!), ist die Freundschaft der beiden hier schon etwas weiter fortgeschritten. Die beiden kennen sich inzwischen schon recht gut - gut genug, dass Florian eingeladen wird, die Rauhnächte bei Theo und seiner Familie zu verbringen. Ich weiß, dass viele Leute an die Magie der Rauhnächte glauben - ich bin aber ohne diesen Glauben aufgewachsen. Das einzige Ritual, an das sich meine Familie hält, ist, dass wir während der Rauhnächte keine Wäsche im Freien aufhängen. Hauptsächlich weil wir die Vorstellung ekelhaft finden, dass sich darin Geister verfangen könnten. Aber abgesehen davon? Nichts. Ich wusste nicht, dass die Rauhnächte für irgendjemanden außer die Nachbarin meiner Eltern eine besondere Bedeutung hat. Tja, da wurde ich im letzten Jahr nicht nur durch dieses Buch eines Besseren belehrt. Während diese Zeit für mich der perfekte Zeitpunkt ist, um mir Weihnachtsfilme anzusehen, Kekse zu futtern und Bücher zu lesen, vollziehen andere magische Rituale und nehmen an verschiedenen Traditionen teil. Diese Traditionen hier mal kennenzulernen, war für mich sehr spannend und ich war überrascht, zumindest von manchen schon mal gehört zu haben. Ich hätte mir aber an manchen Stellen gewünscht, vielleicht noch etwas mehr in die Tiefe zu gehen. Mich hätte es zum Beispiel interessiert, warum die Familie an diesen Ritualen teilnimmt, denn andere in der Geschichte halten davon ja gar nichts. Ich bin mir sicher, dass das sogar an der ein oder anderen Stelle angesprochen wurde, aber trotzdem hätte ich da manchmal mehr Details gebraucht.

Christine Kulgarts Sprache hat mir wie auch in ihren anderen Texten gut gefallen. Ich habe das Buch in zwei kurzen Sitzungen durchgelesen und hatte damit auch meinen Spaß. Leider habe ich aber den ein oder anderen Fehler gefunden, der wohl noch übersehen wurde. Oder der bei mir halt einfach noch drin war - viele Autor:innen schicken bereits Leseexemplare aus, bevor die allerletzte Korrekturrunde abgeschlossen ist. Ich kann mir vorstellen, dass das auch hier passiert ist.

Mein Fazit? Nicht ganz fehlerfrei, aber trotzdem eine Lektüre, die ich gerne gelesen habe.

Montag, 18. September 2023

Rauschberg

 Autorin: Christine Kulgart
Erschienen am 8.8.2023
Bei Epubli
ISBN: 9783757576585
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Lovelybooks

Klappentext:
"A small village at the foot of Rauschberg, a massive mountain. It is bear hunting season around 1830 and the young nobleman Florian is dragged along by his uncle, although he prefers living his life between the pages of a book. During a trip to the village's search, he meets the strange and quiet Theo. Soon he realises that there's more than just a little history between Theo, his family and the bear his uncle wishes to kill so desperately. The hunting trip turns into an almost magical adventure for the two young men."
Quelle: Lovelybooks

Meine Meinung:
Rauschberg ist schon ein ziemlich interessanter Name für einen Berg - und was ihn noch spannender macht, ist die Tatsache, dass es diesen Berg auch wirklich gibt. Wie dieser Name wohl entstanden ist? Gut, dass ich eine Linguistin im Freundeskreis habe. Die wird demnächst gleich damit genervt und diesbezüglich ausgequetscht. Hi, V!

In diesem Buch geht es um den sympathischen Florian, einen jungen Mann. Nachdem seine Eltern verstorben sind, wird er zu seinem Onkel geschickt, den man doch eher als Grobian bezeichnen könnte. Seine große Liebe ist die Jagd und sein aktueller Wunsch ist es, den Bär zu schießen, der seiner Meinung nach den Berg unsicher macht. Dass das nicht wirklich der Fall ist, wird Florian bald von Theo bewiesen, der im ganzen Dorf nur als der "Hexenjunge" bekannt ist, denn seine Eltern gelten als sonderbar.

Die Autorin hat es geschafft, hier ein hochaktuelles Thema zu verarbeiten: die Jagd auf scheinbar bedrohliche große Tiere wie Wölfe und Bären. Ich kenne natürlich den Hintergrund der Autorin nicht, aber in Tirol könnte dieses Buch aktueller nicht sein. Wisst ihr, wie viele Artikel ich dieses Jahr zu diesem Thema schon korrigiert habe? Ich auch nicht, aber in der Zwischenzeit kann ich alle Argumente von allen Seiten in- und auswendig und bin nur noch genervt, wenn die Diskussion wieder losbricht. Vor allem, weil es halt in Zeiten des Klimawandels doch ein etwas besorgniserregender Ansatz ist, wenn Menschen das Ziel haben, Tierarten komplett auszurotten, statt ordentlichen Herdenschutz zu betreiben. Aber hier soll gar keine politische Debatte losgetreten werden, sondern das Buch soll im Mittelpunkt stehen. Und egal, welche Meinung ihr bei diesem Streit vertretet: Ihr werdet mir alle zustimmen müssen, dass dieses Buch super aktuell ist. Und das, obwohl es in der Vergangenheit spielt. Oder zumindest habe ich das als Vergangenheit interpretiert, denn ich kann mich nicht erinnern, im Text Jahreszahlen gesehen zu haben. Ein weiterer Punkt: Das Buch schafft es, dieses sehr sensible Thema zu behandeln, ohne mit der Moralkeule zu schwingen.

Natürlich ist an diesem Buch nicht alles perfekt. Ihr kennt mich, Leute, ihr wisst, dass es fast keine Bücher gibt, die ich je perfekt bewerte. Hier ist ein Problem aufgetaucht, das ich inzwischen auch von meinem eigenen Buch kenne: Vor Abgabe des Buches wurde bei der Korrektur leider der ein oder andere Fehler übersehen. Allerdings war da nichts dabei, was meinen Lesefluss wirklich gestört hätte.

Mein Fazit? Ein spannender Kurzroman zu einem aktuellen Thema.

Donnerstag, 10. August 2023

Die Tochter des Doktor Moreau [Abgebrochen]

 Autorin: Silvia Moreno-Garcia
Erschienen am 24.05.2023
Im Limes Verlag
ISBN: 9783809027621
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Dieser Dschungel verbirgt die dunkelsten Geheimnisse: Nach »Der mexikanische Fluch« der neue Bestseller von Silvia Moreno-Garcia!

Mexiko, Ende des 19. Jahrhunderts: Carlota Moreau wächst fern von der zivilisierten Welt im Dschungel der Halbinsel Yucatán auf. Sie ist die Tochter eines begabten Wissenschaftlers, der auf seinem Anwesen geheime Experimente durchführt. Als Eduardo Lizalde, der Sohn von Doktor Moreaus Geldgeber, eintrifft und Carlota den Hof macht, scheint ihr Weg in die feine Gesellschaft vorgezeichnet. Doch die dunklen Labore verbergen unzählige Geheimnisse – und das gefährlichste von ihnen ist Carlota selbst."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Über diese Autorin habe ich so, so, so viel Positives gehört. Gerade auf Goodreads werden ihre Bücher gelobt wie sonst was. Und deswegen wollte ich mich jetzt auch mal an ein Buch von ihr wagen. "Doktor Moreau" kam mir dafür wie der perfekte Kandidat vor. Immerhin kannte ich die Geschichte bereits davor und bin sowohl von Doktor Moreau als auch von Carlota sehr fasziniert. Auch in "Der seltsame Fall der Alchemisten Tochter" hat sie ja einen Auftritt und dort war sie eigentliche eine meiner Lieblingsfiguren. Umso trauriger und enttäuschter bin ich, dass mir dieses Buch einfach so wenig zugesagt hat, dass ich kurz nach der Hälfte beschlossen habe, abzubrechen.

Vielleicht beginnen wir mit den Erwartungen, die ich an dieses Buch hatte. Ich wollte einen Roman mit klar erkennbaren Horrorelementen und Gruselfaktor lesen. In die gruseligen Experimente des Dokotr Moreaus wollte ich klaren Einblick erhalten - und gerade die "dunklen Labore" mit den "unzähligen Geheimnissen", die im Klappentext angekündigt wurden, haben mein Interesse geweckt. Dass da dann noch eine interessante Liebesgeschichte mit Eduardo kommen soll, war mir recht, denn ich erwartete mir, dass sich das klar und glaubwürdig in das Setting einfügt. Leider kann ich aber von keiner dieser Erwartungen sagen, dass sie sich erfüllt haben. Horrorelemente und Gruselfaktor sucht man in diesem Roman umsonst. Die gruseligen Experimente spielen nur am Rande eine Rolle und durch das Fehlen von irgendeinem Geheimnis vor uns Leser:innen kam hier keine Spannung auf. Schon im ersten Kapitel wird genau erklärt, welche Experimente wie und warum durchgeführt werden und für Carlota sind diese Experimente nichts besonderes, sie stellt sie also nicht in Frage. Auch die Liebesgeschichte mit Eduardo konnte mich nicht fesseln. Er ist kein besonders spannender oder ungewöhnlicher Charakter und zwischen ihm und Carlota konnte ich keinerlei Chemie erkennen. Dafür zwischen Carlota und Montgomery, dem Gehilfen Moreaus, der Carlota kennt, seit sie ein Kind war und über zehn Jahre älter ist als sie. Ja, Carlota ist inzwischen erwachsen, aber trotzdem war das für mich eine riesengroße Red Flag, die ich nicht ignorieren konnte und die ich als äußerst unangenehm empfand. Und trotz Montgomerys unangenehmer und unangemessener romantischer und sexueller Anziehung wurde uns diese Figur als die reifste und vernünftigste präsentiert. Was meiner Meinung nach bereits sehr viel über die anderen Figuren aussagt.

Carlota als die eigentliche Hauptfigur fehlte es an Tiefe. Sie verkörperte immer genau die Eigenschaften, die in einer Situation gefragt sind und kam mir dabei vor wie ein Chamäleon. Schwächen hatte sie (außer ihre Naivität in zwischenmenschlichen Angelegenheiten) keine und auch das machte sie für mich nicht wirklich sympathischer.

Generell fand ich es traurig, dass das Setting der wissenschaftlichen Experimente und der Labore nicht weiter genutzt wurde. So fühlte sich das wie ein 08/15 historischer Roman mit historischer Liebesgeschichte an, die für mich keinerlei Besonderheiten aufwies.

Auch ein Aspekt, der mich in Büchern immer wieder auf die Palme bringt, ist hier vorgekommen: Die gleichen Szenen wurden aus verschiedenen Perspektiven erzählt und das beide Male mit vielen Details. Sowas langweilt mich immer. Warum sollte ich die gleiche Szene mehrfach lesen wollen, wenn ich dadurch nicht wirklich wichtige Infos erfahre? Ich kenne diese Stelle dann ja schon, das brauche ich nicht nochmal!

Mein Fazit? Dieser Roman war für mich sehr enttäuschend. Das hier war der erste Roman, den ich von der Autorin gelesen habe und ich befürchte, dass das auch der letzte sein wird.

Donnerstag, 12. Januar 2023

Anatomy. Eine Liebesgeschichte

 Autorin: Dana Schwartz
Erschienen am 7.12.2022
Im Loewe Verlag
ISBN: 9783743214989
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Tauche ein ins Edinburgh des Jahres 1817!

Eine Stadt, infiziert mit Geheimnissen. Und eine junge Frau, die sie seziert.
Lady Hazel Sinnett möchte unbedingt Chirurgin werden – was für sie als Frau jedoch unmöglich ist. Bis der Dozent Dr. Beecham sich auf einen Deal einlässt: Wenn sie die medizinische Prüfung ohne Unterricht besteht, darf sie bei ihm studieren. Zum Glück trifft die junge Frau auf Jack Currer – einen Auferstehungsmann, der Leichen ausgräbt und sie zu Lehrzwecken verkauft. Jack hilft Hazel nicht nur beim Lernen, sondern weckt auch ungeahnte Gefühle in ihr. Als sie an den Toten immer mehr Besonderheiten entdecken, finden sich die beiden plötzlich in einem Netz aus Geheimnissen und Intrigen wieder …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Über dieses Buch habe ich bereits viele positive Rezensionen aus dem englischsprachigen Raum gelesen. Als ich dann gesehen habe, dass der Loewe-Verlag nun eine Übersetzung herausbringt, war ich begeistert und wusste sofort, dass ich dieses Buch lesen möchte. Besonders interessiert hat mich die Frage, wie und ob Hazel wohl diese Arztprüfung bestehen wird. Immerhin halte ich Medizin für ein unglaublich schwieriges Fach und das nicht nur wegen Stoff, sondern auch wegen der Tatsache, dass man da im Studium Leichen sezieren muss. Damit könnte ich persönlich einfach nicht umgehen, deswegen habe ich großen Respekt vor allen Menschen, die das durchstehen.

Und auch dieses Buch habe ich aus genau diesem Grund fast nicht durchgestanden. Ja, das ist ein Roman über das Medizinstudium. Ja, da dürfen (und sollen) auch medizinische Praktiken des 19. Jahrhunderts beschrieben werden. Aber mit so vielen Details? Mit so viel Blut? An einigen Stellen musste ich dieses Buch weglegen und das ein oder andere mal war ich mich nicht sicher, ob ich es je wieder anfassen möchte.

Ein weiteres Problem hatte ich mit der Liebesgeschichte in diesem Buch. Anscheinend war die dem Verlag und der Autorin so wichtig, dass sie sogar in den Titel des Buchs aufgenommen wurde. Über die Hälfte des Buches handelt aber nur von Hazels Liebe zur Anatomie, eine Liebe zu einem anderen Menschen entwickelt sich erst später. Klar, auch die Liebe zu seinem Studienfach kann schön und eine wahre Liebesgeschichte sein, das weiß ich aus erster Hand. Doch das dann in den Buchtitel aufzunehmen, halte ich für riskant und für irgendwie irreführend, denn ich bin sicher nicht der einzige Romance-Fan, der durch dieses Buch enttäuscht wurde.

Die Geschichte entwickelt sich recht langsam, was man mögen muss. Ich persönlich hätte mir etwas mehr Tempo gewünscht, gerade zu Beginn.

[Spoiler]
Am Ende des Buches gibt es hier dann noch Fantasy-Elemente. Es gibt plötzlich Unsterblichkeit und eine Kreatur, die Frankensteins Monster ähnelt, aber sich selbst erschaffen hat. Für mich passte das leider einfach nicht zum Rest des Buches. Sonst schreibt die Autorin sehr authentisch und scheint viel über die medizinischen Praktiken des 19. Jahrhunderts recherchiert zu haben, deswegen war ich doch eher verwundert über diesen neuen fantastischen Handlungsstrang, der hier plötzlich angerissen wurde.

Mein Fazit? Dieser Roman konnte mich leider nicht begeistern. Schade, denn ich hatte mich sehr darauf gefreut.

Donnerstag, 18. August 2022

Die Hände des Louis Braille [Abgebrochen]

Quelle: Verlag
 

Dieses Buch war eines der ersten, die wir im Buchclub gelesen haben und leider konnte ich damit nicht viel anfangen. Wie im Titel schon sichtbar wird, geht es hier um Louis Braille, den Erfinder der gleichnamigen Blindenschrift. An sich ein super spannendes Thema, über das ich sehr gerne mehr erfahren hätte.

Und auch mein erster Eindruck vom Buch war positiv. Das Papier ist hochwertig und auf dem Cover ist der Titel auch in Braille aufgedruckt. Ich glaube zumindest, dass da der Titel steht. Ich beherrsche kein Braille, aber ich wüsste nicht, was da sonst stehen soll.

Doch dann begann ich zu lesen und ziemlich schnell entdeckte ich ein erstes Problem: die Schrift. Buchstaben wie zum Beispiel "s" und "t" sind mit einem komischen Bogen miteinander verbunden. Ich weiß gar nicht, wie man das nennt oder wie ich das beschreiben soll. Aber es hat mich irritiert und bis zu meinem Leseabbruch habe ich mich auch nicht daran gewohnt.

Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt. Einerseits ist da Louis Braille. Sein Leben wird chronologisch aufgearbeitet. Wie historisch korrekt das ist, kann ich nicht beurteilen. Die zweite Perspektive spielt in der Gegenwart: Die Witwe Constance schreibt ein Drehbuch über Louis Braille. Diese zweite Art von Kapitel wurde im Stil eines Tagebuchs verfasst.

Ich glaube, dass dieses Buch sehr spannend hätte sein können, wenn nicht Constances Kapitel gewesen wären. Sie langweilte mich zu Beginn, später nervte sie mich dann sogar. Und ich verstehe nicht, warum sie behauptet, ein Drehbuch zu schreiben. Das irritierte mich sehr, denn die Kapitel über Louis Braille waren in Romanform verfasst. Auf mich wirkte das dann nicht einheitlich und nicht konsequent. Wenn Constance schon ein Drehbuch schreiben möchte, sollte das meiner Meinung nach auch in entsprechender Form verfasst sein.

Mein Fazit? Schade, aber das konnte mich nicht überzeugen.

Samstag, 11. Dezember 2021

Die Bücherdiebin [Kurzrezension/Reread]

 

Quelle: Verlag

Manche von euch haben es vielleicht schon mitbekommen: Zu Beginn des Semesters bin ich einem Buchclub beigetreten. Ich war auch davor schon immer wieder bei Leserunden oder Buchclubs dabei, bisher haben die aber nie besonders lange existiert. Meist waren dann, wenn sie überhaupt stattfanden, bei den einzelnen Treffen nie mehr als drei oder vier Leute dabei. Doch der Buchclub Plus ist ziemlich cool und um einiges aktiver. Das Plus steht dabei übrigens nicht für "exklusiv" oder "Wir verlangen Mitgliedsbeitrag" oder "hochnäsig", sondern für die Paris-Lodron-Universität Salzburg. Das nur so als Bemerkung nebenbei, weil sich einige Leute in meiner Umgebung über den Namen gewundert haben. Und falls ihr selber in Salzburg studiert und Lust habt, euch regelmäßig über Bücher auszutauschen: Feel free to join us! Die meisten von uns beißen nicht.

"Die Bücherdiebin" war das erste Buch, das ich zusammen mit dem Buchclub gelesen habe. Ich habe den Roman auch 2012 schonmal gelesen und rezensiert. Damals hat mir das Buch gut gefallen, inzwischen ist das aber schon wieder zehn Jahre her. Deswegen hat es mich auch nicht wirklich gestört, dass ich dieses Buch jetzt nochmal lesen soll.

Etwas Sorge hatte ich dann aber doch. Ich meine: Ich war 13 als ich dieses Buch zum letzten Mal gelesen habe. Natürlich möchte ich Klein-Mira nicht unterstellen, dass sie damals einen schlechten Buchgeschmack hatte, aber ich habe mich seitdem weiterentwickelt. Ich bin erwachsen geworden, habe mehrere hundert Bücher gelesen und mich ordentlich weitergebildet. Und einige der Bücher, die ich damals gefeiert habe, betrachte ich heute eher kritisch und würde gerade jüngeren Leser:innen von ihnen abraten. "Die Bücherdiebin" gehört da aber auch heute nicht dazu.

Die meisten von euch kennen wahrscheinlich grob den Inhalt: Der Tod hat einen Narren an der kleinen Liesel gefressen. Das Mädchen lebt in Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkrieges bei Pflegeeltern in München und hat die Angewohnheit, Bücher zu stehlen. Daher auch der Buchtitel. Und obwohl die Protagonistin noch sehr jung ist, werden doch sehr ernste Themen beschrieben: die Judenverfolgung, die Lebensmittelknappheit, die Bombennächte. Und das mit einer Intensität wie ich sie bisher erst selten erlebt habe. Das könnte wahrscheinlich auch mit der Perspektive zusammenhängen: Auch wenn offiziell der Tod erzählt, ist die Perspektive doch eher kindlich, was durchaus Sinn macht, weil Liesl zu Beginn des Buchs auch erst sieben oder acht Jahre alt ist.

Ich war überrascht, wie sehr mich dieses Buch mitgenommen hat. Nach dem Ende saß ich einfach nur da und habe Rotz und Wasser geheult. Ich weiß noch, dass ich als Kind das Ende auch nicht so leicht verdauen konnte, aber dieses Mal war das Ende noch viel schlimmer für mich. Und ich habe in der Vergangenheit ein paar Mal gesehen, dass dieses Buch in Buchhandlungen bei den Kinderbüchern stand, was mich zu diesem Zeitpunkt nicht weiter gewundert hat, da ich ja auch noch ein Kind war, als ich "Die Bücherdiebin" zum ersten Mal gelesen habe. Aber Leute: Das ist doch auf keinen Fall ein Kinderbuch, oder? Oder sind Kinder einfach tougher als ich?

Mein Fazit? Dieser Roman hat mich unglaublich mitgenommen. Trotzdem ist er wie schon bei der ersten Lektüre ein absolutes Highlight!

Samstag, 18. September 2021

28 Tage [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Für dieses Hörbuch habe ich fast ein Jahr lang gebraucht. Warum? Nun, weil ich es gemeinsam mit meiner Mutter gehört habe. Und wisst ihr, wie selten es vorkommt, dass wir mal beide gleichzeitig Zeit haben, um ein Hörbuch zu hören UND alleine sind, damit wir keinen anderen Familienmitgliedern auf die Nerven gehen? Nicht wirklich oft. Eigentlich nur, wenn wir mal alleine zu meiner Großmutter fahren.

Meine Mutter ist Hörbüchern gegenüber eher kritisch eingestellt. In der Kindheit von meinen Geschwistern und mir musste sie sich so vieles anhören, dass sie wahrscheinlich ihr restliches Leben lang an "Ritter Rost" und "Spongebob" denken muss, wenn sie an Hörbücher denkt. Ich konnte sie trotzdem davon überzeugen, sich mit mir "28 Tage lang" anzuhören. Sie kannte das Buch schon und wusste, dass es ihr gefällt, ich kannte nur den Beginn des Buchs.

Diese Geschichte spielt zur Zeit des Nationalsozialismus. Es geht hier um die Jüdin Mira, die sich als Schmugglerin im Warschauer Ghetto durchschlägt. Sie schmuggelt vor allem auch, um ihre kleine Schwester zu ernähren. Sie hat zwar nicht viele Hoffnungen für die Zukunft, aber wenn jemand dafür sorgen kann, dass ihre Schwester überlebt, dann sie. Immerhin leidet ihre Mutter an schweren Depressionen und ihr Bruder hat sie und die anderen Juden hintergangen indem er sich der Judenpolizei angeschlossen hat. Doch dann erfährt Mira, dass die gesamte Bevölkerung des Ghettos umgebracht werden soll. Was bleibt ihr da anderes übrig, als sich dem Widerstand anzuschließen?

Mit dem Ghetto in Warschau hat sich David Safier, den ich davor eigentlich nur von humorvollen Büchern kannte, ein sehr schweres Thema ausgesucht. Die Umsetzung ist ihm meiner Meinung nach aber gut gelungen.

Es fällt mir schwer, Mira als Protagonistin zu bewerten. Ich mochte ihre Gedankenwelt, ihre Geschichten und dass sie immer wieder über philosophische Fragen nachdenkt. Mir gefällt, dass sie bereit ist, alles für ihre Familie zu geben. Was mich ein bisschen gestört hat, war, dass ich oft das Gefühl bekam, dass Miras Handlungen oft nur durch viel Glück gut ausgehen. Sie wirkte auf mich manchmal etwas impulsiv und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das in ihrem Fall für authentisch halte.

Mein Fazit? Hat sowohl mir als auch meiner Mutter gut gefallen.

Samstag, 20. März 2021

Das Haus der Frauen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch war eine Leihgabe meiner Oma. Ich liebe ihre Buchempfehlungen aus ganzem Herzen, denn das sind immer Bücher, an denen ich wachsen kann. Und ich freue mich schon sehr, wenn wir beide endlich die zweite Dosis der Impfung bekommen haben - denn dann können wir uns hoffentlich wieder öfter sehen als im Moment.

In "Das Haus der Frauen" geht es um Soléne. Sie hat lang als erfolgreiche Anwältin gearbeitet. Doch das ist nun vorbei, denn sie hat Depressionen und einen Burnout. Das bedeutet für sie eine Zwangspause, in der sie gezwungen wird, ihr Leben zu überdenken. Eigentlich will sie im Moment einfach gar nichts machen. Den ganzen Tag im Bett bleiben, das hört sich doch gut an! Doch dann rät ihr ihr Therapeut, doch ein Ehrenamt anzunehmen. Soléne ist kritisch, doch dann beschließt sie doch, öffentliche Schreiberin fürs Haus der Frauen zu werden.

Die zweite Erzählperspektive ist die von Blanche Peyron. Sie lebt etwa hundert Jahre vor Soléne, ist ein Mitglied der Heilsarmee und möchte die Welt unbedingt ein bisschen besser hinterlassen, als sie sie vorgefunden hat. Viel mehr kann ich über sie eigentlich gar nicht sagen, ohne zu spoilern.

Zu Beginn war ich recht kritisch, was diese Geschichte angeht. Ich wusste nicht, wie zur Hölle Blanche und Soléne zusammenhängen könnten, außerdem fand ich Solénes Sichtweise ziemlich bedrückend. Besser wurde das erst, als Soléne ihre Arbeit im Haus der Frauen begann. Ich habe selbst lang als Ehrenamtliche gearbeitet und muss zugeben, dass ich manche der Situationen durchaus wiedererkannt habe. Die Beschreibung des Frauenhauses gefiel mir wirklich gut. Ich glaube, ich habe mit jeder einzelnen Bewohnerin mitgefiebert. Soléne hat sich meiner Meinung nach ziemlich weiterentwickelt und es hat mir Spaß gemacht, ihren Weg zu verfolgen.

Mein Fazit? Kann ich euch empfehlen. Den Beginn fand ich eher schleppend, aber der Rest des Buches kann das mehr als ausgleichen.

Dienstag, 16. März 2021

Bridgerton. Der Duke und ich

 Autorin: Julia Quinn
Erschienen am 4.02.2021
Im HarperCollins Verlag
ISBN: 9783749902484
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Als Daphne Bridgerton ihren Namen in der Kolumne von Lady Whistledown liest, kümmert es sie nicht besonders. Aber ihre Mutter drängt sie, endlich einen Ehemann zu finden, bevor ihr Ruf in dieser Ballsaison völlig dahin ist. Daphne schließt einen Pakt mit Simon Basset, dem heiratsunwilligen Duke of Hastings: Indem er ihr den Hof macht, erscheint der umschwärmte Aristokrat vergeben. Sie dagegen rückt gesellschaftlich in den Mittelpunkt und entflieht den Kuppelversuchen ihrer Mutter. Ein prickelndes Spiel beginnt – bis Daphne erkennt, dass nur einem Mann ihr Herz gehört: Simon!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch hat das Pech, dass daraus eine großartige Serie gemacht wurde. Egal wie interessant es vielleicht ohne wäre – mit der Serie kann dieses Buch nicht mithalten.

"Bridgerton" war die erste Serie, von der ich mir jede Folge gesehen habe. Sonst bin ich nicht so der Serienmensch. Ich kann mich nicht so lang auf eine Geschichte konzentrieren. Nach spätestens drei Folgen verliere ich das Interesse. "Bridgerton" war aber unglaublich schön gestaltet und so konnte ich dranbleiben. Als ich gehört habe, dass es da ein Buch gibt, auf dem die Serie basiert, musste ich es einfach lesen. Im Nachhinein nicht die klügste Idee: Wenn mir die Serie so gut gefällt, ist ja klar, dass das Buch damit nicht wird mithalten können.

Dieses Buch konzentriert sich nur auf Daphne und Simon. Die Geschwister spielen nur eine Nebenrolle, ebenso das Hause Featherington, die Queen kommt gar nicht vor. Viele Konflikte wurden gestrichen. Das fand ich schade, aber verständlich. Immerhin kann ein Buch ja nicht zehntausend Seiten lang sein.

Daphne und Simon wirkten hier auf mich leider eher eindimensional. Sie haben kaum Tiefe und konnten mich nicht überraschen. Gerade bei Simon gab es meiner Meinung nach viel verschwendetes Potential.

[SPOILER FÜR BUCH UND SERIE!]

Triggerwarnung: Sexuelle Gewalt

Viele gute Szenen der Serie waren, wie gesagt, kein Teil des Buches. Eine Szene, die ich schon in der Serie problematisch fand, wurde aber auch hier ausführlich beschrieben. Daphne zwingt Simon dazu, sie zu schwängern. Obwohl er "Nein" sagt, obwohl er deutlich klarmacht, dass er das nicht will. Im Buch ist Simon auch noch betrunken und damit nicht in der Lage dazu, sich gegen Daphne zu wehren. Das fand ich schrecklich, vor allem, dass das quasi mit einem Achselzucken abgetan wurde. Das hätte man meiner Meinung nach gerade im Buch ordentlich thematisieren müssen.

[SPOILER ENDE]

Mein Fazit? Konnte mit der Serie leider nicht mithalten. Schade.

Samstag, 12. Dezember 2020

Die Romanfabrik von Paris

 Autor: Dirk Husemann
Erschienen am 30.10.2020
Im Lübbe Verlag
ISBN: 9783404183111
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Dirk Husemann, Jahrgang 1965, gräbt als Wissenschaftsjournalist und Archäologe Geschichten aus. Er studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie in Münster und schreibt Reportagen und Sachbücher über die älteste Stadt der Welt in Syrien, das wahre Alter der Neandertaler oder Fleischdoping bei den antiken Olympischen Spielen. Sein Debütroman "Ein Elefant für Karl den Großen" wurde in fünf Sprachen übersetzt."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Paris 1850. In der Romanfabrik von Alexandre Dumas schreiben siebzig Angestellte die beliebten Folgen von Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo, die als Fortsetzungsgeschichten die Zeitungsleser begeistern. Doch im jüngsten Werk ist etwas faul zwischen den Zeilen, denn es ist gespickt mit Staatsgeheimnissen. Um seinen Ruf zu retten, muss sich Dumas ausgerechnet mit seiner größten Kritikerin verbünden: der deutschen Lehrerin Anna Moll, die ihn wegen freizügiger Texte angezeigt hat."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Dieses Buch wollte ich vor allem deswegen lesen, weil ich ja, wie ihr alle wisst, ein totaler Literaturnerd bin. Wenn irgendein Buch von berühmten Autoren oder berühmten Büchern oder von Autoren und Büchern im Allgemeinen handelt, dann bin ich mit am Start. Da denk ich dann kein zweites Mal nach. So auch bei diesem Buch. Von Alexandre Dumas selbst hab ich noch nichts gelesen, allerdings weiß ich so ungefähr, worum es bei "Die drei Musketiere" so geht.

In diesem Roman geht es um die Abenteuer des (fiktionalen) Alexandre Dumas. Er ist Frauenheld, Autor, Herausgeber einer Zeitung, schuldet so ziemlich jedem Menschen in Paris Geld und hält sich trotzdem selbst für den Allergrößten. Besonders beliebt bei seinen Zeitgenossen ist er nicht - am allerwenigsten aber mag ihn die Lehrerin Anna. Als sie nach Paris kommt, um ihre neue Stelle bei einer reichen Familie anzutreten, kommt sie zum ersten Mal mit Dumas Texten in Berührung. Und sofort ist sie davon überzeugt, dass dieser Mann gestoppt werden muss. Immerhin werden seine Texte von Kindern gelesen, dabei sind die nicht wirklich jugendfrei. Also tut sie, was getan werden muss: Sie zeigt ihn an. Unwissend, dass sie dadurch in eine Geschichte hineingezogen wird, wegen der sie durch halb Europa reisen und sich ihrer Vergangenheit stellen muss. Denn irgendwer hat Dumas Namen geklaut - und veröffentlich nun Texte in dessen Namen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von dieser Geschichte halte. Was ich sicher sagen kann, war, dass ich die Story spannend fand. Ich mochte Anna und die Abenteuer, die sie zusammen mit Dumas erlebt. Stellenweise wirkte die Handlung auf mich aber überzogen und damit auch nicht ganz glaubwürdig.

Was der Autor auf jeden Fall geschafft hat, war mich davon zu überzeugen, dass ich ganz dringend Dumas lesen muss. Ich war erst heute in der Buchhandlung und hatte "Die drei Musketiere" sogar schon in der Hand. Den Kauf hab ich dann aber doch aufgeschoben und lieber Shakespeares Sonette mitgenommen. Aber hey: Dieser Klassiker ist auf jeden Fall auf meiner Bucket List gelandet!

Mein Fazit? Sympathische Protagonisten, leider nicht immer ganz glaubwürdige Geschichte.

Freitag, 6. November 2020

Die Unschuldigen

 Autor: Michael Crummey
Erschienen am 28.8.2020
Im Eichborn Verlag
ISBN: 9783847900528
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Zum Autoren:
"Michael Crummey, geb. 1965 in Buchans (Neufundland), studierte Englisch an der Memorial University in St. John’s und der Queen’s University in Kingston, Ontario. Während seines Studiums begann er mit dem Schreiben von Gedichten. Crummey reiste und arbeitete in mehreren Ländern, bevor er sich in St. John’s, niederließ, um zu schreiben. Er ist Autor von Romanen, Gedicht- und Erzählbänden und einem Sachbuch über Neufundland."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der elfjährige Evered und seine zwei Jahre jüngere Schwester Ada wachsen unter kargen Bedingungen auf. Sie sind die Kinder von Fischern, die allein inmitten der kanadischen Wildnis leben.

Als ihre Eltern sterben, sind die Geschwister auf sich allein gestellt; sie wissen nur das von der Welt, was sie von Mutter und Vater gelernt haben. Also führen sie deren hartes Leben nach Kräften weiter. Bis die Loyalität der Geschwister auf die Probe gestellt wird und sie für ihre Zukunft kämpfen müssen."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich weiß nicht mehr, was ich von diesem Buch erwartet habe. Wahrscheinlich eine einfache Abenteuergeschichte, so wie ich sie immer schon gerne gelesen habe. So auf die Art von Robinson Crusoe. Ein/e EinzelgängerIn (oder in diesem Fall Geschwister), die sich in der Wildnis durchschlagen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Da ist dieses Buch inhaltlich zwar recht nah dran, aber es entwickelte sich dann doch eher in Richtung Coming-of-Age, was auch vollkommen okay ist.

Was dieses Buch auf jeden Fall besonders macht, ist dass wir  LeserInnen im Laufe der Geschichte immer nur genau das wissen, was auch die Geschwister selbst wissen. Das macht die Leseerfahrung auf jeden Fall ungewöhnlich. Wir wissen nicht genau, wo sich die Geschwister befinden, also auch zum Beispiel nicht das Land oder das Jahr, in dem sie leben. Ich für mich habe beschlossen, dass sie wohl zur Kolonialzeit oder kurz danach leben müssen, aber weiß ich das sicher? Nope! Ich habe keine Ahnung! Auch das Allgemeinwissen von Ava und Evered ist sehr beschränkt. Sie wissen zwar, wie sie am Leben bleiben können, haben aber zum Beispiel keine Ahnung von Religion, von ihrem eigenen Körper (Stichwort: "monatlicher Besucher" und Pubertät!) oder von Sexualität. Das ist bei den beiden wirklich, wirklich schlimm, da sie ja wirklich gar niemanden haben, der sich die Mühe machen könnte, sie aufzuklären. Nein, keine Übertreibung: Das ist verhängnisvoll! Sowieso immer und im Fall von diesen zwei noch mehr. Mir persönlich war das gerade gegen Ende dann fast zu viel Unwissenheit. Irgendwann hätte ich mir dann doch irgendeine Art von Weiterentwicklung gewünscht. Gesprächsmöglichkeiten hatten sie ja, auch mit Leuten außerhalb "ihrer" Bucht. Schade, dass das nicht genutzt wurde.

Stellenweise fand ich dieses Buch leider etwas eintönig. Die zwei leben halt einfach vor sich hin, manchmal kommt irgendwo ein Schiff oder Dinge werden durch einen Sturm zerstört, aber das wars dann auch schon. Ein wirkliches Ziel scheinen sie nicht zu haben. Klar, sie sollten überleben, doch so wirklich als Problem schienen sie das nicht anzusehen.

Mein Fazit? Ich fand den Schreibstil sehr interessant, dass wir LeserInnen also wirklich nur das wissen, was auch die Geschwister wissen können. Inhaltlich fehlte mir aber, dass sich die zwei Protagonisten weiterentwickeln.

Freitag, 25. September 2020

Das Museum der unerfüllten Versprechen

 Autorin: Elizabeth Buchan
Erschienen am 31.8.2020
Im Pendo Verlag
ISBN: 9783866124691
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag
Zur Autorin:
"Elizabeth Buchan lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in London. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Verlagsbranche und schrieb eine Beatrix-Potter-Biographie für Kinder sowie bislang neun Romane für Erwachsene. Auf deutsch erschienen zuletzt »Im Zwiespalt des Lebens«, »Ein gewisses Alter« und »Rosen für die zweite Frau«."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"In ihrem neuen Roman erzählt Elizabeth Buchan von einem besonderen Ort voller Wunder und Traurigkeit, Hoffnung und Verlust: »Das Museum der unerfüllten Versprechen«. Auf zwei Zeitebenen und in zwei atmosphärischen Städten – das Paris der Gegenwart und Prag in den 80er-Jahren – entfaltet sich die Geschichte einer zarten und zugleich gefährlichen Liebe und einer bewegenden inneren Reise.

Mitten in Paris befindet sich ein außergewöhnliches Museum, das Museum der unerfüllten Versprechen. Jedes seiner Ausstellungsstücke – eine leere Keksdose, ein Zugticket, ein Babyschuh – steht für einen Moment voller Trauer und Verrat. Doch wer hier einen Gegenstand abgibt, macht sich damit frei von den Dämonen der Vergangenheit. Auch Laure, die Besitzerin des Museums, hofft auf diesen befreienden Effekt. Unter den Exponaten sind Zeugnisse ihrer eigenen Jugend. Sie führen ins Prag des Jahres 1985, wo Laure als Au-pair gearbeitet hat. Als sie sich in einen rebellischen jungen Musiker verliebt, hat das schreckliche Konsequenzen. Denn das Leben hinter dem Eisernen Vorhang ist kompliziert – und Gefahr lauert überall."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Mein Gott, ich denke ich habe bisher keinen Buchtitel so oft durcheinander gebracht wie diesen hier. Das Museum der unerfüllten Wünsche? Das Museum der erfüllten Versprechen? Das überfüllte Museum der Versprechen? Keine Ahnung warum ich ausgerechnet mit diesem Buch solche Probleme habe - normalerweise merke ich mir Buchtitel extrem schnell.

Das hört sich jetzt fast ein bisschen ironisch an, aber meiner Meinung nach hat dieses Buch sein Versprechen an mich als Leserin gebrochen. Ich habe mir von diesem Buch eine melancholische Geschichte gewünscht, im Mittelpunkt natürlich das Museum, mit einer schrecklich traurigen Liebesgeschichte und viel Spannung. Bekommen habe ich das nicht, leider. Diese Geschichte wird aus der Sicht der jungen und der älteren Laure erzählt. Die junge Laure arbeitet im Prag des Jahres 1985 und trifft dort einen aufrührerischen Musiker. Sie ist vorlaut und ein bisschen naiv und unvorsichtig und bringt sich damit ständig selbst in Gefahr. Die ältere Laure wohnt in Paris und hat dort ein Museum eröffnet in der sie Gegenstände ausstellt, die von unerfüllten Versprechen berichten. Sie ist glücklich damit, auch wenn die Ereignisse ihrer Jugend sie nie ganz losgelassen haben. Und damit wäre sowohl die junge als auch die alte Laure eine großartige Figur, mit der man zumindest in der Theorie total mitfiebern könnte. In der Praxis hat das nicht ganz geklappt. Viele der Situationen, in denen Laure landet, könnten total spannend und schockierend sein. Das waren sie aber leider nicht so ganz. Im Gegenteil: Leider kam das ganze Buch über nie so richtig Spannung auf und stellenweise habe ich mich sogar richtig gelangweilt. Ich denke der Grund dafür war vor allem, dass das mit dem Spannungsaufbau nicht so ganz geklappt hat. Es wirkte einfach bis zu den letzten Seiten des Buches so, als würde ich gerade die Einleitung des Buches lesen. Vieles wurde erklärt, anstatt es mich miterleben zu lassen, zu allem, das beschrieben wird, herrschte so eine komische Distanz.

Was mich ebenfalls etwas gestört hat, war, dass das Museum selbst eigentlich nur eine Nebenrolle spielt. Das fand ich sehr überraschend, da das Museum ja dem Buch seinen Namen gibt, der Klappentext hauptsächlich davon handelt und auch das Cover darauf anspielt. Da war es dann doch enttäuschend, dass das Museum eigentlich nur am Rande behandelt wurde.

Leider konnte da dann auch der Schreibstil nichts mehr retten. Was klar wurde, war, dass hier jemand mit einem guten Sprachgefühl schreibt. Allerdings reicht das halt leider oft nicht aus - auch in diesem Fall nicht.

Mein Fazit? Leider hat mich dieses Buch dann doch eher enttäuscht. 

Freitag, 27. März 2020

The Doll Factory

Autorin: Elizabeth Macneal
Erschienen am 27.3.2020
Im Eichborn Verlag
ISBN: 9783847900436
Rezensionsexemplar: Ja


Quelle: Verlag

Zur Autorin:
"Elizabeth Macneal stammt aus Schottland und lebt in London. Sie ist Autorin und Töpferin. Die Puppenfabrik ist ihr erster Roman und sprang direkt in der ersten Erscheinungswoche auf Platz 6 der britischen Bestsellerliste."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"London, 1850. Iris schuftet unter harten Bedingungen in einer Puppenmanufaktur, doch heimlich malt sie Bilder und träumt von einem Dasein als Künstlerin. Als sie für den Maler Louis Frost Modell stehen soll und von ihm unterrichtet wird, eröffnet sich ihr eine völlig neue Welt: Künstlerische Meisterschaft, persönliche Entfaltung und die Liebe zu Louis stellen ihr Leben auf den Kopf. Sie ahnt jedoch nicht, dass sie einen heimlichen Verehrer hat. Einen Verehrer, der seinen ganz eigenen, dunklen Plan verfolgt."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ui, ich warte jetzt schon seit Ewigkeiten darauf, dieses Buch rezensieren zu dürfen. Ich hatte dieses Buch eigentlich schon seit Ende Dezember daheim, aber ich darf die Rezi erst ab Erscheinungstermin hochladen. Das ist Folter! Ich hab mich gezwungen, dieses Buch wirklich erst Ende Februar zu lesen, damit die Rezi dann nicht in bei meinen Entwürfen versauert.

Bei diesem Buch möchte ich zuerst etwas besprechen, das ich sonst eigentlich nie anspreche: Das Design. Seht ihr das Cover? Es ist so, so, so viel schöner im echten Leben! Es ist eines der schönsten Cover, die ich je gesehen habe. Einfach nur unglaublich hübsch! Das gesamte Buch ist in blau gehalten, inklusive dem Buchbändchen und den kleinen Symbolen, zwischen den Absätzen. Letztere sehen aber nur bei einem speziellen Licht blau aus, sonst sind sie schwarz. Das Buch liegt toll in der Hand und es macht richtig Spaß, es anzufassen, weil es sich so unglaublich gut anfühlt. So macht Lesen Spaß!

In diesem Buch gibt es zwei Protagonisten. Iris ist eine junge Frau, die in einer Puppenfabrik die Gesichter bemalen muss. Ihre Zwillingsschwester Rose ist für das Nähen der Kleider zuständig. Iris ist nicht wirklich zufrieden mit ihrem Leben, was ich verstehe. Ihr Traum ist es, zu malen, doch von ihrer Familie wird das nicht wirklich gerne gesehen. Außerdem versteht sie sich mit ihrer Schwester nicht mehr so gut, wie früher mal. Früher waren sich die zwei richtig nahe, doch dann wurde das Gesicht von Rose durch eine Krankheit entstellt und seitdem ist zwischen den beiden nichts mehr so, wie es einmal war. Doch plötzlich trifft sie den Künstler Louis, der ihr anbietet, ihr Unterricht im Malen zu geben, wenn sie für ihn Modell steht. Vergesst nicht, wir befinden uns im London von 1850! Damals war das fast schon Prostitution und würde eine große Schande für eine junge Frau wie Iris bedeuten... Iris fand ich einfach nur cool! Sie macht in diesem Buch eine totale Wandlung durch, die ich total fasziniert verfolgt habe.
Doch nicht nur Louis sieht in Iris mehr als nur eine gewöhnliche Puppenmacherin. Auch Silas, der Kunst aus toten Tieren macht, ist von ihr fasziniert... Über ihn will ich eigentlich gar nicht reden. Sonst würde ich eigentlich schon zu viel verraten. Nur so viel: Was zur Hölle! Auch hier gibt es eine unglaubliche Änderung des Charakters und irgendwann wollte ich wirklich nur noch schreien. Und ja, das ist positiv gemeint.

Die Geschichte war wunderschön! Ich lese eigentlich nicht so viele historische Romane, doch dieser hier hat mich fasziniert. Ich konnte das Buch keine Sekunde mehr aus der Hand legen. Die Geschichte war einfach großartig: Wunderschön und trotzdem voll Spannung!

Auch der Schreibstil war göttlich! Ich hab den Roman verschlungen und sogar eine schlechtere Note bei einer Prüfung riskiert, weil ich gelesen habe, statt zu lernen. (Ich hab trotzdem eine Drei bekommen. Und was besseres wäre es bei diesen Fragen wohl auch nicht gewesen, wenn ich diesen Nachmittag noch zusätzlich gelernt hätte).

Mein Fazit? Absolut empfehlenswert. Ein wunderschöner historischer Roman mit gefährlich großem Suchtpotential!