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Mittwoch, 25. Februar 2026

Cultish

 

Quelle: Verlag

Amanda Montell sagt euch vielleicht aktuell noch nicht so viel, ich kenne den Namen aber ohne Übertreibung schon seit mindestens zwei Jahren. Immerhin bin ich Hörerin ihrer Podcasts "Sounds Like a Cult" und "Magical Overthinkers". Und wie ihr, wenn ihr die Autorin googelt, sehen werdet: Zu beiden Podcasts gibt es Bücher. Einerseits eben "Cultish", aber auch "The Age of Magical Overthinking", das ich letztes Jahr gelesen, aber scheinbar nicht rezensiert habe, weil einfach viel zu viel los war. Nur zu ihrem dritten Buch, "Wordslut", ist mir bisher noch kein Podcast untergekommen. Würde ich aber wohl ebenfalls hören, falls er irgendwann auftauchen sollte. 

Wenn ihr ähnlich drauf seid wie ich noch vor ein paar Jahren, dann seid ihr wahrscheinlich überzeugt davon, dass ihr NIE auf einen Kult oder eine sektenhafte Gruppe reinfallen könntet. NIE. Ihr seid viel zu intelligent dafür, zu stabil und natürlich durchschaut ihr Tricks wie Gehirnwäsche (die es übrigens gar nicht gibt, wie man in diesem Buch erfährt) sofort! Natürlich! Aber: Menschen sind Rudeltiere. Wir brauchen Gemeinschaft, um ein glückliches und gesundes Leben führen zu können. Egal ob Fußballverein, Politik oder Religionsgemeinschaft: Menschen gründen Gruppen. In vielen Fällen sind diese Gruppen harmlos. In anderen Fällen weniger. Aber wohl jeder von uns ist Teil von verschiedenen Gruppen. Buchclub. Theatergruppe. Chor. Pen-and-Paper-Rollenspiel-Gruppe. Tanzverein. Kampfsportverein. Um nur ein paar zu nennen, in denen ich Mitglied bin oder in meinem Leben schon Mitglied war. Gruppen gehören dazu und wer zu keiner einzigen Gruppe gehört, führt wohl ein ziemlich einsames Leben. Aber natürlich kann fast jede Gruppe irgendwann auch kippen und extrem werden.

Zusammen mit Amanda Montell tauchen wir in diesem Buch ein in die Welt der Kulte. Sie erzählt fesselnd davon, was einen Kult eigentlich zu einem Kult macht, wie man einen Kult als solchen erkennt und ab wann dieser gefährlich wird. Den Fokus legt die Linguistin dabei natürlich auf die exklusive Sprache, die die Gruppe von Außenstehende abgrenzt. Doch auch für Nicht-Sprachwissenschaftler*innen ist dieses Buch eine interessante Lektüre: Wir begegnen hier Tragödien wie „Jonestown“ oder „Heavens Gate“, beschäftigen uns mit Multi-Level-Marketingstrategien und mit Sporttrends.

Mein Fazit? Ein echtes Must-Read! Und hört euch verdammt nochmal den Podcast der Autorin an!

Mittwoch, 20. August 2025

Digitale Diagnosen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

So, nachdem ich mir für meinen Umzug und danach aus gesundheitlichen Gründen eine kleine Auszeit von der Online-Welt genommen habe, bin ich nun zurück - und werde es hoffentlich schaffen, jetzt wieder ein bisschen regelmäßiger zu posten.

Natürlich war ich aber als reine Konsumentin nicht komplett offline. Wie wahrscheinlich alle anderen Menschen auch verbringe ich trotzdem zu viel Zeit auf Social Media und generell online. Und auch, wenn ich versuche, dort hauptsächlich Buch- und Autorinnencontent zu konsumieren, klappt das nicht immer. Hin und wieder postet mal wer aus dieser Blase was über andere Themen und wenn ich das dann like, wird natürlich mehr dazu angezeigt. Und so wurde ich irgendwann auch auf das Phänomen der Mental-Health-Seite von Instagram und co. aufmerksam. Und ich sags euch, Leute: Da gehts ab! Zeit- und Stressmanagement sowie allgemeine Mental Health Themen sind da noch die Spitze des Eisberges. Darunter? ADHS, Autismus, OCD, Dissoziative Persönlichkeitsstörungen ... mir war gar nicht so bewusst, wie viele Erkrankungen es so gibt. 

Als dann das Buch "Digitale Diagnosen" erschien, wusste ich direkt, dass ich es lesen möchte. Online sind psychische, aber auch körperliche Diagnosen und Gesundheit generell ein großes Thema, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Und natürlich habe auch ich mitbekommen, dass es scheinbar immer mehr Selbstdiagnosen gibt, die ohne die Bestätigung von Ärzten aufgestellt werden. Was ich hier gar nicht wirklich verurteilen möchte. Medical Gaslighting existiert leider, Ärzt:innen stehen oft unter viel Zeitdruck und Wartelisten bei Expert:innen sind oft sehr lang, wenn man nicht grade die Ressourcen hat, um auf eine private Versorgung auszuweichen. Gerade war der Mangel an Therapieplätzen für Kinder- und Jugendliche ja wieder ein Thema in den Nachrichten - kann man da wirklich Leute verurteilen, die sich selbst auf die Suche nach Antworten und Strategien machen?

Schärfer verurteilen muss ich das große Misstrauen gegenüber der Schulmedizin, die meiner Erfahrung nach oft mit diesem Thema einhergeht. Leute, nur weil ihr in der Lage dazu seid, ein paar Stichworte zu googeln oder (noch schlimmer!) in eine KI einzugeben, macht euch das nicht zu Mediziner:innen. Nur weil euch eine Strategie geholfen habt, seid ihr nicht Expert:innen. Ihr seid einfach nur Menschen, die mit dieser Erkrankung leben müssen, und vielleicht nicht mal das, weil ihr nämlich keine Mediziner:innen seid und euch deswegen vielleicht sogar mit der falschen Krankheit diagnostiziert habt. Und das kennen wir wohl wirklich alle, nicht mal unbedingt nur auf psychische Erkrankungen begrenzt. Schnell mal Symptome gegoogelt und schon befürchtet man einen Hirntumor (ich zumindest!). Ich saß zum Beispiel auch erst vor Kurzem beim Arzt, weil ich nach einen Vitamin-Mangel bei mir vermutet habe. Hatte ich auch. Aber dazu halt auch eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die wahrscheinlich die Mängel erst verursacht hat und in einem frühen Stadium oft mit recht ähnlichen Symptomen kommt. Hätte ich einfach selbständig mit der Behandlung begonnen (Vitaminpräparate gibt es ja wirklich überall zu kaufen!), wäre diese Erkrankung weiter unter dem Radar geflogen und hätte wohl immer weiter Symptome verursacht - und das hätte sehr hässlich enden können. Deswegen: Wenn es euch nicht gut geht, dann geht zur Ärztin oder zum Arzt. Egal, ob das jetzt euren Körper oder eure Psyche betrifft. Und geht zur verdammten Vorsorge. Aber googelt eure Symptome nicht, postet sie nicht in Foren für Betroffene von bestimmten Krankheiten und dichtet euch doch bitte nicht selbst irgendwelche Krankheiten an. Die allermeisten von euch sind nicht aus der Medizin und können eure Vermutungen nicht von anderen Diagnosen mit ähnlichen Symptomen abgrenzen! Dafür fehlt euch nicht nur das Wissen, sondern auch die Werkzeuge - oder habt ihr ein verdammtes Ultraschallgerät daheim rumliegen? Oder die Tools für verlässliche Bluttests?  

Dass eine Selbstdiagnose oft falsch und teils sogar richtig gefährlich sein kann, dürfte den meisten Leuten klar sein. Aber warum finden sich dann online trotzdem so viele Personen, die sich selbst irgendwelche Krankheiten andichten? Wie ist dieser "Trend" entstanden? Die Autorin bietet mögliche Antworten auf diese Fragen und beleuchtet das Phänomen der Selbstdiagnose aus kultureller, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. Dadurch entsteht ein vielfältigeres Bild von diesem Phänomen als ich es persönlich erwartet hätte - und durch dieses Buch verstehe ich jetzt diese Entwicklung jetzt etwas besser. 

Beschrieben wird all das auf sehr spannende Art. Die Autorin beschreibt all die Aspekte, die hier mit rein spielen und das, ohne die Menschen zu verurteilen, die sich selbst diagnostizieren. Trotzdem wird auch ganz klar deutlich gemacht, warum eine nicht von einer Ärztin bestätigte Diagnose problematisch und gefährlich sein kann.

Mein Fazit? Ein großartiges Buch durch das ich viel Neues lernen durfte. Großartig!

Sonntag, 2. März 2025

Eine kurze Geschichte queerer Frauen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Erst vor wenigen Wochen durfte ich mich wieder über ein Rezensenten-Paket von Lovelybooks freuen. Das Team dort ist einfach gewaltig und belohnt uns für unsere Leseempfehlungen fürstlich mit neuem Lesestoff. Dass ich diese Aufgabe auch ohne Buchpakete übernehmen würde, sage ich lieber nicht zu laut. Auf jeden Fall war in diesem Paket auch "Eine kurze Geschichte queerer Frauen" mit drin. Eine Lektüre, die mich bald neugierig machte. Ich hatte ja erst im Dezember "Wir waren Sappho" beendet, also war ich gespannt, ob es hier neue Gesichter geben würde und vor allem auch, wie hier der Stil ausfallen würde. "Wir waren Sappho" war ja fast schon poetisch.

Gleich zu Beginn die ganz große positive Überraschung: Die Autorin hat Humor! Das bin ich gerade von geschichtlichen Büchern nicht gewohnt. Ich war mir sicher, dass das hier eine eher trockene Lektüre sein würde, hier also plötzlich so einige Scherze zu finden, war schön. Ob jeder der Witze bei mir persönlich gelandet ist, ist wieder eine andere Frage, aber who cares? Ich habe mich gut amüsiert.

In diesem Büchlein findet ihr verschiedene queere Frauen (oder Personen, die man damals Frauen nannte, auch wenn sie sich heute vielleicht als trans oder nicht-binär bezeichnen würden). Neben den üblichen Kandidaten wie Sappho oder Virginia Woolf durfte ich hier auch Frauen kennenlernen, die mir vor der Lektüre nichts sagten oder die mir zumindest nie in diesem Kontext begegnet waren. So waren mir Hildegard von Bingen und Anne Frank natürlich ein Begriff, von ihrer Queerness wusste ich aber bis zur Lektüre hier noch nichts. Und ich schäme mich fast schon, zuzugeben, dass ich Marsha P. Johnson und Stormé DeLarverie nicht kannte, die beide total wichtige Figuren beim Stonewall-Aufstand waren. 

Aber hier werden nicht nur die verschiedensten Persönlichkeiten abgearbeitet, sondern es geht auch um vieles Drumherum: Um Proteste und um AIDS genauso wie um Lederdildos, Frauenfußball und natürlich um das Patriarchat und um Heteronormativität (das bedeutet, das wir dazu erzogen werden, davon auszugehen, dass wir und alle um uns herum hetero sind.). Dabei ist der Schreibstil der Autorin spannend wie bei einem Krimi. Zumindest bei mir weckte diese Lektüre die Lust, mehr über die einzelnen Personen zu erfahren und auch in den Lektüreangaben der Quellenhinweise ein bisschen zu stöbern.

Mein Fazit? Ich bin mir nicht sicher, ob ich zuvor schonmal ein so spannendes Geschichtsbuch verschlungen habe. Ganz große Empfehlung an euch!

Dienstag, 4. Februar 2025

Unlearn CO2 [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich mal wieder aus der Arbeit mitgenommen. Und nein, meinen Buchkauf-Bann habe ich damit nicht gebrochen. Erstens, weil ich das Buch ja nicht gekauft habe. Zweitens, weil dieses Buch schon 2024 bei mir daheim gelandet ist. Und heute geht die Rezension endlich online - an einem Tag, an dem Tempo 150 auf den Österreichischen Autobahnen diskutiert wurde. So, und jetzt wird's politisch - wer das nicht will, sollte JETZT zu einem anderen Post klicken. Für alle anderen: Hoffen wir mal, dass das nicht durchgesetzt wurde, denn WAS ZUR HÖLLE? WARUM??? Welchen Vorteil würde mir das in meinem Alltag bieten? Einmal Asthma to go? Noch mehr Vollkoffer, die von ihren eigenen Rasereien so gestresst sind, dass sie mich anhupen, wenn ich ganz normal über einen Zebrastreifen spaziere? Aber ich denke, solche Aktionen sollten uns nicht überraschen. Wird in Zukunft sicher öfter passieren. Das passiert, wenn man Parteien wählt, die den Klimawandel immer noch leugnen. Danke an die Leute, die dafür gesorgt haben, dass vor allem eine dieser Parteien in Österreich aktuell die stimmenstärkste ist. Ich hoffe, dass niemand von euch das je hier lesen wird, weil ich euch schon vor Jahren mit meinem links-grünen-Getue vergrausigt habe. Und an alle, die sich jetzt unwohl fühlen: Gut so. Ich bin heute nicht online gegangen, um gute Stimmung zu verbreiten. In unserer Welt läuft aktuell verdammt viel falsch und ja, ich weiß, dass ich als Einzelperson und auf einem Buchblog nur wenig tun kann. Aber ich kann meine Buchauswahl entsprechend anpassen und genau das tue ich gerade. Und ich kann in meinen Posts auf Themen aufmerksam machen, die mich stören. Populistische, dumme Entscheidungen oder Gedankenspiele, die auf keinerlei wissenschaftlichen Grundlage beruhen, gehören zu diesen Themen.

Nach „Unlearn Patriarchy“ und „UnlearnPatriarchy 2“ ist „Unlearn CO2“ der dritte Teil der Unlearn-Reihe. Während sich die ersten beiden Bücher mit dem Patriarchat und mit Feminismus beschäftigen, handelt dieses hier von der Klimakatastrophe. Expert*innen aus verschiedenen Fachbereichen wurden dazu eingeladen, aus dieser Perspektive über den Klimawandel zu schreiben. So finden sich hier neben den klassischen Kapiteln über die Verkehrswende und über Ernährung auch Kapitel über Mode oder Behinderung, aber auch der Erfahrungsbericht eines Mannes, der sich aus ausrangierten eBike-Akkus eine Photovoltaik-Anlage auf dem Balkon und einen Akku für den erzeugten Strom gebaut hat. Dieses Kapitel habe ich direkt für ein Familienmitglied markiert, den das ganz sicher begeistern wird. Alle der Kapitel laden dazu ein, den persönlichen Alltag und eigene Denkmuster kritisch zu hinterfragen. Und klar werden die meisten von uns nicht damit beginnen, Fahrrad-Akkus auseinanderzunehmen - aber was ist mit unserer Ernährung? Unserer Alltagsmobilität? Unsere Wahlentscheidungen, da wir mit individuellen Entscheidungen alleine keine Klimawende herbeiführen können?

Die hier verwendete Sprache ist verständlich, ein bereits vorhandenes, grundlegendes Hintergrundwissen ist trotzdem hilfreich. Zumindest fand ich das, die ja bereits zumindest ein bisschen Wissen zum Thema mitbringt. Klimawissenschaftlerin muss man aber trotzdem nicht sein - sage ich als jemand, der garantiert nichts mit Naturwissenschaften studiert hat. Dieses Buch bietet Denkanstöße in den verschiedenen Bereichen und auch in Feldern, die man im ersten Moment nicht unbedingt mit dem Kampf gegen den Klimawandel in Verbindung bringen würde. Ich habe zum Beispiel davor nie wirklich über das Thema Mode in diesem Zusammenhang nachgedacht. Ich gehe nicht gerne shoppen, egal ob online oder vor Ort, und trage daher eh alles, bis es kaputt ist. Und klar habe ich mitbekommen, dass das viele Leute nicht so machen - aber dass es so schlimm ist? Ich bin nach dem Lesen selbst ein bisschen in ein Rabbit-Hole eingetaucht und war schockiert, wie viele Hauls von Online-Billigst-Händlern ich gefunden habe, in denen Menschen kiloweise neue Kleidung präsentieren. Leute, das braucht ihr doch alles nicht! Wozu? Um online ein paar Likes zu bekommen? Durch diese Themenvielfalt schaffen es die Expert:innen, auch Verbindungen mit dem Alltag herzustellen und ich bin mir sicher, dass dieses Buch das Potential hat, ein breites Publikum anzusprechen.

Besonders glücklich macht mich, dass es dieses Buch schafft, die Notwendigkeit struktureller und gesamtgesellschaftlicher Änderungen aufzuzeigen. Wenn alle von uns weniger mit dem Auto fahren, weniger oder gar kein Fleisch mehr essen und im Sommer vielleicht mit dem Zug nach Italien statt mit dem Flugzeug nach Mallorca reisen, dann ist das natürlich toll. Aber solange das reichste 1 % der Bevölkerung so viel CO2 produziert wie die ärmsten 60 %, wird das nicht reichen. Ich wünschte es wäre anders.

Mein Fazit? Ein Buch, das zum Handeln auffordert. Kann ich euch empfehlen!

Dienstag, 17. Dezember 2024

Hoch die Hände, Klimawende [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Bald beginnt 2025 und wir haben das Problem mit dem Klimawandel immer noch nicht gelöst. Irgendwie bringen wir's einfach nicht auf die Reihe, oder? Langsam geht uns die Zeit aus, aber naja. Wir können auch gerne noch ein paar Jahre weiter nichts tun und darauf hoffen, dass uns irgendeine tolle neue Erfindung retten wird. Ist eine Möglichkeit. Aber wollen wir das wirklich? Ich weiß, dass ich lieber jetzt schon an diesem Problem arbeiten möchte.

Während meiner Schulzeit war es für uns Pflicht, jedes Jahr vor der ganzen Klasse den eigenen CO2-Fußabdruck zu präsentieren. Wir mussten unser Ergebnis analysieren und erklären, was wir im nächsten Jahr verändern wollten. Und ich weiß, warum der Lehrer wollte, dass wir das machen. Und ich halte es bis heute für sinnvoll, Kindern in der Schule ein bisschen ein Klimabewusstsein beizubringen. Doch abgesehen davon, dass der Fußabdruck an sich nicht unbedingt unproblematisch ist, hatte ich als Schülerin nicht besonders viel Macht über mein Ergebnis. Ich konnte nicht den Stromanbieter meiner Eltern wechseln, ich fuhr (oder flog) mit ihnen in den Urlaub und ich konnte auch nichts dagegen tun, dass ich jeden Tag ewig im Bus saß, was meinen Fußabdruck natürlich in die Höhe getrieben hat. Aber für diese Machtlosigkeit hatte dieser Lehrer leider kein Verständnis. Mir wäre es lieber gewesen, in dieser Zeit tatsächlich etwas über meine politischen Hebel zu lernen, über Demos und Petitionen, über strukturelle Änderungen und darüber, was ich wirklich verändern kann.

Der Autor dieses Buches hat einen ähnlichen Blick auf das Thema: Die wichtigsten Werkzeuge liegen woanders. Individuelle kleine Verzichtshandlungen können ein so großes Problem wie den Klimawandel nicht lösen. Dafür braucht es gesellschaftliche und politische Änderungen. Diese Behauptung belegt er mit verständlich erklärtem Sachwissen zum Klimawandel und den größten CO2-Verursachern. Auch spricht er darüber, wie wir andere vom Klimaschutz überzeugen können und was die wichtigsten Gründe sind, warum Leute nicht handeln. Baunach lädt dazu ein, statt einem Fußabdruck einen Handabdruck zu hinterlassen. Statt zu verzichten, motiviert er dazu, Aktionen ins Leben zu rufen, die größere Wirkungen haben als der reine Verzicht. Egal ob im familiären Kreis, am Arbeitsplatz oder in der Politik - hier gibt es sehr viele Denk- und Handlungsimpulse, um aktiv zu werden.

Dieses Buch motiviert und macht Hoffnung, ohne den Klimawandel zu verharmlosen. Egal ob neu im Thema oder FridaysForFuture-Mitglied: Dieses Buch wird euch gefallen.

Sonntag, 13. Oktober 2024

Bücher Liebe [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Mal wieder konnte ich nicht anders, als ein Buch aus dem Büro mit heim zu nehmen. Ihr habt ein neues Level an Bücherliebe erreicht, wenn ich auf die Metaebene wechselt und beginnt, Bücher über Bücher zu lesen. Ich liebe ja sowas. Bücher und alles drumherum sind meine Leidenschaft, von klein auf, also freue ich mich immer, mehr zu lernen.

Dieses Buch besteht aus unterschiedlichen Kurztexten zum Thema Bücher und Lesen. Am besten ist es wohl für Jugendliche ab 14 geeignet, aber auch für manche 12-Jährige könnte das schon passend sein. Das kommt aber natürlich auf das einzelne Kind an! Was euch diese Empfehlung auch sagen sollte? Ich bin nicht mehr ganz die Zielgruppe. Betrachtet diese Rezension also ein bisschen kritisch und denkt selbst nochmal darüber nach, ob dieses Buch euch oder euren Lieben gefallen könnte.

Hier findet ihr viele Infos über Berufe in der Buchwelt, darüber, wie Bücher eigentlich gemacht werden oder auch Anleitungen, wie man selbst mit dem Schreiben oder Bloggen beginnen kann. Man findet hier ein Kapitel über Analphabetismus oder eines über Dyslexie neben einem Interview mit einer Lektorin und einer Anleitung zum Buchbinden. Diese Mischung war einerseits super spannend, mir aber an manchen Stellen fast schon zu viel. Für mich persönlich wäre es schöner gewesen, weniger Themen zu behandeln und dafür bei diesen mehr ins Detail zu gehen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Zwischen den Kapiteln finden sich hier auch immer wieder Ausfüllseiten. Es gibt Rätsel, aber auch Listen von unseren Lieblingsbüchern oder den schönsten Wörtern. Das finde ich super! Was für mich aber nicht ganz klar wurde: Warum werden hier die Leser:innen in der zweiten Person Plural angesprochen? Das war für mich etwas irritierend, denn während dem Lesen und Ausfüllen war ich in den meisten Fällen doch alleine.

Mein Fazit? Ein schönes Geschenk für junge Buchliebhaber:innen. Hat kleine Schwächen, die aber nicht weiter stören.

Sonntag, 1. September 2024

Musterbruch. Überraschende Lösungen für wirkliche Gleichberechtigung

Autorin: Patricia Cammarata
Erschienen am 7.2.2024
Im Beltz Verlag
ISBN: 9783407867766
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Wer heute gleichberechtigt leben will, kann nicht auf die Politik von morgen warten, sondern muss selbst handeln. Doch wie macht man das, aus eingefahrenen Geschlechtermustern in Partnerschaft, Sorge- und Erwerbsarbeit ausbrechen? Die Autorin des SPIEGEL-Bestsellers »Raus aus der Mental Load Falle« und Diplompsychologin Patricia Cammarata gibt Bereitwilligen den sprichwörtlichen Vorschlaghammer in die Hand, um trotz eines nervig unbeweglichen Systems neue Wege zu ebnen. Alltagstaugliche Ideen vermitteln, wie man z.B. Verbündete findet, hartnäckige Stereotype entlarvt, Haushaltsaufgaben gerecht verteilt, richtig kommuniziert, gleich wenig arbeitet und gegen den Strich denkt. Es ist höchste Zeit, dass der Musterbruch nicht nur im Kopf, sondern endlich auch im Alltag stattfindet."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Meiner Rezension voran: Ich bin nur teilweise die Zielgruppe für dieses Buch. Zwar möchte ich früher oder später Familie, aber aktuell habe ich weder einen Partner, noch ein Kind. Das "teilweise" kommt also eigentlich nur daher, dass ich mir das für die Zukunft wünsche. Lesen wollte ich dieses Buch trotzdem - vor allem, weil mir nicht klar war, dass hier der Fokus auf dem Zusammenleben (in diesem Buch genauso wie in vielen anderen Büchern zum Thema meist zwischen Mann und Frau) in einer Partnerschaft liegt. 

Ich dachte, dass die Themen weiter gefächert sind, denn Verbündete kann man sich ja auch im Arbeitsleben suchen, Stereotypen begegne ich auch im Amt und richtige Kommunikation ist in jeder Art von Beziehung wichtig, und nicht nur in romantischen Beziehungen. Dass es hier tatsächlich um Care-Arbeit geht, wurde mir erst beim Lesen klar. Im Nachhinein lässt sich das jetzt irgendwie im Klappentext erkennen, aber vorher war das für mich nicht sichtbar. Und bitte versteht mich nicht falsch: Dieses Thema ist super wichtig! Für jede Person, nicht nur für Frauen. Wir alle sollten wissen, dass Care-Arbeit harte Arbeit ist und der Mental Load meist auf Frauen abgeladen wird. Aber ein Buch, das sich nur mit diesem Thema beschäftigt, hätte ich wohl nicht einfach so in die Hand genommen. 

Trotzdem war dieses Buch dann aber über weite Teile spannend für mich. Die Autorin hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, verschiedene konkrete Handlungsideen vorzustellen, wie Gleichberechtigung in der Partnerschaft und im Familienleben gelingen kann. Dabei überzeugt sie mit Daten und Fakten, bietet Material zum Weiterlesen auf ihrer Website an und flicht geschickt auch Erlebnisse aus dem Alltag ihrer eigenen Familie ein. All das war für mich überraschend interessant. Gut finde ich auch die kurzen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels - und die literarische Anspielung, die mich hier immer erwartete (So heißt dieser Kapitelabschnitt "des Pudels Kern").

Kritisieren möchte ich aber, dass an einer Stelle Daten mithilfe einer Instagram-Umfrage ermittelt wurden. Zwar betont die Autorin, dass diese Umfrage nicht repräsentativ ist, aber trotzdem stellten sich da bei mir die Haare auf. Denn wie die Autorin schon sagt: Das ist nicht repräsentativ. Ich verstehe, dass es zu diesem Thema noch keine Daten gab, trotzdem muss ich diese Art der Datenerhebung nicht unbedingt in einem Sachbuch sehen. 

Mein Fazit? Ganz interessant, aber auch nicht mehr. Schade.

Mittwoch, 17. Juli 2024

Immer wissen, dass man zu danken hat [Kurzrezension]

Quelle: Verlag

Jetzt ist das Eis gebrochen und ich packe mir regelmäßig Bücher von der Arbeit ein. Was nicht unbedingt ideal für meinen Stapel der Schande ist, aaaaaber ich gebe mir Mühe, dass ich nicht übertreibe. Auf dieses Buch wurde ich neugierig, weil es hier um Franz Kafka geht. Jap, das war mein Gedankenprozess: "Ooooooh, Kafka!" Wie Kafka irgendwas mit Kindern am Hut haben kann, war mir zwar nicht ganz klar, aber ich war bereit dazu, mich überraschen zu lassen und noch was Neues über diesen Autoren zu lernen. Auch wenn ich nicht viel mehr erwartet hatte, als vielleicht diese Geschichte von Kafka und der verlorenen Puppe, die sich auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie ein Lauffeuer verbreitet. 

Joa, und hier sind wir schon am ersten Punkt, den ich hier gelernt habe: Die Geschichte, wie sie online so gerne geteilt und inzwischen sogar in Kinderbüchern verbreitet wird, stimmt so nicht ganz. Wie das eigentlich abgelaufen ist, könnt ihr entweder im Originaltext von Kafkas letzter Lebensgefährtin Dora Diamant nachlesen oder in diesem Büchlein. 

Auf diese und andere Geschichten, Gerüchte und auf verschiedene Fragen geht die Autorin mithilfe von vielen Textausschnitten und Zitaten von und über Kafka ein. Anschließend kontextualisiert sie diese in einem längeren Fließtext. Fließtext und Zitate werden durch eine unterschiedliche Schriftfarbe von einander abgehoben: Der Fließtext ist schwarz, die Zitate sind blau. An sich halte ich diese Abgrenzung für eine gute Idee und für sehr hilfreich – in der Praxis ist aber der Unterschied gerade bei schlechterem Licht oder dem Licht einer Nachtischlampe kaum zu erkennen. Zumindest für mich. Kann natürlich auch einfach an meinen schlechten Augen liegen, who knows?

Überraschend war für mich das bunte und verspielte Design. Das habe ich von einem Buch über Kafka nicht erwartet. Alles, was von dem Typen handelt oder von ihm geschrieben wurde, wird ja heute am liebsten in sehr dunklen Farben gedruckt, am liebsten mit Ungeziefer drauf, egal ob es tatsächlich um "Die Verwandlung" oder den "Bau" geht oder nicht. Da war das mal eine nette Abwechslung.

Wer dieses Buch lesen möchte, sollte ein gewisses Grundwissen über Franz Kafka mitbringen. Der Text ist trotzdem gut verständlich, aber bei einem so kurzem Buch kann natürlich nicht auf jedes Detail aus Kafkas Leben eingegangen werden.

Mein Fazit? Ein nettes Fachbuch für Zwischendurch!

Mittwoch, 22. Mai 2024

Scheiß auf Selflove, gib mir Klassenkampf [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wenn ihr diesen Blog lest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihr ähnlich denkt wie ich, und in der ersten Sekunde total verwirrt von diesem Titel sind. Wie sollen denn bitte Selflove und Klassenkampf zusammenhängen? Aber naja, um uns diesen Zusammenhang zu erklären, dafür ist ja Jean-Philippe Kindler da. Er erklärt hier, warum der aktuelle Trend rund um Selflove ein Zeichen dafür ist, dass der Klassenkampf schon lange überfällig ist. Anschließend geht er auch noch auf andere Bereiche unseres Lebens ein und stellt die Frage: Wo zeigt sich das noch? Dabei geht er auf viele interessante Punkte ein und zeigt so, wie ein neuer Klassenkampf die Situation für uns alle verbessern würde.

Ich persönlich war bis zum Ende etwas verwirrt, wie ein Klassenkampf denn nun wirklich aussehen würde. Ich höre dieses Schlagwort aktuell immer und immer wieder - aber weiß bis heute nicht, was ich mir darunter vorstellen kann. Auch dieses Buch konnte diese Frage leider nicht klären.

Ich stimme dem Autoren sicher nicht in jedem Detail seiner Argumentation zu. Aber: Er spricht viele wichtige Punkte an, argumentiert gut und ich kann seine große Message unterstützen. Ich kann mir zwar (wie so viele von uns) keine Alternative zum Kapitalismus vorstellen, aber das hängt wahrscheinlich eher damit zusammen, dass ich halt in diesem System aufgewachsen bin und darin lebe. Das geht sicher den meisten von uns so. Trotzdem kann der Kapitalismus nicht unsere beste oder sogar unsere einzige Option sein. Dieses System basiert auf der Ausbeutung von Menschen und der Natur. Das darf nicht unsere beste Option sein. Daran will ich einfach nicht glauben.

Mein Fazit? Ein interessanter Essay, den ich gerne gehört habe.

Dienstag, 21. Mai 2024

Die Story.One-Bestsellerformel [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss, war allen klar, oder? Immerhin habe ich mit StoryOne mein erstes Buch veröffentlicht und war damit der Anfang meines Lebens als Autorin. Als dieser Ratgeber also den Autor:innen der Plattform kostenlos angeboten wurde, musste ich mir dieses Buch natürlich sofort runterladen.

Sprechen wir vielleicht zu Beginn von den Erwartungen, die ich an dieses Buch hatte. Der Titel und der Klappentext ließen mich hoffen, dass es hier ein paar Schreibtipps oder wichtige Hinweise bezüglich Inhalt und Stil gibt. StoryOne hat einen wirklich gut dotierten Preis für junge Autor:innen, nämlich den YSA, und ich hätte es sehr spannend gefunden, zu lesen, worauf denn auf inhaltlicher oder stilistischer Ebene wirklich Wert gelegt wird. Gleichzeitig musste ich meine Erwartungen aber sofort zügeln, denn das besondere StoryOne-Format - jedes Kapitel ist exakt drei Seiten lang - ist für Ratgeber und Sachbücher kein einfaches. Besonders ins Detail gehen, kann man da sicher nicht.

Der erste Punkt, der mir beim Lesen auffiel, war die Sprache, die hier verwendet wurde: Der Titel und der Klappentext dieses Buches sind beide auf Deutsch. Der Fließtext im Buch ist aber in Englisch geschrieben. Das hat mich gerade zu Beginn unglaublich verwirren - denn ganz ehrlich: Das darf nicht passieren. Scheinbar gibt es auch eine deutsche Version (zumindest behauptet das eine andere Autorin im Autor:innenchat), aber die habe ich auf der StoryOne-Seite selbst bisher nicht gefunden. Schade, dass das beim Download nicht entsprechend gekennzeichnet wurde. Ich habe keine Probleme mit Büchern auf Englisch, aber das ist leider keine Fähigkeit, die man einfach voraussetzen kann.

Ins Auge gestochen ist mir leider auch die Eigenwerbung, die in diesem Buch eine große Rolle spielte. Das hat mich nicht wirklich überrascht - immerhin befindet sich StoryOne bereits im Titel - dieses Buch las sich dann aber leider doch eher wie eine fast 80 Seiten lange Werbebotschaft, und nicht wie ein wirklicher Schreibratgeber. Wenn ihr also diesen Ratgeber lesen möchtet, dann bereitet euch darauf vor.

Überrascht hat mich, dass das typische StoryOne-Format, mit dem viele Autor:innen in meiner Umgebung zu kämpfen hatten, hier nicht eingehalten wurde. Ein StoryOne-Buch hat Kapitel, die immer exakt drei Seiten lang sind. Es gibt da nicht viel Spielraum, die Kapitel müssen (oder mussten im Juli und August 2023 und auch noch im Dezember 2023, als ich das letzte Mal online war) exakt drei Seiten lang sein, nicht kürzer, nicht länger. Lasst mich bitte wissen, falls sich das inzwischen geändert hat, auf einen ersten Blick konnte ich diese Änderung aber online nicht entdecken. Es spricht meiner Meinung nach nicht unbedingt für diese strenge Regelung, wenn diese hier nicht eingehalten wird oder vielleicht sogar nicht eingehalten werden kann. Denn warum müssen sich denn alle anderen Autor:innen daran halten, wenn es technisch doch scheinbar kein Problem ist, auch längere Kapitel zu verfassen?

Vielleicht spricht hier die brave Studentin aus mir, die auch in ihrer Freizeit wissenschaftliche Artikel liest. Was mir hier gefehlt hat, sind Belege und Quellen zu den verschiedenen Behauptungen und "Fakten". Unter Anführungszeichen, denn sind es wirklich Fakten, wenn sie nicht belegt werden? Sind es wirklich Fakten, wenn sie stark vereinfacht werden müssen? Vor allem in Sachbüchern und Ratgebern ist mir das wichtig, denn es gibt so viel Fake News in der Welt, dass mir eine ordentliche Zitier-Kultur immer wichtiger wird. Und teils sind die "Fakten", auf die man sich hier bezieht, leider eben auch sehr vereinfacht, wie zum Beispiel die Aufmerksamkeitsspanne, über die hier immer wieder geschrieben wird.

In diesem Buch werden so gut wie alle Themen des Veröffentlichens behandelt - Cover, Elevator-Pitch, Autor:innenbio - außer das Schreiben an sich. Es gibt hier nicht wirklich Informationen zum Thema Schreiben, Stil oder Inhalt. Ein paar Phrasen, die ich schon eine Millionen Mal gelesen habe, aber das wars auch schon. Und ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass diese anderen Themen wichtig sind, aber sie sind nicht das, was ich von einem Schreibratgeber mit diesem Klappentext erwartet hätte. Einige der Kapitel wirkten zusätzlich leider wie Platzhalter. So zum Beispiel auch das Kapitel über Reichweite, vor allem auf Social Media. Klar ist auch das ein an sich wichtiges und interessantes Thema, doch dieses Kapitel war leider absolut nichtssagend und blieb zu sehr in der Theorie verhaftet. 

Mein Fazit? Schade, aber dieses Buch hat mir keinerlei neue Informationen gebracht und weißt leider einige gröbere Mängel auf.

Freitag, 29. März 2024

Beklaute Frauen [Buch und Hörbuch]

 Autorin: Leonie Schöler
Gesprochen von Felicity Grist
Erschienen am 28.2.2024
Im Penguin Verlag (Buch) bzw. im Lagato Verlag (Hörbuch)
ISBN Buch: 9783328603238
ISBN Hörbuch: 9783955672560
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm bekamen

Muse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Für deren Leistungen Männer die Auszeichnungen und den Beifall bekamen: Wissenschaftlerinnen, deren Errungenschaften, im Gegensatz zu denen ihrer männlichen Kollegen, nicht anerkannt wurden. Autorinnen, die sich hinter männlichen Pseudonymen versteckten. Oder Künstlerinnen, die im Schatten ihrer Ehemänner in Vergessenheit geraten sind. Lebendig und unterhaltsam erzählt die Historikerin Leonie Schöler ihre Geschichten, sie zeigt, wer die Frauen sind, die unsere Gesellschaft bis heute wirklich vorangebracht haben. Und sie verdeutlicht, wie wichtig die Diskussion um Teilhabe und Sichtbarkeit ist. Dabei wird klar: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein System, das ihn bestärkt; vor allen anderen steht ein System, das sie aufhält."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Hier habe ich endlich mal etwas ausprobiert, das ich schon öfters bei anderen Blogger:innen beobachtet habe: Ich habe das Hörbuch angehört und simultan dazu das Buch gelesen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert sehr gut. Das werde ich in Zukunft ganz sicher öfter machen. Ich hatte plötzlich gar keine Probleme mehr, mit den Gedanken beim Text zu bleiben und fand es um einiges weniger anstrengend, zu lesen. Was auch bedeutet hat, dass ich teils 100 Seiten in einer Sitzung lesen konnte, ohne danach komplett kaputt zu sein. Und, ein Funfact, den ich dank diesem Experiment jetzt kenne: Die angenehmste Hörbuchgeschwindigkeit für mich, wenn ich parallel dazu lesen möchte, ist 2,5. Insgesamt also: 10 von 10 Punkten, werde ich definitiv in Zukunft öfter machen. Wozu hat man denn ein Hörbuchabo?

Jetzt aber endlich zum Buch. In "Beklaute Frauen" geht es - wie der Titel bereits vermuten lässt - um Frauen, denen in der Geschichte nicht die Wichtigkeit zuerkannt wird, die sie verdient hätten. Und meist waren daran die Männer Schuld, die sie um sich hatten. Ehemänner, Arbeitskollegen, Künstlerkollegen,... Dieses Buch hat mich unglaublich wütend gemacht. Ganz ehrlich? Es ist nicht so besonders schwierig, sich nicht die Leistungen anderer Menschen selbst zuzuschreiben und sich Erfolge selbst zu arbeiten. Seriously, wie kommt man überhaupt auf die Idee, zum Beispiel ins Büro der Arbeitskollegin einzubrechen, um ihre Notizen zu stehlen und anschließend sogar in der eigenen Autobiographie damit zu prahlen, dass man sich den Nobelpreis nur durch Betrug und Diebstahl "verdient" hat. Bah, da wird mir richtig übel! Und das richtig Schlimme ist ja, dass solche und ähnliche Aktionen nicht nur Auswirkungen auf den beruflichen Erfolg dieser Menschen hatte: Hier wird auch von Suiziden berichtet, die infolge dieses Verhaltens geschahen.

Trotz dieses sehr emotionalen Themas, das mich persönlich einfach nur wütend macht, schafft es die Autorin mit viel Empathie über diese vergessenen Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Heldinnen und so weiter zu berichten und ihnen so die Sichtbarkeit zurückzugeben, die sie eigentlich schon zu Lebzeiten verdient hätten. Das passierte an vielen Stellen auch wortwörtlich, nämlich durch Fotos von den Frauen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch in den nächsten Wochen und Monaten alle Bestsellerlisten anführt und im Internet gehyped wird, denn ich möchte, dass all diese Namen und Geschichten im kollektiven Gedächtnis landen, verdammt!

Gleichzeitig beweist die Autorin aber nicht nur Empathie für die Vergessenen, sondern auch für ihre Leser:innen. Vor jedem Kapitel findet man Triggerwarnungen, was ich für wichtig und richtig halte. So haben wirklich alle die Möglichkeit, ein Kapitel zu überspringen, sollten sie zu einem Thema gar nichts lesen können oder wollen. Kann ich euch persönlich zwar nicht empfehlen, da ihr dann eine Menge spannender Frauen nicht kennenlernen werdet, aber wie immer gilt trotzdem: Deine Mental Health hat Vorrang.

Die Autorin beschränkte sich aber nicht nur auf die Biographien verschiedener Frauen, sondern kontextualisierte diese auch sehr gut. Sie ging so zum Beispiel auch auf die Diskriminierung durch Gesetze ein, erklärte, wie bestimmte Aspekte in der Gesellschaft zur Zeit funktionierten, in der die einzelnen Frauen lebten und geht dabei auch intersektional vor, was mir sehr wichtig erscheint. In Infokästen (oder im Hörbuch einfach "Info" genannt) erklärt sie dabei auch so schwierige Wörter wie "intersektional". (Zur Info: Das bedeutet, dass nicht jeder Mensch auf gleiche Art von Diskriminierung betroffen ist. Es gibt auch Dinge wie Mehrfachdiskriminierung. Ich als junge weiße Frau aus Österreich bin von Sexismus anders betroffen als eine POC-Frau, die aus Syrien nach Österreich geflüchtet ist und eine Behinderung hat. Was nicht bedeutet, dass Sexismus für mich nicht auch schlimm ist, aber im Gegensatz zur anderen Frau bin ich nicht zusätzlich von Rassismus, Gewalt gegen Migrant:innen oder von Ableismus betroffen. Der Sexismus, den diese Frau erlebt, wird auch sehr wahrscheinlich anders aussehen als der gegen mich. Man denke zum Beispiel an das Klischee der "Angry Black Woman", das sowohl rassistisch als auch sexistisch ist und mich nie betreffen wird.)

Mein Fazit? Dieses Buch und Hörbuch hat mich sehr beeindruckt und ich kann es kaum erwarten, es in den nächsten Wochen allen Menschen in meiner Umgebung aufzuzwingen.

Sonntag, 11. Februar 2024

How To Change Everything [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Es ist Anfang Februar und meine Allergietabletten sind bereits jetzt im Einsatz. Die Pollensaison hat einfach schon jetzt gestartet. Wer da noch behauptet, dass der Klimawandel nicht existiert, dem kann wohl echt niemand mehr helfen. Wir stehen am Anfang der Klimakatastrophe und statt dass wir an der Utopie arbeiten, in der wir leben könnten, machen wir die Situation immer noch schlimmer. Was, ganz ehrlich gesagt, ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft ist. Wir haben das Privileg, von Wissenschaft umgeben zu sein, profitieren davon ganz ordentlich, und weigern uns trotzdem, die Wissenschaft ernst zu nehmen, wenn sie uns vor einer Katastrophe warnt, die wir gerade dabei sind, auszulösen. Und meiner Meinung nach kann man gar nicht früh genug damit beginnen, Menschen zu diesem Thema aufzuklären. Vor allem Jugendliche sind ja an diesem Thema sowieso interessiert - warum also nicht denen gleich Informationen an die Hand geben, die ihnen dabei helfen, über dieses Thema zu lernen und es zu verstehen?

Dieses Buch ist zum Beispiel für Jugendliche gemacht. Das wusste ich persönlich nicht, finde es aber wichtig, das hier zu erwähnen. Ich glaube, dass ich Jugendlichen ab 12 Jahren dieses Buch zutrauen würde. Je nachdem, wie reif die Kids sind, könnten sie das wohl wahrscheinlich auch schon früher lesen oder (so wie ich) hören. Die Autorin beherrscht einen einfachen Schreibstil, der aber trotzdem angenehm ist, und erklärt schwierige und vielleicht noch nicht bekannte Begriffe, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Sie spricht die Jugendlichen direkt an und stellt andere Kinder und Jugendliche vor, die sich bereits erfolgreich für das Klima engagieren und bietet so Vorbilder an, an denen man sich orientieren könnte. Dabei schafft die Autorin es aber, ohne erhobenen Zeigefinger auszukommen. Diese Mischung halte ich für wichtig und für gut gelungen. 

Gleichzeitig ist dieses Buch aber definitiv auch für Erwachsene geeignet. Ich bin definitiv erwachsen und hatte meine Freude mit diesem Buch. Auch für mich war dieses Hörbuch noch interessant und informativ. Besonders spannend fand ich die Geschichte der Vertuschung des Klimawandels. Ich bin mir nicht sicher, wie das tatsächlich im Buch genannt wird, also schreibt den Titel bitte einfach mir zu, wenn ihr ein Problem mit dem habt. Aber wusstet ihr, dass eigentlich schon in den 70ern vor dem Klimawandel gewarnt wurde. In den 70ern! Also vor 50 Jahren! Und heute gibt es immer noch Leute, die nicht an den Klimawandel glauben? Nach 50 Jahren? Wo sind wir als Menschheit bitte falsch abgebogen?

Besonders schön fand ich, dass hier nicht nur auf Umweltschutz, sondern auch auf die Bedeutung von Klimagerechtigkeit eingegangen wird. Denn das wird mir im aktuellen Diskurs leider zu oft vergessen. Nicht alle Menschen sind auf gleiche Weise vom Klimawandel betroffen. Während ich mir eine Klimaanlage für meine Wohnung kaufen könnte (und damit alles nochmal schlimmer machen würde), haben andere keine Wohnung, die sie kühlhalten könnten. Während ich den Sommer im Schwimmbad verbringen könnte, verdursten andere. Wir in Europa und vor allem in Österreich sind unglaublich privilegiert und werden deswegen wahrscheinlich auch um einiges weniger unter dem Klimawandel leiden als ein armes Land. Wie Privileg und Klimawandel zusammenhängen, wurde hier wirklich toll dargestellt!

Mein Fazit? Ein super spannendes Hörbuch, das sicher auch für jüngere Leser:innen geeignet ist. Das Buch ist informativ, spannend und hat mich gleichzeitig auch aufgewühlt.

Dienstag, 30. Januar 2024

Not Your Business, Babe!

 Autorin: Verena Bogner
Erschienen am 11.01.2024
Im Kiepenhauer und Witsch Verlag
ISBN: 9783462005028
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Wie Du Dich in der kaltherzigen Welt des Kapitalismus zurechtfindest, ohne Dich dabei selbst zu verlieren.

Ungleiche Bezahlung, toxische Hustle Culture und sexistische Boomer-Chefs: Unter den Ungerechtigkeiten der Arbeitswelt leiden vor allem diejenigen, die weiblich sozialisiert wurden. Denn diese Sozialisierung hinterlässt Spuren und nagt an der mentalen Gesundheit. Viele Frauen fühlen sich wie unfähige Hochstaplerinnen, die Popkultur präsentiert ihnen problematische Vorbilder und Girlboss-Parolen in den sozialen Medien fördern Einzelkämpferinnentum. Kurz: Das Patriarchat ist längst nicht überwunden und strukturelle Ungleichbehandlung an der Tagesordnung.

In »Not Your Business, Babe!« berichtet Verena Bogner von ihren eigenen Erfahrungen, spricht mit Expert*innen über Red Flags bei der Jobsuche und analysiert, wie Netflixserien und Popsongs unser Bild von arbeitenden Frauen prägen. Außerdem beantwortet sie die Fragen, die sie sich selbst immer gestellt hat: Wie können Frauen in einem fehlerhaften System solidarisch zusammenarbeiten? Welche Playlist sollte ich auf dem Weg zur Gehaltsverhandlung hören? Und wie lasse ich mich von dem Wahnsinn der Arbeitswelt nicht verändern, sondern bleibe ich selbst?"

Meine Meinung:
In nur wenigen Tagen starte ich selbst in die Welt der Berufstätigen. Zwar habe ich schon seit ich 14 war regelmäßig gearbeitet (Babysitting, Nachhilfe, Sommerjobs, geringfügige Stellen neben der Uni), aber trotzdem ist diese neue Stelle sicher wieder eine ganz andere Herausforderung, allein schon, weil das mehr Stunden pro Woche sind. Ich freue mich trotzdem darauf. Um ganz ehrlich zu sein: Ich glaube nicht, dass ich dort mit vielen der Probleme konfrontiert werden werde, die hier in diesem Buch beschrieben werden. Das Team ist überwiegend weiblich und vom Chef hatte ich bisher nicht das Gefühl, dass er sexistisch sein könnte. Und meine Stelle ist jetzt auch nicht unbedingt eine, über die mir die Popkultur falsche Erwartungen hätte vermitteln können. Denn in der Popkultur existiert diese Art von Beruf einfach nicht. Auch bin ich mir ziemlich sicher, dass Einzelkämpferinnentum dort nicht funktionieren würde.

Trotzdem wollte ich dieses Buch lesen. Es schadet nicht, wenn ich über Red Flags bei der Jobsuche Bescheid weiß oder wenn ich weiß, wie ich meinen Gehalt verhandle. Letzteres habe ich mich bei diesem Bewerbungsgespräch tatsächlich getraut - und ich war erfolgreich und es war kein Drama, ich wurde trotzdem eingestellt und ernstgenommen und nicht einfach vor die Tür gesetzt. Und ja, all diese Szenarien habe ich mir zuvor ausgemalt. Dieses Buch hat dazu aber leider nicht so viel beigetragen, wie ich mir gewünscht hätte. Irgendwie habe ich aktuell kein Glück mit Sachbüchern...

Mein erstes und wohl größtes Problem mit diesem Buch war die Struktur. Die Kapitel sind sehr kurz und greifen oft ineinander, was an sich mal nichts negatives ist. Aber mein Problem war, dass ich leider oft nicht unbedingt wusste, worauf die Autorin jetzt hinaus will. Und das ist für mich bei einem Sachbuch doch eine der Grundvoraussetzungen. Auch war mir das Buch an vielen Stellen zu persönlich. Das würde funktionieren, wenn man dieses Buch als Essay vermarkten würde, aber der Klappentext wirkt zumindest doch auf mich eher wie ein Sachbuch oder vielleicht auch wie ein Ratgeber.

Besonders interessiert hat mich, wie die Autorin wohl Verbindungen zur Popkultur schlägt. Begonnen hat diese Verknüpfung ziemlich gut, nämlich mit einer richtig tollen Playlist, die ich auch jetzt noch auf meinem Handy gespeichert habe. Aber dann wurde mir diese Verbindung dann leider oft zu schwammig und ging mir nicht weit genug. Ja, ich glaube definitiv, dass es da eine Verbindung gibt. Medien prägen uns und unser Verhalten. Aber das hier war dann leider doch eine recht oberflächliche Interpretation der Zusammenhänge.

Mein Fazit? Wer sich bereits schon länger mit den Themen Feminismus und Sexismus am Arbeitsplatz beschäftigt, kann hier leider nicht mehr viel lernen. Und auch an praktischen Tipps bezüglich Gehaltsverhandlung und co. findet man hier leider nur wenig.

Dienstag, 5. Dezember 2023

Darf man eigentlich Zombies töten?

 Autor: Thorsten Schleif
Erschienen am 11.10.2023
Im Heyne Verlag
ISBN: 9783453428522
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Darf ich auf einem Besen zur Arbeit fliegen? Muss ich für meinen Werwolf Hundesteuer zahlen? Haben Vampire Anspruch auf Nachtschicht? Fallen Lichtschwerter unter das Waffengesetz? Wem gehört der eine Ring?

Ein bekennender Cineast und von Beruf Richter – Thorsten Schleif ist der erste Experte für all die drängenden Rechtsfragen, die uns bei einer Binge-Session »Game of Thrones«, »Die Ringe der Macht«, »Star Wars« oder »Harry Potter« so durch den Kopf gehen. Sein Buch gehört in jeden Muggel-Haushalt mit Streamingdienst-Abo. Denn wer die Paragrafen des deutschen Strafrechts beherrscht, braucht die Zombie-Apokalypse nicht zu fürchten!

(Sollten Sie sich all die eingangs erwähnten Fragen noch nie gestellt haben, brauchen Sie das Buch erst recht. Gut möglich, dass Sie bereits mit einem Bein im Gefängnis stehen.)"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Für alle, die neu hier sind und mich noch nicht kennen: Ich bin ein Nerd. Überraschung! Wer hätte das je von einer Buchbloggerin erwartet? Alle? Okay, gut, dann habe ich eure Denkfähigkeit eh richtig eingeschätzt. Dann wird es euch hoffentlich auch nicht überraschen, dass ich dieses Buch lesen wollte. Mir wäre bisher noch nie die Idee gekommen, Fantasy- und Science-Fiction-Filme auf rechtlicher Ebene zu analysieren, aber hey: Warum eigentlich nicht? Könnte ganz spannend sein. Und genau deswegen habe ich dieses Buch beim Verlag als Rezensionsexemplar angefragt.

Das erste, was mir an diesem Buch aufgefallen ist, ist wohl seine Ausstattung. Ihr findet ihr super schöne Illustrationen, die richtig gut zum Inhalt passen. Allein schon diese Bilder machen die Lektüre für mich wert.

Thorsten Schleif sagte mir vor der Lektüre leider gar nichts. Aber da habe ich scheinbar echt was verpasst. Der Autor scheint online auf den verschiedenen Social-Media-Seiten ganz schön bekannt zu sein. Wenn ich ihn abseits von Tiktok finden kann, werde ich ihm in Zukunft wohl auch folgen. Er scheint einen guten Humor zu haben und Nerdcontent kann man nie genug auf seiner Startseite haben.

Dieses Buch beschäftigt sich (wie könnte es anders sein?) mit verschiedenen rechtlichen Fragen, auf die man als Fantasy- oder Sci-Fi-Fan schon immer eine Antwort wollte (auch wenn einem das noch gar nicht bewusst war). Meine liebsten Fragen waren wohl, ob man mit dem unsichtbaren, fliegenden Auto aus "Harry Potter und die Kammer des Schreckens" eigentlich am Straßenverkehr teilnehmen darf. Auch die Frage, ob Vampire eigentlich ein Recht auf eine Nachtschicht haben, fand ich super spannend. Genauso natürlich, wie auch die titelgebende Frage: Darf man eigentlich Zombies töten? Was die Antworten auf diese Fragen sind, werde ich euch aber nicht verraten. Ich schätze, dass das wohl unter Spoiler fallen würde.

Alles in allem? Ein ungewöhnliches Sachbuch, das ich sehr genossen habe. Es ist schön gestaltet, behandelt spannende Themen und verwendet dabei eine Sprache, die wohl für die meisten Leser:innen verständlich ist. Wenn ihr also jetzt schon auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken seid, dann merkt euch das mal für euren Lieblingsnerd.

Montag, 9. Oktober 2023

Write. Das Buch für angehende Autor:innen [Kurzrezensionen]

 

Quelle: Verlag

Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe. Im August habe ich mein erstes Buch "Die Schauspielerin" veröffentlicht und irgendwann vom Schreiben leben zu können, wäre ein Traum von mir, der hoffentlich irgendwann in Erfüllung gehen wird. Und dieses Buch verspricht, mir dabei zu helfen, eine bessere Autorin zu werden.

In diesem Sachbuch werden verschiedene Aspekte des Schreibens und Veröffentlichens besprochen, die für mich unterschiedlich interessant waren. Während die verschiedenen Strukturen, die eine Geschichte haben kann, für mich eher unwichtig waren (wundert es wen, nach inzwischen fast 6 Jahren Literaturwissenschaftsstudium?), fand ich es super spannend, was eigentlich ein Verlag alles macht. Ich würde ja gerne als Lektorin in einem Verlag arbeiten, wenn das mit der Berufsautorin nicht sofort klappt (Wenn du als die Person, die das hier liest, einen Verlag hast und eine neue Lektorin suchst: Melde dich gerne bei mir! ;)), allein schon deswegen war das für mich interessant. Schön fand ich es auch, dass hier auch verschiedene Autorinnen selbst zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen erzählen dürfen. Sie sprechen hier über ihre Schreibroutine, über ihre Erfahrungen mit dem Lektorat oder darüber, wie sehr sie es hassen, Exposés zu schreiben oder auch darüber, wie es sich für sie angefühlt hat, endlich ihr erstes Buch in den Händen zu halten.

Eines muss man diesem Buch auch lassen: Die Gestaltung ist wunderschön, was unter anderem dazu beigetragen hat, dass ich mich mit dieser Lektüre sofort wohlgefühlt habe. Ich glaube auch, dass es durch diese Gestaltung für eine breite Altersgruppe geeignet ist. Während das für mich ein schönes Extra ist, könnte es einer 14-Jährigen dabei helfen, interessiert zu bleiben und dieses Buch zu Ende zu lesen. Wobei letzteres bei einer 14-Jährigen, die Autorin werden möchte und das so ernst meint, dass sie sogar einen Ratgeber dazu liest, wohl kein großes Problem sein sollte, aber ihr wisst, was ich damit sagen möchte, oder?

Sehr schön fand ich auch die Einstellung des Buches, dass jede:r Autor:in ist, der oder die schreibt. Denn das sehe ich genau gleich. Wenn ihr kreativ schreibt und das regelmäßig und mit viel Freude, dann ist es egal, ob ihr für diese Texte bezahlt werdet, ob diese Texte in der Buchhandlung liegen oder nicht. Wenn ihr euch "Autor:in" nennen möchtet, dann tut das bitte einfach. Zumindest von meiner Seite werdet ihr keinen Widerstand dagegen finden.

Mein Fazit? Ein schön gestaltetes Buch über das Schreiben und darüber, wie man das Schreiben zum Beruf machen kann.

Mittwoch, 27. September 2023

Die Zukunftsformel. Echter Fortschritt braucht Wiederholung [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Viele Menschen behaupten ja, dass die Menschheitsgeschichte aus Wiederholung besteht, auf historischer als auch auf privater Ebene. Allein während des Lockdowns haben wir ja sehr viele Vergleiche mit den 1920ern gehört, die sich meiner Meinung nach auch jetzt noch bis zu einem gewissen Grad ziehen lassen. Aber auch in unserem privaten Leben haben wir ja alle bestimmte Muster, Angewohnheiten und Rituale, die wir immer wieder wiederholen. In meinem Leben beginnt das zum Beispiel schon bei der Art und Weise, welchen Tee ich wann trinke und wie zubereite und welche Rituale ich durchführe, wenn ich Glück brauche oder unsicher bin, und endet bei Verhaltensmustern, die ich schon mein Leben lang mit mir herumtrage und die entweder sinnvoll sind oder eine Baustelle an der ich arbeite.

Von dem her war der Gedanke, dass die Menschheit Wiederholung braucht, auch nicht unbedingt etwas Neues für mich. Trotzdem war es ganz interessant, das Thema mal aus wissenschaftlicher Perspektive zu betrachten. Vor allem, da hier Fragen gestellt werden, wie, ob Wiederholung immer gut ist? Oder manchmal vielleicht schädlich sein könnte? Denn auch wenn im Titel impliziert wird, das Wiederholung für Fortschritt nötig ist, setzen sich die Autoren durchaus auch kritisch mit dem Thema auseinander, was ich schön fand. Denn so waren sie zum Beispiel in der Lage, auch auf den Klimawandel einzugehen, der ja durch die Wiederholung des Mantras "Wachstum ist alles" entstanden ist und durch die Hoffnung, die gute wirtschaftliche Entwicklung einiger Jahre zu wiederholen.

Trotzdem muss ich gestehen, dass aus diesem Buch leider nicht so viel bei mir hängen geblieben ist, wie ich es ursprünglich gehofft hätte. Das Buch war eine angenehme Lektüre, aber eben leider nicht besonders viel mehr.

Mein Fazit? Spannendes Thema, gute Umsetzung, konnte mich aber leider trotzdem nicht so fesseln, wie ich es mir erhofft hätte.

Mittwoch, 16. August 2023

Let's Talk About Sex, Habibi [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch hat mir die liebe V. aus dem Buchclub zum Geburtstag geschenkt. Im Herbst 2022 waren wir beide bei einer Gesprächsrunde mit dem Autor mit dabei. Wir beide waren begeistert und haben danach noch lange darüber geredet. Und sie hat auch schnell danach das Buch gekauft und gelesen und mir die Lektüre ans Herz gelegt. Und ich habe das Buch auch auf meine Wunschliste gesetzt - und danach nicht mehr wirklich daran gedacht. Aus irgendeinem Grund habe ich es nicht mehr in Buchhandlungen oder so gesehen oder zumindest nicht aktiv wahrgenommen. Nachdem es jetzt dann aber eh in meinem Zimmer lag, habe ich es auch gleich gelesen.

In diesem Buch geht es - wie könnte es bei dem Titel auch anders sein - um Sex. Genauer: Um Sex und Sexualität in Nordafrika. Denn beides hat bei uns in Europa nicht gerade den besten Ruf, was man gerade dann sieht, wenn rechte Politiker:innen und ihre Anhänger:innen mal wieder über Flüchtlinge sprechen. Haben wir alle schon mal mit anhören müssen, ich muss also nicht unbedingt wiederholen, welche Lügen da gerne verbreitet werden.

Der Autor betrachtet hier Sex und Sexualität auf verschiedenen Ebenen. Es geht zum Beispiel um den Kondomkauf in verschiedenen Ländern, um Aufklärungsunterricht in der Schule oder auch um Queerness. Der Schreibstil ist locker und über weite Stellen lustig, an den richtigen Stellen aber auch ernst. Einige Themen fanden mehr Platz als andere, was für mich durchaus verständlich war. Der Fokus lag immer auch darauf, welche Vorurteile Europäer:innen denn so gegenüber Nordafrikanern mitbringen und wie das tatsächlich ist. Amjahid spricht dabei auch viel über seine eigenen Erfahrungen mit diesen Themen, was ich für wichtig halte. Statistiken, Zahlen und Fakten sind ja schön und gut, aber Anekdoten aus dem eigenen Leben sind halt doch unterhaltsamer und bleiben im Kopf. Und Anekdoten hatte der Autor viele zu erzählen - in seinem Leben und als Journalist und Autor ist er doch schon viel herumgekommen.

Stellenweise hätte das Buch meiner Meinung nach strukturierter sein können, da der Autor doch manchmal über mehrere Themen gleichzeitig zu sprechen schien, das ist aber eigentlich schon der einzige Kritikpunkt, den ich hier ansprechen möchte. 

Mein Fazit? Ein sehr spannendes Buch, über das ich sicher noch das ein oder andere Gespräch führen werde.

Mittwoch, 5. Juli 2023

Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch wurde mir im letzten Semester von einem meiner Professoren empfohlen. Ich habe damals ein Seminar zum Thema "Tyrannen und Tyrannenmord" besucht und auch wenn die Stücke, die wir da besprochen haben, nicht gerade meine Lieblingswerke waren, habe ich dieses Buch sofort ausgeliehen, als es mir auf Skoobe vorgeschlagen wurde. Die Dinge, die dieser Professor über dieses Sachbuch erzählt haben, haben mich einfach zu neugierig gemacht.

Wie ihr sicher alle wisst, sind die Demokratie und die Rechte, die wir deswegen haben, keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg. In vielen Ländern können die meisten Einwohner:innen weder wählen noch eine Meinung vertreten, die nicht der der regierenden Person oder Partei entspricht. Und wenn wir nicht aufpassen, können unsere Privilegien auch jederzeit wieder von uns genommen werden. Auch wir in Österreich haben Parteien, die durch und durch demokratiefeindlich bin und leider stimmten bei der letzten Nationalratswahl 16,2 % der wahlberechtigten Österreicher:innen, die ihre Stimme abgegeben haben, für die schlimmste dieser Parteien. Wie das bei der nächsten Wahl aussehen wird, will ich gar nicht so genau wissen. Deswegen halte ich es aber für besonders wichtig, mich immer weiter fortzubilden, damit ich weiß, wie ich die Bildung einer tyrannischen Regierung in Österreich verhindern kann. Ganz allein wird das natürlich nicht funktionieren, aber jede Person, die über solche Themen informiert ist, ist wichtig.

Dieses Buch wurde offensichtlich als Antwort auf Trumps Wahlsieg geschrieben und veröffentlicht. Ihr findet hier viele Anspielungen auf seinen Wahlkampf und -sieg. Das ist natürlich nachvollziehbar, dass sich ein solches Buch auf einen konkreten Anlass bezieht, aber leider wirkte es dadurch bereits jetzt etwas veraltet und das, obwohl es erst wenige Jahre alt ist. Das ist schade, denn einige der Ratschläge finde ich ziemlich gut. Ich halte es zum Beispiel auch für sehr wichtig, guten Journalismus finanziell zu unterstützen und habe deswegen ein Abo bei "Profil", einer Wochenzeitung, die meiner Meinung nach gute Arbeit leistet. Nur die kostenlosen Artikel einer Zeitung zu lesen, die online verfügbar sind, wird nämlich nicht dabei helfen, diese Zeitung am Leben zu erhalten. Just saying. Auch den Tipp, möglichst viele Bücher zu lesen, fand ich gut, was wohl niemanden überraschen dürfte. Gut finde ich außerdem die Bitte des Autors, dass man Vereine oder NGOs finanziell oder durch Freiwilligenarbeit unterstützen sollte, die Dinge tun, die einem selbst wichtig sind. Als jemand, der schon oft ehrenamtlich tätig war, kann ich das nur bestätigen. Freiwilligenarbeit, egal wie sie aussieht, ist unglaublich wichtig. Viele Veranstaltungen, Vereine, Bibliotheken, aber auch Schulen und natürlich Wohltätigkeitsorganisationen kommen nicht ohne engagierte Menschen aus, die sie mit ihrer Zeit unterstützen. Wenn ihr also in der Lage dazu seid: Arbeitet ehrenamtlich. Sucht euch irgendeine Aktivität aus, egal wie groß oder klein sie ist, und setzt euch so für Dinge ein, die euch persönlich wichtig sind.

Leider muss ich aber sagen, dass ich nicht alles an diesem Buch gut fand. So war ich zum Beispiel schockiert darüber, wie wenig der Autor über den Nationalsozialismus in Österreich zu wissen scheint. "Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam". Schön und gut und ist natürlich ein Vorschlag, der nicht falsch ist. Aber warum zur Hölle denkt der Autor, dass das in Österreich geschehen ist? Die Nazis in Österreich waren genauso Nazis wie die in Deutschland. Auch Österreicher:innen haben zum Tod von Millionen Menschen beigetragen, viele davon mit Begeisterung und Zustimmung. Das ist kein vorauseilender Gehorsam, sondern einfach Faschismus, an den viele dieser Menschen geglaubt haben und für den es keine Entschuldigung gibt. Diese kranke Haltung mit vorauseilendem Gehorsam zu betiteln, verharmlost diese - und das trägt zum Opfermythos bei, mit dem sich Österreich jahrzehntelang jeglicher Verantwortung entzogen hat und der ganz klar widerlegt wurde. Österreich wird hier an keiner Stelle konkret als Opfer bezeichnet, aber für mich war ziemlich klar, was da zwischen den Zeilen steht. Das ist meiner Meinung nach einfach unglaublich und hat dem Buch bei meiner Sternbewertung auf Goodreads und Lovelybooks leider viel gekostet.

Mein Fazit? Hat einige gute Punkte, die zum Nachdenken anregen. Trotzdem kann ich für dieses Buch keine Leseempfehlung aussprechen.

Freitag, 23. Juni 2023

Die unheimliche Stille. Warum außerirdische Zivilisationen schweigen [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Viele von euch wissen es nicht, aber wenn mir mein Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaften nicht gefallen hätte, wäre Physik meine zweite Wahl gewesen. Vor allem die Astrophysik hat es mir angetan und ich habe schon als Kind Dutzende Bücher über das Weltall verschlungen. Was für mich besonders spannend ist, ist das Phänomen, das in diesem Buch beschrieben wurde: Unser Universum ist unvorstellbar groß. So groß, dass ich es am liebsten als unendlich groß beschreiben würde, auch wenn das offensichtlich nicht stimmt. Aber trotz dieser unglaublichen Größe ist die Erde bisher der einzige Planet mit intelligentem Leben, den wir kennen. Dieses Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie das denn bitte sein kann.

Die Autoren betrachten hier die Suche nach außerirdischem Leben aus verschiedenen Perspektiven. Sie sprechen über die Geschichte der Erforschung von Signalen, die eventuell von Aliens stammen könnten, erklären, was man überhaupt unter intelligentem Leben versteht und welche Voraussetzungen denn wahrscheinlich stimmen müssen, damit sich Leben auf einem Planeten entwickelt. Außerdem wird das Fermi-Paradoxon beschrieben (das streng genommen kein Paradoxon ist, wie uns hier erklärt wird) und diskutiert, ob es überhaupt eine gute Idee ist, Aliens auf uns aufmerksam zu machen, oder ob das vielleicht gefährlich für uns werden könnte.

Die Erklärungen erfolgen in einer Sprache, die für mich unterhaltsam und leicht verständlich war. Besonders schön fand ich, dass es die Autoren geschafft haben, hier auch Humor einzubauen - das ist ja bei Sachbüchern auch nicht selbstverständlich. Und durch diesen Humor schaffen es die beiden, auch noch weitere wichtige Themen aufzugreifen, nämlich die Klimakatastrophe, die sich aktuell entwickelt, aber auch die Gefahr, die uns durch Atomwaffen droht. Die Möglichkeit, dass wir uns durch unseren Leichtsinn und unseren Egoismus selbst vernichten werden, wird so sehr deutlich sichtbar und ich glaube, dass das eine sehr wichtige Message ist, die nicht oft genug erwähnt werden kann.

Mein Fazit? Sehr gut gelungenes Buch, durch das ich viel Neues über die Suche nach außerirdischem Leben lernen durfte.

Mittwoch, 12. April 2023

Kaputte Wörter? Vom Umgang mit heikler Sprache [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich arbeite mit Sprache in ihren verschiedensten Formen. Einerseits natürlich als Leserin und Bloggerin, andererseits als Autorin, wenn ich an meinen Kurzgeschichten oder meinem Romanprojekt schreibe, als Studentin und als Korrekturleserin. Gerade in letzterer Rolle muss ich mit Fingerspitzengefühl vorgehen und manchmal auch schwere Entscheidungen treffen. Und deswegen halte ich es für wichtig, mich regelmäßig mit Büchern wie diesem fortzubilden, um gerade bei diesen schweren Entscheidungen eine treffen zu können, die ich gut begründen kann.

In "Kaputte Wörter" werden 80 Wörter analysiert, die auf irgendeine Art problematisch sind. Bei manchen müssen wir meiner Meinung nach gar nicht über deren Problematik diskutieren. Niemand sollte das N-Wort oder das Z-Wort je in den Mund nehmen, außer man ist Teil der jeweiligen Gruppe und nutzt diese Worte zur Selbstbezeichnung. Über andere Worte in diesem Buch wird aktuell gerne diskutiert: Schwarzfahrer zum Beispiel, oder Weihnachtsmarkt oder auch die Sprachpolizei, die scheinbar allen Menschen den Mund verbietet und das Gendern vorschreibt, wenn einem meiner Onkel glauben darf. Wieder andere Wörter hätte man meiner Meinung nach nicht in diesem Buch behandeln müssen. Worte wie "Milch" oder "Völkerball" wirkten auf mich wie Platzfüller, die es nicht gebraucht hätte, damit ein abgerundetes Sachbuch entsteht.

An diesem Buch mag ich die Tatsache, dass es über weite Teile ein schönes Nachschlagewerk ist. Wir erfahren hier, wie sich das Wort entwickelt und welchen Wortstamm es hat. Der Autor erklärt, seit wann die Worte in Gebrauch sind und in welchen Kontexten sie wie verwendet werden. Außerdem wird erklärt, was denn eigentlich kritisiert wird, wenn über das jeweilige Wort diskutiert wird. Natürlich kann in einem Nachschlagewerk nicht in die Tiefe gegangen werden, aber ich glaube, dass das auch nicht unbedingt notwendig ist. Die Erklärungen bieten meiner Meinung nach einen guten Ausgangspunkt für eigene Recherchen.

Gestört hat mich, dass der Autor es leider nicht geschafft hat, den objektiven Stil, den ich in einem Sachbuch erwarten würde, aufrecht zu erhalten. Der Autor kommentiert leider jedes der Worte mit seiner eigenen Einschätzung. Das hätte man gut machen können, wenn die Bewertung aufgrund der Punkte geschehen wäre, die zuvor beschrieben wurden. Hier geschah das aber leider anhand der persönlichen Vorlieben und Erfahrungen des Autoren. Der dabei verwendete Ton war meiner Meinung nach unpassend: Teils wirkt der Stil herablassend, teils fast schon spöttisch. Bei anderen ist die Einschätzung dafür nichtssagend, was bei mir die Frage aufwarf, warum der Autor diese Einschätzungen überhaupt für notwendig gehalten hat. Mich hat leider keiner der Kommentare weitergebracht. Irgendwann hab ich die einfach übersprungen.

Kritisieren muss ich außerdem, dass nicht an jeder Stelle ordentlich mit Quellen gearbeitet wurde. Klar, das ist vielleicht Geschmackssache, aber meiner Meinung nach haben eigene Erfahrungen in einem Sachtext nichts zu suchen. Sie können eventuell als illustrierendes Beispiel auftauchen, aber sie sind keine gute Quelle. Zwar gab es hier Gott sei Dank über große Teile des Texts Quellen, die zitiert wurden und die dann am Ende des Buchs aufgelistet wurden, aber an manchen Stellen bezieht sich der Autor leider doch auf seine persönliche Erfahrung. Das halte ich für nicht angemessen, gerade bei einem so sensiblen Thema, wie es hier behandelt wird.

Mein Fazit? Ich habe die Lektüre mit großen Erwartungen begonnen. Leider war dieses Sachbuch für mich aber eine Enttäuschung.