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Sonntag, 21. Dezember 2025

Faust. Der Tragödie erster Teil [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wir alle kennen die Geschichte rund um Faust. Der frustrierte Professor, der zwar gefühlt alles studiert hat, sich selbst mit der Magie beschäftigt, und es trotzdem nicht schafft, seinem Leben einen Sinn zu geben – bis er einen Bund mit dem Teufel eingeht. Sollte dieser es schaffen, dass Faust auch nur für einen Moment sein Leben genießt, gehört seine Seele ihm.

Viele von uns haben sich in der Schule durch das Reclam-Heftchen gequält, viele kennen auch noch weitere Adaptionen rund um Goethes Theaterstück. Das Stück wird bis heute aufgeführt, es wurde mehrfach verfilmt, findet seinen Platz in immer wieder neuen Comics und Graphic Novels. Einige werden sich nun also denken: »Im Ernst? Noch eine Version?« Ja, noch eine Version! Denn Nele Heaslip hat sich hier einen spannenden Twist einfallen lassen, durch den ich den Fauststoff nochmal ganz neu lesen konnte. Diese Graphic Novel spielt nämlich in drei Zeiten gleichzeitig: Mittelalter, Zeit des Nationalsozialismus und Gegenwart. Der Switch erfolgt dabei fließend mitten in der Szene, ohne große Markierung. In einem Bild hält Doktor Faust eine Vorlesung in einem modernen Hörsaal, im nächsten ist sein modernes Büro ein mittelalterliches Turmzimmer. In einem Bild spaziert Faust durch eine mittelalterliche Stadt, im nächsten ist die Stadt immer noch gleich, doch Faust trägt einen Judenstern und aus den Fenstern hängen die Flaggen der Nationalsozialisten.

Durch den Wechsel in den Zeiten wurde für mich eigentlich erst sichtbar, wie zeitlos der Fauststoff eigentlich ist. Der Switch war problemlos möglich, ohne dass dabei Verständnisprobleme entstanden und ohne, dass dabei irgendetwas unlogisch wurde. Der Stoff mit Goethes Originaltext funktionierte weiter, war weiter spannend.

Diese Entscheidung der Illustratorin lud mich dazu ein, den Text genau zu reflektieren. Würde diese Szene hier denn auch im Nationalsozialismus funktionieren, obwohl sie hier doch im Mittelalter spielt? Und was wäre, wenn man sie in die Gegenwart versetzen würde? Wie verändert die jeweilige Zeitebene die Stimmung, die Bedeutung oder die Beziehung der Figuren untereinander?

Das Buch selbst ist unglaublich aufwändig gestaltet. Die Illustrationen sind voll interessanter Details und kleine Kunstwerke, die man so auch direkt in eine Galerie hängen könnte. Auch die Papierqualität ist mir positiv aufgefallen.

Eine unglaublich spannendes und hochwertig produziertes Graphic Novel, nicht nur für Schulbibliotheken und Schüler*innen. Ich kann es kaum erwarten, dass der nächste Band erscheint!

Mittwoch, 26. März 2025

Gefährliche Liebschaften [Abgebrochen/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wenn ein Genre das Recht hat, die grauen Zellen herauszufordern und Verwirrung zu stiften, dann sind das wohl die Klassiker. Hier erwartet niemand eine einfache Lektüre, doch eine Auseinandersetzung damit ist trotzdem in den meisten Fällen lohnenswert und befriedigend. Zumindest ist das meine Erfahrung, die ich in meinem Studium auch mehrfach machen durfte. Wenn dann ein Klassiker in schöner Gestaltung neu aufgelegt wird, wie das auch hier der Fall war, ist das ein zusätzliches Goodie, das vor allem auch Interesse bei jüngeren Leser:innen wecken kann. Und ja, das ist etwas Gutes, denn es motiviert junge Leser:innen, sich an anspruchsvollen Lektüren zu versuchen.

In 175 Briefen wird hier die Geschichte zweier Verführungen geplant und beschrieben: von Cecilé de Volanges, einem naiven jungen Mädchen, und von Madame de Tourvel, durch Marquise de Merteuil und den Vicomte de Valmont. Erzählt wird die Handlung durch Briefe von insgesamt sieben verschiedenen Personen. Da diese sich aber durch Stil, Wortwahl oder ähnliches kaum voneinander unterscheiden, löste dies bei mir schnell Verwirrung aus. Den Intrigen zu folgen, empfand ich daher schnell als ermüdend.

Hinzu kommt, dass sich in diesem Text immer wieder Rechtschreibfehler fanden, teils sogar in optisch hervorgehobenen Abschnitten. Und bei diesen hervorgehobenen Zitaten stellte ich mir immer wieder die Frage, warum diese denn extra markiert wurden. Ich persönlich hielt die nicht für so unglaublich besonders oder bemerkenswert.

Leider empfand ich auch die optische Gestaltung des Briefromanes nur als wenig kreativ. Hier wäre gerade im Bezug auf die Illustrationen mehr möglich gewesen. Des Weiteren ist das Format, für das man sich entschieden hat, für Alltagsleser:innen nicht geeignet: Das Buch ist groß und schwer und damit sehr unhandlich. Das war mir natürlich auch schon bewusst, als ich es von der Arbeit mit nach Hause genommen habe, ich erwähne es hier aber trotzdem, falls jemand von euch trotz meiner kritischen Rezension Interesse daran hat. (You do you!) 

Mein Fazit? Dieses Buch kann ich leider nicht weiterempfehlen. Schade.

Montag, 23. Dezember 2024

Der kleine Prinz [Hörbuch/Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich habe mich endlich an den "Kleinen Prinzen" rangetraut! Das habe ich ewig vor mir hergeschoben, aus zwei Gründen. Erstens, da es ein Klassiker ist. Und zweitens, weil ich weiß, dass "Der Kleine Prinz" das Lieblingsbuch von so einigen Menschen ist. Beide Aspekte sorgen bei mir oft dafür, dass ich ein Buch nicht lese - denn was, wenn ich es dann nicht mag? Aber hey: Das war jetzt schon öfters so und nichts Schlimmes ist passiert. Kein Shitstorm, keine Hassnachrichten, nichts. Also traue ich mich jetzt immer öfter, solche Empfehlungen in die Hand zu nehmen. Und da bin ich gerade wirklich froh darüber!

Diesen Klassiker habe ich als Hörbuch im Zug zwischen Berlin und München gehört. Und ich fand es großartig. Es geht hier um einen namenlosen Erzähler, der mit seinem Flugzeug in der Wüste abstürzt. Dort trifft er den kleinen Prinzen, der von einem anderen Planeten kommt und viel zu erzählen hat.

Dieses Büchlein ist enorm witzig. Auch wenn ich das Buch zuvor noch nicht kannte, wurden bei mir enorm viele Kindheitserinnerungen wach. Ich wurde an die selbst ausgedachten Geschichten erinnert, die mein Vater uns immer vor dem Einschlafen erzählt hat. Und an das Buch "Einmal Erde und zurück" - das war auch meine allererste Lesung, die ich zu diesem Buch besucht habe. In einer Sternwarte. Da war ich wahrscheinlich erst so sechs oder sieben Jahre alt - und heute wundern sich alle, wie meine Eltern es wohl geschafft haben, so eine Leseratte heranzuziehen!

"Der Kleine Prinz" zeichnet sich für mich vor allem auch durch die tolle Erzählstimme aus, die sich selbst nicht zu ernst nimmt. Diese Geschichte war überraschend gesellschaftskritisch und nimmt die Prioritäten und Gewohnheiten von uns Erwachsenen ordentlich aufs Korn. Ich fühlte mich dadurch dazu eingeladen, mich selbst ein bisschen zu hinterfragen.

Mein Fazit? Sollten alle irgendwann gelesen haben. Ganz große Leseempfehlung!

Samstag, 22. Juni 2024

Stolz und Vorurteil. Die Graphic Novel nach Jane Austen

Autorin: Claudia Kühn
Illustratorin: Tara Spruit
Nach Jane Austens Roman
Erschienen am 12.6.2024
Im Loewe Verlag
ISBN: 9783732022588
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Klappentext:
"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Mädchen ab und zu von der Liebe träumt
Elizabeth Bennet hat vier Schwestern und eine Mutter, deren größte Sorge ist, alle Töchter unter die Haube zu bringen. Als der vermögende Mr Bingley und sein attraktiver Freund Darcy das benachbarte Anwesen Netherfield beziehen, ist Mrs Bennet ganz aus dem Häuschen. Aber schon beim ersten Tanz wird Elizabeth klar, dass sie nie, niemals einem so stolzen und arroganten Mann wie Mr Darcy ihr Herz schenken könnte.
Niemals?
Wirklich, Lizzy???
Erlebe den Klassiker neu als hinreißende Graphic Novel
Seit über zweihundert Jahren begeistert Jane Austens Stolz und Vorurteil Leserinnen weltweit immer wieder neu. Diese wunderschöne Graphic Novel sollte in keiner Austen-Sammlung fehlen. Mit ihren bezaubernden Illustrationen verwandelt Tara Spruit den zeitlosen Klassiker Stolz und Vorurteil in eine hochwertige Graphic Novel, die sich nicht nur als Geschenkausgabe für Jane Austen-Begeisterte eignet, sondern alle Regency-Fans zum Träumen einlädt. Verliebe auch du dich unwiederbringlich in den ultimativen Book Boyfriend Darcy!"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich schäme mich fast schon das zu sagen: Ich habe "Stolz und Vorurteile" bisher noch nicht gelesen. Und das als Literaturwissenschaftlerin, die hoffentlich bald ihren Master in den Händen hält. Klar habe ich schon Fächer belegt, in denen dieses Buch auf der Leseliste gestanden wäre. Aber trotzdem habe ich mich bisher immer darum herumgewunden. Es ist nicht so, als hätte ich es nicht zumindest versucht. Aber reingefunden habe ich bisher nie. Als ich dann auf NetGalley dieses Graphic Novel gesehen habe, habe ich einfach mal spontan beschlossen, diesem Roman eine allerletzte Chance zu geben.
Und was soll ich sagen? Ich habe tatsächlich endlich "Stolz und Vorurteile" fertig gelesen! Zwar nur als Graphic Novel, aber wer interessiert sich schon so genau für die Details?

Speaking of details:  Die haben mir leider bei diesem Zeichenstil stellenweise gefehlt. Gerade wenn mehrere Figuren in einem Bild zu sehen waren, fiel es mir sehr schwer, sie auseinanderzuhalten. Und das war in vielen Fällen nicht unbedingt hilfreich, wenn es darum ging, die Geschichte zu verstehen. Das war für mich gerade zu Beginn ein Problem. Vielleicht wäre es hier gut gewesen, die Figuren etwas individueller zu gestalten.

Die Geschichte an sich gefiel mir besser, als ich ursprünglich gedacht hätte. Ich hatte tatsächlich Spaß mit der Geschichte, auch wenn dieser Spaß vor allem erst in der zweiten Hälfte auftauchte, als Mr. Darcy endlich seine Gefühle zu zeigen begann. Doch gleichzeitig fehlte mir bei Mr. Darcy ein sauberer Übergang. Während es für mich bei Lizzy sehr gut nachvollziehbar war, dass sie Mr. Darcy irgendwann nicht mehr leiden konnte, war das bei Mr. Darcy anders: In der einen Sekunde ist er ein arroganter Mistkerl, im nächsten Kapitel ist er unsterblich in Lizzy verliebt und würde alles für sie tun. Keine Ahnung, ob das im Originalbuch genauso ist. Es hat mich auf jeden Fall gestört, denn ich habe nicht ganz verstanden, woher Mr. Darcys Sinneswandel kommt. Nur, weil ihm Lizzy mal den Kopf gewaschen hat? Weil sie ihn für einen schlechten Menschen hält? Warum interessiert ihn das plötzlich? Das war für mich nicht ganz nachvollziehbar?

Mein Fazit? Ein Graphic Novel für Zwischendurch, das aber leider kleine Schwächen mitbringt.

Samstag, 30. März 2024

Traumnovelle [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Uff, das wird jetzt wieder so eine Rezension, unter der mir auf allen Plattformen mindestens ein halbes Dutzend Männer erklären wird, warum ich mit meiner Meinung falsch liege und generell keine Ahnung von Literatur habe. Hier also nochmal als kleine Erinnerung an alle Typen, die es jetzt schon in den Fingern juckt, sich zu beschweren: Literatur ist mein Fachgebiet. Ich bin Expertin. Aktuell schreibe ich meine Masterarbeit im Fach Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften. Bitte erklärt mir nicht ein Thema, in dem ich mich in 99 Prozent der Fälle besser auskenne als ihr. Und: Ich sage hier, dass MIR ein Klassiker nicht gefallen hat und ich ihn für problematisch halte. Ich sage NICHT, dass NIEMAND diesen Klassiker gut oder lesenswert finden darf.

So, super, dass dieses Missverständnis jetzt aus dem Weg geräumt wurde und wir uns auf meine höchst subjektive Meinung konzentrieren können. Die ich im oberen Absatz schon gespoilert habe. Upsi.

Aber worum geht es denn überhaupt? Arzt Fridolin stellt im Gespräch mit seiner Frau Albertine fest, dass sie auf sexueller Ebene nicht ganz zufrieden mit der Beziehung ist und sich wünscht, dass sie sich vor der Ehe mehr ausprobiert hätte. Was sie aber natürlich nicht getan hat, denn als Frau hattest du zu dieser Zeit jetzt nicht so besonders viel Spielraum für Sex außerhalb der Ehe. Und wie reagiert man da als reifer und erwachsener Mann, der eigentlich bisher in seiner Ehe nicht unzufrieden war und die gemeinsame Tochter liebt? Richtig, man beginnt sein Leben und seine Frau aus ganzem Herzen zu hassen und dreht völlig am Rad. Was man halt so macht. Fridolin geht hier zu Prostituierten, auf Orgien und spielt sich als der große Verführer auf. Und dabei sexualisiert er wirklich jedes Mädchen und jede Frau, die ihm unterkommt. 

Und das ist mein größtes Problem mit dieser Geschichte. Dass ich die Sichtweisen von Männern aus klassischer Literatur nie ganz verstehe, ist für mich nichts Neues. Auch Sexismus und Sexualisierung von Frauen generell in älteren Büchern kommt sehr oft vor - und auch da bin ich inzwischen schon abgehärtet. Aber pädophile Tendenzen? Ekelhaft! Gehts noch? Und sowas gehört heute zum großen Kanon der Literaturgeschichte?! Ich will gar nicht wissen, wie oft hier Mädchen als "fast noch Kinder" beschrieben wurden und wie oft ihre Kindlichkeit hervorgehoben wurde. Und das dann einfach für die Hauptfigur das Attraktivste war, das ihm bei einer Person unterkommen kann. Und ja, sicher 75 Prozent des Plots waren leider Beschreibungen von viel zu jungen Mädchen. Ganz ehrlich: So ein Buch sollte man meiner Meinung nach aus dem Kanon streichen. Wir haben schon so viele Bücher mit problematischen Inhalten auf unseren Literaturlisten stehen, dass wir nicht auch noch ein Buch drauf haben müssen, das Kinder sexualisiert. Diese Funktion hat schon Goethes "Faust" für sich beansprucht.

Mein Fazit? Leider überhaupt nicht mein Fall. Ich fand es ganz ehrlich einfach ekelhaft.

Montag, 20. Februar 2023

Dead Poets Society [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Eigentlich stand dieses Buch schon seit fast einem Jahrzehnt bei mir im Regal. Irgendwann hat es mir mal meine Tante zu irgendeinem Anlass geschenkt, ich habe das erste Kapitel gelesen und es dann zur Seite gelegt und nicht wieder angefasst. Vor allem, da mein Englisch mit 14 oder 15 Jahren doch noch ein bisschen schlechter war als heute. Doch dann, vor etwa einem Monat, mussten zwei liebe Buchclubmensch schockiert feststellen, dass ich dieses Buch noch nicht gelesen habe. Und da das anscheinend das einzige Buch war, das einen dieser Buchclubmenschen bisher zum Weinen gebracht hat, drückte er mir gleich sein eigenes Exemplar in die Hand. Also habe ich es jetzt auch endlich gelesen.

Dieser Roman folgt einer Gruppe Jungs auf einem Eliteinternat und ihrem neuen Englischlehrer, der bei ihnen durch seine unkonventionellen Lehrmethoden Lust auf Poesie weckt. Sie dichten, verlieben sich, rebellieren gegen ihre Eltern und halten geheime Mitternachtstreffen ab. Also zusammengefasst: Es handelt sich hier um einen Internatsroman mit all den Aspekten, die diese Art von Romanen für mich in meiner Jugend so spannend gemacht haben. (Ja, ich habe gerade selbst realisiert, wie alt ich mich im letzten Satz anhöre. "In meiner Jugend"...als wäre ich 85...)

Gerade der Beginn dieses Romans gefiel mir richtig gut. Die Sprache, die hier verwendet wurde, war total schön und lebendig und konnte mich fesseln. Die ganzen Anspielungen auf verschiedene Gedichte und Texte waren für mich großartig, denn die meisten davon kenne ich ja bereits aus meiner Unikarriere und dieses Wiedererkennen macht mir immer total viel Spaß.

[Spoiler, aber ohne Details]

Die wirklich wichtige Frage für mich war aber, ob es dieses Buch schaffen würde, mich zum Weinen zu bringen. Eigentlich hatte ich daran keinen Zweifel. Ich bin doch eher nahe am Wasser gebaut und die ein oder andere Träne während dem Lesen kommt mir nicht selten. Deswegen war ich doch eher überrascht, wie kalt mich hier das Ende ließ. Ich konnte ganz klar erkennen: Das hier ist die traurige Szene, die mich zum Weinen bringen soll. Aber eigentlich war mir gleichgültig, was da gerade passiert war. Ich hatte einfach nicht das Gefühl, die Person, die da gerade gestorben war, gut genug zu kennen, um um ihn zu trauern. Es war ein komplett Fremder für mich, mit dem ich nicht besonders viel verband. Das hängt vielleicht damit zusammen, wie kurz dieses Buch ist und wieviele Figuren in diesen wenigen Seiten behandelt werden. Zumindest kann ich mir so erklären, warum dieser Tod mir so egal war. Ich weiß bereits jetzt schon den Namen dieser Figur nicht mehr und das Gesicht, das er in meinem Kopf bekommen hatte, unterscheidet sich nur noch minimal von dem aller anderen Figuren aus diesem Buch.

Mein Fazit? Dieser Roman verwendet eine sehr schöne Sprache, die mich gut gefiel. Leider schaffte ich es bis zum Ende aber nicht, irgendeine Art der Verbindung zu den Figuren aufzubauen, was vielleicht erklärt, warum mich eine gewisse Szene so kalt ließ.

Montag, 19. Dezember 2022

Dracula (Hörbuch/Kurzrezension)

 

Quelle: Overly Sarcastic Productions auf Youtube

Ich habe lang überlegt, ob ich dieses Hörbuch rezensieren soll. Immerhin handelt es sich hierbei nicht um ein klassisches Hörbuch, sondern um mehrere Livestreams auf Youtube, in denen das Buch "Dracula" vorgelesen wird. Ich hab dann aber beschlossen, dass ich euch diesen Schatz nicht vorenthalten kann und will. Immerhin ist Weihnachten und ich bin nicht die einzige Person, die das Einkaufen von Weihnachtsgeschenken für viel entspannender hält, wenn sie gleichzeitig eine gute Geschichte hört. Und "Dracula" ist halt schon so ein Klassiker, den viele Menschen auf ihrer Leseliste haben, auch wenn sie sich sonst nicht wirklich für klassische Literatur begeistern können.

Zuerst mal: Was ist das überhaupt für ein Kanal, der dieses "Hörbuch" aufgenommen hat? Nun, Overly Sarcastic Productions produziert unterhaltsame und einfach verständliche Videos über Mythologie, Literatur und Geschichte, die ich sehr ans Herz legen kann. Ich habe hier viel Neues gelernt und das oft, ohne es wirklich zu merken. Und vor zwei Monaten hat Red vom Kanal dann begonnen, in vier Livestream-Sitzungen diesen Klassiker vorzulesen und damit Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Und ich habe das mit viel Begeisterung gehört.

Red hat hier meiner Meinung nach vor allem zwei Dinge gezeigt: Erstens, dass sie Literatur aus ganzem Herzen liebt. Und zweitens, dass sie eine fantastische Sprecherin ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, ihr zuzuhören, dass ich "Dracula" tatsächlich innerhalb weniger Tage durchgesuchtet habe, was ich von diesem Klassiker nicht erwartet habe. Ich hab über "Dracula" zwar nur Positives gehört, aber trotzdem nicht damit gerechnet, dass ich so viel Freude damit habe und ich bin mir sicher, dass die Sprecherin der Hauptgrund für meine Begeisterung war. Ich habe inzwischen sogar die Vermutung aufgestellt, dass Red auch einfach ein Telefonbuch vorlesen könnte und das trotzdem noch unterhaltsam wäre.

Wenn ihr dieses Hörbuch jetzt sofort hören wollt: Go for it! Ich kann es euch nur empfehlen. Beachtet nur bitte, dass das hier kein Hörbuch per se ist, sondern ein Youtube-Livestream. Red geht hier zum Beispiel immer wieder auch auf die Kommentare im Chat ein oder unterbricht sich, um etwas zu trinken, fordert die Hörer:innen dazu auf, etwas an die Organisation zu spenden, die ihr gerade besonders wichtig ist, oder macht sich über die Handlungen und Aussagen der Figuren lustig. All das gäbe es in einem "normalen" Hörbuch natürlich nicht. Mich hat das nicht gestört und ich hatte vor allem auch deswegen viel Spaß damit, ich verstehe aber, wenn das jemanden abschrecken sollte.

Mein Fazit? Normalerweise empfehle ich hier nur "echte" Bücher und Hörbücher, aber dieser Livestream ist einfach so gut, dass ich ihn euch nicht vorenthalten kann!

Montag, 7. November 2022

Mario und der Zauberer [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich für mein Studium gelesen. In dieser Vorlesung haben wir uns mit dem Thema "Magie" beschäftigt und "Mario und der Zauberer" war einer unserer Beispieltexte, mit denen wir uns beschäftigt haben. Und es war einer meiner liebsten Texte des Semesters. Viele der anderen kannte ich schon (zum Beispiel "Faust" von Goethe oder "Harry Potter" von J.K. Rowling) oder ich konnte damit nur wenig anfangen (zum Beispiel "The Tempest" von Shakespeare).

"Mario und der Zauberer" habe ich verschlungen und innerhalb von zwei Tagen gelesen. Es ist jetzt auch kein besonders dickes Buch, hat gerade mal hundert Seiten, aber wenn ich bedenke, wie lange ich teilweise für andere kürzere Unitexte brauche, ist das recht schnell. Nach dem Lesen habe ich dann auch noch meinen Vater dazu gebracht, diesen Text ebenfalls zu lesen, da ich Redebedarf hatte. Und auch er war begeistert.

Hier geht es um eine Familie, die in den 1920ern Urlaub in Italien macht. Mann hat dieses Buch 1930 geschrieben, der Nationalsozialismus und Faschismus köchelte also in Europa schon vor sich hin. Und darauf bezieht er sich in diesem Text auch. Er zeigt zum Beispiel, wie diese Familie in ein anderes Hotel umziehen muss, da sie von den anderen Gästen und den Besitzern aus dem anderen Hotel hinausgeekelt werden. Den größten Teil der Geschichte nimmt aber Herr Cipolla, der Zauberer ein. Die Reisenden erlauben ihren Kindern, zu einer Vorstellung dieses Zauberers zu gehen. Natürlich glauben die Eltern nicht an Zauberer und erwarten daher die üblichen Tricksereien: Kartentricks, verschwundene Taschentücher, vielleicht zersägte Menschen. Doch so ein Zauberer ist Herr Cipolla nicht. Stattdessen hypnotisiert er in seinen Vorstellungen Menschen. Und mehr kann ich euch nicht verraten, wenn ich nicht das Ende spoilern möchte.

Was an diesem Buch besonders spannend ist, ist, dass wir während der Vorstellung von Herrn Cipolla nie genau wissen, was denn jetzt eigentlich passiert und was da jetzt Herrn Cipollas Werk ist und was der freie Wille der Menschen, die er zu sich auf die Bühne lockt. Mann zeigte hier auch, warum große Gruppen an Menschen gefährlich und unberechenbar sein können - was er ja zur selben Zeit auch in der Realität miterleben musste.

Mein Fazit? Eine total spannende Lektüre, die mich fesseln konnte.

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Animal Farm [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch haben wir im Buchclub im Frühjahr gelesen. Davor stand es schon ewig in meinem Bücherregal. Ich hab dann aber ehrlich gesagt nicht nur das Buch gelesen, sondern gerade gegen Ende auch immer wieder das Hörbuch angehört. Das war für mich gerade eine stressige Phase meines letzten Semesters. Ja, das Buch ist nicht wirklich lang, aber wenn ich das Buch höre, kann ich nebenbei unwichtiges Zeug erledigen, wie zum Beispiel mein Mittagessen zu kochen.

In diesem Buch geht es um eine Farm, deren Bauer nach einem "Aufstand der Tiere" die Flucht ergreift. Die Tiere sind da jetzt also alleine und beschließen, dass das nicht so schlecht ist. Sie werden jetzt ihre eigene Gesellschaft aufbauen, mit Regeln, die besser und fairer sind als das Regime des Bauern es war. Denn: "All animals are equal." Doch wie das mit solchen Aufständen so ist, ist es schwierig, diese Ideale beizubehalten. Und so wird mit der Zeit aus der obersten Regel "All animals are equal but some are more equal than others." Wie sich das wohl weiterentwickeln wird?

Dieses Buch war schwierig für mich. Vor allem, dass alle Figuren Tiere sind, war meiner Meinung nach gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil ich noch nie über Tiere gelesen habe, die Diktaturen aufbauen möchten. Das war unangenehm, gleichzeitig aber sehr spannend. Und jetzt, wo ich über dieses Buch schreibe, stellt sich mir die Frage, ob ich wohl über dieses Buch eine Seminararbeit schreiben könnte. Ich hatte heute den ersten Termin eines Seminars zum Thema "Tyrannen und Tyrannenmorde", da würde das doch perfekt reinpassen, oder? Das einzige Problem ist wohl, dass der Fokus auf barocken Trauerspielen liegt. "Animal Farm" ist definitiv kein barockes Trauerspiel. Aber hey: Vielleicht erlaubt es der Professor ja, wenn ich es schaffe, eine gute Fragestellung zu finden.

Ich musste lange über dieses Buch nachdenken und das hat mich überrascht. Ich schätze, ich habe einfach nicht erwartet, dass dieses Buch so politisch und so gesellschaftskritisch ist, da es ja um Tiere geht. Ich wusste, dass es das sein wird, aber wow. Das ist mindestens auf dem Level von "1948".

Mein Fazit? Sehr spannender Roman, der mich zum Nachdenken brachte.

Donnerstag, 29. September 2022

Oliver Twist [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute habe ich mal wieder einen Klassiker für euch, mit dem ich mich an der Uni intensiv beschäftigt habe: "Oliver Twist" von Charles Dickens. Dieses Buch habe ich für ein Proseminar im Hinblick auf den Atem untersucht. Hört sich schräg an, oder? Immerhin ist das ein Buch und natürlich atmen Bücher nicht. Die Figuren darin aber schon, zumindest in ihrer eigenen Welt. Und ich habe in meiner Arbeit die These aufgestellt, dass sich ihre Atmung unterscheidet und zwar abhängig davon, welcher gesellschaftlichen Schicht sie zuzuordnen sind. Meine Argumentation reichte von Dingen wie dem ständigen Husten Fagins über die Gerüche, denen Oliver in unterschiedlichen Umgebungen ausgesetzt ist, bis hin zum Tod durch Erhängen. Ich sage das nicht oft über wissenschaftliche Arbeiten (außer natürlich vor Professor:innen), aber ich habe es genossen, diese Arbeit zu schreiben. Ich hatte hier die Chance, einen Klassiker mal aus einer komplett anderen Perspektive zu betrachten und musste mich mit Theoretiker:innen beschäftigen, die ich ohne diese Lehrveranstaltung nie kennengelernt hätte. Diese Lehrveranstaltung war für mich "nur" ein Wahlfach, aber ich habe trotzdem das Gefühl als wäre das einer der Kurse im letzten Semester, die mir am meisten gebracht haben.

Nun aber zum lieben Oliver. Von dem haben wir doch alle schonmal gehört, oder? Ich selbst musste Ausschnitte davon im Englischunterricht lesen und habe Teile des Films gesehen. Damals hat mich dieser Roman aber nicht wirklich interessiert. Natürlich nicht, ich war Schülerin. So kam es auch, dass ich nicht mal mehr genau wusste, worum es in "Oliver Twist" geht. Ich wusste, dass Oliver ein Waisenjunge ist und Ärger bekommt, weil er um eine zusätzliche Portion Essen fragte. Das wars auch schon. Dabei ist das nur der Beginn des Romans: Oliver Twist ist tatsächlich ein Waise. Zuerst lebt er bei einer geizigen Pflegemutter, dann wird er in ein Arbeitshaus geschickt und dort als Lehrling an einen Totengräber verkauft. Von dort flüchtet er nach London, wo er gezwungen wird, sich einer Diebesbande anzuschließen.

Ich war überrascht, wie modern sich "Oliver Twist" liest. Vom Stil her hätte dieser Roman genauso gut auch vorgestern erscheinen können. Klar kommen manchmal ältere Phrasen, die ich erstmal nachschlagen musste, aber hätte ich diesen Roman nicht für eine Proseminararbeit gelesen, wäre ich wohl einfach in der Lektüre versunken. Auch wenn Oliver für meinen Geschmack aus moralischer Sicht fast schon ein Heiliger ist und dadurch einiges an Tiefe verliert, hatte die Geschichte ihren Reiz und konnte mich fesseln. Ich kann total nachvollziehen, warum dieser Text auch heute noch bekannt ist und warum er so lange überliefert wurde. Er ist einfach gut geschrieben.

Besonders spannend ist auch der historische Kontext. Wenn ihr also plant, "Oliver Twist" zu lesen, recherchiert davor auch ein bisschen war über die Armengesetze und über Charles Dickens Aufwachsen. Als Jugendlicher musste der Autor nämlich selbst einige Zeit in ein Armenhaus und dort die Schulden seines Vaters abarbeiten. Deswegen hat er sich in seinen Werken auch immer gegen die damaligen Armengesetze Großbritanniens eingesetzt. Super spannendes Thema, über das ich mich gerne eingelesen habe!

Das einzige, was mir als Leserin aus dem Jahre 2022 wirklich unangenehm war, ist der offensichtliche Antisemitismus dieses Werks. Klar, zu Charles Dickens Zeit war so ein Blick auf Menschen anderen Glaubens vielleicht normal. Das ist mir bewusst. Aber wir leben nicht mehr im Viktorianischen Zeitalter und aus heutiger Sicht ist die Darstellung des Antagonisten Fagins (der meistens einfach nur "the Jew" genannt wird) einfach nur unmöglich und fühlt sich falsch an.

Mein Fazit? Interessanter Klassiker, mit dem ich mich gerne beschäftigt habe.

Sonntag, 27. März 2022

The Handmaid's Tale [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch haben wir am Freitag im Buchclub auseinandergenommen. Die Diskussion war wie immer super spannend. Ich finde es jedes mal aufs Neue spannend, dass jeder von uns die Bücher ein bisschen anders wahrnimmt. Und natürlich haben wir das Buch mal wieder nicht nur auf ernster Ebene analysiert, sondern auch über den Cast der Serie diskutiert (Nein... einfach nein!) und über die Frage, was es zu bedeuten hat, dass die Augenfarbe des Commanders so häufig erwähnt wird - und die Augenfarbe die gleiche ist, wie die von Offreds Vater. Die Augenfarbe ist übrigens das einzige, was Offred über ihren Vater weiß. Für unser Seelenheil haben wir dann aber beschlossen, dass der Commander nicht Offreds Vater ist. Sollte da jemand was genaueres wissen: Schreib es gerne in die Kommentare. Nein, zu diesem Thema möchte ich keine Privatnachricht. Wenn ich verstört werde, sollen bitte zumindest auch alle anderen darunter leiden.

Dass ich Margaret Atwood für ein verdammtes Genie halte, ist wirklich kein Geheimnis. Ihre Zukunftsversion, die sie uns hier präsentiert, gehört zu den gruseligsten, die ich je kennenlernen durfte. Es ist nicht nur ein bisschen furchterregend, du bekommst kein angenehmes Schaudern von diesem Buch. Bei der Vorstellung, in dieser Welt leben zu müssen, bekomme ich innerlich einen Schreikrampf und das Bedürfnis, wie in einem alten Cartoon einfach durch die Wand zu rennen. Ich kenne in der Zwischenzeit echt viele Dystopien. Die meisten darin präsentierten Welten sind nicht gerade lebenswert. Aber Atwood toppt die alle und teilt sich den ersten Platz der Liste mit Katherine Burdekin.

"The Handmaid's Tale" spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der Frauen wenig bis gar keine Rechte haben, je nach ihrem sozialen Stand. Deswegen halte ich es auch für sehr wichtig, dass ihr vor dem Lesen die Triggerwarnungen zu diesem Buch überprüft. Dieser Roman ist teilweise wirklich heftig und die Beschreibungen sind noch dazu auf der eher expliziten Seite. Offred ist eine sogenannte "Handmaid". Die Gesellschaft sieht sie als reine Gebärmaschine. Rechte hat sie keine - nicht mal auf einen eigenen Namen. Offred setzt sich aus den Wörter "of" und "Fred" zusammen. Also übersetzt: von Fred. Offred wird als Objekt gesehen, sie soll den lieben langen Tag nichts tun, außer zu beten und einen Spaziergang zu machen und sich regelmäßig vergewaltigen lassen, damit sie hoffentlich schwanger wird. Das Kind würde man ihr aber nach wenigen Monaten wegnehmen - immerhin soll sie ja keine Mutter sein, sondern nur gebären. Ich denke, ihr versteht, warum diese Welt so grauenhaft ist.

Atwood schafft es trotzdem aber auch hier, dass ihre Sprache faszinierend, poetisch und oft sogar schön ist. Meiner Meinung nach merkt man stark, dass Atwood auch Gedichte schreibt. Und das meine ich auf eine positive Art. Ich liebe Atwoods Stil!

Mein Fazit? Wenn ihr es nicht eh schon getan habt, dann packt diesen Roman auf eure Bucket List. Das müsst ihr gelesen haben!

Freitag, 25. Februar 2022

Das Meerbuch [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch hat mir meine Schwester letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt. Ich habe sie davor immer wieder zur Klassikerabteilung unserer Buchhandlung geschleift und ihr genau erklärt, welche Bücher ich warum lesen möchte. Und brav wie sie ist, hat sie auf mich gehört.

In diesem Buch geht es um etwas, von dem die liebe P. aktuell um einiges mehr hat als ich: Das Meer. Wir lieben es beide, vor allem im Sommer. Und sie hat jetzt tatsächlich das Glück für einige Monate direkt am Meer zu leben. Ich bin auch nur ein bisschen neidisch und ihre täglichen Fotos vom Meer machen das auch auf keinen Fall noch schlimmer oder so. Wenigstens konnte ich durch dieses Büchlein ein bisschen an ihrem Glück teilhaben und zumindest in meinen Gedanken ans Meer reisen.

In dieser Sammlung findet ihr Gemälde, Gedichte und Ausschnitte aus Klassikern, die definitiv Lust auf mehr (und Meer) machen. Es ist wunderschön und sehr liebevoll gestaltet. Gerade die Bilder haben mich in ihren Bann gezogen: Jedes einzelne davon ist ein wahres Kunstwerk! Mit den Klassikerausschnitten hatte ich allerdings so manchmal meine Probleme. Ich verstehe, dass man hier nur schwer die gesamten Texte abdrucken kann. Aber ich finde, dass das Verständnis doch dadurch beeinträchtigt wird, dass man nur einen Teil der Texte liest und die so aus ihrem Kontext gerissen werden. Vielleicht wäre es also besser gewesen, hier nur in sich abgeschlossene Texte zu präsentieren und sich also zum Beispiel auf Kurzgeschichten und Gedichte zu beschränken.

Mein Fazit? Schön gestaltetes Buch, das in mir die Sehnsucht nach dem Meer geweckt hat.

Montag, 13. Dezember 2021

Das Glasperlenspiel [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass ich dieses Buch beendet habe. Ursprünglich stand "Das Glasperlenspiel" auf der Liste mit Werken für meine Bachelorarbeit, es stellte sich aber schon bald heraus, dass dieses Buch so gar nicht da rein passt. Als ich deswegen die Anweisung bekam, diese Liste zu kürzen, war dieser Text der erste, den ich wegstrich.

Nun stellt ihr euch sicher die Frage, warum ich so lange darauf gewartet habe, diesen Text zu rezensieren? Ganz einfach: Ich konnte mit diesem Buch einfach gar nichts anfangen. Und wenn das bei Klassikern vorkommt, dann überlege ich mir immer lieber zweimal, ob ich das Buch rezensieren soll oder doch lieber nicht. Jetzt habe ich mich aber doch dafür entschieden, der Vollständigkeit halber. Hesse gehört zu den Autoren, die meiner Meinung nach total überbewertet werden. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich weiß, dass viele Leute Hesse sehr gerne mögen und seine Texte für wertvoll halten und auch ich finde nicht jeden seiner Texte schlecht. "Unterm Rad" war zum Beispiel eine der spannendsten Klassenlektüren, die ich in meiner Schulkarriere gelesen habe. Aber wenn ich für den Kanon verantwortlich wäre, dann hätte Hesse eine viel geringere Bedeutung. Mein Problem mit ihm ist nämlich Folgendes: Er schafft es einfach nicht, Spannung zu erzeugen. Sein Schreibstil plätschert einfach so dahin und es passiert einfach nichts. Gar nichts. Und selbst wenn in ihren Texten nichts passiert, schaffen es manche Autor:innen noch mit ihrem Schreibstil, genug Spannung zu erzeugen, damit ich dabei bleibe. In "Warten auf Godot" gibt es ja auch keine besondere Handlung und trotzdem habe ich das Drama innerhalb kürzester Zeit durchgesuchtet. Hesse hat das zumindest hier nicht geschafft. Und deswegen war mir auch nach mehreren hundert Seiten noch egal, was denn jetzt mit seiner Hauptfigur und seiner Welt passiert.

Seine Hauptfigur war für mich das nächste Problem. Der Typ ist so unglaublich blass beschrieben! Er hat keine Ecken und Kanten, nichts, was ihn besonders macht. Ja, er ist belesener als seine Altersgenossen und intelligenter, aber er hat keine Fehler, keine Tiefe, nichts. Der Typ ist ein Heiliger und ihr wisst alle, was ich von Buchfiguren dieser Art halte. Er existiert einfach nur, lernt, wird erwachsen und wird Meister des "Glasperlenspiels", das in meiner Vorstellung das langweiligste Spiel aller Zeiten sein muss, was unter anderem daran liegt, dass Hesse es nicht schafft, mir zu erklären, was es denn damit eigentlich auf sich hat und warum es für die Menschen dieser Welt eine so große Bedeutung hat. Es tut mir leid, dass ich diesen Text so harsch beurteilen muss, aber mir gibt dieser Text einfach nichts.

Mein Fazit? Hat es meiner Meinung nach nicht verdient, auch heute noch so gefeiert zu werden. Mich konnte dieser Text zumindest nicht überzeugen.

Freitag, 19. November 2021

Die göttliche Komödie [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Quelle: Verlag


Quelle: Verlag

Leute, heute darf ich euch eine unglaubliche Rezension präsentieren. Ich hab's vielleicht das ein oder andere Mal durchklingen lassen, dass ich "Die göttliche Komödie" als mein Sommerprojekt ansehe, aber viele wird das wahrscheinlich trotzdem überraschen. Insgesamt habe ich drei Monate für dieses Werk gebraucht. Mitte August habe ich begonnen und Ende Oktober habe ich es abgeschlossen. Zwischendurch musste ich wegen des Umzugs mal ein bisschen pausieren und dann auch noch mal ein paar Tage nach der Absolventenfeier. Aber sonst habe ich fast ausnahmslos jeden Tag zumindest einen Gesang gelesen. Manchmal auch noch einen zweiten und manchmal noch einen dritten, je nachdem, wie motiviert ich gerade war.

In diesem Jahr wird ein Dante-Jubiläum gefeiert. 2021 war Dantes 700. Todestag. Das hat mich ursprünglich dazu gebracht, die "Göttliche Komödie" zu kaufen. Und ich hatte dann die Wahl zwischen einer schönen, ausführlich kommentierten, zweisprachigen Ausgabe und einer billigeren ohne Kommentar. Ein Tipp für alle, die bisher erst wenig mit Klassikern zu tun hatten: Wenn ihr die Wahl habt, dann holt euch immer eine kommentierte Version. Das kann den Unterschied machen, zwischen einem Buchabbruch aus Frustration und einer schwierigen, aber spannenden Leseerfahrung. In dieser Dante-Übersetzung ist der Kommentar nochmal ausführlicher, als ich es von anderen Klassikern gewohnt bin. Aber der Kommentar ist hier allein schon wegen des Alters des Werks sehr notwendig. Er war unglaublich hilfreich. Ich hab nicht jeden einzelnen Kommentar gelesen, aber gerade bei Personennamen war das eine gute Ergänzung für mich.

Spannend ist für mich auch, dass meine Uni dieses Semester eine Ringvorlesung zu Dantes "Göttliche Komödie" anbietet. Das hat mich dazu motiviert, dranzubleiben. Immerhin will ich doch auch wissen, worüber da gesprochen wird und mir eine eigene Meinung zum Text bilden können. Ich bekomme jetzt wöchentlich neuen Input zum Thema und das ist echt spannend. Aber dadurch, dass ich dieses Werk gelesen hat, kann ich jetzt auch mal für mich beschließen: "Nein, diese Theorie ist für mich nicht schlüssig, da spricht für dieser und jener Abschnitt dagegen." War zwar bis jetzt erst einmal in dieser Vorlesung der Fall, aber trotzdem ein cooles Gefühl.

Auch wenn ich begeistert von Dante bin, kann ich euch die Lektüre dieses Werks nur dann empfehlen, wenn ihr schon Erfahrung mit Klassikern gesammelt habt. Die Sprache hier ist nicht einfach und um den Inhalt halbwegs verstehen zu können, braucht ihr Hintergrundwissen. Ich meine es Ernst: Dieser Text ist nicht einfach. Auch für mich nicht, und ich habe einen Bachelor in Literaturwissenschaft und deswegen so einige Werkzeuge für das Verständnis von Literatur parat, als das bei den normalen Leser:innen der Fall sein dürfte.

Am unterhaltsamsten finde ich den ersten Teil: "Die Hölle". Hier gibt es so viele Seitenhiebe gegen Machthaber und religiöse Figuren, Bischöfe, Päpste und co. und das zu lesen, hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich habe meinem Vater sogar Ausschnitte vorgelesen, die ich witzig fand. Manche fand er sogar ebenfalls lustig. Am wenigsten spannend fand ich paradoxerweise das "Paradies". Da ging für mich viel Spannung dadurch verloren, dass der Erzähler so verrückt nach seiner verstorbenen Freundin Beatrice ist, der er hier wieder begegnet. 

Mein Fazit? Ihr habt keine Ahnung, wie stolz es mich macht, dass ich es geschafft habe, Dantes "Göttliche Komödie" von vorn bis hinten durchzulesen. Und ich möchte eine (zumindest teilweise) Wiederholung nicht ausschließen.

Donnerstag, 19. August 2021

The Martian Chronicles [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Es gibt Bücher, bei denen ich schockiert bin, dass die nicht regelmäßig neu verfilmt werden. Zu diesem Buch konnte ich nur eine Adaption von 1980 finden. Das ist verschwendetes Potential! Dieses Buch könnte die Art von Film werden, die mein Vater und ich uns gemeinsam ansehen würden. Da sind Science-Fiction- und dystopische Elemente, da ist Gesellschaftskritik und Fantasie und Aliens und einige Stellen grenzen fast schon an Horror! Ich habe gelacht und gezittert und an meinen Nägeln gekaut und am Abend "nur noch ein Kapitel" gelesen.

In diesem Buch wird ein Traum wahr, den die Menschheit noch heute verwirklichen möchte: Der Mars wird endlich besiedelt! Doch mit einem haben die Menschen nicht gerechnet: intelligentes Leben. Hochintelligentes Leben. Leben, das dazu bereit ist, um diesen Planeten zu kämpfen. Doch die Marsianer sind nicht einfach bösartig, wie das in vielen aktuellen Filmen und Büchern der Fall wäre. Sie wollen halt einfach in Ruhe gelassen werden.

Besonders spannend waren für mich die vielen unterschiedlichen Perspektiven. Da ist zum Beispiel eine Marsfrau, die die Landung der Erdlinge in einem Traum voraussieht. Da ist die Besatzung der verschiedenen Raumschiffe. Die ersten Siedler. Und so weiter und so weiter. Man lernt viele verschiedene Facetten der Menschheit kennen und das macht diesen Roman so interessant.

Spannend ist auch, dass es in diesem Buch keine klare Unterteilung in Gut und Böse gibt. Es gibt hier nur Grautöne. Klar, natürlich gab es ein paar Figuren, die ich persönlich als "böse" bezeichnen würde und einige, die ich "gut" nennen möchte. Aber da war einfach so viel dazwischen!

Mein Fazit? Ein wirklich toller Science-Fiction-Klassiker.

Mittwoch, 11. August 2021

Swastika Night [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich hasse das Cover zu diesem Buch. Das ist das einzige Buch in meinem Regal, dessen Cover ich früher oder später einfach mit einem anderen überkleben werde. Wann auch immer ich während dem Schreiben meiner Bachelorarbeit Besuch hatte, habe ich dieses Buch möglichst unter anderen versteckt. Dieses Cover ist einfach schrecklich und ich hoffe sehr, dass niemand auf falsche Gedanken kommt, nur weil ich dieses Buch hier rezensiere. Die Autorin ist nämlich kein Nazi und findet diese Ideologie wohl genauso schrecklich wie jeder normale Mensch, wenn nicht sogar noch schrecklicher. Dieses Buch erschien erstmals in der zweiten Hälfte der 1930er. Merkt euch das, denn das macht diesen Roman eindrucksvoller, als er eh schon ist.

In diesem Buch haben die Nazis ihr Ziel erreicht und einen großen Teil der Welt erobert. Und diese Welt ist noch schlimmer, als ihr euch das vielleicht jetzt vorstellt. Der Nationalsozialismus hat sich hier zu einer verdammten Religion entwickelt! Hier wird das große Arschloch mit H. angebetet, er ist hier ein blonder, muskulöser Halbgott, der bereits mit zehn Jahren Kriege gewonnen hat. Es gibt eine eigene Bibel dafür, Gottesdienste, Sünden,... Besonders beschäftigt sich Burdekin mit dem Männlichkeitskult der Nazis, den sie hier darstellt. In dieser Welt dreht sich alles um Männer. Frauen spielen nur eine untergeordnete Rolle, sie leben eingepfercht in Ghettos und haben weniger Rechte als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Sie sind reine Gebärmaschinen. Dass sie Menschen mit Gefühlen sind, das ist hier komplett egal. Solang sie Kinder und vor allem Söhne gebären, sind die Männer zufrieden.

Diese Dystopie wird hauptsächlich aus der Perspektive des homosexuellen Nazis Hermann erzählt und aus der Perspektive des Engländers Alfred. Alfred befindet sich auf Pilgerreise durch Deutschland und steht dem ganzen Kult eher kritisch gegenüber. Da kommt es ihm gerade recht, dass ein sogenannter Knight (das ist eine Mischung aus Priester, Bürgermeister und Richter) auf ihn aufmerksam wird und ihn in seinem Widerstand unterstützt.

Ich legte diesen Roman immer wieder angewidert zur Seite und konnte doch nicht aufhören, ihn zu lesen. Gut, es war eigentlich ja auch keine Option, immerhin schrieb ich da ja meine Arbeit darüber. Aber dieser Text hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Ich lag nachts wach und dachte nach. Ich sprach mit meiner Großmutter und mit einigen Freund:innen darüber. Und es lässt mich immer noch nicht los. Burdekin hat hiermit ein unglaubliches Werk geschaffen und ich kann es nicht fassen, dass ihr Text nicht eine viel größere Rolle in der Literaturwissenschaft spielt. Die Frau war ein Genie. Sie sollte viel bekannter sein als sie es im Moment ist!

Mein Fazit? Diesen Text sollte wirklich jede:r gelesen haben.

Montag, 9. August 2021

Fahrenheit 451 [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Habt ihr euch in der Schule jemals mit Bücherverbrennungen beschäftigt? Wir schon und mir war immer zum Heulen zumute, wenn ich darüber lesen musste oder wir sogar Videos angesehen haben. Bradbury ging es dabei wohl ebenfalls nicht besonders gut, anders kann ich mir dieses Buch nicht erklären. In dieser Zukunftsversion, die er hier beschreibt, sind Bücher streng verboten. Die Menschen in dieser Zukunft dürfen Musik und Radio hören, fernsehen, mit schnellen Autos fahren und auch das sich gegenseitig Umbringen ist durchaus akzeptiert, aber Bücher sind verboten. Die bringen Menschen nämlich dazu, sich und ihr Leben zu hinterfragen und macht sie so unglücklich. Gut, dass es die Feuerwehr gibt, die "happiness boys", wie sie sich selbst nennen. Du siehst, dass dein:e Nachbar:in Bücher hat? Schnell die Feuerwehr anrufen, dann wird diese Person eingewiesen und ihr gesamtes Hab und Gut wird verbrannt. Die Hauptfigur dieses Buches ist Montag, ein Feuerwehrmann, der seinen Job liebt. Zumindest, bis im Haus nebenan die junge Clarissa einzieht. Sie könnte seine Tochter sein und im Gegensatz zu vielen anderen Protagonisten in Klassikern behandelt er sie auch dementsprechend und nicht wie eine potentielle Partnerin. Halleluja! Clarissa passt nicht so recht in diese Welt. Sie will tiefe Gespräche führen, spazieren gehen, den Regen auf der Haut spüren und stellt unangenehme Fragen. Und damit bringt sie Montag zum Nachdenken? Was genau verbrennt er da eigentlich? Und warum?

Diese Dystopie spielt sogar von unserer Gegenwart aus gesehen in der Zukunft. Es werden die 2020er-Jahre erwähnt, doch auch die liegen hier schon weit in der Vergangenheit. Dort gab es die ersten Atomkriege und das machte mich dann doch eher nervös. Wir sind gerade mitten in den 2020er-Jahren und ein Atomkrieg scheint für mich jetzt nicht so eine unwahrscheinliche Option zu sein. Das war gruselig.

"Fahrenheit 451" ist ziemlich schnell auf meine Favoritenliste gelandet. Es hat mir einfach unglaublich viel Spaß gemacht, Montag auf seinem Weg durch die verkorkste Zukunft zu begleiten und mir zu überlegen, wie zur Hölle ich meine Bücher verstecken würde, wenn ich in dieser Welt festsitzen würde. Und nein, ich habe noch keine Lösung gefunden.

Mein Fazit? Extrem spannend und obwohl es sich um einen Klassiker handelt, leicht zu lesen. Ich kann es euch nur empfehlen.

Samstag, 7. August 2021

Auf den Marmorklippen [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Auch dieses Buch habe ich ursprünglich für meine Bachelorarbeit gelesen, habe es dann aber gestrichen, weil es einfach nicht so gut dazu gepasst hat (und mein Professor wollte, dass ich Texte streiche). Dieser Text wird in meinem Brockhaus zwar unter "Dystopie" aufgelistet, aber ich würde diesen Text von mir aus nie als Dystopie bezeichnen. Es gibt hier zwar einige Anspielungen, dass in der Vergangenheit etwas passiert ist, aber ich konnte keine Textstelle finden, in der klar gesagt wird, dass diese Geschichte in der Zukunft spielt. Und das ist eines der Hauptmerkmale an denen man eine Dystopie erkennt.

Interessant wird dieses Buch vor allem dadurch, das zumindest ich nicht wusste, was genau vor dieser Geschichte passiert ist. Gab es einen Krieg? Ist das ein alternatives Universum? Was ist los? Es ist von einem alten "Pulverkopf" die Rede, manche Figuren haben Autos, aber im Allgemeinen hat diese Welt nicht besonders viel mit der unseren gemeinsam. Das merkt man auch an der Hauptfigur, die in einer Art Kloster auf den Marmorklippen lebt und damit abgeschieden von der Gesellschaft. Die Gesellschaft ist verroht und durch Gewalt geprägt. Zwar gibt es auch einige friedliche Gruppen, aber da ist auch der "Fürst", der Anhänger um sich schart und das Land verwüstet. 

Ich wurde aus diesem Buch nicht ganz schlau und werde definitiv noch so einige wissenschaftliche Artikel dazu lesen, um eine Interpretation zu finden, die mir passend erscheint. Die am weitesten verbreitete Idee ist wohl, dass es sich bei diesem Text um eine Parabel auf den Nationalsozialismus handelt. Ganz zufrieden bin ich mit dieser Erklärung aber nicht. Klar, das kann man ganz eindeutig so lesen, aber ich denke, dass da noch mehr in dieser Geschichte steckt.

Mein Fazit? Habe ich gerne gelesen, allerdings werde ich mich noch länger mit möglichen Interpretationsmöglichkeiten beschäftigen.

Sonntag, 1. August 2021

Brave New World [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

"Brave New World" stand ursprünglich auf der Liste für meine Bachelorarbeit, ich musste diesen Text dann aber leider wieder streichen. Mein Professor hatte Zweifel, dass ich es schaffe, so viele Texte in meiner Bachelorarbeit zu behandeln - und wahrscheinlich hatte er Recht, wenn ich bedenke, dass ich am Ende meiner Arbeit noch zehn Seiten streichen musste.

In "Brave New World" geht es um eine Zukunft, in der jeder Mensch zufrieden mit seiner Position ist, egal wie schlecht sie auch aus heutiger Situation wirken mag. Wie die Menschheit das geschafft hat? Genmanipulation, die Erschaffung von Klonen und frühkindliche Prägung. Wenn man eine Firma eröffnet und dafür Fließbandarbeiter braucht, die eintönige Arbeit lieben, dann musst du nur ein bisschen vorausplanen und bekommst eine ganze Armee an Menschen geliefert. Diese Vorstellung, dass Menschen so zur Ware werden, fand ich verdammt gruselig. Und auch, wieweit sich die Gehirnwäsche hier weiterentwickelt hat. Und die betrifft hier nicht nur die unteren Schichten, sondern jeden. Die Geschichte wird nämlich aus der Sicht von Menschen der Oberschicht erzählt und auch die wissen, dass es nicht erwünscht ist, irgendwas zu hinterfragen. Erschreckend fand ich auch, dass in dieser Zukunft alles so sexuell geprägt ist und zwar von Kindesbeinen an. Orgien werden von öffentlicher Hand gefördert und in den Umkleidekabinen von Arbeitsplätzen gibt es...spezielles Spielzeug, das auch fröhlich benutzt wird. Wer nicht regelmäßig neue Partner:innen hat, wird als abnormal und krank angesehen. Ich würde mich nicht als prüde ansehen, aber das hier war ein bisschen viel, vor allem, weil es so unerwartet kam. Ich wusste nicht viel über "Brave New World" bevor ich es selbst gelesen habe.

Die interessanteste Figur war meiner Meinung nach John. Er ist außerhalb dieses Systems aufgewachsen und hat als einer von sehr wenigen Menschen der Welt Eltern, die er noch dazu kennt. Natürlich gezeugte Kinder würde man normalerweise abtreiben lassen. Doch Johns Mutter wurde in einem Reservat vergessen, in dem die Welt noch sehr ähnlich wie Huxleys Gegenwart zu sein scheint. Durch Bernard und Lenina wird er in die "Zivilisation" gebracht und darf die moderne Welt kennenlernen. Natürlich ist er total überwältigt, aber irgendwie auch enttäuscht. Ihn schreckt die Welt ab, sie macht ihn krank. Dazu kommt, dass er nicht als Mensch gesehen wird, sondern als Obskurität, die man wie ein Tier im Zoo bewundern kann.

Mein Fazit? Schnappt euch diesen Klassiker und lest ihn. Er ist erschreckend und unglaublich spannend!

Samstag, 24. Juli 2021

1984 [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch war das einzige, das jeder einzelne Mensch kannte, dem ich von meinem Bachelorprojekt erzählte. Lange habe ich versucht, allen Betroffenen genau zu erklären, was ich denn meine, wenn ich von Dystopien spreche. Irgendwann sah die Erklärung dann so aus: "Du weißt schon... wie 1984 von Orwell..." Dann wusste nämlich immer jeder, um was es ging.

In "1984" geht es um Winston Smith, der im Ministry of Truth arbeitet und dort den lieben langen Tag damit verbringt, Zeitungsartikel für die Regierung "zu korrigieren", also zu fälschen. Er lebt im Jahr 1984 was aus Orwells Sicht die Zukunft war. Und diese Zukunft hat es in sich! Die Partei Big Brothers ist an der Macht, es gibt keinerlei Privatsphäre und Gedanken können tödlich sein. Das meine ich ernst: Es gibt eine Gedankenpolizei und Gedankenverbrechen. Jeder Mensch wird durchgehend überwacht, entweder vom sogenannten Telescreen oder von seinen Mitmenschen. Verdammt gruselig, wenn ihr mich fragt! Durch Winston tauchen wir sehr tief in diese Welt ein und es ist echt nicht ohne.

Ich war überrascht, wie "modern" dieser Roman geschrieben ist. Klar, er ist "nur" aus 1948, aber ich kenne auch Klassiker aus den 1970ern, die für mich nur mit viel Anstrengung lesbar sind. Das hier las sich als wäre es erst gestern erschienen. Ich musste mich immer wieder dazu zwingen, nicht in diesem Roman zu versinken. Immerhin musste ich für meine Arbeit ja auch den Ausdruck und so analysieren und konnte den Text nicht einfach verschlingen. Ich habe mir aber schon geschworen, dass ich dieses Buch in ein paar Jahren nochmal lesen werde. Nur für mich, ohne den Druck, es wissenschaftlich zu betrachten.

Mein Fazit? Wenn ihr Dystopien mögt, müsst ihr diesen Roman gelesen haben!