Montag, 15. Juli 2019

Nichts wird dir bleiben

Autor: Christian Kraus
Erscheint am 1. 8. 2019
Im Droemer Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-426-30706-9
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zum Autoren:
"Christian Kraus wurde 1971 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin und Promotion an der Universität Hamburg war er lange als Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Psychosoziale Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf tätig.
Seit 2006 ist er Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er absolvierte Zusatzausbildungen in Psychoanalyse, forensischer Psychiatrie und Sexualtherapie und arbeitet heute als niedergelassener ärztlicher Psychotherapeut und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Hamburg.
Christian Kraus ist verheiratet und hat eine Tochter."

Quelle: Verlag

Klappentext:
Der Psychoanalytiker Thomas Kern ist geschockt, als er den Freitod einer jungen Patientin mit ansehen muss, ohne eingreifen zu können, und er macht sich Vorwürfe, weil er der jungen Frau nicht helfen konnte. Doch es kommt noch schlimmer: Wenige Tage nach dem Selbstmord erhält er Besuch von der Polizei. Ihm wird vorgeworfen, das Mädchen missbraucht und so erst in den Tod getrieben zu haben. Auf seinem Computer finden sich scheinbar Beweise dafür. Thomas' Frau setzt ihn vor die Tür, Freunde und Kollegen wenden sich ab, seine Tochter Natascha will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Erst als Thomas herausfindet, dass Nataschas neuer Freund Mitglied in einer gefährlichen Sekte ist, ahnt er, welches perfide Netz sich da Stück für Stück um ihn zusammenzieht. Erst langsam wird ihm jedoch klar, vor welch finsterer Macht er seine Familie und sich beschützen muss.
Quelle: Verlag

Meine Meinung: 
Wow, was für ein Thriller! So gehört sich das, so will ich das!

Thomas tat mir die meiste Zeit total leid. Da macht er sich eh schon Vorwürfe, dass er seiner Patientin nicht helfen konnte und dann steht kurz darauf die Polizei vor der Tür und ermittelt gegen ihn. Er habe sie nämlich missbraucht: So steht es auf dem Abschiedsbrief der Patientin. Und dass genau jetzt  in die Praxis eingebrochen wurde, das glauben sie ihm auch nicht. Wer weiß, was er darin versteckt hat! Und dann ist da noch die Sache mit dem, nennen wir es mal belastenden Material, das irgendwie auf Thomas Laptop gelandet ist. Ganz ehrlich? Die Hälfte der Zeit war ich mir selbst nicht sicher, ob an den Vorwürfen der Polizei nicht doch irgendwas dran ist und Thomas uns nicht einfach belügt. Sicher sein kann man sich ja bei Büchern nie! Aber dann taucht die Sekte auf und Oh mein Gott!
Der Sektenführer Timon ist ja wohl einfach nur unglaublich! Er zieht die Fäden im Hintergrund und manipuliert scheinbar alles, wirklich alles! Egal um was es geht. Und das, während ihn der Großteil seiner Welt als "den Guten" wahrnimmt, den barmherzigen Samariter, der eine Stiftung für Waisenkinder gegründet hat.
Das einzige, das mich an diesen zwei Figuren gestört hat, waren die Namen. Die waren mir fast zu ähnlich. Und das ist hier natürlich dramatisch, denn die zwei Figuren sollte man echt nicht miteinander verwechseln!

Die nächste wichtige Figur des Buches ist Natascha, Thomas Tochter. Sie kann nicht glauben, was ihr Vater alles getan haben soll. Aber die Polizei sagt es, ihre Mutter sagt es und ihre Klassenkollegen sagen es - also muss es wohl stimmen. Ihr Leben fällt in sich zusammen! Das einzige, das ihr jetzt noch Halt gibt, ist ihr neuer Freund Marc. Marc, der sich für ihre Arbeit bei der Antifa interessiert und ihr ebenfalls eine Gruppe vorstellen will, die einfach unglaubliches tut! Und Natascha ist verliebt, sie trägt eine rosarote Brille, mit zu schwachen Gläsern - und sieht nichts. Dabei kam sie mir aber nie nervig oder dumm vor, wie das bei anderen verliebten Charakteren oftmals ist, sondern einfach....normal und nachvollziehbar.
Die letzte Figur ist Jessica, die Schwester der verstorbenen Patientin. Tja, über sie kann ich eigentlich gar nichts schreiben, ohne euch die ganze Spannung zu stehlen!

Die Story selbst war nachvollziehbar und machte Sinn. Großen Applaus dafür, denn bei vier verschiedenen Handlungssträngen (und teils noch mehr) ist das wirklich keine Selbstverständlichkeit. Dabei blieb sie immer spannend, was wahrscheinlich großteils daran liegt, dass alle Figuren ständig in Bewegung sind und sie alle ständig was tun.

Mein Fazit: Das müsst ihr lesen! Total spannend und einfach großartig! Dieses Buch bekommt den Approved-Stempel!


Donnerstag, 11. Juli 2019

Der Präparator

Autor: Mike Omer
Erschienen am 11.6.2019
In Edition M
ISBN: 9782919808212
Rezensionsexemplar: Ja
Quelle: Verlag


Zum Autoren
"Mike Omer, Autor der »Zoe-Bentley«- sowie der »Glenmore Park Mystery«-Reihen, arbeitete bereits als Journalist, Spieleentwickler und Geschäftsführer von Loadingames. Er ist mit einer Frau verheiratet, die ihn emsig ermahnt, seinen Traum zu leben, und Vater eines Engels, einer Elfe und eines Kobolds. Außerdem besitzt er zwei gefräßige Hunde, die jeden Besucher mit eifrigem Schwanzwedeln begrüßen. Mike schreibt am liebsten über authentische Menschen, die ein Verbrechen begangen haben oder einem zum Opfer gefallen sind."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der »Washington Post«-Bestseller: Auftakt zur neuen Thriller-Reihe um die forensische Psychologin Zoe Bentley.

In Chicago wurden drei Frauen erwürgt, einbalsamiert und in lebendig wirkenden Posen zur Schau gestellt. Das FBI bittet die forensische Psychologin Zoe Bentley, die Ermittlungen zu unterstützen. Von Anfang an gerät sie dabei mit ihrem neuen Partner aneinander, dem selbstgefälligen und unkonventionellen Special Agent Tatum Gray.
Aber sie müssen sich gemeinsam in die Psyche des Serienmörders versetzen und dessen kranke Fantasien ergründen, damit nicht noch mehr Frauen sterben. Als der Inhalt dreier unscheinbarer Umschläge jedoch eine erschreckende Verbindung zu grausamen Morden aus Zoes Kindheit erahnen lässt, wird die Jägerin auf einmal zur Gejagten."
Quelle: Lovelybooks.de

Meine Meinung:
Von diesem Buch habe ich schon sehr viel positives gehört. Wirklich sehr viel! Doch wieder mal ist es so, dass ich der allgemeinen Meinung nicht zustimme. Leider!

Ich habe dieses Buch angefragt, da ich den Klappentext enorm spannend fand. Innerhalb weniger Stunden bekam ich dann schon die Bestätigung. Cool! Doch hier fingen dann die Probleme schon an. Auf jeden Fall war es so, dass mein Downloadlink nicht und nicht funktionieren wollte. Ich probierte es über mehrere Tage, aber nichts ging weiter. Also schrieb ich dem Support. Die hatten das dann Gott sei Dank sehr schnell erledigt, aber leider musste ich das Buch dann im PDF-Format lesen. War nicht die angenehmste Leseerfahrung, aber tja, kann man nichts machen. Auf jeden Fall noch mal vielen, vielen Dank an K. vom Technik Support! Sie hat mir da wirklich total geholfen und das Problem innerhalb von wenigen Stunden behoben! Danke!

Jetzt aber wirklich zum Buch! Die Geschichte selbst hat viel Potential für Spannung, das muss ich zugeben. Ich sage Potential. Ausgenutzt wurde dieses Potential meiner Meinung nach nicht komplett. Vieles war spannend, aber oft wurde die Spannung zwischendurch einfach unterbrochen. Zum Beispiel, wenn sich der großartige Geschmack irgendeiner Mahlzeit schon wieder auf der Zunge Zoes ausbreitet. Das wurde jedes Mal genau so beschrieben. Über mehrere Zeilen. Und da war dann meiner Meinung nach jede Spannung futsch! Egal, ob davor ein Mörder gejagt wurde oder gestritten wurde oder oder oder. Diese Wendung wurde überall einfach eingefügt, scheinbar ohne Rücksicht auf den Kontext zu nehmen. Freut mich ja, dass Zoe ihr Essen genießt, aber für mich als Leserin war das störend.

Bleiben wir gleich bei unseren Protagonisten. Aus Zoe wurde ich nicht ganz schlau, bis zum Schluss nicht. Auf der einen Seite ist sie total tough. Mit Leichen hat sie kein Problem, sie hat keinerlei Angst vor irgendwas, sie geht berechnend vor und schafft es mit Leichtigkeit, sich in den Kopf der Mörders zu versetzen. Auf der anderen Seite lässt sie sich einfach jahrelang von einem verrückten Stalker kontrollieren, obwohl sie bei dem FBI arbeitet. Sie meldet die Briefe nicht mal bei der Polizei. Klar, den ersten hat sie abgegeben, aber die restlichen fünfzehn oder so? Nichts mehr! Das macht in meinen Augen nur wenig Sinn.
Mit Tatum wurde ich erst zum Schluss warm. Seine Persönlichkeit ändert sich im Laufe des Buches komplett. Zu Beginn ist er kalt, hart, ein richtiger, typischer Badboy. Daraus entwickelte sich ein mehr oder weniger netter Kerl, der zwar immer noch nur wenig Vertrauen in Zoes Können hat, aber sich wenigstens besser verhält.

Gelungen fand ich die Kapitel, die aus der Sicht des Mörders geschrieben wurden. Die waren richtig, richtig spannend und wenn das Buch nur aus solchen Kapiteln bestehen würde, hätte ich es wohl für keine Sekunde mehr aus der Hand gelegt. Einfach nur großartig! Nur leider konnte einfach der Rest des Buches nicht mit diesen Kapiteln mithalten.

Mein Fazit? Spannende Idee. Wirklich spannende Idee mit teilweise guter Umsetzung. Aber eben leider nur teilweise.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Suche mich nicht

Autor: Harlan Coben
Erschienen am 18. 6.2019
Im Goldmann Verlag
ISBN: 9783442205455
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zum Autoren:
"Meister des psychologischen Thrillers: Der amerikanische Bestsellerautor Harlan Coben wurde 1962 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey geboren und studierte Politikwissenschaften am Amherst College in Massachusetts. Anschließend arbeitete er zunächst im Touristikunternehmen seines Großvaters und verfasste in seiner Freizeit erste Geschichten. 1990 gelang ihm die Veröffentlichung seines Debütromans „Play Dead“. Den großen Durchbruch schaffte er mit seinem Thriller um den ehemaligen Basketballspieler Myron Bolitar, der als Agent für Sportler und Stars tätig ist und immer wieder in spannende Kriminalfälle verstrickt wird. Als erster Schriftsteller überhaupt wurde Harlan Coben für seine Bolitar-Reihe mit den drei großen amerikanischen Krimipreisen Edgar, Shamus und Anthony ausgezeichnet. Ein ganzes Thriller-Universum: Im Jahr 2001 veröffentlichte Harlan Coben mit „Tell No One“ (Kein Sterbenswort) erstmals wieder einen eigenständigen Thriller, der 2006 in Frankreich unter dem Titel „Ne le dis à personne“ verfilmt wurde. Damit schuf er die Grundlage zu einem literarischen Universum mit zahlreichen eigenständigen Romanen, deren Figuren jedoch zum Teil miteinander verbunden sind und in jeweils anderen Geschichten namentlich erwähnt werden. 2016 erschienen sein Krimi „Home“ mit Myron Bolitar sowie der eigenständige Roman „Fool me once" (dt: „In ewiger Schuld“). Der Schriftsteller lebt mit seiner Familie in New Jersey."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Für Simon wird ein Alptraum wahr, als seine Tochter Paige von einem Tag auf den anderen verschwindet. Hinterlassen hat sie eine Botschaft, in der sie klar macht, dass sie nicht gefunden werden will. Panisch begibt sich Simon auf die Suche, und als er Paige im Central Park tatsächlich entdeckt, erkennt er seine Tochter nicht wieder. Denn diese junge Frau ist völlig verstört und voller Angst. Sie flieht vor ihm, und Simon hat nur eine Chance, wenn er sie retten will: Er muss ihr in die dunkle und gefährliche Welt folgen, in deren Sog sie verloren ging. Und was er dort entdeckt, reißt ihn und seine gesamte Familie in einen Abgrund …"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Juhu, alle Prüfungen für dieses Semester sind vorbei! Also habe ich meinen ersten Ferientag gleich mal dafür genutzt, dieses Buch fertig zu lesen. So paradox es sich auch anhört: Das Lesen kommt grade in den stressigen Zeiten des Studiums oft mal zu kurz. Ja, auch bei einem Literaturstudium.

Aber jetzt zu den wirklich wichtigen Dingen: Dem Buch. Wo fange ich heute an?

Zuerst möchte ich etwas zum Klappentext loswerden. Das hätte man meiner Meinung nach besser machen können. Ein bisschen weniger schwammig. Das zum Beispiel: Von einem auf den anderen Tag verschwunden? Von wegen! Laut der Hauptfigur gab es schon Wochen davor ständig Streit und nach einem der Streits ist Paige abgehauen.
"Panisch" beschreibt Simon nicht wirklich! Ehrlich Leute, damit tut ihr ihm Unrecht! Simon hat mit seiner Tochter enorm viel durchgemacht, durch ihre Drogensucht und Aaron, der ihr Freund zu sein scheint und sie aber verprügelt und immer tiefer in den Abgrund zerrt. Dafür, dass seine Tochter zu Beginn des Buches seit über einem Jahr verschwunden ist, hält er sich wirklich enorm gut! Auch in Stresssituationen bleibt er meistens (den Umständen entsprechend) eher ruhig. Also Simon ist vieles, aber panisch? Nein, nicht wirklich.

Die Story fand ich enorm spannend und super durchdacht. Ich war mir sehr lange nicht sicher, wie zur Hölle der Autor alle Fäden zusammenführen will. Die Sekte und die Auftragsmörder und Simon und Elena, die Privatdetektivin. Aber irgendwie hat er das dann doch geschafft. Am Ende machte alles Sinn und alle Fäden verbanden sich miteinander. Wie machen Autoren sowas bloß?

Den Schreibstil fand ich die meisten Teile des Buches über sehr spannend. Vor allem wegen etwas, dass man in der Literaturwissenschaft eine "hohe Mittelbarkeit" nennen würde. Für alle die sich jetzt fragen, was zur Hölle ich damit meine: Mittelbarkeit beschreibt, wie sehr sich der Erzähler in den Vordergrund drängt und klar macht, dass er da ist. Das habe ich bei einem Krimi noch nie so gelesen wie hier! Der Erzähler ist nicht Teil der Welt der Figuren, trotzdem plaudert er immer wieder munter mit den Lesern und beschwert sich, wie teuer zum Beispiel die Mieten in New York sind. Und zwar nicht nur nebenher, sondern so, dass ich wirklich davon ausgehe, dass das geplant und mehr als nur Zufall ist.
Was mich am Stil aber gestört hat, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist, will ich hier wirklich mal anprangern, da ich das in letzter Zeit immer und immer wieder in ansonsten toll geschriebenen Büchern sehe. Also, ehrliche Frage, an alle Autoren, die meinen Blog lesen: Was habt ihr mit eurem "dies/diese"? Warum verwendet man das, statt dem meiner Meinung nach viel eleganterem und einfacherem "das"? Vergleicht einfach mal: "Dies ist ein Tatort" versus "Das ist ein Tatort". Was würde ein normaler Mensch eher sagen? Was klingt authentischer? Bin ich der einzige Mensch, den das stört?

Aber jetzt beiseite mit der Dies-und-das-Diskussion: Was ist mein Fazit? Meiner Meinung nach ist dieser Thriller ein extrem spannendes Buch, das ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen kann! Tolle Arbeit, ich werde in Zukunft sicher noch ein paar weitere Bücher des Autoren rezensieren!