Sonntag, 11. September 2022

Book Lovers [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Diesen Roman habe ich mir am Bahnhof von Florenz gekauft. Nach einer Woche mit Sprachkurs, den Medici und viel neuer Information zu Dante brauchte ich einfach mal wieder etwas Leichtes. Dieses Buch erschien mir passend. Es geht hier um Nora, eine Literaturagentin, und Charlie, einen Lektor. Beide sind beruflich sehr erfolgreich. In der Liebe läuft es aber zumindest bei Nora nicht so gut. Kennt ihr die böse (Ex-)Freundin, die es in manchen Büchern gibt? Die blonde Zicke, die verlassen wird, weil der Typ findet, dass sie zu karrierefokussiert ist und er jetzt bei einer Geschäftsreise eine junge, perfekte Frau kennengelernt hat? Als diese blonde Zicke sieht Nora sich selbst inzwischen, denn diese Romanhandlung musste sie schon dreimal durchleben. Um sie abzulenken und weil sie sich in den letzten Monaten entfremdet haben, beschließt Noras Schwester Libby sie für einen Monat in die kleine Stadt Sunshine Falls zu entführen. Denn wer weiß, vielleicht erlebt Nora dort ja ihre eigene Kleinstadt-Liebesgeschichte? Doch dann taucht auch Charlie auf und bringt alles durcheinander...

Ich hatte Spaß mit diesem Buch, damit hat es eigentlich zu großen Teilen schon erfüllt, was ich mir erhofft habe. Es ist einfach eine leichte Lektüre mit einer netten Liebesgeschichte, die mich während einer Zugfahrt (mit Schienenersatzverkehr) und meinem Umzug ins neue Studentenheim ablenken durfte. Ich habe schnell begonnen, mit Nora mitzufiebern und war am Ende sehr glücklich, dass sie ihr eigenes Happy End finden konnte. Und nein, ich halte das nicht für einen Spoiler. Das ist ein Liebesroman, der muss ein gutes Ende haben, sonst würde ich das nicht lesen.

Einen Aspekt der Handlung muss ich aber kritisieren: Enemies to Lovers. Das ist ein beliebtes Beziehungsmuster, das aktuell sehr beliebt ist und auch hier zur Anwendung kommt. Nora und Charlie halten sich sofort beide für äußerst unsympathisch. Wirklich gut wurde dieses Motiv meiner Meinung nach hier aber nicht umgesetzt, denn mehr als diese leichte Abneigung zu Beginn gibt es nicht. Die beiden sind nie Feinde, nicht mal wirklich Konkurrenten. Dieses Buch also mit "Enemies to Lovers" zu beschreiben, wie ich es leider schon auf vielen Seiten gesehen habe, halte ich für irreführend.

Mein Fazit? Eine angenehm leichte Lektüre für Zwischendurch.

Donnerstag, 8. September 2022

The Atlas Six

 Autorin: Olivie Blake
Erschienen am 1. September 2022 (als eBook. Die Printversion erscheint am 28. September 2022)
Im Fischer Tor Verlag
ISBN: 9783596707638
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Die Bibliothek von Alexandria ist niemals untergegangen, sie verwahrt im Verborgenen seit Jahrtausenden die dunkelsten Geheimnisse der Menschheit. Alle zehn Jahre bekommen die talentiertesten Magier*innen ihrer Generation die Möglichkeit, das uralte Wissen zu studieren: Jene, die die Initiation überstehen, erwarten ungeheurer Reichtum, Macht und Weisheit. Doch von den sechs Auserwählten werden nur fünf überleben.

Dieses Mal sind mit dabei: Libby Rhodes und Nico de Varona, zwei begnadete Physiomagier von der New York University of Magical Arts, die einander nicht ausstehen können. Die Telepathin Parisa Kamali und der Empath Callum Nova, beide Meister der Manipulation. Tristan Caine, der zynische Sohn eines Londoner Gangsters, der jede Illusion durchschauen kann, und Reina Mori, eine mysteriöse Naturmagierin aus Japan.

Zwischen den mächtigen Adepten beginnt ein Spiel auf Leben und Tod."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
An dieses Buch hatte ich sehr hohe Erwartungen. Ich habe in der englischen Bücherbubble schon sehr, sehr viel dazu gehört und vor allem sehr viel Positives. Die Protagonisten arbeiten und lernen ja in der geheimen Bibliothek von Alexandria und dieses Leben dort wurde immer wieder sogar mit Hogwarts verglichen. Das weckte bei mir natürlich viele positive Kindheitserinnerungen. Als ich dann sah, dass dieses Buch nun ins Deutsche übersetzt wird, war mir sofort klar, dass ich das lesen muss. Unbedingt.

Leider konnte dieses Buch meine Erwartungen nicht ganz erfüllen. Versteht mich nicht falsch: Ich glaube, dass dieses Buch viel Potential hat. Die Geschichte ist kreativ, ich liebe diese Welt, in der die Handlung spielt und bin mir sicher, dass man daraus viel machen könnte. Aber dieses Potential wurde meiner Meinung nach nicht ganz genutzt.

So blieben die Figuren meiner Meinung nach leider bis zum Ende recht blass. Am meisten Tiefe hatten da wohl Libby und Nico. Durch den Konflikt, der da zwischen ihnen herrschte, bekamen sie etwas Farbe. Aber den Rest hätte ich gerne noch etwas besser kennengelernt. Gleiches gilt für die Welt, in der die Handlung spielt. Dort ist Magie ein ganz normaler Teil des Alltags, zumindest wenn man der Sicht der Figuren trauen darf. Ich hätte gerne gewusst, inwiefern das die Welt beeinflusst. Inwiefern leben zum Beispiel Nicht-Magier anders als wir es tun? Ist Magie für sie auch so selbstverständlich? Müssen sie sich über Dinge wie Umweltverschmutzung Gedanken machen oder können solche Probleme durch Magie gelöst werden? All das hätte mich sehr interessiert, behandelt wurde es aber leider nicht. Auch habe ich jetzt nach der Lektüre nicht wirklich eine Ahnung, wie sich Magie für die Protagonisten anfühlt. Meiner Meinung nach wäre das sehr interessant gewesen.

Das Buch war an sich ja gut geschrieben, aber blieb für meinen Geschmack aber leider zu sehr an der Oberfläche. Ob ich dem zweiten Band noch eine Chance geben werde, mich zu begeistern? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vielleicht, wenn ich gerade nichts anderes zu lesen habe. Wir werden sehen.

Mein Fazit? Mich konnte dieser Fantasyroman leider nicht ganz überzeugen. Schade, aber ich glaube einfach, dass da viel mehr möglich gewesen wäre.

Montag, 5. September 2022

When you trap a tiger [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich auf dem Rückweg von Padova gekauft. Dort war ich zu Ostern gemeinsam mit meinen Eltern und wir haben uns so viele Fresken angeschaut, wie innerhalb der paar Tage nur möglich war. Und dann wundert es Leute, dass ich Kunst jeder Art so faszinierend finde... Kommt nicht von irgendwo, Leute!

Auf jeden Fall habe ich dieses Kinderbuch dann gleich während der viel zu langen Zugfahrt verschlungen. Hier treffen wir Lily, ein Mädchen aus einer koreanischen Familie, die mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zu ihrer Großmutter zieht. Lily stört das im Gegensatz zu ihrer Schwester eigentlich gar nicht so sehr, immerhin kennt ihre Großmutter viele spannende koreanische Geschichten. Inwiefern die wirklich aus dem koreanischen Geschichtenschatz stammen oder ob sie von der Autorin erfunden oder umgedichtet wurden, kann ich nicht beurteilen. Doch dieses Mal ist der Besuch bei Großmutter Halmoni anders als sonst. Halmoni benimmt sich seltsam. Sie ist krank. Als dann also plötzlich der Tiger aus Halmonis Märchen vor Lily steht und ihr einen Handel anbietet, zögert Lily nicht: Lily soll den Tigern die Geschichten zurückbringen, die Halmoni als junge Frau gestohlen hat. Dafür soll ihre Großmutter wieder gesund werden. Natürlich geht Lily diesen Handel ein - auch wenn sie weiß, dass sie Tigern nicht trauen darf...

Dieses Buch hat sich meiner Meinung nach als kleines Juwel erwiesen. Es ist sehr emotional und hätte ich dieses Buch nicht in einem überfüllten Zug gelesen, hätte ich wohl gerade gegen Ende Rotz und Wasser geweint. Und dafür, dass das ein Kinderbuch ist, schafft es die Autorin auch sehr ernste Themen zu behandeln. Es geht um den Verlust von lieben Menschen, um Krankheit, um Migration und die für nachfolgende Generationen entstehende Frage nach der eigenen Identität. All diese Themen und noch so einige andere werden behandelt und das mit sehr viel Fingerspitzengefühl.

Spannend finde ich auch, wie die Fantasy-Elemente eingefügt wurden. Du weißt als Leserin bis zum Schluss nicht, was real ist und was aus der Fantasie eines kleinen, einsamen Mädchens stammt. Das war für mich faszinierend, denn so konnte ich die Tiger nicht einfach nur belächeln, wie ich es sonst vielleicht getan hätte, sondern musste sie ernst nehmen.

Mein Fazit? Ein sehr gelungenes Kinderbuch! Ich kann es euch empfehlen!