Montag, 7. August 2023

Astrid Parker Doesn't Fail [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch war in Mallorca meine Strandlektüre und noch jetzt rieselt jedes Mal wieder Sand raus, wenn ich es anfasse. Das ist wohl nun so und wahrscheinlich wird das letzte Sandkorn auch noch darin sein, wenn ich 80 Jahre alt bin. Astrid Parker würde das wohl sehr stören, Jordan Everwood wohl gar nicht.

In diesem Buch geht es um eine Realityshow, wie ich sie sehr gerne in meiner Freizeit ansehe: Renovierungsshows. Es gibt da einfach so viel und viele davon machen zumindest mir sehr viel Spaß. Deswegen war es für mich eigentlich auch klar, dass mir auch ein Buch gefallen könnte, dass in dieser Szene spielt. Dieses Buch handelt einerseits von Astrid Parker, einer Innendesignerin, die möglich nicht wie ihre Mutter werden möchte, und andererseits von Jordan Everwood, eine Schreinerin, die vermeiden möchte, dass das Familienhotel einfach modernisiert wird und dadurch seinen Charakter verliert. Beide können sie einander auf Anhieb nicht leiden, was ich verstehen kann. Jordan schüttet Astrid aus Versehen Kaffee über das hübsche weiße Kleid, das auch auf dem Cover abgebildet ist und natürlich ist Astrid sauer. Weil sie aber unter Strom steht, geht Astrid total in die Luft und macht Jordan zur Schnecke, dass die beiden zu Beginn nicht besonders gut auf einander zu sprechen sind, konnte ich verstehen. Und den Produzenten der Serie gefällts. Immerhin sind solche Spannungen für Zuseherinnen wie mich immer besonders interessant. Also werden die beiden gebeten, diesen Konflikt zwischen ihnen auf keinen Fall zu unterdrücken, sondern voll auszuleben. Besonders spannend wird das Buch dann, sobald beide merken, dass bei diesen Spannungen vielleicht nicht nur Hass im Spiel sein könnte, sondern vielleicht auch positivere Gefühle.

Dieser Roman bot mir alles, was ich bei Liebesromanen gerne sehe: Ungewöhnliche, aber liebenswerte und vor allem authentische Figuren, ein interessantes Setting und Dialoge zum Niederknien. Und das alles wurde außergewöhnlich gut umgesetzt. Wie ihr euch denken könnt, habe ich diesen Roman innerhalb weniger Tage verschlungen und war danach einige Tage ganz verloren, weil ich einfach nicht wusste, was ich denn jetzt als nächstes lesen könnte. Und eigentlich habe ich gar nicht damit gerechnet, dass mir dieses Buch so gut gefallen wird. Immerhin handelt es sich hierbei um den zweiten Band einer Reihe - und ich habe den ersten Band nicht gelesen. Noch nicht. Das werde ich ganz schnell nachholen müssen. Dieser Fehler ist mir erst aufgefallen, als ich dieses Buch auf Goodreads eingetragen habe. Ups? Dieses Buch lässt sich aber unabhängig von Teil 1 lesen und ich glaube, dass ich mir dadurch auch nicht den Spaß genommen habe, den ich am ersten Teil haben könnte.

Mein Fazit? Ein unterhaltsames und super süßes Buch, das ich sehr genossen habe. Für mich ein absolutes Highlight!

Freitag, 4. August 2023

Zusammen ist man weniger gemein [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich weiß nicht, wieviele von euch schon mal in einer WG gelebt haben. Bei mir war das zweimal der Fall und beide Male war das keine besonders schöne Erfahrung. In der ersten WG war die Hygiene leider einfach grauenhaft, weil sich einfach niemand an den Putzplan gehalten hat und sich niemand zuständig fühlte und in der zweiten WG lebte ich mit einer Geigenspielerin zusammen, die zu den seltsamsten Zeiten zu spielen anfing. Mal ganz normal am Nachmittag, mal gegen Abend, mal um Mitternacht oder manchmal auch erst um 3 in der Früh. Bei den dünnen Wänden, die wir hatten, brachten die besten Ohrstöpsel nichts mehr und plötzlich verstand ich, warum meine Mutter mir als Kind verboten hatte, Geige zu lernen. Mein Nachwuchs wird dieses Instrument nämlich ganz sicher auch nicht spielen.

Die schlimmsten WGs sind meiner Meinung nach Zweck-WGs und genau so eine wird hier gegründet. Da ist Etta, eine Schauspielerin, Dani, eine Kabarettistin, Pia, eine Schneiderin und Franz, Danis Tontechniker. Allen gemeinsam ist, dass ihr Konto leer ist und sie aus verschiedenen Gründen aktuell nur wenig an ihrer Situation ändern können. Etta braucht eine neue Agentur, Danis letztes Programm war ein Reinfall und Pia und Franz leiden an einem gebrochenen Herzen. Sie ziehen also hauptsächlich zusammen, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Und gleich zu Beginn wird auch schon von Etta eine unmöglich scheinende Regel aufgestellt: Kein Sex und keine Nacktheit sind in dieser WG erlaubt. Dass diese Regeln eher früher als später gebrochen werden, dürfte uns allen klar sein...

Dieses Buch war für mich die perfekte leichte Sommerlektüre für Schlechtwettertage. Diese Geschichte ist voll Humor, gleichzeitig gab es aber auch einige ernstere Passagen. Durch diesen Mix habe ich schnell viel Sympathie für die Figuren entwickelt. Vor allem Franz ist mir ans Herz gewachsen, aber auch mit Etta und Dani konnte ich gut mitfühlen. Pia spielte für mich in diesem Buch eine geringere Rolle, aber auch sie hatte einige schöne Momente, zum Beispiel wie sie sich um Hilda, ein Mädchen mit Trisomie 21, das im gleichen Haus wohnt, einsetzt.

Mein Fazit? Ein sehr unterhaltsamer Roman mit tollen Figuren!

Dienstag, 1. August 2023

Love, theoretically

 Autorin: Ali Hazelwood
Erschienen am 19.06.2023
Im Rütten und Loening Berlin Verlag
ISBN: 9783352009952
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag



Klappentext:
"Liebe ist wie Physik – die Theorie mag noch so schön sein, auf die Praxis kommt es an.

Wissenschaftlerin Elsie lebt im Multiversum: Als Theoretische Physikerin quasi unbezahlt, verdient sie ihr Geld als Fake-Date-Begleitung. Bis ihre Parallelwelten kollidieren: Ausgerechnet der nervig attraktive Jack – der sie als Freundin seines Bruders und Bibliothekarin kennt – muss entscheiden, ob sie ihren Traumjob bekommt. Dazu führt er als kaltherziger Experimentalphysiker eine üble Fehde gegen die Theoretische Physik. So findet sich Elsie auf einem Wissenschaftsschlachtfeld wieder – und muss sich dagegen wehren, in Jacks Gravitationsfeld gezogen zu werden. Oder sollten etwa ganz neue Theorien über die Liebe in die Praxis umgesetzt werden?"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Leute, ihr habt ja keine Ahnung, wie lange ich diese Rezension schon vor mir herschiebe. In Ali Hazelwoods Texte war ich mal sehr vernarrt, wie alle wissen, die zum Beispiel meine Rezension zu "Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe" gelesen haben. Doch seitdem ich "Stuck with you", eine Kurzgeschichte der Autorin gelesen habe, bin ich mit der Autorin irgendwie auf Kriegspfad. Als ich diesen neuesten Roman der Autorin begonnen haben, fühlte ich zu gleichen Teilen Angst und Hoffnung. Am Ende dieses Romans war dann von meiner Hoffnung leider nur noch ein Scherbenhaufen übrig.

Vielleicht beginnen wir mit der Figurenkonstellation. Es handelt sich hierbei um eine Enemies/Rivals-to-Lovers-Geschichte, was natürlich voraussetzt, dass die beiden Figuren Feinde sind. Und das könnte hier auch funktionieren - zumindest in der Theorie. Wenn Biologen oder Physiker (da ich nur männliche Biologen und Physiker kenne, die sich über Geisteswissenschaften lustig machen, hier ausnahmsweise mal nur das Maskulin) die Literaturwissenschaften schlecht machen, dann flippe ich auch irgendwann aus. Es hätte super funktionieren können - wenn Elsie nicht so verdammt stur wäre. Jack ist nämlich weder arrogant, noch unfreundlich oder irgendwie ein unangenehmer Mensch. Er versucht ihr von Anfang an, sein Verhalten zu erklären und sie davon zu überzeugen, dass er weder sie noch die theoretische Physik hasst. Und das wird im Text eigentlich auch ziemlich offensichtlich gemacht. Elsie kapiert das aber nicht, denn das würde ja ihr Weltbild vom bösen, bösen experimentellen Physiker zerstören. Und das kann sie natürlich nicht zulassen, deswegen formt sie Jack in ihrem Kopf zu einem Monster, der er gar nicht ist. Ganz ehrlich: Ich hatte Mitleid mit Jack. Niemand möchte gerne vorgeworfen bekommen, dass man jemanden umbringen möchte, wenn man diese Person nach einem Date fragt.

Eigentlich hängen alle meine Probleme, die ich mit diesem Buch habe, direkt mit der Protagonistin zusammen. So ist es hier zum Beispiel so, dass Elsie Diabetikerin ist. Davon war ich zu Beginn des Buches positiv überrascht, denn bisher habe ich kein einziges Buch gelesen, in dem eine Diabetikerin die Hauptfigur spielt. Aber hier wurde das so unglaublich dramatisiert. Ja, Diabetes ist eine Krankheit, die schlimme Folgen haben kann und die ich keinem Menschen an den Hals wünschen würde. Vor allem, wenn man in einem Land ohne Krankenversicherung wohnt, denn Insulin ist verdammt teuer. Aber es handelt sich dabei trotzdem um eine behandelbare Krankheit, die zumindest von mir nicht als etwas ungewöhnliches wahrgenommen wird. Wenn ich einen Menschen mit Insulinpumpe sehe, denke ich mir: "Ach, eine Insulinpumpe." und das wars. Höchstens noch: "Hübscher Sticker drumherum." Dass Elsie das als eine Art dunkles Geheimnis hütet, fand ich schräg und nicht nachvollziehbar. Warum sowas tabuisieren?

Und so wie in "Stuck with you" könnte man auch hier beide Figuren als aromantisch und/oder asexuell bezeichnen. Diesmal nimmt Elsie diese Worte sogar selbst in den Mund. Und wie ich auch in meiner letzten Rezension schon betont habe: Ich finde es cool, dass eine so große Autorin eine Sexualität und romantische Orientierung, die so selten dargestellt wird, porträtiert. Und ich weiß, dass Asexualität nicht bedeutet, dass ein Mensch nie Sex haben wird oder haben will. Klar, manche möchten vielleicht gar nie mit einem Partner, einer Partnerin, in die Kiste steigen, andere tun das aber schon und beides ist vollkommen okay und ändert nichts an der sexuellen Orientierung dieser Menschen. Aber in der Zwischenzeit wünsche ich mir, dass Ali Hazelwood vielleicht zu Figuren wechselt, die lieber gar keinen Sex haben möchten und auch keinen Sex haben. Dann müsste sie nicht Figuren, die offensichtlich keinen Sex wollen, trotzdem irgendwie dazu zu bringen, miteinander zu schlafen. Denn hier war schon wieder so eine unangenehme Sexszene, wo bei mir alle Alarmsirenen losgegangen sind. Es tut mir echt leid, aber wenn jemand sagt "Das geht mir zu schnell" oder "Lass uns noch warten", wie es Jack hier immer und immer wieder tut, dann ist das ein eindeutiges NEIN. Nur ein Ja würde auch Ja bedeuten. Nicht so schwer, oder? Aber Elsie ignoriert hier völlig, dass Jack einen Großteil der Szene keinen Consent gibt. Und ich finde das super problematisch.

Auch muss ich gestehen, dass mir die Geschichte den anderen Büchern der Autorin zu sehr ähnelte. Da war einfach genau die gleiche Grundstimmung, mehr oder weniger genau der gleiche Konflikt, die gleichen Tropen, die gleiche Protagonistin nur mit anderem Namen, genau das gleiche Love Interest, mit exakt den gleichen körperlichen Attributen nur mit anderem Namen. Einmal funktioniert das gut, in Teil 2 war das auch noch okay, aber dreimal mehr oder weniger die genau gleiche Geschichte? Muss das sein? Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber mich hat es gelangweilt.

Mein Fazit? Schade, aber das wird wohl das für mich letzte Buch gewesen sein, das ich von der Autorin gelesen habe.