Freitag, 9. August 2019

On:Off

Autorin: Ann-Kristin Gelder
Erschienen am 18. 7. 2019
Im Thienemann-Esslinger Verlag
ISBN: 9783522202527
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zur Autorin:
"Ann-Kristin Gelder, Jahrgang 1981, ist Deutsch- und Musiklehrerin und Sängerin in einer Rockband. Sie lebt mit einem Mann, zwei Katern, drei Kindern und zwölf Musikinstrumenten an der Weinstraße und hat ständig zu viele Pläne und zu wenig Zeit. Wenn sie nicht als Revuegirl oder Nashorn auf der Bühne steht oder sich für irgendein anderes verrücktes Projekt ködern lässt, spielt sie Videogames, geht geocachen und gibt unfassbare Summen für Bücher und Chucks aus."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Ein Liebesroman, spannend wie ein Thriller, ab 14 Jahren.

Niemals hätte Nora damit gerechnet, sich in eine Zielperson zu verlieben. Aber ihr Herz schlägt schon schneller, wenn sie nur an Alex denkt. Und nach einigen Aufträgen weiß sie, dass der Technologiekonzern NGS für seine illegalen Forschungen notfalls über Leichen geht. Aussteigen ist keine Option, auch dafür hat der Konzern gesorgt. Also muss Nora die Bewusstseinssynchronisierung mit Alex durchführen. Doch dann werden die Liebenden nicht mehr zueinander finden, denn ist der eine wach, schläft der andere ... Und schlimmer noch: Nora weiß, dass Alex Leben nun am seidenen Faden hängt! Für Fans von Colleen Hoover und Ursula Poznanski"

Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Oh. Mein. Gott. Dieses Buch war großartig! Einfach nur großartig! Ich weiß gar nicht so wirklich, wie ich meine Gefühle zu diesem Buch in Worte fassen soll!

Nora ist einfach nur super! Sie ist intelligent und von Seite Eins weg sympathisch. Ihr Charakter ist eine perfekte Mischung von Selbstvertrauen und Unsicherheit, Mut und Angst und so weiter. Sie war total authentisch und es machte mir total Spaß, sie begleiten zu dürfen.

Der Start in die Geschichte war etwas abrupt. So abrupt, dass ich sogar online nachschaute, ob ich nicht aus Versehen vielleicht Teil 2 einer Reihe erwischt habe. Als ich herausfand, dass das nicht der Fall ist, wusste ich, dass ich darauf hoffen muss, dass sich meine Fragen aufklären. Und das ist auch passiert. Und oh mein Gott war diese Geschichte dann gut. Den Start habe ich dem Buch also verziehen und habe ihn schon fast wieder vergessen.

In diesem Buch gibt es eine ganz klare Liebesgeschichte. Das macht mich, wie ihr wisst, immer etwas kritisch, weil mir die meisten Liebesgeschichten einfach unglaublich auf den Geist gehen. Entweder weil sie doof und klischeehaft sind, oder weil sie als Lückenfüller dienen. Beides nicht so toll. Was aber toll ist, ist die Liebesgeschichte in diesem Buch. Nora und Alex sind richtig süß, handeln meistens nachvollziehbar und haben mich mit 95% der üblichen Klischees verschont. Die Beziehung der beiden entwickelt sich ziemlich schnell, was aber meiner Meinung nach durchaus nachvollziehbar ist. Gerade zu Beginn wird die Romanze ja vor allem durch Noras Mission vorangetrieben und später waren beide so verletztlich dem jeweils anderen gegenüber, dass die Beziehung weiter gestärkt wurde. Wie gesagt, ich denke unter diesen Umständen ist es ziemlich logisch, dass keine Zeit für eine Millionen peinliche Dates, Textnachrichten und "zufällige" Treffen bleibt.

Wie ihr an meiner Rezension vielleicht sehen könnt, ist an diesem Buch nicht alles perfekt. Trotzdem bin ich begeistert. Deswegen bekommt dieses Buch von mir die höchste Auszeichnung, die dieser Blog zu bieten hat: den Approved-Stempel!


Mittwoch, 7. August 2019

Kinderspiel - Die Fesseln der Vergangenheit

Autor: Michael Seitz
Erschienen am 1. 7. 2019
Im Knaur Verlag
ISBN: 9783426217146
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag


Zum Autoren:
"Michael Seitz, Jahrgang 1976, hat seine Kindheit und Jugend in München und im ländlichen Niederbayern verbracht. Schon als Kind wollte er Schriftsteller werden und hielt an diesem Traum fest. Der Autor lebt seit 2005 in Wien. Er schreibt vorwiegend historische Romane und Gegenwartskrimis. Das ostbayerische Literaturmagazin Lichttung schrieb über seine Krimi-Reihe rund um den kauzig-sympathischen Ermittler Falco Brunner: "Michael Seitz hat mit Falco Brunner einen Protagonisten geschaffen, in dessen Gefühlswelt sich der Leser gut hineinversetzen kann, mit dem er mitleiden und dessen Gefühle und Handlungen er nachvollziehen kann ..." (Ausgabe 01/2019). Seitz genießt es, mit seiner Frau und seinen beiden Kindern durch Wien zu flanieren und in Buchgeschäften zu schmökern. Die Familie besitzt einen Kater namens »Mizzi«. Seitz wird von der Literaturagentin Lianne Kolf vertreten. »Man muss schon verrückt sein, wenn man Schriftsteller werden will!«, so Seitz’ Lebensmotto."
Quelle: Verlag 

Klappentext:
"Ein jahrzehntealter Mordfall, ein verschwundenes Mädchen und eine Familie, die eisern schweigt. In diesem Psychothriller kämpfen Profiler Tobi Miller und Chefinspektor Bruno Horvath gegen die Zeit und für das Leben eines jungen Mädchens.
Wien, 2017. Der Profiler Tobi Miller kehrt nach Jahren in den USA in seine Heimatstadt zurück. Kurz darauf verschwindet ein Mädchen, das Ilona, Tobis bester Freundin aus Kindertagen, auf gespenstische Art und Weise ähnelt. Ilona verschwand ebenfalls, als sie sieben Jahre alt war, und Tobi war damals der Letzte, der sie lebend sah. Gemeinsam mit Chefinspektor Bruno Horvath beginnt der Profiler zu ermitteln und stößt bei den Familienangehörigen der beiden Mädchen auf eine Mauer des Schweigens. Wer ermordete Ilona? Und wer steckt hinter dem aktuellen Verbrechen? Die Ermittlungen fördern schließlich ein Familiendrama zutage, das auf einem Gutshof in Ostpreußen im Winter 1945 seinen Lauf nahm und dessen Folgen bis in die Gegenwart hinein reichen. Tobi Miller und Chefinspektor Bruno Horvath führen in diesem Verwirrspiel einen Kampf gegen die Zeit und gegen den Tod … "
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Heute schreibe ich eine Rezi aus dem wunderschönen Rom! Es ist total großartig hier, auch wenn mich die Hitze plagt! Aber auch an die Hitze werde ich mich wohl bald gewöhnen und wenigstens scheint die Sonnencreme mehr oder weniger gut zu wirken.
So, jetzt aber ab zum eigentlichen Thema dieses Posts: Das Buch "Kinderspiel". 

Beginnen wir mit der Hauptfigur. Tobi war mir zu Beginn nicht so sympathisch, später dafür umso mehr. Er ist Profiler, Katzenliebhaber, süchtig nach Snickers, Nasenspray und seinem Kaffee Americano. Er ist nicht wirklich begeistert davon, wieder in Wien zu sein: Mit seiner Familie kommt er nicht wirklich zurecht, der Snickers hier schmeckt einfach nicht so gut und alles erinnert ihn an Ilona. Total klar, dass er die Füße nicht stillhalten wird, wenn ein Mädchen verschwindet, dass ihr total ähnlich sieht und noch dazu ihre Nichte ist!

Die Geschichte selbst war in Ordnung. Stellenweise ganz spannend, aber nicht mehr. Die Auflösung fand ich gut durchdacht.
 Gerade zu Beginn konnte ich nur sehr wenig mit den Kapiteln aus 1945 anfangen. Ich konnte mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, wie das mit dem Rest der Geschichte zusammenhängt. Von dem her: Respekt dafür, dass der Autor es geschafft hat, das mit dem Rest der Geschichte zu verbinden.

[Spoiler - wirklich schlimme Spoiler!]
Einige der Figuren in diesem Buch, sind einfach nur wahnsinnig. Ich finde, dass die Darstellung des Wahns gut gelungen ist. Die Handlungen dieser Figuren wurden dadurch nachvollziehbar, dass ihre Gedanken zumindest mehr oder weniger nachvollziehbar wurden.

 Mein Fazit? Netter Thriller für Zwischendurch. Lässt sich leicht lesen, ist auch großteils ganz spannend, mein neues Lieblingsbuch wird das aber nicht.

Donnerstag, 1. August 2019

Crackrauchende Hühner - Nihilist Punk

Autor: Leveret Pale
Erschienen am 20.6.2019
Bei BoD – Books on Demand
ISBN: 9783741281495
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: buecher.de
Zum Autoren:
"Leveret Pale ist das Alter Ego des deutschen Schriftstellers Nikodem Skrobisz. Das Pseudonym ist dabei eine Anspielung auf das Weiße Kaninchen aus 'Alice in Wunderland'. Ähnlich wie das Weiße Kaninchen Alice ins Wunderland lockt, entführt Leveret Pale seine Leser in fremde Welten. Allerdings sind diese Welten nicht unbedingt so schön wie Wunderland, sondern häufig blutig, makaber und düster, manchmal gewürzt mit einer Prise schwarzen Humor und Kindertränen, aber auf jedenfall mit einem Schuss Wahnsinn und vermischt mit viel Philosophie und Psychologie. Nikodem Skrobisz verfasst hauptsächlich Romane in den Genre Fantasy, Gegenwartsliteratur und Horror, experimentiert aber auch mit anderen Genre und surrealistischen und postmodernen Textformen. Nebenbei publiziert er Novellen, Kurzgeschichten, Essays und Sachbücher. Er beschäftigt sich privat sehr intensiv mit Psychologie, Philosophie und Pharmakologie und lässt dies auch in seine Bücher einfließen. Seit Oktober 2017 ist er Vorstandsmitglied des BVjA (Bundesverband junger Autorinnen und Autoren e.V.). Weitere Informationen und Texte gibt es auf seiner Webseite https://leveret-pale.de oder auf Anfrage via E-Mail autor@leveret-pale.de // Instagram: https://www.instagram.com/leveret_pale/"
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"Nihilismus. Romantik. Drogen. Chaos. Kratom. Karl Marx beim Monopolyspielen. Zwei Hühner auf Crack. Der totale Wahnsinn.
Der 17-jährige Schüler Nathan ist ein psychopathischer Freak mit der exotischen Lieblingsdroge Kratom. Von den meisten seiner Klassenkameraden wird er gemieden, so auch von Daniel, der sogar Angst vor Nathan hat. Doch bei der Berlinklassenfahrt am Ende der zehnten Klasse kommen Nathan und Daniel in dasselbe Hotelzimmer und damit wird die Konfrontation unausweichlich. Bald schlagen Daniels Ängste vor Nathan jedoch in eine morbide Faszination für den exzentrischen Außenseiter, dem eine prophetische Macht innezuwohnen scheint, um. Je länger Daniel aber Nathan folgt, desto mehr beginnt die Realität zu zerbröckeln. Bald vollführt Nathan biblische Wunder und hält nihilistische Predigten. Es tauchen sonderbare Gestalten auf, wie Schwarze in Einhornkostümen, sprechende, cracksüchtige Hühner und suizidale Zombies. Zunehmend beginnen Traum und Realität immer mehr ineinander zu kollabieren. Bald steht Daniel vor der Frage:
Was ist real? Und wen interessiert das eigentlich?"

Quelle: lovelybooks.de

Meine Meinung:
Ich will ganz ehrlich mit euch sein: Ich habe das Schreiben dieser Rezension jetzt länger vor mir hergeschoben, als unbedingt notwendig. Ich hatte und habe immer noch einfach totale Probleme damit, dieses Buch einzuordnen. Das begann bei der Form, in der geschrieben wurde, ging über die Figuren, den Inhalt, bis zum Schreibstil. Und genau in dieser Reihenfolge werde ich dieses Buch jetzt diskutieren.

Also, beginnen wir mit der Form: Stellenweise ist dieses Buch wie ein mehr oder weniger normales Buch geschrieben. Ihr wisst schon: Der Text erzählt, in Prosa. Stellenweise wechselt die Form aber plötzlich. Dann befinden wir uns plötzlich in einem Interview eines riesigen Huhns mit Herrn Karl. Oder in einem Gespräch zwischen Nathan, Gott, Daniel und Jesus. Oder in einem Polizeibericht. Oder oder oder. Die formale Gestaltung zeugt also von ziemlicher Kreativität.

Die Figuren waren sehr, sehr schräg, um es freundlich auszudrücken. Daniel ist die Hauptfigur, aus deren Perspektive erzählt wird. Er ist eigentlich nur neugierig, wird aber bald zu Nathans rechter Hand. Was mich an ihm stellenweise etwas gestört hat, war, dass er scheinbar nichts hinterfragt. Erst ab der zweiten Hälfte des Buches wird er etwas kritischer Nathan gegenüber. Sonst war er aber (meist) sympathisch und einfach ein mehr oder weniger normaler Jugendlicher. Oft außerdem die einzige Figur, die halbwegs bei Sinnen zu sein scheint.
Nathan ist....Nathan. Er provoziert und das von Seite Eins. So wie viele Jugendliche das halt machen, mit dem einzigen Unterschied, dass die sich dabei etwas weniger philosophisch ausdrücken. Ein normaler Jugendlicher sagt dann vielleicht Dinge wie: "Schule ist scheiße". Nathan hält uns einen zweistündigen Vortrag darüber, wie uns unser Bildungssystem zu einem Sklaven des Systems macht, jegliches freie Denken eingrenzt und Kreativität tötet. Nathan ist ein ziemlicher Fan von Drogen, aber natürlich nur von legalen. Keine Ahnung, ob das Zeug wirklich alles legal ist, so gut kenne ich mich da nicht aus. Er verkauft sie auch und kontrolliert den Drogenmarkt in seiner Umgebung, denn es geht ja gar nicht, dass minderwertiger Stoff verkauft wird, oder der Markt überfüllt ist und die Preise sinken oder oder oder. Nathan ist, denke ich, der Antagonist. Glaube ich. Ich weiß es nicht sicher. Stellenweise kommt er mir zumindest so vor. Ich bin froh, nicht Teil seines Umfeldes zu sein.

Die Geschichte selbst war...interessant. Ich möchte das Wort schräg nicht zu oft verwenden, auch wenn es vielleicht am passenden wäre. Stellenweise war ich mich nicht mal sicher, ob ich von einer Geschichte sprechen kann oder ob es sich hierbei schon um ein philosophisches Manifest handelt. Manchmal passiert einfach mal fünfzig Seiten fast nichts, außer dass die Figuren Drogen konsumieren und über den Sinn des Lebens philosophieren. Und dann passiert in den nächsten fünfzig Seiten so unglaublich viel, dass ich nur so staunen kann.
Der Beginn war sehr stark. Sofort war da sehr viel Spannung und Bewegung und alles ist neu. Der Mittelteil war dann eher schwach. Hier wurde großteils philosophiert, was nicht immer so spannend war. Das Ende war dann ziemlich cool. Ich kann und will hier nicht zu viel verraten, aber: Roland Barthes wäre stolz. Literaturwissenschaftler werden wissen was ich meine, alle anderen sollten sich genau überlegen, ob sie den Namen googlen wollen, denn sie könnten sich dadurch selbst spoilern.

Mein Fazit? Total schräg, so muss sich ein Drogentrip anfühlen. Dieses Buch war unterhaltsam und großteils spannend, war mich aber stellenweise etwas zu philosophisch.