Donnerstag, 29. April 2021

Komplett Gänsehaut

 Autorin: Sophie Passmann
Erschienen am 4.3.2021
Im Kiepenheuer und Witsch Verlag
ISBN: 9783462053616
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Nach ihrem vieldiskutierten Bestseller »Alte, weiße Männer« entlarvt Sophie Passmann in ihrem neuen Werk den unerträglichen Habitus einer Bürgerlichkeit, durch die sie selbst geprägt wurde. Eine Passmannsche Suada at it’s best. Bloß nicht so werden, wie alle anderen um sich herum. Bloß nicht so werden, wie man schon längst ist. Bloß schnell erwachsen werden, um in die transzendentale Form des Verklärens eintauchen zu dürfen, die Jugend als »die beste Zeit des Lebens« zu feiern. Sophie Passmann teilt aus gegen alle, am verheerendsten aber gegen sich selbst und ihresgleichen. Zornig und böse, sanft und lustig zugleich zieht sie uns mit rein ins tiefe Tal der bürgerlichen Langeweile im westdeutschen Mittelstand. Sie geht vehement vor gegen die hedonistische Haltung einer wohlgemerkt nicht homogenen Generation, die ihr selbst nur allzu bekannt ist. Dies ist kein Memoir, kein Roman, keine Biographie, es ist: literarischer Selbsthass. Das finden Sie anmaßend? Genau das ist es und genau das will Sophie Passmann: sich anmaßen, das zu tun, was sie tun möchte. Komplett Gänsehaut einfach."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Passmann kenne ich schon von ihrem Buch "Alte Weiße Männer". Bei ihrem neuen Buch habe ich länger überlegt, ob ich es lesen soll. Immerhin hört sich das doch ganz anders an. Trotzdem habe ich es dann als Rezensionsexemplar angefragt und was soll ich sagen? Passmann hat mich nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: Ich bin begeistert.

Mir fällt erst jetzt mit dem Schreiben der Rezension auf, wie schwierig dieses Buch einzuordnen ist. In welches Genre passt denn das bitte? Ist das ein Essay? Ein autobiographischer Text? Oder ein Roman? Oder eine Satire? Ich habe keine Ahnung. Ich wüsste es gerne, aber ich kann diesen Text einfach nicht zuordnen.

In diesem Text geht es um die Lebensphase, in der ich mich gerade befinde. Die Autorin teilt ordentlich aus: Es geht um langweilige Wohnungen, um die Viertel, in denen man wohnt oder eben nicht, um Weinverkostungen, um Beziehungen, um Partys, um Scheinheiligkeit und warum die Jugend gar nicht die beste Zeit des Lebens ist - es sei denn, sie ist schon vorbei. Besonders spannend fand ich (natürlich) die Abschnitte, in denen es um die Bücher ging, die die Protagonistin so im Regal stehen hat. Über weite Abschnitte fühlte ich mich vom Text einfach verstanden oder konnte zumindest nachvollziehen, warum Passmann schreibt was sie schreibt. Stellenweise brachte mich der Text sogar dazu, melancholisch in die Ferne zu blicken und zustimmend zu nicken. Da fehlte nur noch die Zigarette. Tja, da habe ich als Nichtraucherin wohl einen klaren Nachteil. Außerdem war das Wetter unpassend für Melancholie. Zu wenig Nebel und Nieselregen, zu viel Sonne.

An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen. Passmann arbeitet mit langen Sätzen, die sich teils über ganze Seiten auf meinem Reader erstrecken. Ich betone deswegen, dass ich auf meinem Reader gelesen habe, weil ich da gerne die Schrift ein bisschen größer mache als sie es in einem gedruckten Buch wäre. Diese langen, verschachtelten Sätze waren zu Beginn schwierig. Später fand ich sie dann aber einfach passend und oft sogar schön.

Mein Fazit? Ich fand's toll! Ganz große Leseempfehlung.



Dienstag, 27. April 2021

Goldene Flammen

 Autorin: Leigh Bardugo
Erschienen am 2.3.2020
Im Knaur Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783426524442
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Der Auftakt zum Fantasy-Abenteuer über die magische Armee der Grisha und den Krieg in Ravka von Bestseller-Autorin Leigh Bardugo (»Das Lied der Krähen«, »Das Gold der Krähen«) – in neuer, aufwendig veredelter Ausstattung:

Alina ist eine einfache Kartografin in der Ersten Armee des Zaren von Ravka. Jemand, der entbehrlich ist –ganz anders als ihr Kindheitsfreund Maljen, der erfolgreiche Fährtenleser und Frauenschwarm. Auf keinen Fall soll Maljen merken, dass die unscheinbare Alina in ihn verliebt ist! Doch als sie ihm bei einem Überfall auf unerklärliche Weise das Leben rettet, ändert sich Alinas Dasein auf einen Schlag. Es scheint, als würde sie über besondere Kräfte verfügen, und so schickt man sie ins Trainingslager der Grisha, der magischen und militärischen Elite Ravkas. Dort nimmt sich besonders einer Alinas an: Der Dunkle, ältester und mächtigster der Grisha …

Fantasy, Märchen, zarte Romanze: Mit dem vom Krieg zerrissenen Ravka, dem ausgeklügelten Magie-System der Grisha und ihren lebendigen, facettenreichen Charakteren hat Leigh Bardugo eine Welt abseits ausgetretener Pfade entwickelt.
Ein echtes Fantasy-Highlight, nicht nur für Fans der Bestseller »Das Lied der Krähen« und »Das Gold der Krähen«"
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Gut, dass ich meine Studienkolleginnen im Moment nur online treffen kann, sonst würde man mich wohl nach dieser Rezension lynchen. Es gibt kaum eine Autorin, die in meinem Studium einen besseren Ruf hat als Leigh Bardugo. Allein im letzten halben Jahr wurden mir ihre Bücher sicher ein Dutzend Mal empfohlen. Und jetzt, wo die Serie rauskommt, dachte ich mir, dass es wohl ein guter Zeitpunkt ist, die Bücher jetzt auch endlich mal zu lesen. Immerhin sehe ich die ja jetzt immer und überall, da ist meine Motivation groß, auch dranzubleiben. Und noch dazu ist das hier ein Rezensionsexemplar - das muss gelesen werden und darf nicht ein paar Jährchen in meinem Regal herumstehen.

Leider muss ich aber gestehen, dass ich finde, dass dieses Buch dem Hype nicht gerecht wird. Ja, die Geschichte ist ganz nett und die Welt auch ganz interessant. Aber eben nicht mehr. Alina ist eine junge Frau, die eigentlich niemandem auffallen möchte. Außer ihrem besten Freund Mal, der für sie wie ein Bruder ist und von dem sie gern mehr als Freundschaft hätte. Dann entpuppt sie sich aber als Grisha mit einer ganz besonderen Gabe, mit der sie die Welt retten können soll. Sie ist die Auserwählte! Gähn. Dann nimmt sich der Dunkle ihrer an und beschließt sie zu fördern. Ein Bad Boy, der zufälligerweise auch der mächtigste Grisha aller Zeiten ist. Gutaussehend, mysteriös und gleichzeitig ziemlich uninteressant und creepy, allein schon wegen dem wirklich großen Altersunterschied zu Alina. Zwischen ihm und Alina gibt es nicht wirklich viel Chemie. Generell bin ich der Meinung, dass es in diesem Buch besser gewesen wäre, einfach die Liebesgeschichte wegzulassen. Alina hat zu keinem der männlichen Charaktere irgendeine Art von Verbindung, die eine Beziehung oder eine Liebesgeschichte glaubwürdig erscheinen lassen würde. Das wirkte auf mich alles recht erzwungen.

Ich befürchte, dass ich zu hohe Erwartungen an dieses Buch hatte. Durch den Hype online und in meinem Studiengang dachte ich, dass dieses Buch der absolute Hammer sein wird. Unvergesslich. Ein Roman, von dem ich in fünfzig Jahren noch meinen Enkeln erzählen werde. Da ist es sehr leicht, enttäuscht zu werden.

Mein Fazit? War schon in Ordnung. Allerdings werde ich wohl den zweiten Teil nicht mehr lesen. Da greife ich lieber zu anderen Büchern. Schade.

Sonntag, 25. April 2021

Meine liebsten Buchzitate #45

1. "The Bell Jar" von Sylvia Plath, Seite 117

How could I write about life when I'd never had a love affair or a baby or seen someone die. A girl I knew had just won a prize for a short story about her adventures among the pygmies in Africa. How could I compete with that sort of thing?

2. "Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche" von Reni Eddolodge, Seite 15

Wenn Weiße nach einer Zeitschrift greifen, im Internet browsen, Zeitung lesen oder den Fernseher einschalten, begegnen sie ständig Menschen, die aussehen wie sie und Macht- oder Autoritätspositionen innehaben, ohne dass ihnen das irgendwie seltsam vorkäme. Insbesondere in der Kultur ist die positive Bestätigung des Weißseins so weitverbreitet, dass der Durchschnittsweiße sie überhaupt nicht bemerkt. Diese Bestätigung wird seelenruhig akzeptiert. Weiß zu sein heißt, Mensch zu sein; weiß zu sein ist universell. Ich weiß das nur, weil ich nicht weiß bin.

3. "Muse of Nightmares - Das Geheimnis des Träumers" von Laini Taylor, Seite 123

"Oft genug wird eine schwere Entscheidung genau auf diese Art getroffen: Indem man sich einredet, es sei ganz von selbst geschehen. Und oft genug entscheiden sich ganze Schicksale, nur weil jemand sich nicht entscheiden kann.

4. "Bildnis einer Dame" von Henry James, Seite 177

Ich fürchte es gibt Augenblicke im Leben, wo selbst Schubert uns nichts mehr zu sagen hat. Das sind dann allerdings die schlimmsten.

5. "The Sun also Rises" von Ernest Hemmingway, Seite 12
 
"Do you know that in about thirty-five years more we'll be dead?"
"What the hell, Robert," I said. "What the hell."