Dienstag, 30. August 2022

Dunkelheit. Eine Liebeserklärung an den Nachthimmel

 Autorin: Sigri Sandberg
Erschienen am 10.08.2022
Im btb Verlag
ISBN: 9783442770212
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Verlag

Klappentext:
"Wann haben Sie zum letzten Mal die Sterne gesehen?

Im Winter ist Norwegen in Dunkelheit getaucht. Aber ist das auch wirklich der Fall? Zwei Drittel der Norwegerinnen und Norweger, wie auch 80 Prozent der Menschen in Nordamerika, können nachts die Milchstraße nicht mehr sehen. Straßenlaternen, Neonlichter und Bildschirme erhellen den Himmel und machen es unmöglich, etwas im Nachthimmel zu erkennen. Solange sie denken kann, hat Sigri Sandberg Angst vor der Dunkelheit. Mitten im Winter begibt sie sich allein auf eine Reise in die Berge, um sie zu erleben und zu verstehen, was hinter der Angst steckt. Auf ihrer Reise macht sie uns mit einer besonderen Frau bekannt: Christiane Ritter, die 1934 einen ganzen Winter in einer Trapperhütte in Spitzbergen verbrachte."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Ich mag die Nacht. Während die Autorin dieses Büchleins bei der Vorstellung, eine Woche in einer einsamen Hütte abseits der Zivilisation während der Polarnacht zu verbringen, totale Angst bekommt, hätte ich zumindest mit der Dunkelheit kein Problem. Die Tatsache, dass ich weit weg von der Zivilisation und doch eher tollpatschig bin, würde mir mehr Sorgen bereiten. Die Dunkelheit stelle ich mir sogar recht schön vor. Nicht wegen der Dunkelheit, sondern weil ich dann endlich mal ordentlich die Sterne beobachten könnte. Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die nachts keine Milchstraße sehen können. Das letzte Mal habe ich sie wohl vor zwei Jahren gesehen. Da war ich auf der Berghütte eines Freundes, keine Wolke war am Himmel und das Licht aus dem Tal störte uns auch nicht wirklich. Da waren so viele Sterne über mir, dass ich nur noch mit sehr viel Mühe Sternbilder erkennen konnte. Ich starrte nach oben, bis mein Nacken keine weitere Sekunde mehr erlaubte.

Die Autorin und ich haben also eine ziemlich unterschiedliche Ausgangssituation. Trotzdem hat sie es gewagt, zu dieser Hütte zu reisen und dort eine Woche zu verbringen. Und während sie dort Zeit verbringt, erzählt sie uns mehr darüber, warum die Dunkelheit wichtig für Menschen ist. Dass ich um 9 Uhr Abends keine Rezensionen mehr tippen sollte, weil das Blaulicht den Schlaf stört, ist mir bewusst. Aber dass es Theorien dazu gibt, ob künstliches Licht für die immer höhere Verbreitung von psychischen Erkrankungen mitverantwortlich ist. Ich habe hier viel Neues gelernt und fand diese Kapitel auch sehr interessant.

Bei diesem Buch handelt es sich um eine Mischung aus autobiographischer Erzählung und Sachtext. Diese Mischung ist immer interessant, aber nie ganz einfach zu verdauen und nie ganz leicht zu lesen. In "Dunkelheit" der Schreibstil stellenweise etwas schleppend - leider vor allem bei den autobiografischen Stellen, die mich besonders interessiert hätten. Diese hätten meiner Meinung nach auch detaillierter sein können. Dass während einer Woche in einer einsamen Hütte nicht viel passiert, ist mir bewusst, aber zumindest ein paar Eindrücke mehr hätte ich mir gewünscht. Immerhin ist so eine Erfahrung nicht alltäglich und eine Woche kann sehr lang sein.

Mein Fazit? Gefiel mir eigentlich ganz gut, aber von den autobiographischen Stellen hätte ich mir mehr Details gewünscht.

Samstag, 27. August 2022

Meine liebsten Buchzitate #100

 1. "Wutschrift. Wände einreißen, anstatt sie hochzugehen" von Pia Klemp, Seite 30

Die Welt ist nicht für Frauen gemacht, weil wir die Unverfrorenheit besitzen, keine Männer zu sein.

2. "Erzählende Affen" von Friedemann Karig und Samira El Ouassil, Seite 356

Wenn sich alles ändert, weil wir sonst alles zerstören, drängt sich die nächste Frage auf: Leben wir eigentlich in einer Utopie oder Dystopie?

3. "A Girl like her" von Talia Hibbert, 16%

Like a fool, he blurted out, “You’re little.” 

She snorted. “You’re disgracefully tall. What’s your point?” 

“Disgracefully?” 

“It’s indecent,” she said. “You can’t possibly need all that height.

4. "Book Lovers" by Emily Henry, Seite 6

That's the thing about women. There's no good way to be one. Wear your emotions on your sleeve and you're hysterical. Keep them tucked away where your boyfriend doesn't have to tend to them and you're a heartless bitch. 

Mittwoch, 24. August 2022

Wie man die Zeit anhält [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Notiz an mich selbst: Schreibe in Zukunft die Rezensionen zu allen Buchclub-Büchern vor dem abschließenden Treffen dazu. Du kannst das Buch danach nicht mehr nur nach deinem Geschmack bewerten. Die Einwände aller anderen Mitglieder beeinflussen deine eigene Meinung dazu. Du machst dir das Leben dadurch nur selbst schwerer...

Was bei diesem Buch besonders spannend war, ist, wie unterschiedlich es von uns wahrgenommen wurde. Naja, eigentlich finde ich das bei allen Buchclubbüchern spannend. In der Gruppe kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Buchgeschmäckern zusammen und allen fällt etwas anderes auf. Beispielsweise bewerteten wir die Ausgangssituation ganz unterschiedlich: Während es ein Teil der Gruppe schrecklich fand, so langsam zu altern, wie es hier der Protagonist tut, fanden andere diese Idee gar nicht so abstoßend. Während einige es voll und ganz nachvollziehen konnten, dass sich der Protagonist nach seinen Erfahrungen mit der katholischen Kirche und der Hexenverfolgung isoliert, hielten es andere (unter anderem ich) für eine viel bessere Idee, wenn sich die langsam alternden Menschen (und vielleicht auch ihre Angehörigen) zusammenrotten würden und zusammen eine eigene, kleine Parallelwelt aufbauen würden. Warum will man denn auch bitte so unbedingt Teil einer Welt sein, wenn man einfach nicht zu dieser Welt passt? Vor allem, wenn man seine Zeit genauso auch mit Menschen verbringen könnte, die zumindest in manchen Aspekten gleich oder sehr ähnlich sind wie man selbst? Ja, ich kann es schon versteht, wenn ich die Erfahrungen des Protagonisten bedenke, aber ich denke, dass bei einem Dorf der Fast-Unsterblichen inmitten einer sterblichen Welt eine interessantere Geschichte entstanden wäre.

Und eine interessantere Geschichte, die hätte es meiner Meinung nach gebraucht. Ich hatte hier vor allem das Problem, dass der Protagonist zwar so viele Geschichten aus seinem Leben erzählt, aber wir nur wenige wirklich miterleben dürfen. Dafür erfahren wir viel über seinen aktuellen Alltag als Lehrer. Tut mir leid, aber im Vergleich zu Expeditionen auf Entdeckerbooten, Treffen mit den Fitzgeralds oder einer Zusammenarbeit mit Shakespeare ist das meiner Meinung nach einfach langweilig. Und auch die Liebesgeschichte, die sich zwischen ihm und einer anderen Lehrerin entwickelte, machte das Ganze meiner Meinung nach nicht spannender. Vor allem, weil hier sehr stark das Klischee der unsterblichen wahren Liebe bedient wird. Der Protagonist hatte nämlich vor Ewigkeiten eine andere Beziehung und eine Familie mit einer Frau, die er in der Zwischenzeit an den Tod verloren hat. Sorry, aber sowas halte ich einfach für nicht glaubwürdig. Vielleicht höre ich mich jetzt an, wie ein gefühlsloser Mensch, aber sollte man innerhalb mehrerer Jahrhunderte nicht irgendwann wieder selbst zu leben (und zu lieben) beginnen, auch wenn ein lieber Mensch verstorben ist? Ich habe allerdings auch noch nie einen Partner auf diese Art verloren, widersprecht mir also bitte einfach, falls ich hier Schmarrn schreibe. Nachvollziehbarer fand ich die Tatsache, dass sich der Protagonist immer noch auf der Suche nach seiner Tochter befindet, die wahrscheinlich ebenfalls nur sehr langsam altert. Aber auch auf dieser Handlungsebene passierte leider nicht viel. Er denkt viel über seine verschollene Tochter nach, von einer aktiven Suche bekommen wir als Leser:innen aber leider nicht viel mit.

Mein Fazit? Nun, dieser Roman hat für viele Diskussionen und für Gedankenspiele innerhalb der Gruppe gesorgt. Es handelt sich bei diesem Text meiner Meinung nach leider aber um einen der eher schwächeren Texte von Matt Haig.