Sonntag, 31. Juli 2022

Monster auf der Couch

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch ist einfach großartig gestaltet. Da gibt es mehr Details zu entdecken, als ich es mir erwartet habe, und ich hatte große Freude mit der Lektüre. Es gibt hier zum Beispiel Skizzen, die die Psychologin von ihren Klient:innen angefertigt hat, Gesprächsprotokolle, die durch handschriftliche Notizen ergänzt wurden (natürlich aufgedruckte und keine tatsächliche Handschrift, aber es schaut trotzdem cool aus!), Briefe und Tagebucheinträge. Dieses Buch zu lesen fühlte sich an, als würde ich selbst Ermittlungen anstellen, was mit der Psychologin denn eigentlich passiert ist.

Das ist die Ausgangssituation dieses Buchs: Eine Psychologin ist spurlos verschwunden und ihre Lebensgefährtin ist außer sich vor Sorge. Deswegen schickt sie alle Notizen ihrer Partnerin an die Polizei, in der Hoffnung, dass die was damit anfangen können. Die Ermittlungsarbeit müssen wir Leser:innen dabei selbst betreiben. Wir müssen selbst rausfinden, was mit der Psychologin passiert ist, indem wir ihre Notizen durchgehen und so tief in ihren Arbeitsalltag eintauchen. Ich fand das spannend, verstehe aber die Leute, die enttäuscht waren, weil sie sich einen klassischen Krimi erwartet hätten. Denn so einen bekommt ihr hier nicht.

Auch der Stil hat mich positiv überrascht. Die Texte waren zu gleichen Teilen witzig und nachdenklich. Viele der literarischen Figuren, die hier "auf der Couch" landen, kannte ich schon vor diesem Roman. Durch diese Lektüre habe ich aber auf jeden Fall einen neuen Blick auf sie erhalten, was für mich spannend war. Und gegen Ende gab es dann sogar noch Elemente, die auf mich fast wie auf einen Psychothriller wirkten. Dort wird dann nämlich etwas enthüllt, was meinen Blick auf alle vorhergehenden Texte veränderte und in mir den Wunsch weckte, das gesamte Buch sofort nochmal zu lesen.

Mein Fazit? Super spannende Mischung aus Krimi und Fantasyroman mit vielen intertextuellen Anspielungen!

Donnerstag, 28. Juli 2022

Wenn die Hoffnung stirbt, gehts trotzdem weiter [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Heute rezensiere ich mal wieder ein Buchclubbuch für euch - und ausnahmsweise mal vor unserem Treffen. Normalerweise gehöre ich nämlich zu den Menschen, die so eine Lektüre bis zur letzten Sekunde aufschieben und die letzten paar Seiten auf dem Weg zum Clubtreffen lesen. Ups.

Dieses Buch hatte ich seit Weihnachten auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich habe es dem Club vorgeschlagen, weil es mir immer Spaß macht, mit ihnen über politische Aspekte unserer Bücher zu diskutieren. Und ja, da gibt es immer was zu besprechen. Selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt. Ich sag nur: Angelini Josephin. Die Buchclubmädels wissen, was da los war. Der Rest von euch bekommt irgendwann noch einen kurzen Einblick, wenn ich dieses Buch dann endlich mal rezensiere. Und nein, ich bin nicht diejenige, die die Diskussionen auf politische Themen lenkt. Zumindest bei weitem nicht immer. Auf jeden Fall dachte ich mir, dass es wahrscheinlich auch spannend wäre, ein bisschen über politischen Aktionismus zu quatschen. Ich hab vor unserem Treffen schon in das Buch reingelesen und ich war mir sicher, dass der Buchclub den Tortenwurf auf die damalige Afd-Chefin feiern würden. (Das Video gibt es übrigens auch auf Youtube. Sucht dort an eurem nächsten schlechten Tag einfach mal nach dem "Tortalen Krieg".) Bei anderen Aktionen war ich mir wiederum nicht ganz so sicher, ob das alle gut finden würden. Aber dafür lese ich diesen Text ja in einem Buchclub: Ich will über die Aktionen sprechen und wenn irgendwer ganz anderer Meinung ist, dann möchte ich wissen warum und ob ich die Argumentation der anderen Person nachvollziehen kann. Auf jeden Fall wurde dieses Buch dann zur nächsten Lektüre gewählt und jetzt dauert es nur noch eine halbe Ewigkeit, bis wir endlich unser nächstes Treffen haben.

Wie weit würdet ihr persönlich gehen, wenn ihr euch für ein Thema einsetzt, dass euch wirklich am Herzen liegt? Ich habe bisher demonstriert, Mails an politische Entscheidungsträger:innen geschrieben, gehe regelmäßig die aktuellen Volksbegehren durch, gehe zu jeder Wahl und ich engagiere mich immer mal wieder ehrenamtlich. Das Peng-Kollektiv geht da weiter und gestaltet Aktionen, für die ich wohl einfach zu feige bin. Vor der NSA für einen Aussteigerverein für Geheimagent:innen werben? Mich in die Szene der Klimaleugner:innen einschleusen? Politiker:innen/Nazis Kuchen ins Gesicht klatschen? Obwohl... Für letztere Aktion hätte ich eine lange Liste an Politikern (aktuell nicht gegendert), denen so ein bisschen Sahne im Gesicht wohl nicht schaden würde...

Dieses Buch hat mir einfach Spaß gemacht und mich gleichzeitig dazu gebracht, nachzudenken und mich und meine Privilegien zu hinterfragen. Und das auch nachdem ich das Buch schon beendet habe. Vor allem in Supermärkten muss ich jetzt ständig an diesen Text denken. Darin wird nämlich eine Frau zitiert, die sich darüber ärgert, dass Menschenrechte im Supermarkt durch Kund:innen verhandelt werden. Und sie hat recht: Es ist total absurd, dass wir beim Einkaufen darüber entscheiden sollen, ob es Sklaverei in dieser Welt gibt, ob Kinder Schokolade herstellen müssen, ob Menschen ausgebeutet werden. Genauso absurd wie dort zu entscheiden, ob Tiere anständig behandelt werden oder ob die Umwelt vergiftet wird. Warum sollten das Kund:innen entscheiden? Sollte nicht eigentlich die Politik sicherstellen, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen, kein Tierleid und Umweltschutz ganz normal sind? Was ist das nur für eine verkorkste Gesellschaft, in der wir leben?

Mein Fazit? Ich werde das Kollektiv und seine Aktionen auf jeden Fall weiter beobachten. Und ich freue mich schon sehr auf die Diskussion im Club.

Montag, 25. Juli 2022

Meine liebsten Buchzitate #97

 1. "The Comfort Book" von Matt Haig, Seite 147

You are here. And that is enough.

2. "Honey Girl" von Morgan Rogers, Seite 109

"Auch wenn Leute nicht an Geschichten glauben", sagt sie, während sich ihre rosigen Lippen zu einem Gähnen öffnen, "können sie trotzdem wahr sein."

3. "Wutschrift. Wände einreissen, statt sie hochzugehen" von Pia Klemp, Seite 13

Ich bin eine wütende Frau, Gott sei Dank! 

4. "The Secret Book Club. Ein Liebesroman ist nicht genug" von Lyssa Kay Adams, Seite 122 und 123

Angst bringt uns dazu, blöde Dinge zu tun. Schlechte Entscheidungen zu fällen, die uns schaden und verhindern, das zu bekommen, w-was w-wir im Leben wirklich wollen.

5. "Klartext Klima! Zusammenhänge verstehen, loslegen und effektiv handeln" von Sara Schurmann, Seite 46

Die Klimakrise ist kein weiteres Problem auf der Bühne, sie bedroht die Bühne selbst.