Montag, 4. November 2019

Der Regisseur

Autorin: Olivia Kleinknecht
Erschienen am 1.10.2019
Über epubli
ISBN: 9783750239401
Rezensionsexemplar: Ja

Quelle: Autorin


Zur Autorin:
"Olivia Kleinknecht, 1960 in Stuttgart geboren, studierte Rechtswissenschaft in München und promovierte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Doktor der Rechte. Weitere Studien an der Kunsthochschule Accademia delle Arti del Disegno in Florenz folgten; die Aquarelle und Ölbilder der Künstlerin wurden bei Ausstellungen in Lausanne, Florenz und Stuttgart gezeigt.Seit 1994 ist sie freie Autorin und verfasst Romane und Sachbücher. Sie publizierte u.a. bei der Frankfurter Verlagsanstalt, S. Fischer und Edition Epoca. 1998 nahm sie am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Olivia Kleinknecht ist Mitglied des Deutschschweizer PEN-Zentrums, des Verbandes "Autorinnen und Autoren der Schweiz", des Syndikats e. V. und Associate Member der ESSWE. Sie lebt in Ludwigsburg und Zürich."
Quelle: lovelybooks.de

Klappentext:
"Die Filmindustrie ist das ideale Jagdgelände für Macht-Erotiker vom Schlage des Vittorio Angelotti. Frauen wie Männer stillen seinen sexuellen Appetit. Den perfekten Auftritt zu inszenieren, gehört zu den leichtesten Übungen des Regisseurs, der gerade mit dem Film “Der Papst“ die Grenze des guten Geschmacks ausgelotet hat. Aber auch in der Realität will er die Fäden nicht aus der Hand geben. Da ist Giulia, die aus Verbitterung über die Mühseligkeit ihres Alltags ihren tyrannischen Ehemann umbringen will. Oder die Prostituierte, die sich in seltener Souveränität ihrer Klientel bedient, aber den seelenlosen Sex im Kaufrausch kompensiert. Oder Mia, die als Drehbuchautorin zur Sklavin ihres Auftraggebers wird. Alle werden sie von Vittorio manipuliert. Egomanisch mischt er Leiden und Freuden, Genuss und Schmerz. So wundert es nicht, dass dieser diabolische Don Giovanni nach dem letzten Kick der Selbstbefriedigung sucht und ihn in der Auslöschung eines Menschen zu finden hofft.

Der Thriller zeigt eigentlich, wie Fifty Shades of Grey aus dem Ruder laufen kann und ist auch ein Beitrag zu MeToo."
Quelle: lovelybooks.de

Meine Meinung:
Für dieses Buch nehme ich auch an einer Bloggertour teil! Ihr könnt euch also auch noch auf einen supertollen Themenbeitrag mit Gewinnspiel zu diesem Buch freuen! Schaut also auf jeden Fall am 10. nochmal bei mir vorbei, da erscheint der Themenbeitrag. Und glaubt mir, auf die Gewinne bin ich fast schon neidisch!

Dieses Buch ist, wie ihr wisst, ein Rezensionsexemplar. Von der gleichen Autorin habe ich auch schon "Luna Park" gelesen. Das war allerdings ein Kinderbuch, was dieser hier ganz eindeutig nicht ist.

Die zwei Hauptfiguren sind Vittorio und Giulia.  Manchmal erzählen auch die Prostituierte, deren Namen ich nicht mehr weiß und Mia, aber hauptsächlich die zwei anderen. Beide sind nicht wirklich sympathische Figuren und sollen es auch wahrscheinlich gar nicht sein. Vittorio ist ein A***h und ein Narzisst wie er im Buche steht und es war mir richtig unangenehm, seine Sicht der Dinge zu lesen. Er weiß, dass das, was er tut nicht richtig ist - und trotzdem tut er es, denn gerade deswegen macht es ihm Spaß. Und dabei macht er vor nichts halt: Selbst Minderjährige sind vor ihm nicht sicher. Um zu bekommen, was er will, ist ihm nichts zu schade. Er zahlt dafür, erpresst, schmeichelt, verspricht eine große Karriere. Und sobald er mit seinen Opfern fertig ist, lässt er sie fallen, wie eine heiße Kartoffel. Bei ihm dreht sich eigentlich alles nur um drei Dinge: Seine Perfektion, seine Gier nach Sex und seinen Hunger nach immer mehr Ruhm, Adrenalin, und so weiter. Hauptsache mehr.
Auch Giulia war mir nicht wirklich sympathisch. Sie steckt in einer sehr unglücklichen Ehe mit einem totalen Macho, der sie missbraucht und terrorisiert. Sie weiß nicht, wie sie sich aus dieser Situation befreien kann - eine Scheidung kommt für sie nicht in Frage, denn sie hat Angst, dass er sie nicht gehen lässt. Kann ich irgendwie verstehen. Irgendwie aber auch nicht. Naja, ich war auch noch nie in so einer Situation. Gott sei Dank, bleibt hoffentlich so. Aber zurück zum eigentlichen Thema: Giulia findet ihre Lösung in einer Zeitschrift: Ein Auftragskiller wäre praktisch. Also macht sie sich auf die Suche danach. Unwissend, dass sie damit ins Fadenkreuz von Vittorio gerät, der seine eigenen Pläne mit ihr und ihrem Mann hat.

Bei diesem Buch geht es auf jeden Fall um ein Thema, das immer noch hochaktuell ist. So heißt es zumindest laut Autorin, Klappentext und co. Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht. Ich hätte mir da eine kritischere Sicht gewünscht. Beispielsweise hat es mich gewundert, dass ihn jeder einfach machen lässt und die meisten ihm einfach zu verfallen scheinen. Ich hätte es gut gefunden, wenn es da irgendjemanden gegeben hätte, der sich wehrt. Denn so werden zwar die Parallelen klar und es ist auch offensichtlich, dass Vittorio ein ekelhafter Typ ist, aber das Ganze bleibt doch eher unkommentiert. Keine Ahnung, vielleicht hätte ich mir auch eine gegen Vittorio gerichtete Racheaktion gewünscht. Oder prinzipiell Gerechtigkeit. Mit dem Ende konnte ich mich auch jetzt noch nicht anfreunden, auch wenn ich schon über eine Woche mit diesem Buch fertig bin.

Den Schreibstil fand ich ganz gut. Was mich gestört hat, war der ständige Perspektivenwechsel und die fehlende Unterteilung in Kapitel. Ihr habt richtig gehört: Es gibt keine Kapitel! Zumindest nicht offiziell. Zwischen den Perspektiven ist immer so ein Bild von einer Filmklappe, aber keine Zahlen oder Zwischenüberschriften. Da mag ich persönlich es lieber, wenn ich Kapitelzahlen habe, aber das ist, schätze ich, Geschmackssache. Der Perspektivenwechsel hat mich wirklich gestört. Die einzelnen Abschnitte waren gerade zu Beginn sehr, sehr kurz. Schöner hätte ich längere Teile gefunden, wo wirklich am Stück aus einer Sicht durcherzählt wird. So hat mich der Wechsel leider immer wieder aus dem Lesefluss gerissen.

Mein Fazit? War schon in Ordnung. Ein paar Schwächen gibt es, an denen man noch arbeiten könnte, aber im Großen und Ganzen, hat es schon gepasst.

Sonntag, 3. November 2019

Faschist werden. Eine Anleitung

Autorin: Michela Murgia
Erschienen am 11.4.2019
Im K. Wagenbach Verlag
ISBN: 9783803136862
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag


Zur Autorin:
"Michela Murgia wurde 1972 in Cabras (Sardinien) geboren. Bei Wagenbach erschienen der SALTO-Band »Elf Wege über eine Insel« sowie im Taschenbuch »Camilla im Callcenterland« und »Murmelbrüder«. Ihr Erfolgsroman »Accabadora« wurde in 25 Sprachen übersetzt und auf Deutsch bereits über 150.000 Mal verkauft."
Quelle: Verlag

Klappentext:
"Die Demokratie ist mühsam, fehlerhaft und instabil. Entscheidungsprozesse sind langwierig, kompliziert und teuer, politische Parteien kaum zu unterscheiden. Zu viele Beteiligte müssen gefragt, möglichst alle Minderheiten einbezogen werden. Wäre da eine volksnahe Führung mit mehr Entscheidungsfreiheit nicht wirkungsvoller? Ist der Faschismus nicht effizienter in der Durchsetzung zentraler Ziele für das gesellschaftliche Zusammenleben? Oder warum sonst wurden in jüngster Zeit so viele populistische Regierungen gewählt?
»Faschist werden« beschreibt, wie man sich innerhalb der Demokratie in Position bringen kann, wie man über die sozialen Medien das demokratische Chaos vorführt und welche argumentativen Muster zu beachten sind.
Michela Murgia hat eine provozierende Polemik über die italienische und europäische Gegenwart verfasst – und auch im deutschsprachigen Raum sollen politische Gegner, wenigstens rhetorisch, »gejagt« oder »entsorgt« werden. Geschichtsrevisionistische Vorstöße häufigen sich, sozial Schwache werden gegen Geflüchtete ausgespielt. Und der Grat zwischen solidarischem und reaktionärem Denken ist oft schmaler als gedacht – auch in uns selbst.
Mit Faschistometer zum Selbsttest."
Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Erinnert ihr euch noch an dieses Buch? Das ist das eine, bei dem ich euch geschworen habe, dass das Cover im echten Leben viel besser aussieht, da es nicht ganz so grellpink ist. Der Meinung bin ich immer noch. Gerade habe ich nämlich wieder einen halben Herzinfarkt bekommen, weil mich das Pink so geblendet hat! Lieber Verlag: Wie geht das, dass das Pink hier so unglaublich grell ist? Das tut ja in den Augen weh!

Jetzt aber ab zum Thema, um das es eigentlich geht: Der Buchinhalt! "Faschist werden" ist ein Sachbuch, das seinen Lesern erklärt, wie man die Demokratie umstürzen und den Faschismus an die Macht bringen kann. Das beginnt bei der richtigen Ausdrucksweise ("Das wird man wohl noch sagen dürfen!"/"MEINUNGSFREIHEIT!!!!"), geht weiter über die Erschaffung des richtigen Feindbildes (die bösen, bösen Flüchtlinge/Homosexuellen/Muslime/Juden/Feministen/...) bis hin zum Ergreifen der Macht. Das Buch ist dabei so geschrieben, dass es zu großen Teilen kaum als Satire erkennbar ist. Ich habe regelmäßig die Lektüre unterbrochen, um nochmal nachzuschauen, ob das wirklich Satire ist - oder ob ich nicht aus Versehen das Parteiprogramm einer faschistischen Partei in die Hand bekommen habe. Stellenweise kam mir fast schon wieder mein Schwarztee hoch! Gerade aber dadurch, dass dieses Buch so wenig wie eine Satire scheint, hat es mich zum Nachdenken gebracht und mich sensibilisiert. Zum Beispiel wird in diesem Buch erwähnt, dass immer mehr Lehrer es nicht schaffen, den zweiten Weltkrieg im Unterricht durchzunehen, da "leider keine Zeit mehr da war". Und ich hatte, hoffentlich als einzige Schülerin der Weltgeschichte, erst in der Oberstufe einen Lehrer, der mit uns über den zweiten Weltkrieg gesprochen hat. Davor wurde das Thema zwar immer wieder mal angesprochen, aber so richtig viel gelernt haben wir darüber weder in der Volkschule, noch in der Hauptschule. Begründet wurde das immer mit eben diesem Argument: Es war halt keine Zeit mehr da. Heißt also, wenn es meinem Opa nicht so wichtig gewesen wäre, dass ich weiß, wie schrecklich die Zeit des zweiten Weltkrieges war, und wenn ich nicht immer schon viel gelesen hätte, dann hätte ich zum ersten Mal mit 17 Jahren vom zweiten Weltkrieg gehört. Und das finde ich ganz schön krank. Ich dachte immer, dass meine Lehrer einfach eine Ausnahme waren, aber wenn es dieses Phänomen sogar in ein Buch schafft, dann wird es wohl doch weiter verbreitet sein, als ich dachte. Ich will meinen Lehrern auch gar nichts unterstellen - Ich war in sehr schwierigen Klassen, da kann ich mir gut vorstellen, dass die Zeit tatsächlich knapp geworden ist, da man zu viel Zeit damit verbringen musste, die Kids irgendwie unter Kontrolle zu bringen. Aber trotzdem: Um jeden einzelnen der Habsburger-Kaiser zu behandeln, hat die Zeit offensichtlich gereicht.
Nun aber wieder zurück zum Buch. Es ist auf jeden Fall sehr, sehr, sehr provokant. Dass das eine Satire ist und nicht ernst gemeint, war nur an sehr wenigen Stellen sichtbar. Auf der einen Seite hat mich das zum Nachdenken angeregt, andererseits fand ich das aber auch riskant, da ich mir vorstellen könnte, dass es manche Leute gibt, die einen Text wie diesen ernst nehmen würde. Ob die allerdings ein Buch mit dem Titel "Faschist werden" kaufen würden? Oder überhaupt Bücher?

Zu guter Letzt möchte ich euch noch mein Ergebnis des Faschistometers vorstellen: Ich hatte zwölf von 65 Punkten und bin damit ein "Aspirant". Meine "Entwicklung zum Faschisten" steckt also noch "in den Kinderschuhen" und ich ähnle eher einem "wütenden Demokraten als einem heiteren, gut ausgebildeten Faschisten". Tja, kann man nichts machen! Werd ich halt doch keine Faschistin.

Freitag, 1. November 2019

Hot Dog Girl

Autorin: Jennifer Dugan
Erschienen am 30.04.2019
In G.P. Putnam's Sons Books for Young Readers
ISBN: 9780525516255
Rezensionsexemplar: Nein

Quelle: Verlag


Zur Autorin:
"Jennifer Dugan is a writer, geek, and romantic who writes the kinds of stories she wishes she had growing up. In addition to being a young adult novelist, she is also the writer/creator of two indie comics. She lives in New York with her family, dogs, and an evil cat that is no doubt planning to take over the world."
Quelle: Goodreads

Klappentext:
" Elouise (Lou) Parker is determined to have the absolute best, most impossibly epic summer of her life. There are just a few things standing in her way:

* She's landed a job at Magic Castle Playland . . . as a giant dancing hot dog.
* Her crush, the dreamy Diving Pirate Nick, already has a girlfriend, who is literally the Princess of the park. But Lou's never liked anyone, guy or otherwise, this much before, and now she wants a chance at her own happily ever after.
* Her best friend, Seeley, the carousel operator, who's always been up for anything, suddenly isn't when it comes to Lou's quest to set her up with the perfect girl or Lou's scheme to get close to Nick.
* And it turns out that this will be their last summer at Magic Castle Playland--ever--unless she can find a way to stop it from closing.

Jennifer Dugan's sparkling debut coming-of-age queer romance stars a princess, a pirate, a hot dog, and a carousel operator who find love--and themselves--in unexpected people and unforgettable places."

Quelle: Verlag

Meine Meinung:
Uff, dieses Buch war eine Achterbahn! Dieses Buch habe ich in einem englischen Buchladen in Krakau gefunden. Deswegen habe ich es auch auf Englisch gelesen. Wisst ihr noch, wie ich bei "The Subtle Art of Not Giving a F*ck" betont habe, dass ich auch jüngere Leser habe und deswegen den deutschen Klappentext übernommen habe und nicht den englischen? Tja, hier gibt es bisher leider nur einen englischen Klappentext. Ich denke aber, dass der relativ einfach zu verstehen ist, also hoffe ich einfach mal, dass jeder damit zurechtkommt!

Die Hauptperson dieses Buchs ist Lou. Sie ist 16 Jahre alt, kommt aus einer sehr kleinen Stadt und einer sehr zerütteten Familie und ist bis über beide Ohren in den gutaussehenden Nick verliebt. Der ist aber mit der scheinbar perfekten Jessa zusammen. Doch das kann und will Lou nicht einfach hinnehmen.und deswegen will sie jetzt eine Beziehung mit ihrer besten Freundin Seeley vortäuschen. Hört sich extrem manipulativ, krank und besorgniserregend an? Glaubt mir, das war es auch! Um Lous geistigen Zustand mache ich mir wirklich Sorgen. Sie läuft durch die Welt als hätte sie Scheuklappen an. Sie sieht nur sich selbst und ihr eigenes Leben und ihre eignen Wünsche für den Sommer, der natürlich perfekt sein muss. So perfekt, dass es sowieso unmöglich ist, dass Lou zufrieden ist. Und dafür, dass alles so kommt, wie sie das will, scheut sie keine Hürden. Sie manipuliert munter alle Leute um sich herum, trampelt auf den Gefühlen ihrer Mitmenschen herum und wehe, jemand wagt es, sich einzumischen und ihr zum Beispiel zu sagen, dass das was sie tut eigentlich ziemlich krank ist. Da ist Lou dann nämlich sofort das Opfer der Nation. Sie ist ja total unschuldig und irgendwie scheint es ja jeder auf sie abgesehen zu haben, inklusive Gott, Amor und Fortuna höchstpersönlich. Das war zu Beginn noch ganz witzig, irgendwann gingen mir Lou und vor allem ihr ständiges Selbstmitleid aber nur noch auf die Nerven. Reiß dich doch mal zusammen, Mädchen! Und hör auf Seeley, die ist nämlich echt die vernünftigere von euch beiden!

Die Geschichte war natürlich sehr von Lou und ihrer Weltsicht geprägt. Wunderts wen? Prinzipiell finde ich die Idee lustig, auch wenn sie wirklich nicht neu ist. Aber wie gesagt, die Grundidee ist gut. Problematisch war halt das ewige Selbstmitleid, das mir irgendwann wirklich nur noch auf die Nerven ging. Außerdem war as Ende der Geschichte...vorhersehbar. Für mich gab es von Anfang an nur zwei mögliche Ausgänge der Geschichte: Lou kommt mit Nick zusammen oder Lou kommt mit Seeley zusammen. Nach den ersten paar Kapiteln war dann nur noch eine Option für mich vorstellbar und so kam es dann auch.

Den Schreibstil fand ich toll. Der war authentisch und konnte auf jeden Fall einiges (wenn auch nicht alles) retten.

Mein Fazit? Liest sich ganz gut. Allerdings braucht man für diese Dosis Selbstmitleid wirklich Nerven aus Stahl!