Samstag, 30. Oktober 2021

Meine liebsten Buchzitate #66

 1. "Bücherliebe" von Annie Austen, Seite 11-12

Bücherregal eröffnen eine Art Abkürzung zur Persönlichkeit eines Menschen, ganz so, als würde sich in ihnen das Walten seiner Psyche abbilden. Wie erleichtert sind wir  doch, wenn wir Titel entdecken, die wir auch selbst besitzen, vor allem dann, wenn sie zu unseren Lieblingsbüchern zählen. Wie spannend finden wir es, auf Autoren zu stoßen, von denen wir noch nie etwas gehört haben, oder auf die gesammelten Werke einer bestimmten Autorin, die schon lange auf unserer heimlichen Wunschliste steht. Und wie enttäuscht sind wir, wenn wir jede Menge Bücher aus einem Genre vorfinden, mit dem wir rein gar nichts anfangen können oder das wir sogar aktiv ablehnen. Was wir dann empfinden, ähnelt dem Gefühl, das uns überkommt, wenn jemand, den wir mögen, im Restaurant die Bedienung unhöflich behandelt.

2. "Night Rebel. Kuss der Dunkelheit" von Jeaniene Frost, Seite 53

Todesdrohungen wirkten auf Ian wie eine Herausforderung, ein Witz - oder ein Aphrodisiakum.

3. "Female Choice" von Meike Stoverock, Seite 23

Einen Satz zu sagen, der mit "Männer/Frauen sind" beginnt, ist ein bisschen so, wie mit zwei brennenden Schwertern zu jonglieren, während man mit verbundenen Augen auf einem Einrad über ein Hochseil fährt, unter dem das Sicherheitsnetz fehlt, weil der Zirkusdirektor es in die Reinigung gegeben hat, der Depp. Egal wie der Satz weitergeht - Angehörige der beschriebenen Personengruppen werden aufschreien, weil es sich um eine aus ihrer Sicht unzulässige Verallgemeinerung handelt."

4. "to drink coffee with a ghost" von Amanda Lovelace, Seite 77

your
comfort
is not
more
important
than 
my journey
to
healing.

- i will never live a life of quiet again.

5. "break your glass slippers" von Amanda Lovelace, Seite 14

there is a girl who
sings only when
every window
is shut.

like most girls,
she's been learning
the trait of silence
since birth.

everyone 
underestimates
how important
her voice is,

& the greatest
tragedy of all is
that she does,
too.

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Lob der guten Buchhandlung [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Wusstet ihr, dass man in der Wagnerschen Buchhandlung in Innsbruck nachts alleine (beziehungsweise mit ein paar Freund:innen) Zeit verbringen kann? Das ist eine von den Vorstellungen, die ich mir gerne durch den Kopf gehen lasse, wenn ich einen schlechten Tag habe: Ich lasse mich einfach mal abends in einer Buchhandlung einsperren  (wie ich das anstelle, variiert von Tagtraum zu Tagtraum) und dann verbringe ich eine ganze Nacht umgeben von meinen liebsten Büchern und denen, die es noch werden könnten. Dass das wirklich möglich ist (und zwar ohne dass ich das Gesetz brechen muss), habe ich allerdings erst durch dieses Buch erfahren. Also, liebe Wagnersche, nur, dass das klar ist: Irgendwann verbringe ich mal eine Nacht in eurer Buchhandlung. Falls ihr Interesse an einer Kooperation diesbezüglich habt: Hit me up!

Joa, ich glaube, jetzt ist dann auch schon klar, was mein liebster Buchbeitrag war. Eventuell bin ich beim Lesen dieses Kapitels ein bisschen ausgeflippt. Aber auch die anderen Kapitel sind ziemlich spannend. Was sie alle gemeinsam haben? Die Liebe zu Büchern und zu Buchhandlungen. Jedes Kapitel wurde von einem/r anderem/n Autor:in geschrieben. Wie das bei solchen Anthologien immer ist, gilt auch hier: Manche der Texte finde ich schwächer, manche mittelmäßig, manche waren absolute Highlights. Manche sagten mir inhaltlich mehr zu, andere weniger. Aber selbst wenn ich mal die Worte eines/r Autor:in nicht ganz nachvollziehen konnte, kannte ich doch das Gefühl, das hinter all den Texten stand. Die Liebe zu Büchern und Buchhandlungen und Büchereien. Diese Liebe hat mein gesamtes Leben geprägt und so wie es im Moment aussieht, wird auch mein restliches Leben von dieser Liebe begleitet werden. Und das machte diese Lektüre für mich auch so schön. Diese Sammlung ist für mich wie ein Gespräch mit meinen lieben Unikolleg:innen in Innsbruck und Salzburg. Wenn ich dort aus dem Nichts anfange, über meine aktuelle Lektüre zu sprechen, über problematische Autor:innen zu jammern oder mich über nervige Trends der Buchbubble lustig zu machen, ist das ein ganz normales Gespräch und ihr wisst gar nicht, wie schön es ist, einfach mal ernsthaft länger über solche Themen sprechen zu können ohne Angst haben zu müssen, dass ich meinem Gegenüber auf die Nerven gehe. Diese Anthologie fühlte sich für mich an wie eines dieser Gespräche, falls das irgendwie Sinn macht.

Mein Fazit? Auch wenn nicht alle Texte in dieser Sammlung gleich gut sind, gehört dieses Buch trotzdem zu meinen Jahreshighlights.

Dienstag, 26. Oktober 2021

Blutkristalle [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Dieses Buch habe ich in meiner Bücherei ausgeliehen. Ich war auf der Suche nach Spannung und nach einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Vor dem Lesen hatte ich keine Ahnung, um was es geht. Ich habe den Klappentext nicht gelesen. Nur den Autorennamen gesehen und darauf los gelesen. Dieser Thriller ist sehr kurz, nur so um die 60 Seiten lang. Perfekt für zwischendurch. Und da das ein Büchereibuch war, musste ich mir keine Gedanken darüber machen, ob das Büchlein sein Geld wert ist.

In diesem Thriller wird eine besonders spannende Perspektive genutzt: Der Antagonist Wolfram erzählt. Er ist der Stalker von Ella, der es sich zum Ziel gemacht hat, ihren neuen Partner zu töten und sie davon zu "überzeugen", dass sie zu ihm gehört. Am besten, indem er spektakulär ihr Leben rettet. Und als er erfährt, dass sie mit ihrem neuen Liebhaber eine Wanderung in die Alpen plant, hält er das für die perfekte Gelegenheit, um seinen Plan umzusetzen. Und dass er alles tun wird, um den Plan durchzuziehen, daran habe ich keine Sekunde lang gezweifelt. Der Typ ist total durchgeknallt - leider nahm das meiner Meinung nach leider viel von der Spannung. Ich habe ihm sofort alles zugetraut, es gab für mich keine Hoffnungsmomente, dass er doch noch zur Vernunft kommen könnte.

Mit dem Ende war ich nicht ganz zufrieden. Da kamen bei mir einige Fragen auf, die nicht mehr geklärt werden konnten. Es wäre vielleicht gut gewesen, da noch ein paar mehr Informationen einzubauen oder die Geschichte von Anfang an aus zwei Perspektiven zu erzählen. Ja, dann wäre der Plottwist am Ende weniger spektakulär gewesen, aber dann hätte ich jetzt weniger offene Fragen. Und ich denke, dass auch diese zweite Perspektive sehr spannend gewesen wäre.

Aber alles in allem? Hat seinen Zweck erfüllt. Der Thriller konnte mich fesseln und unterhalten. Er hat einige kleinere Schwächen, die kann ich dem Buch aber verzeihen.