Sonntag, 29. Mai 2022

Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Eine Liebesgeschichte im universitären Kontext? War doch klar, dass ich das lesen muss. Dass dieses Buch außerdem im Englischen total gehyped wurde, hat meine Neugier noch weiter verstärkt. Ursprünglich plante ich, dieses Buch im Original zu lesen, dann stolperte ich aber in der Buchhandlung meines Vertrauens über die Übersetzung und habe deswegen doch die mitgenommen. Und dann hab ich das Buch extrem schnell durchgesuchtet und gleich danach eine meiner Freundinnen dazu gebracht, dieses Buch ebenfalls zu lesen. Und sie mochte es auch!

Überrascht wurde ich davon, dass die Wissenschaft hier tatsächlich eine Rolle spielt. Oft, wenn Buchfiguren die Universität besuchen, ist das ja reiner Schauplatz. Manchmal wird das ein oder andere Fachwort eingestreut oder die Protas sitzen in einer Vorlesung, aber das wars dann auch schon. Hier sind Olives Forschungen ein großes Thema, sie verbringt viel Zeit im Labor, fiebert Kongressen entgegen und so weiter und so weiter. Und auch wenn ich in einem ganz anderen Fachgebiet tätig bin und wahrscheinlich nie in einem Labor arbeiten werde, fand ich die Beschreibung wunderbar gelungen und sehr nachvollziehbar.

Ich wurde vorgewarnt, wer das Love Interest ist, war anfangs aber trotzdem kritisch. Immerhin handelt es sich dabei um einen Professor, während Olive noch Studentin ist. Phd-Studentin zwar, aber trotzdem ist da halt eine Hierarchie, die für mich gerade das Thema Consent schwierig macht. Zwar geht gerade zu Beginn keiner der beiden davon aus, dass das je relevant ist, trotzdem ist mir das gleich ins Auge gestoßen. Gerettet wurde die Situation meiner Meinung nach dadurch, dass die Figuren diese Situation selbst ansprechen und kritisch reflektieren.

Dieser Roman ist an sich ernst und spricht viele wichtige Themen an (zum Beispiel auch sexuelle Belästigung im universitären Kontext, was an meiner Uni aktuell leider wieder ein sehr aktuelles Thema ist), trotzdem gibt es viele lustige Stellen. Die Autorin hat einen angenehmen Humor und teilweise musste ich sogar laut loslachen.

Mein Fazit? Super geschriebener Liebesroman, der mich begeistern konnte.

Donnerstag, 26. Mai 2022

Meine liebsten Buchzitate #91

1. "The Comfort Book" von Matt Haig, Seite 70

Happiness occurs when you forget who you're expected to be. And what you're expected to do.

2. "Act your Age, Eve Brown" von Talia Hibbert, Seite 34

"If you're good," Mont continued firmly, "maybe Jacob will get his head out of his arse and take you seriously."
"I bloody won't," snapped the man in question.
Her patience snapping, too, Eve produced her sweetest smile. "You won't get your head out of your arse? Aren't you concernced about potential suffocation?"

3. "Game Changer" von Neal Shusterman, Seite 15

"Hautfarbe sollte keine Rolle spielen", hat man mich immer gelehrt - und ich habe es immer geglaubt. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was sein sollte, und dem, was ist. Und privilegiert sein heißt, diese Kluft nicht wahrzunehmen.

4. "The Secret Book Club. Die Liebesroman-Mission" von Lyssa Kay Adams, Seite 354 der Version auf Skoobe

Die Gesellschaft wurde verändert durch Tausende Frauen, die dachten, sie seien nur eine Hausfrau oder nur eine Sekretärin oder nur eine Näherin, bis sie eines Tages die Nase voll hatten und beschlossen, sich zu wehren.

5. "Die sieben Siegel der Zunge" in "Vom Zauber der Zunge. Reden gegen das Verstummen" von Rafik Schami, Seite 27

Drei Tage Arbeit genügen den Menschen. Wenn wir zwei Leben hätten, dann hätte ich in dem einen gearbeitet und im anderen genossen. Aber wir haben leider nur ein Leben, deshalb sollte der Mensch die Woche so aufteilen: drei Tage Arbeit, drei Tage Ruhe und einen Tag zum Nachdenken. 

Montag, 23. Mai 2022

Klartext Klima. Zusammenhänge verstehen, loslegen und effektiv handeln [Kurzrezension]

 

Quelle: Verlag

Ich hoffe, dass die meisten Leser:innen meines Blogs wissen, dass die Klimakrise kein Scherz ist und wir aktuell auf eine Katastrophe zusteuern. Innerhalb der nächsten 7,5 Jahren (!!!) müssen radikale Veränderungen passieren. Ich gehöre bereits zu einer Generation, die ein Leben ohne Klimakatastrophe nicht kennt. Für mich sind sehr heiße Sommer normal, starke Unwetter sind nichts Besonderes und dass die Gletscher schmelzen und Arten sterben war für mich schon immer so. Dass das noch nicht so normal war als meine Eltern oder meine Großeltern in meinem Alter waren, ist mir aber erst durch dieses Buch bewusst geworden. Und ich muss zugeben, dass mich das wütend gemacht hat.

Was mir an diesem Buch so gut gefallen hat? Es ist ehrlich. Es zeigt die Dinge, wie sie sind und die Konsequenzen, die ein fehlendes Handeln wie wir es jetzt gerade erleben, haben kann. Alles wird mit Quellen belegt, die Autorin gibt im Fließtext viele Tipps für die weitere Lektüre und arbeitet bei Konzepten, bei denen das Sinn macht, auch mit Diagrammen. Gleichzeitig wird auch auf Alternativen eingegangen und auf Möglichkeiten, wie man das Schlimmste noch abwenden kann. Schön finde ich auch, dass in diesem Buch nicht Einzelpersonen für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden, sondern der Fokus vor allem auch auf dem System liegt, in dem wir leben. Ja, jede:r Einzelne kann klimafreundlich handeln. Aber unsere Gesellschaft macht es uns gleichzeitig schwer, gute Entscheidungen zu treffen. Unsere Politik und unser Wirtschaftssystem fördern Verhalten, das unserer Umwelt schadet und stellen das als unveränderlich hin. Und auch jetzt, wo den Leuten der Ernst der Lage langsam bewusst wird, wird nicht für eine bessere Welt gekämpft. Stattdessen scheinen die meisten einfach aufzugeben. Kann man eh nichts mehr machen. Wir sind verloren! Ja, mit dieser Einstellung schon. Können wir uns jetzt bitte endlich mal etwas weniger selbst bemitleiden und handeln? Danke, ganz lieb!

Unser Gesellschaftssystem ist auch der Punkt, an dem die Autorin ansetzt: Schritt für Schritt zeigt sie auf, was sich verändern muss und welche Maßnahmen die Politik und Einzelpersonen jetzt endlich setzen müssen. Gleichzeitig widerlegt sie die häufigsten Ausreden, die Leute vorbringen, wenn es um Klimaschutz geht. Das Buch ist übersichtlich aufgebaut, Schurmanns Stil ist klar und verständlich und hat es trotz der sehr trockenen Thematik geschafft, mich zu fesseln. Und auch Schurmanns Aussage ist klar: Wenn wir möchten, dass unsere Generation entspannt oder zumindest ohne ständige Katastrophen alt werden kann, müssen wir JETZT was dafür tun. Nicht in zehn Jahren, JETZT.

Mein Fazit? Eines der besten Bücher zum Thema, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Es rüttelt auf, es schockiert und es regt zum Nachdenken und hoffentlich auch zum Handeln an.